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Full text of "Altnordisches Etymologisches Wörterbuch"

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ALTNORDISCHES ETYMOLOGISCHES 
WÖRTERBUCH 




ALTNORDISCHES 

ETYMOLOGISCHES 

WÖRTERBUCH 

VON 

JAN DE VRIES 


ZWEITE VERBESSERTE AUFLAGE 



LEIDEN 
E. J. BRILL 
1977 



1. Auflage 1957-60 

2. verbesserte Auflage 1962 

3. Auflage 1977 


Copyright 1962 by E. J. Brxll, Leidcn, Nethcrlands. 

All rights reserved. No part of this book may be reproduced or trans- 
lated in any form, by print, photoprint, microfilm or any other meanx 
without written permission from the publisher. 


PRINTED IN THE NETHERLANDS 



VORWORT 


Die vorbereitende arbeit fur dieses wörterbuch wurde 1939 angefangen; 
nachdem das zettelmaterial zusammengestellt und die einschlágige litera- 
tur exzerpiert worden war, wurde mit der ausarbeitung der ersten rein- 
schrift angefangen, die 1944 bis etwa ein drittel fertiggestellt war. 

Dann geriet die arbeit durch die verháltnisse der nachkriegszeit ins 
stocken, und erst um 1950 konnte ich, unter schwierigen verháltnissen, die 
arbeit zu ende fiihren. 

Die schwierigkeit, fur ein so umfangreiches buch einen verleger zu 
finden, wurde auf eine iiberraschende weise behoben, als sich die Firma 
Brill in Leiden bereit erklárte, die ausgabe zu untemehmen, falls ein 
zuschuss in die kosten des druckes gefunden werden könnte. Zu meiner 
besonderen freude war die niederlándische „Organisatie voor Zuiver 
Wetenschappelijk Onderzoek” bereit, den zur ausgabe benötigten zuschuss 
zu bewilligen; ich möchte deshalb dieser Organisation beim erscheinen des 
Buches meinen wármsten dank aussprechen. 

Mit hinsicht auf die einrichtung des wörterbuches sei folgendes be- 
merkt: 

Im allgemeinen sind diejenigen wörter, die auf eine leicht erkennbare 
weise mittels prá- oder suffixe abgeleitet worden sind, nicht aufgenommen 
worden; man wird die etymologie also unter dem gnmdwort finden. Nur 
in solchen fállen ist von dieser regel abgewichen, in denen das kompositum 
selbst zu besonderen bemerkungen anlasz gab. 

Jedes lemma besteht aus den folgenden teilen: 

a. Die entsprechungen in den anderen skandinavischen sprachen 

b. Die beziehungen zu anderen sprachen, bes. entlehnungen. 

c. Die verwandten wörter in den iibrigen germanischen sprachen. 

d. Die indogermanischen entsprechungen. 

e. Als fussnote: ubersicht der zweifelhaften etymologien, bemer- 
kungen zur form oder bedeutung der indogermanischen wurzel und 
deren weiterbildungen, schliesslich einiges zur frage der bedeutungs- 
entwicklung. 


ZUR ZWEITEN AUFLAGE 

Weil diese auflage ein photomechanischer nachdruck ist, konnten in dem 
text nur geringfugige ánderungen vorgenommen werden; ich muss deshalb 
den leser bitten die ‘Berichtigungen und Zusátze’ auf S. XLII ff zu be- 
rucksichtigen; sie sind wesentlich erweitert worden, besonders durch die 
wertvollen bemerkungen, die in den besprechungen meines buches gemacht 
worden sind. 




EINLEITUNG 


Wir kennen die altwestnordische sprache ausschliesslich aus literarischen 
quellen; die folge ist, dass der uberlieferte wortschatz bedeutende 
liicken aufweist. Denn, obgleich die sagas ein uberraschend wahrheits- 
getreues bild der lebensverháltnisse auf Island und in Norwegen zu geben 
versuchen, sie lassen trotzdem grosse gebiete des lebens ganz unberiick- 
sichtigt. Schon der umstand, dass die ereignisse sich durchgángig in den 
höheren gesellschaftsschichten vollziehen, lásst manches aus dem alltág- 
lichen leben im schatten. Was wir z.B. iiber die pflanzen- und tierwelt 
erfahren, ist nur ein ausschnitt aus der fiille des damaligen wortgebrauöhs. 
Auch die affektiven bildungen, die im intimeren zusammeideben der 
menschen eine so bedeutsame rolle spielen, sind in der mehr oder weniger 
stilisierten sprache der sagas und besonders der dichtung nur sparsam 
vertreten. Ein vergleich mit der islándischen sprache der gegenwart lásst 
uns ahnen, was alles hier im dunkeln verborgen geblieben ist, auch wenn 
wir dem umstand rechnung tragen, dass gerade in diesem sektor der sprache 
neubildungen fortwáhrend in erscheinung treten und álteres sprachmate- 
rial auf diese weise manchmal verdrángt wird. Der vergleich mit den ubrigeh 
skandinavischen sprachen beweist of t unzweideutig, dass ein wort, wiewohl uns 
nicht in den schriftlichen quellen iiberliefert, dennoch schon in der periode 
der gemein-nordischen sprache vorhanden gewesen sein muss. Wir können 
sogar aus entlehnungen in andere sprachen folgem, dass das betreffende 
wort, auch wenn es in unseren texten fehlt, einst im gebrauch gewesen 
sein muss. 

Die sprache der Eddas und ganz besonders der Skalden enthált ntm 
andererseits eine bedeutende zahl an wörtern und ausdrucken, die ganz 
besonders zu der gehobenen sprechart der dichtung gehören. Dazu gehören 
vor allem die archaismen, die, wenn sie nur einmal vorkommen, nicht 
immer leicht zu erkláren sind; dazu gehören weiter auch zahlreiche poetische 
umschreibungen, die fur die bildung der schwierigen kenningen das not- 
wendige material liefem. Wir wissen nicht einmal immer mit sicherheit, 
ob es sich nicht um augenblicksbildungen handelt, die nur der laune oder 
der verlegenheit des dichters ihr ephemeres dasein verdanken. Besonders 
verdáchtig sind die langen reihen poetischer wörter, die unter dem namen 
þulur iiberliefert worden sind. Unter den etwa 170 bezeichnungen fur 
„schwert” ist nur ein ganz bescheidener prozentsatz, der dem wirklichen 
sprachgebrauch entnommen ist; im allgemeinen sind es entweder veraltete, 
m der sprache der dichtung am leben erhaltene bezeichnungen oder neu- 
schöpfungen, zu denen die schwierige form der dróttkvcett -strophe die skalden 
nötigte. Man muss in diesem falle damit rechnen, dass die schriftliche uber- 
Heferung nicht alles richtig aufbewahrt hat und es ist ein aussichtsloses 
bemiihen, fur ein wort, das weiter nichts als eine verderbte lesart einer 
handschrift ist, eine etjunologie zu ersinnen. 

Diese art der uberlieferung des altwestnordischen erklárt, dass eine ziem- 
lich grosse zahl von wörtem keine entsprechungen in den ubrigen ger- 
manischen sprachen findet, ja dass sie manchmal auch in den skandinavi- 
s ohen schwestersprachen fehlen. Diese nur ftir Island bezeugten wörter 



VIII 


EINLEITUNG 


können naturlich kostbare relikte der gemeinsamen ursprache sein, die bei 
den iibrigen germanischen stámmen verloren gegangen sind. Aber das wird 
doch nur sehr selten der fall sein. Im allgemeinen erregen sie den verdacht, 
au f Island neu geschaffen zu sein, besonders wenn sie nur in der dichtung 
auftreten. Verbindungen mit nach ort und zeit weit entlegenen indoger- 
manischen wörtern miissen deshalb wohl immer einer gewissen skepsis 
begegnen. 

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass in mehreren fállen jede kunst 
des sprachvergleichens scheitert. Eher könnte man sich daruber wundern, 
dass bei einer solchen beschaffenheit des wortschatzes noch so vieles klar 
und durchsichtig ist, dass uberhaupt die anknupfung an das sprachmaterial 
der anderen indogermanischen sprachen möglich gewesen ist. Sehen wir 
genauer zu, so bemerken wir, dass eine grosse zahl der versuchten etymo- 
logien nur als erklárungshypothesen zu betrachten sind, die oft nur eine 
sehr bedingte wahrscheinlichkeit beanspruchen können. Man kann gerade- 
zu feststellen, dass die zahl der vollkommen gesicherten etymologien ziem- 
Iich klein ist und dass die zahl derjenigen, die sowohl nach der lautform 
wie nach der bedeutung keinerlei schwierigkeiten aufweisen, noch viel 
beschránkter ist. 

Man hat — nicht ohne eine gewisse úbertreibung — behauptet, dass 
etwa 30 % des germanischen wortschatzes in den anderen indogermanischen 
sprachen vollstándig fehlt. Dazu gehören so alltágliche bezeichnungen wie 
,,hand, weib, schaf, tag, trinken, fliehen” usw. Diese wörter einer ursprache 
zuzuweisen, die von der sprache der eingewanderten Indogermanen úber- 
lagert und teilweise aufgesogen wurde, ist eine erklárungshypothese, die 
mit dem schönen namen „Substrattheorie” eine zeitlang verfúhrerische 
wirkung ausúbte, jetzt aber mit berechtigter skepsis begegnet wird. Schon 
der umstand, dass sich die wörter formal reibungslos in das angestammte 
germanische sprachmaterial einfúgen, macht die substrathypothese etwas 
verdáchtig. Fúr die nur auf Island vorkommenden wörter kommt eine 
substratsprache úberhaupt nicht in betracht, weil auf der menschenleerfen 
insel die norwegischen einwanderer keine berúhrungen mit einer allogenen 
sprache haben konnten. Cber die aus Norwegen mitgenommene sprache, 
also úber die nordgermanische sprache selbst, lásst sich in dieser hinsicht 
nicht einmal eine vermutung aufsteilen, weil wir von der möglichen vor- 
germanischen bevölkering Skandinaviens so gut wie gar nichts wissen. 

Niemand wird bezweifeln, dass das indogermanische urvolk eine be- 
zeichnung fúr „hand” gehabt hat. Aber wáhrend in allen sprachen der 
„fuss” gleichmássig benannt wird, heisst die hand im griechischen x e ^P> 
im lateinischen manus, im altindischen hastas, im altslavischen raka und 
im germanischen handus. Welches dieser wörter schon im indogermanischen 
gebraucht wurde, lásst sich nicht entscheiden; es lásst sich fragen, ob uber- 
haupt eines dieser wörter zur grundsprache gehört hat. Aber woher stammt 
diese uberraschende vielfalt der bezeichnungen fúr „hand” ? Tabu-er- 
scheinungen, die fúr das verschwinden alter wörter gerne angefúhrt werden— 
man denke an die verschiedenen namen fúr „bár” — kommen hier schwer- 
lich in betracht. Aber wie viel wertvoller, ich möchte fast sagen intimer, 
ist dem menschen die hand als der fuss. Der speer, der den gegner treffen 
soll; die axt, mit der ein baum gefállt wird; das ruder, mit dem das schiff 
in bewegung gerát; sie alle bekommen erst ihre wirkung durch die ziel- 



EINLEITUNG 


IX 


sicherheit der hand. Mit der hand flicht er die weidenzweige zu einem zaun, 
bildet er einén lehmtopf, stellt er eine falle. In allen diesen fállen besteht 
e in persönliches, oft sogar gefuhlsbetontes verháltnis zum körperteil, was 
dazu fuhrt, seine aktive tátigkeit durch umschreibungen wie „greifer” 
oder „sammler” auszudrucken. Man könnte fast sagen, dass die etymologie 
nur in dem erstarrten teil des wortschatzes zu einigermassen sicheren 
ergebnissen fuhren kann, aber uberall dort, wo im strom der lebendigen 
sprache alte wörter verschwinden und neue namen ihre stelle einnahmen, 
vergleichungen mit anderen sprachen selten gehngen werden. 

Eine gesunde methode wird daher erst in der betreffenden sprache selbst 
umschau halten. Nur selten entstehen neue wörter als afíektive lautbil- 
dungen, die weiter unanalysierbar sind; meistens sind sie umbildungen, 
weiterfiihrungen schon vorhandener wörter, wenn sie sogar nicht bloss 
diese selbst in einem gewissermassen dichterischen sinne bildhaft verwenden. 
Der hinweis bei einem nur islándisch belegten wort auf das Avestische oder 
gar das Tocharische gibt anlass zu einem berechtigten zweifel, ob hier das 
richtige getroffen ist. Falls aber in einem besonders giinstig gelagerten 
fall die iibereinstimmung zwischen zwei in so weit von einander entfemten 
sprachgebieten vorkommenden wörtem vollkommen evident ist, so muss 
man fragen, wie sie zu erkláren ist. Denn die einfache erklárung, ein altes 
erbwort sei an diesen beiden stellen bewahrt geblieben, iiberall sonst ver- 
loren gegangen, befriedigt nicht ganz; sie kann uns nur iiberzeugen, wenn 
besondere umstánde das wort vor dem untergang haben schutzen können. 
Das Keltische und das Iranische zeigen eine auffallende úbereinstimmung in 
einigen religiösen begriffen, wie das von Vendryes úberzeugend nachgewiesen 
wurde l ); eben der umstand, dass es hier eine gruppe betrifft, die im sakralen 
brauchtum verankert ist und deshalb zu den beharrlichsten teilen der 
sprache gehört, macht die auffállige erscheinung begreiflich, umsómehr 
wenn wir bedenken dass hier wie dort ein máchtiger rmd hochgebildeter 
priesterstand der wahrer der alten traditionen gewesen ist. 

Eine sprache ist etwas lebendiges, das in fortwáhrender wandlung be- 
griffen ist. Die etjmaologie gibt uns aber den eindruck eines in urzeit ge- 
schaffenen wortschatzes, der nur bruchstúckweise in den sondersprachen 
erhalten geblieben ist. Wúrde man das sprachmaterial, das aus-den wörter- 
bxichem der einzelsprachen erschlossen werden kann, zusammenstellen, so 
hatte die ursprache einen höchst unwahrscheinlichen umfang gehabt und 
sie wurde sich durch eine auffallend grosse zahl von synonyma hervortun *). 
Das kann nicht richtig sein. Das gemeinsame der indogermanischen sprachen 
ist viel weniger der wortbestand an sich, als vielmehr ihre struktur, ihre 
methode der wortbildung und -ableitung, im allgemeinen die weise, wie sie 
mit dem úberlieferten wortschatz schaltet und waltet. In vielen fállen ist 
die úbereinstimmung vielmehr ein fall der konvergenz, als ein beweis ffir 
getreue erhaltung urtúmlicher wortbildungsformen. 

Das f úhrt auf die frage nach der bedeutung der indogermanischen wurzeln. 
Welchen zweck hat es an. verja „verteidigen”, urð „haufen herabgestúrzter 
steine”, ráði „mánnliches schwein”, svorbr „behaarte haut”, zusammen mit 


l ) Les correspondances de vocabulaire entre l’Indo-Iranien en l’Italoceltique, MSL 
20 . 1918, S. 265-285. 

*) Vgl. G. Neckel, Germanen und Kelten, Heidelberg 1929, S. 55. 



X 


EINLEITUNG 


gr. Ipojia „schutz” und air. fern „schild” auf eine indogermanische wurzel 
*uer zuruckzufuhren ? Ein wort dieser form hat es in der ursprache nicht 
gégeben; die wurzel ist eine abstraktion aus dem lebendigen wortmaterial 
und sie bezweckt ledighch anzudeuten, dass in dieser lautgruppe *uer ein 
gemeinsamer, ahen einzelsprachhchen sonderbildungen zugrundehegender 
begriff ausgedrúckt ist. Undenkbar aber ist es, dass jemals, z.B. in der 
ursprache selbst, die sprecher diese lautverbindimg *uer als etwas reelles 
empfunden und gar sie im praktischen sprachgebrauch verwendet hátten. 
Das ist schon deshalb unmöghch, weil ein indogermanisches wurzellexikon 
zwölf wurzeln dieser art aufsteht, deren bedeutungen angegeben werden 
als i. schnur, strick; 2. erhöhte steUe; 3. nass; 4. wolle, schaf; 5 drehen, 
biegen; 6 verschhngen, bedecken usw. Eine solche reiche entwicklung an 
homonymen soUte man einer ursprache nicht zumuten; offenbar ist hier 
die abstraktion zu weit getrieben. Der moderne Deutsche ftihlt die ver- 
wandtschaft zwischen wörtem wie band, binden, gebunden, btindel, bendel, 
bande, ohne deshalb das bedtirfnis zu ftihlen, sie auf eine einzige, diesen 
allen zugrandeliegende wurzel zurtickzuftihren. 

Die weise, wie man das wortmaterial der indogermanischen sprachen 
auf „wurzeln” reduziert, gibt zu mehreren einwánden anlass. Gerade weil 
man als normale form dieser wurzeln eine silbe annimmt, die aus drei 
elementen besteht, deren mittleres ein selbstlaut ist, gelangt man zu einer 
úberraschenden anzahl von homonymen. Man bekommt fast den eindrack, 
dass das urvolk zu der bildung seiner sprache nur eine beschránkte auswahl 
aus der sich darbietenden möghchkeiten gemacht und mit einer gewissen 
vorliebe dasselbe lautgebilde ftir die verschiedensten bedeutungen gewáhlt 
hátte. J. Pokomy ftihrt in der neuen auflage des „Indogermanischen ety- 
mologischen Wörterbuches” nicht weniger als sieben verschiedene wurzeln 
*gher an, mit den soweit auseinandergehenden bedeutungen 1. begehren; 
2 kratzen, ritzen; 3 strahlen, glánzen; 4 greifen, fassen, 5 darm; 6 kurz, 
klein sein; 7 starren. Daneben gibt es noch drei verschiedene *gher, und 
zwar 1. schallwort; 2. reiben; 3. hervorstechen. Diese beiden fáÖe stehen 
nicht als ausnahmen; im gegenteil, die zahl solcher homonymen ist beun- 
ruhigend gross. 

Das bestreben der náchsten zeit soll darauf geiichtet sein, die zahl dieser 
gleichlautenden wurzeln bedeutend zu verringem. Denn nicht nur hat 
dasselbe lautgebilde sehr verschiedene bedeutungen, sondem dieselbe 
bedeutung wird durch eine lange reihe von wurzeln ausgedrtickt. Ich ftihre 
bloss aus der 4. und 5. lieferang von Pokomy’s wörterbuch beispielsweise 
an: 

ftir „schaben, reiben, kratzen, ritzen”: gelebh, gerebh, ghen, gher, §her, ghrebh, 

ghréi, ghrem, ghren, ghréu 

ftir „fassen, erfassen, erreichen”: goue, ghabh, ghend, §her, ghrebh, ghreibh 

fúr „biegen": gei, §ers, géu, ghegh 

ftir „stechen”: geid, gei§, gvel 

ftir „strahlen”: erkv, gel, ghel, gher, gver 

ftir „zusammenballén”: gag, gel, gen, geng, ger, greut, ghedh 

fur „rufen, schreien”: gal, gar, ger, göu, §háu, ghel, §hlöd 

Auch wenn mehrere dieser sogenannten wurzeln noch weiter zu einer gemein- 
samen urwurzel zusammengefast werden können, so bleibt doch der eindruck, 
dass hier eine fast chaotische verwirrang vorliegt; dabei ist zu beachten. 



EINLEITUNG 


XI 


dass diese beispiele etwa 200 seiten, also nur einem bruchteil des ganzen 
werkes entnommen sind. 

Man bemerkt zugleicherzeit, dass die wurzeln uberwiegend verbaler art 
sind. Um aber die in den einzelsprachen oft weit auseinandergehenden 
bedeutungen auf einen gemeinsamen nenner zu bringen, muss die wurzel 
selbst fast zu einem abstrakten begriff verfluchtigt werden; was steckt 
nicht an realen dingen hinter solchen blassen umschreibungen wie „erfassen” 
oder „zusammenballen” ? Man kann sich eine handlung úberhaupt nicht 
denken ohne den gegenstand oder die person, auf die sie gerichtet ist; jede 
handlung ist ja ein sich in beziehung setzen zu etwas ausserhalb des handeln- 
den liegenden, ob nun zu etwas, das er erreichen, mit dem er etwas zustande- 
bringen oder das er abwehren will. Man darf deshalb wohl davon ausgehen, 
dass reine handlungswörter nicht zum urbestand der sprache gehört haben. 
Eher soll man an bezeichnungen fúr ein menschliches verhalten zu den 
gegebenheiten der umwelt denken und aus diesen geht die art der handlung. 
und die einstellung zu ihr hervor. Mehr als es bis jetzt geschehen ist, sofí 
von den dinglichen begriffen ausgegangen werden, denn diese bestimmen 
ja in erster linie, auf welche weise der mensch sich zu ihnen in beziehung setzt. 

Einen neuen weg zur bestimmung der urkeime, aus denen sich das viel- 
gestaltige leben der sprache entwickelt hat, wurde schon von Jost Trier 
gewiesen. Das verháltnis des menschen zum wald, die •mannigfache art wie 
er sich das holz, dié zweige, die rinde und die blátter der báume zu benutzen 
weiss, das flechten von záunen und hauswánden, das bestreichen mit lehm, 
das bauen des hausgerústes, das alles wird nim gesehen von dem baum und 
von dem daraus verwendeten material aus. Spalten und biegen, reissen und 
schaben, bohren und flechten bekommen ihren sprachlichen ausdruck nicht 
von der handlung selbst, sondem von dem material, mit dem der mensch 
arbeiten muss. Aber so bald der mensch schöpferisch tátig ist, erweitert 
sich der umkreis seiner tátigkeiten ins unermessliche; mit grossem geschick 
hat Trier an einer ganzen reihe von „wurzeln” dargetan, wie sich aus dem 
zaun eine welt von gemeinschaftsbeziehungen aufbaut. Wird der zaun zum 
ring der mánner auf dem gehegten platz, so reihen sich die wörter fúr ding, 
dorfgemeinschaft, familie und volk unmittelbar an, aber auch die fur tempeí 
priester und opfer. Zum mannring gehört umgehung und umtanzen (was 
zu allgemeineren begriffen wie springen, gehen, laufen fúhren kann), aber 
auch das gesprochene wort (also kultrede, befehl, eid), das gemeinsame essen 
und trinken, die verschiedenen formen der gemeinschaftlichen arbeit, 
schliesslich die begriffe von sitte, gesetz, passendes benehmen, und noch 
vieles mehr. Wenn abschálen und sprechen, arbeitsteilung und lied, trank 
und tanz mit weiterbildungen einer und derselben „wurzel” bezeichnet 
werden können, so schmelzen mehrere homonymen zusammen, indem sie 
auf etwas durchaus gegenstándliches bezogen werden. 

Triers betrachtung stelít uns fúr eine neue aufgabe. Das ganze wort- 
uiaterial soll nach diesen gesichtspimkten durchgearbeitet werden, damit 
wir zu einem organischen bild der sprachmittel gelangen, die aus einer reihe 
' n sich geschlossener und auf die umwelt bezogener verhaltungsweisen zu 
erkláren sind. Das wird die fortgesetzte arbeit einiger jahrzehnte erheischen. 
^iewohl ich mich dariiber im klaren bin, dass Triers methode von mehreren 
seiten beanstandet wird und er sicherlich manchmal zu weit gegangen ist, 
habe ich an mehreren stellen solche deutungsversuche angefúhrt. Ich 
erachte es vor allen dingen notwendig, dass die arbeit an den „begriffs- 



XII 


EINLEITUNG 


feldem” kráftig weitergefuhrt wird. Das gewagte meiner andeutungen möge 
zum widerspruch fiihren, wenn dieser nur nicht im negativen stecken bleibt, 
sondem zu neuen untersuchungen anregt. 

Ich habe es mir angelegen sein lassen, in den zahlreichen fállen, wo fiir 
ein wort mehrere etymologien gegeben worden sind, diese, soweit sie mir 
bekannt geworden sind, mitzuteilen. Es ist leicht, eine dem eigenen sprach- 
gefiihl zusagende erklárang zu wáhlen, aber damit weckt man einen triige- 
rischen schein, der eben die unsicherheit der deutung verschleiert. Der 
sprachforscher hat das recht zu erfahren, welche meinungen geáussert 
worden sind; der anfánger kann nicht friih genug lemen, wie unsicher der 
boden ist, auf dem der etymologe baut. Ein etymologisches wörterbuch 
soll m.e. nur darstellen, auf welche weise die herkunft der wörter aufgefasst 
worden ist'und werden kann. Obrigens lehrt die erfahrang, dass etymologien, 
die jahrzehntelang als unwahrscheinlich oder sogar unmöglich abgelehnt 
worden sind, plötzlich wieder zu ehren gelangen, weil sie von inzwischen 
erworbenen neueren einsichten glánzend bestátigt werden. Ich bin in dieser 
beziehung weit gegangen, freilich nicht bis zum ende; zuweilen habe ich 
das buch auch nicht mit offenbar unrichtigen deutungen belasten wollen. 

Zum gebiet der rein formalen erklárung eines wortes gehört unbedingt 
die klarstellung der bedeutungsentwicklung. Das zurúckfuhren auf wurzeln, 
meistens rein verbaler natur, fuhrt zu unklaren, oft rein abstrakten be- 
deutungen. Das altnordische háll bedeutet ,glatt, listig’ und wird zu einer 
wurzel *kel gestellt, die man einerseits in an. héla ,reif’, aind. éiéira- ,kuhl, 
kalt’ andererseits in hlé .schutz, leeseite’, hlær ,mild’ (vom wetter), hláka 
.tauwetter’, lat. caleo „warrn sein, gluhen’ .wiedererkennt. Wenn man fúr 
die indogermanische wurzel die bedeutungen teils .frieren, kalt’, teils ,warm’ 
ansetzt, so ist das nur eine einfache feststellung der úberlieferten bedeutun- 
gen, die sich schlechthin nicht auf einen nenner zurúckfúhren lassen. 

Man wird oft damit rechnen mússen, dass die bedeutung sich sprunghaft 
entwickelt. Schon das bildhafte einer archaischen sprache fúhrt zu einer 
zusammenschau von vorstellungen, die fúr den modemen betrachter rátsel- 
haft erscheinen können. Das gilt besonders ftir die religiöse begriffsspháre: 
das altindische wort arká- bedeutet sowohl .blitz’ wie .mánnhches glied’. 
Es ist klar, dass in solchen fállen erst umstándliche untersuchungen zurlösung 
des semantischen problems ftihren können. Aufsátze úber bedeutungs- 
entwicklungen sind deshalb meistens sehr umfangreich. Will man die 
theorie der .begriffsfelder’ berucksichtigen, dann muss man noch tiefer 
greifen. Dazu bietet ein etymologisches wörterbuch keinen raum; man 
verzeihe mir, dass ich mich auf diesem gebiet der grössten kurze beflissen 
habe. 

Eine sprachgemeinschaft steht fortwáhrend in beröhrang mit anderen 
völkem. Das ist auch in den fruhesten zeiten der fall gewesen. Die Wikinger- 
zeit bot den Nordleuten die gelegenheit mit mehreren völkem Europas 
beziehungen, nicht nur feindlicher art, anzuknúpfen; die bekehrung fúhrte 
eine grosse menge -neuer begriffe nach Skandinavien; im 13. jht fangen die 
beziehungen zur ritterlichen kultur Westeuropas an und neue wörter 
strömen ein. Neben dieser aufnahmefáhigkeit der nordischen völker steht 
eine erstaunliche expansionskraft, die sich ganz besonders in den kolonial- 
gebieten der Wikinger zeigt, aber z.b. mit hinsicht auf wörier der nautischen 
sprache bis zu Frankreich und Spanien hin sich auswirkt. 



EINLEITUNG 


XIII 


Dieses empfangen und geben vollzieht sich gleichermassen im westlichen, 
wie im östlichen Skandinavien. Im Umkreis der Nordsee und der Atlantik 
sind es vorwiegend Norweger und Islánder, aber auch Dánen, die den 
zwischenvölkischen verkehr unterhalten, im Baltikum dagegen die Dánen 
und Schweden. In einer behandlung des westnordischen sollte man also nur 
die ersteren beriicksichtigen. Dem steht aber gegeniiber, dass die trennung 
einer gemeinnordischen sprache in die spáteren sondersprachen erst ziemlich 
spát einsetzt; man darf fiir die Wikingerzeit fur ganz Skandinavien eine 
einheitliche sprache voraussetzen, wenn auch mit örtlichen unterschieden 
in lautform und wortbestand. Finnische lehnwörter wie kuningas, rengas 
reichen sogar in eine zeit hinauf, in der die gemeingermanische ursprache 
sich noch nicht gespaltet hatte. Man kann auf diesem gebiet der lehn- 
beziehungen noch schwierig eine trennungslinie ziehen. Ich habe deshalb 
gemeint, dass ein zuviel weniger schaden wird als ein zuwenig;- ich habe 
deshalb auch entlehnungen aufgenommen, die sicherlich erst in der zeit 
der skandinavischen sondersprachen stattgefunden haben; so sind sie viel- 
mehr ein spiegel des gesammten skandinavischen sprachlebens. 

A. DIE KOLONIALSPRACHEN 

Die inseln in der Atlantik, die Fáröer, die Shetlandsinseln, die Orkaden 
sind von Norwegen aus besiedelt worden; dort wurde fast oder ganz aus- 
schliesslich skandinavisch gesprochen. Auf den Fáröem blieb die nordische 
sprache bis heute erhalten, weshaib ich das fáröische zusammen mit den 
ubrigen skandinavischen sprachen behandelt habe. Auf den Shetlandsinseln 
und den Orkaden ist die altnordische sprache, wenn auch in ziemlich spáter 
zeit, ausgestorben und vom englischen verdrángt worden. Das ergebnis 
war eine mischsprache, die noch zahlreiche nordische wörter enthált. 

Im Shetlándischen finden sich die folgenden wörter: 


agn 

austr 1 

belti 

blástr 

bóti 

aka 

ax 

benda 2 

bleðja 

botn 

akr i, 

baðast 

bendill 

blegði 

bragð 

ala 

baka 2 

benja 

bleikja 1 u 2 

brandr 1 u 3 

alka 

bakki 1 

bera 3 

bleikr 

braut 

áll 3 

bál 

berill 

blesóttr 

bregöa 

almúgi 

baldr 1 

berja 

blíðr 

breiðr 

anddyri 

band 

bikkja 1 

blindr - 

brekka 

anda 

bang 

bilbugr 

blórar 

brenna 1 

andi 

banga 

binda 

blœða 

brestr 

andœfa 

banna 

bingr 

boð 

brimi 

ansa 

bara 1 

birta 2 

boða 

brimili 

apr 

barar 

birti 

boði 2 

bringa 

a ptann 

barð 1 

birtingr 

bogi 

brjósk 

ár i 

barmr 1 

bismari 

bógr 

brjóst 

arðr i 

bam 

bit 

bokki 1 

broddr 

arfi i u 2 

báss 

bitill 

ból 

bróðir 

argr 

bassi 

bjarg 1 

bóla 1 

brosma 

arinn 

bátr 

bjarga 

bolli 

brot 

armr 2 

baugr 

bjartr 1 

bolr 

brúk 

arta 

bein 

bj<?rg 

bólstaðr 

brundr 

áss 3 

beit 1 

blað 

bolstr 

brúnn 1 

at 1 

beita 1 u 2 

blaka 2 

boltr 

bryggja 

át 

beizl 

blakkr 

bóndi 

brynna 

auga 

bekkr 1 u 2 

blámi 

bora 3 

brytja 

ausa 1 

belgr 

blána 

borð 1 

bræða 3 

ausker 

bella 1 

blanda 1 

borg 1 

bnjlta 



XIV 


EINLEITUNG 



bú 

dvelja 

flana 

gedda 

grunr 

búð 

dýja 

flátta 

geifla 

grýla 

bugt 

dyntr 

fleipra 

geitill 1 

grýta 1 

bukl 

dýr 

flekkr 

geldingr 

grœnn 

búkr 

dýrr 

fles 

gera 

grpf 

bulki 

dœll 

fletja 

gerð 1 

grQn 1 

bumba 

dggg 

fleygja 

gerði 

gufa 

buna 

dgkk 

flognir 

geta 

gustr 

bungi 

efni 

flói 

gígja 

gýgr 

bunki 

egg 1 u 2 

flóki 1 u 2 

gil 1 u 2 

gylta 

burðr 

eggja 

flokkr 

gildr 2 

gymbr 

busi 

eið 

floti 

gim 

gæfr 

buskr 

eign 

flyðra 

gjá 

gQgull 

bygg 

eigna 

ílýta 

gjald 

há 3 

byggja 2 

eimi 

flýti 

gjalfr 

hadda 

bylr 

eimyrja 

flytja 

glámr 

haf 

byrðingr 

eisa 2 

flœð 

glamra 

háfr 

byrðr 

eitr 

flœkja 

glap 

hagi 

byrja 2 

ekki 2 

flgkra 

glefsa 

hagr 1 u 2 

byrr 

ekra 

flgt 

gleiðr 

haki 

býsn 

elta 

fóguti 

gleipa 

hákr 

byxa 

eng 

fok 

gleyma 

halda 

bceli 

enni 

frá 

gleypa 

hali 

bœn 

enta 

fránn 

glinga 

hallr 2 u 3 

bœxl 

erkn 

freista 

glíra 

hals 

bgllr 

erta 

fremd 

glis 

haltr 

bgrkr 

ey 1 

frest 

glit 

hamarr 

dáð 

eyrir 

frétt 

gljá 

hatnla 1, 2 

dái 

eyrr 

froða 

gljúfr 

hanga 

dalr 1 

fagna 

frú 

glóa 

hanki 

damm 

fagr 

frysa 

glóð 

happ 

dámr 

faldr 

fræ 

glóra 

hár 1 u 2 

deig 

fang 1 

frændi 

glott 

harðr 

deigr 

fara 

fugl 

glúmr 

hark 1 

deild 

fastr 

fulga 

glupna 

harski 

depill 

fat 

fundr 

giygg 

háss 

des 

fattr 

funi 

glyrna 

hata 

deyfa 1 

fax 

fúrr 

glóggr 

háttr 

digull 

feigr 

fúss 

gnQtra 

haugr 

dik 

fela 

fyndr 

gogli 

hefla 

djarfr 

fell 1 

f<?l 

gol 

hégeitill 

djúpr 

ferð 

fgnn 

gollorr 

heill 2 

dofinn 

festa 2 

gá 3 

gómr 

heilsa 2 

dofna 

festr 1 

gaddr 

gor 

heimiligr 

dorg 

fetill 

gafl 

gráð 

heimill 

drag 

fífl 

galdr 1 u : 

gráði 1 

heimta 

draga 2 

fimr 

galti 

grafa 

hekil- 

drangr 

firra 

gamall 

gramr 

héla 

dratta 

físa 

gana 

grár 

helgr 

dregg 

fiskr 

gandr 

grautr 

hella 1 

drengja 

fit 2 

ganga 

greiði 2 

hellir 

drengr 1 

fitja 

gangr 

greip 

helma 

dreyri 

fitla 

gapa 

gremja 

hepta 

drif 

fjúk 

gapuxi 

greptr 

herað 

drjúgr 

ijxjðir 

gam 

grfma 

hermast 

drýgja 

fj<?l 1 

gat 

grlmr 

hermsl 

dryn 

fjQld 

gata 

grind 

hespa 1 

dúkr 

fj<?r 

gáta 

grfss 

hestr 

dumba 

fjgrðr 

gátt 

grjót 

hey 

dumbr 

flag 

gaukr 

grotti 

heykjast 

dúnn 1 

flagð 

gaula 

grúfa 

hfma 

dúsa 2 

flaka 

gaum 

grunnr i 

himbrin 

dust 1 

flaki 

gaupn 

grunnungr 

himinn 



DIE KOLONIALSPRACHEN 


XV 


himna 

hinna 

hixta 

hjálmr i 

hjalti 

hjarri 

hjarta 

hlaða i 

hlaðberg 

hlaupa 

hlemmr 

hleypa 

hlið 2 

hlíð 

hlíf 

hlíta 

hljóð 

hlummr 

hlunnr 

hlý 

hlýða 2 

hlýr 2 

hnakki 

hnappr 

hnefi i 

hnekkja 

hneppa 

hnípa 

hnipinn 

hnísa 

hníta 

hnúfa 

hnyfill 

hnykill 

hnykkr 

hófr 

hokinn 

hokra 

hol 

hold 

holkr i 

hóll 

hólmr 

holt 

hóp 

horn 

hósta 

hóta 

hoza 

hrak 

hrammr 

hrapa 

hraun 

hrekja 

hreyrr 

hriflingr 

hrína i 

hringr 

hripuðr 

hrisla 

hrista 

hrjóða i 

hroði 3 


hrogn 

impa 

kleggi 2 

kvaka 

hrognkelsi 

ísa 

kleif 

kveina 

hrósa 

jaðarr 

kleima 2 

kvelling 

hrót 

jafn 

kleppr 

kverk 

hrúðr 

jaga 

klettr 

kvem 

hrufa 

jalma 

klif 

kví 

hrúga 

japr 

klína 

kvíga 

hrukka 

jarða 

klof 

kvikna 

hrunki 

jarki 

klofi 

kvikr 

hrýfi 

jarma 

klókr 

kvisa 2 

hryggr i 

jata 

klóra 

kyrkja 

hræ 

jól 

klubba 

kyssa 

hræddr 

júgr 

klungr 

kœfa 

hrokkva i 

jgrfi 

klútr 

kgkkr 

hugga 

kaðall i 

klyfberi 

kgngull 

húka 

kafa 

klýpa 

kgs 

húm i 

kafii 

klæða 

kgstr 

húma 

kaggr 

knapi 

lá i 

húnn 

kaldr 

knappr i 

lafa 

hurð 

kalfr 

kneppa 2 

lag 

húsfreyja 

kalla 

knykill 

lagðr 

hvalr 

kambr 

kngrr 

laki 

hvammr 

kámr 

kngttr 

laminn 

hvarfa 2 

kani 

koddi 

lámr 

hvekka 

kanna 

kol i 

land 

hvelfa 2 

karl 

kola i 

langa l 

hveljur 

karmr 

kolka 

langvé 

hvelpr 

kassi 

kolla i u 2 

lát 

hverfa 2 

kasta 

kolir 

láta 

hvessa 

kaup 

koma 

lauðr 

hvetja 

kaupa 

kona 

laupr 

hviða 

kefja 

koppr 

lauss 

hvika 

kefla 

kópr 

lax 

hvíld 

kefli 

korki 

lega 

hvimsi 

keikja 

kostr i 

leif 

hvirfill 

keikr 

krá 

leir 

hvítr 

keila 

krabbi 

leiti 

hvæsa 

keipr i 

kráka 

lenda 2 

hý i 

kelda 

kraki i 

lengja 1 

hylli 

kengr 

kranz 

leppr 

hylr 

keppa 

krapparúm 

lest 2 

hyrningr 

keppr 

krás 

liðr 1 

hæð 

kerfi 

krauna 

lífemi 

hœgr 

kerling 

kreista 

lifr 

hœkill 

ketlingr 

kriki 

lffspund 

hœkja i 

kið 

kríkr 

limr 

hœns 

kilpr 

kringja 

lína 2 

hgfði 

kinn 

kringla 

líri 

hpfuð 

kinnungr 

kró 

lísing 

hpgg 

kipp>a i u 2 

krof 

lftill 

h«?ggva 

kippi 

krókr 

litr 1 

hpmluband 

kirkja 

kroppinn 

Ijá 1 

hgmlungr 

kirna 

krumma 

ljóðr 1 

hgnk 

kisi 

krúna 

ljóma 

hgrkla 

kista 

krutr 

ljómi 

iða 

kitla 

kufl 

ljóri 

iðinn 

kjalki 

kúfr 

ljós 

if I 

kjaptr 

kul 

ljótr 

ifa 

klaka 

kúla 

ló 2 

fli 

klakkr 

kumbl 

loða 

illr 

klappa 

kunnr i 

loðinn 

illska 

klauf 

kúpa 

lófi 2 

im 

klé 

kussi 

lokkr 




XVI 

lómr 

muna 2 

EINLEITUNG 

pollr 

roka 

skelkja 1 

lóni 

mund 1 u 2 

posi 

rokkr 1 

skella 2 

lubba 

munr 

pottr 

rúfinn 

skellr 

lúðr 

mura 

prettr 

ruggr 

skemma 3 

luma 

murtr 

prjónn 

rugla 

skeppa 

lund 2 

mygla 

prúðr 

rúm 

sker 

lundi 

myldr 

púki 

rúmr 

skíð 

lurkr 

mynni 

pundari 

púss 

run 

skífa 1 

lykkja 

myrkna 

runi 1 

skiki 

lyng 

myrkr 1 u 2 

pústr 

runsa 

skikka 

lypta 

mýrr 

rá 1 

ryðja 

skipa 3 

lyrgr 

mælir 

rabba 

rykkja 

skipti 

lýrr 

moenir 

ráð 

ryskja 

skírr 

lægð 

mgl 

ráða 

rytta 

skirra 

lær 

mgrk 1 

rafr 

ræna 

skita 

Iœkr i 

mprueldr 

ragr 

ræsa 

skjalla 

lpðr 

mQrulfr 

rak 1 

rœxn 

skjár 

Ipgmaðr 

mpskvi 

raka 2 

rpð 

skjarr 

l«?gr 

nabbi 

raki 1 

fQgg 

skjól 

lpn 

naddr 

rakki 1 u 2 

r<?nd 

skjótr 

má 2 

nafarr 

rammr 

rpng 

skoða 

magi 

nagga 

rangr 

rQskr 

skokkr 1 

magn 

naust 

rannsaka 

rQskvast 

skoltr 

magr 

naut 

raptr 

rQst 2 

skopa 2 

maki 

nebb 

ras 

sá 1 

skor 

mál 2 

nef 

rás 

sáð 

skór 

mala 

nei 

rauðr 

saklauss 

skorða 1 u 

malmr 

nema 1 

rauf 

salt 

skorpinn 

máni 

nibbr 

raumska 

sandr 

skorpna 

mara i 

piðra 

rauta 

sanna 

skot 1 

margr 2 

nón 

refill 1 

sát 

skotta 

marr 1 

norðrœnn 

reik 1 

sáta 

skrá 1 

matr 

nykr 1 

reika 1 

saumr 

skrapa 1 

maurr 

nýra 

reim 

saup 

skreið 

megð 

næfr 1 

reip 

segl 

skrið 

megin 1 

n<?f 2 

reipa 

seiðr 2 

skriða 

mein 

ngrtr 

reisa 2 

sekkr 

skríða 

meiss 

óðal 

reitr 

setr 

skriðr 

meldr 

oddr 

rek 

seyma 

skrim 

melr 

ofsa 

reka 2 

sía 3 

skrúf 

melta 1 

ofsi 

reklingr 2 

síðr 1 

skrýfa 

merki 1 

ok 1 

rekstr 

s»gg 

skrælingar 

merr 

olgr 

rembast 

sigla 2 

skuggi 

mið 

óp 

remja 

síld 

skúmr 

miða 

ormr 

renna 2 

sílungr 

skunda 

mikill 

óss 1 

repta 1 

sími 

skurmsl 

milli 

ostr 

rétt 

sina 2 

skúta 1 u 3 

minka 

ótti 

reyðr 

sindr 

skúti 1 

missa 2 

padda 

reyrr 1 

sjúkr 

skutr 

mjpU 

pallr 

riða 1 

skafa 

ský 

mjQrkvi 

panna 

rif 2 

skafl 

skýla 

mó-, 

par 

rifa 1 

skál 

skýli 1 

moð 

pengr 

rffa 1 

skalli 

skynja 

móð 

plk 

rim 

skán 

skœði 1 

móðr 1 

pikka 1 

rimi 

skara 

skQUótr 

moka 

píll 

rimma 

skarð 

slá I U 2 

mold 

pUtr 

rispa 1 

skarfr 1 

slag 1 

moli 

pína 2 
pinni 

rist 1 

skári 

slakr 

mór 1 

rjúmi 

skattr 

slaxa 

mót 1 

pipra 1 

ró 1 

skauf 

sleði 

muðla 

píagg 

róa 1 

skeíða 

sleía 

mugga 1 

plógr 1 

rof 

skeifr 

sleppa 2 

múli 

poki 

rófa 

skel 

slétta 1 



DIE KOLONIALSPRACHEN 


XVII 


siím 

spgng 

svá 

trú 

þgkk 

s lóð 

stabbi 

svarf 1 

trumba 

pgngull 

slóði 

staða 

svarfa 

trygill 

um 

slókr 

staðna 

svárr 

trylskr 

umla 

slý 

staðr 1 

svartr 

trýni 

undir 1 

slekkva 

stafr 

sveifla 

trýta 

úr 2 

slœða 2 

stakkr 2 

svelta 1 

tún 

urð 

smár 

stanga 

svengjast 

tunga 

út 

smeygja 

stanka 

svfða 1 

tygill 

vaðall 

smiðja 

stapi 1 

svigna tymnn 

vaðmál. 

smjúga 

stappa 2 

svfmi tæpr 

vaf 

smjgr 

stara 

svimra 

tœma 

vafla 

smokkr 

stari 

svín tgturr 

vafra 

smuga 

staup 

svipta 2 

)ak 

vaga 

smyrja 

staurr 

svæfa 

jang 

vága 

snafðr 

steði 

svæla 1 u 2 

>ari 

vagl 

snagi 

stef 

svprðr 

iáttr 

vágr 

snaka 

steinn 

sýldr 

>ausk 

vaka 3 

snaldr 

sterkr 

S}hii 2 

jeisti 

vakna 

snara 2 

stertr 

sýr 1 

ækja 1 u 2 

vakr 

sneið 

steyta 

systkin 

>enja 2 

vála 

sneiða 

stigi 

systrungr 

terna 2 

valka 

snið 

stígr 

sæla 1 

>íðna 

váma 

sníða 1 

stikill 

sær 

úggja 

vamm 

sníkja 

stilkr 

sæti 

>U 

van- 

snild 

stinga 

sætr 1 

>ilja 1 

ván 

snipa 

stirðna 

seskkva 1 

>ing 

vana 

snjallr 

stjaka 

sœtr 

>jáka 

vanda 

snókr 

stjaki 

sgðull 

>jokkr 

vangr 1 

snúðigr 

stofn 

tá 1 

>jóta 

vani 1 

snúðr 

stokkr 

tað 

>ofi 

vanr 2 

snýta 2 

stóll 1 

tág 

>okki 

vappa 

snæða 

storkna 

tagl 

x>la 

vár 1 

snoggr 2 

stórr 

tak 

>opta 

vara 2 

snœri 

strá 1 u 2 

taka 

>ra 1 u 4 

varða 1 

sngrgla 

straumr 

tálga 1 

>ráðr 

vargr 

sofa 

strengr 

tandr 

>rauka 

vamagli 

sókn 

streyma 

tangi 1 

>refi 

varp 

sól 

strind 

taumr 

>rekkr 

varpa 2 

sonr 

strita 

teigr 

>rep 1 

varr 1 

sópa 

strjúka 

teikn 

>riði 

vatn 

sótt 

stropi 

tíð 

>rffa 

veðr 2 

spá 2 

strý 

tík 

>'rifla 

vefja 

spað 

stræti 

til 

>rjózkr 

veftr 

spaði 

strpnd 

tíma 

>ró 

veif 

spann 

stúfr 

títa 

>róttr 

veikja 

spánn 

styfill 

tíundi 

>rymill 

veikr 

spengja 

styggja 

tjaldr 

>rýsta 

veit 

sperra 1 

stykki 

tjgm 

>ræll 

veizla 

spik 

stýra 

tó 2 

>rgng 

vélendi 1 

spila 

styrma 

tog 

>úfa 

velja 

spíla 

styrr 

toga 

>urka 

vella 2 

spilla 

StQðull 

tómr 

>urs 

venda 

spjgrr 

stgng 

topt 

>veita 2 

ver 1 

spói 

suðr 

torðýfill 

>vengr 

veröa 1 

sporðr 

súga 

torf 

>verr 

verga 

spotti 

sukk 

traök 

>verst 

vergr 

sprengja 

súla 

traf 

>yrill 

versna 

spretta 1 u 2 

sumr 1 

traustr 

sysja 

við 1 

springa 

sund 1 

treíill 

?ytr 

viðja 1 

sproti 

súra 

troða 

>œfa 

viðr 1 u 2 

spyrja 

súrna 2 

troli 

>œfð 

vigr 

s Pýta 1 u 4 

súrr 

tros 

>œri 

vík 


b 



XVIII 


EINLEITUNG 



víka 

virða 

vitra 2 

vQr 1 

œmta 

vikja 

virði 2 

vænH 

vqit 1 u 2 

œpa 

vil 2 

virtr 

væta 1 

vQttr 

<?gn 

villa 2 

vfsa 1 

VQÖVÍ 

vQxtr 

<?gr 1 

villr 

visk 

vQlr 

yir 

<?nd 3 

vindauga 

visna 

vqIsí 

yrmla 

Qrn 

vinna 2 

vitja 

vQmb 

orendi 1 

<?rr 



vQndr 

ormul 

Qxl 

In der orknöischien Sprache: 



alka 

burðr 

fló 1 

grýla 

hrukka 

andœfa 

byrðr 

flói 

gufa 1 

hrunki 

angi 2 

bytta 

flosa 

gulr 

hryggr 1 

ansa 

byxa 

fnykr 

gumpr 

húka 

arfi 2 

bœla 

fóa 

gustr 

húma 

austr 1 

bœn 

forða 

gýgr 

húnn 

baka 2 

bœta 

fors 1 

gœla 

hvima 

band 

dái 

freista 

gœzka 

hvimsi 

bára r 

dámr 

frétt 

gQltr 

hvæsa 

barr 1 

dasast 

fræ 

haf 

hæð 

bein 

daufr 

fúinn 

háfr 

hQmluband 

beiskr 

deig 

ÍQnn 

hákr 

iða 

beit 1 

deili 

galdr 2 

hals 

iðinn 

beita 2 

depill 

galti 

hamarr 

ím 

bendill 

des 

gana 

hamla 2 u 3 

jafn 

bera 3 

deyfa 1 

gapuxi 

hanki 

jaga 

berja 

díli 

gáta 

harski 

jalkr 1 

beysta 

djarfr 

gaukr 

hata 

jarki 

bifa 2 

dofinn 

gaula 

haugr 

jarma 

bikkja 1 

dorg 

gaupn 

hefla 

jól 

bingr 

drag 

geð 

heill 2 

jóh 

bismari 

drif 

geiri 1 

heimta 

j<?rfi 

bjarg 1 

drumbr 

gil 2 

hella 1 u 2 

kafii 

blað 

dryn 

gildr 2 

hellir 

kambr 

blástr 

dúsa 2 

gildra 

helmingr 

kámr 

blautr 2 

dust 1 

ginhafri 

herma 1 

kárj 1 

blesóttr 

dvergr 

gima 

hespa 1 

karl 

blíðr 

dyntr 

gjá 

himbrin 

karmr 

blístra 

d<?gg 

glaðr 1 

hinna 

kassi 

blórar 

eisa 2 

glamra 

hirðmaðr 

kasta 

boð 

eitr 

gleiðr 

hixta 

kati 

boði 2 

elta 

glett 

hjarri 

kefja 

bokki 1 

enta 

gleyma 

hjarta 

kefli 

ból 

erkn 

gleypa 

hjúpr 

keila 

bóla 1 

eyrr 

glis 

hlaðberg 

kerling 

bolr 

fagna 

glóð 

hlaupa 

kið 

bólstaðr 

fall 

glQggr 

hlið 2 

kippi 

bóndi 

fang 1 

gneisti 

hljóð 

klafi 

bót 1 

fattr 

gnúpr 

hnekkja 

klakkr 

botn 

fetill 

gnyðja 

hnykkr 

klatr 

bregða 

fífill 

gor 

hold 

klauf 

brekka 

fifla 

gráði 1 

hóp 

kleggi 2 

brjósk 

ffsa 

grandi 

hrak 

kleppr 

brjóst 

fjórði 

grár 

hriflingr 

klettr 

brúk 

fjúk 

grautr 

hrína 1 

klina 

brundr 

fjplkunnigr 

greiða 

hrís 

klókr 

brytja 

fjQtra 2 

greiði 2 

hrjóða 1 

klóra 

bræða 3 

flá 2 

gren 

hroði 3 

klungr 

bú 

flag 

grið 

hrogn 

klyf 

búa 2 

flaga 1 

grind 

hrosa 

klyfberi 

búkr 

flaki 

grjón 

hrotgás 

klakkva 2 

bunaðr 

flana 

grunnr 1 

hrúga 

knapi 



DIE KOLONIALSPRACHEN 


XIX 


knappr 1 

mið 

skáli 

spá 2 

knjúkr 

morkna 

skán 

spann 

kodd' 

mosi 

skarð 

spik 

kol 1 

mugga 1 

skarfr 1 

spila 

kola 1 

muli 1 

skári 

spjQrr 

kolfr 

mynd 

skarpr 

sporðr 

kollr 

myrkr 1 

skattr 

sprek 

koppr 

mælir 

skegg 

spretta 1 

krammr 

mœnir 

skeifr 

sprgkla 

kreista 

mpl 

skeika 

spýta 1 

kringla 

mgrueldr 

skel 

spong 

kró 

mprulfr 

skemma 3 

stappa 2 

krof 

niðra 

skeppa 

staurr 

krókr 

norðrœnn 

skffa 2 

stokkr 

krumma 

nýra 

skipti 

stóll 1 

kúfr 

óðal 

skirr 

storkna 

kul 

olmr 

skjarr 1 

stórr 

kúpa 

óss 1 

skjóta 

strengr 

kussi 

padda 

skjóldungr 2 

stropi 

kvára 

piltr 

skrá 1 

strgnd 

kveinka 

pipra 1 

skreið 

stuðill 

kveisa 

poki 

skrifa 

stúka 

kverk 

posi 

skrokkr 

stuika 1 

kvern 

pundari 

skrúð 

stumra 

kví 

pústr 

skrúf 

stýfa 

kvikr 

rá 4 

skuggi 

stynja 

kvinna 

raki 1 

skurmsl 

stppull 

kvisa 2 

reika 1 

skúta 3 

súga 

kpr 

reitr 

skutr 

sukk 

kgs 

rek 

skyggja 

sund 1 

kpstr 

rif 2 

skýla 

súra 

lag 

rfm 

skpr 

svartr 

laki 

ristill 1 

slag 1 

sveifla 

lámr 

rúfinn 

sloðra 

sveigja 

lauðr 

rykkja 

slókr 

svelgr 

laupr 

(•yskja 

slý 

svelta 1 

lest 2 

rytr 

slekkva 

svfða 1 

létta 

rytta 

slœgð 

svipta 2 

leysa 

rœði 2 

smjúgá 

svprðr 

lypta 

rpskr 

smuga 

sæði 

lýrr 

rpst 2 

snaka 

sæðingr 

l?ðr 

sár 1 

snaipr 

tág 

1( ?gg 

seiðr 2 

sneio 

talga 1 

lggmaðr 

sfa 3 

sneisa 

tandr 

magi 

sigg 

sneypa 1 

tangi 1 

magn 

silungr 

snfpa 

teigr 

már 

sími 

snúðr 

teinn 

megin i 

sjaund 

snýta 2 

teppa 

meiss 

skaía 

sneggr 1 u 2 

tfár 2 

meldr 

skál 

sókn 

titlingr 


tíundi 

tjaldr 

topt 

traðk 

troll 

tún 

tunga 

tuska 

tyrrinn 

tœma 

þá i 

þang 

þáttr 

þekja 2 

béttr 

Piggja 

þil 

þola 

þopta 

þrap 

þrifla 

þrýsta 

þrgmr 

þúfa 

þunnvangi 

þvengr 

þverr 

pr 1 


uggr 

úr 2 

vaö 

vaða 2 

vaðall 

vaðmál 

vafla 

vágr 

van- 

ván 

vappa 

vár 1 

varr 1 

veizla 

villa 2 

visk 

vist 1 

vplr 

vpmb 

vqit 1 

ormul 

œrr 


. B. DIE KELTISCHEN SPRACHEN GROSSBRITANNIENS 

Auch dort, wo die sprache der einheimischen erhalten blieb, hat die 
herúhrung der bevölkerung mit den Wikingem in der sprache spuren hinter- 
lassen. An erster stelle das Irische, weil hier die nordleute jahrhunderte- 
lang mit den eingeborenen zusammengelebt haben. Weil sich hier neben 
Norwegem auch Dánen angesiedelt habeii, können einige der entlehnten 
w örter ostnordischer herkunft sein; fur die zeit zwischen 800 und 1000 
ntacht das aber in sprachlicher hinsicht kaum einen unterschied und wo 
die form des irischen wortes ruckschlusse auf seine nordische gmndlage 



XX 


EINLEITUNG 


gestattet, weist sie unzweideutig auf das westnordische hin. Die sprach- 
Uchen beziehungen zwischen Iren und Nordleuten waren gegenseitig; auch 
in die irische sprache sind mehrere skandinavische wörter eingedrungen, 
zuweilen auch dauemd erhalten geblieben. — Neben Irland kommen noch 
die keltischen gebiete Schottlands, Wales, die Hebriden und Man in be- 
tracht; hier aber sind die einflusse bedeutend schwácher und sind spáter 
wieder teilweise verwischt worden. Hátten wir uberliefemngen aus dem 
friihen mittelalter, wie Irland sie besitzt, die spuren der Wikinger wiirden 
auch hier wohl reichlicher zutage treten. 

i. Die irische Sprache 
a. aus dem nordischen entlehnt: 


a die wörter: 


akkeri 

hábora 

kostr 2 

rauði 

skúta 1 

aktaumr 

haf 

kroppinn 

rauðr 

skyrta 

alikarl 

háfr 

kvinna 

reifnir 

slagbrandr 

ármaðr 

halsa 

langa 1 

reip 

slípa 

barar 

hefili 

leiðangr 

rosmhvalr 

smjcjr 

bátr 

heill 2 

lopt 

rúm 

sneiða 

baun 

hestr 

lypting 

r<?ng 

soppr 

berlingr 

hjalt 

lggmaðr 

segl 

sparri 

bjórr i 

hlunnr 

iQgr 

seiðr 2 

sperna 1 

blindr 

hrosshvalr 

máli 2 

selr 

stag 

blæia 

húsþing 

mangari 

sess 

stál 1 

bogi 

hvítr 

markaðr 

sessi 

staup 

bóla 2 

hgll 1 

meiss 

skáh 

steik 

brauð 

hgttr 

merki 1 

skalli 

steinn 

bundin 

iarl 

mýrr 

skalpr 

stjórna 

byrðingr 

karfi 1 

m<jrk 1 u 2 

skarfr 1 

stokkr 

bplkr 

kárr 

mQrr 

skaut 

strengr 

dorg 

kerling 

mpttull 

skeggjar 

stýra 

draf 2 

kjóll 

nábúi 

skeljungr 

stýri 

ey r 

klofi 

nes 

sker 

stgpla 

fiskr 

klubba 

níðingr 

skillingr 

SQðull 

fjgturr 

knappr 1 

norðmaðr 

skinn 

targa 

floti 

kngrr 

okr 

skinnari 

þopta 

gagarr 

kolfr 

ormr 

skip 

þorskr 

garðr i 

kolli 

pengr 

skipa 3 

þræll 

gedda 

kona 

portkona 

skipari 

þurs 

griss 

konungr 

posi 

skjQldr 

víkingr 

gunnfani 

kostall 

rannsaka 

skor 

víndauga 





VQÖVÍ 

p personennamen: 




Amaldr 

Eysteinn 

Hgrðar 

Sigmundr 

Þorgeirr 

Auðun 

Hafliði 

Ivarr 

Sigroðr 

Þorgestr 

Auni 

Hákon 

Járnkné 

Sigtryggr 

Þorgísl 

Baldr 2 

Hámundr 

Kári 2 

Sigurðr 

Þormundr 

Bárðr 

Hárekr 

Ketill 

Sigvaldr 

Þorsteinn 

Bjólfr 

Helgi 1 

Narfi 

Smyrill 

Þorvarðr 

Bróðir 

Herjólfr 

Óláfr 

Sveinn 

Ubbi 1 

Butraldi 

Hloðvér 

óttarr 

Sverkir 

Yngvarr 

Boðvarr 

Hróarr 

Ragnhildr 

Þórarr 


Eiríkr 

Hrómundr 

Rggnvaldr 

Þorfinnr 


y zweifelhafte entlehnungen: 



áss 2 

borg 

kaðall 1 

máki 

stræti 

bolli 

búr 

kesja 

púki 




DIE KELTISCHEN SPRACHEN GROSSBRITANNIENS 


XXI 


b. irische lehnwörter im westnordischen: 
oc die wörter: 


bagall 

dfar 

ingjan 

korki 

skjaðak 

biafall 

erg 

kaðall 2 

kunnmið 

súst 

bjanak 

feilan 

kapall 

lung 

tarfr 

bjólan 

gjalt 

kjafall 

meldun 

ærgin 

brothvítill 

gresjám 

kjannauk 

minþak 


p personen- 

und andere 

eigennamen: 



Bekan 

Dungaðr 

Kantaraborg 2 

KormlQÖ 

Rígr 

Brián 

Eðna 

Kjallakr 

Kváran 

Santíri 

Dufan 

Gilli 

Kjaran 

Kýlan 

Skotr 

Dufgall 

Hlymreksfari 

Kjarfalr 

Melkorka 

Taökr 

Ðufgus 

Irar 

Kjartan 

Myrgjpl 


Dufniall 

Kaðlfn 

Konall 

Myrkjartan 


Dufþakr 

Kalman 

Kormákr 

Njáll 


y zweifelhaft sind: 




bj<?ð 

hnokkan 

kró 

lurgr 

þúst 

des 

kamban 

kross 

pápi 


fjatan 

Kjárr 

lámr 

sparða 



boði 2 

botn 

brúk 

díki 

dorg 

eið 

gerði 

haf 

háfr 

hjalmvQlr 
hlið 2 
hlíð 
hlunnr 


hrútr 

fli 

kaðall i 

kassi 

kippi 

klettr 

klýpa 

krókr 

langa i 

langvé 

laupr 

lokarr 

lygn 


a. die 

á i 

akkeri 

bátr 

bekkr i 

bjarg i 

boði 2 

bólstaðr 

borg i 

brekka 

brók 

brú 

býr 

byrðingr 
dalr i 
des 

dorg 

dr . a g 

eið 


wörter: 

fles 

floti 

fýri i 

garðr i 

gautr 

giid 

gjá 

gnfpa 

grandi 

greiði 2 

grind 

grœnn 

grpf 

hagi 

hamarr 

haugr 

hliö 

hóll 

holmr 

holt 

hrafn 


®yrr hraun 

fjall i hreysi 


Die hebridische sþrache: 


lýrr 

sess 

lægð 

sfmi 

iQgr 

skáli 

meiss 

skarfr i 

mpl 

skári 

nábúi 

skeppa 

ÓSS 1 

sker 

pallr 

skor 

rakki 2 

skorða i u 3 

rétt 

skúta 1 

rytr 

stafr 

r <?ng 

stakkr 2 

seiðr 2 

stallr 1 

3. Das Manx: 

hryggr i 
hpfuð 

mór 1 
mosi 

kalfr 

nabbi 

kambr 

nes 

keila 

nykr 1 

keppr 

pengr 

kjglr 

p>oUr 

kleppr 

rá 4 

klettr 

rák 

knappr i 

renna 1 

kolga 

rim 

kolli 

sandr 

koUr 

saurr 

kona 

segl 

kringla 

selr 

kvem 

sessi 

land 

setr 

lax 

skarð 

lón 

skarfr 1 u 2 

lopt 

sker 

log 

skU 

l<?gr 

skip 

markaðr 

skín 


stfgr 

stýri 

st<?ng 

stgrr 

súð 

súla 

topt 

torf 

troll 



vaðall 


skógr 
skor 
slakki 
slok 
snær 
spretta i 
stafr 
stakkr 2 
stallr i 
stokkr 
strgnd 
stýri 
svartr 
3 

topt 

traðk 

tún 

þari 

þollr i 

vað 

vágr 

vík 

vindauga 



XXII 


EINLEITUNG 


(3 personennamen: 

Ásmundr Ófeigr 

Narfi Oláfr 

Y unsicher sind: 

ból heggr i 


Rpgnvaldr 

Steinarr 


4. die schottische sprache: 
a. aus dem westnordischen sind entlehnt: 


anda 

funi 

kettlingr 

rQng 

andi 

gagarr 

kimbull 

saumr 

angr 2 

gagl 

kirkja 

seið 

apr 

gaukr 

kista 

sigg 

arinn 

gera 

kjalki 

síl 

báðir 

gjá 

kjalta 

silungr 

batna 

gjorð 1 

klgmbr 

sími 

beinn 2 

glit 

knappr 1 

skaða 

beita 2 

gnípa 

knQrr 

skafa 

bendill 

gnúpr 

kona 

skál 

bismari 

greiði 2 

krókr 

skáli 

blaðra 2 

greiðr 

kúga 

skalkr 1 

bólstaðr 

greina 

langvé 

skalli 

bolstr 

greip 

lát 

skauð 

brjósk 

grið 

laupr 

skaut 

brot 

grunnr 1 

leysa 

skegg 

bugt 

gulr 

liðr 1 

skilja 

byrðingr 

háfr 

ljómi 

skillingr 

býsn 

halsa 

loga 2 

skírr 

dasast 

hamla 2 

Iokarr 

skjarr 

dorg 

heimill 

lopt 

skjóla 

draf 2 

heimsókn 

meiss 

skógr 

draga 2 

hesli 

melr 

skor 

dregg 

hlunnr 

miða 

skorða 1 

eimyrja 

hlymr 

mót 2 

skorpinn 

erta 

hóp 

múli 

skríða 

espingr 

hrak 

mQl 

skrúf 

ey 1 

hrókr 1 

mQiT 

skutill 

eyrr 

hrúga 

nábúi 

skutr 

félagi 

hrukka 

neita 

skýla 

festa 2 

hrutr 

nýra 

skynja 

fjell 1 

hvelpr 

ÓSS I 

sleikja 

flatr 

hpttr 

pengr 

slokkna 

flengja 2 

illr 

poki 

smiðja 

floki 2 

jarða 

, rá 1 

smjQr 

flytja 

járn 

reip 

snýta 2 

fors 1 

karfi 1 

reýnir 2 

soppr 

frétt 

karpa 

ristill 1 

spá 2 

frændi 

keila 

rúni 1 

spánn 

fulmár 

keppr 

rQnd 

spaíTÍ 

die personennamen: 



Þorketill 

Þormóðr 

Þormundr 


b. aus 

dem schottischen sind entlehnt: 


bjafall 

galpin 

und vielleicht brothvítil, 1 


5 - 

die kymrische sprache: 

eyrr 

holmr 

jarl 

melr 

fiskr 

hóp 

karfi 1 

mútari 

garðr 

hrafn 

kolli 

síld 


spenna 2 
spema 1 
sperra 1 
sprækr 
sprQkla 
sppng 
stag 
stakkr 2 
stál i 
stallr 1 
stanga 
stappa 
steði 
steik 
stjórn 
strá 1 
strákr 
stríð 
stræti 
styggr 
stýra 
st<?ng 
súð 
súla 
svarfa 
sœkja 
tak 
tandri 
titlingr 
tíundi 
týna 
tæla 
)éttr 
x>pta 
>rap 
>refi 
>ytr 
urga 1 
vaðall 


galpin 


die personennamen: 

Gellir Sveinn 


Þorketill 



DIE ENGUSCHE SPRACHE 


XXIU 


C. DIE ENGLISCHE SPRACHE 

Uer einfluss der skandinavischen sprachen ist in England besonders 
gross gewesen. Das einbruchstor bildete Northumberland, wo in der Wiking- 
erzeit ein Normannenstaat entstand. Der name Danelag bezeichnet schon, 
dass sich hauptsáchlich Dánen in diesem gebiet angesiedelt haben; von dem 
umfang dieser besiedlung legen noch heute zahlreiche ortsnamen ein beredtes 
zeugnis ab. Aber auch Norweger haben sich an diesen Wikingerzugen 
beteiligt; die wenn auch kurze herrschaft von Eiríkr blóðox beweist das 
schon; von Irland aus haben sie hauptsáchlich diewestlichenteileNordeng- 
lands iiberrannt. Die friihe zeit des dadurch veranlassten spracheinflusses 
berechtigt uns, die lehnwörter als ein zeugnis fiir das Nordgermanische im 
allgemeinen zu betrachten, wenn auch, namentlich in den personennamen, 
deutliche ostskandinavische spracheigentumlichkeiten zutage treten. Von 
der grossen menge der lehnwörter findet man heute nur noch ein bruchteil 
in der englischen umgangssprache erhalten, aber eine grosse zahl davon 
lebt noch in den mundarten Nordenglands fort. Daneben gibt es andere, 
die nur in stark skandinavisch beeinflussten literarischen quellen (wie 
Ormulum) vorkommen und deshalb fiir das sprachleben als ganzes kaum 
einige bedeutung haben. 

In der zeit der bekehrung ándert sich die lage in ihr gegenteil. Die mis- 
sionierende arbeit der Angelsachsen war besonders in Norwegen tátig und 
sie hat dort die christliche terminologie bekannt gemacht. Im súdöstlichen 
Norwegen war aber der einfluss der deutschen prediger vorherrschend. Die 
kreuzung der beiden strömungen in Norwegen macht es deshalb nicht 
leicht, in jedem einzelfall zu entscheiden, ob ein wort von England oder 
von Deutschland aus Norwegen erreicht hat. Auch mit hinsicht auf die 
wörter, die spáter aus der mittelalterlich-ritterlichen kultur iibernommen 
wurden, sind wir úber den weg der verbreitung in unsicherheit; die mehrzahl 
wird wohl uber Deutschland und Dánemark gewandert sein. 


a. Aus dem nordischen sind entlehnt: 


á i 

baðask 

belja 

ból 

brún 1 

afl i 

báðir 

berja 

bolginn 

bryggja 

aflangr 

bágr 

beysta 

bolgna 

brynja 

agi 

baka 4 

bingr 

boli 

bræði 

akr i 

bakki 1 

birki 

bolr 

bú 

alka 

bál 

birkinn 

bolax 

búask 

almr 

baldrsbrá 

biti 2 

bóndi 

búð 

alr 

banga 

bjarg 1 

borg 1 

bugt 

ambátt 

banna 

bj óð 

botn 

búi 

anda 

bára 1 

blaðra 3 

brá 1 

búinn 

andi 

barð 1 

blár 

bráðr 

búkr 

angr 2 

barði 1 

blástr 

bragð 

bulki 

angra 

barmr 2 

blautr 1 

brak 

burðr 

ár 5 

barn 

bleikja 2 

bregða 

buskr 

askr 

báss 

bleikna 

breiðr 

búza 

áss 2 

batna 

bleikr 

brekka 

bygg 

at 3 u 4 

baula 

blesi 

brenna 1 

byggja 2 

auðna 

beiða 2 

blikna 

bresta 1 

bylgja 

auk 

beinn 2 

blómi 

brigsl 

býr 

aumligr 

beiskr 

blotna 

brjóta 

byrr 

aurr i 

beit 1 

blunda 

broddr 

býsn 

ausa i 

beita 2 

blæingr 

brók 

bœjarlgg 

ausker 

beitiáss 

boða 

brot 

bœn 

austr 2 

bekki 1 u 2 

boði 2 

brúðhlaup 

bplkr 



XXIV 


EINLEITUNG 


bgrkr 

dagr 2 

dalr i 

dámr 

dasast 

dauði 

daufr 

daunn 

deigja i 

deili 

dengja 

des 

deyfa i 

deyja 

djarfr 

dolpr 

dorg 

drag 

dregg 

drengr i 

drif i 

drjúpa 

drukkinn 

dúkr 

dúnn i 

dylja 

dggg 

dpggva 

dgkk 

efna i 

efni 

egg i u 2 

eggja 

ei i 

eið 

eik 

eimi 

eimyrja 

einn 

elding 

elri 

elta 

endr 


erg 

erta 

eski 

eyrir 

eyrr 

fága 

fagr 

fall 

fanga 

fár 2 

fara 

farangr 

farkostr 

farmaðr 

farnask 

faxi 

feitr 

fela 


félagi 

geil 

fell i 

geiri i 

ferja i u 2 

geit 

festa 2 

gelda 2 

fikjast 

geldr 

fimr 

gengi 

fit 2 

gera 

íjall i 

gerð 2 

fj«?l i 

gerði 

fjprðr 

gersemi 

flá 

gestr 

flá t u 3 

geta 

flaðra 

geymsla 

ílaga i 

gil I 

flaki 

gildi i 

flatr 

gildr 2 

flaustr 

gildra 

fleinn 

gíma 

flengja 2 

gipt 

flensa 

gjald 

fley 

gjglnar 

flikki 

glam 

flói 

glaumr 

flyðra 

glita 

flytja 

glutr 

flQt 

glQggr 

fom 

gnaga 

fors i 

gnípa 

frá 

gol 

freista 

golf 

freknóttr 

grár 

frest 

gras 

froða 

gráta 

froskr 

greiða 

frýja 

greiðr 

fræ 

grein 2 

fuð 

greina 

fugl 

greip 

fýla 

grið 

fylja 

grlss 

fylkja 

grúfa 

fægja 

gulr 

fær 

gustr 

fœri 

gýgr 

fœrr 

gyita 

gá 3 

gymbr 

gaddr i 

gæslingr 

gagl 

gátinn 

gagn 

gœla 

galdr i 

ggltr 

gan 

ggrr 

gapa 

háð 

garðr i 

háfr 

gam 

hafri 

gata 

hagi 

gaukr 

hagr 2 

gaula 

haki 

gaum 

hákr 

gaupn 

hals 

gaurr 

hamla i 

geðlauss 

handsal 

gedda 

happ 

gegn i u 2 

hár i 


harski 

hrakka 

háseti 

hryðja 

haugr 

hryggr 1 

haukr 

hræddr 

hefna 

hugga 

heggr i 

hundrað 

hegna 

húnn 

heill 2 

húsbóndi 

heilsa 2 

húskarl 

heimiligr 

húsþing 

heimill 

hvaðan 

heimsókn 

hváll 

heldr 

hvammr 

hella 2 

hvelfa 2 

hellir 

hvima 

hemingr i u 2 

hvimsi 

heppinn 

hvirfill 

herbergi 

hvæsa 

herma i 

hylja 1 

hesli 

hylr 

hespa i 

hæða 

hestr 

hætta 1 

híma 

hgfðingi 

hirzla 

hgfn 1 

hitta 

hgfuð 

hjalmr i 

hggg 

hjami 

hgggva 

hlaða i u 2 

hglðr 

hlaupa 

hgmulgrýti 

hlekkr 

hgnk 

hlfð 

hgrgr 

hlíta 

iða 

hlummr 

iðinn 

hlutr 

íkomi 

hlýða 2 

illr 

hlýr i 

ím 

hnakkr 

jafningi 

hnefi i 

jaga 

hneisa 2 

jalda 

hnoggr 2 

jaröa 

hóf i 

jól 

hógligr 

i úgr „ 

hokra 

jQkuIl 

holmr 

jglstr 

hósta 

jptunn 

hrapa 

kafli 

hrata 

kaggr 

hraun 

kaka 

hregg 

kajdr 

hreinn i u 2 

karl 

hreppr 

karpa 

hreyiT 

kasta 

hreysi 

katla 

hringja 3 

kaup 

hrip 

kaupa 

hris 

kefja 

hrogn 

kefli 

hroki 

keikja 

hrósa 

kelda 

hross 

kengr 

hrosshvalr 

kenning 

hrotgás 

kerling 

hrafa 

ketill 



DIE ENGLISCHE SPRACHE 


keyra 

leysa 

náhvalr 

saurr 

skgkull 

kið 

leysingi 

nauðsyn 

sef 

slá 2 

kilpr 

lið 

naut 

sekkr 

slákki 

kimbla 

lilja 

nefna 

selja 2 

slátr 

kippa 2 

lita 

nei 

sér 

slattari 

kirna 

litr i 

neiss 

serða 

sláttr 

kjaptr 

kjarr 

ljóski 

neita 

serkr 1 

sleikja 

ljóstr 

neyta 

sfk 

sletta 

kjúklingr 

ló i 

níðingr 

simi 

slétta 1 

kj<?t 

lofi 2 

níta i 

skabb 

slikr 2 

klakkr 

loga 2 

norðrœnn 

skaði 1 

slóð 

kleggi 2 

logi I 

nytja 

skál 

slóði 

kleif 

logn 

oddi 

skáld 

slokna 

klekja 

lómr 

oddr 

skáli 

slúta 

kleppr 

lopt 

óðr 3 

skalli 

slokkva 

klettr 

losa 

ok 2 

skammt 

slœgð 

klígja 2 

lúðr 

okr 

skarð 

slœgr 2 
smár 

klippa 

lund 2 

olmr 

skarfr 1 

klippingr 

lundr l 

ormr 

skam 

smiðja 

klof 

lygn 

oma 

skata 

sneið 

klubba 

lyng 

orrosta 

skauð 

sneiða 

knífr 

lypta 

óstr 

skeið 1 u 3 

snerpa 

knútr i u 2 

lœkr i 

pampi 

skeifr 

sneypa 2 

kngrr 

lpðr 

pati 2 

skeina 2 

snigill 

kngttr 

iQg 

plógr i 

skel 

sóli 

kollr 

ÍQgg 

plokka 

skella 2 

soppr 

konungr 

l<?gr 

rá 2 u 4 

skemta 

sótt 

kostr I 

lQStr 

ráð 

skeppa 

spá 2 

krafla 

maðkr 

rák 

sker 

spakr 

kringla 

mágr 

rammr 

skera 

spánn 

krókr 

maki 

rán i 

skffa 2 

spenna 2 

krubba 

mál i 

rangr 

skil 

spema 1 

krækiber 

már 

rannsaka 

skilja 

sperra 2 

kubbi 

maralmr 

raptr 

skinn 

spretta 1 

kúga 

maurr 

ras 

skipta 

sprækr 

kveina 

meiss 

rass 

skírr 

staðr i 

kveisa 

meldr 

rauðr 

skirra 

stakkr 2 

kvern 

meir 

raust i 

skíta 

stanga 

kvíga 

melta 2 

rauta 

skjálf 1 

stappa 2 

kvistr 

mennska 

reika i 

skjalgr 

staup 

kýli 

mergð 

rein 

skjóla 

staurr 

kynda 

merki i 

reipa 

skjótr 2 

steði 

lafa 

mey 

reisa 2 

skógr 

steggi 

lágr 

mikill 

renna 2 

skopa 2 

steik 

lán 

milli 

reyðr 

skor 

steinn 

lát 

minni i 

reynsla 

skora 2 

steypa 

láta 

mjúkr 

reynir 2 

skot 1 

stífla 2 

lauðr 

morkna 

rífa 

skrá 1 

stigi 

laukr 

morna 2 

ró i 

skratti 

stlgr 

laun 2 
lauss 
laut 
lé 

j e ggr 

leiðr 

leif 

'eiga i 
'eika 2 
ieikr i 
leir 
leita 
[engja 2 
>eyna 

mugga i 

rokkr i 

skreppa 1 

stjórn 

múli 

munnr 

róma 2 
rót 1 

skríða 

skrækja 

stolpi 
storð 1 

murtr 

mygla 

rotinn 1 
rugga 

skuggi 
skúr 1 

storkna 

stórr 

myki 

rúm 

skurfa 

strá 1 

mynni 

ryðja 

skúta 1 u 3 

strfðr 

myrkja 

rypta 

skúti 1 u 2 

strúpi 

myrkr i* 
mýrr 

r<?gg 

skvala 

stuldr 

saklauss 

ský 

stýfa 

m<?rk i 

sanna 

skylft 

styggja 

nabbi 

sár 1 

skynda 

stynja 

náð 

sáttr 

skyrta 

st<?ng 

nagga 

saumr 

skærr 1 

st<?rr 


XXV 


U 2 



XXVI 



EINLEITUNG 



súla 

taka 

)ekja 2 

vaðmál 

viðr 1 

svagla 

tangi i 

serna i u 2 

vág 

vigr 

svali 

taparnx 

jéttr 

vaga 

vígr 

svangi 

targa 

ijónasta 

vagleygr 

vík 

svarf i 

taumr 

)Ó 

vagn 2 

villr 

svarfa 

teitr 

)órsdagr 

val x 

vimarr 

svarri 

telgja 

)rá i 

ván 

vindauga 

sveif 

tíðendi 

)rár 

vandi i 

visk 

sveigja 

tíðr 2 

irefi 

vandræði 

vitring 

sveigr i 

tj<?rn 

jrífast 

vanr 2 

væla 

sveinn 

tóm 

jrift 

vanta 

vængr 

svíða 

tómr 

irinnr 

vápnatak 

v ættvangr 

svipr 

topt 

)rýsta 

vár i 

v<?k 

svprðr 

traust 

)ræll 

varða i 

vgndr 

systir 

treysta 

)veit 

varðlokur 

vQrðr 1 

sýta 

troll 

)verr 

varpa 2 

ýmiss 

sæng 

tryggr 

)ýfð 

veggr 1 

æ 2 

sæti 

týna 

)yngsl 

veiðr 

æðr 2 

sætr i 

tœma 

xjngull 

veifa 

ætla 

sætt 


jaðan 

ugga 

veikr 

orr 

sætta 


)ang 

um 

velja 

cepa 

sœma 


sarfna 

úsæll 

ver 2 

Qðlast 

tað 


)áttr 

útlagi 

verja 5 

Qgn 

tág 


seir 

vað 

verpa 

Qnd 3 

tak 


íeisti 

váði 

verri 

QXUll 


P personennamen: 


Aki 

Eindriði 

Helgi 1 

Ófeigr 

Þórgísl 

Ámundr 

Eiríkr 

Hloðvér 

Óláfr 

Þórgrímr 

ArnbjQrn 

Erlingr 

Hrafn 

Ormarr 

Þórir 

Arngrímr 

Eyjólfr 

Hrafnhildr 

Óspakr 

Þórketill 

Arni 

Eymundr 

Hrafnkell 

Ragnhildr 

Þórleikr 

Arnkell 

Eysteinn 

Hrafnsvartr 

RQgnvaldr 

Þórmóðr 

Arnórr 

Fastúlfr 

Hrani 

Sigarr 

Þórmundr 

Ása 

Finnr 

Hreiðarr 

Sigtryggr 

Þórólfr 

ÁsbjQrn 

Flóki 1 

Hrólfr 

Skeggi 

Þórr 

Ásfríðr 

Folki 

Hrómundr 

Skúli 1 

Þórraðr 

Ásgaurr 

Forni 

HQskuldr 

Sóti 

Þórsteinn 

Ásgeirr 

Geirfinnr 

Ingjaldr 

Styrkárr 

Þórvaldr 

Ásgrímr 

Grímkell 

Ivarr 

Sveinn 

Þórvarðr 

Ási 

Grímólfr 

Jólfr 

Sverkir 

Þyri 

Áskell 

Grímr 

Jórekr 

Svertingr 

Ulfarr 

Áslákr 

Guðþormr 

Jórundr 

SQrli 

Ulfgrímr 

Ásmundr 

Gyða 

Kári 2 

Tófi 

Ulfkell 

Aun 

Gyrðr 

Hákon 

Katla 

Þólfr 

Véseti 

Bárðr 

Ketill 

ÞórbjQrn 

Yngvarr 

BjQrn 2 

Blígr 

Halfdan 

Klaufi 

Þórbrandr 

Æsa 

Hámundr 

Knútr 

Þórðr 

Qnundr 

BQðvar 

Eileifr 

Einarr 

Haraldr 

Hávarðr 

Hávarr 

Kolbeinn 

KolbjQm 

óðinkárr 

Þórfastr 

Þórfinnr 

Þórgautr 

Qzurr 


Y Zwéifelhaft sind: 


auðr 3 

fró 

kalla 

plokka 

band 

glupna 

karskr 

skarkr 

bókstafr 

heiðr 2 

kráka 

sól 

flQkra 

hulfr 

lerka 

spíkr 

frauki 

Kalfi 

nám 

styggr 


stytta 2 

teigr 

til 

tgturr 

víkingr 



DIE ENGLISCHE SPKACHE 


XXVII 


b. Aus dem englischen sind ubernommen 
* die wörter: 


abbindi 

íustan 

krisma 

pálstafr 

sigli 1 u 2 

abóti 

gaflak 

kristinn 

pápa 

skíri 

almandr 

gangari 

kristna 

parrak 

skím 

antefna 

gimr 

kristr 

penta 

skrúð 

api 

gingibráð 

króg 

pentari 

skutill 2 

ár 4 

gráða 

kvíga 

pera 

skvíari 

baldrekr 

guðsifjar 

kvlna 

pez 

snáð 

barlak 

guðspjall 

kyrtill 

piliza 

snæða 

barún 

guðvefr 

láðmaðr 

pín 

sn æðing 

bastarðr 

harri 

lafði 

piparr 

sokkr 

belti 

hirð 

lávarðr 

pistill 

soli 

bíliíi 

hringa 

léo 

ploma 

sparrhaukr 

biskup 

hrjóða 2 

leóna 

port 

spíz 

bjalla 

hvítadagr 

leóparðr 

portkona 

stallari 

bjórr 1 

imbrudagr 

loddari 

postoli 

stívarðr 

blakt 

jarknasteinn 

mátér 

prestr 

stóli 2 

blek 

kál 

missari 

prófasti 

strjóna 

bleza 

kálekr 

mjoðdrekka 

prfmsigna 

sunnudagr 

burgeis 

kanóki 

mortit 

prúðr 

svinka 

diskr 

kantarakápa 

munki 

prýði 

tasla 

djákn 

kápa 

múir 

puliza 

tin 

dreki 

kapellánn 

nón 

pynda 

turna 

engill 

kastali 

nunna 

reykelsi 

týsdagr 

erkibiskup 

kirkja 

næpa 

ribbaldi 

þrá 2 

erkn 

kista 

offra 

rokkr 2 

úfr 2 

eysill 2 

klaustr 

ofláta 

rytta 

umbogi 

fasta 2 

klerkr 

ostra 

ræðingr 

url 

flaska 

klútr 

pái 

sál 

vág 

fiúr 

koparr 

páll 1 u 2 

sálast 

vimpill 

fól 

korporáll 

palmari 

salmr 

vín 

funtr 

kredda 

palmi 

saltari 


í$ eigennamen und zwar 

personennamen: 



Alfífa 

Hallvarðr 

Játmundr 

Vilhjálmr 

Frankar 

Arnaldr 

Háma 

Játvarðr 


Jórvfk 

Bjár 

Herþrúðr 

Sunnifa 

ortsnamen und 

Kantarabo: 

Goðin 

Játgeirr 

Vermundr 

völkernamen: 



Y Unsicher sind: 


abbadís 

balsamr 

bátr 

bóla 2 

borg 2 

brokkr 

bytta 

fiðla 

fljóð 

fox 

frakki 

glófi 

greifi 


klæða 

klæði 

kofi 

kroppa 

kross 

krukka 

kufl 

kurteisi 

kyllir 

lilja 

lokarr 

lækna 

læra 


g*?tva lævirki, 

búsl manga 2 

kaupangr mangari 

kempa míla 

Wefi milska 


mustari 

mylna 

mynstr 

mynt 

par 2 

pell 

penningr 

píll 

pína 2 

pinnr 

pípa 

plaga 

plástr 

plokka 

posi 

prédika 

prettr 

prika 


prfm 

prjónn 

púki 

pund 

pundari 

punktr 

pyttr 

rigr 

rokkr 2 

rós 

ræsir 

sápa 

sekkr 

serkr 1 

skarlat 

skipari 

skíriþórsdagr 

skóli 


skons 

skript 1 

stræti 

sútari 

tabarðr 

tafl 

tákn 

tersél 


tigl 


tollr 


trúðr 


tunna 


þórsdagr 

vafrlogi 

verQld 



XXVIII 


EINI.EITUNG 


D. DAS FRIESISCH-NIEDERDEUTSCHE SPRACHGEBIET 

Obgleich im friihen mittelalter die Friesen durch ihre bis nach Schweden 
reichenden handelsverbindungen fiir die verbreitung von kulturgutem eine 
bedeutende rolle gespielt haben mussen, wird der einfluss auf die skandinavi- 
schen sprachen kaum greifbar. Ðie mittelstellung des friesischen zwischen 
dem englischen einerseits, dem niederdeutschen andrerseits macht es oft 
unmöglich zu entscheiden, ob ein wort gerade aus dem friesischen entlehnt 
wurde. Der versuch E. Wadsteins den friesischen einfluss genauer zu be- 
stimmen, hat nicht zu sicheren ergebnissen gefiihrt. 

Die roUe der niederdeutschen sprache ist, besonders im 13. und 14. Jht. 
besonders gross gewesen. Wir haben schon bemerkt. dass fur die bekehrungs- 
zeit eine gewisse unsicherheit daruber herrscht, ob die christlichen begriffe 
aus dem englischen oder dem niederdeutschen entlehnt worden sind. Spáter 
aber, als die Hanse den handel auf Norwegen monopolisiert hatte und ihre 
kontore in den wichtigsten hafenstádten an bedeutung gewonnen hatten, 
folgte der strom der westeuropáischen kultur dem weg tiber die deutschen 
seeháfen. In den meisten fállen wird der kultureinfluss erst Dánemark 
erreicht haben, um dann allmáhlich bis nach Norwegen und Schweden 
durchzudringen. Von Norwegen aus gesehen könnte man also manchmal 
von einer úbemahme dánischer wörter reden. Aber auch der direkte weg 
von Bremen und Hamburg nach Oslo und Bergen hatte fur die verbreitung 
der mittelalterlichen ritterkultur eine nicht zu unterschátzende bedeutung; 
davon legen die Þiðrekssaga und die Karlamagnússaga ein beredtes zeugnis ab. 

Aus dem Norden ist umgekehrt nicht viel sprachgut nach Deutschland 
gelangt. Namen von spezifisch nordischen waren, die nach Deutschland 
ausgefúhrt wurden, gelangten dorthin. In den Hansekontoren hat man, wie 
Brattegard nachgewiesen hat, mehrere norwegische wörter gebraucht, aber 
sie sind von dorther nicht in breitere schichten gedrungen. 

1. Friesisch 

a. In das friesische gelangten vielleicht: 
flytja stjóm víkingr 


b. aus dem friesischen wurden vielleicht entlehnt: 


akkeri 

dúkr 

gjaldkeri 

kross 

stræti 

altari 

íerma 3 

kál 

kuggr 

tunna 

bákn 

frjádagr 

kamarr 

manneskja 

þjóna 

bátr 

funtr 

klæði 

sekkr 

þórsdagr 



2. Niederdeutsch 


a. aus dem nordischen sind entlehnt: 



aurriði 

geirfalki 

klippingr 

reklingr 2 

titlingr 

bóndi 

gildr 2 

kroppungr 

rif 3 

topt 

borft 2 

golf 

leiðangr 

rim 

torg 

bunki 

gr<?n 2 

leiga 1 

sfld 

þorskr 

dúnn 1 

hár 1 

Ijóri 

skógr 

vaðall 

einir 

heraft 

lómr 

skrá 1 

vaðmál 

elda 1 

hlemmr 

Iubba 

sperra 1 

veggr 1 

eyrir 

hreinn 1 

iQg 

spýtingr 

veita 

fjándi 

hrosshvalr 

lQgmaðr 

staurr 

vík 

fjQrðr 

hrotgás 

mungát 

stefna 7 

vika 

flyftra 

keyra 

náhvalr 

stofa 

víkingr 

fors 1 

klefi 

pallr 

svalar 

vindáss 

fura 

klettr 

rafr 

sýsla 1 

æðr 2 



DAS FRIESISCH-NIEDERDEUTSCHE SPRACHGEBIET 


XXJX 


Weiter: 

Halfdan Hjaðningar 

b. aus dem niederdeutschen stammen: 


die wörter: 


abbadfs 

djpfuli 

grfpr 1 

klingja 

lukka 

akta 

dokka 

gyldinn 

kloflaukr 

lukt 

aldrlag 

doppa 

hala 

klokka 

lumpr 

altari 

dreki 

hanzki 

klokkari 

lykka 

ama i 

dróttseti 

harka 3 

klókr 

lyst 

ambátt 

dubla 

hastorðr 

klót 

má 3 

ametta 

dust 2 

heimiiigr 

knapi 

mak 

ampli 

dyflissa 

herjansson 

kompánn 

maka 

angist 

edik 

herra 

konstabli 

makendi 

appella 

erfivprðr 

hertogi 

konstr 

makt 

arbyst 

ermiti 

hinka 

konvent 

mála 3 

armbrist 

ers 

hirsi 

koppablóð 

margreifi 

armœða 

espingr 

hóf 2 

koppr 

markaðr 

áss 4 

eygja 

hóferan 

kórr 

mastr 

aumhjartaðr 

fallera 

hofierð 

kortr 

mát 1 u 2 

baka 3 

fals 

holkr 2 

kosta 2 

máti 

baldikin 

fantr 

hop 

kostr 2 

meina 2 

balsamr 

feila 

hopan 

kovertúr 

meistari 

banel 

feligr 

hópr 2 

kragi 

mekt 

barki 2 

ferðugr 

hortigr 

kram 

mekta 

barma 

ferskr 

húðfat 

krankr 

mektugr 

basún 

fíka 

humli 

kranz 

mengja 

beja 

ffnn 

húsfrú 

krenkja 

merski 

bik 

fiskari 

hýja 

krummr 

messa 

bikarr 

bilæti 

fjallaðr 

Flandr 

hymni 

hceverskr 

krúna 

krús 

messing 

mez 

bismari 

ílekka 1 

imni 

krydd 

minta 

bissus 

floel 

innsigli 

kræja 

mirra 

bistr 

flygill 

innsteri 

krpptr 2 

múll 

bisund 

fóðr 2 

iperst 

kukl 

muspellr 

blíat 

fóguti 

jacinctus 

kult 

mustarðr 

blíða 1 

form 

jaga 

kunta 

mútera 

blik 2 

formera 

jung 

kurell 

muza 

bófi 

Frankar 

jungfrú 

kvarði 

mpgulegr 

bóglína 

fró 

jungherra 

kvátra 

mpttull 

bóka 2 

frouva 

jungr 

kvitta 2 

náð 

bókstafr 

frú 

jurt 

kyndugr 

náða 

bóndi 

fruktr 

kabill 

kynstr 

náttúrligr 

borð 2 

frygð 

kalka 

lak 

netti 

borgari 

frykta 

kamell 

lampi 

okr 

brák 

fundera 

kamfar 

laskr 

opinberr 

bréf 

fyrir- 

kanceler 

legill 

organ 

brynkolla 

fyrmuna 

kanifas 

leikr 2 

orlof 

buðfa 

fœgiligr 

kapella 

leisk 

paðreimr 

bugt 

gáfa 

karöi 

lektari 

páfi 

búza 

galeiö 

karfasta 

lektia 

pakki 

byrða 2 

gammr 

karfi 2 

lén 

pallaz 

býta 

gardian 

katlari 

léna 3 

palmr 

býti 

garland 

keisari 

lenz 

panna 

byxa 

gerö 4 

kellari 

lest 2 

pantr 

dammadúkr 

gfgja 

kerra 

lesti 

panzari 

dans 

gikkr 

kerti 1 

líða 3 

par 1 

dára 

glafel * 

kilja 1 

lfk 2 

paradís 

dekur 

glafja 

gradal 

klagan 

iísing 

parak 

digull 

klárr 2 

lispund 

parði 

dikta 

grein 3 

klénn 

lista 

partr 




XXX 


EINLEITUNG 


páskar 

reik 3 

skemill 

spenna 4 

tum 

past i 

reika 2 

skenkja 

spezskór 

turnera 

patriarki 

reikna 

skerfr 

spinka 

týgf 

penni 

reipari 

skffa 1 

spitali 

tykt 

persóni 

reisa 1 

skikka 

spiza 

tykta 

píkisdagr 

rfðari 

skjaldari 

spizari 

tæra 

pikka i u 2 

riddari 

skóli 

spons 

þéna 

pila 

rím 2 

skóna 

spraki 

þénari 

pílagrimr 

rippa 

skorbfldr 

sprang 

þénusta 

pflarr 

rís 

skorsteinn 

stoitr 

þerna 1 

pilz 

rolla 

skrá 2 

stolz 

þorpari 

pfna 

roti 

skraddari 

stoppa 

vága 

pinni 

rýtingr 

skrifa 

stranda 

vakta 

pitenz 

rœfa 

skript 1 u 3 

strax 

valdari 

plága 

safal 

skultr 

strúz 

valderir 

plagg 

safran 

skuttingr 

studera 

vallari 

plána 

sálugr 

skyrsill 

stumpr 

vankr 

planka 

salún 

skytari 

styfill 

vaska 

planta 

sapol 

skytta 

synd 

vatnkalfr 

pláta 

saxgent 

skœzill 

sælugr 

vé 4 

plaxa 

sergent 

skpr 2 

tabúr 

vegna 2 

plaz 

siklát 

siagningr 

taferni 

vekt 

plega 

sikta 

slangi 

tapít 

vers 

ponta 

silfar 

siankr 

tappa 

vesk 

portinherr 

simili 

slekt 

teinæringr 

vexla 

prakt 

sinna 2 

slentr 

templari 

víll 

prámr 

sirop 

slfpari 

tempra 

vín 

prfsa 

sister 

smelt 

teningr 

vinzari 

prfss 

skák 

sniddari 

texti 

visundr 

prisund 

skáka 

snitt 

teygjast 

ynglingr 2 

próf 

skakkeran 

sokkr 

tigl 

æra 1 u 4 

prófa 

skákmaðr 

soldari 

tjaldari 

ævintýr 

prófenda 

skalda 

sóli 

tolla 2 

orlygi 

puntr 

skalkr 1 

soppa 

tóni 

orsaka 

púta 

skammfœra 

spaði 

tortfs 

pldurmaðr 

pæla 

skarfr 2 

spaldener 

trehakl 

plmosa 

raufa 

skari 

sparlak 

triza 


raufari 

skarlak 

spazera 

trumba 


regla i u 2 

skefill 2 

spegill 

tulkr 


reiðr 1 u 2 

skelmir 1 

speja 

tumba 


Personennamen: 




Bjarnharðr 

Heinrekr 

Juði 

Þjóðrekr 

Vilkin 

Buðli 

Hérmóðr 

Osantrix 

Valbjprg 

Vilmundr 

Halfdanr 

Hrjóðbjartr 

Þiðrekr 

Viðga 


Unsicher sind: 




akkeri 

feilr 1 

jarteikn 

kvittr 

motr 

alvára 

ferma 3 

kaðall 1 

lilja 

mylna 

api 

íiðla 

kamarr 

lína 2 

mynstr 

barða 

flensa 

kápa 

list 

mynt 

barún 

flúr 

kapellán 

læra 

nunna 

bflifi 

fóra 

kaprún 

Iævirki 

næra 

bóla 2 

fría 

kastali 

makr 

olea 

buðkr 

gókr 

kempa 

manga 1 u 2 

pápi 

bulla 

greifi 

kostall 

mangari 

parlament 

búri 

grunda 

krakleikr 

mangr 

paus 

bytta 

hameskja 

krukka 

manneskja 

pell 

dúkr 

harri 

kufl 

meiðmar 

penningr 

fanga 

herbergi 

kuggi 

míla 

píll 

fangelsi 

hind 

kuskr 

mornaland 

pinnr 

fasta 2 

hpnk 

kvantr 

morsel 

pípa 



DAS FRIESISCH-NIEDERDEUTSCHE SPRACHGEBIET 


XXXI 


plaga 

planéta 

plástr 

plokka 

plóma 

plœgja 

pors 

pottr 

prédika 

prím 

prinz 
pund 
pundari 
punktr 
reim 
riða i 
rif 2 u 3 
rokkr 2 
rós 

skarlat 

skipari 

skons 

skúta i 

skylma 

skyrbjúgr 

skæla 

slagfiðr 

spekja i 

spfla 

strip 

stripaðr 

stúka 

sútari 

sæi 1 

tabarðr 

tafl 

tappr 

taska 

tasla 

tersél 

tigl 

tollr 

treyja 

tundr 

tunna 

þjóna 

þjónasta 

úfr 2 

vili 



3. Niederlándisch 


a aus 

dem nordischen sind entlehnt: 



fura 

geirfalki 
gr<?n 2 

hár i 
hreinn i 
hrosshvalr - 

hrotgás 

klippingr 

kroppungr 

iómr 

titlingr 

vaðmál 

vfk 

æðr 2 und 
vielleicht rif 3 

b aus 

dem niederlandischen sind gekommen: 


bóglfna 

falki 

Flandr 

flæmingi 

íperst 

konvent 

pikka 1 

und vielleicht: 

bóti 

kaprún 
olea 
past 1 

skóli 

skons 

tigl 


E. DIE ROMANISCHEN SPRACHEN' 

Die Wikingersiedlungen in der Normandie haben die gelegenheit ge- 
schaííen fur den austausch von wörtem. t)ber die viel erörterte frage, ob 
hier Dánen oder Norweger das hauptelement der einwanderer gebildet 
haben, brauchen wir uns hier nicht auszusprechen, weil sie fur die lehn- 
wörter der Wikingerzeit belanglos ist. Ubrigens sind altnordische wörter 
nur in ortsnamen enthalten. 

Das Französische stand naturgemáss nur selten in unmittelbarer ver- 
bindung mit den Nordgermanen. In der Wikingerzeit waren die verháltnis- 
se dazu noch am giinstigsten; besonders auf dem gebiet der schiffahrt, und 
der fischerei haben die Franzosen mancherlei aufgenommen; nur lásst es 
sich oft nicht entscheiden, ob nicht vielmehr die Niederlande die gebendc 
rolle gespielt haben. 

Frankreich war in der zeit des rittertums vorbildlich fur ganz Nordeuropa; 
zahlreiche französische kulturwörter gelangten nach Norwegen und Island; 
auch hier lásst sich nicht immer entscheiden, ob die entlehnung unmittelbar 
stattfand oder durch vermittlung von Engíand oder Deutschland. 

Was an altnordischen wörtem bis nach Spanien und Italien vordrang 
braucht nicht besonders erwáhnt zu werden, weil hier Frankreich das 
durchgangsland war. 


i. Das Normandische 


Entlehnt wurden die wörter: 


beita 2 

díki 

garðr 1 

holmr 

stakkr 2 

bekkr 2 

djúpr 

grunnr 1 

húka 

sund 1 

bóndi 

drangr 

háfr 

hpfn 1 

tjóðr 

botn 

dúnn 1 

haki 

karl 

topt 

brúðrman 

ey 1 

hala 

lúðr 

'trog 

búr 

fleinn 

haugr 

lundr i 

tún 

býr 

flikki 

heggr 1 

merki 1 

þorp 1 

dalr 1 

fljót 

hnot 

sker 

þveit 



XXXII 


EINLEITUNG 


die personennamen: 


Ásbjyrn 

BI æingr 

Ingólfr 

Óspakr 

Þórbjpm 

Ásfríðr 

Hróarr 

Ivarr 

Skeggi 

Þórvaldr 

Bárðr 

Hrólfr 

Kári 2 

Skúli 1 

Vplundr 

Blakki 

a. Aus dem 

B. Das Französische 

altnordischen wurden entlehnt: 

die wörter: 

barátta 

floti 

klútr 

sigla 1 u 2 

þollr 1 

beita 2 

garðr 1 

kngrT 

síld 

veðrviti 

beitiáss 

geirfalki 

krókr 

skeið 1 

vigr 

biti 2 

greiði 2 

Iómr 

stœðingr 

vindáss 

bóglina 

háfr 

náhvalr 

tangi 1 

virki 2 

brað 3 

hjalmr 2 

nám 

taug 

vplt 

brandr 3 

hrosshvalr 

nest 2 

telgja 

VQr 1 

drengr 2 

humarr 

rás 

tjald 

dúnn r 

húnn 

rif 3 

topt 


festr 1 

hofuðbenda 

rispa 2 

þang 


flikki 

kerling 

r <?ng 

pilja i 



die personennamen: 

Kveldúlfr Vglundr 


b. aus dem französischen wurden entlehnt: 


die wörter: 


alemandel 

fors 2 

kreatýr 

mát 2 

reison 

amalera 

fundera 

krfa 

mella 1 

roba 

amendashnot 

gammi 2 

kurt 

morel 

safran 

amía 

gardekors 

kurteisi 

mortit 

sifra 

appellera 

glósa 

kveif 

mærr 1 

siment 

asni 

kamelet 

kver 

mpttull 

sinjórr 

blank 

kapalein 

kærr 

námdúkr 

síridúkr 

bóla 3 

katel 

kpsungr 

olifant 

skarmandi 

brokkati 

kisill 

laðrúnn 

osterin 

spáz 

burt 1 

klaret 

latún 

pái 

spúsa 1 u 2 

dauss 

kofr 

laz 

palafrey 

spúsi 

drómundr 

kofri 

letr 

pardún 

surkot 

dubba 

kompáss 

livori 

púsi 

trafali 

duz 

kordúnn 

manér 

PQstutjald 

truff 

formel 

kothardi 

marbri 

rabita' 

turniment 





vargúlfr 

die eigennamen: 




Dulcifal 

Jófreyr 

Mundia 



unsicher sind: 




aiol 

hoza 

plpa 

prúðr 

sæi 1 

arsalr 

kati 

parlament 

rigr 

taska 

bóti 

lfna 2 

portari 

r<feta 


hallarr 

morsel 

prinz 

rpsti 



F. DIE BALTO-SLAVISGHEN SPRACHEN 
Die benihrungen mit diesen sprachen haben natiirlich immittelbar nur 
mit dem schwedischen und dánischen stattgefunden. Sie gehören aber 
besonders der Wikingerzeit an und beziehen sich deshaib auf die zeit der 
noch kaum differenzierten spracheinheit in Skandinavien. Ubrigens gab 



DIE BALTO-SLAVISCHEN SPRACHEN 


XXXIII 


es auch zahlreiche Norweger, die in Osteuropa kurzere oder langere zeit 
verblieben; die beiden Olafe und Haraldr der gestrenge sind dafiir bekannte 
beispiele. 

1. Die lettische sprache 

Entlehnt wurden: 

brynja sparri vielleicht 

gata vaðmál auch ár i 

2. Die litauische sprache 

a. aus dieser sprache stammen: 

sókr und vielleicht motr 

b. sie entlehnte: 

kippi segl síld stofa þóf 

krókr serkr sparri þjónn 

vieUeicht auch: 

ár i brúnn i garðr i 


3. Die slavischen sprachen 
a. daraus wurden entlehnt: 


Aldeigja 

bjalkaland 

drokkr 

polútasvarf 

stólkonungr 

askraki 

brakun 

káza 

serkr 2 

taparox 

bjalfi 

buzar 

leðja 

silki 

tjamaglófi 





torg 

und die personennamem: 




Jarizleifr 

Kœnugarðr 

Minniskjgldr 

Nepr 2 


unsicher sind: 




elli 1 

fíll 

Gullvarta 

palata 

stóll 2 

b. aus dem skandinavischen sind ubemommen: 


die wörter: 





bátr 

garðr 1 

kjarf 

mærr 2 

sfmi 

beita 2 

grið 

knútr 

náhvalr 

skata 

biti 2 

hákarl 

kot 

norðmaðr 

sker 

bjarg 1 

hjalmr 1 

krókr 

rein 

snekkja 

bjprn 1 

hús 

laukr 

Ruzar 

stigr 

brynja 

hvatr 

leggr 

rpnd 

stoð 

búð 

kaðall 1 

leikr 1 

seiör 2 

tún 

dýna 2 

kenning 

malt 

serkr 1 

þjónn 

flosi 

kippi 

mækir 

sfld 

vQttr 

die personennamen: 




Ásketill 

Hámundr 

Ivarr 

Snæbjom 

Þórir 

Einarr 

Heiðrekr 

Ragnheiðr 

Styrr 

Þórleifr 

Eymundr 

Helgi 1 

Siggautr 

Sveinn 

Þórólfr 

Guðleifr 

Hrœrekr 

Sigtryggr 

Þórbjpm 


Hákon 

Ingjaidr 

Sigvaldr 

Þórgeirr 

Kylfingar 

unsicher sind: 




garör 1 

hlaiwa 

laug 1 

vaöall 


Grani 

holmr 

naut 





XXXIV 


EINLEITUNG 


G. DIE KLASSISCHEN SPRACHEN 

Beriihrungen mit dem griechischen konnten durch die skandinavischen 
söldner in Byzanz stattfinden; bekanntlich traten auch zahlreiche Norweger 
und Islánder in den dienst des griechischen kaisers. 

Das lateinische hatte so bald die bekehrung stattgefunden hatte als 
kirchensprache einen bedeutenden einfluss. Zahlreiche christliche wörter 
wurden den Skandinaviern durch Englánder und Deutsche vermittelt, 
aber viele anderen gelangten auf schriftlichen wege auch unmittelbar nach 
Norwegen und Island. 

1. Die griechische sprache 

a. aus Skandinavien sind ubernommen: 

askr væringi 

b. aus dieser sprache stammen: 

djásn trapiza und die Gullvarta 

skipt 2 eigennamen Kirjalax 

2. Die lateinische sprache 

a. eine skandinavische entlehnung kann askr sein. 

b. dem lateinischen wurden entlehnt: 


die wörter: 


annáll 

kapituli 

legáti 

past 2 

sóna 

biflia 

kapp 

lenz 

pati 1 

sónn 

buzel 

kardinali 

Iepra 

patfna 

spá 1 

dalmatika 

karína 

linja 

péð 

stfll 

dekan 

kastr 

manna 

pella 

stóla 1 

dispensera 

kaupa 

marmari 

persóna 

stóll 3 

disponera 

ketill 

metr 1 

petallum 

súma 1 

disputera 

klausa 

mitr 

pikturr 

Sýrland 

divisera 

klúss 

momenta 

planéta 

tabla 

emend(er)a 

kolorr 

muskat 

portari 

tesaurr 

eximi 

kómeta 

múta 

praefatio 

titull 

eyrir 

kommún 

mútari 

prím 

trakt 

figúra 

kompona 

náttúra 

processia 

traktera 

fitonsandi 

konfirmera 

nóna 

pulkrokirkja 

traktr 

gafi 

konkordera 

notera 

purpuri 

turturi 

gladel 

koróna 

nóti 

regula 

unian 

hrókr 2 

kredo 

obláta 

samvit 

vínflaki 

jacinctus 

krúss 

olífa 

signa 1 

ymni 

justa 

kaldel 

kussari 

orða 1 

simfon 

ortog 

kvaterni 

organ 

skapular 

grk 

kantiki 

latína 

pakti 

skript 2 


kantilena leena 

zweifelhaft sind: 

palma 

smaragdr 


bulla 

kjárr 

pungr 

sallaðr 

serfr 

karp 

kgttr 

purka 

salselaðr 

sikulgjgrð 


H. DIE FINNISCH-UGRISCHEN SPRACHEN 

Auch von diesen sprachen gilt, dass die beriihrungen nur mit den ost- 
skandinavischen sprachen stattgefunden haben. Wir haben schon bemerkt, 
dass die entlehnungen so weit zuruckreichen, dass die wörter zuweilen einen 
urgermanischen lautstand wiederspiegeln. Diese sind fiir die kenntnis der 



DIE FINNISCH-UGRISCHEN SPRACHEN 


XXXV 


westnordischen sprachen also nicht weniger wichtig. Manchmal zeigen diese 
lehnwörter formen, die in der uberlieferten sprache nicht belegt sind. Die 
trennung nach zeitstufen ist oft schwer durchzufuhren. Deshalb habe ich 
im allhemeinen nur diejenigen wörter ausgeschlossen, die in ziemlich spáter 
ze it aus dem schwedischen ubernommen worden sind. 

I) é sprache der norwegischen Lappen ist dagegen in vollem umfang 
fiir das westnordische von bedeutung; nur muss auch hier betont werden, 
dass die wörter teilweise in ziemlich spáter zeit ubernommen worden sind. 
Auf die fálle, wo urnordische lautverháltnisse durchschimmem ist besonders 
aufmerksam gemacht worden. 

Die weiter östlich gelegenen ugrischen sprachen haben die lehnwörter 
naturlich von den Esten und Finnen kennen gelemt. Sie wurden hier aber 
auch aufgenommen um die stosskraft der skandinavischen lehnwörter 
darzutun. 


i. Die estnische sprache 

Entlehnt wurden: 


ár i 

arðr i 

argr 

armr 2 

ausker 

austr 1 

band 

barð 2 

bátr 

beðr 

bikarr 

borð 2 

bræða 3 

clauði 

deig 

dýna 2 

e gg i 

eínga 

embætti 

esja 

fóðr 1 

fold 

geisl 

gísl 1 

gull 

halda 

hallr 3 

hams 

háni 


hár 1 

kjóll 

portkona 

tin 

haukr 

kjósa 

pund 

tjald 

hegri 

knefill 

pungr 

tollr 

hella 1 

koparr 

rá 1 

torf 

herr 1 

kverk 

rauði 

trpð 

herra 

kví 

ríki 

þjórr 

hjálmr 1 

kyndill 

ríkr 

þollr 

hlaða 1 

kps 

rugr 

þorskr 

hleifr 

iag 

rpnd 

þró 

hóra 1 

laugardagr 

sáld 1 

þurs 

hosa 

laukr 

samr 

þ<?rf 

hrár 

laut 

sáta 

vág 

hraun 

leið 

saxar 

vald 1 

hringr 

lín 

segl 

vangsni 

hrúga 

lof 

selja 3 

vara 1 

hvalr 

loka 1 

serkr 1 

vargr 

hæll 2 

magi 

skaut 

velja 

if 1 

merki 1 

skúr 1 

verðr 2 

íli 

met 

snœri 

vín 

ja 

mold 

sokkr 

vindr 2 

jól 

mór 1 

spgng 

virtr 

kafli 

mót 1 

stofa 

visk 

kaka 

mækir 

stríð 

víss 

kamarr 

mprk 1 

strpnd 

viti 

kámr 

nagli 

stpng 

orr 

kanna 

nál 1 

sæng 

9gn 

ketill 

nót 

spðull 

pndurr 

kirkja 

ngf 1 

tá 3 


kjálki 

ostr 

taska 



(ín einigen fállen kann das wort auch von den deutschen nachbarn entlehnt 
worden sein) 


zweifeihaft sind: 


báss 
blástr 
ílraugr i 
elliga 
farmr 
fj<?l 2 

flekkr 

hrókr 1 

lamb 

ró 1 

flóð 

hræ 

lengja 1 
lífspund 

strind 

haugr 

húfa 

veggr 2 

heimr 

humli 

mangr 

<?1 

hlummr 

hlær 

illr 

kúfr 

merðr 

oddr 



XXXVI 


EINLEITUNG 


2 . Die finnische sprache 


a. Dem nordgermanischen sind entnommen: 


á i 

dregill 

herðar 

kjalki 

mgrk 1 u 2 

afr j 

dreki 

herr 1 

kjarf 

nábúi 

akkeri 

dróttinn 

herra 

kjóll 

nafarr 

alda 

dvergr 

hjálmr 1 

kjósa 

nagli 

áll 2 

dýna 1 u 2 

h]Qlp 

kiafi 

nál 1 

angr 2 

dyngja 

hlaða 1 

knefill 

naut 

ár 1 

dýrr 

hland 

konungr 

nest 1 

arðr 1 

dœma 

hlé 

koparr 

neyta 

arfr 1 

egg 1 

hleifr 

kosta 2 

nót 

argr 

einga 

hlunnr 

kveisa 

n<?f 1 

arinn 

einn 

hnappr 

kverk 

ngrr 

armr 2 

embætti 

hol 

kvf 

ofir 

árr 1 

enda 2 

holkr 1 

kvíða 3 

ofr 1 

aska 

esja 

hóra 1 

kyn 1 

ok 1 

áss 2 

eski 

horskr 

kyndill 

ormr 

auðigr 1 

ey 1 

hosa 

kgnguiváía 

ostr 

auðr 3 

eyrir 

hrár 

kgs 

par 1 

aurr 1 

faldr 

hraunn 

lag 

pUarr 

ausker 

fangi 

hreyrr 

lág 

piltr 

austr 1 

fasta 1 

hrim 

lán 

piparr 

bakki 1 

feigr 

hringr 

land 

portkona 

bali 

flaki 

hrjúfr 

Laufey 

posi 

band 

flet 

hroki 

laugardagr 

pund 

barð 2 

flikki 

hrufa 

iaukr 

pundari 

barmr 1 

flói 

hrúga 

laun 2 

rá 1 

barn 

flugdreki 

húka 

iaupr 

rauða 

bátr 

fóðr 1 u 2 

hunang 

lauss 

rauði 

baula 

fold 

hvalr 

leið 

reið 

beðr 

folk 

hý 1 

leikr 1 

reifr 

beita 2 

frjádagr 

hæU 2 

iend 

reip 

belgr 

frú 

hœgr 

lín 

renna 1 

beysti 

gammi 1 

hoekja 1 

lof 

réttr 3 

bik 

garðr 1 

hgnk 

lófi 1 

reynir 2 

bikarr 

garpr 

hgrgr 

loka 1 

rífa 

biti 2 

geirr 

hgttr 

lokarr 

rifr 

bjóð 

geisl 

if 1 

lopt 

rífr 

blót 

gil 2 

ifa 

lund 1 

ríki 

blý 

gildr 2 

illr 

lýðr 

rlkr 

boðn 

gisl 1 

istr 

lykja 

rim 

bogi 

gjarn 

já 

ÍQg 

róða 

borð 2 

gor 

játta 

maðra 

rokkr 2 

bót 2 

gríma 

jói 

magi 

rugr 

brók 

grjót 

kafli 

maltr 

rún 1 

brúnn 1 

gull 

kaka 

markaðr 

ryðja 

bryti 

hafr 

kál 

márr 2 

rœkja 

bræða 3 

hagi' 

kalfr 

merki 1 

rgnd 

buðkr 

halda 

kamarr 

merr 

sáid 1 

bukkr 

hallr 3 

kambr 

met 

samr 

bglkr 

haltr 

kanna 

meyrr 

sandr 

bgllr 

hampr 

kárr 

minning 

sápa 

dagr 

hams 

karskr 

mold 

sár 1 u 2 

dansa 

hani 

kaup 

mór 1 

sárr 

dauði 

hanki 

kefli 

morð 1 

sáta 

deig 

hár 1 

keikr 

morginn 

saumr 

diskr 

harðr 

kelda 

mót 1 

saxar 

dómr 

haukr 

keiiari 

mylna 

segl 

dorg 

hégómi 

ketill 

mynstr 

seli 

draf 2 

hegri 

kirkja 

myrginn 

selja 3 

drafli 1 

hella 1 

kista 

mækir 

serkr 1 




DIE FINNISCH-UGRISCHEN SPRACHEN 


XXXVII 


signa x 

sfld 

silki 

sími 

skál 

skalli 

skarn 

skauð 

skeið 3 

skemma i 

sker 

skera 

skíð 

skinn 

skipari 

skírr 

skjóða 

skjóta 

skrá i 

skratti 

skuggi 

skúr i 

skQkull 

slím 

slý 

slangva i 
snœri 


sokkr 

taska 

sorg 

taug 

spánn 

teikn 

spQng 

teinn 

stakkr 1 

tigl 

stigi 

til 

stikka 

tími 1 

stofa 

tin 

stokkr 

tfund 

stóll 1 

tjald 

straumr 

tog 

stríð 

tollr 

strQnd 

torf 

stund 1 

torg 

stýri 

tróða 

stQng 

troll 

sunnudagr 

trumba 

sútari 

trQð 

sveinn 

tulkr 

svinnr 

tún 

sæng 

Týr 

sær 

týsdagr 

SQðull 

þel 1 

SQk 

þilja 1 

tá 3 

þjokkr 

tað 

þjórr 

tak 

þófi 


vamm 

ván 

vangsni 
vara x 
varða 3 
vargr 
vé 4 
vegr 2 
veipa 


véla 2 
velja 
verðr 2 
verja 2 
við 1 
vfgja 
vika 
vín 

vindr 2 

virtr 

visk 

vlss 

viti 

vpndr 

vpttr 

orr 

ortog 

<?gn 

<?ndurr 

<?ngr 

Qngva 

Qnn 2 

Qrk 


unsichere entlehnungen sind: 


báss 

elja 

gaddr 1 

jQtúnn 

oddr 

bekkr 1 

elliga 

gátt 

karl 

rán 1 

blástr 

ergi 

Gefjon 

kúfr 

rann 

bolli 

erta 

hamarr 

lágr 

ró 1 

burst 

farmr 

haugr 

lamb 

skeið 2 

dráttr 

fjQl 2 

heimr 

laug 1 

skór 

draugr 1 

fjQrgyn 

híð 

lengja 

strind 

efni 

flaska 

hlær 

Iffspund 

tafn 

eiga 2 

flekkr 

hræ 

maðkr 

váð 

eik 

flóð 

húfa 

malt 

veggr 2 

einir 

flæmingi 

humli 

mangr 

Ql 

ekja 

frekr 

hQrgr 

merðr 


b. 

dem finnischen 

wurden entlehnt: 



Gandvík 

Jómali 

peita 2 píka. 

sóta und vieUeicht jalda 


a. aus dem 
die wörter: 
afi 2 
afli 
agn 
akkeri 
akr 1 
aktaumr 
alda 
alin 
alka 

áll 1 u 3 

almúgi 

aptann 


3. Die lappische sprache 
norwegischen stammen 


ár 1 u 5 

auðr 3 

bára 1 

biðja 

arfi 2 

auka 

barð 1 u 2 

bik 

arfr 1 

aurr 2 

barmr 2 

bikkja 1 

argr 

ausa 2 

barn 

bismari 

arinn 

ausker 

báss 

bit 

armr 2 

austr 1 u 2 

bati 

biti 2 

árr 1 

ax 

beiskr 

bjóð 

aska 

baðast 

beita 2 

bjóða 

askr 

baggi 

beizl 

bjórr 1 

áss 2 u 3 

baka 4 

bekri 

bjQrg 1 

áta 

bakki 1 

belti 

bjorn 1 

auðigr 

band 

bersi 

blár 



XXXVIII 


EINLEITUNG 



blautr 2 

dyngja 

flytja 

heill 2 

kjalki 

blegði 

dýr 

flœða 

heimr 

kjósa 

bleikr 

dyrr 

fóðr i u 2 

hella i 

kjplr 

blóð 

dýrr 

fold 

herðar 

kleggi 2 

blót 

dæla 

folk 

herra 

kló 

blý 

dœma 

forkr 

hey 

klubba 

bóð 

efni 

fors i 

hlaða i u 2 

klæði 

boði 2 

egg i 

freista 

hlass 

knífr 

bogi 

eggja 

frjádagr 

hleifr 

knúi 

boli 

egna 

frú 

hnappr 

kola i 

bolli 

eið 

fceri 

hníta 

kolla i 

bolr 

eiga 2 

f<?r 

hnjóskr 

kona 

bóndi 

eik 

gagl 

hóp 

konungr 

bora 3 

einga 

gagn 

hopa 

koparr 

borð iu 2 

einn 

gammi i 

hóra i 

koppr 

bót x 

eir 2 

gandr 

hrammr 

kosta 2 

botn 

eira 

garðr i 

hringr 

kostr 2 

bráðr 

eisa 2 

gás 

hrognkelsi 

krammr 

bragð 

ekkja i 

gaupa 

hrókr i 

kringla 

brandr i 

él 

gedda 

hross 

krókr 

bregða 

elding 

geit 

hrotgás 

kross 

brestr 

eljan 

gelda 2 

hryggr 

krubba 

bringa 

elta 

geldingr 

huld 

kussa 

broddr 

eng 

geldr 

hvalr 

kvern 

brók 

erfa 

gerð i 

hvelpr 

kvíða 3 

brosma 

ertr 

gildra 

hv<?nn 

kvíga 

brú 

esja 

gjprð i 

hý i 

kvinna 

brúðr i 

etja 3 

glaðr i 

hæða 

lag 

brúnn i 

ey i 

glymja 

hæll 2 

lamb 

brunnr 

eyða i 

gói 

hœgr 

land 

bryggja 

eyði 

golf 

hœns 

landi 

brýni 

eyra 

gómr 

h<?rr 

langa i 

bú 

eyrir 

gráði i 

h<?rund 

langvé 

búð 

faðmr 

grafa 

hpttr 

lát 

bukkr 

fagr 

gránn 

if I 

láta 

bunki 

falki 

grár 

já 

laug i 

búr 

fang i 

gras 

jói 

laugardagr 

burst 

fanga 

grautr 

j<?tunn 

Iaukr 

bygg. 

fara 

gref 

kaðall 

laupr 

byggja 2 

farmr 

greiða 

kaggr 

lauss 

bytta 

fasta i u 2 

greiði 2 

kaka 

lé 

bœn 

fat 

greiðr 

kál 

leggr 

bœta 

fata 3 

greina 

kalfr 

leið 

bglkr 

feigð 

gríma 

kamarr 

leiða 2 

b<?llr 

feign 

grind 

kanna 

ieiga i 

bgrkr 

feitr 

grjón 

karl 

leikr i 

dagr 

festr i 

grunnr i 

kaup 

leir 

damm 

fetill 

grýla i 

kefli 

lemja 

dansa 

fit I 

grœnn 

keila 

lenda 2 

dauði 

fjándi 

grQf 

keipr i 

leppr 

deig 

fjara 

guli 

kelda 

líða i 

deigr 

fjós I 

g<?rn 

kelling 

liðr i 

dengja 

fjól I 

g<?rr 

kengr 

lifr 

diskr 

fjgrðr 

haf 

kerling 

lín 

djarfr 

flautir 

hafr 

kerti i 

linr 

dómr 

flekkr 

háfr 

keyra 

ljóðr i 

dorg 

fles 

halda 

kið 

ljós 

drag 

flesk 

hams 

kilpr 

ljóstr 

dráttr 

flet 

hanki 

kinn 

lof 

draugr i 

fló 2 

haukr 

kippi 

lófi I U 2 

dregg 

flóð 

hauss 

kirkja 

loga 2 

drjúgr 

flói 

heggr i 

kirna 

Iogi I 

dúnn i 

floti 

heilagr 

kista 

lok i 



DIE FINNISCH-UGRISCHEN SPRACHEN 


XXXIX 


loka, i 

mglr 

ró 4 

sker 

stampr 

lokarr 

mgrðr 1 

roði 

skerðingr 

stappa 2 

lómundr 

lundi 

lyng 

lypta 

K'tí 2 

mgrk 1 

roðra 

skeyta 

staup 

mgrr 

nafarr 

nagli 

rót 1 
rugr 
rúm 

skinn 
skip 
skipa 3 

staurr 
steði 
stefna 3 

nál 1 

rún 1 

skipari 

stengja 

lægð 

naut 

rý 

skjalgr 

stigi 

iæti 

nefi 

ryðja 

skjár 

stikka 

lœgi 

negla 

rýgr 

skjóða 

stinga 

lgð 2 

nes 

ræsa 

skjóla 

stirðr 

l<?ðr 

nest 2 

rœða 2 u 3 

skógr 

stjórn 

lpg 

neyða 

r<?nd 

skoltr 

stobbi 

lpgg 

neyta 

r<?ng 

skor 

stofa 

I<?n 

nista 3 

sá 1 

skór 

stokkr 

maðkr 

njóta 

sáð 1 

skrá 1 

stóll 1 

maðra 

nót 

safi 

skreppa 1 

stolpi 

magi 

nykr 1 

salr 

skriða 

strá 1 

mágr 

ngf i u 2 

salt 

skunda 

straumr 

maki 

ok 1 

samr 

skurfa 

strengr 

mal 2 

ólpa 

sandr 

skyrta 

stríð 

mala 

órar 1 

sannr 

skæri 

strigi 

malmr 

orf 

sápa 

skœði i 

strind 

man 

ormr 

sár 1 u 2 

skgkull 

strý 

mánaðr 

orri 

sárr 

skgmm 

strQnd 

máni 

ostr 

sauðr 

skgr 1 
slá 2 

stubbi 

mara i 

oxi 

saumr 

stubbr 

markaðr 

panna 

seiðr 2 

sleði 

stund 1 

meiðr 

pengr 

seigr 

sleggja 

stýra 

mein 

piparr 

seinn 

slóð 

stýri 

meiss 

pollr 

sekkr 

slær 

styrr 

meitill 

posi 

selja 2 u 3 

slœgr 2 

stœðingr 

melr 

prjónn 

senda 

smali 

stœðr 

merðr 

pund 

serkr 1 

smiðja 

st<?ð 

merki i 

pungr 

síða 1 

smiðr 

st<?ng 

merr 

rá 4 

sifjungr 

snara 1 

súð 

met 

ráð 

sigla 1 

sneið 

sufl 

mið 

ráða 

signa 1 

sneiða 

sumr 2 

minka 

rafr 

síl 

snoeri 

sund 1 

missa 2 

rakki 1 u 2 

síld 

sokkr 

sunnudagr 

mjolk 

rás 

silfr 

sókn 

súrr 

mjúkr 

rauði 

silki 

sómi 

s'útari 

mjgðr 

reið 

simi 

sópa 

svala 1 

mjprkvi 

reiðir 2 

sina 2 

soppr 

svaldr 

mola 

reiðr 2 

skaða 

sorg 

sveif 

mold 

reim 

skaði 1 

sót 

sveinn 

moti 

reimast 

skafi 

sótt 

sverfa 

molna 

reip 

skalkr 1 

spaði 

svíða 1 

morkna 

rek 

skalli 

spann 

svigi 

mosi 

reka 2 

skán 

spánn 

svilar 

mót i 

renna 1 

Skáney 

spara 

sparri 

svln 

mund i 

réttr 1 u 3 

skarfr 1 

sýra 

mundang 

munr 

murtr 

mykr 

reyðr 
reyfi 
reynir 2 
reyrr 1 

skári 

skarpr 

skata 

skattr 

sperra 1 
spilda 
spjaid 
spýta 1 

sæðingr 

sæng 

sær 

sœma 

mylna 

rifr 

skauð 

spgng 

scetr 

mynstr 

riki 

skaut 

stabbi 

SQk 

mynt 

rikr 

skegg 

stafn 

sqI 1 

myrkr i 

rim 

skeið 3 

stafr 

tað 

mysa 

rím 1 

skeina 2 

stag 

tág 

mæla 2 

rip 

skel 

stakkr 1 u 2 

tagl 

mpi 

ript 1 

skeppa 

kistá 1 

tamr 



XL 


EINLEITUNG 


tangi x 

týgi 

unna 

véli 

v<?gn 

taska 

týna 

urga 1 

velja 

vgk 

teigr týrvi 

urt 

verða 1 

vglr 

teinn 

týsdagr 

vd 1 

verja 1 u 2 

vgmb 

temja 

þak 

vað 

verkr 

vgndull 

teppa 

þang 

váði 

verpi 

vpr 1 

tík 

þarfa 

vaðr 1 

verpill 

vgttr 

timbr 

þarfr 

vág 

verri 

ylr 

tími 

þari 

vagga 

vesa 

ýmiss 

tin 

peisti 

vagn 

vestr 

ýsa 

tinna 

þekja 1 

vágr 

við 1 

ýskja 

titlingr 

þel 1 

vald 1 

víðr 

ystast 

tíund 

þeli 

valdi 

vígja 

æðr 2 

tízka 

þenja 2 

valr 2 

vika 

æs 

tjald 

þerna 1 

vandi 1 

vili 

artog 

tjaldr 

þéttr 

vandr 

villa 2 

0 X 

tog 

þing 

vani 1 

villr 

œpa 

tollr 

þjóð 

vara 1 

vln 

9gu 

tómr 

bjónasta 

varða 3 

vindauga 


torð 

þó 

vargr 

vinna 1 u 2 

gln 

torf 

þollr 

vé 1 

virða 

Qngull 

traustr 

þopta 

veðr 1 

virkja 1 

Qnundr 

tróða 

þórsdagr 

vefr 

vísi 1 

gm 

trog 

porskr 

veftr 

víss 1 

Qrr 

troll 

þróttr 

vega 1 

vist 1 

Qsp 

trumba 

þurfa 

veggr 1 

vit 1 


trylla 

þœfa 

veiða 

viti 


tulkr 

þorf 

veit 

vitni 


tunna und 2 

vekt 

vængr 



zweifelhaft sind: 

ekja erta hár i skeið 2 spxf>i 


b. Aus dem lappischen sind entlehnt worden: 

nakkaskinn semsveinn und wohl auch Bjarmar und Tyrfifinnar 


4. Die livische sprache 


Sie entlehnte 

die wörter: 




arðr 1 

gull 

kverk 

pund 

SQðull 

argr 

hafr 

kyndill 

pungr 

tin 

beði 

hams 

láil 

rá 1 

tollr 

bikarr 

hani 

laukr 

rauðr 

torf 

borð 2 

herr 1 

lln 

ríkr 

trQð 

deig 

hleifr 

magi 

rugr 

þollr 

dýna 2 

hóra 1 

merki 1 

saxar 

jþorskr 

dýrr 

hosa 

mold 

serkr 1 

vald 1 

egg 1 

í a 

mót 1 

skera 

vara 1 

einga 

kaka 

mækir 

sokkr 

vín 

fóðr 1 

kamarr 

nafarr 

stofa 

orr 

garðr 1 

ketill 

nQÍ 1 

stríð 

9 g n 

gisl 1 kjósa 

zweifelhaft sind: 

portkona 

strQnd 

Qndurr 

flekkr 

húfa 

lamb 

merðr 

strind 

flóð 

humli 

lengja 

skeið 2 

veggr 2 
Ql 



DIE FINNISCH-UGRISCHEN SPRACHEN 


XLI 




5. Die olonetzische sprache 


entlehnt sind: 




die wörter: 





bræða 3 

kyn 1 

mækir 

nót 

skuggi 

geirr 

loka 1 

nál 1 

sáta 

tá 3 

unsicher ist 





flekkr 







6 . Die wepsische sprache 


entlehnt sind 




die wörter: 





alda 

fold 

lend 

skuggi 

vald 1 

ár 1 

geirr 

lín 

snœri 

vangsni 

arðr 1 

gísl 1 

morginn 

stríð 

vargr 

armr 2 

gull 

mót 1 

strpnd 

velja 

barð 2 

hani 

nagli 

spðull 

verðr 2 

belgr 

haukr 

nóf 1 

tá 3 

við 1 

borð 2 

hella 1 

rauði 

tin 

vfn 

bræða 3 

herðar 

rugr 

torf 

vindr 2 

deig 

hleifr 

samr 

þilja 1 

vgndr 

egg 1 

kafli 

sáta 

þro 


fóðr 2 

ketill 

skera 

þurs 


zweifelhaft sind: 




draugr 1 

flóð 

humli 

lengja 

váð 

flekkr 

húfa 

lamb 

strind 

Ol 



7. Die wotische sprache 


entlehnt sind 




die wörter: 





armr 2 

herr 1 

kverk 

mækir 

sokkr 

barð 2 

herra 

kyndill 

m<?rk 1 

str<?nd 

barmr i 

hleifr 

laugardagr 

nagli 

SQðull 

belgr 

hringr 

laut 

nót 

tin 

bræða 3 

hæll 2 

Hn 

npf 1 

vald 1 

deig 

ja 

lof 

rfkr 

vangsni 

einga 

kaka 

loka 1 

rugr 

vín 

esja 

kanna 

magi 

samr 

visk 

fold 

ketill 

mold 

saxar 

víss 1 

halda 

kirkja 

morginn 

simi 


hani 

konungr 

mylna 

skuggi 


zweifelhaft sind: 




fjpl 2 

heimr 

humli 

merðr 


Hekkr 

húfa 

lamb 

<?1 




BERICHTIGUNGEN UND ZUSATZE 


S Sp z 

1 a 56 Das wort steht unter einfluss von dis. 

b 10 Hinzuzufiigen MM 1944, 225 und 1946, 161. 

21 Die form dbóti ist volksetym. abgewandelt unter einfluss von bót 1. 
35 Sieg, Schrader-Nehrung, Reallex * 1921, 466 verbindet damit noch 
toch. A atal ‘mann'. 

2 b 52 Vgl. V. Pisani, Paideia 13, 1958, 192. 

3 b 12 So urteilt auch Magnússon, Skimir 1957, 237. Dagegen verbindet 

Elgqvist ANF 72, 1957, 2 5 ff das wort mit elda. 

4 a 47 Vielíeicht nicht assimihertes *ankari > russ. jdkori, vgl. Thömqvist 

98 - 99 - 

5 a 47 Vgl. noch Gutenbranner, DLZ 79, 1958, Sp. 772. 

b 36 V. Pisani, Paideia 13, 1958, 192 möchte mit ahd. alilandi, nhd. elend 

verbinden. 

6 a 5 Magnússon, Skímir 1957, 239 verbindet damit nisl. rjá við e-n ‘hantieren, 

kámpfen mit’ aus germ. grandform *rewon. 

8 b 55 Einzufugen amra ‘schreien, heulen’, nisl. atnra, ambra ‘jammem’, vgl. 

amur n. ‘gejammer’. — spátahd., mhd. ámer neben ohd. jamar m. und 
das adj. jámar ‘traurig’, as. jámar, ae. glomor 'leidvoll’. Diese Wörter 
sind wohl zu betrachten als verschiedene bildungen fur einen schmer- 
zenslaut. — vgl. auch: emja, imp a und y mj a. 

10 a 46 Hinzuzufugen toch A ánkar B ánkár ‘stosszahn’. 

12 a 45 Sahlgren, Eddica et Scaldica 62 liest árhjalmr ‘adlerhelm’. 

13 a 62 Fuge hinzu toch A erkát, B erkatte ‘veráchtlich’. 

b 24 Krause, Gött. Gel. Anz. 212, 1958, 56 erwágt einen wechsel * azana: 

* azina. 

46 Vgl. aber F. R. Schröder, Streitberg-Festgabe 1924, 340 ff. 

15 b 7 Vgl. auch toch AB ás ‘austrocknen’. 

24 Möglich > rass . jaskú ‘buttergefász' vgl. Thöm qvis t 101 - 2, __ 

16 b 14 Vgl. auch toch Á Is B. ántse^ schulter ’. 

17 a 36 nschw., fuge hinzu: dial. 

18 a 14 Krause, Gött. gel. Anz. 212, 1958, 56 möchte gr. iu und tjúí; fernhalten. 

b 9 V. Pisani, Paideia 13, 1958, 192 vergleicht lat. úber. 

19 b 56 Vgl. auch toch B aume ‘elend’. 

22 a 54 Vgl. noch Gutenbranner, DLZ 79, 1958, Sp. 774. 

b 3 Fuge hinzu: V. Pisani, Paideia 13, 1958, 192 meint, dass das wortviel- 

leicht fremder herkunft ist. 

25 a 10 Magnússon, Skímir 1957, 240 verbindet dais wort mit nisl. balta 'steif 

gehen. stolpern’, zur germ wurzel * belt 'schlagen’. 

28 b 49 Vgl. auch Thömqvist 2J8-220. 

29 a 9 Hinzuzufúgen: Wolf-Rottkay, Anglia 71, 1952, 140-147, der von beit(i) 

ausgeht und es zu b e i t a 2 stellt, also ‘fahrzeug’ mit dem man gegen 
den wind segelt, kreuzt’. Dagegen aber Wiist, Anglia 73, 1955, 262-275, 
der zur alten etym. zuruckkehrt: ‘aus einem baumstamm gemachter 
kahn'. 

59 Vgl. aber noch V. Pisani, Paideia 13, 1958, 192. 

b 63 V. Pisani, Paideia 13, 1958, 192-3 stútzt diese erklárung. 

30 b 4 Wenig tiberzeugend aus einer kelt. grundform bnno (vgl. gall. banno 

'hom’) Ten Cate-Silfwerbrand, Vlees, bloed en been 1958, 153-186. 

31 a 27 Fúge hifizu: MM 1944, 226. 

b 18 Vgl. auch nschw. bánka seg ‘sich setzen’. 

32 b 4 Zu belti stellt Svennung, UUÁ 1953, 4 auch den namen Balticum mare: 

dagegen aber Flasdieck, Anglia 72, 1955, 352 ff. 

34 a 33 Vgl. noch MM 1946, 161. 

38 b 5 Vgl. auch Thömqvist 24-25. 

41 a 19 Vgl. auch Moberg, ANF 66, 1951, 38-51. 



BERICHTIGUNGEN UND ZUSÁTZE 


XLIII 


s 

Sp 

z 

4 1 

b 

20 



35 

44 

a 

4 2 

45 

a 

22 

47 

a 

4 2 

48 

a 

19 

5 i 

a 

5 

53 

a 

20 



49 

55 

a 

ii 

5 6 

a 

6 3 


b 

35 

60 

b 

26 

6 3 

b 

45 

6 5 

a 

3 2 

66 

a 

3 i 

67 

a 

53 

68 

a 

11 

70 

a 

45 

74 

a 

3 6 

79 

b 

3 i 


b 

35 

82 

b 

37 



3 2 

«4 

a 

13 

87 

b 

62 

88 

a 

13 

9 i 

a 

6 



5 ° 

94 

a 

5 2 

97 

b 

19 

100 

a 

33 



6 3 

102 

a 

8 

104 

a 

3 6 

!°5 

b 

47 

106 

b 

5 



54 

ll 5 

a 

5 6 

118 

a 

3 

12 3 

a 

21 


b 

60 

124 

a 

4 1 


b 

21 


128 b' 2 


Magnússon, Skírnir 1957, 2 4 ° denkt an das wort blár z.B. in Zss. blákaldur, 
bládjúp. 

Kylstra 78 erwágt die möglichkeit von-einer urgot. form mit i auszu- 
gehen. 

Zur bed. entw. vgl. auch glaör. 

Vgl. auch toch A plac, B pláce ‘gesprách’. 

Nach Ulvestad und Beeler, ANF 72, 1957, 211-222 bedeutet boði 2 eig. 
‘flache, ziemlich kleine klippe’; sie verbinden es mit bjóðr. 

Nachzutragen: Wissmann, Der Name der Buche, DAW Berlin, Vortráge 
H. 50, 1952. 

Nachzutragen: Bjerrum, Danmarks Stedsnavne 10, 1951. 

Zu streichen den hinweis auf toch mrác. 

Vgl. noch F. R. Schröder, GRM 39, 1958, 310. 

Zur bed. entw. vgl. frz. route zu lat. ruptus. 

Magnússon, Skímir 1957, 2 4 x setzt als grundform an * brautskiR. 
Magnússon, Skímir 1957, 239 denkt an die illyr. VN Breoni und Breones; 
der name wáre durch Heruler oder Goten in Skandinavien bekannt 
geworden. 

Magnússon, Skírnir 1957, 237, betrachtet brýni in der bed. ‘wiirze’ als entl. 
< ae. bryne ‘salzwásser’. 

Magnússon, Skímir 1957, 240 verbindet Buggi mit ne. big. 
búr m. lies n. 

vgl. noch nisl. busla ‘fleissig arbeiten’, aber auch ostfr. böseln, nndl. 
beuzelen ‘mit nichtigen dingen bescháftigt sein’. 

Fiige hinzu: Wadstein, ANF 11, 1895, 77 der bý- aus germ. * beu-jo 
'sturm’ erklárt, vgl. nnl. bui ‘plötzlicher regenschauer’. 

Auch in schw. ON, vgl. Sahlgren, Hallándsk bygdekultur 1925, 88 ff. 
Reichardt, Festsch. Weigand 1957, geht von * Bolporinn 'der unheil 
wagende’ aus. 

Vgl. dazu Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 156. 

Hinzuzufugen: > mss. doróga ‘kleine angelschnur, die man hinter dem 
boote einherzieht’, vgl. Thömqvist 232. 

Vgl. weiter Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 157. 

Fuge hinzu: vgl. aber toch AB isuk (— got. tiuhan) wechselnd mit yok 
‘hinken’ (Krause, Gött. gel. Anz. 212, 1958, 54). 
fuge hinzu: nschw. snö-driva. 

Vgl. noch Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 157. 

Fúge hinzu: nnorw. dur. 

Vgl. dazu Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 155. 

Magnússon, Lingua isl 1, 1959, 154 verteidigt diese etymologie. 

Zur bed. entw. vgl. hurö und veggr. 

Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 157 betrachtet efna 1 als abl. von efni. 
Krause, Gött. gel. Anz. 212, 1958, 54 vergleicht toch B aise ‘stárkung, 
beistand’. 

F. R. Schröder, GRM 39, 1958, 310 weist darauf hin, dass das wort 
Alpes fraglos voridg. ist. 

S. Nordal, Isl. Fomrit 2, 252 betrachtet Elgr als Odinsname. 
Streiche: zu ai. ámras ‘mangobaum’. 

Vgl. auch: A. H. Smith, English place name elements 2, 1956, 226. 
Ftige hinzu: H. F. Rosénberg, Zsch. f. Mundartforschung 23, 1955,74-1 10. 
Die vergl mit mn. schw. auiu wird jetzt aufgegeben. 

F. R. Schröder, GRM 39, 1958, 31 I denkt an eine, wiewohl seltene, germ. 
bildung. 

Vgl. dazu de Tollenaere, Leuvense Bijdragen, Bijblad 1958, 60. 

Vgl. aber F. R. Schröder, Streitberg-Festgabe 1924, 340 ff. 

Fuge hinzu: nisl. fjálgur ‘andáchtig’. 

Vgl de Tollenaere, Leuvense Bijdragen, Bijblad 1958, 60. 

De Tollenaere, Leuvense Bijdragen, Bijblad 1958, 60 beanstandet die 
verbindung mit nnl. vaars. 

Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 158 denkt an zwei verschiedene wörter; 
dagegen wieder De Tollenaere, Leuvense Bijdragen, Bijblad 1958, 61. 
W. Krause, Nachr. AW Göttingen 1961 Nr. 9, 270 verbindet auch mit an. 



XLIV 


BERICHTIGUNGEN UND ZUSATZE 


S Sp Z 


130 a 55 
60 
b 47 


133 a 14 

134 b 63 

136 b 25 

137 a 42 

141 a 9 

142 b 10 
144 a 10 

21 

144 b 54 

146 a 26 

147 a 56 
153 a 48 

158 a 6 

159 a 32 

165 a 51 
167 b 11 

177 b 16 


181 a 60 

182 a 50 
b 14 

188 b 23 


192 b 37 
194 a 45 

196 a 19 

197 b 34 

198 a 32 
201 a 19 

25 

b 40 

203 a 41 

204 a 3 
208 a 15 


209 a 28 

210 a 1 


flaga 2 und geht aus von einem schlag, den ein trollartiges wesen einem 
menschen plötzlich gibt. 

Vgl. aber auch E. öhmann, Nachr AW Göttingen 1954 Fhil. Hist. Kl. 
Nr. 2 und H. Fromm, ZfdA 88, 1957-8, 81-100, 211-240, 299-324. 
Ablehnend sind E. öhmann, Nachr. AW Göttingen 1954, 19 ff und 
Kylstra 150. 

Ten Cate-Silfwerbrand, vlees, bloed en been 1958, 35-50 möchte das 
skand. wort, mit der bed. ‘speck' als eine entlehnung aus dem westgerm. 
auffassen. 

Die entlehnung dieses wortes fand schon statt, als die Finnen noch 
im Nordbaltikum sassen, vgl. Kylstra 104. 

Vgl. Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 165-166. 

Vgl. noch Fromm, ZfdA 88, 1957, 2I 5 - 
Vgl. aber F. R. Schröder, GRM 39, 1958, 310. 

Fiige hinzu: toch A prak, B preh ‘fragen’. 

Zu diesen PN vgl. Sahlgren NB 46, 1958, 194. 

Streiche die toch. wörter. 

F. R. Schröder, GRM 39, 1958, 310 bemerkt, dass fróðr 1 und 2 nicht 
zu trennen sind und weist auf E. Rooth, UUÁ 1939, 54 ff hin. 

Krause, Gött. gel. Anz. 212, 1958, 56 hált aber daran fest. 

Krause, Gött. gel. Anz. 212, 1958, 56 möchte die abl. aus * fluglaz doch 
eher annehmen. 

Vgl. jetzt auch Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 158. 

Vgl. dazu jetzt Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 159. 

Streiche: vgl. nschw . . bis tun’. 

Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 159 stellt norw. gorre usw. zur idg. wzl. 
* gher ‘kurz’. 

Hinzuzufugen: Wessén, UUÁ 1927, 44 «• 

Krause, Gött. gel. Anz. 212, 1958, 57 nimmt hier auch das wort gtm 
‘feuer’ an. 

V. Pisani, Paideia 14, 1959, 291 möchte gná als eine unverschobene 
entsprechung von idg. *gí* wá 'weib’ (vgl. kona) betrachten; das aus- 
bleiben der verschiebung wáre durch einen sakralen gebrauch zu er- 
kláren. 

Vgl. noch F. R. Schröder, GRM 39, 1958, 310, der auch an voridg. 
herkunft denkt. 

Vgl. noch Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 159. 

Hmzuzufúgen: > russ. golbec ‘ofenverschlag, ofenschrank’, eig. ‘ofisn- 
bank’, vgl. Thörnqvist 32-45. 

Hinzuzufúgen: Aus der Abl. griöi ‘mann der in einem hause als diener 
wohnt' > russ. gridi ‘die zweite klasse der fúrstlichen gefolgschaft’, 
vgl. S. Bugge ANF 2, 1885, 71 und Thömqvist 46-51. 

Vgl. Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 160. 

Vgl. hierzu V. Pisani, Paideia 14, 1959, 289. 

V. Pisani, Paideia 14, 1959, 288 verbindet das wort mit g ýgr und geht 
aus von einer bedeutung ‘machen dass einer sich verbirgt’. 

Vgl. noch Specht, KZ 68, 1944, 201-205. 

Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 159 möchte ger 1 und 2 nicht trennen. 
V. Pisani, Paideia 14, 1959, 290 betrachtet idg. *kop als variante von 
*ghebk, vgl. as. geban, ae. geofon 'meer’. 

Die namen können auch mit hafr verbunden sein; vgl. Sahlgren, NB 46, 
195», 194. 

Hierzu viell. auch PN wie Hafgrimr, vgl. Sahlgren, NB 46, 1958, 194. 
Vgl. aber Thömqvist 414-6. 

Einfugen: > finn kallas (vgl. Fromm, ZfdA 88, 1957, 2I 3 )-. 

Zu verbessem: alb. kancp kommt aus dem vulg. lat. Weiter bemerkt 
V. Pisani, Paideia 14, 1959, 288-9, dass das germ. wort vielmehr úber 
Gallien eingewandert sein wird. 

V. Pisani, Paideia 14, 1959, 288 nimmt als gmndform an germ. *hlna-, • 
das weiter stimmen wúrde zu gr. xclvoc, dorisch xrjvoc. 

J. Sahlgren, Vad vára ortnamn berátta 1932, 38 denkt an ein tabuwort. 
Der fisch bekam seinen namen daher, weil der rúckenflosse sich ober- 



BERJCHTIGUNGEN UND ZUSATZE 


XLV 


S SpZ 


213 

b 

2 

215 

a 

40 

226 

a 

30 



55 

227 

a 

34 

233 

b 

27 

239 

b 

59 

245 

a 

12 

250 

a 

13 

252 

a 

45 

262 

a 

55 

265 

b 

8 

266 

b 

34 

267 

a 

17 

270 

a 

H 



55 

271 

b 

13 

272 

a 

59 

280 

a 

43 

283 

b 

33 

289 

a 

7 

290 

a 

23 

292 

a 

55 

296 

a 

1 



3 



11 



60 

299 

b 

7 

301 

b 

&3 

308 

a 

40 

311 

a 

7 


b 

38 

312 

a 

47 


b 

20 

313 

b 

47 


322 

b 

22 

324 

b 

25 



29 

326 ’ 

a 

21 


halb des wassers erhebt wie das alte ruder oberhalb des bootes. — 
Die erklárung von H. W. J. Kroes GRM 36, 1955, 78 aus *hanhaz, das er 
verbindet mit dem worte hestr und deshalb als ‘springer’ erklárt, ist 
verfehlt. 

Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 166 verwirft abl. aus nd. und erklárt 
hastr aus harstr, vgl. zu herstr. 

Vgl. dazu besonders F. R. Schröder, Deutsche Vierteljahrsschrift 32, 
1958, 44. 

G. Must, JEGPh 56, 1957, 60-4 geht aus von einer bedeutung ‘pferd 
das in einem pferch eingeschlossen ist', also eig. ‘gezahmtes plsrd’. 

F. R. Schröder bemerkt GRM 41, 1960, 185 dass die grundform *havuia 
lauten muss. 

Fuge hinzu: nnl. hilde ‘heuboden’. 

Diese entlehnung ist aber nicht sicher, vgl. Kylstra 107. 

Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 160 stellt das wort zu der sippe von 
hlcer und hlýr. 

Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 167 möchte das wort zu hnoða stellen. 
Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 154 weist auf die etymologie hin, die 
mit horskr und hraðr verbindet. 

Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, i6 7 iibersetzt hraumi als ‘lármende 
person’ und verbindet es mit æ. hream, as. hröm. 

Vgl. weiter Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 160. 

Hinzufiigen: und aschw. ON Thorshughle. 

Vgl. aber auch Sahlgren, Saga och sed 1935, 60 ff. 

V. Pisani, Paideia 16, 1961, 220 denkt an germ. hund ‘hundert’, das als 
verstarkendes práfix gebraucht sein sollte. 

Thömqvist 205-6 verwirft diese entlehnung. 

Das wort hveðna ist zu streichen. 

Fiir eine andere behandlung vgl. Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 161. 
Abweichend Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 155 - 
Zu Hggni vgl. noch F. R. Schröder, GRM, 41, 1960, 121. 

Zu Iðunn vgl. Kiil, ANF 74, 1959, 61. 

Zu streichen das ai. wort. 

V. Pisani, Paideia 16, 1961, 221 fragt zweifeind, ob das wort eine volks- 
etymologische ánderang von *wáíka-, das in nhd. wallach vorliegt, sein 
könnte. 

Einzufiigen den PN Jófreyr < frz. oder engl. Geoffroi. 

Vgl. auch Kylstra 131. 

Vielleicht aus einer ungebrochenen form entlehnt der aruss. PN Eton, 
vgl. Thömqvist 112 und 119. 

F. R. Schröder, GRM 41, 1960, 121 gibt dieser erklárung den vorzug. 
Fiir die entlehnung in russ. kodol, vgl. Roiniecki, Varægiske minder i 
den russiske heltedigtning 1914, 51 und Thömqvist 56-58. 

Vgl. iiber das -pp- des finnischen wortes noch Kylstra 144-5. 

Die etymologie ist aber höchst unsicher, vgl. V. Pisani, Paideia 16, 1961, 
220. 

Krause, FF 34, 1960, 147 betrachtet keyra als kaus. zu kjósa, also: 
'(den spora) schmecken lassen'. 

Das finnische lehnwort ist aber jung, vgl. Fromm, ZfdA 88, 1957, 89. 
Vgl. auch Thömqvist 53-56. 

Die hier genannten wörter sind wahrscheinlich iiberhaupt keine ent- 
lehnungen aus dem germanischen, vgl. Fromm, ZfdA 88, 1957, 86. 
Hinzuzufiigen: oder doch vielleicht eher aus dem got. entlehnt, vgl. 
Kylstra 73-74. 

Hinzuzufiigen: Vielleicht auch > mss. kolok 'einzeln stehender hain; 
nicht grosse gerundete sandbank’, vgl. Knutsson, Die gemeinslavischen 
lehnwörter im slavischen vom typus Buky 1929, 48 Anm. 1 und Thöm- 
qvist 237-9. 

Vgl. Thömqvist 234-7. 

Vgl. aber Sahlgren, Nysvenska studier 9, 4 ff. 

Fur eine andere erklámng vgl. Magnússon, Luigua isl. 1, 1959, 162. 

Vgl. noch R. Ekblom, Studia Neophil. 17, 1-24. 



XLVI 


BERICHTIGUNGEN UND ZUSATZE 


S Sp Z 
329 a 29 

33 1 a 44 

332 b 36 

335 a 49 

337 b 4 6 

341 a 22 

349 a 12 

350 a 21 

35 1 a 54 

359 b 41 

360 b 51 

3 6 3 a 1 

3i 

54 

3 6 8 b 55 

371 b 13 

372 a 18 

373 a 31 
380 a 4 

382 a 2 

385 b 19 

386 b 2 
4°4 a 25 
409 b 54 
421 a 22 

427 b 4 

429 a 34 

430 a 29 
434 a 42 
446 a 13 


Vgl. noch H. Stáhl, Kvill och tyll. 

So auch Thömqvist 63-68. 

Hiemach einzufiigen: kræfr adj. ‘stark, tapfer', nnorw. dial. krœv 
‘tiichtig, stark’ aus grundform * krébia-, gehört zu der gruppe von 
krefja. —> finn. reipas ‘hurtig, reich’, vgl. Wiklund MO 5, 19x1, 
225. 

De Tollenaere, Leuv. Bijdr. 49, 1960, 149 weist darauf hin, dass die 
entlehnung aus dem franz. wohl wahrscheinlicher ist. Das wort kurteisi 
kommt schon um 1220 vor. 

Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 162 weist darauf hin, dass kvett aus 
*kiveþþa mit kviðr zusammenhángen soll. 

Fiir eine andere erklárung vgl. Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 162. 

Vgl. jetzt besonders W. Krause, Zum Namen des Lachses, Nachr. 
AW Göttingen 1961 Nr. 4, 84-98, der die erklárung als ‘springer’ als die 
wahrscheinlichste betrachtet. Man darf also kaum an eine entlehnung 
aus einer voridg. sprache denken. 

Das finnische wort könnte auch aus dem baltischen iibemommen sein, 
vgl. Fromm ZfdA 88, 1957, 93. 

Hinzuzufiigen: finn. leikki ist eher aus dem nschw. entlehnt, vgl. 
Kylstra 107 Fussn. 8. 

Vgl. noch de Vries, Saeculum 7, 1956, 302. 

Lidén IF 19, 1906, 369 fiihrt das wort zuriick auf germ. *llwiz~, léwaz- 
in oe. léow, pl. léower ‘lende’. Aber Holthausen WS 2, 1910, 211 ver- 
bindet mit gr. Xuyí^o ‘biege’ und weist hin auf das verháltnis von nhd. 
weichen und an. vikja. 

Hinzuzufiigen: Möglich > russ. luda ‘mantel, oberkleid’, vgl. Thörnqvist 
240-1. 

Zu loðrmenni vgl. Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 163. 

F. R. Schröder, GRM 41, 1960, 185 bemerkt, dass Sahlgrens erklárung auf 
das lange 0 in Lóðurr strandet. GRM 38, 1957, 2 °3 deutete er den namen 
als entstanden aus *Loha-þuraz ‘feuerquiríer’ und dann identisch mit 
Loki. 

Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 162 verbindet lúra mit nisl. lúrast, denn 
der fisch verbirgt sich auf dem boden des wassers. 

Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 163 betrachtet lœða als nisl lctða, weib- 
liches tier, bes. katze, unangenehme person. 

Kemp Malone, Studies in heroic legend and in current speech 1959, 91 
erklárt das wort als ‘beller’, also zu germ *lajan. 

Magnússon, Lingua isl. 1, 1959, 168 möchte lcera mit ae. hlose ‘schweine- 
koben’ verbinden, erklárt aber den verlust des h nicht. 

Vgl. jetzt A. Nehmng, Festschr. Schröder 1959, 122-138, der das wort 
aus einer voridg. sprache erklárt. 

Vgl. auch Kiil, ANF 74, 1959, 20. 

Zu beachten ist besonders finn. marhaminta ‘halfterstrick’, vgl. Kylstra 
70-71. 

Zu diesem wort s. besonders A. Nordling SNF 27, 1937, Nr. 3. 

Vgl. auch Thömqvist 225-9. 

Vor Grégoire schon G. Holz, Der Sagenkreis der Nibelungen 1914. 79 - 
F. R. Schröder GRM 41, 1960, 185 erinnert an eine áltere erklárang aus 
Asan rex, vgl. das bulgarische herrscherhaus der Asaniden. 

H. Kuhn ZfdMa 28, 1961, 6 erinnert an die hellroten blumen im friihjahr 
und verbindet deshalb mit gr. mippóc, Ttupcéi; ‘feuerrot’; er denkt an 
eine entlehnung mit unverschobenem konsonanten aus einer unbe- 
kannten idg. substratsprache; die regelmássige entwicklung zeigen oe. 
fyrs, ne. furze ‘ginster’. 

Hinzuzufiigen: vielleicht aschw. pund > rass. pud ‘gewichtseinheid’, 
vgl. Thömqvist 74-77. 

Hinzuzufugen: Uber entlehnung des nur in der ersten Novgoroder 
Chronik vorkommenden Wortes raja i. Tahe’ vgl. Thömqvist 152-5. 
Das nnl. wort besonders in namen fur priele und sandbánke an der 
kuste wie Raas oder Ras, vgl. Schönfeld, Top. Med. 34, 1958, 97-8. 

Vgl. dazu Sahlgren, Namn och Bygd, 47, 1960, 187-188, der denkt an 



BERICHTIGUNGEN UND ZUSÁTZE 


XLVII 


S Sp z 


462 

b 

45 

474 

a 

20 

475 

a 

22 


b 

2 



45 

486 

a 

9 



32 

493 

a 

8 

494 

b 

4 


512 

b 

39 

523 

b 

39 

530 

b 

24 

540 

a 

15 

569 

b 

15 

584 

a 

27 


587 

b 

53 

589 

a 

1 

603 

a 

35 

6i 4 

a 

37 

666 

b 

12 


eine grundform jfrígr; dann bedeutet der name: 'geknimmte person'; 
mit hinsicht auf den regenbogen? Sehr unsichere deutung. 

Das finnische wort ist iiber die sudwestkiiste der Ostsee aus dem siidgerm. 
iibemommen worden; auch das nordgerm. wort wird wohl zugewandert 
sein, vgl. H. F. Rosenfeld, Neuphil. Mitt. 51, 98-109 und zustimmend 
Fromm, ZfdA 88, 1957, 86. 

Hinzuzufiigen: Ober das aruss. wort súlga ‘mast’ in der ersten Novgo- 
roder Chronik vgl. Thömqvist 90-93. 

Hinzuzufiigen: Uber das vielleicht entlehnte mss. sig vgl. Thöraqvist 
247-8. 

Vgl. auch Thömqvist 77-80. 

Hmzuzufiigen: Die möglichkeit einer umgekehrten entlehnung hat 
Miklosich Etym. Wb. 338 erwogen, vgl. dariiber Thömqvist 264-8. 

Vgl. auch Thömqvist 80-1. 

Hinzuzufiigen: líber das ross. skotii vgl. besonders Thömqvist 252-7. 
Fromm ZfdA 88, 1957, 93 verwirft die germ. herkunft von finn. kinnas, 
denn man muss von einer grandform *kimdas ausgehen, die zu ver- 
binden ist mit lett. clmds ‘handschuh’. 

Hinzuzufiigen: skjá 1 f. ‘scheune, vorhaus’; zur etymologie vgl. s k dli. 
— > rass. skéja, vgl. E. A. Meyer ZfslavPh. 5, 1929, 141-2 und Thöm- 
qvist 1948, 81-3. skjá 2 f. 'durchsichtige kalbshaut’, vgl. skjdr. 
Das lemma skjd zu ándem in skjá 3. 

Fiige hinzu: > finn. laes ‘heuschwaden’ aus germ. grandform *slagez. 
Vgl. auch Thömqvist 113. 

Zu streichen: ne. swoop. 

Finn. panka, panku ist wahrsch. kein germ. lehnwort, vgl. Fromm, 
ZfdA 88, 1958, 324. 

Der passus Zeile 15-24 ist zu streichen. 

W. Krause, Nachr. AW Göttingen 1961, Nr. 9, 265 möchte von einer 
verbindung ‘aneinanderfiigen' ausgehen, vgl. toch. tsu- ‘sich fiigen’; 
er verbindet weiter mit der grappe von tún und geht von der her- 
stellung des flechtzauns aus. 

Hinzuzufiigen: finn. tiili ist wohl eher aus dem schw. entlehnt, vgl. 
Kylstra 76. 

Das finnische wort stammt aus nschw. time, vgl. Fromm, ZfdA 88, 
1957 . 89 - 

Das finnische wort Runkoteivas ist ganz anders zu beurteilen, vgl. Fromm 
ZfdA 88, 1957, 86 und besonders die lichtvolle behandlung dieses 
angeblichen göttemamens bei M. Haavio, Karjalan Jumalat 1962 S. 259 ff. 
Vgl. besonders Thömqvist 87-88. 

Diese zeile ist zu streichen; keltische entsprechungen sind die volks- 
namen der Veneti und Venetulani von *uenetos 'geliebt' (IEW 1146). 



VERZEICHNIS DER ABKORZUNGEN 


i 


abl. 

ablautend 

adá. 

altdánisch 

adj. 

adjektiv 

adv. 

adverb 

ae. 

altenglisch 

afr. 

altfriesisch 

afrz. 

altfranzösisch 

ahd. 

althochdeutsch 

ai. 

altindisch 

air. 

altirisch 

akk. 

akkusativ 

alat. 

altlateinisch 

alb. 

albanesisch 

alem. 

alemannisch 

anfrk. 

altniederfránkisch 

anl. 

anlautend 

anm. 

anmerkung 

áol. 

áolisch 

apr. 

altpreussisch 

arab. 

arabisch 

aram. 

aramáisch 

arm. 

armenisch 

as. 

altsáchsisch 

aschw. 

altschwedisch 

asl. 

altslavisch 

att. 

attisch 

av. 

avestisch 

bask. 

baskisch 

bed. 

bedeutung 

bes. 

besonders 

BN. 

beiname 

bornh. 

bornholmisch 

br. 

brakteat 

burg. 

burgundisch 

dá 

dánisch 

dat 

dativ 

dial. 

dialektisch 

ds. 

dasselbe 

edd. 

eddisch 

eig. 

eigentlich 

entl. 

entlehnt 

erul. 

erulisch 

erw. 

erweiterung 

estn. 

estnisch 

f. 

femininum 

fár. 

fáröisch 

finn. 

finnisch 

fr. 

friesisch 

frz. 

französisch 


gall. 

gallisch 

gen. 

genitiv 

gepid. 

gepidisch 

germ. 

germanisch 

got. 

gotisch 

gotl. 

gotlándisch 

gr- 

griechisch 

hebr. 

hebráisch 

hebrid. 

hebridisch 

heth. 

hethitisch 

hom. 

homerisch 

idg. 

indogermanisch 

illyr. 

illyrisch 

isl. 

islándisch 

it. 

italisch 

jht. 

jahrhundert 

komp. 

komparativ 

kong. 

konjugation 

kopt. 

koptisch 

kymr. 

kymrisch 

lang. 

langobardisch 

lat. 

lateinisch 

lett. 

lettisch 

lit. 

litauisch 

liv. 

livisch 

lpN. 

lappisch (norwegisch) 

lpS. 

lappisch (schwedisch) 

m. 

maskulinum 

mak. 

makedonisch 

me. 

mittelenglisch 

mir. 

mittelirisch 

mlat. 

mittellateinisch 

mnd. 

mittelniederdeutsch 

mnl. 

mittelniederlándisch 

mordw. 

mordwinisch 

mschw. 

mittelschwediscli 

n. 

neutrum 

ndá. 

neudánisch 

ne. 

neuenglisch 

nhd. 

neuhochdeutsch 

nisl. 

neuislándisch 

nnd. 

neuniederdeutsch 

nnl. 

neuniederlándisch 

nnorw. 

neunorwegisch 

nom. 

nominativ 

norm. 

normannisch 

nschw. 

neuschwedisch 



VERZEICHNIS DER ABKÚRZUNGEN 


XLIX 


0. 

ost 

olon. 

olonetzisch 

ON- 

ortsname 

orkn 

orknöisch 

osk. 

oskisch 

oss. 

ossetisch 

part. 

partikel 

partz 

partizip 

phryg. 

phrygisch 

pl. 

plural 

PN. 

personenname 

práp. 

práposition 

prát. 

práteritum 

run. 

runisch 

russ. 

russisch 

s. 

sehe 

schott. 

schottisch 

schw. 

schwedisch 

schw. V. 

schwaches verbum 

serb. 

serbisch 

sg- 

singular 

shetl. 

shetlándisch 


skand. 

skandinavisch 

skd. 

skaldisch 

sp. 

spanisch 

st. V. 

starkes verbum 

suff. 

suffix 

s. V. 

sub voce 

syr. 

syrisch 

syrj. 

syrjánisch 

thrak. 

thrakisch 

toch. 

tocharisch 

tsch. 

tscheremissisch 

tiirk. 

tiirkisch 

iiberl. 

iiberliefert 

umbr. 

umbrisch 

ung. 

ungarisch 

urn. 

urnordiscb 

urspr. 

urspriinglich 

verb. 

verbum 

vgl. 

vergleich 

viell. 

vielleicht 

VN. 

volksname 


2. Zeitschriften, Wörterbiicher usw. 

AfdA: Anzeiger fiir deutsches Altertum 
ANF: Arkiv för Nordisk Filologi 

ANO: Aarboger for nordisk Oldkyndighed og Historie 
APhS: Acta Philologica Scandinavica 
ARW: Archiv fur Religionswissenschaft 
AW: Akademie der Wissenschaften 

BB: Bezzenbergers Beitráge zur Kunde der indogermanischen Sprachen 
CM: Classica et Mediaevalia 
DSt: Danske Studier 

FT: Falk und Torp, Norwegisch-dánisches etymologisches Wörterbuch 
FUF: Finnisch-ugrische Forschungen 
FV: Fornvánnen 

GHÁ: Göteborg Högskolas Ársskrift 

GR: The Germanic Review 

GRM: Germanisch-Romanische Monatsschrift 

HArch: Herrigs Archiv fiir das Studium der neueren Sprachen 

IEW: Pokorny, Indogermanisches Etymologisches Wörterbuch 

IF: Indogermanische Forschungen 

JEGPh: The Journal of English and German Philology 

JSFOu: Journal de la Société finno-ougrienne 

KZ: Kuhn’s Zeitschrift fiir vergleichende Sprachfoischung 

Cang: Language, Journal of the Linguistic Society of America 

LUA: Lund Universitets Ársskrift. 

^ASO: Meyerbergs Arkiv för Svensk Ordforskning 

MLN: Modern Language Notes 

MM: Maal og Minne 

MO: Le Monde Oriental 

MPh: Modern Philology 

MSFO: Mémoires de la Société finno-ougrienne 
MSL: Mémoires de la Société de Linguistique 
NB: Namn och Bygd 

^G: Nomina Germanica, Festschrift Hesselman 1935 
NK: Nordisk Kultur 



L 


VERZEICHNIS DER ABKURZUNGEN 


NL: Norges gamle Love 

NTS: Norsk tidskrift for Sprogvidenskap 

NTU: Nordiska Texter och Undersökningar 

NVA: Skrifter und Afhandlinger der Norske Videnskaps Akademi 

PBB: Paul und Braunes Beitráge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 

PMLA: Publications of the Modem Language Association 

RG: Revue Germanique 

SBAW: Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften 

SBVC: Sagabook of the Viking Club 

SNF: Studier i Nordisk Filologi 

SNph: Studia Neophilologica 

SSN: Scandinavian Studies and Notes 

SSUF: Sprákvetenskapets Sállskaps i Uppsala Förhandlingar 
SVS: Skrifter utgivna av kgl humanistiska Vetenskapssamfund 
TNTL: Tijdschrift voor Nederlandsche Taal- en Letterkunde 
UUÁ: Uppsala Universitets Ársskrift 

WP: Walde-Pokomy, Vergleichendes Wörterbuch der indogermanischen Sprachen 
WS: Wörter und Sachen 

ZdW: Zeitschrift fiir deutsche Wortforschung 
ZfcPh: Zeitschrift fiir celtische Philologie 
ZfdA: Zeitschrift fiir deutsches Altertum 
ZfdPh: Zeitschrift fiir deutsche Philologie 
ZfsPh: Zeitschrift fiir slavische Philologie 


3. Gekiirzte Buchtitel 

Aasen: I. Aasen, Norsk Ordbog (Christiania 1918). 

Blendal: V. Blandal, Islandsk-dansk Ordbog (Reykjavlk 1920-1924) 

Björkman: E. Björkman, Scandinavian loanwords in Middle-English (Studien zur 
englischen Philologie, Heft 7, Halle 1900-1902) 

A Bugge, Indf.: A. Bugge, Vesterlandenes IndflydelsepaaNordboernesydre Kultur 
(Kristiania 1905) 

Collinder, UL: Bj. Collinder, Die urgermanischen Lehnwörter im Finnischen (SVS 
Uppsala 28, 1933, Nr 1) 

Ekwall: Ekwall, -Studies on English Place-Names (Kgl. Vitterhets och Antikvitets 
Akademi Afhandlingar 42 Nr. 1) 

Fschr Baur: Album Frank Baur (Gent 1948) 

Fschr Behaghel: Festschrift O. Behaghel, Germanische Bibliothek II, Nr 15 (Heidel- 
berg 1924) 

Fschr Bloomfield: Studies in honor of Maurice Bloomfield (New Haven 1920) 
Fschr Broch: Festskrift O. Broch (NVA Avhandlinger Hist.-Filolog. Klasse 1947) 
Fschr S. Bugge 1892: Uppsalastudier tillegnande Sophus Bugge (1892) 

Fschr S. Bugge 1898: Akademiske Afhandlinger til Prof. S. Bugge ved hans 
25-aars Jubileum (Kristiania 1898) 

Fschr Collitz: Studies in honor of Hermann Collitz (Baltimore 1930) 

Fschr Falk: Festskrift til Hj. Falk (Oslo 1927) 

Fschr Feilberg: Danske Studier 1911 

Fschr Fick: Tepaí, Abhandlungen zur Indogermanischen Sprachgeschichte August 
Fick gewidmet (Göttingen 1903) 

Fschr Flom: Scandinavian Studies presented to G. T. Flom (Urbana 1942) 

Fschr Frings: Fragen und Forschungen im Bereich und Umkreis der germanischen 
Philologie, Festgabe fiir Th. Frings (Berlin 1956). 

Fschr Hesselman: Nomina Germanica (Uppsala 1935) 

Fschr Hirt: Festschrift H. Hirt, Germanen und Indogermanen (Heidelberg 1936) 
Fschr Jespersen: A Grammatical Miscellany offered to Otto Jespersen (Kopen- 
hagen 1930) 

Fschr Johansson: Sertum philologicum C. F. Johansson oblatum (Göteborg 1910) 
Fschr Jónsson: Festskrift til Finnur Jónsson (Kopenhagen 1928) 

Fschr A. Kock: Studier tillágnade Axel Kock (Lund 1929) 

Fschr E. A. Kock: Studia Germanica tillágnade E. A Kock (Lund 1934) 

Fschr Kretschmer: Festschrift fiir Paul Kretschmer, Beitráge zur griechischen und 
lateinischen Sprachforschung (Berlin 1926) 



VERZEICHNIS DER ABKURZUNGEN 


LI 


pschr Kristensen: Danmarks Folkeminder Nr 17 (Kopenhagen 1928) 
pschr Lidén 1912: Xenia Lideniana (Stockholm 1912) 

pschr Lidén 1932: Germanska Namnstudier tillágnade E. Lidén (Lund 1932) 
pschr Noreen: Nordiska Studier tillágnade A. Noreen (Uppsala 1904) 
pschr Olson: Bidrag till Nordisk Filologi tiliágnade E. Olson (Lund 1936) 

Pschr Pedersen: Mélanges Pedersen (Acta Jutlandica IX, Kopenhagen 1937) 

Pschr Pipping: Festskrift tillágnad H. Pipping (Helsingfors 1924) 

pschr Qvigstad: Qvigstad Festskrift (Tromso Museums Skrifter Nr 2, 1928) 

pschr Sahlgren: Festskrift till J. Sahlgren (Lund 1944) 

pschr Schröder: Festschrift fiir Franz Rolf Schröder (Heidelberg 1959 ). 

Fschr Sievers 1896: Philologische Studien, Festgabe fur E. Sievers (Halle 1896) 
Fschr Sievers 1925: Germania, Festschrift E. Sievers (1925) 

Fschr Streitberg: Stand und Aufgaben der Sprachwissenschaft, Festschrift fur 
Wilhelm Streitberg (Heidelberg 1924) 

Fschr Thomsen: Festschrift V. Tnomsen dargebracht (Leipzig 1912) 

Fschr Torp: Festskrift til A. Torp (Christiania 1913) 

Fschr Unger: Sproglig-historiske Studier tilegnede C. R. Unger (Kristiania 1896} 
Fschr Windisch: Festschrift Ernst Windisch (Leipzig 1914) 

Fschr v. d. Wijer: Feestbundel H. J. van de Wijer (Löwen 1944) 

Fischer: Die Lehnwörter des Altwestnordischen (Palaestra 85, Berlin 1909) 
Gamillscheg: EtymologischesWörterbuchderfranzösischenSprache(Heidelberg 1928) 
Gering, Komm: H. Gering, Kommentar zu den Liedem der Edda (Halle 1927-1931). 
Hægstad: Hægstad-Torp, Gamalnorsk Ordbok (Oslo 1909). 

Henderson: G. Henderson, The Norse influence on celtic Scotland (Glasgow 1910). 
Holthausen: F. Holthausen, Vergleichendes und Etymologisches Wörterbuch des 
Altwestnordischen (Göttingen 1948). 

Jacobsen-Moltke:. Lis Jacobsen og Erik Moltke, Danmarks Runeindskrifter (Kopen- 
hagen 1941-1942). 

Jakobsen: J. Jakobsen, Etymologisk Ordbog over det norrene Sprog pá Shetland 
(Kopenhagen 1921). 

Jóhannesson: A. Jóhannesson, Grammatik der urnordischen Runeninschriften 
(Heidelberg 1928). 

Jóhannesson, Sufi: A. Jóhannesson, Die Sufiixe im Islándischen (Reykjavík 1927). 
Jöhannesson, Wb.: A. Jóhannesson, Islándisches etymologisches Wörterbuch 
(Bem 1951-1956). 

Johannisson: T. Johannisson, Verbal- och postverbal partikelkomposition i de ger- 
maniska Spráken (Lund 1939). 

Jónsson, Sprogforh.: F. Jónsson, Norsk-islandske Kultur- og Sprogforhold (Kopen- 
hageni92i). 

Jónsson LP: F. Jónsson, Lexicum Poeticum antiquae linguae septentrionalis 
(Kopenhagen 1913-1916). 

Kahle: B. Kahle, Die altnordische Sprache im Dienste des Christentums (Acta 
Germanica LI, 4, Berlin 1890). 

Karsten, Fragen: T. E. Karsten, Fragen aus dem Gebiete der germanisch-finniscben 
Beriihrungen (Helsingfors 1922). 

Karsten, GFL: T. E. Karsten, Germanisch-Finnische Lehnwortstudien (Helsing- 
fors 1915). 

L. A. Kock, NN: E. A. Kock, Notationes Norrœnæ (Lund 1923-1941). 

Krause: W. Krause, Runeninschriften im álteren Futhark (Schriften der Königs- 
berger Gelehrten Gesellschaft XIII 1937). 

Kristensen: M. Kristensen, Fremmedordene i det ældste danske Skriftsprog (Kopen- 
hagen 1906). 

Kylstra: A. D. Kylstra, Geschichte der germanisch-finnischen Lehnwortforschung, 
Assen 1961. 

Lind: E. H. Lind, Norsk-islándska Dopnamn (Uppsala 1905-1915). 

Lind, BN: E. H. Lind, Norsk-islándska personbinamn frán medeltiden (Uppsala 
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Marwick: H. Marwick, The Orkney Nom (Oxford 1929). 

Mawer: A. Mawer, Scandinavian Influence in the Place-Names of Northumberland 
and Durham (SBVS 8, Nr 2, 1914). 

Mélanges Mossé: Mélanges de Linguistique et de Philologie F. Mossé in Memoriam 
(Paris 1959). 

Mindeskr. S. Bugge: Sproglige og historiske Afhandlinger viede Sophus Bugges 
Minde (Kristiania 1908). 



VERZEICHNIS DER ABKURZUNGEN 


LII 


Naumann: H. Naumann, Altnordische Namenstudien (Acta Germanica NR I, 
Berlin 1912). 

Noreen, Gramm: A. Noreen, Altislándische Grammatik (Halle 1923). 

Palander: H. Palander-Suolahti, Die altnordischen Tiernamen (Darmstadt 1899). 

Persson: P. Persson, Studien zur Lehre von der Wurzelerweiterung und Wurzeí- 
variation (UUA 1891). 

Pipping, Inl.: H. Pipping, Inledning till studiet av de Nordiska Sprákens Ljudlára 
(Helsingfors 1922). 

Qvigstad: J. K. Qvigstad, Nordische Lehnwörter im Lappischen (Christiania 1893). 

Rooth: E. Rooth, Altgermanische Wortstudien (Halle 1926). 

Schnieders: M. Schnieders, Die einheimischen nicht komponierten schwachen Verben 
der jan- Klasse im Altnordischen (Hesperia Nr. 19, Göttingen 1938). 

Schönfeid: M. Schönfeld, Wörterbuch der altgermanischen Personen- und Völker- 
namen (Heidelberg 1911). 

Schröder: F. R. Schröder, Untersuchungen zur germanischen und vergleichenden 
Religionsgeschichte (Tvibingen 1941). 

Schulze: W. Schulze, Kleine Schriften (Göttingen 1933). 

Schwarz: E. Schwarz, Goten, Nordgermanen, Angelsachsen (Bem-Miinchen 1951). 

Seip: T. Seip, Láneordstudier (Oslo 19x5-1919). 

Serjeantsson : M. S. Serjeantsson, A history of foreign words in English (London 
1935 )- 

Specht: F. Specht, Der Ursprung der indogermanischen Deklination (Göttingea 
1944 )* 

Stender-Petersen: A. Stender-Petersen, Slavisch-germanische Lehnwortkunde (Göte- 
borg 1927). 

Suolahti: H. Suolahti, Die deutschen Vogelnamen (Straszburg 1909). 

Thömqvist: Clara Thömqvist, Studien iiber die nordischen Lehnwörter im Rus- 
sischen, Uppsala 1948. 

Thomsen: V. Thomsen, Samlede Afhandlinger, z.Band (Kopenhagen 1920). 

Torp, Sprachsch.: A. Torp, Wortschatz der germ. Spracheinheit. 

Torp, Wb.: A. Torp, Nynorsk etymologisk Ordbok (Oslo 1919)- 

Westergárd-Nielsen: Westergárd-Nielsen, Láneordene i den 16. árhundredes trykto 
islandske Literatur (Kopenhagen 1946). 

v. Windekens: A. J. van Windekens, Lexique étymologique des dialectes tokhariens 
(Löwen 1941). 

Wissmann: W. Wissmann, Nomina postverbalia in den altgermanischen Sprachen, 
Göttingen 1932. 

Woolf : H. B. Woolf, The Old-Germanic Principles of Name-Giving (Baltimore 1939). 

Zupitza: E. Zupitza, Die germanischen Gutturale (Berlin 1896). 



*)i~ vo[ ~ 

^ / ^JA lo 0 X f T , 


_a vemeinende Part., dem Verbum an- 

gehángt, ‘nicht’ (vgl. es-a 'ist nicht’) 

< germ. *ain (in nebentoniger silbe), 
vgl. got. ain, also eig. ‘(nicht) irgend 
etwas’; fiir den verlust der negation 
vgl. frz rien ‘nichts’. — Anders, aber 
weniger wahrscheinlich als unbetonte 
form von áj erldárt — vgl. at 5 
(s. A. Kock, ZfdA 40, 1896, 194-6) 
und einn. 

á 1 f ‘fhiss’ < germ *ahu>e> (álter ó 
< f *áu < *ahwu . neben ó. ntilibildunt; 
zum pi. *áwar, vgl. Noreen § 77) — 

> finn. -ava in flussnamen (Karsten 
GFL 133) und Ahvenanmaa ‘Áland’ 
(Karsten, FMS 2, 1934, 69-70); > 

manx -a, -ey, -aw (Marstrander NTS 6, 
1932, 269); > ne. -S (neben -agh) in 
flussnamen (Ekwall. NB 14, 1926, 

145-61). — nisl. fár. á, nnorw. aa, 
aschw. adá S, ndá aa. shetl. ó- neben 
ór-, wór- ( — ár, vgl. Jakobsen 580) — 

ае. éa, afr. S, é, as. ahd. aha, ‘fliessendes 

wasser’, got. ahwa ‘fluss’ — lat. agua 
‘ wasser'. (alsnomen nur germ.'un d latT' 
bélecrt. sonst nu r in eige nnaméB~wie 
r uss. Öka. nt. Akéle. Hlvr. Aouin^Ull i) « ■ 

vgl. ey, ógn 2 und Ægir. 

— 2 f 'mutterschaf’. vgl. œr 1. 

— 3 adv. 'immer’ < akk. sg. *aiw oder 
gen. pl. *aiwa\ vgl. œ 2. 

— 4 práp. ‘an, auf, in’; run. ana (Möje- 
brö, '4.Jht > sTKrause tfr 66 iTml Rö, 

с. 400, s. Krause Nr 56), an (Tjurkö 
500-550, Krause Nr 86), a (Snoldelev 
800-825, s - Jacobsen-Moltke Nr. 248) 
— nisl. fár. á, nnorw. aa, aschw. adá. 

S — ae. on, afr. ana, ðn, as. an, ahd. 


got. ana — gr. &vg, ávA ‘auf’, lat. an- 
heláre ‘aufatmen'. ai. a 'an, au f’, 
asl . vú. air. an-dess ^siidlich’ ( WPI, 58-9) 

— 5 als anfangssilbe in Personennamen 
von verschiedener herkunft, und zwar 
< *ana ‘verstárkendes práfix’ (wie in 
ámáltigr ‘iibermáchtig’) in PN. wie 
Amundi, Ávaldi ; oder < *anu ‘vor- 
fahr’ wie in Óláfr, oder < *ag wie in 
Amundr, Avaldi (wo also zwei práfixe 
kontaminiert wurden; s. A. Janzén, 
NK 7, 1947, 62). 

abbadís f. auch abbatissa 'ábtissin’, nisl. 
abbadis, fár abbadissa — < mnd. 
abbadisse oder ae. abbudesse oder 
unmittelbar < vulg. lat. abbadissa 
<. lat. abbatissa (F. Fischer 56), 

— v gl . ábóti. o ^ Wirv 4.j^K tr' 


«5 


abbast schw. v. ‘erzumt sein auf’, nisl. 1 
abbast ds. — vgl. apr. aber auch , 
afr 2. Weniger wahrsch. verbindung ; 
mit afl 1 (so Holthausen, PBB 66, 

1942, 271 und Jóhannesson, Med.gem 
1-2). 

abbáti m‘abt’ — vgl. ábóti. 
abbindl n ‘stuhlzwang, dysenterie’ (s. 
Reichborn-Kjennerud, ANF 40, 1924, 
106-7), n * s I- abbendi; nach Noreen 
§ 269 < *af-bindi, aber eher < ae. 
ebbind, ebind ‘verstopfung’, lehnuber- 
setzung von lat. tenesmus, gr. tciv eopé; , 
ábóti m. ‘abt’, auch abbatí (die form ' 
ábóti ws. volksetym. umdeutung als í 
‘sitten-verbesserer), nisl. ábóti, fár. ! 
abbati, nnorw. abbet, aschw. abot(e), • 
abbot(e), ndá abbed — < ae. abbod, 
abbot < lat. acc. sg. abbatem, vgl. gr • 
Sppae aus syr. abbS ‘vater, mönch’ — 
vgl. abbadis. 

ábreiða f, auch ábreizl n. und ábreizla 

f ‘bettdecke’, nisl. ábreiða, ábreiðsl, 
ábreiðsla ds. fár. ábreiðsla ‘auf dem 
acker ausgebreiteter dunger’ — vgi. 
á4 und breida. 

aðal n. ' art, begabungj hof, erbgut, 
eigeHtuið' ; iií Zus.setz. 'vbrnehmster’, 
nisl. fár aðal, nnorw. adel ‘adel; 
kernholz’, aschw. aþal-, adá athal- — 

f ot. aþal- (in PN wie Athalaricus, s. 

chönfeld 33), ae. æðel, afr. ethel-, as. 
aðal-, ahd. adal- ‘edel. vomehm’, vgl. 
ae. cedele, as. ethili, ahd. edili ‘adelig, 
edel’^— vgl. aðil-, aðili, Alfr 2, 
ffiíTZr óðal, Qðlast und gðlingr. 
jPii e gewöhnlich ff *rH 3 mng a.ns einer 
'id g. enrundform *ató-, das ein iall- 

jfwnrt fiir Vatpr' sejp soll. SCheitert 
i árán. dass diese form im germ. immer 
Ht- enthá lt (vgl. got. atta, und die 
dirhin. form Attila (vgl. Atli), denn 
asl. otíci ‘vater’ und ai tStas ‘vater’ 
haben keine entsprechungen im germ. 

— Andere erklárungen sind abzulehnen 
wie zu þel mit práfix ð- (v. Grienberger, 

, Unters. 104). — Szemerényi, Word 8, 

1952, 42-50 fuhrt das wort auf idg. 
*at-alo zuriick, zu vergleichen mit lat. 
indoles ‘natur, angeborene eigenschaft’ 

(< *endo-alés), proles ‘nachkommen- 
schaft’ (< *þro-alés), also zu der wzi 
*al ‘ernáhren’ (vgl. ala) und mit der 
bed. ‘aus einem erwachsen, nach- 
kommenschaft, familie’, lásst die abl. 
form ððal unerklárt, denn nicht das 

^ ^ ' «3 / Sc^ p 'NtT .w: 

V rl oÍ A a m .4. /1 /Ti 4» 


f 





aðan 


2 


afr 


práfix, sondern der stamm sollte den 
hochstufe-vokal enthalten miissen. 
áðan adv. 'fruher, vorher, ehemals', 
nisl. fár áðan, nnorw. aadan, aschw. 
aþans (vgl. nschw. ijáns, dial. i ans), 
adá adens —- vgl. áðr. 
aðil- im BN. aðilfari, nebenform zu 
aðal. 

aðili m ‘der fiihrer eines prozesses’, nisl. 
aðili ‘beteiligter an einer gerichtssache’, 
daneben auch aðild f 'recht oder 
pflicht ein prozess zu fiihren' — vgl. 
aðal. 

Aðils oder Aðisl, m. PN. — run. manx 
apisl (s. Marstrander, NTS 6, 1932, 
285) —- < *Aþgils < germ. *AþagislaR 
(fiir den schwund des g s. Noreen § 229) 
vgl ae Eadgils (K. Helm, ZfdA 52, 
1910, 99) — zus.setz aus aða- (vgl. 
aðal) und gisl. 

áðr adv. ‘vorher, friiher; ehe. bis (aus 

.déi 1 álteren Ded." ‘fl'Uli’, vgl.'Sturtévant, 

MPh- 25, 1927, 146-7) — nisl. fár 
áður, nnorw. aader — ae. cedre, afr, 
Sdre, as. ádro ‘sofort, ganzlich’, zu ahd. 
átar ‘schnell, klug, scharf’ — iett 
át rs ‘rasch, heftig', átri ‘schnell’. nd.lit. 
átrus ‘neitig . . . ui fc h-TÍT! 5 £ 3 i hold ~ — vgl. 
dðan. 

af práp. ‘von, aus; fort, weg’, nisl af, 
far. nnorw. av, asthw. adá. a/ — got. 
af, ae. cef, of, afr. of, as. af, ahd. aba, 
ab — ia-t ah [<r *ap)\ pn r, in 6, ai. ápa', 
apokopiert idg. *-po In lat öo-situs 
‘geiegen’, asl pö’zu', s. wp. 1, 47-50. — 
vgl. afar, afr x, aptr, au-, efja, 
efsa, eþtir und Qfugr. 
áfa nur edd. schimpfwort, ws ‘hass, 
feindschaft’, nisl áfá ‘wirkung be- 
rauschender getránke’ — Nur unsichere 
vermutungen. H. Pipping, SNF 18, 
1927, Nr. 3, 34-35 liest áfá. und erklárt 
als ‘angrifi’ (vgl. áfgng); S. Bugge, 
Fkv. 421 zu oefr ‘wild, rasend’, B.M. 
ólsen, ANF9, 1893, 232 zu váifa ‘ge- 
spenst’. 

áfangr m ‘ruhe, rast’ — vgl. áivangr. 
afar- práf. ‘besonders, sehr’ (zb. afarkostr 
‘schwere bedingung, strafe’, afarorð 
‘iibermiitige Wörter’), nisl afar-. Am 
besten als Komp. zu af aufzufassen; 
got. afar ‘nach, nachher’, ahd. avar, 
abur ‘wieder, abermals’ — ai. áparas, 
av. apara- ‘hinterer, spáterer, folgen- 
der’ — vgl. aurfalr, artnul. 

Zu got. abrs ‘stark, heftig’, abraba 
‘sehr’ K. F. Johansson, IF 3, 1894, 
239-240; vgl. afr 2. Oder zu mir, 
abor-, kymr. afr- sehr, IEW 2. 
Afarr m PN. — vgl. Avarr. 
afbrýðl f. n. neben afbrygði ‘eifersucht’, 
nisl. afbrýði— vgl. af und bregða. 
afi 1 m. ‘mann’ — got. aba ‘ehemann’; 


wohl zu afl. 1 (weniger wahrsch. lall- 
wort, vgl. gr. ámpá, dbtœa ‘vater; s. 
WP I, 47). 

— 2 m ‘grossvater’, nisl. afi, íár avi, 
abbi ds. — vgl. got awð ‘grossmutter’ 
ae eam, afr. ém, nnl. oom, ahd oheim 
(< *awn-haima) — lat. avus 'gross- 
vater’, avia ‘grossmutter’, avunculus 
‘miitterlicher oheim’, apr. awis ‘oheim’, 
lit. avýnas ‘bruder der mutter’, asl. uji 
(< *awjo) ds., air. áue ‘enkel’ (IEW 89) 
—vgl.. ái. 

afl 1 n‘kraft, ma.cht; stimmenmehrheit’, 
nisl afl, fár. alv, alvi, nnorw. dial avl 
‘kraft’, aschw. afl, nschw. avel ‘kraft’, 
ndá avl ‘ertrag’ — > ae. afol, abal, 
me. afell ‘kraft’ (Björkman 201) — 
wgerm. dat. pl. A flims, A fliabus ‘bei- 
name von muttergottheiten’, as. alal 
‘kraít’, mhd. afel ‘arbeitender Eifer’ — 
lat. opus ‘werk, arbeit’, Ops ‘göttin 
des erntesegens’, gr. hom. 6Xy/)rsXéojv 
‘schwach, kraftlos’ zu *ét7teXoq ‘kraft’ 
ai. apas 'werk’, ápas ‘werk, religiöse 
handlung’, lit. ápstas ‘iiberfluss, vorrat’ 
vgl. illyr PN wie Apia, Aplus, Aplo 
(s. Krahe, Sprache und Vorzeit s. 105) 

— vgl. afla, efla, efli, efna 1, 
6 fa 2, cefr, Qflgast und Qflugr. 

Der bed. nach stimmt besser < idg 
*apelo-, vgl. gr. 6Xi-p)-neXtfj ‘ohn- 
macht’, ArtíXXtdv, AttóXXojv ‘name 
eines gottes’, gall VN Di-ablintes 
‘die kraftlosen’ (IEW 52). 

— 2 m ‘feuerherd zum schmieden’, nisl. 
afl, fár alvi, nnorw. avl — > lp 
al've ds (Qvigstad 90) — afr. evel ‘herd’ 
eig. ‘werkstátte’, also ds. wie afl 1. 

afla schw. v. ‘arbeiten, schafien, 'er- 
werben’ — ahd avalðn ‘zuwege bringen, 
sich riihren’ — vgl. afl 1. 

aflangr adj. ‘elliptisch, íánglich’ — nisl. 
aflangur, nnorw. avlang, aschw. af- 
langer, nschw. avláng, ndá aflang — 

> ne.dial avelong, eavelong, aveling 
(Thorson 53). — lat. oblongus ‘lánglich’ 

— vgl. af und langr. 

afli m. ‘macht, erwerb, verdienst’, selten 
PN (Lind 5), nisl afli; vgl. aschw. 
afling ’erwerb’ — > lp al'vo ‘fang, 
beute’ (Qvigstad 90) — vgl. afl 1. 

afr I m ‘Trank aus hafer; diinnbier, 
nachgebráu’ (< germ. *abara-) — 

> finn. aþaro, apara 'bierhefe’ 
(Karsten, GFL 120-1 und FMS 2, 1934, 
80; iiber die Endvokale Wiklund, 
IF 38, 1917, 101) — zu got. afar ‘hinter, 
nach’, ahd. afar ‘wieder, aber’; vgl. ae. 
eafora, as abaro, got. afara ‘nach- 
komme’ — vgl. afar. 

— 2 adj. ‘stark’ (nur Hym. 12, Konj. fiir 
hs. áðr; vgl. aber afrhendr, afrendr 
‘mit starker hand’). — got. abrs ‘stark. 




/ Cve^-nck> &*\ V 4 u kaf 7 


heftíg’ — ai. atnbhr-nd- ‘schrecklich, 
zu ambhas- n. ‘schrecken erregende 
kraft’; daneben mit idg. wechsel r:n 
(s. Benveniste, Origines s. 12) gall. 
PN Ex-obnus, kymr. ofn ‘furcht’. — 
vgl. aber auch afl 1. 

aga schw. v. ’drohen, gefahrlich aus- 
sehen’ — nisl. aga ’drohen, strafen’, 
fár. aga ’tadeln, ziichtigen’, nnorw. aga 
‘erschrecken’, aschw. agha, nschw aga 
’in zaum halten’ — got. unagands 
’furchtlos’ — vgl. agi. , 

Agðir name eines gebietes in S.W. Nor- 
wegen (viell. das lat.-germ. augandzi, 
falls statt agadii bei Jordanes, s. 
J.V. Svensson, NB 5, 1917, 141) — 
wohl zu einem wort *agð- ‘scharfe 
landspitze’, vgl. ae egeðe, ahd egida 
‘egge’ (s. Hj. Bindroth, NB 6, 1918, 
66-7); anders, aber weniger ws zu 
d 1 (v. Grienberger, ZfdA 46, 1902,165). 

— vgl. Egðir 2 und egg 1. 

Aggi m. BN. — vgl. nisl. agg n. ‘streit, 
zwist’, nnorw. agga ‘sich furchten’; 
wohl intensivbildung zu aga. 

agi m ‘schrecken, unfriede; furcht; 
ziichtigung; seegang’, nisl. fár agi, 
nnorw. age, aschw. aghi, nschw. aga, 
ndá ave\ vgl. shetl agisom ‘furchter- 
lich’," agos ‘schreckenerregender gegen- 
stand’ (Jakobsen 7) — >me. aghe, 
age, awe, ne. awe ‘schrecken’ (Björkman 
199) — ae. ege m (es-stamm, vgl. 
egisi-grima ‘larvula’); got. agis ‘furcht’, 
ae. eg(e)sa, as. egiso, ahd. agiso m und 
egisa f ‘schrecken’ (erweiterter es- 
stamm), ahd egi f (n-staram) — gr. Sx°S 
‘schmerz, leid’, áxvupai, &xo|xai ‘be- 
triibt sein’, áxaxÍ3<o ‘betrtiben’, air. 
ad-Sgor ‘fiirchten’ (ÍEW 7) — vgl. 
aga, Agnarr, Agni, Egill, Qglir, 
Qgmundr Qgurstund, Qgvaldr und 
hochstufig óask, ógn 1, Oinn, ótti, 
ýgr, aegir und cegja. 

agn n. ‘lockspeise, köder’ — nisl. fár. 
nnorw. nschw. ndá. agn\ vgl. shetl. 
ondibit ‘kleines stuck köder’ (Jakobsen 
589) — > lp. av’na ‘köder’ (Qvigstad 
97) — wohl zur idg. wzl *ek ‘essen’ 
(vgl. œja)\ ai. afnáti ‘essen’, dfana 
‘sp>eise’ — vgl. agnúi und egna 1. 

Agnarr m. Pn. (< *agana-harjaR), vgl. 
ahd. Eginheri und weiter alem. Agena- 
richus, ae. Ægenwulf (s. Naumann 13) 

— vgl. agi und herr. 

Agni m Pn. (< *aganan), aschw. Agne — 
ahd Aganus, nehen got. Agina (s. 
H. Pipping, SNF 12, 1921, Nr 1, m) — 
vgl. Agnarr. 

agnúi m. ‘angelhaken’, nisl. auch ‘schwie- 
rigkeit, abneigung’; nach Jóhannesson 
49,< *agn-hnúi, vgl. die nisl. form hnúi 
fiir an. knúi ‘knöchel’ 


STm ‘urgrossvater’, eig ‘stammvater* 
(< germ *awé\ fiir die vokalentw. 
s. H. Pipping. GHÁ 11, 1905. 10-12) — 
nisl di ds. — vgl afi 2 und dnasótt. 
ailti Runenwort in der Verbindung is 
ailti stain þqnsi (Tryggevælde; áhnlich 
auch Glavendrup, dá. runensteine der 
wikingerzeit), 3 P.S. Konj eines zeit- 
worts, das gew. mit an. elta (s.d.) 
gleichgesetzt wird. Fraglich, weil elta 
nicht von sachen gebraucht wird, und 
weilmanhiernicht die bed. ‘forttreiben, - 
wegfiihren’ erwartet (eine störende 
tautologie mit dem folgenden hiþan 
traki), sondern ‘brechen’ oder ‘um- 
stiirzen’. Ðer lautform nach ist aber 
diese erklárung die einfachste. 

I. Lindquist, Religiösa runtexter 2, 
1940, 128 konstruiert ein Zw 

*aglitjan, zu ae. eglan ‘schmerz 
leiden’, got. usagljan ‘bedrángen’ 
(vgl. agi); H. Andersen, ANF 61, 
1946, 171-181 dagegen *ailatjan, 
zu nnorw. dial. eil, eila, schw. dial. 
ela zur idg. wzl. *ei ‘gehen’, das 
aber etwa ‘brechen’ bedeutet ha- 
ben soll. Beide wenig ansprechend. 
aiol ‘eine harte Holzart’ (in Karlamag- 
nússaga neben lesart niol) — vielleicht 
aus afrz. alier, nfrz. alisier ‘elsbeer- 
baum’ ? 

áivangr m. ‘weideplatz fiir pferde’, nisl. 
dfangi ‘die strecke zwischen zwei ruhe- 
plátzen; vgl. norw. ON Evanger — 
Zusammengesetzt aus di (vgl. cej a) und 
vangr (s.d.) 

aka st.V. ‘fahren’; nisl. fár. norw. 
aschw. aka, ndá age\ daneben aschw. 
áka, nschw. dka, shetl. ög (langer vokal 
aus anderer abl. stufe oder durch an- 
lautsverlángerung; s. Hellquist 1416) 
— lat. ago, gr. Styo> ‘fiihren’, ai ajati. 
av. azaiti ‘treiben’, air. ad-aig ‘treibt 
zu’, arm. acem ‘bringe, fiihre’, toch. 
AB ák- ‘reisen, fiihren’ (IEW 4). — 
Neben der idg. wzl *ag noch die er- 
weiterungen *agros (vgl. akr 1 aber 
zweifelhaft) und *ages, *aMs (vgl. óst, 
Qxl, oxull ; mit hinsicht auf diese 
wörter war die bed. wohl ‘mit ge- 
schwungenen armen treiben’, so H. 
Reichelt, WS 12, 1929, 112-4). — vgl. 
noch ekja und eski. 
ákafr adj. ‘heftig, ungestiim’, ri'J. 
dkafur ; wohl mit a < á < at in neben- 
toniger silbe (s. Björkman, Fschr. 
Noreen 168) — ae. cáf ‘schnell, ener- 
gisch. — vgl. norw. dial keiv ‘schief, 
gedreht, verkehrt’, keiva ‘linke hand', 
keiv(a) ‘linkische person’, keiven ‘klot- 
zig, unbeholfen’, schw.dial. keva ‘linke 
hand’. (s. Persson, Beitr. 83-4). — vgl 
d 4 und kifa. 



akarn 


4 


ala 


akam n ‘frucht wildwachsender báume’; 
nisl. ákarn, norw. dial. aakorn, schw. 
dial. akarn, dá. agern ‘eichel’ — ae. 
eecern, œcren ‘nuss, eichel’. mnl. aker, 
nnd. ecker, mhd. ackeran 'eichel’, aber 
got. akran ‘frucht, ertrag' —gr. Sypio<;, 
lat. agrestis 'wild'. 

Verwandtschaft mit akr der bed. 
wegen abzulehnen — Anders Li- 
dén, IF 18, 1906, 503-6 zu asl. 
jagoda ‘frucht’, Iit. úgis, úgys 
‘jahreswuchs', uöga ‘beere, kirsche’, 
lett.woga 'beere', airátrne (< *agri- 
nja) ‘schlehe’.—Vgl.aberauch eik. 
Ákl m. Pn. run. dá. qaki (Bjáresjö II, 
c. 980; vgl. Jacobsen-Moltke Nr. 288); 
nisl. Aki, aschw. Ake, nschw. Ake, 
ndá Aage; ein urspr. ostskand. Name, 
besonders in Siidskandinavien ver- 
breitet; von daher auch nach England: 
Aki, Achi; vgl. ON. Oakthorpe (in DB: 
Achetorp; s. Ekwall 331). — ahd. 
Anihho, Enihho, as. Enic — vgl. Ali 1. 
akka f ‘pfeil’. Falls aus germ. *ankð, zu 
ahd. enka ‘schenkel, beinröhre', mhd. 
anke 'gelenk am fuss’ (Falk, Waff. 100; 
also eig. ‘pfeil mit knochenspitze ?); vgl. 
Qkla. Aber wohl besser, jedenfalls der 
bedeutungnach, zuridg. wzl *ak ‘scharf. 
spitz' (Holthausen, PBB 66, 1942, 267); 
vgl. áll 4 und egg. 

akkeri n. ‘anker’; nisl akkeri, fár. akker(i), 
nnorw. anker, aschw. akkare, ankar(e), 
nschw. ankare, ndá. anker. — < fris. 
anl. ankor (vgl. Wadstein, SHSU 21, 3, 
S. 7 und O. Höffer, ANF 47, 1931, 265), 
weíches wort ebenfalls neutrum ist, 
und deshalb eher als < ae. ancor, 
ancra (s. Fischer 46), das nur als masc. 
belegt ist. Das germ. wort < lat. an- 
cora, gr. Syxupa (vgl. gngull). — 

> manx aker (Marstrander, NTS 6 , 
1932. 49 ); > lp- atjrjkar, árjkar (Qvig- 
stad 91); > fmn. ankkuri (Karsten, 
IF 26, 1909, 248 und GRM 6, 1914, 
76 u. 87); > air. accaire (A. Bugge, 

r -._ Fschr. K. Meyer 292). r 
! akr'l'm'^ckerjlcOTnTTrckferfrucht’; nisl. 

| fár. akur, nnorw. aaker, aschw. dher, 

i dker, akker, ndá. ager. — > shetl. 

! aker ‘vom acker aufgelesene áhren’ 

(Jakobsen 7) und in Zss. okre-, okra-; 

> ne ON. Stainsacre, Tarnacre (Ek- 
wall 3); > lp. N. Skkar, Skar ’acker’ 
(Qvigstad 87). — got akrs, ae. escer, 
alr. ekker, as. akhar, ahd. ackar, ahhar. 

— lat. ager ‘feld, distrikt’, gr. áypé? 
‘feld, land’, ai. ijra- ‘ebene, fláche’. 

— vgl. akarn, akri und ekra 

Die verbindung mit aka ist nicht 
befriedigend, weil die bed. ttber- 
haupt nicht stimmt. Vergleicht 
man gr. áycípco ‘versammlen’. 


áyopá ‘markt’, áy<iv ‘gehegter 
kampfplatz’, so kann man akr als 
das gehegte feld’ erkláren; J. Trier, 
PBB 67, 1944, 126 weist darauf 
hin, dass in der álteren zeit eben 
die ackerstucke mit einem gehege 
versehen wurden. 

— 2 m. Pn, zu erschliessen aus run. schw. 
akaR (Brakt. 96 von Ásum, c. 550; vgl. 
Krause Nr. 32) — ae Aca, ahd. Aho, 
got. Accila (s. Schönfeld s.v.). 
akri m. ‘vogelart’ (nur in þula), wohl 
‘der auf dem acker lebende’; vgí. akr 1 
und fttr die bed. sœdingr. 
akta schw. V. ‘auf etwas achten, sich 
befleissigen’; nisl. fár. nschw. akta, 
nnorw. agta, ndá. agte — < mnd. 
achten ‘rechnen, schátzen, sorgen fiir 
(Fischer 27); vgl. ae. eahtian, as. ahd. 
ahtðn ‘schátzen, achten’ — vgl. cetla. 
aktaumr m. ‘brasse’, eig. ’leitseil’, nisl. 
aktaumur —- > lp N. i-tavvl, auch 
aktan, aftan (Qvigstad 83; wohl kaum 
urnord. entl., sondern erst in spáter 
zeit ttbernommen nach Wiklund, SVS 
Uppsala 24, 1927, Nr 16, 73); > air. 
achtuaim (Marstrander, NVA 1915 
Nr 5, 90). — vgl. aka und taumr. 
al- práfix ‘all, ganz’, vgl. algerr ‘voll- 
stándig’, alrauör ‘ganz rot’. Háufig 
in Pn. wie Aldis, Algautr, Alrekr, 
Alvaldi; schon run.dá. Alauiid und 
Alawin (Skodborg-brakteat), die aber 
als westgerm. entlehnungen betrachtet 
werden (C. J. S. Marstrander, NTS 3, 
1929,120) —got. Alatheus, urgerm. Ala- 
ricus.Alawih (Naumann 16).—vgl. allr. 
ál f auch 61 ‘riemen, band’ (< urgerm. 
*anhulð); nisl öl, nnorw. dial. ðl, aal, 
fár. ál, aschw. öl ‘riemen’, ndá. aal 
‘weidenhaspe’ (s. H. Falk, ANF 6, 1890, 
115). — ae Olþwang ‘strippe’. — lat. 
ancus ‘mit gebogenem arm’, Snus 
(< *ancnos) ‘kreis, ring, after’, Snulus 
‘ring, after’, gr. Syxoc ‘tal, schlucht’, 
áyxóXoc ‘krumm’, áyxúXTj ‘riemen’, 
áyxáXi) ‘ellenbogen, bucht’, áyxoiv ‘bug, 
ellenbogen’, ai aúcati ‘biegen, krttm- 
men’, ankas ‘schlinge, schleife’, air 
tcath ‘fischhaken’ (WP I, 60-62, IEW 
45-47). — idg. Wzl. *ank > germ. 
*anh (vgl. áll 2) und *ang (vgl. angi, 
3 . e*g und Qngull), neben idg 
*ang > germ *ank (vgl. akka, und 
ekkja 2), vgl. auch egg 1. 
ala st. U. ‘hervorbringen, zeugen, zttch- 
ten, náhren’; nisl. nnorw. fár. aschw. 
ala, adá alee, vgl. shetl. al, ali' — 
ae. alan ‘náhren’,- got. alan ‘wach- 
sen’. — lat. alo ‘emáhren’, gr. Sv- 
oXtoc ■ ‘unersáttlich’, vcaXfjc ‘munter, 
stark’, air. alim ‘náhren’. — vgl. 
alað, aldin, aldinn, aldr, alstr. 





ála 


5 


alfr 


eldi i, ellri, elska, cell, gld und 
glnir. 

-ála ‘gestreift’, in den pferdenamen 
bleikdla, kengdla; vgl. aúch dlóttr; 
abgeleitet von dll 3. 
alað n.' ‘unterhalt, speise’, und mit den- 
talverlust in alidýr ‘haustier’, alibjorn 
‘zahmer bár’ — vgl. ala und eldi 1. 
Álarr m. Pn (< germ. *A öal-harjaz) — 
zusammengesetzt aus aÖal und herr. 
albogi, almbogi m ‘ellenbogen’, vgl. 
plnbogi. 

alda f 'welle’, auch ‘talsohle, durch welche 
ein bach fliesst’, nisl. nnorw. fár. 
aschw. alda, adá aldœ. Daneben aber 
auch nnorw. dial. olda, nschw. dial. 
dlla, ádá. aalde, olde ‘gefáss, trog’. 
Als bedeutungsentwicklung nimmt 
Lidén, GHÁ 10, 1904, Nr 1, 1-25 an: 
‘grosses gefáss, wohl aus einem baum- 
stamm angefertigt’ > ‘trogförmige 
vertiefung im boden’ > ‘wellental’. 

> ‘(grosse oder kleine) welle’ (nicht 
recht uberzeugend). — > finn. aalto, 
weps. ald ‘welle’ (Thomsen, SA 2, 168, 
Setálá, FUF, 13, 1913, 353, Karsten, 
FMS 2, 1934, 46); > lpN aldoh, dltuh 
‘meereswellen’ (Qvigstad 88); daneben 

> finn. allas ‘trog, wassergefáss’ 
(Lidén z.a. S. 9).—ae ealdoð, aldot, aldaht 
‘trog, wasserrinne’; nhd. dial. alden 
‘furche, vertiefung im ackerfelde’. — 
asl. ladiji ‘kahn’, lit eldijd ‘flusskahn’ 
(WP I, 92). — Falls man alda ‘welle’ 
von alda ‘trog, topf’ trennt, kann man 
das erste wort an lat. altus ‘hoch’, air. 
alt ‘ufer’ ankniipfen. Vgl. aber dagegen 
Lidén z.a.s., dessen eigene etymologie 
(zu aschw. alda ‘fruchttragende eiche’ 
und weiter zu aldin) auch wenig 
glaubhaft ist. 

Aldeigja ON; entstellt aus russ. Ladogd, 
vgl. finn Aaltoka zu aalto ‘woge’. 
aldin, aldini n ‘baumfrucht’, nisl. 
aldin, fár. aldin, aldan ‘baumfrucht’. 
aschw. aldin, aldon, aallan, nschw, 
ollon ‘eichel’, ndá. olden ‘frucht der 
buche oder der eiche’; vgl. norw. 
alda f. ‘baumfrucht’, aschw. alda 
‘fruchttragende eiche’ — gr. ftXOu, 
áXðaCvco ‘heilen’, SXOopai ‘wachsen, 
heilen’, ai. rdknóti, fndddhi, fdhdti, 
rdhyati ‘gedeihen, gelingen, gelingen 
machen’ (C.C. Uhlenbeck, IF 25, 1909. 
Í44). Dieser stamm ist eine dh- erw, 
zu ala (s.d.); dieses sufiix deutet 
die vollzogene handlung an (W; P, 
Lehmann, Lang. 18, 1942, 126). 
aldinn 1 m ‘frucht’, s. aldin. 

—-2 adj. ‘gealtert, alt’ (urspr. Paxtz. 
prát.); fiir gramm. wechsel mit elli, 
ellri s. Noreen § 317. — nisl. aldinn 
(s. C. C. Uhlenbeck, IF 25, I909, 144). 


— ae. eald, afr. ald, old, as. ald, ahd. 
alt, got. alþeis ‘alt’, usalþans ‘alters- 
schwach’. — fraglich ob zu lat. altus 
‘hoch’, air. alt ‘ufer’. — vgl. ala, 
alda, und aldr. 

aldr m ‘alter, leben, zeit’ (s. fiir die bed. 
entw. W. H. Vogt, PBB 58,1934,11-18) 
(< urn. *aldraR), nisl. fár. aldur, 
nnorw. alder, nschw. dlder, ndi. alder. 

— ae. ealdor, afr. alder-, as. aldar, nnl 
ouder-, ahd. altar ‘alter’, got. framaldrs 
‘bejahrt’. — air. altram ‘nahrung’, 
altru ‘pflegevater’ — Mit ro- Aufiix 
aus einem stamm *alþa- gebildet, vgl. 
ala und weiter -aldra, aldri, elda 2, 
eldi 3, eldri, elli, forellrar und gld. 

-aldra in zss. wie jafnaldra ‘gleichaltrig’, 
miðaldra ‘von mittlerem alter’ — 
vgl. aldr. 

aldri adv. neben aidrigi(n) ‘irgend 
einmal, niemals’, nisl. aldregi, aldrei, 
nnorw. aldri, fár. aldri{n), nschw. 
aldrig, adá. aldrigh, aldree, ndá. aldrig 
— Zusammengesetzt aus aldri (dat. sg. 
von aldr) und part. -gi. 

aldriag n. ‘tod’ eig ‘das niederlegen des 
lebens’. Daneben aber die bed. ‘lebens- 
gestaltung, leben’ in Sig.sk. 5, oðenbar 
entl. aus as. aldrlagu ‘leben’ (W. Mohr 
ZfdA 76, 1939 . 194 ). 

Áleifr m. Pn. vgl. Oláfr. 

alemandel, almandr m. ‘mandel’ (nur 
anorw in NL.) < afrz. almande, vgl. 
lat. amandula — vgl. auch amendas- 
hnot. 

alenda f ‘ungemach, miihe’ (< *al- 
henda); zusammengesetzt aus al und 
h gnd. 

alf- 1. teil von Pn. wie Alfdis, Alfheiðr, 
Alfhildr. Auch aussemordisch wie Al- I 
farr neben ae. Ælfhere, -ahd. Albheri;! 
Alfgeirr, adá Al{f)ger neben ae Ælfgdr.l 

— auch wgerm. Albruna, Albofledis,\ 
Albwart. u.a. — vgl. alfr. 

Alfheimr l ON.; der 1. teil alf bedeutet 
‘kiesschicht unter der ackererde’, vgl. 
nschw. alv, dá. dial. alben — lat. albus 
‘weiss’ — vgl. alfr, elfr und glþt. 

— 2 myth. name fiir die Albenwelt, vgl. 
alfr und heimr. 

Alfifa f Pn. < ae Ælgifu. 

alfr m ‘albe, elf’; nisl. álfur, nnorw alv, 
fár. alvur, elvur, aschw. alf, adá elv. — 
ae. ielf, eelf (> nhd Elf, im i8,iht. iiber- 
nommen), mnd. alf, nhd. alp ‘mare,| 
alp’. — Am besten zur idg. Wal. *ctlbh 
‘giánzen, weiss sein’ zu stellen (Wad- 
stein, Fschr. Bugge 1892. 1526) und, 
also ‘weisse nebelgestalt’; vgl. die 
geogr. namen Albion und Alpes; ahd. \ 
alba ‘insektenlarve’, nnl. elften ‘enger- ’ 
linge’ neben nnorw. alma ‘engerlinge’. 
Aber die schon von A. Kuhn, KZ 4, ] 


a. 




1855. iio aufgestellte verbindung mit 
ai. fbhu- ‘kunstfertig, kiinstler’ ver- 
dient im iichte neuester religionsgesch. 
forschung noch immer ernstliche er- 
wagunp. - — vgl. alpan, elfr und Qlpt. 
Die zusammensetzung alfkarl m. 
'mánnl. alb’ ist in der form alcaille 
‘totengeist’ ins Irische iibemom- 
men worden' (s. Marstrander, NVA 
1927, Nr 4). 

Alfr m Pn., vgl. run. schw. Aulfr (< urn 
“AþawulfaR). — ae ÆOurulf (wahrend 
die Form Aþulf nord. lehnwort ist, s. 
Björkman 306), nhd. Adolf; schon got. 
Athavulfus (Schönfeld 35) — zusam- 
mengesetzt aus aOa- (vgí. aOal) und 
ulfr; vgl. auch AOils und An 1. 

Aiígðr m ‘AUvater’, Name fiir Odin 
(daneben auch Alfaðir ); stimmt auf- 
faUend zu air Oll-athair, beiname des 
gottes Dagdae; nur tritt der i.teil in 
der form al- (s.d.) auf. 

Ali 1 oder ÓU, mPn. — aschw. Ale —• 
ae Onela, ahd Analo, wgot. Anala 
(stammvater der Goten, s. Schönfeld 
19); gehört weiter zu mhd enel ‘gross- 
vater, enkel’, abgeleitet von ahd. ano 
‘grossvater’ (nhd ahn) und ana ‘gross- 
mutter’. — lat. anna ‘saugende frau’, 
anus ‘alte frau’, gr. ávti, áwtc ‘gross- 
mutter’. lit. anýta ‘schwiegermutter’, 
apr. ane ‘grossmutter’, arm. han ‘gross- 
mutter’, lett. annai ‘mutter’ — vgl. 
Aki und óláfr. 

— 2 m Pn, Name eines Gottes, gewöhn- 
lich als nebenform zu Váli (s.d.) 
betrachtet. 

álikr adj. ‘áhnlich, gleich’ — ae. onlic, 
mnd. angelik, ahd. analih; zusammen- 
gesetzt aus á und glikr. — Weniger 
wahrscheinlich nach A. Kock, PBB 15, 
1899, 253, á in schwachtoniger silbe 
< ei < a ’immer’. 

alin f ‘eUe', nisl. fár. alin — > lp N 
állan ‘elle’ (Qvigstad 89). — vgl gln. 

aljamarkiR. run.norw. K&rstad c. 400. 
eig ‘der mann aus einem andern land, 
fremdling’; (nach I. Lindquist, Fschr. 
Pedersen 1937, 323-333 ein alter 

i-stamm); vgl. gall. VN. Allobroges zu 
*mrog ‘Iand’. — Zs. aus alja (vgl. 
elliga) und mQrk 2. 

alka f ‘meervogel, alca’, nisl. fár álka, 
nnorw. alka (daraus entl. nschw. alka, 
ndá. alke) — > shetl. wolki, wolkek 
‘alca’; > orkn. ak ‘lomvia troUe’; > 
IpN alkko ‘alca’ (Qvigstad 89; nach Bj. 
CoUinder, APhS 7, 1932, 215 < alku); 
> ne. auk. — ae. ealce ’alca’ — mit in 
tiemamen gebráuchlichem k- Suffix 
(vgl. haukr, kráka, máki, vákr und got. 
ahaks) aus *ala- *alla-, vgl. aschw. 
alle, alla, all, ala, al (daraus finn. alli 


thirnn fí’VQ 

‘fuligula glacialis’ Setálá, FUF 13, 
1913, 356), nschw. atfigel, nisl. hávella 
‘fuligula glacialis’ — kymr. alarch 
‘schwan’ (mit á-sufiix, neben idg g in 
alka\), weiter lat. olar ‘schwan’, gr. Dii 
‘sumpfvogel’, éXúpio; ‘wandervogel, 
mir. ela ‘schwan’, vgl. auch lat. alcedo, 
gr. áXxóov ‘eisvogel’ 

Unter hinweis auf elptr, glpt 
kann man auch diese vogelnamen 
auf eine idg. wzl. *el, *ol ‘farbe- 
bezeichnung’ (vgl. elgr) zuriick- 
fiihren. — Man verbindet auch mit 
einer homonymen wzl mit der bed. 
‘schreien’, vgl. unter jalmr. 

&U 1 m ’aal, muraena anguilla’, nisl. áll. 
fár. álur, nnorw. aal, aschw. ö/, nschw. 
il, ndá. aal. — > Ip. oalla ‘ds’ (Qvig- 
stad 250). — ae. csl, afr. ll, as. ö/, nnl. 
aal, ahd. ö/ ’aai’. 

Etymologie unsicher: 1. dasselbe ) 
wort wie áll 3 (Uhlenbeck, PBB 
35, 1909, 162). — 2. aus idg *ldlo- 
‘fresser’, also zu eta 2 (E. Schröder, 
ZfdA42,1898,63). — 3 zu ai. ilam 
‘laich’, vgl. nnorw. dial. ulka ‘an- 
haftender schleim’ (Loewenthal 
WS 10, 1927, 144). i 

— 2 m ‘sprössling, keim’, neben óll 
(<germ. *anhla-) ; nnorw aal, nschw. 
dial. il, gotl. ö/o; vgl. norw. dial ange 
‘keim, spitze’. — > finn. aaluat 
‘schösslinge von getreide’ (Karsten, 
FMS 2, 1934, 57-8). — ai. ankuri 
‘sprössling, keim’ — vgl. ál. 

— 3 m ‘wasserrinne; streifen am rucken 
eines tieres’, nisl. áll ‘ds’, fár álur 
‘schmaler wasserlauf’, norw. aal, nschw. 
il ‘schmaler streifen am rucken eines 
tieres’. — > shetl. ol ‘feldstreifen, 
furcheim meeresboden’ (Jakobsen 584); 

> Ip. oalle ‘der tiefste teil eines fluss- 
bettes’, oales ‘furche an der unterseite 
des schneeschuhs’. (Qvigstad 250). — 
ai. Sra ‘höhlung’, lit uoll ‘höhle’ (E. 
Lidén, SHVS Uppsala 6, 1897, 82). — 
vgl. œla. 

— 4 m. nur in soöáll ‘fleischgabel’ 

(< germ. *ahxvála-; fiir die einsilbige 
form s. E. Olson, ANF 31, 1915, 8 und 
H. Pipping, SNF 12, 1921, Nr 1, 25). — 
ae. ðwel ‘haken, gabel’, egle ‘áhrenspit- 
zen’, ahd. ahil ’ds’. — lat. oculeus 
‘stachel’, kymr. ebill ‘bohrer’. — 
1 -Erw. der idg. wzl *aku-, diese selbst 
wieder aus *aÉ vgl. akka, ax und egg. 

— 5 m. nur in ON wie Ullaráll, Asarall, 
vgl. aschw. pl. Alir, nschw. Ale (in 
den meisten fállen wohl ds. wort wie 
All 3 in der bedeutung aschw il ’lang- 
ausgedehnter höheriicken’. s. M. Eriks- 
son, NB 24, 1936, 139-150); in ver- 
bindung mit göttemamen eher ‘heiliger 



AUi 


7 


alvara 


Ort'. — got. alhs, ae ealh, as. ahd. alah 
‘tempel’; vgl. germ-lat Alcis ‘zwillings- 
götter' (vgl. Johanssón, ANF 35, 1919, 
1-22, der gr. ’AXxiSoti, 'AXxíwmj ver- 
gleicht); daneben ae. ealgian ‘verteidi- 
gen' — gr. áXx7) ‘wehr, kraft’, áX-aXx-civ 
‘abwehren', áXxi|xo<; ‘stark, wehrbax', 
áXi£u ‘abwehren’, ai rákSati ‘hiiten, 
schiitzen’, lit. elkas, alkas ‘heiliger hain', 
lett. elks ‘götze’. — vgl. alu und elgjar. 
Alli m PN. — vgl. ogot. Alla, ahd. Allo — 
Koseform zu einem namen mit ala-. 
allr ‘all , ieder, nisl. fár. allur, nnorw. all 
gotl. aldr, aschw. alder, nschw. all, 
ndá. al. —- got. a lls, ae. eall, afr. as. ahd. 
all (mit u < Ih wie in fullr, s.d.). In 
zss. ala-, v gl. schon urgerm. Ala-eabiae. 
Ala-teiyia ‘göttinnennamen . ygl. alj — 
air! oll ‘gross, umfassend’, lat. allers 
‘‘gelenrt '. — vgl. '<>llUHgtS. - 

afmanar m ‘mandel’ < me. almande. — 
vgl. alemandel. 

almbogi m ‘eUenbogen’. — vgl. Qlnbogi. 
almr m ‘ulme; bogen'; nisl. álmur, fár. 
almur, nnorw. nschw. alm, ndá. elm 
‘ulme’. — > ne ON Almholme (Ek- 
waU 7) und wohl auch in ne. aum 
(-tree ) (Thorsen 53). — ae. elm, ahd 
elm (- boum); daneben abl. ae. ulm-treow, 
mhd. ulmboum, nhd. ulme, mnd. nnl. 
olm. — lat. ulmus, < *lomos, *lmos 
mir. lem (< *lmo-; s. Stokes, BB 9, 
1885, 90); beispiel der ital. germ. kelt. 
spracheinheit vgl. Krahe, Sprache und 
Vorzeit S. 80; gehört zur idg. wzl. 
*el, ol ‘graugelb'. —vgl. elri, Embla. 
Auch als i.Teil in PN. wie Alm- 
geirr, Almsteinn, Almveig; hier 
aber wohl in der abgeleiteten bed. 
‘bogen’. Deshalb sehr fraglich ob 
hierzu gehören langob. Almaricus, 
ahd. Almisinth (so Naumann 79-80) 
almúgi, almúgr m ‘das gemeine volk’, 
nisl. fár. almúgi, nnorw. dial. aalmuge, 
aschw. almöghe, almúghe, nschw. all- 
moge, ádá. almuge, ndá. almue. — > 
shetl. wolrne, wilme (Jakobsen 1019); 
> lpN almug (Thomson, SA 2, 170).—- 
vgl. allr and múgi. 
almusa f. ‘almosen’ —vgl. Qlmusa. 
úlóttr adj. ‘gestreift'. — vgl. áll 3. 
alpan f ‘törichtes benehmen’, vgl. nisl. 
alpast ‘sich wie ein narr benehmen' — 
möglich zu der idg. wzl. *al- ‘planlos 
umherschweifen’, vgl. gr. áXáopai, 
áXáivu ‘umherschweifen’, -f)Xaívo) ‘wahn- 
sinnig sein', lit. alpstu, alpti ‘in 
ohnmacht fallen', lett. aluðt ‘umherir- 
ren’ (A. Jóhannesson, KZ 67, 1942, 
223); aber sonst keine germ. entspre- 
chungen. VieUeicht eher intensivbU- 
dung zu alfr und dann eig. ‘von einem 
'alb betört’ ? 


alpt f ‘schwan’. — vgl. Qlpt. 
alr m. ‘ahle, pfriem’, nisl. alur; vgl. 
nnorw. ale ‘kleine stange zum fisch- 
trocknen' — > ae awul, awel, ne 
awl ‘ahle’. — æ. eal und von germ. 
*ala- abgeleitet: ahd. alasna, alansa, 
nhd. alse, else, mnd. else(ne), nnl. els 
(got. *alisna kann aus frz. alene, it. 
lesina, sp. alesna erschlossen werden). 
Daneben mit langem vokal: ae. eel, 
ál, ahd. ála, mnd. ál, 'ahle’. — ai. 
árá ‘ahle, pfriem’. — Die wörter finn. 
ara, lp uairr, tsch. verei, ung. árr weisen 
vieUeicht auf ein wanderwort aus einer 
nicht-idg. sprache Klein-Asiens hin 
(V. Brendal, APhS 3, 1928, 1-31). 
Alrekr mPN.; aschw. Alrik — wgot. 
Alaricus, afránk. Alrih (Schönfeld 9- 
11), wohl hauptsáchlich aus d ;m 
Siidgerm. entlehnt (A. Janzén NK 7, 
* 947 » 134 )- 

alrl n ‘erle’. — vgl. elri. 
altarl m. n., auch alteri, altara 'altar', 
nisl. altari, fár. nnorw. altar, aschw. 
altar(e), nschw. altare, ndá. alter. — 
< as. altari, oder afr. altare (vgl. Wad- 
stein, Norden och Vást-Europa 151-2), 
vgl. ae. alter, ahd. altári, alteri, mhd. 
altar, alter, nnl. altaar, outer. Das germ. 
wort < mlat. áltáre ‘erhebung, gewöhn- 
lich mit altus ‘hoch’ verbunden, aber 
nach HeUquist 15 eher zu ai. alátam 
‘feuer'. 

alu run. wort in zahlreichen inschriften 
der völkerwanderungszeit (s. Krause 
Nr 12). Vielleicht noch bewahrt in 
Qlrúnar, etwa mit der bed. ‘tabu’ (s. 
Krause, Schr. Gel. Ges. Königsberg 9, 
1932, 69-70), wiewohl hier auch das 
wort qI 'bier' möghch ist, und in PN 
wie Qlmóðr, Qltirr, Qlver. 

Die erklárung von alu als neben- 
form zu *aluh-, das mit got. alhs 
‘tempel’ verwandt sein soU (vgl. 
áll 5) ist mit recht von Marstran- 
der NTS 8, 1937, 496 abgewiesen. 
— Wenig ansprechend mit Rooth, 
Altgerm. Wortstudien 9-10 zu ala, 
etwa in der bed. ‘fördem, stárken, 
schiitzen’ (s. Jakobsen-Moltke sp. 
629-630). — Polomé, La Nouv. 
Clio 6, 1954, 40-55 vergleicht heth. 
álwanzahh ‘bezaubern’, alwanzatar 
‘zauber’, und weiter gr. áXóo> 
‘ausser sich sein’, lett. aluót ‘hin 
und her schweifen’. Damit dann 
auch qI zu verbinden. 
alúð, Qlúð f ‘giite, freundlichkeit', nisl. 
alúð; aus alhugð (mit derselben entw. 
wie ástúð ‘Uebe’, illúð ‘bosheit’. — vgl. 
al- und hugða. 

alvara f ‘emst, wohlwoUen’, nisl. alvara, 
nnorw. aalvora, aschw. alvar(a), nschw. 



alvitr 


8 


amstr 


allvar, ndá. alvor; vgl. auch Qlvcerr ametta f 'leinenes kopftuch’ < mhd. 
‘wohlwollend’. dessen langer vokal amitte < lat. amictus ‘umwurf’. 

zu ahd. ala-w&ri 'ganz wahrhaft, amla f ‘gehebte, freundin' (spát bezeugt) 
freundlich', got. alla-wlrei ‘redlich- < afrz. amie. 

keit’ stimmt. — Vielleicht entl. aus Amlóöi m. ‘name der dánischen sagen- 
mnd. alwár (Höfler, ANF 48, 1932; 18). figurHamlet ; adá latinisiert: Amlethus, 

—- vgl. al- und vár 3. und glvarr. Ambletus, Anletus. — Der isl. name ist 

alvitr f 'ubematurliches wesen, walkure, wohl an das wort nisl. amláði, nnorw. 

schwanenmádchen’. —- ae. œlwihte. amlod ‘trottel’ angeglichen, das ztí 

Wáhrend Siévers, PBB 12, 1887, 488 amla gehören wird (vgl. ama 2). 

das wort als alvitr auðasst und aus Daher bleibt die deutung des namens 

germ. *alja-wihtiz ‘wesen aus der ungewiss. 

anderen welt’ ableitet, denkt S. Bugge Kemp Malone, RES 3, 1927, 

an entl. aus ac. elfete ‘schwáne’ mit um- 257-271 (und 4, 1-10): aml-óði = 

deutung, und E. Wessén, Fschr. Ðugge der wiitige Ali oder Anale, d.i. 

175 erklárt das wort wieder aus *alfitr der Onela des Beowulf-epos! — R. 

‘unsynkopierte form von elftr, elptr Meissner, IF 45,1927, 370-94:‘der 

‘schwan’; B.M. ólsen, ANF 39, 1923, sichraschaufunniitzesachenwirft, 

114-5 < *alf-vitr ‘weisses nebeíwesen’ also amla und óðr. — Nordfeldt, 

(wenig wahrscheinlich). SSUF 1927, 55-94, entlehnt aus 

Alvgr f PN. vgl. langob. Alwara und ae. Hamelod zumZw. hameltan ‘ver- 

daneben wgot. Alvarus. — vgl. alvára. stiimmeln’. — E. Bergdal, SSN 10, 

Álpf f. P.N. — vgl. ólgf. 1929, 159-75 aus am ‘asche’ und 

ÁlQSt f ON. ‘Alsti'. Nach M. Olsen, MM lóði > loði, also eine art aschen- 

1909, 92-3. zusammengesetzt aus áll 1 puttel; dagegen Kemp Malone, 

und vQzt. ibid. 138-41. — A. E. Kock, NN 

ama 1 f ‘grosse tunne’, nisl. áma, fár. § 3221 (1940) liest ámloði > ámr 

amma, nnorw. ama, ndá ame; vgl. und loði ‘der einen dunklen pelz 

nschw. ám. — < mnd. áme ‘mass’, hat’. — A Jóhannesson, Fschr. 

das wieder < mlat. ama ‘weinfass’, E. Amórsson (1940): am und loði 

gr. S(iT) ‘wasserfass’. zu nisl. lydda , also ‘untátiger 

— 2 schw. v. ‘belástigen’, nisl. ama ‘ds’, mensch, der árger verweckt’. 

nnorw. ama 'andringen', ama seg ‘sich amma f ‘grossmutter', nisl. amma, fár. 
anstrengen’, amla ‘sich abmiihen’, fár. omma ‘ds', nnorw. aschw. amma, ndá 

amasl ‘belástigen'; vgl. nisl. ami ‘qual, amme 'amme’. •— ahd. ammá ‘amme’. 

verdruss', amstr ‘anstrengung’. — ahd. — Urspr. ein lallwort wie gr. áppác, 

emiz, emaz ’bestándig’, emizzig ‘emsig’. áupla ’amme, mutter', vgl. lat. amita, 

— gr. époiio? ‘plagend’, ai. amiti ‘dringt alb. ame ‘tante’ (WP I, 53). — vgl. 

an, bedrángt’, ámati'btár'áxigt',amatras móna. 

‘fest', — vgl. amstr und Jamti. ampli, ampulli, ampullr m. und am- 

amalera scnw. V. 'emaillieren’ (spát. pulla f ’fláschen' (spát in christl. 
bezeugt) < afrz. esmailler, das selbst schriften), nisl. ampli m. aschw. ampul 

wieder aus fránk. *smalt zu smeltan m, ampla. í. — wohl aus mnd (s. Höfier, 

‘schmelzen' entlehnt wurde. ANF 47, 1931, 263), vgl. nnl. ampel, 

Amba f PN, Kosename von Arnbjorg. ae. ampeUe, ahd. ampla, ampulla, mhd 

aniban f ‘Lohn’, vgl. Qmbun. 'ampel' < lat. ampulla ‘fláschchen’. 

ambátt, ambótt f‘magd, kebsweib’, nisl. ámr ‘rostrot, dunkel', nur poet., auch 
ambdtt, aschw. ambut, ambot, -ambat als fing. PN Ámr — ae öm ‘rost', ðme 

‘leibeigene’. — > me. ammbohht ’dienst- ‘ausschlag, entziindung’, nhd. dial. 

magd' (Björkman 26). —- ae. ambiht, ahm, ohm ‘kornbrand, rotlauf’. — 

embiht, ymbiht m. 'diener', n. 'amt’, Zweifelhaft der nord. form wegen ist 

as. ambahteo, ahd. am baht, got. andbahts die etym. von F. A. Wood, Lang. 8, 

(umgebildet nach práp. and) ‘diener’; 1932, 213: <* ðzma zu ai. isas ‘asche, 

das germ. wort < gall. -lat. ambactus staub’, lat. arlre ‘trocken sein’, Sridus 
‘diener’. — vgl. embeetti. p^'trocken’. — vgl. ámusótt. 

Ambhqfði m, erdichteter PN. 'der zwei- amstr, Qmstr m. in der Zs. kornamstr 

köpfige’ (vgl. um und hQfuð); anders ‘heuschober’; viell. ds. wort wie nisl. 
M.OlsenMM 1937, !52-3. ambi kose- amstur, nnorw. amster 'miihe, beschwer- 

namen zu Qrn, also ‘der adlerköpfige’. de', vgl. ama 2 (also etwa ‘das zu- 

Ambi mPN, kosename von ArnbjQrn. sammengepresste'). 

amendashnot f ‘mandel’ (nur Karlam. Wenig ansprechend Holthausen, 

saga) < afrz . amande. —vgl . almandr IF 44, 1927, 192 zu gr. SpaXXa 

un d kne t-. - _ I arm. auran 'schober’ und Worterb. 

3(ArC^ ( ; a )jí N 

. .. / l\ v *■ k ' _ r - 



Ámundr 


9 


andvari 


s.v. < *jamustaR zu ai. yamati 
‘ zusammenhalten'. 

Ámundr m PN., aschw. Amunder, ada 
Amund — > ae Amund. — Nach Lind 
sp. 24 < Agmundr, Qgmundr-, oder aus 
urnord. *AnumundaR, vgl. Anarr. 

ámunr nur edd., wohl ‘begehrlich, íeind- 
lich’, eig. munr (d.i. 'begierde’) an sich 
tragend, vgl. mhd. ane-minne, nnl. 
aanminnig 'angenehm, lieblich’ (Sij- 
mons in Edda-komm. II, 15). Aber 
auch gedeutet ‘an etwas erinnernd, 
áhnlich', vgl. muna 1 (so B. M. Ólsen, 
ANF 9, 1893, 228 und H. Falk, Fschr. 
F. Jónsson 347-8). 

ámusótt f ‘rose’ (nur Sturl. saga; vgl. 
Falk und Reichbom-Kjennerud, MM 
1923, 86-96); nisl. ámusótt, nnorw. 
aamesykja 'beule verursacht durch eine 
insektenlarve’; vgl. schw. dial. ámblest, 
ndá, dial. ommebleest ‘an der rose er- 
krankt’, omme 'euterschwellung einer 
kuh'. — vgl. ámr (s. Falk MM 1910, 
105-6 und Torp. MM 1914, 86). Und 
dann zu ama 2 (also eig. eine jucken- 
erregende krankheit). 

an Konj. nach komp. vgl. en 1. 

Án 1 , auch ÁJfn, Ónn, mPN und Name 
eines Zwerges (Lind 24-6); nom. sollte 
heissen *Avinn (s. R.C. Boer, Hdb 
§ 195), umgebildet nach gen. Anar < 
*AwnaR < *aó(a)~ winaR; Zs. aus aða 
(vgl. Alfr) und vinr (s.d.) s. A. Janzén, 
NK 7,1947, 63; vgl. aber auch Anarr 
und Auðunn. 

— 2 práp, auch ón ‘ohne’ (und zwar 
schwachtonig án neben ón < ( 5 « < 
*&nu) ; nisl. án, nnorw. vón. — as. 
ano, afr. áne, óni, ahd. áno, ánu, ána 
‘ohne'; abl. got. inu. —ai. anu-, grSvcu 
‘ohne’, oss. aná (<*m-eu), vgl. toch. 
A ánu 'aufhören. 

Anarr m. name eines zwerges; wohl 
weiterbildung zu An 1, vgl. aber auch 
Ónarr. 

ánasótt f ‘altertumskrankheit’; falls 
ána g.pl. von ái (s. Láffler, ANF 3, 
1886, 188-9), vgl. ái. Aber nach Pip- 
ping. Inl. 161 ist ána g.pl. von *án, 
vgl. got aþn ‘jahr’ und dann zur idg. 
wzl*a/ ’gehen’, vgl. ai átati 'wandert’, 
lat. annus 'jahr’ (doch recht íweifel- 
haft). 

and- práf. 'entgegen’, nisl. fár. nnorw. 
aschw. adá. and-\ vgl. z.B. anddyri 
‘Túreingang’, nisl. anddyri, nnorw. 
anddyr (> shetl. andar, ander, onder 
'turöffnung’, brett oberhalb der tiir, 
Jakobsen 12). — got. and ‘entlang, 
iiber . . . hin’, ae. and-, ond-, as. and-, 
ant-, ahd. ant-, ent-, int- ‘entgegen' — 
lat: ante ‘vor’, gr. Svra, ávr£ 'gegen- 
liber’, ai. anti ‘gegeniiber', lit. ailt ‘auf. 


zu'. — vgl. Andaðr, enda 1, Endill, 
endir, endr, enni, Qmbun, Qndóltr, 
Qndugi, Qndverðr undschwundstufig: 
und 3, undingi, unz. 
andaschw. V 'atmen' (< germ. *anððn), 
nisl. íár, norw. anda, ndá. aande. — 
> shetl. ond, schott. end ‘atmen' 
(Flom, Infl. 39); > me. onden, anden, 
ne.dial. and, aynd, eynd (Björkman 
200). — ae ððian (< *anþðjan) ‘stark 
pusten’, éðian (< *anþjan) ‘atmen, 
riechen’. — vgl. andi. 

Andaðr, Anduðr, Qnduðr mPn; ahd. 
Anthad. — < urn. *Anda-haðuR ‘geg- 
ner’. — vgl. and- und hQðr. 
Andakrístr m. Volksetym. umbildung 
von Antichrist durch angleichung an 
práf. and-. 

andi m. ‘atem, wind, geist’, nisl. fár. 
andi, nnorw. aschw. ande. nschw. ande, 
anda, ndá. aande ‘atem’ — > shetl 
and, end, andi ‘gestank’; > schott. 
aynd (Flom. Infl. 26); > me. aand, 
aynd, oonde (Björkman 200). — ae 
oroð, oouð, orð (< *uz-anþ) ‘atem’, 
und ohne dental-suffix got. uzanan 
‘aushauchen’. — lat. anintus ‘seele, 
geist', anima ‘luftzug, hauch’, gr. 
Svspo? ‘wind’, ai ániti ‘atmet’, ánila- 
‘wind, atem’, asl. qchati ‘duften’, 
vonja ‘gesuch’, air. animm 'seele’, anál 
‘atem’ (IEW 38-9). — vgl. anda, 
angi 1, anna, Qnd 3 und Qnn 2. 
andlangr, auch: endilangr 'in seiner 
ganzen ausdehnung’, nisl. fár endi- 
langur, nnorw endelangs, aschw. and- 
langer — ae. ondlang, afr. ondleng, as. 
antlang, ahd antlengen, nhd. entlang .; 
daneben abl. afr. ondling. — wohl aus 
and- und lengja 2, etwa ‘entgegen- 
gewendet’ (s. E Sievers. Fschr. Böht- 
lingk 1888, 110 ff. der zur bed. ‘geráu- 
mig’ kommt). Anders G. Ehrismann, 
PBB 18, 1894, 233-5, der lit aplirik 
‘herum’, kurliHk ‘wohin’ (zu lihkti 
‘sich biegen’) vergleicht; vgl. lengja 1. 
andlit, annlit, n. ‘antlitz’, nisl. fár. 
nnorw. andlit, aschw. an(d)lite, nschw. 
anlete, ádá. andled(e), ndá. andlet. — 
ae. and-wlita, ahd. ant-lulti, ant-luzzi, 
ant-lizzi 'antíitz’; daneben got. anda- 
wleizn. — vgl. and- und litr 1. 
andr, andri m. 'schneeschuh’ — vgl. 
Qndurr. 

andrjá f ‘verwirrung’ (nur in Æv.); zu- 
sammengesetzt aus and- und hrjá. 
andsvar n. ‘antwort’; nisl. andsvar, fár. 
an(d)svar, aschw. ndá. ansvar. — ae. 
and-swaru, as. antswar. — vgl. and- 
und svara. 

andvari 1 m. ‘furcht, wachsamkeit’ — 
nisl. andvari 'vorsicht, sanfter wind’ — 
vgl. and- und varr. 



andoefa 


10 


annkvista 


— 2 m. name eiii.es zwerges und eines 
fisches. Wenn nicht ds. wie i (nach 
Gould, PMLA 44, .1929, 941 aus der 
bed. ‘sanfter wind’; abíer doch wohl 
eher ‘der vorsichtige') so mit Gering, 
Komm. 2, 164 ‘lebensschiitzer’, also 
aus gnd und verja. 

andoefa schw. V. ‘gegen wind und strom 
ein boot stillhalten’, nisl. andceva, far. 
andeva, nnorw. andeva. nschw. andöva — 
>■ orkn. andoo, shetl. dndú. — Neben 
der alteren erklárung von Torp, Fschr. 
Unger 1896, 171 aus *and-dœfa ‘das 
wasser leise schlagen’ (vgl. and- und 
dafla), steht die wohl richtigere von 
T. Johannesson, MASO 7, 1947, 117-149 
< *and-hoefa zu got. andhafjan ‘ent- 
gegenarbeiten’; vgl. auch nisl. and- 
hcefur ‘ungiinstig. schwierig’. 

anga 'duften’, nisl. fár. anga — vgl. 
angi 1. 

angan f ‘wonne, lust’ (nur edd.); nisl. 
angan ‘duft, arom’ — vgl. angi 1. 

Angantýr mPN, entstellt aus *Anganþir 
(unter einfluss des göttemamens Týr ? 
s. Noreen, § 241, Anm. 2); ae. Ongen- 
þlow, Angendeo, Incgenþéow, ahd. An- 
gandeo, Engindeo (vgl. E. Wessén, 
UUA 1927. Nr 3, 57-58). 

Angeyja f ‘name eines trollweibes’, etwa 
‘die der engen Insel ? — vgl. gngr und 
ey 1 . 

angi I m ‘duft, geruch’, nisl. fár. angi, 
norw.dial. ange ‘duft’; aschw. ange, 
nschw. dnga ‘dampf, dunst, luft’, ndá. 
ange ‘feuchter dampf’ — Erweiterung 
der idg. wzl. *an- ’atmen, hauchen’ 
(vgl. arm. anjn ‘seele, wesen’, Lidén, 
Arm. Stud. 38-9). —• vgl. andi und 
_angr 1. 

— 2 m ‘spitze, zacken’, nisl. fár. angi 
‘spitze’, nnorw. ange ‘zahn einer gabel’, 
schw.dial. ang ‘wurzelfaser’ — > orkn. 
ang, aan ‘spitzen an den áhren’. — ae. 
onga ‘spitze, stachel’, ahd. ango ‘stachel, 
fischhaken’, mhd. _anee~ 'iischhaken’, / 
—.vgí. egg 1, eng, gngull. 

angist f ‘angst’ (nur in Stjóm) < mnd. 
angest. — vgl. angr 2. 

angr 1 m ‘duft, geruch’ — vgl. angi 1. 

— 2 m. n. ‘sorge, verdruss, zom; siinde’ 
(diese bed. nur poet.), nisl. fár. angur, 
nnorw. aschw. anger, nschw. dnger, 
ádá. anger. — > me. ne. anger ‘zom’ 
(Björkman 200), schott. anger ‘elend' 
bedrángnis’ (Flom, Infl. 25); > finn. 
ange ‘bedrángnis, schwierigkeit’ (Kar- 
sten, GFL 100). — Alter M-stamm, vgl. 
aschw. ángsla ‘ángstigen’, ahd. angust 
‘angst’ (v. Unwerth PBB36, 1910, 7). — 
lat. angor ‘angst’, ai. dthhas ‘not’. — 
daneben w-stamm Qngr.; vgl. Angrbo- 
ða (unter boða). 


1 






— 3 m ‘bucht, fjord’, vgl. ortsnamen wie 
norw. Harðangr, Stafangr (s.o. Rygh, 
Fschr. Unger 1896, 68-78); schw. 

Harmdnger. — as. ahd. angar ‘anger, 
ungepfliigtes grasland’; vgl. wgerm. 
Volksname Angrivarii (Schönfeld 21). 

— gr. áf* 0 ? ‘tal’; aber Siitterlin, IF 45, 
1927, 307 zu gr váirrj, vánro? ‘waldtal’ 

— gramm. wechselform zu ál, vgl. 
auch eng. 

angra schw. v. ‘plagen, betriiben, be- 
reuen’, nisl. nnorw. aschw. angra, ádá, 
angre. —• > me. anngrenn, ne. anger 
(Brate, PBB 10, 1885, 32). — vgl. 
angr 2. 

Ani m PN. aschw. adá. Ane — ae. öna. — 
/iell. zu einem wort *ánn (< *aiwnaR) 
‘alt’ (s. Schlagerström, ANF 3, 1886, 
J 39)- vgl. tevin-; aber vgl. An. 

áning f ‘weiderast’ — vgl. áivangr und 
æja. 

ankannafult adv. ‘voll klagen’ (nur 
Kon.skuggsjá), gehört zu einem nicht 
iiberlieferten zw. *and-kunnan ‘an- 
klagen’ 

Die áltere erklárung aus norw. 
anka ‘klagen’, das selbst aus mnd. 
anken ‘stöhnen, seufzen’ entlehnt 
ist (vgl. okka) ist abzulehnen. 

Anki m PN. Kosename fiir Arnkell. 

anna schw. V. ‘ausfiihren, fertig bringen’ 
und annast ‘sich bemiihen, versorgen’, 
nisl. nnorw. anna, annast. — wóhl am 
besten mit T. Johannisson, MASO 4, 
1941, 27-9 aus einer grundform *anþön, 
zu der in inna und gnn vorliegenden 
wurzel. — vgl. ansa und enta. 

ann&ll m ‘jahrbuch’ (spát bezeugt) < 
lat. annáíis. 

annarr ‘anderer’ (pl. aOrir < *annriR); 
nisl. fár. annar; aber akk.form m 
nnorw, nochw. annan, ndá anden. — 
ae. öOer, afr. ðther, as. öðar, ahd. andar, 
got. anþar. — ai. antara-, lit. aAtras 
‘anderer’ — Komp. bildung mit suffix 
-tero- zu der idg. pron. wurzel *ono-: 
eno- (vgl. twn 1), kaum zur demonstra- 
tivpartikel *an ' ‘dort, andererseits’ 
(IEW 37). — vgl. pðrwvts. 

annkvista schwr. ‘versorgen’, (nurGrág), 
nisl. annkvistast neben antvistast; unter 
anlehnung an annast fiir ankvista < 
*andkvista, denom zu *andkvist < ur- 
germ. *andakwesti, eine síi-abl. zum 
zw. *andakweþan, das nicht im nord. 
belegt; vgl. aber got. andqiþan ‘spre- 
chen mit’, ae. oncweOan ‘antworten; 
widerhallen; protestieren’, as. antque- 
ðan ‘widersprechen’, ahd intquedan 
‘beantworten’. Die bed. entw. also . 
antworten > verantwortlich sein > 
sorgen fiir. (s. T. Johannisson, ANF 62, 
1947, 196-199)- 



annt 


11 


apynja 


annt, ant (in der redensart: es mér ant 
'es liegt mir daran’); neutr. zu einem 
adj. *annr ‘naheliegend’; vgl. anna 
und pnn 2 (s. T. Johannisson, MASO 4, 
1941, 26-7). 

ansa, anza schw. V. 'Sich kiimmem um' 
(< germ. *andasðn), nisl. nnorw. far. 
nschw. ansa, ndá. dial. anse. — > orkn. 
anse, shetl. ans. — daneben schw. dial. 
ansa, ndá cen(d)se , vgl. norw. dial. 
enda ‘beobachten, fleissig arbeiten’. — 
ae. andian 'eifersuchtig sein, beneiden’, 
as. andðn, ahd. an(a)dön ‘ds’; vgl. auch 
norw. dial. endig 'fleissig' und ae. 
andig ‘neidisch', mhd. endec ‘eifrig, 
rasch’; weiter zu ae. anda ‘groll, neid, 
zorn’, as. ando ‘kránkung, árger', ahd. 
anto ‘eifer'. — Diese gruppe gehört zu 
anna, inna und gnn (s. Johannisson, 
MASO 4, 1941, 29-32). — vgl. auch 
enta und enza. 

antefna f ‘wechselgesang, antiphon’. (nur 
Heil. mannasaga) < ae. antefn m < 
lat. antiphona < gr. ávriipwvT) ‘wechsel- 
gesang’. 

anza vgl. ansa. 

apaldr m ‘apfelbaum', nisl. fár. apaldur, 
norw. apall, aschw. apald, apuld, 
nschw. apel, ndá. abild. — ae. apuldor, 
œppuldre, as. apuldra (in ON; vgl. nnl. 
Apeldoorn) ahd. apholtra, mhd. apfalter \ 
mit dem in baumnamen háufigen suffix 
-dra zu germ. *apal 'apfel’ gebildet; 
vgl. epli. 

api m ‘affe, tor’, nisl. api, nnorw. ape, 
ádá abe; daneben fem. norw. fár. nschw. 
apa. — < ae apa oder as. apo (Fischer 
12); vgl. and ape, ahd. affo. — Das 
germ. wort stammt aus einer unbe- 
kannten sprache, wohl durch kelt. 
vermittelung (aber dann schon vor 
der Lautverschiebung ?), vgl. die kelt. 
glosse bei Hesych á^páva?, falls als 
*ápáva? zu lesen (s. Schrader, BB 15, 
1889, 287). — vgl. apynja. 

apli m ‘stier, ochs' oder 'pferd' (nur in 
þula); nisl. apli 'junges eines tiers’, 
aplakálfr ‘unreifes kalb, kalbfoetus’. 
Deshalb benennung nach der apfel- 
grauen farbe (vgl. epli) recht fraglich. 

appella, appellera schw. V. (spát be- 
zeugt) ‘appellieren, klagen' < mnd. 
appelléren oder afrz. apeller. 

apr adj. ‘hart, böse; sorgvoll’ (< *appr 
< *ampaR); nisl. fár apur, nnorw. 
nschw. amper. — >shetl. dber ‘scharf, 
begierig; zauberkráftig’, auch ampel, 
amper ‘scharf, begierig’; > schott. 
apert ‘tapfer’ (Flom Infl. 26). — nnl. 
amper ‘scharf, unreif’, daneben ae. 
ampre, nd. amper, ahd. ampfaro ‘amp- 
fer; rumex’. — wohl zu lat. amarus 
"bitter’, ai. amla- ‘sauer’, alb. émbl'é 


'siiss’, arm. amok * ‘siiss' (WP 1 , 179). — 
vgl. abbast und Qmurligr. 

aptan adv. ‘hemach' zuriick, wieder’, 
nisl. nnorw. aftan, aschw. aptan. — ae. 
aftan, as. aftan, mhd. aften ‘spáter’; 
vgl. got. aftana ‘von hinten' — Gebildet 
zu einer nicht iiberlieferten germ. práp. 
*afta ‘nach’; vgl. ept und aptr. 

aptann, eptann m. ‘abend’ (nach Noreen, 
IF 14, 1903, 40 ist eptann entstanden 
aus lautges. *eptinn nach anal. des 
dativs aptni, wáhrend aptann neubil- 
dung ist); nisl. fár. nnorw. dial. aftan, 
aschw. afton, aftan, aptan, nschw. afton, 
ndá. aften. — > shetl. apta ‘abend vor 
einem fest’ (Jakobsen 13); > lpN 
aktð, apto, afto ‘abend’ (Qvigstad 88). — 
Neben der skand. bildung *aftanþija- 
steht (wohl mit dentaldissimilation 
und dadurch bedingter vokaldehnung) 
*afanþiia-, áfanðija- im wgerm.; vgl. 
ae. afen (< *ában(ð)ia; neben angl. 
œften, s. E. Schwarz 229), as. áband 
(mit d statt 6 durch gramm. wechsel ?) 
afr. ivend, ioun(d), mnd. ávent^ nnl. 
avond, ahd. áband. — Die áltere er- 
klárung betrachtete das wort als eine 
(mit einem nicht náher bestimmten 
suffix gebildete) ableitung von einem 
germ. wort, das weiter zu lat. ob 
‘gegen, hin', opácus ‘der sonne ab- 
gewandt’, gr. tiA 'auf... zu, an, ðmoffc 
‘hinter’, 6<þé 'spát’, ónv >pa ‘spátsom- 
mer’, ai. apara, apáhc ‘ruckwárts, 
westlich’, api 'zu, bei’, Iit. ap ‘um, 
herum’, lett. ap- ‘um, uber’, air iar n- 
'nach’, arm ev 'und, auch’ (IEW 324). 
Befriedigender ist aber die von T. Jo- 
hannisson, MASO 5, 1943, 50-75 

gegebene erklárung: er betrachtet das 
wort als eine zusammensetzung von 
aft (vgl. aptan) und Qnn 2, also eig. 
‘zeit nach der arbeit’, ganz wie nnorw. 
dial. melonn ‘zeit zwischen pflúgen 
und emte’, nschw. dial. mella-anna 
‘zeit zwischen heumahd und ernte’ 
gebildet. — Davon wieder abgeleitet 
aptna, schw. V. ‘abend werden, 
dunkeín’. 

aptr adv. ‘zurúck, wiederum', nisl. íár 
aftur, nnorw. atter, att, aschw. apter, 
after, atter, nschw. dter, ndá. atter. — 
ae. eefter, as. ahd. aftar ‘hinten, nach’, 
got. aftra ‘wiederum’, aftarð 'von 
hiriten, rúckwárts’; wohí komp.bildung 
zu af, vgl. gr. áíttúTÍpcú ‘weiter ent- 
femt’, ai apataram ‘weiter weg’ (WP I, 
49). — vgl. af, at 3. ept und eptir. 

apynja, apinja f ‘áffin’, nisl. apynja, 
aschw. apinia (daraus finn. apina, 
apinja, s. Karsten, GFL 163). — 

Weibl. bildung zu api (s.d.) und zwar 
durch Zs. mit dem worte *winjðn 



12 


arfi 


ár 


'geliebte, gattin' (s. J. Lundahl. Fschr. 
Sahlgren 1944, x 3 )- wáhrend Kluge, 
Nom. Stammb. § 42 ein sufiix -unjön 
annimmt. wie in isynja, vargynja. 

ár 1 f, auch $r ‘ruder' (< germ. *airö), 
nisl. fár. ár, nnorw. aar, aschw ar(a), 
nschw. dra, dr, ndá. aare. — > shetl. 
worlek 'stuck eines gebrochenen ruders’ 
(Jakobsen 1021); > finn. airo, weps. 
air, estn. aer, lp. ajrro (Thomsen 2, 
169; SetáláFUF 13, 19x3, 355; Karsten 
GFL 129, FMS 2, 1934, 71-72); 

vtelleicht > lett. airis, Jit. váiras 
(Bezzenberger, BB 21, 1895, 305). — 
ae. ðr ‘ruder’. — gr. otfjtov 'steuer- 
ruder’, att. olai; (< *oisdk) ‘griff 
des steuerruders’, hom. otrjxEi; ‘die 
griffe zu beiden seiten des joches’ 
(IEW 298); dazu stellt E. Lidén, 
SHSU 6, 1897, 60-65 auch ai. isa 
deichsel’ (beweis fur idg. wagenbau, 
wie auch hjól, ok, roðull und gxull). — 
vgl. erði, œra 3, arðr -ceri 2 und 
œrr 2. 

— 2 n 'jahr; gutes jahr, fruchtbarkeit’, 
eig. ‘friihling’ (<germ. *jira-)\ nisl. 
fár. ár, nnorw. aar, aschw. ár, nschw. 
dr, ndá, aar. — ae. gear, afr. jér, as. 
ger, jár, ahd. j&r, got. jir ‘jahr’. — lat. 
hðrnus ‘heurig’ (< *hðjörinus, 'in 
diesem jahre’), gr. &po; ‘jahr’, 6pa 
zeit, jahreszeit, friihling’, av. y&rs 
‘jahr’, asl. jara ‘friihling’; wohl zur 
idg. wzl. *ii ‘gehen’ (IEW 296-7); vgl. 
eið und -weiter'hallari, misseri, eera 
2, ceri 1 und cerr 1. 

— 3 n ‘anfang’ (z.B. dr alda ‘vorzeit’); 
vgl. dr 5. 

— 4 n nur in árhjalmr ‘goldhelm, metall- 
helm’, wohl < ae. ár ‘bronze, kupfer’ 
Die nord. form. des wortes ist eir 
(entw. eir > ár in nebentoniger silbe 
ist wenig wahrscheinlich; s. E. Noreen, 
Studier i fomvástnordisk diktning x, 
1921, 47 - 54 )- — vgl- «*»• 2. 

— 5 adv. ‘friih’, nisl. dr, nnorw. aar. — 
> lp. drrad ‘friih’ (Thomsen 2, 162; 
Qvigstad 92); > me. &r, ör ‘friiher, 
eher’ (Björkman 200). — got. air 
(komp. airis), ae. cer, afr. as. ahd. ir. — 
gr. Ijpi (Komp. < *ájeri) ‘friih’, Ýjépioi; 
‘morgendlich’, áépiorov ‘friihstuck, av. 
ayare ‘tag’. — vgl. drr 2 und cer 2. 

árangr m ‘beschaffenheit des jahres, 
jahresertrag’, nisl. drangur ‘frucht, 
resultat’, nnorw. aaring. — Zs. aus ár 2 
und gangr. 

arbyst f ‘armbrust’ (spát bezeugt) < 
mnd. armbost. — vgl. armbrist. 

arðarleiga f ‘jáhriiche grundpacht’; Zs 
aus Qrd 1 und leiga. 

árdegis adv. ‘friih morgens’; adv. gen. 
aus dr 5 und dagr; der umlaut ist. 


wie in zss. wie umbhverfis oder samtýnis 
durch ;'a-stamm zu erkláren (s. Sturte- 
vant, MPh 25, 1927, 137. 

arðr 1 m ‘pflug, hakenpflug’ (wohl 
< germ. *ariþr s. H. Kuhn, KZ 71, 
1954, 141); nisl. arður ‘pflug’, nnorw. 
ard, aschw. arþer, nschw. drder ‘holz- 
pflug’. — > shetí. artree (< *arðrtré), 
erdros, orderus ‘pflugholz’ (Jakobsen 16, 
140 und 592); > finn. atra, aatra, 
aura, weps. adr. estn. adr. liv. adrs 
(Thomsen 2, 172; Setálá FUF 13, 1913, 
359; Karsten, GFL 147 und FMS 2, 
1934, 86). — as. erida ‘pflug’. — mit 
abw. bildung: lat. aratrum, gr. áporpov, 
asl. ralo, oralo, lit. árklas (< *ar9-tlo-), 
aer. arathar, arm. araur. — Bildung 
zum verbalstamm *ar- ‘pfliigen’, vgl. 
erja 2 (S. Meringer, IF 17, 1904, 121-2) 
und weiter erði und Qrð 1. 

Es ist afaer möglich, dass es im idg. 
keine wzl. *ar ‘pflugen’ gegeben 
hat, sondern dass der stamm *3^er 
(die J. Trier auch in ai. arya- 
‘freundlich, treu, vorhefflich’, eig. 
‘der volksgemeinschaft der árya- 
zugehörig wiederfindet) urspr. 
‘gabelholz’ bedeutet, und deshalb 
germ. *arjan eig ‘mit dem gabel- 
holz den txxlen bearbeiten’ be- 
deutet haben soll (s. PBB 67, , 
1944, 120-122). 

— 2 Suffix in einarðr ‘aufrichtig, frei- 
mútig’, zu verbinden mit mhd. art fm 
‘angeborene art, natur’. mnd art, 
mnl. aert ‘beschaffenheit, art’, ae. eard 
n ‘lage; schicksal’; zum idg. stamm *art, 
yt ‘zusammengefugt’; vgl. ai. fta- 
‘passend, recht’, rtam ‘heilige ordnung’, 
av. aia- ‘was recht oder wahr ist’, gr 
fiprio^ ‘angemessen, gerade’, lat. artus 
‘eng in raum und zeit’, ars ‘kunst, 
art und weise’, artus ‘glied, gelenk’. 
Der stamm *art- ist wieder eine t- erw. 
zu *ar- vgl. ai. aram ‘passend, genug’, 
gr. ápapfexco ‘zusammenfugen’, áp6pé< 
‘verbindung, freundschaft’. Daneben 
auch m- Erw, vgl. armr 1, wáhrend 
zur schweren basis *ri- zu vergleichen 
hundrað und rQð, mit dh- aw. ráð, 
und reeða und endlich zur wzl *rli-, 
ri- vgl. rim. 

arfl 1 m ‘erbe’, nisl. árfi, fár. shetl, arvi, 
aschw. adá. arve; vgl. run.norw. artija- 
no (Tune c. 400 vgl. Krause Nr 55). — 
got. arbja, ahd. arpeo, erbo ‘der erbe’, 
vgl. ae. ierfe n ‘das erbe’, as. erbi, ahd. 
arbi, erbi. — Nur kélt. vgl. air. orbe m. 
‘der erbe’ n. 'das erbe’, com-arbe ‘der« 
erbe’ (s. Krahe, Sprache und Verzeit 
s. 136). — iat. orbus ‘beraubt’, gr. 
ópipavói; ‘verwaist’, ai. arbha- ‘klein, 
schwach; kind’, arm. arbaneak ‘diener’. 


\ i w A d i-év 



13 


arfr ( 


arjosteR 


asl. rabú ‘knecht', heth. ar-pa-an akk 
sg. ‘ungliick’. — vgl. arfr i, erfi und 
armr 2. 

Das kelt. und germ. weisen zu- 
sammen die merkwiirdige bed. 
ánderung auf: verwaistes, recht- 
loses kind > erbberechtigtes kind’, 
eine folge einer grundsátzhchen 
ánderung der rechtstellung des 
waisenkindes. Deshalb glaubt Por- 
zig, Ghed. d. idg. Spr. (1954) 12l > 
dass das germ. wort mit der neuen 
rechtsanschauung aus dem kelt. 
entl. hat. 

— 2 m ‘vogelgras, alsine media’, nisl. 
arfi, fár. arvi, nnorw. schw. dá. arve. — 

> shetl. arvi, orkn. arva 'stellaria 
media’; > lp. arvak ‘ds’ (Qvigstad 93). 
— ae. earfan pl., ostfr. arf, arve ‘wicke’. 

.— lat. ervum ‘wicke’. — vgl. ertr. 

arfr 1 m ‘das erbe’, nesl. arfur, fár. arvur, 
aschw. arver, nnorw. schw.dá. arv. — 

> finn orpo (-lapsi ) ‘waisenkind' (viell. 
aus vorgerm. *orbho-, orbo-, s. Karsten, 
Fragen 37-8); > lp. arbbe (Thomsen 2, 
i7i,Qvigstad9i).—vgl. arfiiunderfi. 

— 2 m ‘ochs’, daneben auch ar/uni V 
Qrfuni (mit sufi. wie in lat. tribunus). — 
ae ierfe, arf ‘vieh, hornvieh’, inorf 
‘hausgerát’. — lit. arbonas ‘ochs’ (wenn 
nicht germ. lehnwort). — vgl. erfiði 
und fiir das suffix in arfuni vgl. -uni. 

Mehrere erklárungen. 1. zu arfr 1 
(Sievers, PBB 12, 1887, 176-7), 
vgl. auch die bed. von ae. inorf; 
dann also eig. ‘erbbesitz'. — 2. zu 
der sippe von *ar ‘pflugen’ (Me- 
ringer, I F 17, 1904, 128), also ‘der 
pflugochs’, eine bed. die zum 
suffix uni gutpassen wiirde; vgl. 
erja 2. — 3. zu ai. arpayati 'an- 
bringen, anlegen', also eig. ‘ge- 
spann’ (Wood, MLN 21, 1906, 39). 
— 4. zu iarpr 'braun’ (Peterson, 
PBB 40, 1915, 97-101); wenig 
ansprechend. 

argr adj. ‘feige, unmánnlich; unsittlich 
(zur bedeutungsentw. s. Weisweiler, 
IF 41, 1923, 16-27); daneben mit 
metathese ragr ; nisl. fár argur, nnorw. 
arg, aschw. argher, nschw. ndá. arg 
‘böse’ — > shetl. arg, erg ‘begierig’; 

> finn. arka, estn. arg, Uv. árga, lp. 
argge ‘feige' (Thomsen 2, 171; Setálá 
FUF 13, 1913, 358; Karsten FMS 2, 
1934, 82). —ae. earg ‘feige, tráge, böse’, 
afr. erg, as. arug, ahd. arg, arag ‘geizig, 
feige’, mnd. arch, arich 'schlecht’, lang. 
arga 'nichtswiirdiger faulenzer’. — 
gr. ipxéoi ‘erregen, bewegen’, ai. rghá- 
yati ‘beben, zittern’, av. trsghant ‘böse’ 
Ut. arlús liisteriF (IEW. 31 Q).- Eine 

•mögUché etymolögie, die jedenfaUs den 


vorzug verdient vor J. Loewenthals 
ankniipfing an gr. ðpybq, ‘after’ (PBB 
54, 1930, 157). Siitterhn, IF 45, 1927, 
307 vergleicht ai. yhánt- ‘schwach, 
klein’; aazu noch toch AB erkát 
‘geringschátzig’ ? —vgl. ergi, ergjast, 
erta, Qgurr 2 und grgumleiði. 
arl m. ‘adler’, auch PN; nisl. ari, nnorw. 
are, aschw. ari. — got. ara, ahd. aro 
‘adler’ — gr. 8pvi« ‘vogel’, asl. orilú^ 
lit. erílis, lett. érglis, air. irar ‘adler’, 
arm. oror, urur ‘möwe’ (IEW 325-6). — 
vgl. Qrn und vieUeicht jarl. 
arinn m ‘eine zum opfer bestimmte j 
feuerstátte, herd’, vgl. auch den PN ; 
Arinbjorn; die form arinn statt *erinn 
wird als analogie nach dat. arni erklárt 
(Noreen IF 14, 1903, 401; aberweshalb 
gerade nach dem 3. fa.ll ?); run. norw. 
aRina' brandaltar ?' (By 550-600; Kram 
se Nr 62), unsicher sowohl der bedeu- 
tung nach, als auch wegen des R, denn 
weshalb fehlt dann der R- uml aut p 
(s. Hj. Lindroth, NB 3, 1915, 84);fnlsr 
arinn, fár. árnur, árni, nnor wr-laare, 
aschw. arin, œrin, nschw. aril (H. Pe- 
dersen, KZ 32, 1893, 258), ndá. 

arne. — > finn. arina ‘herdstein, 
klippe’ (Thomsen 2, 171; Setálá FUF 
13, 1913, 358; Karsten FMS 2, 1934, 
81); > lp. áran 'feuerherd' (Qvigstad 
91); > shetl. orn ‘herd, herdstein' 
(Jakobsen 593); > schott airinn 

(Henderson 113). — ahd. arin, erin 
'fussboden, tenne’, mhd. ern ‘hausflur’ 
mnl eren ‘hausflur, tenne’ (diese wörter 
werden auch, aber wenig wahrschein- 
lich, als entlehnung aus lat. arend 
betrachtet). — Falls man als grundform 
*azina- ansetzt, kann man vergleichen 
lat. área 'freier platz, dreschtenne’, 
ára (alat. asá) 'aufbau zuin opfer, altar', 
Ut aslá ‘steindiele’ (vgl. Reichelt, 
KZ 46, 1914, 315-6 und fiir die bedeu- 
tungsentwicklung Th. Frings, Fschr. 
Behaghel 209). — vgl. aska und esja. 
Anders wieder Holthausen, KZ 71, 
1953. 55; der an gr. ápctpfoxu ‘zu- 
sammenfugen’ ankniipft, und das 
wort also zur Sippe von arðr 2 
stellt; wenig iiberzeugend. 
arjosteR npl. falls richtig gelesen in der 
norw. runeninschrift von Tune (sJht), 
und falls die deutung ‘vomehmsten' 
(Krause, Schr. Gel. Ges. Königsberg 13, 
1937. 539) das richtige tráfe, wáre 
superl. zu *arjaR ‘vomehm’ oder viel- 
mehr etwa ‘volksgenosse’ zu ai. arya- 
'das volk der Arier’, árya- ‘Arier’ vgl. 
ai. aryaman’ der gött der arischen 
gemeinschaftsbunde’ (G. Dumézil, Le 
troisiéme souverain); vgl. auch gall 
PN Ario-mánus und JQrmunr. 






arka 


14 


ars 


arka 1 f ‘kiste', vgl. grk. 

— 2 schw. V. langsam und beschwerlich 
gehen' (edd.); nisl. arka. — Nach Stur- 
tevant, SS. 17, 1943, 287-8 < * árnka, 
weiterbildung zu árna (s.d.); sonst 

,aber gestelt zu erja 1, ern und grr. 
árla, árllga adv, 'friih’, vgl. ár 5. 
ármaðr m ‘könighcher beamter, hof- 
vogt’ — > mir armand 'beamter’ 
(A Bugge, Fschr. K. Meyer 301). — 
zusammengesetzt aus árr 1 und maðr. 
armbrist f ’armbrust’ (in fornaldarsaga); 
< mnd. armbrust. — vgl. daneben 
arbyst. 

armingi m ‘armer, bettler’, < *arm- 
gengi. 

armr 1 m,‘arm’, nisl. far. armur, norw. 
arm, aschw. armber, nschw. ndá. arm. 

— got. arms, ae. earm, afr. erm, arm, as. 
mnd. ahd. arm. — lat. armus ‘der obere 
teil des oberarms, schulterblatt’, gr. 
&p6pov ‘glied’, ai irmas ‘arm’, av. 
arsma ‘arm’, asl. ramo, ramg ‘schulter’, 
apr. irmo ‘arm’, arm. armukn ‘ellen- 
bogen’; »i-erw. zur idg. wzl *ar- (vgl. 
-arðr 2) — vgl. weiter ermr und 
Qrmt. 

— 2 adj. ‘arm’ (oft auch schimpfwort 
fiir missetáter, s. fiir bedeutungsentw. 
Weisweiler IF 41, 1923, 312-25: verein- 
samt, verlassen > friedlos > fluch- 
wiirdig und weiter > wgerm. bekla- 
genswert > arm). nisl. fár armur, 
norw. arm, aschw. armber, nschw. ndá. 
arm. — > shetl. árm ‘arm’; > finn. 
estn. weps. wot. armas (Thomsen 2, 
171; SetáláFUF 13, 1913, 358; Karsten 
FMS 2, 1934, 84); vgl. auch finn. armo 
‘gunst, gnade’, armias ‘barmherzig’, 
armaitsen ‘sich erbarmen’ (nach Kar- 
sten GFL 125, wie auch > finn. arpo 
‘verehrungswiirdig’; aber nicht ws. 
nach Collinder UL 185-6); > lp. armes, 
armos ‘elend, erbármlich’ (Qvigstad 92). 

— got. arms ‘elend’, ae. earm, as. arm, 
mnl. arm, ahd ar(a)m ‘arm, elend’. — 
vgl. erma. 

Etymologie umstritten. 1. aus 
*arb-maz, oder m-erw neben bh- 
(s. Specht, Idg. Dekl. s. 264), 
und dann also zu arfr 1 (WP. I, 
184), was der bed. nicht gut ent- 
spricht. — 2. zu ai. arbhas ‘klein, 
schwach, jung’ (Wood, MLN 21, 
1906, 39). — 3 zu gr. Iprfííoi; 
‘leer’, ai. armaka- ‘schmal, diinn’, 
av. airima ‘einsamkeit’ (Fick 3, 24) 
armoeöa f ‘armut’, (spát bezeugt), nisl. 
armœða, fár. armóð, nnorw. nschw.ndá. 
armod. — <mnd. armöd(e)-, wohl mit 
ankniipfung an moeða ‘beschwerde’ 
(Fischer 27). 

Arn- erstes glied in PN wie Arnfastr, 


Arnfinnr, Arngeirr, Arngisl, Arnleif, 
Arnljótr vgl. auch Arnaldr, Arn- 
bjprg, ArnbjQrn, Arngrímr, Arn- 
kell, Arnórr. — Fiir áhnliche namen 
bei O. und S, Germanen s, Naumann 
19-20. — vgl. Qrn (daneben auch 
arinn, nach R. Nordenstreng NB 28, 
1940, 30-42, aber unwahrscheinlich). 

áma schw. V. (auch gekiirzt zu arna) 
‘ausrichten, erreichen’, eig. 'bote sein’; 
dann auch ‘fahren’ gehen’ (edd.). -—got. 
airinön ‘gesandter sein’. — vgl. árr 1. 

Araaldr mPN. > ir. Arnall, Ernall 
(Marstrander NVA 1915 Nr 5, 48). — 
der isl. name wohl <ae. Earnwald, 
wáhrend der norw. name aus Deutsch- 
land gekommen sein diirfte (Lind 35). 

Ambjprg f PN. vgl. burg. Arenberga, 
lang. Arniperga. 

AmbjQra mPN. anorw, aschw. Arnbiarn, 
Arnbiörn, adá Arnbiern. — > me. 
Arnbeorn, Ernebernus (Björkman 6). 

Arngrímr mPN. > me. Arngrim, 
Erngrim (Björkman 7). 

Amhgföi m. Odinsname, eig. ‘der mit dem 
adlerkopf’. 

Arai mPN; kurzform zu namen mit 
arn- anfangend. — > me Arni, Erni 
(Björkman 8). 

araing f ‘das pfliigen’. — vgl. erja 2. 

Arakell, Araketill mPN. aschw.run 
Arkel, adá Arkil. ■ — > me. Arncetel, 
Ar(n)cel (Björkman 8). 

In einer þula bedeutet arnkell 
‘adler’, zu betrachten als junge 
entw. aus arn-kall (s. H. Lie, 
ANF 65, 1950, 165). 

Araórr mPN. aus Arnþórr, aschw. adá. 
Arndor, vgl. Arnur im Reichenauer 
Necrologium (Noreen § 275). — > me. 
Arnðor, Arðor. usw. (Björkman 8-9), 

árr 1 oder Qrr m. ‘bote, engel’. — > finn. 
airut, IpN. arjas ‘bote’ (Thomsen 2,169; 
Setálá FUF 13, 1913, 355; Karsten 
FMS2, 1934,72). — got. airus, ae. Sr. 
as. Sr ‘bote’ —- unbekannter herkunft, 
vielleicht zur idg. wzl *ei- ‘gehen’ 1 
(Wood.MLN 13, 1898, 82) vgl. eið; 
unwahrsch. zu dem ebenso dunklen 
irast ‘gesagt werden’ (so Holthausen, 
PBB 66, 1942, 267). — vgl. árna und 
erendi 1. 

— 2 adj. ‘friihzeitig’. — vgl. ár 5. 

ars auch mit metathesis durch tabuie- 
rung: rass m 'arsch, after’, nisl. rass, 
fár. arsur, nnorw. rass, aschw. ndá ars. 
— ae. ears, ars, œrs, afr. ers, as. ahd. 
mnd ars, mnl. ers, aers nnl. aars, naars 
‘arsch’. — gr. íppo? (< * 6poo?) 

‘steiszbein’, oúpá(<* épota) ‘schwanz’, 
arm. or ‘arsch’; daneben air err 
'schwanz, spitze* (IEW 340). Viell. 
erw. zur idg. wzi *er-, vgl. ern. 



arsali 


15 


Aslákr 


arsali und arsalr m. 'bettumhang, bett- 
zeug’, nisl. ársalur — wohl aus dem 
ON, Arras z.B. adrevats-sagulum (A. 
Bugge, Vest. Infl. 156); abzulehnen 
< aírz. dorsal, dossale unter ankniip- 
fung an salr (Falk, MM 1916, 22-31); 
s. noch Mohr, ZfdA 75, 1938, 238-9. 
arta f ‘krickente, anas crecca’ (in eifler 
þula), nisl. arta, auch urt, ört, nschw. 
árta, ndá. ort-and (Kristensen, DS 1931, 
49). •— > shetl. atteal (M. Olsen, 
MM 1932, 142). — ae. earte ‘bachstelze’. 

— lat. ardea, gr. ipoSíoi;, ^oiSlo? 
‘reiher’, serb. róda ’storch’. -— vgl. 
ertla. 

Asa fPN, aschw. adá. Asa. — > me. 
Asa, Ase. — gebildet zu PN wie 
Asfríðr. — vgl. áss 1 und Æsa. 
ásauðr m ‘schaf’, nisl. ásauður., fár. 
áseyður ‘schaf, das man iiberwintern 
lásst', nnorw. eersaud 'schaf mit lám- 
mern', vgl. ndá. aalam ‘mutterlamm'. 

— zusammengesetzt aus eer 1 und 
sauðr. 

ÁsbjQra mPN,, aschw. Asbiorn, run.dá 
Asbiurn, Asbiarn, adá. Æsbjorn. — > 
norm. ON. Auberville; > ae. PN. 
Asbeorn, Esbern (Björkman 10); ne. 
ON. Osbournby, Osbaston (Ekwalí 335). 
-— Zs von áss 1 und bjQrn. 

Ásfríðr (PN. run schw. Asfriþ{r). — 
norm. Ansfrid, > ae. Asfrið, Asferð 
(Björkman 10-13) v gl' Astriðr. 
Ásgautr mPN. asohw. Asgoter, Asguter, 
Asgeter, dá.run. qskautr (Hállestad II, 
985), adá. Asget. — > ae. Asgovt, 
Asgot. usw. (Björkman 14-16), ne. 
ON. Osgathorpe.Osgodby (Ekwalí 335). 
— Zs von áss 1 und gautr. 

Ásgeirr mPN. aschw. Asger, Asgar, adá 
run. qskaiR (Aarhus 3 ± 1000), adá. 
Asgair, Esger. — > ae. PN. Asgar, 
Asger (Björkman 13-14), ne. ON. 
Asgarby (Ekwall 13) und Garston 
(Esgareston 1180, Ekwall 184). — 
Zs. von áss 1 und geirr. 

Ásgrímr mPN. aschw. Asgrim. — > ae. 
Asegrim (Björkman. 16) — Zs. von 
ass 1 und grimr. 

Asi mPN. aschw. Asi.Ase, adán Ase. — 

> ae. Asi. — Kurzform zu m. PN. 
wie AsbjQrn. 

a ska f 'asche’, nisl. asha. fár. eska, 
nnorw. oska, nschw. aska, ndá. ask. — 

> finn. ahku, aahku ‘asche’ (Setálá 
FUF 13, 1913, 354; KarstenGFL 100 u. 
148, FMS 2, 1934, 69); > lp. assko 
‘material zur bereitung des feuer- 
sehwamms’ (Qvigstad 94). — ae. asce, 
cesce, cexe, mnd. asche. ahd. aska; 
daneben got. azgo ‘asche’ (s. iiber 
wechsel zg; zgh: Meillet. MSL 15, 1908, 

' 357). — arm aíiun (< *asg-) ‘asche’; 


wohl abgel. von idg. wzl. *as ‘trocken 
oder heiss sein’, vgl. lat áreð ‘trocken 
sein’, aridus ‘trocken, heiss’, arina 
'sand’, ai. ása- ‘asche, staub’, arm. 
azazem ‘ich trockne’; erw. zu *azd: 
lat. ardeo 'brennen’, gr. íyx. ‘trocken- 
hei t’. ‘trocknen*/ — vgl. arinn, 
esjá, eskingr und Qsgrúi. 

Áskell, Ásketill mPN. aschw. Æskel, 
nschw. Axel, run.dá askil, eskil, iskil, 
ndá Eskil. — > ae. Asketil AsjteT 
Oscytel (Björkman 16-20), ne. ON. 
Asselby (DB: Aschilebi ; Ekwall 16); > 
poln. ON. Jaskotla in Schlesien ~(Vas- 
mer NB 21, 1933, 134). — Zs. von áss 1 
und ketill. 

askr m ‘esche; spiess; schiff.’ nisl. askur, 
nnorw. ask, aschw. asker, nschw. ndá. 
ask. — > ne. ON. Aske, Askam 
(Mawer 3); > lp. asske ‘milchgefáss’ 
(Qvigstad 94); in der bed. ‘fahrzeufci- 
> mgr. ioy.bc,, mlat. ascus ‘kleines 
schiff' (vgl. Ascomanni 'wikinger', an. 

SLfj /pscmannYj .— lat Ascarii 
j (Not. dign,) 'speerkámpfer' (R. Much, 
í ZfdA 41, 1897, 94); wgerm. ON. 

\ Askiburgium (heute vf sierg, s. R. Much, 
WS 12, 1929, 349-54); ae. cssc ‘esche; 
spiess; boot’; as. ahd. ask, mhd. 
asch ‘ds’ auch ‘schiissel’. — Daneben 
n-erw. in lat. ornus (< *osmo-) 
jbergesche; spiess’, asl. jasenú ‘buche’, 
fiir. uinnius, kymr. onn ‘esche’, und 
f-stamm in lit. uosts, lett. uðsis. apr. 
woasis ‘esche', weiter: alb. ah ‘buche’, 
/arm. hafi ‘esche’ (die bed. ‘esche’ wohí 
, idg. s. Hoops, Waldbáume 121); 

: weitere verwandschaft. met tscher. 

: oíko ‘pappel’, mordw. uks(o) ‘esche’ 
(s. Bj. Collinder, XJUA 1934, 67). — 
vgl. eski und eskja. 
apkrakl m ‘pelzware’; < russ. skorka 
j'kleines fell’ (s. Hj. Falk, Skr. Vid. 
Selsk Oslo 1919, 75) mit volksetym. 

1 entstellung unter anlehnung an aska, 
wáhrend der 2.Teil wohl mit den 
worte fiir ‘fuchs’ rakki 1 kontaminiert 
I ist (s. A. Holtsmark, MM. 1935, 62). 
j Die von P. Naers, ANF 67, 1952, 

176 versuchte erklárung aus *skra- 
ha, vgl. skrá 1 ist durchaus aben- 
teurlich. Das a am anfang bleibt 
unerklárt, denn von einer prothese, 
fiir die es iiberhaupt keine paralle- 
len gibt, kann nicht die rede sein 
und es liegt ebensowenig eine ver- 
anlassung vor, an einen schreib- 
fehler zu denken. 

askran f ‘furcht'. — vgl gskra. 
Áslákr mPN, aus ált. Asleikr — aschw. 
adá Aslak — > ae. Aslac, Asloc, ne ON. 
Aslakeby, Aslacton (Björkman 20) — 
J ae. Oslác. — Zs. von áss 1 und leikr 1. 






Ásli 


16 


at 


Ásll mPN. aschw. Asle, adá Asle, Asil. 
vgl. ae. Asli. Kurzform eines namens 
anfángend mit As-, oder deminutiv- 
bildung wie agerm. Ansila. — vgl. 
áss i. 

Ásmundr mPN, run. schw. asmu(n)t 
(Sölvesborg 8. Jht), aschw. Asmunder, 
adá. Asmund. — > manx ON. Asmun- 
dartoftas (MarStrander, NTS 6, 1932, 
J 93 ) I > ae - PN Asmund, ne. ON, 
Aismundarby (Ekwall 4). — ae. Ós- 
mund, urfránk. Ansemund, burg. An- 
semundus. — vgl. <fss 1 und mundr. 

asna f ‘eselin' (nur in Stjóm), nisl. asna. 

— lat. asina. — vgl. asni. 

asni m ‘esel’ (spát. bezeugt), nisl. asni, 
fár. asni. asin, aschw. ásne (> finn. 
aasi, s. Karsten, FMS 2, 1934, 66), 
nschw. ásna, ndá, asen. — < afrz. 
asne (vgl. sp. asno, it. asino) < lat. 
asinus (Fischer 77). 

Ásólfr mPN., vgl. wgot. Ansiulfus, ahd. 
Ansulf. — Zs. aus áss 1 und úlfr. 

áss 1 m ‘Gott, Ase’, auch runenname. Die 
form áss aus gen. ásar neben < 5 ss < gss 
< *ansu; vgl. westgerm. inschr. Vihan- 
sa ‘kampfgöttin’ (v. Grienberger, ZfdA 
36, 1892, 310); run.dá asu(-gisalas) 
(Kragehul um 400, Krause Nr 39; 
vgl. wgerm. PN. Ansigisel), run. norw. 
asu (-gasðiR) (Myklebostad, 6 Jht. 
Krause Nr 59); os in Abecedarium 
Nordmannicum (10 Jht). — lat. got. 
anses ‘halbgötter’ ae. ös 'gott’, as. 
ás-, ás-, ahd. ansi-, ans- in PN; —• 
wohl zu ai. ásu- ‘lebenshauch, welt’, 
av. ahura (< nsura) ‘gottheit’, zur 
idg.wzl *ans ‘atmen’ (s. de Vries, Altg, 
Relgesch. II, 164); vgl. asl. qchati 
(Fick 3, 18 und H. Giintert, Der arische 
Weltkönig 102); weniger wahrsch. 
dasselbe wort wie áss 2 (Meringer, 
IF 17, 1904, 159-160; WS 9, 1926, 115). 

— vgl. ásynja. 

Polomé, fitudes Germ 8, 1953, 
36-44 verbindet damit heth. hassus 
'könig’, das er weiter zu gr. fjvía 
‘zugel’ und an œs ‘öse’ stellt; also 
eig. 'bindende götter’, wie bgnd 
und hgpt. 

— 2 m ‘pfahl, balken’ ( < agerm. *ansaz ); 
nisl. ás, fár. ásur, nnorw. ndá. aas, 
nschw. ds ‘balken’. — > finn. ansas, 
ansos ‘balken’ (Setálá, FUF 13, 1913, 
357; Karsten GFL 118 und FMS 2, 
1934, 79-80; iiber das verháltnis dieser 
formen s. Collindér UL 41); > lp, 
oassa ‘achse, dachfirst’ (Qvigstad 350); 
> air as (nur einmal belegt, s. Mar- 
strander NVA 1915 Nr 5, 13; wieder 
abgelehnt ZfcPh 12, 1918, 3091!); > me. 
ás in betás ‘rahe’ (Björkman 98). — 
got. ans m ? ‘balken’ mhd. ansboum 


‘bruckenbalken’ — viell. zu lat. onus 
‘last’, ai anas ‘lastwagen’ (Hoffmann, 
BB 25, 1899, 108; Uhlenbeck PBB 30, 
1905, 260 und Meringer WS 9, 1936, 
115), aber recht unsichere etym. (vgl. 
Feist, Got. Wb. 52). 

— 3 m ‘bergriicken’ (< agerm. *amsaz ); 
nisl. ás, nnorw. ndá. aas, nschw. is. — 
> shetl us ‘grosse bank im meere’ 
(Jakobsen 963); > lp. oassa ‘kleiner 
berg’ (Qvigstad 250). — got. amsa 
‘schulter’. — lat. umerus, gr. <!>p.o<;. ai. 
amsa-, arm. us ‘schulter’ (s. Johansson 
KZ. 30, 1890, 419). Bezeichnungen 
von körperteileu fiir asp ekté~ 7 !er land - 
scháft Jcommcn öfters vor ÍF. T ewy , 
PBff~32, 1906, 136-8). l&.\ 

Es besteht eig. keine veranlassung 
áss 3 von áss 2 zu trennen, weu 
auch sonst der begriff des dach- 
balkens auf den gebirgskamm 
iibertragen wird, wie in dem nhd. 
wort first. 

— 4 m ‘einer im wiirfelspiel’, nisl. ás, 
nnorw. ess, ndá. es. — < mnd. ás; 
vgl. nnl. aas, nhd. as < afrz. as < lat. 
as ‘einheit’. 

Assar mPN. vgl. Qzurr. 

ást f ‘gunst, liebe’, neben gst (< agerm. 
*ansti-); nisl. fár. ást, nnorw aast — 
got. ansts, ae. cest, ést, afr. enst, as. 
ahd. anst 'freude, dank, gunst’. — vgl. 
ástúð, unna, eesta und gfund. 

ÁstráörmPN.; run dá. qsraþr (Tirsted 
1025-50, vgl. Jacobsen-Moltke Nr 216). 

— ae. Osred, ahd. Anseradus. — vgl. 
áss 1 und ráða. 

Astríðr f PN.; álter Asriðr vgl. run, 
norw. dat S. qsriþi (Dynna ± 1000); 
run. manx. asriþi (Marstrander, NTS 6, 
1932, 285), nisl. Astriður, aschw. 

Astriþ, nschw. Astrid, Astrid ndá. 
Estrid. — Entweder aus áss 1 und 
riða (S. Bugge, Tskr. f. Phil. 7, 226) 
oder aus áss 1 und friðr (Hoffory, 
ANF 1, 1883, 38-43).—vgl. Asfriðr. 

ástúð f ‘liebe < *ásthugð. 

Ásvaldi mPN. vgl. wgot. Ansvaldus, 
ahd. Answald. 

ásynja f ‘Asengöttin’; weibliche form 
zu áss 1; fiirdie endung vgl. apynja. 

at 1 n ‘hetze, kampf’ (vgl. hesta-at 
'pferdekampf’); nisl. at. — > shetl 
et ‘erregung’ (Jakobsen 150). — nach 
Jóhannesson Wb zu at 2; vgl. ata und 
etja 3. 

— 2 práp. ‘bei, zu, gegen, nach’; nisl. að, 
fár. at, nnorw. aal, nschw. dt, ndá. ad. 

— got. at, ae. œt, afr. at, et, as. at, ahd. 
az. — lat. ad, air. ad- ‘zu, bei, an’. 

— 3 práp. temp. ‘nach’ (< germ. *aft); 
nisl. að. — > ne. dial. at ‘nach' 
(Thorson 53). — got. aftra ‘wiederum’. 




át 


17 


au- 


ae. esfi(er), as. ahd. aftar ‘nach’. — 
vgl. aptan und aptr. 

_4 Konj. ‘dass’, nisl. að, nnorw. ndá, 

aschw. at, nschw. att. — > ae. und 
n e. dial at (Flom Infl. 26). — wohl < 
þat, mit ausfall von fi in unbetonter 
stellung (A. Kock, ANF11, 1895, n 7 ' 
124); weniger wahrsch. zu ai. yad, also 
zum anaphorischen Pron. idg. *je: jo. 
__ 5 verneraende part, dem verb. an- 
gehángt; nisl. at. — < *aitt vgl. 

got. ainata (s. A. Kock, Om n&gra 
atona 1879, 13-14). — vgl. -a und einn. 
át n ‘speise, essen’ (< agerm *lta-)\ 
nisl. fár. át, nnorw aat, nschw. dial 
ðt. — > shetl. et ‘essen, speise' (Jakobsen 
142). — ae œt, afr. It, as it, ahd. St 
‘essen’; vgl. got. uz-eta ‘krippe’, af- 
etja ‘fresser’. — lat. in-ldia ‘fasten, 
hungersnot’, ai. ödya- ‘geniessbar', 
asl. jadi ‘speise’, ob-édú ‘mahl’, medvédi 
‘bár’ (eig. 'honigfresser’), lit. idis m. 
édrd i. ‘speise fiir tiere’, lett. édas 
‘speise, frass’, apr. idis ‘essen’. — 
Hochstufige Nommalform zu eta, vgl. 
auch Ati und cetr. 

ata 1 f. ‘streit, aufhetzung’, vgl. at 1. 
— 2 schw. v. ‘anreizen’, vgl. at 1. 
áta f ‘speise, essen', nisl. áta, nnorw. aata, 
aschw. Sta, adá. átce. — > lpN hStto 
‘aas’ (Qvigstad 190), neben oahtto ‘kö- 
der fiir tiere’ (< norw. aata). — 
vgl. át und eta. 

atall adj. ‘streitsiichtig, verhasst, gTÍm- 
mig’, msi. atall, ðtull, nnorw. atalí bose', 
nschw. dial. atall ‘schrecklich’ — ae. 
atol ‘hásslich’, krimgot. atochta, falls 
fur *atugata, adv. zu *atugs ‘schlecht’. 
— lat. ödi ‘hasse’, gr. iSúaoopai ‘ziirne’, 
arm. ateam ‘hasse’, ateli ‘verhasst’ (A. 
Fick, BB 1, 1877, 334). — vgl. Atli. 
atgeirr m. ‘eine art speer’, nisl. atgeir. — 
ae. œtgSr ‘grosse lanze’, afr. etgér, ahd 
azigér, mhd atigér (aus germ. > afrz. 
atgier, algier). — zusammengesetzt aus 
at- (wohl dasselbe wie at 1) und geirr 
(s. Falk, Skr. Vid. Ak. Oslo 1914 Nr 6, 
. 82-3). 

Ati m. Name eines seekönigs, wenn nicht 
zu ahd PN Anzo, könnte es aus át 
gebildet sein, etwa ‘speisegenosse’, vgl. 
mgtunautr (B. Sigfússon MPh 32, 
. ' 934 . 127). 

a tjan achtzehn’; vgl. áttján. 

®tla schw. V. ‘denken, streben’ (< 
agerm *ahtalðn), vgl. daneben œtla. 
AtU PN (bes. fiir helden, fiir einen see- 
könig und fur Thor), aschw. adá Atli, 
Asli; eig. schwache form zu atall 
(s.d.), also ‘der grimmige, schreckliche’; 
aber spáter identifiziert mit dem namen 
des Hunnenkönigs Attila, vgl. got. 
• Attila, ae. Ætla, Etla, ahd. Ezzilo, mhd. 


Etxel, eigentlich dimin. zu got. atta 
'vater’ — vgl. atti. 

Atriðr m. Odinsname, eig ‘der in den 
kampf reitet’, daneben das gleich- 
bedeutende Atriði als BN fiir Freyr. 

átt f ‘geschlecht, familie; windrichtung’, 
vgl. œtt 1. 

átta 1 ‘acht’, nisl. fár átta, nnorw. aatte, 
aschw. Stta, nschw. dtta, adá. Stta, ndá. 
otte. — got. ahtau, ae. eahta, afr. 
achta, as. ahd. ahlo. — lat. octo, gr. 
óxrcd, ae. aétau, air. ocht, alb. teté, arm. 
ut', toch A. okat B. okt. — vgl. átti, 
attján und att 2. 

— 2 suffix wie in barátta ‘kampf, schlacht’, 
forátta ‘grund’, kunnátta ‘kenntnis, 
kunst’. Man hat an zusammensetzung 
mit dem wort átt oder att 1 gedacht 
(s. Sturtevant, MPh. 26, 1928, 156-8), 
aber wohl besser aus *hátta < *hahtön, 
vgl. hagr und háttr. (I. Lindquist, 
MASO 3, 1941, 139). 

áttandi ‘der achte’, nisl. áttundi, fár. 
áttandi, nnorw. aattande, aschw. Sttun- 
de, ádá atanda, ottende. —afr. achtunda. 
— Die bildung auf -und nach analogie 
von sjaundi, niundi, tiundi. Andere 
formen des ordinale im idg. vgl. lat. 
octavus, gr. 6 y 8 ooc und mit anlehnung 
an das ord. ‘siebenter’: ai. aStama- 
air. ochtmad, lit. SSmas, apr. asmann, 
asl. osm. — vgl. átti. 

atti I PN. eig. ‘vater’ — got. atta, afr. 
aththa, ahd. atto. — lat. atta. gr. Stto 
‘váterchen’, asl. otici (< *attikos), alb. 
at ‘vater’, neben ai. atta, attikö ‘mutter, 
áltere schwester’. Ein typisches laU- 
wort der kindersprache wie auch ai. 
tata, tðta ‘vater’, gr. TarS ‘váter- 

chen’, lat. tata, alb. taté, kymr. tad 
‘vater’. Auch in nicht-idg. sprachen wie 
ung. atya, tiirk. ata, bask. aita. Deshalb 
ist weitere verwandtschaft mit aðal 
(WP I, 44) wenig wahrscheinlich. 

— 2 m ‘schwert’ (in einer þula), wohl 
< umord. *atiðan zum zw. etja 3 
(s. Hellquist, ANF 7, 1891, 167). 

— 3 adj. ‘streitlustig’, vgl. etja 3. 

átti ‘der achte’ — ae. eahtoða, as. ahd. 

ahtodo, got. ahtuda. — vgl. átta und 
áttandi. 

áttján, átján ‘achtzehn’; nisl. fár. átján, 
nnorw. attan, atjan, aschw. attan, 
atartan, nschw. aderton, ádá SttSn, 
ndá. atten. — vgl. ae. eahtatýne, afr. 
achtatine, as ahtotian, ahtetehan, ahd. 
ahtozehan. — Zs. aus átta und tján 
(dieses < agerm *tehand < idg. 
*dehomt; vgl. tiu). 

au- práfix in wörtem -wie aufúsa ‘lust, 
dank’, aukvisi ‘stumper’, auvirða ‘ver- 
unglimpfen’, auvisli ‘schaden’. Nach 
Falk, Fschr. F. Jónsson 339-42 zu lat. 


x 



auö- 


18 


Auðun 


au-, gr. ocö-, ai. av. ava-, asl. «-, lit. 
lett. au- ‘fort’, wozu dann weiter zu 
stellen auðr 2 und vestr. Nichtsicher; 
Pokomy, IEW 55 < idg. *ap-u, 

also zur Sippe von af (s.d.). 

auð- 1 práfix, z.B. in auðkendr 'leicht 
erkennbar’, auðmjúkr 'willig, demiitig'; 
nisl. auð-.iax. eyð-, nnorw. aud- ‘leicht, 
schnell’. — ae eaðe, as. ððo, ahd. ðdo, 
daneben auch ae. ieðe, as. ðthi, ödi, 
ahd. ðdi ‘leicht, bequem’; viell. partiz. 
bildung zum stamm *awi- in got. 
awiliuþ ‘danksagung’, vgl. gall avi- in 
PN wie Avicantus, gr. iu- ‘wohl’, ai. 
avi- ‘giinstig’; weiter lat. avére ‘gesund 
sein’, gr. íjút; 'gut’, ivrpjc; ‘wohl- 
wollend’, ai. avati 'helfen, fördern’, air 
con-ói ‘beschiitzt’. — vgl. auja, 
aumr und ey 2. 

— 2 práfix in PN. wie Auðbjgrn, Auð- 
finnr, Auðgeirr, Auðgisl, Auðgunnr, 
Auömundr, Auðólfr (Lind 95-106). — 
vgl. auðr 1. 

auðga schw. V. ‘bereichem’, nisl. auðga. 
— ae. eadgian, ahd. giðtagðn — gebildet 
zu auðigr. 

Auðhumla, Auðumla, Auðhumbla 

f. ‘name einer kuh in der myth; wohl 
gebildet aus auðr 1 und humla, fem. 
zu einem adj. *humala-, humula -; vgl. 
ne. humble 'ohne hörner’, schott. dial. 
homyll, nhd. tirol. humlet ‘ohne hömer, 
mit stumpíen hörnern’, nhd. bayr. 
hummelbock 'widder ohne hömer’, nhd. 
hummel 'dröhne', preuss. hummel 'hom- 
loses oder einhorniges rind’. Dann 
bedeutet der name also 'die reiche 
hornlose kuh’ (s. A. Noreen, NB 6, 
1918, 169-72). — vgl. hind. 

auðigr 1 auch auðugr ‘reich', nisl. 
auðugur. — > finn. autuas, lp. audogas 
‘selig’ (Thomsen 2, 173; Karsten 

FMS 2, 1934, 88). — got. audags 
'selig', ae. éadig, as. ðdag, ahd. ötac 
‘reich, begliickt’. — vgl. auðr 1. 

— 2 ‘öde’; — vgl. auðr 3. 

auðinn ‘vom schicksal bestimmt’; nisl. 
auðið, fár. eyðið, nnorw. auden, aschw. 
öþin, nschw. dial. öen, ödd, agotl. 
auþin. — ae. éaden ‘gestattet’, as. 
ödan ‘zuerteilt’. — vgl. auðr 1, auðna 
und jóð. 

auðmjúkr ‘leicht zu bewegen, willig, 
demiitig’ (nur in christl. schr.), nisl. 
auðmjúkur, fár eyðmjúhur, nnorw. 
audmjuk, aschw. öþmtúker, nschw. 
ödmjuk, ádá ödmjug, ndá ydmyg. In 
der christl. bed. beeinflusst vom west- 
germ. vgl. ae. éaðmðd, -méde oder as. 
ðdhmðdi, ahd. ðdmuoti. Zusammen- 
gesetzt aus auð- und mjúkr. 

auðn f ‘leerheit, öde; einöde; mangel’, als 
n. 'ödland'; nisl. auðn, nnorw. audn; 


daneben mit anderem sufi. aschw. öþkn, 
ádá edk. — Wieder mit anderer bildung 
got. auþida einöde’. — vgJ. auðr 3. 

auðna f ‘schicksal; gliick, vorteil’ (< 
agerm. *auðanön) ; nisl. auðna, fár. 
eyðna, nnorw. audn, aschw. öþna. — 

> ne. awned, aund ‘beschickt’ (Björk- 
man 80). — vgl. auðr 2. 

auðr 1 m ‘besitz, reichtum’, nisl. auður, 
fár. eyður, nnorw. aud-,- aschw. öþer, 
nschw. öd. — ae. éad ‘reichtum, gliick', 
as. ðd ‘besitz', ahd. ðt- (in PN); mhd. 
klein-ðt, nnl. klein-ood 'schmuckgegen- 
stand'; vgl. got. audahafts 'begliickt’ — 
Daneben PN an. Auði, aschw. öþe, 
adá 0 þi; vgl. run.dá. weibl. PN auþa 
(Br. 28. Overhornbæk, ö.Jht); ae. 
Eada, ahd. Audo, Odo, Oto. — Zu 
vergl. sind illyr PN Audata, Audarus, 
Audenla (s. Krahe, Sprache und Vor- 
zeit 105). — Wahrscheinlich gehörend 
zur sippe von auð- (s. I. Lindquist, 
Fschr. H. Pipping 354); dagegen er- 
kláren andere das wort als semasiolo- 
gische entwicklung aus auðr 2 (s Torp. 
Fschr. Unger 172). 

— 2 f ‘schicksal, tod; Norne; weib’ 
(nur poet.), bedeutet wohl eig. ‘gewebe’ 
(und zwar der schicksalsnornen), zur 
idg. wzl *audh-; vgl. lit. áudíu, áusti 
‘weben’, iidis ‘einmaliges gewebe’, údas 
‘aalschnur’, lett. audi ‘gewebe’; die 
selbst wieder erw. zur wzl *au- ‘flech- 
ten, weben’, vgl. ai. útas 'gewebt’, ðtu- 
‘einschlag des gewebes’, vánam ‘das 
weben’; daneben steht die idg. wzl 
*tfédh, vgl. váð (Torp, Fschr. Unger 172 
und IEW 75-6). — vgl. auðigr, 
auðinn, auðna und auðeefi. . 

— 3 adj. ‘öde’, nisl. auður, fár. eyður, 
nnorw. aud. — > finn. autia (Thomsen 
2, 172; Setálá FUF 13, 1913, 360; 
Karsten FMS 2, 1934, 8 7 ); > *pN. 
avddem, avde, ávtas (Qvigstad 96), lpS 
áuhtas (Collinder, APhS 7, 1932, 221); 
vielleicht > me. authly ‘betrubt’ 
(Björkman 75). — got. auþs, ahd. aodi 
'öde’ und ae. ieðe as. öði ahd. ödi 
‘leicht’. — Gewöhnlich zu au- gestellt; 
vgl. gr. aöxoj;, aö<no? ‘leer, eitel, ver- 
geblich’ (WP I, 14). — vgl. auðn, 
eyða, eyði und eyðsla. 

Auðun mPN, auch Odinsname. Analo- 
gische form statt *Auðynn (< agerm. 
*Auðawiniz), entweder durch neu- 
bildung nach gen. sg. Auðunar (s. 
A. Noreen, NB 8, 1920, 2), oder nach 
analogie von wörtern wie jgtunn, glunn 
(A. Kock, ANF 42, 1926, 68-71). — 
nisl. Auðun, aschw. öþin, adá 0 then. — 

> ae. Oðen, Oðin, Oðan (Björkman 
100-3) I > air. Odonn, Odond, Oduind 
(Marstrander, NVA 1915, Nr 5, 71). — 



auðœfi 


19 


Aumundr 


ae, Eadwine, auch Eadhun, ahd. Aovin 
(Einhard c. 800), Audowin, ostgot. 
Odoin (Schönfeld 174), lang. Audoin — 
Zs aus auðr 1 und vinr\ vgl. auch 
Aun. 

auðœfi, auðæfi n ‘reichtum' {< auð- 
hœfi. s. Noreen § 170 Anm. 1); nisl. 
auðœfi. — Zs. aus auðr 1 und hœfi. 

aufúsa, Qfúsa f ‘lust, begehren; dank- 
barkeit’, nisl. aufúsa, öfúsa. Zs aus au- 
und fúss. Der ubergang au > q ist 
durch dissimilation von au (< abu) 
und ú in fúss zu erkláren (vgl. auch 
aurvasi, aukvisi). 

auga n. ‘auge’, nisl. norw: auga, fár. 
eyga, aschw. ögha, nschw. öga, adá. 
eghœ, ege, ndá. eie. — > shetl. jog(a) 
(Jakobsen 368). — got. augo, ae. eage, 
afr. age, as. öga, ahd. ouga. — lat. 
oculus, gr. í(i(i.a (< *opma), dual 6ooe 
(< *okje) ‘auge’, ‘luke’, ati. akíi-, 
asl. oko, lit. akis, apr. ackis ‘auge’, air. 
itgail ‘augen’, arm. akn ‘auge, luke’. — 
Trotz des befremdenden vokals des 
germ. wortes muss die verbindung mit 
der idg. sippe von *oku- angenommen 
werden; viell. ist ein germ. *agw- zu 
*aug- unter einíluss von *ausö ‘ohr’ 
umgebildet worden (Hellquist 1455 
weist auf arm. unhn ‘ohr’ neben 
akn ‘auge' hin); dagegen versucht 
Meillet die umbildung aus tabuierung 
zu erkláren (vgl. das böse auge), was 
weniger wahrscheinlich ist. (s. weiter 
Feist. Got. Wb. 64-65) — vgl. eygðr, 
eygja, eygla, eygr, teygjask und 
Qgurstund. 

augr, augurr n ‘fischart’. vgl. Qgr, 
Qgurr. 

auja “gliick”, vielleicht eig. ‘göttlicher 
schutz’; nur in runeninschriften, wie 
br. 57 Seeland c 550 (Krause Nr 36) 
und br 67. Skodborg 5-Jht (Krause 
Nr 35). — got. awiliuþ ‘dank’ (s. 
S. Bugge ANO 1905, 284 und Mar- 
strander NTS 3, 1929, 119-123). — 
ai. avati ‘freut sich, fördert, hilft’, 
avis 'giinstig’, air. con-ói ‘hilft’. wohí 
auch toch A olar, B auláre ‘geselle, 
freund’ — vgl. auð-, ey 2 und viel- 
leicht freyr. 

a uk 'auch', spáter ok, nisl. auk, nnorw. atf, 
°g, aschw. och, ok, nschw. och, ock, 
ndá, og. — > me. ök (Björkman 72). — 
got. auk ‘denn, aber, auch’, ae. öac, 
afr. ak, as. ðk, ahd. ouh. — lat. au-t 
oder', au-tem ‘aber’ gr. aö-ye ‘wieder- 
nm’, að-Tu;, ot 5 -n ’wieder’, ai u, utá ‘und, 
aber, auch’, av. ava- ‘jéner’, asl. ovu 
‘der eine’ (IEW. 74) vgí. toch A ok, B 
lt k ‘noch’. — Der oft angenommene zu- 
,sammenhang mit auka ist nicht wahr- 
scheinlich, oder höchstens sekundár. 


auka 1 red. V. ‘vermehren, vergrössern, 
iibertrefíen, erzeugen’, nisl. agotl. 
nnorw. auka, fár. eyka, aschw. öka, 
ökia, nschw. öka, ádá ekce, egœ, ndá. 
ege. — > lp. avgget ‘vermehren’ 
(Qvigstad 96). — got. aukan 'vermeh- 
ren’, afr. áka, as. ökian, ahd. ouhhön, 
‘vermehren’. — lat. augeo ‘vermehre’, 
augustus ‘erhaben’, ai öjas ‘kraft, 
stárke’, ugras ‘stark’, lit. áugu, áugti. 
‘wachsen’, air. ög ‘unversehrt, heil’ 
(WP I, 22-24); zur idg. wzl. *ajteg: aug: 
ug. — vgl. vaxa, okr und ýki. 

— 2 schw. V. ‘vermehren’; vgl. ae eacian, 
mnd ðken, ahd ouhhðn ‘vermehren’. 
auki m. ‘vermehrung, zuwachs; nach- 
kommen, kraft’; nisl. auki, aschw. 
-öke. — ae. eaca, afr. áka, mnd. öke. 
Daneben noch aukning f. vgl. ae. 
eacnung zu einem abgeleiteten verb. 
got. auknan, ae. eacnian, mhd. ökenen 
‘zunehmen’. — vgl. auka 1. 
aukvisa f und aukvisi, Qkvisi m 
(die form mit Q durch dissimilation, 
vgl. hQfuð), ‘armer schlucker’, nisl. 
aukvisi, örkvisi. — Zs aus au- und 
kvisa ; zu diesem wort vgl. nonv.dial. 
kvisa seg ‘sich vor schmerzen kriim- 
men’, kveisa ‘schlaffer mensch, kriippel, 
(Hj. Falk, Fschr. F. Jónsson 341); 
vgl. kveisa. 

aumhjartaðr ‘barmherzig’; umbildung* 
von hd. armherz (s. Frings, Germania 
Romana 21). 

aumingi m 'bettler’ < *aum-gengi; 

vgl. aumr und gengi. 
aumka schw. V. ‘jammern, klagen’, nisl. 
aumka, fár. eymka, norw. aunka, ynka 
beklagen’ aschw. ynka, nschw. ömka, 
ynka, ádá önke, ynke, ndá. ynke ‘be- 
mitleiden, bedauem’. — vgl. aumr. 
aumligr adj. ‘mitleidenswert, elend’, 
nisl. aumlegur, nnorw. aumleg, aschw. 
ömbliker, ádá emlig. — > ne. dial. 
oamly, otvmly ‘unangenehm’ (Björkman 
80). — vgl. aumr. 

aumradj. ‘arm, elend’, auch schimpfwort 
(s. WeisweilerlF 41, 1923, 329-31 bed. 
entw.: ‘verlassen > fluchwiirdig > 
bedauemswerfr), nisl. aumur, fár. ey- 
mur, gotl. aumbr, aschw. ömber, nschw. 
öm, ndá. 0m ‘empfindlich, zártlich’. — 
Entweder zu der wortgmppe von 
auö-, oder zu ai. iina- ‘ermangelnd, 
gr. eóvi; ‘beraubt’, arm. unain ‘leer’ 
(Holthausen IF 48, 1930, 262); die 
íriihere ableitung aus *arbumJR (vgl. 
erfi) ist aufzugeben. — vgl. aumka, 
aumligr, eyma und eymd. 

Aumundr mPN., <*Aun-mundr, vgl. 
ae Eanmund, as. ahd. önmund (s. 
Björkman, Eigennamen im Beowulf 
i 4 fí). 



Aun 


20 


Aurvandill 


Aun, Aunn mPN 'könig des Ynglingen- 
geschlechts’ < *Ai*wtnR (vgl. die form 
Aovin bei Einhard) < *AuðwtnR. — 
> ae. ON. Aunby, Aunsby (Ekwall 18). 
— Daneben die schw. form Aunl, run. 
norw. auni (Alstad c. 900). — > air. 
Ona (Marstrander, NVA 1915 Nr. 5, 
53). — vgl. ae. Eadwine, langob. 
Audoin — vgl. Auðun. 
aur- 1 als 1. glied von Zss wie aurborð 
‘schiffsplanke vom kiel’, aurfalr, aur- 
riði, aurvasa (s. zu diesen wörtern) 
entstanden < *abur (F. Detter, ZfdA 
42, 1898, 54) und mit der bed. ’unterer, 
hinterer’ (wie in aurborð) oder ‘zuriick’ 
(wie in aurriði). vgl. afar und ««-. 

— 2 práfix in Zss. wie Aurgelmir, Aur- 
glasir, Aurnir. — vgl. aurr 1. 
aurar mpl. gewicht, miinze’, vgl. eyrir. 
Aurboöa f PN., name einer riesin (poet.). 
Der 2.teil gehört zu bjóða, aber was 
soll die frau bieten ? Bei dem namen 
fiir eine riesin könnte man an aurr 2 
denken; aber das trifft nicht zu fiir 
FjQlsv. mál 38; deshalb denkt Sturte- 
vant PMLA 67, 1952, 1158 an ein wort 
aur < lat aureus (vgl. eyrir). 
aurfalr m. ’untererohreamspeerschaft’, 
nisl. aurfalur. — Nach Falk, NVA 1914 
Nr 6, 86 Zs. aus aurr 1 und falr, also 
eig ’beschlag mit dem man den speer 
auf den sand aufstellt’; mit hinsicht 
auf die stelle am unterende wáre als 
i.teil auch wohl aur- 1 zu erwágen 
sein. 

Aurgelmir m. name fiir den urriesen 
Ymir; vgl. aurr 1 und galmr. 
aurglasir m. nur in kenning aurglasis 
Eir fiir ’Frau’ (Fj. 28); weil man hier 
den begriff ’gold’ erwarten darf und 
glasir (s.d.) etwa ‘glanz’ bedeutet, 
könnte der i.teil das wort aurr ‘wasser, 
násse’ sein; etwa 'was das wasser 
funkeln macht’ ? (Malone PMLA 67, 
1952 . ”58); vgl. aurr 2. 
Aurgrfmnir m. riesenname; vgl. aurr 1 
und grimnir. 

Aurair m. riesenname; kann zu aurr 1 
gehoren, also ‘der im steinn hausende’ 
vgl. aber auch Qrnir. 
aurr 1 m. 'mit stein untermischter sand’ 
nisl aur, fár. eyrur, nnorw. aur, aure, 
nschw. ör, ndá.dial. er. — > ae. ðra 
‘erz’ ( <aurr), wáhrend ne.dial air 
’sandbank’ < norw. öyr (Björkman 
67); > finn. aura . ‘steiniger meeres- 
strand’, auch flussname Aurajoki (Setá- 
lá FUF 13, 1913, 359; Karsten, FMS 2, 
1934, 86). — ae. lar ‘erde’, ior ‘kies’; 
vielleicht auch got. aurahjons gráber, 
friedhof’, falls. eig. ‘kieshiigel’ (Hei- 
nertz, IF 50, 1932, 109-117); abl. 
daneben nnd úr, nnl oer ‘eisenhaltiger 


sand’. — air. úr 'erde, lehm’ (Stokes, 
Urkelt. Sprachschatz 1894, 55 zwei- 
felnd) — vgl. eyrr, úr 1 und ýrr 1. 

— 2 m. Vsp. 19; wáhrend H. Pipping 
SNF 17 Nr 3, 51 das wort in der bed. 1. 
annehmen wUI, befiirworten andere 
eine bed ‘feuchtigkeit, násse* unterhin- 
weis auf nisl. aur, fár. eyrur, nnorw. 
aur, schw. dial. örja ‘sumpf’ und Aur als 
Flussname und ÓN. Aurr 'name eines 
sees’, Aura ‘nameeinesflusses’ (P. Pers- 
son IF 35, 1915, 199). — > lp. Qúra 
‘kot, schmutz’ (Qvigstad 251). — ae. 
éar' woge, meer’.—gr. ávaupo? ’wasser- 
los’, as. avata- ‘brunnen’, lit. jaura 
‘sumpf’, júrios ‘meer’, lett avuðts 
‘quelle’, apr. wurs 'sumpf, teich’, 
júriay 'meer’ (s. A. Janzén, NB 24, 
1936, 247-53). Von der wzl *av(a) 
zahlreiche flusznamen in Europa (s. 
Krahe, Sprache und Vorzeit 50). 

Das wort wird auch gedeutet als 
‘glanz' und in diesem fall entweder 
aus urgerm. *auzom ‘glanz, glán- 
zende fliissigkeit’, verwandt mit 
lat. aurum 'gold’ (Gering, Edda- 
Komm I 24; aber weshalb dann 
kein f?-umlaut ? vgl. Palmér, 
Fschr. A. Kock 112, der vergleicht 
lat jubar ‘glanz’; vgl. weiter 
A urvendill und austr), oderent- 
lehnt aus lat. aurum (so Höckert, 
Vqluspá och Vanakulten I, 74), 
vgl. Aurboða. 

aurriðl, qrriði, urriði m 'lachs', nisl. 
aurriði, urriði, fár. eyrriði, eyrriða, 
nnorw. erret, dial. auride, aurride, 
aure, erje, nschw. dial. öradh, öred, 
öring, ndá orred. — > mnd öre 'lachs' 
(Brattegard NTS 7, 1934, 278). —• 
Der 2. teil -riði bedeutet 'der sich 
bewegt’(vgl. riða 5); der i.teil aur- 
entweder ds. wie aurr 1 (also: ‘der 
fisch, der sich iiber den sand hin 
bewegt’), oder zu aur- (und dann: 'der 
sich zuriick bewegende, also stromauf- 
wárts; s. A. Noreen ANF 6, 1890, 312). 

Aurvandill mPN. name einer halb- 
mythol. figur; durch dissimilation da- 
neben: Qrvandill (s. I. Lindquist, 
Fschr. H. Pipping 348-9), ádá Horven- 
dillus (Saxo). — ae. Earendel 'morgen- 
stem’, ahd Orentil, mhd. Orendel ‘hel- 
denname, lang. Auriwandalo PN. 

Die deutungen gehen weit aus 
einander. z.B. < * Auza-wandilaz 
der glánzende Wandale’ so R. 
Much, Mitt, schles. ges. fiir Volksk. 
27, 1926, 2off; vgl. aurr 2 und 
austr 2 (aber weshalb kein R- 
umlaut ?); aber derselbe forscher 
WS 4, 1912, 170-3 stellt -vandill 
zu VQndr und deutet: ‘lichtstreif. 



aurvasa 


21 


Azurr 


lichtstrahl' (ae Earendel also erst 
spáter als lichtheros auígefasst); 
wieder anders F. R. Schröder, 
GRM 26, 1938, 100 als ‘sumpf- 
gerte’, also aus aurr 2 und vQndr. 
Alles nur unsichere vermutungen. 

aurvasa, prvasi, ervasi ‘abgelebt, hin- 
fállig’, nisl. örvasa, nnorw. aurvœsa, 
aarvcesa ‘stiimper'. — Ober den i.teil 
besteht kein zweifel: vgl. aur- oder er; 
der 2.teil wird verschieden gedeutet. 
Falk, Fschr. F. Jónsson 343-5 ver- 
bindet vasi mit mhd áwasel ‘totes 
vieh, aas’ und vergleicht vesœll ; 
P. Persson, Idg. Wortf. 640 weist 
auf as. warðn < *wazön ‘wáhren’ 
hin (vgl. vera 3). Falls a im neben- 
ton aus at geschwácht ist, könnte 
man an visinn ‘verwelkt’ an- 
kniipfen. 

ausa 1 st. V. ‘schöpfen', nisl. ausa, fár 
oysa, nnorw. ausa, aschw. ösa, ádá t-soe, 
ndá. ese. — > shetl ous; > ne. dial. 
howze, owze ‘ausschöpfen’ (Thorson 38). 

— mhd. ðsen, cesen, mnd. ðsen 'schöp- 
fen, ausschöpfen’ — gr. i^aúo ‘schöpfe 
aus'; vgl. lat. haurio ‘schöpfe’ (s. 
Giintert, IF 32 1913, 386-94). —vgl. 
ausker und austr 1. 

— 2 f ‘schöpfgefáss’; nisl. ausa. — > lp. 
avsa ‘schöpfkelie’ (Qvigstad 98). — ae. 
ease 'becher, sch^le', mnd. tese ‘schöpf- 
gefáss’. — vgl. eysill 1. 

ausker n ‘schöpfgefáss’, fár. eyshar 
(daneben nisl. austurker). — > shetl. 
ouskerri ; > ne. dial. ouskerry (Thorson 
38); > finn. auskari, áyskári, estn. 
hauskar, lp. auskari (junge entl. Thom- 
sen 2, i72;Wiklund SUSA 10, 1892, 
148; SetáláFUF 13, 1913, 359; Karsten 
FMS 2, 1934, 86). — Zs. von ausa 1 
und ker. 

austan 'von osten her’, nisl. nnorw. 
austan, fár. eystan, schw. östan, ndá 
esten. — ae. eastan, as.ahd. ðstana. — 
vgl. austr 2. 

austr 1 m ‘das wasser am boden des 
fahrzeuges’, eig. ‘das auszuschöpfende’, 
nisl. austur, fár. eystur, nnorw. auster. 

— > orkn. shetl. owse-room (aus 
austrrúm) und shetl. uster ‘das ans- 
schöpfen’ (Jakobsen 965); > finn. 
austi, öysti, estn. hausti, heisti ‘der 
auszuschöpfende raum’ (Thomsen 2, 
172; Karsten FMS 2, 1934, 87); > lp. 
ávstar (Qvigstad 98). — vgl. áusa 1. 
2 ‘osten', nisl. austur, fár. eystur, 
nnorw. aust(er), aschw. oster, nschw. 
öster, ádá. ostcer, ndá. tst(er) . — > lp. 
austa (Qvigstad 95); > ne. ÓN. Owston, 
Austwick (Mawer 3). — ae. easter, 

_ eastre (vgl. ne. Easter ‘ostem’), afr. 

' áster, as. ahd. ðstar, vgl. got. Austro- 


gothi, Ostrogothae 'Ostgoten’. — lat. 
aurora ‘morgenröte’, auster ‘siidwind', 
gr. aðpiov ‘morgen’, hom. ‘morgen- 
röte’. ai. ufás ‘morgenröte’, ucchatt ‘es 
tagt', lit. aúSta ‘es tagt’, auSrá f. 
morgenröte', lett. austrs ‘ostwind’, 
austrums m. ‘osten’ (IEW 86-7). —vgl. 
austan, austrcenn, eystri und vir 1. 
austrœnn adj. ‘von osten her kommend; 
norwegisch', nisl. austrtsnn, nnorw. 
austren. — ae. easterne, as. ahd. 
ðstrðni. — Das sufiix ist dasselbe wie in 
norörcenn, suðrann, vestrœnn, und ist 
aus den namen der windrichtungen im 
isl. produktiv geworden, wie aldrcenn 
‘alt’ (s. P. Naert, ANF 57, 1943, 
161-177). Das suðix ist zu vergleichen 
mit lat. -áneus in extráneus (Kluge, 
Stammb. § 217). 

auvirOa schw. V. ‘entehren, beschimp- 
fen’, nisl. auðvirða (mit volksetym. 
umbildung). — Zs. aus au- und virða. 
auvisli, ausli, usli m ‘schaden'. Falls 
zu ae. afwierdelsa ‘schaden, verlust', 
und ahd. wertisdl, wartisli, wartsala 
‘verderbnis', wohl < umord. *abuerðsli 
(s. Falk, ANF 5, 1889, 120) und weiter 
zu ae. wierdan, afr. werda, as. a-wardian, 
ahd irwerten, got. fra-wardjan ‘ver- 
derben, zerstören’; vgl. asl. vratiti, lit. 
vartyti ‘drehen’, ai. vartdyati ‘dreht'; 
vgl. verða I; falls aber zu mhd. awesel, 
awasel ‘kadaver, aas’, Zs. aua au- und 
vesall (soFalk, Fschr. F. Jónsson340). 
Ávaldi mPN vgl. Qgvaldr. 
ávalt adv. ‘immer, stets’, nisl. ivalt. 
Entweder aus *áw-allt mit á > ai in 
infortis-silbe (Noreen §54, 3) und dann 
zu got. aiw allata (A. Kock, ANF 14, 
1898, 258-61), oder zu einem ad]. 
*ávall < *aiwala, zusammengesetzt 
aus *aiwa (vgl. a 2) und sufiix -ala- 
(Falk. Fschr. F. Jónsson 350). 

Ávarr m PN. ; mn. dá. quaiR (Helnæs 
und Flemlase 750-900, Jakobsen- 
Moltke Nrs 190 u. 192), agutn. Awair, 
aschw. Aver; <um. *AnugaiRaR ; vgl. 
ahd. Anaglr (s. Bugge, ANF 2, 1885, 
224). — Zs. aus d 4 und geirr 
ax n ‘áhre’, nisl. ax, fár. nnorw. aks, 
nschw. ax, ndá. aks. — > shetl. oks-; 
> lp N. aksa (Qvigstad 87). — got. 
ahs, ae. ear (< *ahuz), north. ahher, 
air. ár, as. ahar, mnd. ár, nnl. aar, ahd. 
ahir, ehir (< *ahiz). — lat. acus 
'getreidestachel’, gr. étxotrH) ‘gerste’, 
towW)xt) 4 ‘mit langer spitze’.—Das wort 
ist es/os -stamm zur idg. wzl *aM ‘scharf. 
spitzig sein’ (IEW 22). — vgi. egg. 
axla schw. V. 'auf den schultem auf- 
heben’, nisl. axla, fár. nnorw. aksla, 
ndá. aksle. — vgl. qxI. 

Azurr m PN. vgl. Qzurr. 



baO 


22 


bágr 


Ð 


bað n ‘bad' bes. ‘warmes bad’, nisl. fár. 
bað, nnorw. bad, aschw. baþ, nschw. 
ndá. bad. — ae. bceð, afr. beth, as. bað, 
ahd. bad. — Zur idg. wzl *bhS 'wármen, 
rösten’ vgl. ahd. bSjan, nhd. báhen 
'wármen’. — vgl. baka 4 und beðr. 
baðast Schw. V. ‘sich baden’; vgl. nisl. 
fár baða, nnorw. nschw. bada, ndá 
bade 'baden’. — > shetl. be ‘baden'; 
> ne. bask ‘sich sonnen’; > lpN 
battet ‘am feuer erwármen’ (Qvigstad 
103). — ae. baðian, ahd. badðn, mnd. 
baden 'baden’. — vgl. bað. 
báðir ‘beide’. Nom. Pl. ( -"’iTinrr 1 ibai 
~ paíRj ; vgl. Akk. Pl, bdða (< *bans 
' þans) ; vielleicht run. norw. baijoR 
oder baijiR (Kárstad, 5 Jht) nach 
Krause, ZfdA 66, 1929, 247 (aber von 
M. Olsen BMÁ 1929, 31-34 ais ‘Bojer’ 
gedeutet; zu rom. germ. Baemi < 
*Bai-haimðe); nisl. fár. baðir, nnorw. 
baade, aschw. baþir, nschw. bdda, ndá. 
baade. — > me. biþe, bðþe (Björkman 
108) vgl. schott. baith, bath (Flom, 
Infl. 26) ‘beide’. — ae. bigen þá, bá þá 
(> ne. botk), afr. bithe, as. biðie, 
biðea, biðe, ahd. bide, beide, got. bai. — 
lat. ambo, g r, Supco, ai. u-bhau, asl. 
o-ba. htt. a-bú 'beide '. D Íe idg. grund- 
f orm ist *am-bhð(u). dessen 2. teil 
‘ béide' herientet ■wa.hrptnri am- ver- 

stárkendes Práfix sein soll (IEW 35). — 
vgl. beggja, bceði und um. 
baðmr 1 m ‘baum’, eine iiberraschende 
form neben got. bagms, ae. beam, afr. 
bám, as. bðm, ahd. boum (wozu auch 
aschw. bagn ‘stock’) und bisjetzt nioht 
befriedigend erklárt. 

R. Meringer, IF 16, 1904, 158 ver- 
bindet es mit der sippe von bað; 
also eig. ‘holzscheit zum brennen’. 
Wenig einleuchtend, weil die bed. 
entw. von ‘holzscheit’ zu ‘(leben- 
der) baum’ unerklárlich erscheint 
und weil man das wort doch auch 
nicht gerne von got. bagms trennen 
möchte, dessen beziehung zu w- 
germ. *bauma- iibrigens auch nicht 
klar ist. Man hat auch versucht, 
ein altes *bagma- unter einfluss 
von *barwa- (vgl. bgrr) sich zu 
barmr entwickeln zu lassen; daraus 
wáre durch dissimilation baðmr ge- 
worden (s. FT 92).—Dagegenver- 
suchtSpecht, Iitd. dekl. s. 54 von 
einer idg. grundform *bhaumn-o 
auszugehen, die er zu gr. ipöfia 
stellt; die náhe der drei labiale 
soll dann zu verschiedenen dissi- 
milationen gefiihrt haben; z'u den- 


tal in baðmr, zu gutturat in got 
bagms, aschw. bagn. (also zu der 
sippe von búa). 

— 2 m 'busen, schoss’, nisl. baðmur; 
gewöhnlich erklárt als kontamination 
von barmr und faðmr (s. Holthausen 
GRM 18, 1930, 150; E. Lidén MASO x, 
1937 . toi)- 

Báfurr m ‘name eines zwerges’ (nur 
Vsp. 11); wohl lautvariation neben 
Bifurr (s.d.). Gutenbrunner, ANF 70, 
Í955, 64 stellt den namen zu germ. 
*batð = lat. faba ’bohne’; schon der 
bedeutung wegen wenig ansprecheud. 

baga 1 Bn, eig. ‘der schief, verkriippelt 
ist’; nisí. baga ‘dummkopf’, bagur 
‘klotzig’. — vgl. bjagleitr. und 
baga 2 

— 2 schw. V. ‘driicken, hindern’, nisl. 
fár. baga, nnorw. bagga ‘plagen, hin- 
dem’, dá. bag ‘hinderlich’. — vgl. 
bágr. 

bagall m ‘krummstab’, nisl. bagall — 
< air bachall ‘bischofsstab’ < lat. 
baculus ‘stock’ (s. A. Bugge, Indfl. 366). 
Auch me. bag(h)el ‘krummstab’ ist aus 
dem irischen entlehnt; das skand. wort 
könnte mithin auch aus dem engl. 
gekommen sein (Björkman 259). — 
Hiervon abgeleitet baglar 'name einer 
politischen partei in Norwegen im 
i2.Jht. und baglaðr ’bucklig’. 

baggi m ‘packen, biindel’, auch schimpf- 
name fiir die Norweger; nisl. baggi 
'packen’, fár. baggi ‘kosename fiir 
bruder’, norw. dial. bagge 'packen, 
biindel, dicke plumpe person’, bagg 
’einjáhriges kalb 1 , nschw. bagge ‘widder, 
hammel’ und in Zss auch ‘káfer’ 
P. Persson, Beitr. 75). — > lpN. 
baggo ‘biindel’ (Qvigstad 99). — me 
bagge ‘sack, beutel’ (ne. bag; viell. 
entl. aus skand.), mnl. bagghe ‘ferkel’ 
(vgl. nnl. big). — Es gibt neben diesem 
wort die form pakki (s.d.) und in den 
roman, sprachen. afrz. bague ‘biindel’, 
sp. baga ‘last’. mlat. baga ‘sack’, das 
zu lat. bájulus (< *bagiolus) ‘lasttráger’ 
gestellt wird. Trotzdem ist entlehnung 
aus dem roman. oder kelt. wenig wahr- 
scheinlich; eher ist an eine lautvaria- 
tion zu fakki zu denken. — vgl. 
bQggr. 

bágr m. ‘widerstand, kampf’, nisl. 
bágur, fár. bágur, bági ‘widerstand, 
hemmnis’; auch adj. bágr ‘schwierig, 
verdriesslich’, nisl. bágur, nnorw. baag 
‘unwillig, lástig’, schw. dial. bdg ‘miir- 
risch’, ádá. bag ’ungunstig, hindernd’. — 
> ne. dial. bauch, baugh ’lástig, steif’ 



23 


Bálagarðssiða 


bak 


(Flom Infl. 27). — as. bág 'prahlerei’, 
ahd. bága ‘zank, streit’, bágan 'streiten’, 
mhd. bác ‘zank, hader’. —- air. bág 
‘kampf’, bágaitn 'streiten, prahlen’, gall. 
Bagaudae ‘gallische empörer’ (IEW. 
115). — vgl. baga 2, báviss, begla, 
btsgja und bgggr. 

bak n 'riicken’, nisl. fár. nnorw. bak, 
aschw. baker (m), nschw. bak, ndá. bag. 

— ae. bœc, afr. bek, as. mnd. bak, ahd. 
bah ‘rucken’, daneben mnd. mnl. bake, 
ahd. bahho ‘speckseite, schinken’ und 
afr. (kin-)bakka, as. ( kinni-)bako, ahd. 
backo, bacho ‘kinnlade, wange’ — 
wohl zu erkláren aus einer urspr. bed. 
'runde erhöhung, wölbung' (P. Persson, 
Wzl. erw. 190); vgl. bakki 1 und 
weiter baka 1 bekill und bikkja. 

baka 1 f in greybaka ‘hiindin, dime', wohl 
eig. 'arschbacke, cunnus'; vgl. ai. 
bhaga- ‘scham’. — vgl. bikkja. 

— 2 f in sléttibaka ‘glattwal’, vgl. fár. 
bakur, sheti. baki, bagi, orkn. bagi 
als name f Ur eine möwe mit schwarzem 
riicken (larus marinus). — vgl. bak. 

— 3 f ‘speck' < mnd. bake ‘speckseite’. — 
vgl. bak. 

— 4 schw. V. ‘backen, braten, hánde und 
fusse wármen’, nisl. fár. nnorw. nschw. 
baka, ndá. bage 'backen’. — > lpN 
bákkot (Qvigstad 99); vielleicht bakask 
'sich wármen’ > me. basken. — Dever- 
bative öM-bildung zum st. V. ae. bacan 
ahd. bahhan neben: mnl. backen ahd. bac- 
chan. — gr. cpojyeiv ‘rösten, braten’. 

— vgl. bað, bakari und bakstr. 

bakari m ‘bácker' (spát bezeugt in 

christl. schr.), nisl. fár bakari, nnorw. 
bakar, aschw. bagare, ndá. bager. — 
ae. bcscere, as. bakkari, nnd. nnl. 
bakker, nhd. backer. — Mit dem lat, 
lehsufiix -árius gebildet zu baka 4. 
(wohl unter wgerm. einfluss). 

bakhjarl m (selten, auch bakjarl, bak- 
hjall) 'stutze im rucken’, nisl. bakhjall. 
Der 2.teil des wortes í-erw zu hjarri 
(vgl. die dort angefuhrten orkn. und 
shetl. wörter). 

bakki 1 m ‘erhöhung, hugel, flussufer’, 
nisl. fár. bakhi, nnorw. bakke, schw. 
backe, ádá. bakke, banke (daraus wohl 
me. banke 'abhang’). — > shetl. bakk 
^sandbank, erhöhung’; > finn. pankko 
‘ofenbank, herdstelle’ (Wiklund IF 38, 
1917, 101; Collinder UL 1932, 223-4); 
> lp. bákkð, bakko (Qvigstad 99); > ae. 
bacca m, bacce f. ‘höhenrucken’. — ae. 
banca ‘lager, bett’. — ai. bhanj ‘biegen, 
brechen', bhanga ‘bruch, falte, weUe’, 
lit. bangá ‘welle’, air. bongim ‘brechen’ 
(Wood, MLN 15, 1900, 95), — vgl. 
bang und bekkr 1. Falls aber kk nicht 
aus nk entstanden sein sollte, sondem 


ein wechsel kk: k vorliege (v. Friesen, 
Mediagerm. 100), kann man das wort 
mit bak verbinden und weiter zur 
ai. wzl bhaj ‘sich wohin begeben, flie- 
hen’ (WPII148); wenig wahrscheinlich. 
— 2 m ‘kleines fahrzeug' (nur in þula) — 
vgl. and. bak, nnl. bak ‘schiissel, kiibel’ 
(hieraus afrz. bac ‘kiibel; fáhre’, spát. 
lat. bacca ‘wassergefáss’; Falk, WS 4, 
1912, 87). — vgl. bekkr 3. 
bákn n ‘zeichen, bake’, auch poet. 
‘schreckgestalt, troU’, nisl. fár. bákn, 
nnorw. bokn (in mehreren ON, wo 
friiher signalfeuer waren, s. Espeland 
NB 17, 1929, 145-7); kdá bagn, nda. 
baun. — < afr. báken (auch blken) 
‘zeichen’ (Fischer Lw. 27); vgl. ae. 
beacen, biecen ‘zeichen, banner’, as. 
bðkan, ahd. bouhhan ‘zeichen’. 

Die etymologie des wortes ist 
umstritten. Nach IEW 105 wáre 
*baukna-vie\\. zu gr. ^aéðcov 'glán- 
zend', tpaclvco ‘glánze’, ai. vi-bháva- 
‘strahlend, leuchtend’ zu steUen; 
dann wiirde es weiter zu benda 1 
und bók 2 gehören. Dagegen weist 
Modéer NB 31, 1943,131-149, der 
ausfiihrlich die bedeutungsniianzie- 
mngen verzeichnet, auf die mög- 
lichkeit hin, dass es aus der lat. 
mUitárspr. entlehnt sein konnte 
und zwar aus búcina ‘signalhom’, 
búcinum ‘trompetensignál; das ist 
aber nur eine unsichere vermutung. 
bákna schw. V. ‘ein zeichen machen', fár. 
bákna; vgl. ae. beacnian, as. böknian, 
ahd. bouhnen ‘bezeichnen, bildUch 
andeuten’. — vgl. bákn. 
bakstr m 'backen, gebáck (spát. bezeugt)’ 

— mit stra-sufi. zu baka 4. 

bál n 'feuer, scheiterháufen', nisl. fár. 
bál, nnorw. baal, nschw. bdl, ndá. baal. 

— > shetl. bðl, boul ‘feuer’; >" me. 
bále ‘scheiterhaufen’, ne. dial. bale 
'feuer, flamme' (Björkman 87). — 
ae. besl 'feuer, flamme, scheiterhaufen'. 

— ai. bhálam ‘Ucht, schein', asl. bilú 
‘weiss’, daneben abl. gr. 90X6; 'glán- 
zend’, lit. balú ‘weiss werden’, báltas, 
bálnas 'weiss’; wohl auch gaíl. belo- 
in PN wie Belenos, Belisama und air. 
beltene (< *belo-tepniá) ‘der erste Mai’ 
(IEW. 118-20). vgl. Baldr und besla. 

Die idg, wzl *bhel ‘weiss, glánzen’ 
hat mehrere erweiterungen: 
mit gutt. vgl. blakkr, blakra 

mit s vgl. blesi 

mit j vgl. blý 

mit vgl. ~blár. 

Bálagarðssfða f ‘geographischer name 
unbestimmter bedeutung’, viell. ist 
Bálagarðr eine kenning fiir ‘meer', und 
zwar mit hinsicht auf den hrauch, die 



baldikiii 


24 


balsamr 


toten anf einem schifi im meere zu 
verbrennen (H. Pipping NB i. 1913, 
21-27). Wahrscheinbcher wohl volks- 
etym. umgestaltung aus einem wendi- 
schen ON Belgrad. Anders wieder 
H. Gering. NB. 12 1924, 121-6 'die un- 
heilvolle kiiste’ zu nisl. bdl 'starker frost’. 

baldikln n 'seidenzeug’, auch baldakin, 
baldrkinn und volksetym. baldrskinn 
(nur in spáten schr.); aschw. baldakin, 
ádá boldekin. — < mnd. mhd. baldekxn 
vgl. afrz. baldaquin, baudequin < mlat. 
baldekinum, baldacinum, eig. 'stofí aus 
Baldak oder Bagdad (s. Hj. Falk 
NVA 1919, 70). 

baldr 1, auch baldinn ‘trotzig, tapfer’, 
fár. baldur. —- > shetl. bald ‘schnell, 
behende, gut’. — germ. PN. Baldaredus 
(Schönfeld 48). — Gramm. wechsel zu 
ballr (s.d.) und vgl. beldi. 

— 2 'name eines gottes’, auch ‘herr, fiirst’. 
— > air. Balldar (Marstrander, MM 
1915, 87). — ae. bealdor ‘herr, furst’, 
aber Besldœg 'name eines gottes’, ahd. 
Balder, Palter PN (úber deutsche ON 
s. E. Schröder, NB 10, 1922, 13-19). — 
Das Wort ist bis jetzt unerklart. 
Verbindung mit lit. haltas ‘weiss’, 
( v fj ?vich_d^p v olksnamen der 
Balthi níiaX E. Sc.hröder, ZfdA 35, 
1891, 241, schon Grimm, Myth I, 
202, versucht (vgl. bál), ^sp name- 
eines lichtgotte s; noch weriiger 
ansprechend an bolr, also eig ‘be- 
hauener holzklotz, idol’ (Meringer 
IF 18, 1905-6, 282-5). Dem gegen- 
úber betont H. Kuhn, Fschr. 
K. Helm 1951, 37-45, dass die bed. 
‘fúrst, herr’ íúr an. baldr, ae. 
bealdor vollkommen aus der luft 
gegrifíen sei, und aus dem sprach- 
gebrauch eher eine bed. ‘húter, 
wárter’ zu erschliessen sei. Wohi 
ein sprachrelikt, dessen bedeutung 
unklar bleibt. — Neuerdings kehrt 
F. R. Schröder, GRM 34, 1953, 168 
wieder zu der verb. mit baldr 1 
zurúck, aber nimmt als grundfðrm 
ein neutrales wurzelabstraktum 
*bal-ðra-m ‘kraft’ an; spáter konn- 
te^aSfOr - m. *bdd-ðra-z eintreten. 
Seine aufíassung des wortes als 
‘wachstumskraft’ beruht auf der 
erklárung dieses gottes als frucht=— 
barkeitsgoth er war aber vieTmehr 
einé hyposlase Odins (s. de Vries 

ÁNh' 70, I 955 „ 41 - 6 ( 5 J' npd rlpchalh 
k ann man einfach von der bed. 
‘ ínutig, wehrhaft' ausgehen . Viel- 
leicht gar keine -tro- Bildung, 
sondern -r- erw. zu dem adj. baldr 
(wie in den göttemamen Þórr oder 
ind. Rudra, Vrtra). 


baldrast schw. V. 'sich tummeln', nnorw. 
baldra. — mnd. balderen 'lármen, 
rasseln'; daneben abl. nnorw. buldra, 
mnd. mnl. bulderen 'lármen’. — lit. 
bildíti ‘poltem, lármen'. — vgl. 
belja. 

baldrekr m 'gúrtel' (poet. I2.jht) < 
me. baldrick, baudrick, balderich, vgl. 
ahd. paldirich und afrz. baldrier, baudri 
(wohl aus einem fránk, wort, das eine 
weiterbildung zu *balti ‘gtirtel’ war 
(s. Gamillscheg 91) und lat. balteus 
‘schwertgehánge’ (Hj Faik NVA 1914 
Nr. 6, 36). — vgl. belti. 

Baldrsbrá f ‘unechte Kamille, pyre- 
thrum inodorum' (in Sn E.), nisl. bal- 
dursbrd, baldinbrd, fár. baldursbrá, 
nnorw. balderbraa, rischw. dial. ballers- 
brd, ballerbrd, baldersbrd ‘anthemis co- 
tula’. — > ne. dial. Balder(s)brae 
‘anthemis cotula' (Thorson 54). — 
Eig. der weissen farbe wegen ‘wimp>er 
des gottes Balder’; (Palmer ANF 34, 
1918, 138-147) versucht zusammen- 
hang mit bgllr (s.d.) wahrscheinlich 
zu machen). 

Báleygr m ‘beiname von Odin’ eig. ‘der 
mit der flammenden augen’ — vgl. 
bdl und eygr. 

ball m ‘flacher strandhúgel’, nisl. bali, 
nnorw. bale ; vgl. daneben den gotl. ON. 
Bal (< *balii) ; aus diesem alten es/os- 
stamm wurde wohl finn. pale 'húgel- 
rticken’ entlehnt (s. Carlsson MO 12, 
1918, 240-3). 

Das wort gehört zur idg. wzi 

*bhel-, bhli- ‘aufblasen, aufschwel- 

len, spmdeln’ (IEW. 120-122). vgl. 

bolr. Erweiterungen: 

mit dental vgl. ballr, balti, boldi 

mit n- vgl. bqllr 

mit s- vgl. blása 

mit guttural vgl. belgr 

mit l- vgl. bolmr 

mit j- vgl. blistra. 

balkr m ‘scheidewand’ vgl. bglkr. 

baila schw. V. 'zusammenpacken'; vgl. 
daneben nisl. ballra ‘zwischen den 
hánden rollen’, nnorw. balsa, baltra ‘zu- 
sammenballen’, nschw. balta ‘zusam- 
menrollen’ (Hellquist, ANF 14,1898, 
6). —vgl. bQllr. 

ballr adj. ‘kúhn’ (<urgerm. *balþax). 
nisl. ballur, fár. baldur, nnorw. bald, 
nschw. bdld, ádá bold. — got. balpaba 
adv. ‘kúhn’, ae. beald, afr. as. bald, ahd. 
balt ‘kúhn’; vgl. agerm. PN. Balloma- 
rius (Schönfeld 43) und den volksnamen 
Balthi. — Das wort steht im gramm. 
wechsel neben baldr 1 (s.d.) und 
gehört zu der in bali vorliegenden 
idg.wzl. — vgl. b'ella 2. 

baisamr m ‘balsam’ (nur Bisk. s.). 



balti 


25 


barátta 


nisl. nnorw. nschw. ndá balsam. — 
< ae. oder mnd. balsam < lat. bal- 
samum, das selber semit. herkunft ist 
(vgl. arab. baSðm). 

balti m ‘bár’, auch als BN; daneben 
baltr. Entweder zur Sippe von bali 
(s.d.) und auf die plumpe gestalt des 
tieres deutend, oder zu einem zw 
*balta ‘brullen’ neben belja (s.d.), 
wie braelta neben bralla. 

bana schw. V. 'töten’; nisl. fár. norw. 
bana. — afr. bonia ‘töten’. — vgl. 
bani. 

band n ‘band, fessel; verpflichtung’; nisl. 
fár. nnorw. schw. bana, ndá. baand. — 
> orkn. shetl. band ; > finn. panta, 
estn. pand, lpN. badde, padde (Thomsen 
2, 205; Setálá FUF 13, 1913, 421); > 
me. band, bond ‘fessel’ (wahrsch. entl. 
Björkman 229). — as. band, ahd. bant, 
neben got. bandi, ae. bend, afr. bend, 
benda, bende, as. bendi ‘band, fessel’. — 
ai. bandha- ‘bindung, band', bandhu- 
‘verbindung, verwandtschaft’, lit. ban- 
dd ‘vieh’, mir. buinne (< *bhondhjð) 
‘band’. — vgl. binda und weiter benda 
2, bendi, bendill. 

banda schw. V. ‘winken’, vgl. benda 1. 

bandingi m ‘gefangener’ < *band- 
gengi. 

banel, bonel n ‘banner, fahne’ (nur 
Karlam, s.) <mhd. baner < afrz. 
banniére. 

bang n ‘lárm’, nisl. fár. aschw. bang, 
nschw. bðng ‘lárm’. — > shetl. bang 
‘lárm, krachen, klopfen’, bong ‘schlag’. 
— vgl. banga. 

banga schw. V. ‘schlagen, hámmem’, 
fár. banga, aschw. banga ‘schlagen’, 
nschw. bdngas ‘lármen’. — > shetl. 
bong ‘klopfen’, ne. dial. bong 'schlagen’ 
(Flom. Infl. 27). — Daneben abl. fár. 
bunga 'etwas kugeliges’, aschw. bunga 
‘trommel' und mit k: nschw. banka, 
ndá banke ‘schlagen, prtigeln’, vgl. 
fár. bunki ‘schlag’. — ne. bang, nd. 
bangen ‘klopfen, schlagen', abl. mhd. 
bungen ‘trommeln’ und daneben nhd. 
dial. banken, bunken, nnl. bonken 
’schlagen’ (v. Friesen, Mediagem. 33, 
aber auch Hellquist GUÁ 14, 1908, 
Nr. 2, 12). — Verbindung mit der idg. 
wortsippe *bheng ‘brechen’ (vgl. bakki 
1) ist möglich, aber die reiche entw. 
innerhalb des germ. weist wohl eher 
auf ein schallwort hin (IEW 115). — 
vgl. bangsi und bgngull. 

bangsi m. BN. nisl. bangsi. Das nnorw. 
bamsi ‘bár’, das gewöhnlich als jtingere 
umbildung betrachtet wird, ist wohl 
ein ursprtinglich verschiedenes wort 
(s. Lidén GHÁ 40, 1934, Nr - 3 > 4 8 '59)- 
Vgl. daneben nnorw. bangsa ‘schwer- 


fállig gehen’. — vgl. bang und bingsi. 
fc ani m, 'tod: mörder, btittel ', nisl. fár. 
bani, nnorw nschw. ndá. bane. — ae. 
bana ‘tðter’, afr. bona ‘mord’, as. bano 
‘mörder’, ahd. bano 'tod, verderben’. — 
air. bon ‘schlag ' (vgl. bo n-clust ‘ohr- 
Teige ’) a v. fcflwfa- ‘erkranKt' (ÍEW. 126) 

— vgl. bana und ben. 

Unter hinweis auf dán. dial. 
baane ‘eine sense aushámmem’, nnl. 
banen ‘aushámmem’, und schw. 
ban, dá. dial. bane, nhd. bahn 
‘schlagfláche des hammers’ ver- 
gleicht N. O. Heinertz SVS Lund 
7, 1927, 145. diese gruppe mit 
banga. Es ist wohl besser diese 
wörter von an. bani zu trennen. — 
P. Persson, UUÁ 1891, 73 ver- 
bindet mit bgð, beide Erw. zu 
einer idg. wzl *bhð-, bh»- ‘schlagen, 
töten’. 

bann n ‘verbot; bann, verbannung’, nisl. 
fár. nnorw. nschw. bann, ndá. ban. — 
ae. afr. as. bann ahd. ban ‘gebot, ver- 
bot’, ae. gebann 'aufgebot’. — air. bann 
‘gebot, gesetz’ (weder ist das germ. 
wort aus dem irischen entl. noch, 
wie Craigie ANF 10, 1894, 158 will, 
ist das ir. wort aus dem an. entlehnt!), 
weiter arm. ban ‘wort, rede’, ái. bhanati. 
‘klingt, spricht’. — vgl. banna und 
bœn. 

banna schw. V. ‘verbieten; bannen, ver- 
bannen’, nisl. fár. norw. schw. banna, 
ndá. bande ‘fluchen’. — > shetl. ban(n), 
ne.dial. ban ‘fluchen’ (Flom. JEGPh 5, 
1903-5, 424). — vgl. bann. 
b&ra 1 f ’woge’ auch ‘unebene oberfláche’ 
nisl. fár. bdra, nnorw. baara ‘welle’. — 
> orkn. bore, shetl. borek ‘welle’; > 
lpN bðrro.S.paro ‘welle’ (Thomsen 2, 
205; Qvigstad 102); > me bdre ‘welle’, 
ne.dial. bore ‘wellen am strande’ (Björk- 
man 88). — mnd. bðre, nnl. baar ‘woge’. 

— eig. ‘die tragende’ (IEW 131), vgl. 
bera 3 und btsra. 

— 2 schw. V. ‘wogen’, nisl. bdra, nnorw 
baara. — vgl. bdra 1. 
barar harir fnl ‘tragbahre totenbett’. 
‘Tusl. börur, fár. bera ‘bahre’. — > shetT 


bor(r)os ‘bahre’; > air. bara (Marstran- 
der NVA 1915, Nr. 5, 59). — ae. bearwe, 
ostfr. barwe, nnl. berrie ‘korb, bahre’; 
daneben abl. nschw. bár, ndá. baare, 
vgl. ae. beer, afr. bire as. ahd. bðra, 
nnl. baar ‘bahre’ (aus urgerm. *birö 
ist frz. biére ‘bahre’ entlehnt). — ai^ 
bhard- ‘tragend’, gr. <p6poc ‘ertrag, 
steuer’, oopto 'trage', lat. fors ‘zufall'. 

"— vgl . - trvra 3 und barmr, barn. 
bar&tta f ‘streit’ (spát. bezeugt), nisl. 
bardtta. — > afrz. barate 'kampf- 
gettimmel' (Gamillscheg 78). — mit 



barö 


26 


barma 


dem suff. -átta gebildet zu berja. 

barð 1 n ‘rand, kante; hiigel; steven’, 
nisl. barð ‘ds', far. barð- 'vordersteven', 
nnorw. bard 'rand, schiffsrand’. — 
> shetl. bard 'vorgebirge, klippé’, bar 
flossen eines fisches’; > lpN. bardde 
‘krummung des kieles am steven’ 
(Qvigstad ioi) ; > ae. barþ 'leichtes 
schifi’ (Björkman 162). — lit. bartá 
’erhöhter rand eines gefasses'. — vgl. 
barði 1, barmr 2 und borð 1. 

Gewöhnlich zur idg.wzl. *bher 
'hervorstechen’ gestelit, aber es 
gibt daneben auch *bher ‘ritzen, 
spalten’ und *bhereu ’sich heftig 
bewegen'. Vielleicht handelt es 
sich um eine wzl *bher, die ver- 
schiedene aspekte und tátigkeiten 
der niederwaldwirtschaft bezeich- 
net (vgl. unter berja). 

— 2 m 'bart’. — > finn. wot. parta, estn. 
pard, weps. bard (Thomsen 2, 206; 
Setalá FUF 13, 1913, 423); > lpN 
parta (Qvigstad i03).Faíls nicht ent- 
lehnt aus mnd. bard, zu ae. beard, afr. 
berd, as. bard, ahd. bart. — lat. barba, 
asl. brada, lit. barzdá, lett. bárda, apr. 
bordus ‘bart’ (WP' II 135). — vgl. 
bardi 2. 

Es ist fraglich ob dieses wort von 
barð 1 zu trennen ist. Wie skegg 
gehört zu skógr, so kann die bed. 
‘bart’, auf ‘den mit kurzen loden 
bewachsenen wurzelstock’ zuriick- 
gehen und dann gehören zu der 
fiir die unterwaddwirtschaft be- 
deutsame idg. wzl. *bher (vgl. 
berja); s. dazu J.Trier, Holz 1952, 
86-87; andere denken an benen- 
nung nach den borsten, also zu 
barr 1. 

barða f ‘streitaxt’, nisl. barða ‘hammer 
um stockfisch zu klopfen’. — viell. 
< mnd. barde vgl. as. barda, ahd. 
barta (Falk NVA 1914 Nr 6, 109-110), 
falls nicht, ganz wie das nd. wort, aus 
barð 2 gebildet. 

Die bed. wáre also ‘mit einem bart 
versehene axt’. Petersson, IF 24, 
1909, 40 stellt es aber zur idg. wzl. 
*bherdh ‘schneiden', vgl. gr. Ttépðc* 
'verwiiste, vernichte'. — Das asl. 
brady 'axt’ betrachtet Stender- 
Petersen 222-4 als altgerm. lehn- 
wort, dagegen K. Knutsson LUÁ 
24, 1928, Nr 9, 47-51 aus nd. barda, 
barde. Zu diesem worte sind auch 
PN. gebildet; vgl. wfránk. Isen- 
bardus, Sicbardus, und an. Barði, 
Hábarðr, Hagbarðr. 

bardagi m ‘schlag, kampf, strafe', nisl. 
bardagi, fár. bardagi, bardagur. — mit 
dem sufiix -dagi zu berja gebildet. 


barði 1 m ‘schiffsart’, eig. 'mit einem 
barð versehen’, auch ‘schild’ (þula), 
nisl. barði. — > ae. barda, barða 
‘navis rostrata’ (Björkman 230). — 
vgl. barð 1. 

— 2 m 'bartenwal’, auch barðhvalr. — 
vgl. barð 2. 

Bárðr mPN; áltere formen Báreðr, 
Baroðr. — nisl. Bárður, nnorw. Baard, 
aschw. Barþer, adá. Bardh. — > ae. 
Barað, Bared (Björkman 24-5); > norm. 
ON. Barville; > air. Barith, Barid, 
Baraid (Marstrander NVA 1915, Nr 5, 
90-1). — Zs. aus. bgð und freðr( soS; 
Bugge, ANF 2, 1885, 244-6), oder 
friðr (Magnússon ANF 65, 1950, 126); 
dagegen trotz ahd. Badward kaum 
aus bgd und vgrðr 1, wie A. Noreen, 
ANF 6, 1890, 316 vermutet. 

Bari mPN, neben var. Barri Zwergen- 
name; viell. zu barr 3. 

barki 1 m. ‘luftröhre, kehle’, nisl. fár, 
barki, nnorw. barke. — gr. ^ápuyg 
'luftröhre’ (Fick, BB 1, 1877, 62), lat. 
frumen (< *frúgsmen oder *frúgmen ) 
‘schlund, kehlkopf'. Der bildung nach 
steht das skand. wort náher zu gr. 
ifápayí, ‘kluft, abgrund'. Fiir die bed. 
entw. lassen sich die aus derselben idg. 
wzl. *bher ‘schneiden, bohren' stam- 
menden wörter lit. burná, arm. beran 
‘mund’ vergleichen. (s. H. Petersson 
IF 23, 1909, 403). — vgl. berja. 

— 2 m ‘schiffsart’, nisl. barki, nschw.ndái 
bark. -— < mnd. barke vgl. nndT nnl, 
bark, mhd. barke, welche wðrter ihrer- 
seits wieder aus mlat. barca ‘handels- 
schiff' entlehnt sind (vgl. it. 'bareé 
‘boot’, frz. barque ‘kleines boot), und 
díeses wort ist wieder eine weiter- 
bildung aus gr. þöpi? 'ágyptisches 
fahrzeug’ (< kopt. bari). 

barkliga ‘prahlerisch’, vgí. berkja. 

barlak n ‘gerste’ (in þula). — < ae. 
bœrlic (vgl. ne. barley ‘gerste', s. S. Bugge 
Aarb. 1875, 229), selbst wieder eine abl. 
von ae. bere ‘gerste' (vgl. barr 2). 

barlast schw. V. ‘sich anstrengen’. — 
vgl. berja. 

barma schw. V. ‘sich erbarmen', nnorw. 
barma seg, aschw. barma sik. —<mnd. 
barmen ‘sich erbarmen’. Daneben 
jiingere formen wie aschw. forbarma 
sik, nschw. förbarma sig, ndá forbarnu 
sig < mnd. sik vorbarmen. Das wort 
*barmSn ist, mit hinsicht auf nnl. ont- 
fermen, dial. ervarmen, mnd. ent- 
varmen, entvermen wohl aus *af- 
armén entstanden, wie ae. of-earmian 
‘sich erbarmen’ (s. Franck-Van Wijk 
34-5). Das grundwort ist got. arman, ae. 
earmian ‘sich erbarmen’, eine lehn- 
iibersetzung von lat. miseréri. 



barnu 


27 


basmir 


barmi m 'bruder’ (poet) (< um *ga- 
barman), eig. der zum selben mutter- 
schoss gehört, vgl. ai. sa-garbhya, 
gr. á8eX<pó?. — vgl. barmr x. 

barmr 1 m ‘busen, schoss’, nisl. fár. 
barmur ‘schoss’, nnorw. barm ‘busen, 
brust’, nschw. ndá. barm ‘busen, 
brust'. — > shetl. barmskinn ‘gegerbte 
schafshaut als brustbedeckung der 
fischer (Jakobsen 27); > finn. parma, 
parmas, paarmas,. wot parmát ‘schoss’ 
(Thomsen 2, 205; Setálá FUF 13, 1913, 
422). — got. barms ‘brust’/ae. bearm, 
as. ahd. barm ‘schoss’. — gr. <póp(j.o<; 
‘tragkorb’ (H. Hirt, IF 32, 1913, 287), 
<píppcx ‘ertrag, leibesfrucht’, ai. bharma- 
‘biirde’, asl. brímf ‘last’ und also zum 
zw. bera 3, vgl. auch barmi und 
baðmr 2. Aber auch gedeutet als 
dasselbe wort wie barmr 2 (Wood, 
MPh 11, 1914, 326; Giintert WS n, 
1928, 139)- 

— 2 m ‘rand, saum’, nisl. barmur ‘rand, 
kante’, nnorw. dial. barm ‘kante, 
bráme'. — > lpN. parbmo, parbma 
‘steiles flussufer’ und barmme 'rahmen' 
(Qvigstad 101); > me. barme 'saum, 
rand’ (Björkman 230). —- nnd barm, 
berme, mnl. barm, nnl. berm ‘hoher 
ackerrand, grasrand eines weges’. 

Gewöhnlich zu der idg. wzl. 
*bher ‘hervorstehen’ gestellt, aber 
fraglich ob diese fiir sich ange- 
nommen werden darf; vgl. dazu 
barð 1 und berja. 

— 3 in der kenning hvarma barmskúr 
'tránen’; hier bedeutet es viell. 'gárung’ 
(E. A. Kock NN § 1271). — ae. on 
beorme ‘siedend, gárend’ (ne. barm), 
mnd. barm.berm ‘hefe’. — lat. fermen- 
tum ‘gárungsstoff’ — vgl. auch brauð 
und brugga. 

— 4 fiir baðmr nur in den Zss hgfudbarmr 
‘hauptsippe, vatersippe; familienglied 
váterlicherseits’ (anorw. im Gulaþings- 
gesetz), wohl durch dissimilation der 
beiden auf einanderfolgenden ð zu 
erkláren, und œttbarmr ‘sippenmit- 
glied’ (nur einmal als v.l. zu -baðmr in 
der SnE). Fiir diese ausnahmefálle 
braucht man keine analogische form 
nach bgrr anzunehmen (so Feist, Got. 
Wb 73 b).* 

fea m n 'kind ’, nisl. fár. norw. schw.dá. 
barn. — > shetl. bjadni (aus barnit) 
‘das kind; > me. barn, ne. dial. bairn 
(Björkman 230); > finn. paarna 

(Thomsen 2, 205), IpN bardne, pardne 
(Qvigstad 101). — got. barn, ae. bearn, 
afr. bern, as. ahd. barn. — alb. baré 
' biirdft * und daneben abl. lit. bérnas 
‘ltnaAt--iá ögImg''.'Iéir* oerns 'Kind' — 
Das wort ist no- prát zu bera 3 (s. 


Meillet, MSL 21, 1921, 47). — vgl. 
barnaeska, -berni und bernskr. 

barnœska f ‘kindheit’ (< urgerm. 
*barnðhiskðn), nisl. barnœska, nnorw. 
barnska. — got. unbarnahs ‘kinderlos’. 
Das an. wort steht wohl unter einfluss 
von ceska ‘jugendalter’ (E. Förstemann 
KZ 23, 1877, 380). 

barr 1 n. ‘nadelbaum; laub, baum’ (< ur- 
germ. *barza-) ; nisl. barr, nnorw. 
£ischw. bar, nschw. barr, ndá. bar 
(> orkn. bar ‘grannen der áhre’); 
daneben nschw. borre, ndá. burre 
‘klette’ und nnorw. borren ‘stolz. — 
ahd. barrðn ‘starr emporstehen’. — 
lat. fastigium ‘spitze, gipfel’, fastus 
(< *farstus) ‘stolz, hochmut’, air. barr 
'haarschopf, spitze’, vgl. asl. ború 
‘fichte’. — Zur idg.wzl *bhars-, bhors 
‘emporstehen; spitze’, Erw. von *bher- 
vgl. barmr 2, barri 1, borri, broddr^ 
burst, bgrkr und bgrr. 

— 2 n ‘getreide’ (< urgerm. *bariza-); 
uber das fehlen des uml. s. E. Neuman, 
APhS 4, 1929, 238. Alter -es-stamm: 
got. barizeins ‘von gerste’, ae. bere (ne. 
bear, barley) ‘gerste’, afr. ber- 'gerste’. 

— lat. osk. umbr. far ‘spelt, dinkel’, 
farina ‘mehl’, (wichtige ital.-germ. 
ubereinstimmung, vgl. Krahe, Sprache 
und Vorzeit s. 76), asl. braSíno ‘roggen- 
mehl, speise’, búrú ‘hirsenart’ (s. 
Hoops, Waldb. 360-3). air. bairgen 
(< *bharigenS) ‘brot’, eig. ‘das aus 
gerste gemachte’. — gehört weiter 
wohl zur sippe von barr 1. 

— 3 adj. ‘rauh, scharf’ (P), vgl. mnd. 
barsch ‘rauh’. — vgl. berja. oder zu 
barr 1. 

barri 1 m. PN., nisl. barri ‘tölpel’, norw. 
scKw.dial. barre ‘widder’. — vgl. berr 1. 

— 2 m Name eines myth. Ortes (Skm. 39); 
falls zu barr 1 bedeutet es 'nadelwald’, 
falls zu barr 2 ‘kornacker’ (M. Olsen, 
MM 1909, 20-34). 

barún, barrún m ‘baron’ < mhd. barun 
oder me barun, beide < afrz. baroun, 
baron. 

bása f ‘in den stall setzen’, vgl. báss 
und bœsa. 

basinn m ‘baumart’ (þula; nach F. Jóns- 
son ANF 33, 1917, 190 unrichtige les- 
art.); vgl. nnorw. base ‘weidengestrupp’. 

— vgl. ber und bgsl. 

basmir f pl. (nur poet Herv. s.), wohl 
‘schátze, ringe’. Ein dunkles wort, viell. 
aus dem got. urlied ? Nicht wahrschein- 
lich ist die deutung als lautsubstitution 
fur *masmir und dann zu mgsmar 
(Falk NTS 1, 1928, 8); wenig anspre- 
chend der vergleich mit norw. basma, 
basm ‘abteilung im gewebe auf 20 fá- 
den’, schw. dial. bassm ‘kleines íáden- 



báss 


28 


biindel’. Befriedigender mit E. A. Kock 
NN § 2378 (auch Holthausen, PBB, 66 
1942, 268) zu ae. baso ‘purpem’, ir. basc 
'rot’, ai. bhás 'glanz, schein'; vgl. Bðsi 1. 
bás8 m ‘stand im kuhstall' (< urgerm. 
*bansaz); nisl. bás, fár. bdsúr, nnorw. 
baas, nschw. bds, ndá. baas. — > shetl. 
bis(s)i ‘stall’ (Jakobsen 41); > ne. ON. 
wie BaysdaU (ált. Basdale-, Ekwall 30), 
viell. auch ne. dial. beace ‘stall fur 

{ >ferde oder kiihe’ (Björkman 99); > 
p básse ‘stand yn kuhstall’ (Qvigstad 
103); > finn. pahna, estn. pahn ‘stroh, 
Iagerstelle’ (Thomsen 2, 203, aber sehr 
fraglich s. SetáláFUF 13, 1913, 420). — 
ae. bðsig ‘krippe (ne. boose ‘kuhstall’), 
aír. bðs ‘kuhstalr, nd. banse ‘kornraum’, 
mnd. bðs, nnl. boes 'teil des kuhstalls’, 
got. bansts 'scheune’ (vgl. auch afr. 
bðst 'eheverbindung’). — Grundformen 
sind *band-sa oder *band-sti, zum Zw. 
binda (s. K.F. Johansson IF 19, 1906, 
116); also eig. nach der flechtwand 
benannt. — gr. (pá-tvr), 7tá0vT) ‘stand, 
krippe’, gall. benna ‘zweirádriger wagen 
mit geflochtenem korb’, lit. bandd 'vieh’ 
(IEW. 127). — vgl. beesa und bessingr. 
bassi m. ‘bár (vgl. valbassi ‘wilder eber’); 
auch PN; fár bassi ‘starker mann' (vgl. 
shetl. bas 'starker, dicker kerl r ); 
schw. dial. basse 'eber, ochse', aschw. 
adá. basse ‘wildschwein’. Hier können 
zwei wörter zusammengefallen sein 
(s. E. Björkman, IF 30, 1912, 275) 
und zwar in der bed. ‘bár’ eine kose- 
form zu dem in bjgrn vorliegenden 
stamm (vgl. bersi), und in der bed. 
‘eber’ eine koseform zu ae. bár, btsr, 
as. mnd. ahd. blr 'wildschwein’, langob. 
pair ‘eber’; falls schliesslich nicht < 
*barhsan zu bQrgr. 

bast n ‘bast, bes. der linde; bastseil’, 
nisl. fár. norw. schw. dá. bast. — ae. 
beest, as. ahd. bast; daneben buost 
'bastseil'. — vgl. besti, bestingr, 
Bestla, bQsl und valbQSt. 

Man nimmt gewöhnhch als grund- 
form *bhadstu an (K.F. Johansson 
IF 19, 1906, 121), vgl. lat. fascia 
‘band', messap. pacrrá ‘schuhe’ 
(s. dazu Krahe, Sprache und Vor- 
zeit 105), gr. qxíaxov ‘langes moos 
an báumen’, mir. basc ‘halsband’. 
Diese wörter fuhren aber auf *bhas 
und nicht auf einer form mit den- 
tal. — Eswurde vielfach versucht, 
das wort mit binda zusammen- 
zustellen, aber dann muss man 
von einer entw. *bhifdh-t > *bast 
ausgehen, die nicht germ. ist, 
aber im illyrischen stattfindet; 
Szemerenyi KZ 71, 1954, 2*1-213 
möchte alle oben erwáhnten wörter 


b&tr 


aus dem illyr. ableiten. Mit hin- 
sicht auf oss. bast, av. basta ‘ge- 
bunden, biindel’ hatte J acobsohn, 
ZfdA 66, 1929, 238-40 das wort, 
weniger wahrscheinlich aus einer 
skythischen sprache erkláren wol- 
len. In beiden fállen muss man ahd. 
buost als eine neu hinzugebildete 
hochstufe-form betrachten. Eine 
entlehnnng scheint auch deshalb 
nicht recht glaubhaft, weil das 
wort gerade in der an. sprache eine; 
so reiche entw. zeigt. 

bastarör m ‘bastard’ (spát. bezeugt), 
nisl. bastarður, norw. schw. dá. bastard. 

— wohl < me. bastard (Fischer Lw. 
87), und dieses < afrz. bastard, abl. 
von dem aus dem germ. entlehnten 
mlat. bastum ‘saumsattel’. 

basún n. und basúna f (nur Þiðr. s.) 
posaune’, nisl. básúna, aschw. basu(r)n. 

— < mnd. basune (Fischer Lw 83), 
und dieses < frz. basson oder bosine, 
buisine (vgl. lat. bucina). 

batl m 'besserung, nutzen’ nisl. fár. 
bati, nnorw. bate. — > lpN. patto 
'nutzen’ (Qvigstad 103). — afr. bata, 
mnd. mnl. bate, mhd. bazze ‘besserung, 
vorteil’. — vgl. batna und betr. 

batna schw. V. ‘besser werden’, nisl. 
fár. norw. aschw. batna, nschw. battna. 

— > ne, batten ‘feist werden, gedeihen' 
(Björkman 202), > schott. baitteni* 
(FÍom. Infl. 26).—got. gabatnan ‘vorteil 
erlangen’; vgl. ae. batian, afr. batia, mnd. 
nnl. baten, ahd. bazzln ‘besser werden, 
vorteil bringen’. — vgl. bati. 

b&tr m ‘schiff, boot’ (erst seit dem 
u.Jht.); nisl. fár. bátur, norw. baat, 
nschw. bát, ndá baad. > shetl. 
bot(a), auch boda, bodin (Jakobsen 34), 
manx baadey (Marstrander NTS 6, 
1932, 49); > finn. paatti, estn. pát 
'böot’ (Thomsen 2, 203; Setálá FUF 13, 
1913, 419); > mir. bát (Marstrander 
NVA 1915, Nr 5, 127); > russ. dial. 
bat ‘einbaum’ (É. Meyer, ZfslPh. 5, 
1929, 144-6). — Gewöhnlich erklárt 
als entl. aus ae. bát (vgl. an. beit), 
woraus auch entlehnt frz. bateau, ital. 
batto, wáhrend aus me. böt wiédernhd, 
nnl. boot entstanden sind (Falk WS 4, 
1912, 86); aber auch möglich aus afr. 
bát (Wadstein, Fries. Lehnwörter im 
Nord. 1922 S 8); nach E. W. Selmer 
MM 1925, 62-71 sind beide möglich- 
keiten zu erwágen. 

Das wort wird aber auch als nor- 
disch betrachtet (vgl. das genus!) 
und dann als nebenform zu beit 
gestellt; das vokalverháltnis wie 
in láðmaðr, sápa, tákn, vákr (so 
F. Jónsson, Forh. 66 und Mar- 



baugr 


29 


beðr 


strander NVA 1915, Nr 5, 70). — 
Der versuch bátr als echt nord. wort 
zu betrachten, das zur sippe von 
lat. fodio 'graben’ gehören und 
also eig. ‘einbaum, ausgehöhlter 
stamm' bedeuten soll (Sverdrup 
MM 1922, 49-59), ist abzulehnen 
(s. Selmer z.a. S und Falk ANF 41, 
1925, 123) 

baugr m 'ring, ring am schildbuckel’, 
nisl baugur, nnorw baug — > shetl. 
bjog. — ae beag ‘ring, krone, glanz’, 
afr. bág, as. bög, mnd. bög, ahd. boug 
‘ring’. — ai fcAoga-’windung, ring’. — 
vgl. bjúga 2 und beygla. 

Auch als i.teil von PN. wie Baug- 
eiðr, Bauggerðr; auch wgerm. 
vgl. ae. Beagnoth, fránk. Baugulf 
(Naumann 82). 

bauka schw. V. ‘graben, wiihlen’ (nur 
Grett. s.); rasen (vom feuer, nur poet.)’, 
nisl. bauka ’ungescliickt arbeiten', fár. 
beyka ‘beladen, ausfullen’, nnorw. bauka, 
buka 'schlagen, klopfen’, danebert dial. 
boka, buka ‘graben, wiihlen’, nschw. 
böka ‘schlagen', dial. boha ‘schlagen, 
stossen’, dá. dial. boge ‘stossen’. — 
mnd. boken, nnl. beuken 'klopfen, schla- 
gen’, mhd. buchen, puchen, nhd. pochen 
’ds’; daneben aber auch ne. to poke, 
mnd. pohen 'stechen’, nnl. poken 
'schiiren’ (vgl. IEW 97-98). — lett. 
bauze 'dreschflegel’, air. búalaim (< 
*bhogla-) ‘schlage’. — vgl. bauta. 
baula f ‘kuh’; eig. ‘die briillerin’ (nur 
Bisk. s.), vgl. nnorw. baula, nschw. 
böla, ndá. bele ‘briillen’ (> finn. 
pöyliá ‘briillen, s. Thomsen 2, 104; 
Setálá FTJF 13, 1913, 432); > me. 
bavrfen ‘bellen’ s. Björkman 75). — 
vgl. belja (s. fiir vermischung der 
2. und 6. Abl. kl.: Noreen § 172, 3). 
und Beyla. 

Die idg. wzl *bu ist eine schall- 
nachahmende bildung, vgl. gr. 
Púapö^a. lat búbo, bulg. buh 
‘uhu’, russ. byk 'stier’. 
baun f ’bohne', nisl. baun, fár. ben, 
nnorw. bauna, nschw. bðna, ndá benne. 
— Pl. baunir > air. pónair (Marstran- 
der NVA 1915 Nr. 5, 59). — ae. bían, 
bien, afr. báne, as. ahd. bona; vgl. lat. 
Baunonia 'eine der friesischen inseln’ 
(Plinius). — Gewöhnlich erklárt < 
*babnö; vgl. lat. faba, russ. bob, apr. 
babo ‘bohne’ (WP. II, 131); besser 
aber zur idg.wzl *bheu ‘schwellen, 
wachsen’ zu stellen (H. Petersson 
IF 23, 1909, 390). — vgl. beyla 2. 
bausti m. Bn; nnorw. bauste ‘verwegener 
mensch’, vgl. beysta. 
bauta st. V. ‘schlagen’ — ae. beatan, 
mnd. böten, ahd. bözzan ‘schlagen. 


stossen’; vgl. mhd. bðz, búz ‘schlag’, 
ahd. aneböz ‘amboss’, langob. uualopaus 
‘tötlicher schlag’ (v. Grienberger, AfdA 
23, 1897, 131). — lat. fústis (< 
bhúdstis) 'kniittel, priigel’, air bibdu 
(< *bhe-bhud-jfðts, s. Pokomy KZ 47, 
1916, 163) ‘schuldig; feind’, weiter 
zu mir. búalaim ‘schlagen’. — vgl. 
bauka, beysla, beyta, beytill und 
bútr. 

bauta(ða)rsteinn m ‘grabstein’, nisl. 
bautasteinn, nnorw. bautestein, ent- 
weder: 'stein, der in den boden ein- 
gerammt wird’ oder ‘der fiir einen 
krieger errichtete stein’, obgleich auch 
mit hinsicht auf beytill ‘phallos’ der 
aufrechtgestellte stein eine phallische 
bedeutung gehabt haben kann. (M. 
OÍsen, NVA 1909, Nr 5, 68). — Dazu 
bautuðr m. ‘ochse; pferd’ (poet.); 
urspr. wohl vom ochsen, der mit den 
hörnem stösst, aber auch fiir pferde 
geeignet, wie sie in den pferdekámpfen 
mit den fiissen herumschlugen. 
bávísa m. Bn. wohl < bigviss ‘jvider- 
spenstig’, vgl. bágr und viss. 
baztr ‘bester’, durch einfluss von akk. 

baztan statt beztr (s.d.). 
beðja f 'frau’ (P). (< urgerm. *gabaðjön); 
nisl. fár. beðja. — ae. gebedda í. ‘gattin’, 
afr. bedda m., as. gibeddio m ‘gatte', 
mhd. gebette f ‘gattin’. — vgl. beðr. 
beðr m ‘polster, federbett’, (poet. auch 
‘ufer, strand’ < urgerm. *baðjaz) ; 
nisl. beður ‘bett’, fár. beð ‘bettdecke’, 
beður ‘bett’, norw. bed, nschw. badd, 
ndá. bed. — > finn. patja, estn. padi, 
liv. pad'a ‘kissen, polster’ (Thomsen 2, 
206; Setálá FUF 13, 1913, 423; Kar- 
sten, GFL 147). — got. badi, ae. bedd, 
afr. bed, as. bed(de), and. betti. — vgl. 
beðja und bgd. 

Etymologie unsicher; meistens ge- 
stellt zu lat. fodio ‘grabe’, asl. bodq 
bosti ‘stechen’, lit. badaú, badýti 
‘stechen’, bedú, bésti ‘stechen, 
bohren, graben’, lett. badit 'stos- 
sen’, kymr. bedd 'grab’ (H. Posch, 
WS 16, 1934, 4-16); dann muss 
man wohl von der bed. ‘in die erde 
gegrabenes loch oder lager eines 
tieres’ ausgehen, vgl. nnorw. dial. 
bed. aschw. beedil (R. Meringer, 
IF 19, 1906, 448). Das ist höchst 
unwahrscheinlich: der mensch hat 
seine schlafstátte gewiss nicht nach 
dem lager eines tieres benannt. — 
Man kann der form nach *baðja 
kaum von *baða trennen, und 
wenn man bað als ‘das warme bad’ 
erklárt, so kann beðr die warme 
stelle bedeuten, wo man vor der 
kálte geschutzt ist. 



Begga 


30 


beita 


Begga fPN. kosename zu einem mit 
berg- anfangenden namen, wie Bergljót. 

Beggi mPN. wie Begga, also zu Bergr. 

beggja gen.pl. ‘beider’ (< urgerm. 
*baiié) ; nisl. fár beggja, norw. beggje, 
nschw. bdgge, ndá. begge. — vgl. báðir. 

begla f. Bn ‘eine widerspenstige person’, 
nnorw begla í ds und begla 'hindern’, 
bagla ‘miihe haben’ — vgl. baga 2 
und bágr 

beiða 1 schw. V. 'nötigen, mahnen, 
zwingen’. — got. baidjan, ae. bcedan, as. 
bédian, ahd. beiten 'antreiben, zwingen’. 

— asl. bíditi 'zwingen’. 

— 2 schw. V. ’fordem, begehren’, nisl. 
fár. beiða, nnorw. beidast, agotl. baiþas, 
nschw. bedas, ádá bethœs ‘erbitten’. — 
> me. baiþen ‘zustirrmen, einwilligen’ 
(Björkman 41). — got. baidjan 

‘zwingen’, ae. bœdan ‘verlangen’, as. 
béðian, ahd. beiten ‘fordern’. — vgl. 
biðja und beizla. 

Beigaðr mPN.; auch name eines ebers, 
gehört mit dem BN Beigaldi zu nisl. 
beygur ‘furcht', nnorw. beig 'schwá- 
chung, krankheit’; also ‘einer der 
furcht einflösst’ (Kahle, IF 14, 1903, 
176. — ai. bhayate, bibhéti ‘sich fiirch- 
ten’. — vgl. bifa 2. 

belgla schw. V. ‘schwerfállig gehen (poet.)’ 
vgl. beygla. 

beimar mpl. ‘krieger’ (nur P); vgl. auch 
die Seekönignamen Beimi und Beimuni 
(Saxo: Bemonus). 

Etymologie unsicher. Viell. eig. 
der Name des von Ptolemaios als 
Bátpot angegebenen germ. volkes, 
nach dem Böhmen genannt wor- 
den ist, áhnlich wie die bed. entw. 
bei virðar (M. Kristensen, ANF 
23, 1907, 242); aber auch aís entl. 
aus dem finnischen distrikt Paimio 
erklárt (R. Nordenstreng, NB 11, 
1923, 25-32; s. aber B. Sigfússon 
MPh 32, 1934, 127). Die verbin- 
dung mit der in bíIdr vorliegenden 
wzl *bhi- ‘schneiden, spaíten’ 
(Holthausen, PBB 66, 1942, 271) 
ist zu weither geholt. 

bein n ‘bein, knochen; oberschenkel’, 
nisl. fár. norw. bein, nschw.ndá. bén. 

— > shetl. ben, orkn. been. — ae. ban, 
afr. as. bén, ahd. bein ‘bein, knochen’. — 
wohl am besten zu beinn 2 zu stellen, 
also eig. ‘die geraden beinknochen’ 
(Hellquist ANF 7, 1891, 7 und Wad- 
stein, ZfdPh 28, 1895, 529); aber das 
adj. ist ausschliessÚch nordgerm. 

Andere, aber wenig wahrscheinli- 
che erkl. gaben S. Bugge, PBB 24, 
1899, 459 (zu nnorw. buna ‘kno- 
chenröhre’, mnd. bunk ‘knochen’, 
vgl. lat. femur, asl. bedro 'schenkel) 


und F. Wood, MLN 29, 1914, 69 
(zu lat per-fines ‘perfringas’, asl. 
biti ‘schlagen’, air. benim 'schlagen’ 
dann also zu bildr). 

beina schw. V. 'gerade machen, in die 
richtige lage bringen, in gang setzen, 
helfen’, nisl. fár. norw. beina, nschw. 
dial. bena. — vgl. beinn 2. 

beini m ‘hilfe; bewirtung', nisl. fár. beini, 
norw. beine m., nschw. dial. beine m. 
und ben n. — Dazu noch beini m als 
PN. und beinir m. ‘hilfe; helfer (poet); 
auch PN. — vgl. beinn 2. 

beinn 1 m ‘baumart’ (þula); wohl eig. 
'der gerade', vgl. beinn 2. 

— 2 adj.. ‘gerade, richtig, giinstig’, nisl. 
beinn, fár. beinur, nnorw. bein ‘gerade'. 
— > ne. diai. bain, me. bein, bain 
‘gerade’ (Björkman 40 und 282); 
> schott. bein, bene 'freigebig, ange- 
nehm’ (Flom, Infí. 28). — vgl. bein, 
beina und beini. 

Fehlt ausserhalb des Nordens, wo 
es auch in PN vorkommt, wie 
Beini, Beinir -, vielleicht liegt das 
wort in dem VN der Báningas 
(Widsið) und in dem fránk. PN 
Baínobaudes vor (Schönfeld 42). 

beiskr adj. ‘bitter, böse’ (< urgerm. 
*baitska-) ; nisl. fár. beiskur, nnorw. 
beisk, nschw. ndá. besk — > orkn. 
bysk ‘sauer’; > me. beggsk, baiske, ne. 
dial. bask ‘scharf, bitter’ (Björkman 
40); > lpN baskok, baskés 'bitter’ 
(Wiklund FUF 12, 1912, 31). —mitsA- 
suffix zu got. baitrs ‘bitter’.—vgl .bita. 
Davon abgel. beiska i ‘bitterkeit’ 
und schw. V. ‘bitter, machen’ 
und die PN. Beiskr, Beiski und 
Beiskaldi. 

beit 1 f ‘futter, weide', nisl. beit 'weide, 
das grasen’, agotl. bait, aschw. bét 
‘nahrung, das weiden', adá bed ‘nah- 
rung, jagen’. — > orkn. bait, shetl. bet 
‘weidegrund, nahrung'; > me. baite 
‘nahrung’ (Björkman 41), ne. dial. 
bait (Thorson 20). — vgl. bita. 

— 2 n ‘schiff’ (P), eig. 'gespalteter ein- 
baum’. — ae. böt ‘boot’ (vgl. bátr). — 
Es gehört wohl zu der sippe von bita 
(Lidén Fschr. Bugge 1892, 8s-6, HVS 
Upps. 6,1897, Nr 1, 34) und zvvaf" zu 
biti, eig. ‘einbaum'; aber es kann anch 
eine junge bildung zu beita 2 sein 
(Sverdrup MM 1922, 55). 

beita 1 f ‘köder’, nisl. fár. nnorw. beita, 
nschw. bete n., adá. béd. — > shetl. 
betek ‘schlechter köder’. — ae. bdt i 
‘köder’, ahd. beiza 'beize’. — vgl. bita. 

— 2 schw. V. ‘beissen lassen, záumen; 
weiden; jagen, töten; beim winde se- 
geln, kreuzen' (< germ. *baitian), 
nisl. fár. nnorw. beita, nschw. beta, ndá. 



beiti 


31 


belgja 


bede. — > orkn. bait, shetl. bet 'beim 
winde segeln’; > finn. paittoan, peit- 
toan ‘beizen, priigeln’ (Karsten GFL 
160; Setálá FUF 13, 1913, 420); > 
lpN bajtam ’die luf halten’ (Thomsen 
2, 204); > me. beite, baiten, ne. dial. 
bait ‘weiden lassen’ (Björkman 41); 

> schott. bait 'anspomen’, bayt ’wei- 
den’ (Flom Infl. 26); > afrz. abeter, 
norm. abéter ‘ködem’ (Gamillscheg 3); 

> russ. betat’ ‘beidrehen’, betat’sja 
‘kreuzen’ (E. Meyer, ZfsPh. 5, 1929, 
143). Fiir die bedeutungsentw. im 
altn. s. S. Modéer, UUÁ 1943 Nr 8, 
52-3). — ae. bcetan, as. bétian, ahd. 
beizen ‘beizen, jagen’ — Kausat. zu 
bita und vgl. beitir. 

beiti 1 n ‘grasgang, köder’, fár. beiti, 
nnorw. beite, nschw. bete. — ae. gebeete 
‘gebiss, zaum’, mnd. bete ‘gebiss’, 
mhd. gebeize ‘falkenjagd’. — vgl. bíta. 

— 2 n (Háv. 137), friiher als ‘alaun’ 
gedeutet, vgl. ahd. beiza ‘alaun’ (W. 
Cederschiöld, ANF 26, 1910, 296-300), 
jetzt wohl eher als ‘regenwurm’, eig. 
‘köder’ (vgl. Reichborn-Kjennerud MM 
1921, 30). — vgl. beiti 1. 

— 3 n 'schiff’ zu beita 2 in der bed. 
‘kreuzen’. 

— 4 m PN. ‘name eines seekönigs’, eig. 
‘der gegen den wind steuert’. 

Als name des verwalters Atlis 
(Am 61) vielleicht ein anderes 
wort: neubildung zu beiti 1 ? (so 
Sturtevant PMLA 66, 1951, 282). 

beitiáss m ‘segelstange’, nisl. beitiás, 
aschw. bStás. — > me. bétás (Björkman 
61 und 98; unsicher ob die entl. un- 
mittelbar aus dem an. oder iiber 
das norm. gekommen ist); > afrz. 
betas (K. Nyrup, AaNO 1919, 26). — 
vgl. beita 2 und áss 2. 

Beitlr mPN, name eines seekönigs’, zu 
beita 2 in der bed. ‘kreuzen’. 

Beitr mPN, Riesenname, eig. ‘beissend’. 
— got. baitrs. — vgl. bíta und 
beiskr. 

beizl, beisl n. ‘ziigel’ (< urgerm. *bai- 
tisla-); die form beisl wohl jiingere 
assimilation, eher als entw. aus einer 
nebenform *baisla (< idg. *bhoit-tlo); 
nisl. nnorw. beisl, agotl. baizl, nschw. 
betsel, ndá. bidsel. — > shetl. besel 
‘holzstiick am joch eines ochsen’ 
(Jakobsen 36); > lpN beisalak ‘mund- 
stiick am zaum’ (Qvigstad 104). — 
ae. gebœtel ‘gebiss, zaum’, mnd. bétel 
‘meissel’, mhd. beizel 'stachel’. — 
Diese wörter enthalten das suff -la (wie 
in an. þvál, stóll, vgl. lat. filum ‘faden’, 
gr. Í7tXov ‘waffe’), neben idg.-s/o (wie 
in an. smyrsl) und -tlo (wie in an. nál 1 
oder ból). — vgl. bíta. 


beizla 1 f ‘bitte’: nisl. beiðsla, nnorw. 
beidsla. — vgl. beiöa. 

— 2 f ‘gebiss am zaum’, vgl. beizl. 

— 3 schw. V. ‘záumen’, vgl. beizl. 
beja, bæja f 'fessel, kette’ (spát bezeugt); 

nnorw. bejar ‘handfessel’, nschw. boja 
‘fessel’, ádá boje ‘fussfessel’. — < mnd. 
bðie, das wieder < lat. bðia ‘halseisen 
fiir sklaven’, vgl. afrz. buie, boie, it. 
bove ‘fessel’. 

Bekan mPN, vgl. auch den BN 'bekkan, 
< air. Becán ‘der kleine’. 
bekill mBN, eig. ‘plumpe person’, vgl. 
fár. bekil ‘klotziger plumper fuss’, schw. 
dial. bákjel ‘klotzige person’, báklar 
‘klotzigehándeoder fiisse.’ — vgl. bak. 
bekkjast schw. V. ‘streben nach, zanken 
mit’, nisl. auch ‘sich setzen’; vgl. ae. 
bencian’ bánke bereiten’.—vgl .bekkr 1. 
bekkr 1 m ‘bank’ (< urgerm *bankiz); 
nisl. bekkur, fár. bekkur, bonkur, nnorw. 
bekk, nschw. bánk, ndá. beenk. — > 
shetí. bekk ‘querbalken in einem boot’ 
(Jakobsen 29); > manx beck ‘ruder- 
bank’ (Marstrander NTS 6, 1932, 49); 
> finn. -pankko ‘ofenbank’ (Setálá, 
FUF 13, 1913, 421; aber unrichtig 
nach Bj. Collinder UL 1932, 223; s. 
unter bakki); > me. bennk, ne. dial. 
benk (Björkman 145). — ae. ben(, afr. 
benk, bauk, bonk, as. ahd. bank ‘bank’ 
eig. ‘erhöhung’. — vgl. bakki 1 und 
bekkjast. 

— 2 m ‘bach’ (> urgerm. *bakjaz); 'nisl. 

fár. bekkur, norw. bekk, nschw. báck, 
ndá. bœk. - — > shetl. bekk, bekki ; > me. 
beck (Björkman 144), ne. dial. beck 
(Flom Infl. 28); > norm. ON. Caude- 
bec, Méobecq. — ae. becc. Daneben 
im wgerm. die form *baki vgl. ae. 
bece, afr. bitze, as. beki, ahd. bah. — 
mir. búal (< *bhogla) ‘fliessendes 

wasser’ (v. Wijk, IF 24, 1909, 233), 
asl. bagno ‘morast’ (idg. wzl *bhogh-, 
s. IEW. 161). 

— 3 m ‘kleines fahrzeug’ (poet.), vgl. 
bakki 2. 

bekri m 'widder’, nisl. bekri, norw. bekre, 
nschw. dial. bjáker, bjákke. — > lpN 
biekkere ‘bock’ (Qvigstad 105). Da- 
neben nisl. norw. bekra ‘blöken’, also 
schallnachahmende bildung wie nnorw. 
mekra, nschw. dial. mákra, nhd. meckern 
und dial. báckeln. — vg'. den laut des 
blökens: gr. |3i), lat. bébáre, bSláre, lett. 
bf und bfku, biku ‘meckemd’, air. 
béiccithir' ‘briiUt’ (IEW 96). 
beldi n, nur in ofbeldi ‘ubermut’; vgl. 
auch beldinn ‘gewaltsam’ (poet.) und 
beldni f. ‘ungestum’,- — vgl. baldr. 
beigja schw. V. ‘aufschwellen, aufbla- 
sen’, nisl. fár. belgja, nnorw. belgja, 
belga, nschw. dial. bálga ‘aufgeblasen 



belgr 


32 


ber 


werden, sich erzumen', ndá. btslge 
'aufschwellen, hervorragen", — - ae. 
abielgan, ahd. irbelgan ‘erziimen’, nnl. 
verbolgen ‘zoraig’. — vgl. belgr, bol- 
ginn und bolgna. 

belgr m ’balg, ledersack; blasebalg; 
bauch’, nisl. belgur, fár. bjelgur, nnorw. 
belg, nschw. baig, ndá. bælg. — > shetl. 
belg ‘balg. sack’; > finn. pale, palje 
‘blasebalg’, wep>s. palgiS ‘erbsenschote’ 
(Setálá FUF 13, 1913, 420; Karsten 
GFL 83-87 betrachtet diese formen als 
beweis fiir urspr. es-, os- stamm) und 
finn. palho, palku, wot. palko ‘schale’ 
(Thomsen 2, 204). — got. balgs, ae. 
bel(i)g, byl(i)g. 'balg, sack, schote’ (ne 
belly ‘bauch’, bellows ‘blasebalg’), afr. 
as. ahd. balg. — ai. barhi- ‘opferstreu’, 
av. bartziS ‘polster, kissen’, gall. bulga 
‘ledersack’, mir. bolg 'sack’ (vgl. bolgaim 
‘schwellen’). — vgl. bali, belgja.bol- 
ginn, bolstr, bylgja und weiter bgllr. 

Beli mPN. Riesenname, eig. ‘der briiller’, 
vgl. belja. 

belja schw. V. ‘briillen’, nisl. fár. nnorw. 
belja, aschw. balia. — > ne. dial. beal 
‘briiúen’ (Thorson 54). — ae. bellan 
‘briillen, gmnzen’, ahd. bellan ‘bellen, 
zanken’mit -ll- aus idg-/s-; daneben, mnl. 
bellen ‘bellen’; vgl. daneben abl.ae. 
bylgan ‘briillen’. — asl. bl&jati ‘blöken’, 
lit. bilu, bilóti ‘reden’, byld ‘rede’, 
balsas ‘stimme, ton’, lett. bilstu, bilst 
‘reden, anreden’, zur idg. wzl. *bhel, 
bhls (s. Persson UUÁ 1891, 87). — 
vgl. baldrast, balti, baula 2, beli, 
bjalla, boli und bylr. 

belía 1 st. V. ‘stossen, treffen, schaden’, 
nisl. bella ‘stossen, verwunden’, fár. 
bella ‘schádigen, fehlen’, schw. dial. 
bilta ‘eifrig arbeiten’. — > shetl. 
ball ‘stossen’. werfen — vgl. bgllr. 

— 2 schw. V. kráftig machen, aufmun- 
tem, ausfiihren (< urgerm. *balpjan) 
nisl. norw. bella ‘kráftig machen’, 
nschw. dial. baila, ádá bœldce ‘vermö- 
gen’. —- got. balþjan ‘kiihn sein, wagen’, 
ae. besldan, bieldan ‘ermutigen, mah- 
nen’, as. beldian ‘kiihn machen’, ahd. 
balden ‘ermutigen’. — vgl. ballr. 

Bellingr m beiname, zu norw. belling 
< beinlingr ‘fusshaut eines tieres, als 
beinbekleidung verwendet’ (Falk, MM 
1917, 55), also wohl mit hinsicht auf die 
adoptionsform der schuhsteigung (s. 
meine Altgerm. Religionsgeschichte 2 
aufl. I, 1955, § 208) als‘adoptivsohn’zu 
erkláren (s. A. Erler, Zs. der Savigny- 
Stiftung 64, 1944. Germ. Abt. s. 93). 

belti n ‘giirtél’, nisl. fár. belti, nnorw. 
belte, nschw. bölte, ndá. btslte ‘giirtel’. — 

> shetl. belt ‘art seetang (Jakobsen 
30); > lpN bellte, billte ‘giirtel’ (Qvig- i 


stad 104). Entweder < ae. belt (Fischer 
15) oder ahd. balz (F. Jónsson, Forh. 73) 
die wieder < lat. balteus ‘schwert- 
gehánge’. — vgl. baldrekr. 

ben f und n. ‘wunde (< urgerm. *banjð)\ 
nisl. fár. nnorw ben, aschw. bdn, adá. 
ben. — got. banja, ae. benn, as. beni- 
(wunda). — vgl. bani und benja. 
Vereinzelt als glied von PN. vgl. 
Bengeirr, und die ahd. entspre- 
chung Baniger (Naumann 82). 

bend f ‘wunde’ — afr. benethe, as. baneöi 
— iþö- erw. zu ben. 

benda 1 schw. V. ‘anzeigen; vorbedeu- 
ten’ (< urgerm. *bandwjan\ vgl. iiber 
die form A. Kock UB 210-1). — got. 
bandwjan ‘ein zeichen geben’ zu bandwa 
‘zeichen’. 

Weitere verbindungen unsicher. 
Viell. zu ae. bðnian ‘polieren’, 
mnd. bðnen, nnl. boenen, mhd. 
biienen ‘scheuem’; vgl. gr. <palvtú 
‘zeige’, (patvojxat ‘scheine, leuchte’, 
qjavepó? ‘sichtbar, offenbar’, ai. 
bha, 'schein, licht, glanz', bhdti 
‘leuchtet, scheint’, air. bán ‘weiss’, 
arm. banam ‘öffne, enthiille’ (IEW. 
104). — vgl. banda und bákn. 

— 2 schw. V. ‘binden, beugen, spannen 
(< urgerm. *bandjan), nisl. fár. norw. 
benda, nschw. bánda, ndá. bende. — 

> shetl bend ‘einem packpferd eine 
last aufbinden’. — ae. bendan, mhd. 
benden ‘binden, spannen'. — Denom. 
von band. 

bendi n. 'band, seil’ (<ura. *bandja) — 
got. bandi, mnd. mhd. bende. — vgl. 
band. 

benditl m ‘garbenband’ (nur Sn E. in 
derbed. ‘saat’), nisl. bendill, fár. bendil, 
bendul, nnorw. bendel. — > orkn. 
benlins ‘teil des schobers, wo die stroh- 
bánder gewunden werden’ (Marwick 
12); shetl. bennel, schott. dial. beinneal 
'strohband’. — me. mnd. mhd. bendel, 
ahd. bentil ‘bándchen’ — vgl. band. 

benja schw. V. verwunden’, nisl. benja — 

> shetl. bin. — ae. bennian ‘ver- 
wunden'. — vgl. ben. 

benzi n. ‘biegung, spannung (nurStrengl.) 

(< urgerm. *bandisla-) — mnd. bendsel 
'bund’. — vgl. band. 

ber 1 m. nur in Zss wie berfjall 'bárenfell’, 
berharðr ‘bárenkiihn. — vgl. bera I. 

— 2 n ‘beere’ (< urgerm. *bazja), nisl. 
fár. nnorw. ber, nschw bár, ndá. btsr. — 
ae. berie, berige, as. ahd. beri, nnl. bezie 
‘beere’; daneben auch die form *basja 
in got (weina-) basi ‘weinbeere’, nnl. 
bes ‘beere’, nnd. besing ‘heidelbeere’. — 
vgl. basinn. 

Entweder erklárt durch nnorw. 
bas(e) ‘kleiner strauch’ (S. Bugge, 



bera 


33 


berlingr 


PBB •21, 1896, 421) und also ‘auf 
strauchartigen gewáchsen wach- 
send', oder zu ae. basu 'rot’ (Lidén 
IF 18, 1906, 415-6); vgl. auch 
bósi. 

bera 1 f ‘bárin’, nisl. nnorw. bera (die 
brechung hat durch ausgleich nicht 
stattgefunden; so A. Noreen § 91 
oder weil das wort eine junge bildung 
zu beri sein soll, so Hesselman, Vást- 
nord, Stud. 1, 1912, 56-7). — vgl. 
bjern. 

— 2 i ‘schild' (poet.), eig. ‘was getragen 
wird’, vgl. bera 3. 

— 3 st. V. ‘tragen, fiihren’, nisl. fár. norw. 
bera, nschw. bara, ndá. besre. — > orkn. 
bear, shetl. ber, bear. — got. bairan, ae. 
beran, afr. bera, as. ahd. beran ‘tragen’. 

— lat. fero, gr. <pép<ú, ai. bhar&mi, asl. 
bera, birati, air. biru, arm. berem ‘trage’ 
(IEW. 128-132). — vgl. bira, barar, 
barmr 1, barn, berill, burðr, Buri, 
burr, byrð, byrða 1, byrðr, byrja 1, 
byrla, byrr, besra und btsrr. 

— 4 schw. V. ‘entblössen’, nisl. bera. — 
ae. barian, afr. baria, ahd. gibarön 
‘ds’ — vgl. berr 2. 

berg 1 n ‘berg, felsen', vgl. bjarg. 

— 2 in PN, wie Bergljót, Bergsveinn, 
Bergulfr. Bergþórr, vgl. bjgrg. 

Bergelmir mPN. name eines urriesen’, 
wohl zu trennen ber-gelmir ‘der wie ein 
bár briillende’ (nicht als berg-gelmir 
’der im gebirge briillende', A. Kock. 
ANF 27, 1911, 136-8). — vgl. ber 1 
und galmr. 

bergja schw. V. ‘schmecken, kosten’, 
nisl. nnorw. bergja. — ae. biergan 
‘kosten, schmausen’ (Holthausen IF 32, 
1913, 340). — möglich zu gr. <pép( 3 <ú 
‘lasse weiden, náhre’, <popPr) ‘weide, 
nahrung’ (WP II. 164). — vgl. birgja 
und birgr. 

bergr in PN. wie Þorbergr auch selb- 
stándig als Bergr. — vgl. bjgrg. 

-berl 1 m ‘tráger’ z.B. áberi ‘anklager’ — 
ae. afr. -bera, as. ahd. -bero. — lat. -fer, 
arm -ber. — vgl. bera 3. 

— 2 m ‘schláger in herberi ‘schwert’ 
(poet.). -— vgl. berja. 

berill m ‘gefáss’ (spát bezeugt), nisl. 
berill 'flasche’. — > shetl. berel ‘korb’ 

— gewöhnlich gedeutet als lehnwort 
aus dem rom. vgl. mlat. barillus, afrz. 
baril, it. barile ‘fass’, it. barella ‘trage’ 
(Fischer 77), aber nicht wahrsch., weil 
auch ahd. biril 'korb’ vorliegt, und eine 
abl. nebenform *burilaz, wohl die 
grundlage fiir finn. purilas neben 
parilas ‘tragbahre' (SetáláFOF 12,1912, 
279-84). daneben steht.—vgl. bera 3. 

berja schw. V. ‘schlagen, dreschen; 
töten’, nisl. fár. nnorw. berja, nschw. 


dial. b&rga, adá btsries. — > shetl. 
berri 'dreschen', orkn. aaber (< *af- 
berja) ‘eine garbe halb dreschen’ (Mar- 
wick 1); > me. bary, ne. dial. barry, 
berry ‘dreschen’ (Björkman 183). — 
æ. berian 'plagen, quálen’, ahd. berien 
‘schlagen, klopfen’, mhd. berien, bem 
‘ds’. — lat. ferio 'stossen, hauen', 
foro ‘bohren’, gr. ipapáu ‘pfluge', ai. 
bhfnáti ‘versehren', asl. borjq, brati 
‘kámpfen’, lit. barú 'schelte’, mir. bem(a) 
'kluft, öfinung’, alb. bie 'klopfe, schla- 

f e’, arm. beran ‘mund’ (WP. II, 159, 
EW. 133-135). — vgl. barátta, bar - 
dagi, barki 1, barlast, barr 3, 
berlingr, bora, bgrgr. 

Man nimmt eine idg.wzl. *bher 
'ritzen, spalten, schneiden’ an und 
stellt daneben andere; *bher ‘her- 
vorstechen', *bher 'aufwallen’, *bher 
‘flechten, weben’, weiter *bhered 
’schneiden’, *bherem ‘hervorste- 
hen’, *bhereu ‘sich heftig bewegen'. 
Diese werden wohl irgendwie zu- 
sammenhángen; wie J. Trier, Holz 
1952, 81-90 annimmt, beziehen sie 
sich auf die unterwaldwirtschaft. 
Dazu gehören wörter fiir geflecht, 
zaun, rand, kant wie barð 1, 
barmr 2 und borð, fiir báume und 
das dazu gehörige holz, wie bgrr, 
brandr, fiir knospen und zweige 
wie brum und barð, fiir das 
brechen und schneiden der zweige, 
wie berja und brjóta, auch fiir 
das geflecht, zaun, mannring wie 
bregða und bragr 1. Vgl. auch 
bróðir und brúðr. Nach der 
bildung sind zu unterscheiden: 
♦Mwrmitdental-erw. vgl. barð, borð, 
brandr. 

— mit m-erw. vgl. barmr 
— mit s-erw. vgl. barr 
— mit p-erw. vgl. bgrr 
*bhrei vgl. brimi, bringa. 
*bhreuvgl. brenna 1, brjóta, brjó- 
nar, brjóst, brú und brum. 
berkja schw. V. ‘toben; prahlen’ — ae. 
beorcan, borcian, ne. bark ‘bellen’. — 
lit. burgéti ‘brummen, zanken’, serb. 
brgljati ‘murmeln’, auch wohl lett. 
br'gca, brékt ‘schreien’ (IEW 138). — 
vgl. barkliga, berklingr. und borkn. 
berklingr mBN. — vgl. berkja. 
berllngr m. ‘zwergenname', eig. ‘kurzer 
balken’, vgl. berlingsáss ‘dicker stock’, 
norw.-dial berling ‘kleiner balken in 
einem fahrzeug’, nschw. barling ‘hand- 
speiche’. — > air. beirling, birling ‘bal- 
ken’ (Marstrander NVA 1915, Nr 5, 
21-2). — daneben steht das grundwort 
aschw. har ‘stange’ < mhd. barre 
'riegel, schranke’, bar ‘balken’. — 


3 



bemi 


34 


beysti 


lat. forus 'eingehegter gang’, russ. 
zabor ‘zaun’. — vgl. berja. 
berni n {< um *barnja) in Zss. ein- 
berni 'einziges kind’, óskberni ‘adoptiv- 
kind’. — vgl. barn. 

bernskr adj. 'kindisch’ (< urgerm. 
*barniska-), nisl. bernskur, aschw. barn- 
sker, besrnsker ; vgl. auch bemska f. 
‘kindheit’, nisL bernska, nnorw. adá. 
barnska. — vgl. barn. 
berr I m 'widder ’ (bula’l ; vgl. barri i. 
— 2 adj. ’ entbldsst. nackt; sichtbar , 
deutlich* (< umord. ^balia-) nisl. oer. 
fár? Vzfur, nnorw. berr, hschw.ndá. 
bar. — ae. bœr, afr. ber. as. ahd. bar 
‘bloss’. — asl^ bosú, lit. básas ‘bloss’, 
arm. bok (<~*TiKBSkO-) ‘bartUSS ^ zjl 
éin er ide.* wzl. *bhes ‘schabeiT~ (Pers- 
SOjruUA 1891, 115; Kretschmer 

KZ 31, 1892, 414 ;'H. Peterson IF 23, 
1909. 393)- — vgl. bera 4. 
berserkr m ‘berserker, bárenháuter (als 
mitglied einer kultischen gemeinschaft), 
nisl. fár. berserkur, nnorw. berserk ; vgl. 
ulfheðinn ‘der im wolfspelz gehiillte’. 
— vgl. bera 1 und serkr. 

Abzulehnen die altere erklárung 
‘der im blossen hemd kámpfende’ 
(E. Noreen ANF 40, 1932, 242-54). 
bersi, bessi m. 'bár’, auch PN, nisl. 
bersi, bessi 'bár’, nnorw. dial. besse 
'grosse, starke person’, nschw. bjasse 
‘starker kerl’, dial. bjasse 'bár’. — 
> lpN biesse ‘bár' (Qvigstad 106). — 
vgl. daneben bassi. Abgeleitet vom 
grundwort *ber (vgl. bjgrn) mitdem 
s-suff. wie m fox. 

besti n ‘bast’, (nur Vgl.kv.) (< um. 
*ga-bastja-) nnorw. beste ; kollekt zu 
bast. 

bestill mBN. vgl. bast. 
bestingr m ‘bár’ (þula), wohl eig. 'der 
mit einem band festgehalten wird’ 
(also: zahmer bár?), vgl. auch bestingr 
‘aus baumrinde gemachtes band'. — 
vgl. bast. 

Bestla f. PN. 'riésin, mutter vonOdin’. 
Etymologie fragwiirdig. Entweder 
aus gmndform *Bastilön und dann 
mit bestill zu vergleichen (Gering, 
Edda-Komm I, 151), vielleicht 
als chthonisches wesen, oder als 
Eibengöttin (eig. 'bast-spenderin, 
vgl. F. R. Schröder, TJnters. germ. 
Rel. gesch. I, 1941, 69), oder 
< *Banstilön (also iiber zwischen- 
form *Beestla) zu afr. bðst 'eheliche 
verbindung’, böstigia 'heiraten’ 
(vgl. binda), also eig. ‘ehefrau, 
gattin’ (Siebs. ZfdPh 29, 1896, 
397). Fiir die erklárung ‘die frau, 
die den schicksalsíaden webt' 
(Malone, PMLA 67, 1952, 1156) 


gibt die iiberlieferung iiberhaupt 
keinen anhaltspunkt. 
betr adv. ‘besser’ (< urgerm. *batiz), 
nisl. far. beiur, norw. beter, aschw. 
bœter, adá beetær, beder. — got. batis, 
ae. afr. bet, as. bat, bet, ahd. baz. Dazu 
adj. betrl, nisl. fár. betri, nnorw. betre, 
nschw. bdttre, ndá. bedre. — got. batiza, 
ae. bet(e)ra, afr. bet(e)re, as. betara, ahd. 
bezzir(o). — viell. zu ai. bhadrás ‘tiich- 
tig, gut’ (IEW. 106). — vgl. bati, 
beztr, bót und bœta. 
beygja schw. V. ‘beugen, biegen’, nisl. 
beygja, fár. boyggja, norw. boygja, 
nschw. böja, ndá. boie. — ae. biegan, 
bygan, afr. béia, as. bögian, ahd. bougan 
'beugen’ vgl. got. usbaugjan. 'ausfegen’. 
Kaus. zu bjúga. 

beyglast schw. V. ‘sich beugen’ (< ur- 
germ. *baugilön). Denom. zu baugr. 
Beyla f. PN. ‘dienstmagd von Freyja' 
(nur Ls. 56). 

Etymologie durchaus fraglich. Un- 
befriedigend zu nisl. beyla 'buckel’; 
vgl. aschw. bolin, bulin ‘geschwol- 
len’ und got. ufbauljan ‘aufblasen’, 
danebén abl. ae. býle, afr. béle, as. 
biila, mnd. búle, ahd. búlia, bulla 
‘beule', vgl. air. bolach 'beule’ 
(weiter zu bóla 1). — Andere 
erklárungsversuche sind: zu anorw. 
baula 1 ‘kuh’, also etwa ‘kuh- 
magd’ (F. Jónsson, Goðafræði 
1913, 74); aus gmndform < 

*baunilö, etwa ‘Frau Bohne’ (Sie- 
vers PBB 18, 1894, 583); aus 
< *biu-ilö demin. von biu ‘biene’ 
(vgl. bý), obgleich der laut ey den 
lautgesetzen nicht entspricht (G. 
Dumézil, La Nouvelle CI10 3, 1952, 
15). Ganz abwegig < *Bauðilö 
vgl. got. Cannabaudes, wand. Bau- 
dus und weiter zu Buðli (Holt- 
hausen, Anglia 70, 1951, 11). 
beysingr m PN., nnorw. beysing ‘vor- 
wártsstiirzender tölpel’. — vgl. busi. 
beysta schw. V. ‘schlagen; dreschen; 
rudem (< um. *bautstian, s. A. M. 
Sturtevant, JEGPh 33, 1934, 93); nisl. 
beysta, nnorw. dial. beysta, schw. bðsta, 
ádá beste ‘schlagen, prugehi’. 

> orkn. baist ‘schlagen’; > ne. dial. 
baste ‘schlagen, priigeln’ (Björkman 
67). — lat. fústis (< *bhud-sti) ‘kniit- 
tel'. — vgl. bausti und bauta. 
beystl n ‘schinken’ {< um. *baustia), 
nnorw. beyste, nschw. bðste ; vgl. nisl. 
beysinn, bústinn ‘dick’, nnorw: baus 
‘stolz, iibermiitig’. — > finn. pðysti 
‘schinken’ (Setálá FUF 13, 1913, 324 
u. 432). — me. bosten (ne. boast) ‘prah- 
len’, nhd. dial. baust ‘wulst’, abl. ae. 
beost, bysting (ne. beastings, biestings). 



beyta 


35 


bik 


ahd. biost ‘biestmilch’. Zur idg. wzl Die Etymologie ist unsicher. Falls 

•bhus ‘aufgeschwollen sein’, erw. zu zu der unter biða behandelten 

*bhu- (vgl. býfa). — vgl. bausti, gruppe, scheint klassenwechsel 

busi, busilkinna, buskr, busl.bústr stattgefunden zu haben (s. Osthoff, 

und bysja. PBB 8, 1882, 140), was ja öfter 

beyta schw. V. 'schlagen’. —vgl. bauta. zutagetritt. Jedenfalls stimmt die 

beytiii m. ‘zeugungsglied des pferdes’, bed. ausgezeichnet zu den vor- 

auch BN, eig. ‘stosser’. — ae. býtel, stellungen des mannkreises, weit 

bietel (ne. beetle) ’hammer’, mnd. bðtel, besser £ils zu ai. b&dhate ‘drángen, 

mhd. bcezel ‘schláger’. — vgl. bauta. plagen’, alb. bint ‘sich beugen’, lit. 

beztr auch baztr adj. ‘der beste’, nisl. bodús ‘widerwártig’ (zu denen 

fár. bestur, nnorw. best, nschw. bást, IEW 114 biðja stellen). — Van 

ndá. best. — got. batista, ae. betst, afr. Windekens 94 unrichtig zu toch B. 

best, as. betst, best, ahd. bezzist. — peti, A poto ehrfurcht’. 

vgl. betr. bifa 1 f. oder bifi m. ‘eine art erzáhlung’, 

bið n. pl. ‘erwartung’. — ae. bid. — vgl. bifum fáðr von einem mit dar- 
vgl. btða. stellungen bemalten schild. — Ohne 

biða 1 f ‘erwartung’, nisl. biða, nnorw. befriedigende etym. Die verbindung 

bia. — mhd. bite f. ‘verweilen’. — mit der idg.wzl *bha- ‘reden’ (vgl. 

vgl. biða. been) lásst sich nicht wahrscheinlich 

— 2 schw. V. ‘erwarten’, nnorw. bida. machen (redupliz. wzl. ?) 

Deverbative ð«-Bildung zu biða (Wiss- —2 schw. V. ‘beben, zittem’, nisl. bifa, 
mann 52). — ae. onbidian ‘erwarten’, fár. nnorw. biva, nschw. báva, ndá. 

afr. bidia ‘warten’, as. bidön ‘bleiben’. bœve. — > orkn. baiver ‘beben’ (Mar- 

bíða st. V. ‘warten; ausharren, erlangen, wick 8); > frz. rebiffer ‘die nase 

erdulden’ (in dieser bed. aus *ga- rumpfen’ (möglich nach Gamillscheg 

biðan), nisl. fár. biða, nnorw. nschw. 744). — ae. bifian, biofian, afr. bevia, 

bida, ndá. bie — got. beidan, ae. as. bivia, beva, as. bibon, ahd. bibln 'beben’. 

bídan, afr. bidia, ahd. éííaw‘warten’.— — eig. redupl. bildung, wie bibheti 

vgl. beiða 2, bið, biða und biðja. ‘fiirchtet sich’ zu ai. bhi- ‘furcht’, 

Der form nach stimmt das germ. bháyate ‘fiirchtet sich’, asl. bojq $( 

wort. genau zu lat. fido ‘vertrauen, ‘fiirchte’, lit. baidaú, baidýti 'scheu- 

gr. jteíöti ‘iiberreden’, TteíÖo^at chen’, baijús 'furchtbar, schrecklich’, 

‘vertrauen auf, sich iiberreden bijaús, bijótis ‘sich fiirchten’, lett. 

lassen’. Eine gerade linie scheint bistuðs, bitiés ‘sich fiirchten’, báidu, 

zwischen den bedeutungen dieser báidyt ‘schrecken’, apr. biátu/ei ‘fiirch- 

wörter schwer auffindbar; J. Trier, ten’ (IEW 161-2). — vgl. beigaðr, 

ZfdPhilyo, 1947-9, 341-2 geht von bifra, bil 2, und pipra 1. 

den bescháftigungen des mann- biflia, bibiia f. ‘lateinisches buch’ < 
kreises aus und findet die urspr. mlat. biblia. Die form mit f viellekht 

bed. ‘flechtzaun’ in lat. fiscus aus gr. pijiXía (s. Sturtevant, Fschr. 

(< *fidscus) ‘binsenkorb, weiden- Flom 1942, 50). 

korb’, wie auch in nisl. biða ‘milch- Blflindi m. Odinsname, wohl ‘der gott 
kiibel’, nnorw. dial. bide 'butter- mit dem bemalten schild’ (H. Falk, 

fass’ und gr. ir£ 0 o« ‘tönernes vor- SVS. Oslo 1924 Nr 10, 4). — vgl. 

ratsgefáss’. Leider fehlen fiir das bifa 1. 

germ. eben die wörter, die eine bifra f. BN. ‘eine die bebt’, vgl. ndá. 
vermittelnde stellung zwischen beevre 'beben’ — vgl.it/a2. 

‘flechtwerk fiir korb und ton- BifrQBt f. ‘name des regenbogens’ eig. 

gefáss’ > ‘mannring’ bilden. ‘der schwankende weg’ ? Daneben auch 

biðill m ‘freier, werber’, nisl. biðill, fár. Bilrgst. 

biðil, nnorw. bidel, bél, aschw. bipil, adá. Bifurr m. ‘name eines zwerges’. Entl. 

bedel. — ae. bedol, ahd. bitil ‘bittend’, < nd. bever ‘biber’ (fiir die nordische 
auch ‘werber’, und davon abgeleitet form vgl. bjórr 3), die Gould, PMLA 44, 

mnd. bedeln, ahd. betolön ‘betteln’. — 1929, 942 annimmt, ist unmöghch; 

vgl. biðja. eher ‘der zitternde’ zu bifa 2, aber 

biðja st. V. ‘bitten’, nisl. fár. biðja, Gutenbrunner, ANF 70, 1955, 63 

nnorw. bidja, aschw. bipia, bidha, stellt das wort zu bif ‘schildzier’ 

nschw. bedja, ndá, bede. — > IpN. (vgl. bifa 1). 

biddet ‘bitten’ (Qvigstad 105). — got. blk n ‘pech’, nisl. fár. bik, nnorw. bik, 
bidjan, ae. biddan, afr. bidda, as. bekk. — > finn. piki (Karsten IF 26, 

biddian, ahd. bittan. — vgl. beiða 2, 1909, 249; aber dann doch junge entl. 

biða und biðill. s. Setálá FUF 13, 1913, 425); > lpN. 



bikarr 


36 


Bilskinur 


bikka ‘teer' (Qvigstad 107). — < mnd. 
pik, vgl. ae. pic (ne. piich), as. pik, 
ahd. peh. Aus der mnd. nebenform 
pek (vgl. nnl. pek und pik) wurden 
entlehnt nschw. beck, ndá. beg. Das 
germ. wort stammt aus lat. picetn 'teer, 
pech, harz', vgl. gr. Tcloaat, asl. piklú 
'pech’. 

bikarr m. ‘becher’ (spát. bezeugt), nisl. 
fár. nnorw. bikar, aschw. bikar(e) 
< as. and. bikeri, wáhrend aschw. 
behare, nschw. bágare, ndá. bager < 
mnd. beker (s. Höfler ANF 47, 1931, 
267); vgl. me. biker, ahd. bechar, 
bechári. —- > finn. pikari, estn. péker, 
piker, liv. bikár (Thomsen 2, 207; 
gewiss junge entl. vgl. Setálá. FUF 13, 
1913, 425). — Das germ. wort stammt 
aus mlat. becarium, dissimiliert aus baca- 
rium, ableitung von lat. bacar ‘weinfass'. 

Blkkl 1 PN; vgl. ae. Becca (Widsiö), in 
ON. auch Bicca. — Gewöhnlich als kurz 
form zu *Sibika betrachtet, vgl. Sifka. 

— 2 m.BN., wohl masc. zu ‘bikkja 1. 

blkkja 1 f. ‘htindin’ (< urgerm. *bekjðn); 

nisl. fár. nnorw. bikkja, aschw. bikiu-, 
bykkiu (-hvcelper), nschw. dial. bicka, 
bickja, ádá. bikke. — > orkn. bikko, 
shetl. bik'k; > lpN. biíío (Qvigstad 
109). — ae. biíl (ne. bitch) ‘hiindin’ — 
Wenn man das wort greybaka ‘petze’ 
vergleicht (vgl. baha 1), kann man 
auch bikkja zu ai. bhaga- ‘cunnus' 
stellen. Oder ist es vielmehr hypokoris- 
tisch zu einem lockruf gebildet (Hell- 
quist 69) ? — vgl. bikki 2. 

— 2 schw. V. ‘werfen, stossen’. — ahd. 
bicchen 'stossen’, nnl. bikken ‘schlagen'. 

Bil I f. ‘name einer göttin’, wohl dass. 
wort wie bil 2 (s. A. Wolf, SSUF 1928- 
30 . 72 )- 

— 2 n ‘aufenthalt; zeit, augenblick; 
schwache stelle'; nisl. fár. nnorw. 
schw. dá. dial. bil ‘augenblick'. — 
ahd. bil ‘der augenblick, wo das gejagte 
wild sich zur wehr stellt’. — vgl. 
bila und bilbugr. 

Deutung unsicher 1. Grundbed. 
‘geistige, ubernatiirliche kraft’, 
vgl. fár. bilsen ‘bestiirzt’ und weiter 
schw.dial. bele 'langsame, schwie- 
rige arbeit’, bela ‘schwer arbeiten’, 
ndá.dial. bile ‘unablássig arbeiten' 
(A. Wolf, SSUF 1928-30, 17-156). 

— 2) zur wzl. *bhi ‘zittem', vgl. 
ai bhllu 'schiichtern’, lit. bailus 
'furchtsam, (Noreen, Lautl. 227), 
vgl. bifa 2. — 3. zu einer wzl. 
*bhi, die auch in gr. ápoí stecken 
soll und ‘zweiheit’ bedeutet (s. 
Torp, Fschr. Unger 1896, 172-3). 

— 4. zuridg. wzl. *bhi 'schneiden’, 
(vgí. bildr), nschw. dial. bela 


‘durch eine scheidewand trennen’, 
ahd. billa ‘sauerteig’ (Lidén KZ 
61. 1934, !3)- — 

blla schw. V. ‘nachgeben; schlaS werden; 
fehlschlagen’, nisí. fár. norw. bila. — 
vgl. bil 2. 

bilbugr m ‘schwáche, feigheit’; nisl. 
bilbugur ds. fár. bilbugt 'iibermacht’. — 
> shetl. bolbak, bolbek u.a. 'vorteil, 
iibermacht’ (Jakobsen 57). — vgl. 
bil 2 und bjúga 2. 

bílda f ‘pfeil’ (þula), auch bildgr. — Zu 
bíldr m. 'aderlassmesser', auch PN 
und BN. (< urgerm. *biþla- < idg. 
*bhei-tlo-), nisl. bíldur, nnorw. bild 
‘aderlassmesser’, aschw. bilder, nschw. 
(plog-)bill ‘pflugschar’, ndá. bild ‘stein- 
hauerwerkzeug’, bill ’messer’. — Da- 
neben urgerm. *biðla- in ae. bill ‘zwei- 
schneidiges krummes schwert’, as. 
bil ‘schwert’, ahd. mhd. bil ‘spitzhacke, 
steinhaue’, nnd. bille ’steinhammer’. — 
zur idg. wzl. *bhei 'schlagen’, vgl. 
gr. ipiTpói; ‘klotz, scheit’, asl. bijq, 
biti ‘schlagen’, russ. bílo ‘schláger’, air. 
biail ‘beil', ro-bi ‘schlug’, arm. bir 
‘keule’ (IEW 117-8); vgl. auch bgð 
und weiter bíða. 

Nicht hiermit zu verbinden ahd 
bihal, mnd. bil n, bile i. nnl. bijl 
‘axt’ (s. Karstien-Mohr, KZ 65, 
1938, 154-62); aber wechsel hl: þl 
kommt auch sonst vor (vgl. 
mdl 1). 

Blleygr m. Odinsname, bedeutet ‘der 
eines auges ermangelnde' (Gering, 
Komm. I, 212) oder 'der mit den 
schwachen augen' (Falk SVS Oslo 1924 
Nr 10, 4). — vgl. bil 2. und eygr. 

bílifi n. ‘wohlleben’ (nur Alex. s.), nisl. 
bilifi, býlifi. — < ae. bileofa ‘lebens- 
mittel’, oder aus mnd., vgl. mnl. 
bileve(n) ‘lebensmittel; nutzniessung’. 

billingr ‘zwilling, zwitter’, name fur 
zwerg u. riese, nnorw. nschw. billing 
‘zwitter’. — Nach Detter. ZfdA 42, 
1898, 55 zu bil, das er als ‘gleich’ deutet, 
oder wohl eher zu *bila ‘geminus’, vgl. 
mnd. billih, ahd. billih ‘passend’, das zu 
der in gr. ápípt steckende wzl *bhi 
‘zweiheit’ gehören könnte. —- vgl. 
bil 2 und biieeti. 

Bilrgst myth. name des regenbogens, 
neben Bifrgst (s.d.). Das wort bedeutet 
wohl ‘die schwankende, nachgiebige 
himmelstrasse’. — vgl. bil 2 und rgst. 

Bilskírnir ‘name von Thors wohnung’. 
Der erste teil ist wohl bil 2; falls der 
2. teil zu skirr (s.d.) gehört, bedeutet 
es 'der nur fiir augenblicke heitere' 
(Mogk, Grundr. III, 358), mit hin- 
sicht auf die blitzstrahlen ? oder 'der 
lichtstrahlen hervorblitzen lásst' ? (Ma- 



bilæti 


37 


birtingr 


lone PMLA 67, 1952, 1160); falls zu 
skirra (s.d.) aber ‘der unvergángliche' 
(F. Jónsson, Lex.) 

bilætl n 'bild’ (nur norw. DN.), nisl. 
bilceti, fár. bilœt(i), nnorw. bilcste, 
nschw. beldte, ndá. billede. 

Das wort zeigt eine gewisse iiber- 
einstimmung mit ae. biliö, afr. 
bilethe, as. biliði, mnd. bilde, bélde, 
nnl. beeld, ahd. bilodi, biladi, bilidi. 
Deshalb gewöhnlich betrachtet als 
entl. < as. biliði, mit volksetym. 
anlehnung an lœti ‘gebárde, wesen'. 
— Das urgerm. wort ist nicht 
ganz klar. Viell. zur sippe von 
billingr (s.d.) gehörend und dann 
eigentlich 'doppelwesen' (FT 73), 
aber nach Meringer IF 18, 1905, 
286 zur idg. wzl. *bhel 'spalten' 
(unter hinweis auf gr. ijóavov 
'götterbild' zu í;óg> ‘reiben, scha- 
ben’). Oder zu bil und dann eig. 
‘wunderzeichen’ ? 

bimbult adj. n. 'unruhig’. — Schall- 
nachahmendes wort neben abl. bumba 
(s.d.), 

binda st. V. ‘binden’, nisl. fár. norw. 
schw. binda, ndá. binde vgl. shetl. 
bind. — got., ae. as. bindan, afr. 
binda, ahd. bintan. — lat. offendi- 
mentum ‘kinnband an der priester- 
miitze’, gr. nefotpa 'band’, nevOepó; 
'schwiegervater’, ai. badhnati ‘bindet’, 
bandhu- ‘verwandter’, lit. béHdras ‘teil- 
nehmer', gall. benna ‘wagenkorb, fuhr- 
werk’, mir. buinne ‘band’ (IEW 127). — 
vgl. band, bdss, benda 2, bendill, 
bundin und byndi. 

blngr m. ‘teil eines zimmers; bett’, nisl. 
bingur ‘haufe, vorrat’, fár. bingur 
‘kiste’, nnorw. binge ‘dungerraum’, 
aschw. binge, nschw. dial. bing ‘kom- 
kasten’, binge ‘scheune fiir getreide 
oder stroh’, ndá. bing 'kasten, getreide- 
kiste'. — > orkn. shetl. bing ‘haufe’; 
> me. binge, ne. dial. bing ‘haufe’ 
(Björkman 204). — mnd binge ‘kessel- 
förmige vertiefung’; daneben abl. 
nnorw. bunga ‘kleiner haufe’, nschw. 
bunge ‘waldchen’, mnl. bonge ‘sack', 
ahd. bungo ‘knolle’.—ai. bahu- ‘dicht’, 
gr. itax<i? ‘dick, dicht, feist’, lett. biezs 
’dicht, dick’ (IEW 128). — vglT bunga,' 
bungi und bunki. 

bingsi m. ‘bár’, auch BN, nnorw. bingse 
'bár’, neben bingsa ‘bárin’, vgl. bingsa 
‘schwerfállig gehen’. — vgl. bangsi. 

birgð f. ‘unterhalt, speisevorrat’, vgl. 
birgja. 

birgingu fPN. run. norw. Opedal 400-450 
(Krause Nr 60). — Wáhrend S. Bugge, 
NlaeR I, 303 denkt an eine -ing- Abl. 
von einem kurznamen Bjorg, erklárt 


C. J. S. Marstrander, NTS 3, 1929, 174 
es ansprechender als abl. von berg 
also ‘die vom berge’. Krause zu ae. 
byrging ‘begrábnis'. vgl. birgja. 

Birgir mPN. nnorw. Berge(r) — < adj. 
birgijaR ‘der hilfsbereite' (s. I. Lind- 
quist NB 27, 1939, 10), urspr. wohl 
schwedischer PN. — vgl. birgjd. 

birgja schw. V. ‘bergen, helfen, versor- 
gen’, nisl. birgja. — Dazu birgr 
adj. ‘wer sich zu helfen weiss’, nisl. 
birgur 'ds', fár. birgur ‘gesund, kráftig’, 
nnorw. byrg 'versorgt; stolz’, schw. dial. 
bðrg ‘tauglich, geniigend’. — vgl. 
bjarga. 

birki n. ‘birkenwald’ (< urgerm. *ber- 
kia-), nisl. birki 'ds’, fár. birki 
’birke’, nnorw. birkje, nschw. bjðrke 
‘birkenwald’. — > me. birke, ne.dial. 
birk ‘birke, birkenwald’ (Thorson 54). 
— Dazu: birkinn ‘von birkenholz’ 
(nur Gör II, 12). — > ne. dial. 
birken ‘ds' (Thorson 54). — ae. 

bircen, beorcen, ahd. birktn ds. — Viel- 
leicht wurde das Eddawort dem w- 
germ. eritnommen (Mohr, ZfdA 76, 
1940, 154), aber die entl. ins engl. 
weist auf weitere verbreitung hin. — 
vgl bjýrk. 

Ein anderes wort ist nisl birkinn 
‘trocken wie rinde’, fár. berkinn 
‘scharf, bitter’, nnorw.dial. birkjen, 
berkjen 'trocken, hart', schw. dial. 
barkun ‘bitter, scharf’, die zu 
bprkr gehören (J. Sahlgren, Edd. 
II, 276-7). 

birkja 1 f. ‘birkensaft', nnorw. byrkja. — 
vgl. bjgrk. 

— 2 schw. V. ‘abrinden’, nisl. birkja, 
nnorw. berkja. — vgl. bgrkr. 

birna f ‘bárin’, auch PN (< urgerm. 
*bernið); nisl. birna, nnorw. birna, 
binna, aschw. birna. — ae. biren(e), 
ahd. birin. — vgl. bjgrn. 

birta 1 f. ‘glanz’. — vgl. birta 2 und 
birti. 

— 2 schw. V. ‘klar macken, erhellen; er- 
láutem' (< urgerm. *berhtian), nisl. 
fár. birta, nnorw. byrta, ádá. birta. — 

> shetl. birt. burt ‘anziinden'. — got. 
bairhtjan ‘offenbaren’, ae. -bierhtan, 
'leuchten, kláren, feiem’, ahd. berahten 
‘leuchten, erhellen’. — Dazu birti f. 
‘glanz’, (< urgerm. *berhtí). — > shetl. 
btrti, birtek ‘tabuwort fiir feuer'. — 
got. bairhtei, ae. bierhtu, ahd. berahti. — 
birtingr m. ‘forelle, salmo trutta' 
(s. Nordgaard MM 1912, 55), nisl. 
birtingur ‘lachsart’, 'nnorw. byrting, 
nschw. dial. börting 'salmo tmtta’. — 

> shetl. bjartin ‘Ueines kind’ (Jakob- 
sen 43). — Eig. nach der farbe benannt, 
vgl. birting í. ‘schein, glanz’ und bjartr[ 



biskup 


38 


bjalla 


biskup, byskup m. 'bischof’, nisl. biskup, 
byshup, fár. biskupur, biskoppur, 
nnorw. bisp. aschw. biskoper, nschw. 
ndá. biskop. — < ae. biscop, bisceop; 
vgl. afr. biskop, as. biscop, ahd. 
biscof, got. aipiskaupus < lat. episco- 
pus, gr. é7tíoxo7toi;'aufseher’(Fischer52). 
bismari m ‘schneUwaage' (erst 13. Jht), 
vgl. bismarapund ‘gewicht, 24 mark', 
fár. bismari, nnorw. bistnar, aschw. 
bismare, bisman, besman, nschw. bes- 
man, dial. bismere, ndá. bismer. — 

> orkn. bismar, shetl. bismer (Mar- 
wick 13); > schott. biorsamaid (A. 
Bugge, Fschr. K. Meyer 300); > lpN. 
bismar (Qvigstad 108). — < mnd. 
bisemer und dieses aus russ. bezmen 
‘handwaage', lit. bezmlnas (Fischer 
44), wáhrend die ostskand. form besman 
unmittelbar aus dem russischen stammt 
(Sarauw, DSt 1930, 57). 

bissus m. ‘feines leinwand’ (nur Stjórn) 
— < mhd bissus ‘zwirne’, eig ‘aus 
baumwoUe gefertigter stofi’ < mlat. 
byssus ‘leinwand, kattun', vgl. mhd. 
bisse, mnl. bis{se) ‘feines gewebe’. 
Das íat. wort kommt aus gr. púooo? und 
dieses wieder aus aram. bús 'leinen’. 
bistr adj. ‘zornig’. — < mnd. bister, 
das wieder aus russ. bystr ‘schnell, 
rasch’ herstammen soll (Fischer 44). 
bisund f. 'goldmiinze’ (spát. bezeugt) — 
< mnd. bisant < mlat. bisantius 
‘byzant. munze’. 

bit n. ‘biss’, schárfe, viehweide’, nisl. 
fár. nnorw. bit, nschw. bett, adá. bid. — 

> shetl. bit ‘biss', bid ‘teil einer angel- 
schnur' (Jakobsen 37); > lpN. bitta 
'stiick’ (Thomsen 2, 96). — daneben 
ae. bite, afr. bil(i), as. biti, nnl. beet, 
ahd. biz. — vgl. bíta. 

bita schw.V. ‘zerteilen’, nschw. beta, 
ndá. bede. — mhd. verbizzen ‘verkeilen’, 
ahd. bizzön ‘knirschen’. — vgl. bita. 
bita st. V. ‘beissen 1 ; nisl. fár. bita, nnorw. 
nschw. bita, ndá. bide. — got. beitan, 
ae. as. bitan, afr. bita, ahd. bizzan 
‘beissen’ (eig. 'spalten’) — i dg. wzl. 
*bheid , v gl. lat. findo, ai. bhlnadmi, 
bhédSmi ‘spalten 1 (IKW ii6). — vgl. 
betskr, beit, beita, beiti, beizl, bit, 
biti, bitill, bitlingr und bitr. 
biti 1 m. ‘bissen, zahn (eig. beisser)’, 
nisl. fár. biti, nnorw. bite, aschw. biti, 
nschw. beta. — ae. bita, afr. bita, mnd. 
bete, ahd. bizzo ‘bissen’. — vgl. bita. 
—-2 m. ‘querbalken .im hausdach; der 
die beiden spanten verbindende quer- 
balken', nisl. fár. biti, nnorw. bite. — 

> finn. piitta ‘balken’ (Karsten GFL 
159; nacn Setálá, FUF 13, 1913. 4*5 
junge entl.); > lpN. bitta ‘querbalken 
in einem boot' (Qvigstad 109); > ne. 


bitts, bits, frz. bitte ‘beting’ (K. Nyrup, 
Aarb. 1919, 26), ital. bitta (H. Falk, 
WS 4, 1912, 47); > russ. bet' ‘querbrett 
in einem boot’ (E. Meyer, ZfsPh 5, 
1929, 142-4). — mhd. bizze ‘holzkeil’, 
vgl. nnl. beting 'stánder an bord’. — 
vgl. biti 1. 

bitill, bituU m. 'gebiss’, nisl. bitill, 
nnorw. bitel, nschw. bettul ‘ds’, aber 
fár. bitil ‘stiickchen’. — > shetl. bitel 
‘grosser zahn'. — ae. bilol ‘gebiss’, mhd 
bizzel ‘bisschen’. — vgl. bita. —Dazu 
bitlingr m. 'kleines abgebissenes 
stiick’. 

bitr adj. ‘bitter’, nisl. fár. bitur, nnorw, 
nschw. ndá. bitter. — ae. biter, bitler, 
as. ahd. bittar; daneben got. baitrs 
‘bitter’. — vgl. bíta und beiskr. 

bítr m. ‘beisser', wurzelnomen zu bita. 

bjafall m. 'mantel mit kapuze aber ohne 
ármel' (schottische tracht, nur Eiriks 
saga rauða c. 8, wo kjafall steht). — 
wohl ein schott. wort; aus air. birbell, 
das wieder aus án. berfell, berfjall 
‘bárenpelz’ stammt (Marstrander ANV 
1915 Nr. 5, 3X-2). 

bjagleitr adj. ‘schief, unförmig’, vgl. 
nisl. bjaga ‘schief machen, vergewálti- 
gen’. — vgl. baga 1. 

bjalfi m. ‘pelzjacke’, auch BN und PN; 
nisl. bjálfi ‘ds’. fár. bjálfi ‘seehundbalg, 
in dem die seelen verstorbener sich 
offenbaren; peiz’. — < russ. biljak 
'im winter gefangener seehund’, biljók, 
bílók ‘seehundjunges’, zu bél ‘weiss’. 

Bjalkaland 'sagenhaftes land in Ost- 
europa’. — wohl < russ. bélka 'eich- 
hörnchen’. 

bjalki m. 'balken' (< urgerm. *belkan), 
nisl. fár. bjálki, nnorw. bjelke, nschw. 
bjálke, ndá. bjelke. — gr. <páXay5 
‘runder balken, waagestange, schlacht- 
ordnung’, russ. bolozno ‘dickes brett’, 
lit. balíiena ‘balken an der egge', lett. 
bdlziéns ‘stiitze am pflug’, vgl. auch lat. 
fulcio ‘stutzen’ (IEW 122-3). — vgl- 
bQlkr und spjalkir. 

bjalla f. ‘glocke, schelle’, nisl. bjalla, 
fár. bjölla, nnorw. bjella, bjella, nschw. 
bjálla, ndá. bjelde. — < ae. belle 
‘glocke’ (Fischer 24), mnd. bette. — 
Bloomfield, Fschr. Sievers 1925, 
103 betrachtet bjalla (mit analo- 
gischer brechung) als ein schaU- 
wort und stellt es zu schw. dial. 
bálla ‘schimpfen’, ádá bjælde 
‘schimpfen, rufen’, norw. dial. 
bjeldra 'schreien’, nschw. diál. 
bjállra ‘schwatzen’. — ae. bellan 
‘briiUen, bellen', ahd. bellan 'bel- 
len, zanken’; wohl mit ll < Iz vgl. 
lit. balsas ‘stimme, laut’. — vgl. 
belja. 



bjának 


39 


bjartr 


bjának, bjannak ‘segen’ (nur Hkr.). — 
< air. beannacl < lat. benedictio (S. 
Bugge, Studier i, 308). 

Bjár m. name aus der heldensage. — < 
ae. Beaw, Beowa. 

bjarg 1 oder berg n. ‘berg, fels’; nisl. 
bjarg, berg, fár. berg, bjarg, bjðrg, 
nnorw. nschw. berg, ndá. bjerg. — 
> orkn. berry, shetl. berg, bjerg, manx 
-berg in ON (s. Marstrander, NTS 6, 
1932, 269); > ne. -ber(gh) in ON und 
Barby, Barrowby (Ekwail 36); > asl. 
brégíi ‘ufer, hiigel’ (Stender-Petersen, 
Göt. Vet. och Vitt. Samh. Handl. IV, 
31, 1927, Nr 4, 265-6). — ae. beorg 
'höhe, grabhiigel’, (ne. barrow ‘grab- 
hiigel’), as. ahd. berg, afr. mnl. berch 
‘berg’; vgl. got. bairgahei ‘gebirgs- 
gegend’. — ai. brhant- ‘hoch', av. 
barazah ‘höhe’, air. bri ‘hiigel’, gaU. 
Brigantes Volksname, Brigantia 'Bre- 
genz’, arm. barjr ‘hoch’, berj ‘höhe’ 
hett. parkus (< *bhrghu-) ‘hoch’ 
(IEW 140-141). —vgl. borg, Borgun- 
darhólmr und bragr 1. 

— 2 in frauennamen und zusammen- 
setzungen, vgl. bjgrg 2. 

bjarga st. V. ‘bergen, retten’ (<urn. 
*bergan), nisl. fár. bjarga, nnorw. 
berga, nschw. barga, ndá bjerge. — > 
shetl. bjorg ‘sparen, verbergen’. —got. 
bairgan, ae. beorgan, as. gibergan, 
ahd. bergan ‘bergen’, daneben abl. ae. 
byrgan ‘begraben’, borgian ‘behiiten, 
borgen’, ahd. borgén 'hiiten, anver- 
trauen, borgen’. — asl. brégq, bréSti 
‘sorge fiir’, russ. beregú ‘hiite’ (IEW 
145). — vgl. bjQrg 1, borga und 
byrgja. 

bjarkan n. name der rune b ( biercan, 
Leiden hs. brica, Abcdarium norm.); 
vgl. got. bercna (Salzburg-Wiener hs), 
norw. ir. bergann (Book of Ballymote). 
Wohl zu bjQrk gehörend. 

Wegen des sprossvokals vielleicht 
aus einem westgerm. runennamen 
entlehnt, meint H. Kuhn, Fschr. 
Neckel 70; vgl. auch hagall. 
Nach Marstrander NTS 1, 1928, 
157-61 soll bjarkan < *berkanð 
der name einer göttin sein, der 
weiter mit dem namen der göttin 
Vercana auf zwei niederrheinischen 
Inschriften (CIL XIII, 4511 und 
7667) zu vergleichen wáre. 

Bjarkey f. ‘inselname’ (z.B. Bjarkey in 
Haalogaland, Björkð, iat. Birca am 
Málarsee und an der finnischen kiiste), 
bedeutet eigentlich 'birkeninsel’, vgl. 
bjQrk. 

Davon abgeleitet bjarkeyjarrétr, 
aschw. bjcerköœ rcettœr ‘das in 
diesen handelsplátzen giiltige 


recht’ und daraus wieder entlehnt 
ádá bjesrk, mnd. berck ‘rechts- 
bezirk’(Schiick, UUÁ 1910, 26-27; 
E. Wessén NB 11, 1923, 135-77)- 
— Eine andere etymologie ver- 
bindet das wort mit mnd birk, 
berck, bierk und vergleicht afr. 
birek, mnl. berek ‘jurisdiktion’; 
hieraus soll das wort bjark-(ey) 
entlehnt sein (Wadstein NB 2, 
1914, 92-7; 12, 1924, 127-38 und 
14, 1926, 1-10). Dagegen E. Wes- 
sén z.a.S. der darauf hinweist, 
dass fr. *birek nicht belegt ist 
und auch die betonung schwierig- 
keiten macht (obgleich das fiir 
wörter mit adv. práfix kaum 

zutrifft). 

Bjarkl m. PN. (< urgerm. *Berikan, 
mit anal. brechung nach A. Kock. UB 
45). — ahd. Bericho. — bedeutet 

‘der kleine bár’ (Kahle, ANF 26, 1910, 
232). — vgl. bjgrn. 

Bjarmar mpl. ‘name eines volkes am 
Weissen Meer’, vgl. ae. Beormas. 

Gewöhnlich abgeleitet < Ip. Berm- < 
ostfinn. Perm-, vgl. aruss. Permi. 

Dagegen aber V. Jansson. OUÁ 1, 
1936, 33-50, der bjarm- aus *berg(a)mo- 
ableitet. 

Bjarmóðr m.PN. wenn nicht einfach 
statt Bjarnmóðr, könnte man verglei- 
chen wgot. Bermudus, alam. Peramuot. 

bjam- in PN. wie Bjarngrimr, Bjarnhildr 
und in zusammensetzungen; vgl. bjQrn- 

Bjamharðr m.PN. < ahd. Berinhard, 
Bernhard. 

Bjarai m.PN. — > air. Berna. — Ent- 
weder schwache nebenform zu bjQrn, 
oder kuTzname aus Zss. wie Bjornulfr, 
Arinbjorn. 

bjartr ‘hell’ (< um. *bertaR < urgerm. 
*berhtaz), nisl. fár. bjartur, nnorw. 
bjart, bjert, nschw. bjdrt, ndá. bjert. — 
> shetl. bjart, bjert, bjerk ‘kalter, 
trockener wind’ (Jakobsen 43). — got. 
bairhts, ae. beorht, briht, as. ber(a)ht, 
ahd. beraht. — zur idg. wzl. *bhere§, 
vgl. ai. bhrdjati ‘glánzen, strahlen', 
bhrdja- ‘glánzend, funkelnd’, lit. brík- 
Sla, brikéti ‘anbrechen (vom tage)’, 
poln. brzask ‘morgendámmerung’, 
kymr. berth ‘glánzend, schön’, ir. Flaith- 
bertach PN (IEW. 139). — vgl. birta, 
birti, birtingr, bjQrk und brjá. 
Oft in PN, sowohl als 1. glied, wie 
in Bjartmarr, ebenso in wgerm. 
PN. wie Bertefrida, Bertegiselus 
wie als 2.glied, wie Hróðbjartr 
vgl. burg. Chrodebertus ; weiter 
noch wgot. Gisebertus, fránk. Cha- 
ribertus. — Neben idg.' *bhereg 
steht auch *bhereg, vgl. blakkr. 



bjóð 


40 


bjóga 


bjóð n. ‘tisch, schussel’, nisl. bjóð 
‘gefass, in das die mit köder versehenen 
angelschniire gelegt werden’. — > finn. 
pðytci, lpN. bavdde S. peute 'tisch’ 
(Thomsen SA 2, 208; Setkla FUF 13, 
1913, 432, Collinder UL 171); dpl. 
bióðum > ne. Beetham ON (Ekwall 33). 
— got. biuþs, ae. beod ‘tisch’, beodas 
‘schusseln', as. biod, ahd. piot, biet 
‘tisch’ (aus dem germ. entl. asl. 
bljudú ‘korb’ und lit. bliudas ‘schiissel’, 
s. Berneker, IF 10, 1899, 151). Dazu 
ahd. biutta, nhd. beute ‘backtrog’ und 
weiter zu ae. byden, ahd. butina, mhd. 
btíten ‘fass, wanne’ (H. Petersson, 
IF 23, 1909, 395), die nicht als entl. 
aus lat. butina ‘fass' zu betrachten 
sind, sondern zu der sippe von boön 
und botn gehören. 

Uhlenbeck PBB 30, 1905, 268 
verbindet bjóð mit bjóða, das 
wort wiirde also ‘angebotenes’, 
oder vielmehr ‘worauf angeboten 
wird, servierbrett'bedeuten, (Stroh 
Deutsche wortgeschichte I, 22); 
nach Petersson zu abstrakt, der 
an got. bauþs ‘taub, stumm’ 
ankniipft: eig. bed. ‘gehaltenes’; 
nicht weniger abstrakt! 
bjóða st. V. ‘bieten’, nisl. far. bjóða, 
nnorw. bjoda, nschw. bjuda, agotl. 
biauþa, ndá. byde. — > lpN bov’dit, 
S. biv’det ‘einladen’ (Qvigstad 115). — 
got. -biudan, ae. biodan, afr. biada, as. 
biodan, ahd. biotan — gr. neóOopai, 
TruvOávopai ‘erforschen, erfahren’, ai. 
bodhati 'erwachen, bemerken', asl. 
bljudq, bljusti ‘wahren, beobachten’, 
lit. bundu, busti 'erwachen’, budrús 
‘wachsam’, baudíiu, baústi ‘zurecht- 
weisen, strafen’, bauslys ‘befehl’, lett. 
baúslis ‘gebot’, air. ro-bud ‘verwar- 
nung’, buide ‘dank’ (IEW. 150-2; fiir 
die bedeutung S. Bugge, KZ 19, 1870, 
441). — vgl. boð, boði 1, Buðli und 
býsn. 

Porzig, Glied. d. idg. sprachen 
(1954) 122 macht darauf aufmerk- 
sam, dass die idg. wzl. *bheudh 
eig. ‘erwachen, bemerken’ bedeu- 
tet, und dass sie im westidg zu 
‘aufmerksam machen > wamen > 
befehlen wurde; er denkt an eine 
gemeinsame entw. dieser sprach- 

bjóIaín^m^N. < air. Beol(l)an (s. A. 
Bugge, Indfl. 369). 

Bjólfr mPN. < um. *Býólfr ‘bienen- 
wolf’, wie anorw. Biulfr < *Býulfr. 
(s. Björkman SEPh. 52, 190-1, der ae. 
Beowulf vergleicht). — > air. Beoalb 
PN (s. Marstrander NVA 19x5, Nr. 5, 
49). — vgl. bý und úlfr. 


Anders Lind, Fschr. Pipping 328 aus 
býr und úlfr. 

bjórr 1 m. ‘bier’, nisl. fár bjór, schw. 
dial. bjor. — > lpN. biev’ra, bjúre, 
biure (Qvigstad 106); > air. beóir 
(Marstrander NVA 1915, Nr 5, 79-80). 
— Gewöhnlich betrachtet als < ae. 
blor ‘bier' (Kluge PBB 35, 1909, 570); 
vgl. afr. biár, bier, as. ahd. bior, mnd. 
mnl. blr (aus wgerm. frz. biére, it. 
birra). 

Das wort kann aus *beura- oder 
*beuza- entstanden sein, und in 
beiden fállen zu *bewwu 'gerste’ 
(vgl. bygg) gehören (FT 420); 
wird aber auch wohl verbunden 
mit- ahd. biost, nnl. biest 'erste 
milch der mutterkuh’. Aber auch 
als klösterliches fremdwort be- 
trachtet und entlehnt aus vul- 
garlat. biber ‘trunk’; also neuer 
name fur das damals bekannt 
gewordene gehopfte bier. 

— 2 m. 'dreieckiges stuck, hausgiebel, 
dreieckiges landstuck’ (wohl < um 
*bjgburr < *beburaR) ; nisl. bjór, 
nnorw. bjðr(e) ‘keilförmiges stiick’, 
fár. bjóri ‘lappen, streifen’, agotl. 
bjaur ‘achtersteven eines fischerbootes’, 
nschw. dial. bjur-ds ‘dachbalken'. — 
lat. fibra ‘faser’, ai. bibharmi 'halte, bin 
haltbar’ (A. Noreen, ANF x, 1883, 163). 
Aber Hellquist 75 denkt an redupliz. 
bildung zum stamm von bora. 

— 3 m. ‘biber, biberfell’ (< um. *behu- 
raR); nisl. bjór 'biber’, fár. bavur ‘biber- 
geil’, norw. dial. bjór, schw. dial. bjur, 
adá biceveer, biaueer ‘biber'. —. ae. 
beofor, ahd. bibar as. bibar, mnd. mnl. 
bever (daraus nnorw. bever, nschw. 
báver, ndá. bœver). — lat. fiber, asl. 
bebrú, bibrú, lit. bibras, blbrus, lett. 
bebrs, pr. bebrus, gall. *bebros (> frz. 
biévre), air. beabhar. Eig. ■ ‘braunes 
wassertier’, zur sippe von ai. babhrú- 
‘braun’, aber auch ‘grosse ichneumon- 
art’ (IEW 136). — vgl. brúnn 1. 

bjúga I f. 'wurst’, nnorw. morboge 
'wurst'; vgl. ahd. biugo ‘falte’ zu 
bjúga 2. 

— 2 st. V. ‘biegen’ oder búga (nur 
uberliefert: 3 ppl. prát bugu und''pait. 
boginn); nisl. fár. buga, aschw. bugha, 
nschw. buga. — got. biugan, ahd. 
biogan, abl: ae. búgan, afr. búgen, as. 
búgan, mnd. búgen, nnl. buigen. — 
Falls wir wurzelvariation ‘ bheugh: 
*bheug annehmen diirfen, lásst sich 
vergleichen lat. fugio, gr. ipcÚYtu ‘fliehe’, 
ai. bhujati ‘biegt’, lit. búgti ‘erschrecken’ 
air. fid-bocc ‘holzbogen’ (WP II, 145). 
— vgl. baugr, beygja, bjúgr, bogi, 
bogna, bót 2, buga, bugr, bugt. 



bjúgr 


41 


blaðra 


búkr, byggja i, bygill. uad Qtnbun. 
bjúgr adj. ‘gebogen, gebeugt’, nisl. 
bjúgur, nnorw. bjug ; vgl. schw. see- 
name Bjugen und ON Bjuv (Sahlgren, 
NB 12, 1924, 180-2). — sdid. biogo 
‘bucht’. — vgl. bjúga 2. 
bjgð npl. ‘land, boden’ (poet. friih be- 
zeugt). — friiher als entl. aus air. 
bioth, bith' welt’ betrachtet (S. Bugge, 
Home Eddic poems S. XXXIV und 
Studier 1, 6). Dagegen aber F. Jónsson, 
Sprogforh 61 wegen des friihen vor- 
kommens des wortes und auch Mar- 
strander NVA 1927, Nr. 4, weshalb 
A.M. Sturtevant, SSN 16, 1941, 222 es 
< *beðö herieiten will und dann (mit 
der bed. ‘oberfláche’) zur idg. wzl. 
*bhedh ‘graben’ (vgl. beðr) stellt. 
bjyllr m. ‘ball’, vgl. bQllr. 
bjgrg f. ‘bergung, schutz, hilfe’ (< ur- 
germ. *bergð), nisl. björg, nnorw. bjgrg, 
aschw. biárgh, adá. bjarg. — > shetl. 
björg ; > lpN. bierggo (Wiklund, SUSA 
10, 1892, 148). — ae. beorg ‘bergung, 
schutz’ (vgl. cinbeorg, hleorbeorg), afr. 
(here-)berge, as. ahd. (heri-) berga 'her- 
berg’. — vgl. berg2, bergr und bjarga. 
Oft in frauennamen, wie Arnbjorg, 
Gunnbjorg, Hildibjorg, Ingibjorg, 
Þórbjorg, ValbjQrg (eig. bahuvrihi- 
zss. s. I. Lindquist, NB. 27, 1939, 
10), vgl. auch ogot. Amalaberga, 
ae. Æthelburga und fránk. namen 
auf - berga. 

Bjqrgyn name der stadt Bergen, statt 
*Bjorgvin nach gen. s. Bjorgyniar 
(iiber die nebenformen Bergyin, Bjarg- 
vin s. P.N. Grotvedt, NTS 11, 1939, 
247-256). — vgl. bjarg und vin. 
bjqrk f. ‘birke’ (< urgerm. *berkð); 
nisl. fár. björk, nnorw. bjerk, bjerk, 
aschw. biork, nschw. björk, ndá. birk. — 
ae. beorc(e) neben bierce (< *berkið) 
as. birka, berka, mnl. berke, ahd. birka, 
bir(i)hha. — lat. farnus, fraxinus 
'esche’, ai. bhúrja- (< *bharggo-) ‘bir- 
kenart’, asl. bríza, lit. bérlas, lett. 
bérzs, apr. berse, oss. bárz ‘birke’ 
(IEW 139); eig. ‘der helle baum’ (s. 
Wiedemann, IF 1, 1891, 512). — vgl. 
bjártr und birki, birkinn, birhja 1, 
bjarkan und Bjarkey. 
bjqrn m ‘bár’ {< urgerm. *bernú), 
nisl. fár. björn, nnonv. bjern, bjann, 
nschw. björn, ndá bjern. — > lpN. 
bierdna (nach Wiklund MO 5, 1911, 
250 < urn. akk. s. *bernu); > russ. 
Bernovo ON (Vasmer, SBAW. Berlin 
1931, 662). — ae. beorn 'krieger, háupt- 
ling. — Daneben ae. bera, ahd. bero, 
mnl. bere ‘bár’ (vgl. run. schw. PN. 
biari, Rök. c. 800). — eig ’das braune 
tier', vgl. lit. bíras ‘braun’ — vgl. 


bassi, bera, bersi, birna, bjarki 
und Bjarni. 

Zu der idg.wzl. *bher, die gerne 
zur bezeichnung von tieren ver- 
wendet wurde, gibt es die erw. 
(s. Specht, Idg. Dekl. s. 120): 
«-stamm, vgl. bjórr und brúnn 1 
n-sta.mm,vgl.Brundabjálfi. 
Sehr háufig ais PN. (daraus ae. 
Beorn; s. Björkman 26) und in 
Zss. sowohl als 1 .glied, wie Bjorn- 
mundr, BjQrnulfr (gewöhnlich aber 
in der form bjarn-), wie als 2. 
glied: Arinbjorn, ÁrnbjQrn, Ás- 
bjorn, FastbjQrn, FuikbjQrn, Frey- 
bjorn, Fróðbjorn, Gunnbjorn, Hall- 
bjorn, Herbjorn, Ingibjorn, Isbjorn, 
KetilbjQrn, Kolbjorn, Styrbjorn, 
Sœbjorn und Þorbjorn. 

blá- ‘gewaltig’ in Zss. wie bláfastr. — vgl. 
bltsr 1. 

biað n. ‘blatt, klinge', nisl. fár. blað, 
nnorw. nschw. ndá. blad. — > orkn. 
blow ‘tangblatt', shetl. bled ‘blatt’, 
aber auch ON. in der bed. ‘landzunge’ 
(Jakobsen 47); > lpN. laððe, blaðði 
(Qvigstad 206). — ae. blced ‘blatt, 
klinge', afr. bled, as. blad, ahd. blat; 
daneben abl. ae. blœd (< *bládu-) 
‘spross, zweig, bliite, ernte, reichtum’, 
ahd. blát 'bliite’. Das vorhandensein 
des hochstufigen *bléða im umord. 
diirfte das lapp. lehnwort lieððe ‘blatt, 
blume' beweisen (Wiklund, MO 5, 
1911, 226). — toch. pált ‘blatt’. Die 
idg. grundform *bhhtó gehört zum 
stamm *bhlð- ‘bluhen’. — vgi. Blað- 
nir, blaðra 2, bleðja, blóð und 
blóm. 

Blaðnir m. ‘name eines schwertes’, eig. 
‘einschneidige klinge’ (Falk, NVA Oslo 
1914, Nr. 6, 47). — vgl. blað. 

blaðra 1 f. 'blase' (spát. bezeugt), nisl. 
blaðra, fár. blöðra, nschw. bladra; 
neben *blaðrðn steht *bléðriðn, vgl. 
norw. bltera, aschw. bltedhra, nschw. 
bláddra, dial. blára, ndá. bltere. — ae. 
bltedre, as. bládara, nnl. blaar, ahd. 
blát(t)ara 'blase, blatter’. -— mit tr- sufi. 
von der wzl. *bhlé- ‘blasen’, vgl. blter 1. 

— 2 schw. V. 'hin und her bewegen (von 
bláttern). — vgl. blað. 

— 3 schw. V. ‘schwátzen’, nnorw. bla- 
dra ‘plátschern’, nschw. dial. bladdra 
‘schwátzen’. — > schott, blether, 
bledder 'schwátzen’ (Flom. Infl. 29); 
> ne. blather, blether ‘unsinn reden’. 
— nhd. dial. bláderen 'schwátzen' — 
schallnachahmende bildung wie lat. 
blaterare ‘plappem’ (A. Walde, IF 19, 
1906, 110); falls nicht einfach dasselbe 
wie blaðra 2, also ‘die zunge hin und her 
bewegen’. 



Bláinn 


42 


blástr 


Bl&lnn m. ‘mytb name’, eig. 'der dunkel- 
farbige'. — vgl. blár. 
blaka 1 f. 'schiag; fácher; vorhang, 
schleier’. — vgl. blaka 2. 

— 2 schw. V. fácheln, zittem’, nisi. fár. 
norw. dial. blaha ‘fácheln, flattern', 
schw. dial. bláksa ‘fácheln’. — > shetl. 
blig ‘fácheln’. — lit. blaíkaú, bloSkiú, 
‘hin und her schleudern, umhersausen' 
(IEW. 154). — vgl. blakra und 
blekkja 2. 

Blakki m. Pn. — > norm. Blaqiieville 
ON (Jakobsen Dst. 1911, 69). — ahd. 
Blartka. — vgl. blakkr. 
blakkr 'fahl, gelbbraun' (bes. von einem 
pferd); auch Bn. (< urn. *blankaR), 
nisl. blakkur, fár. blankur, norw. blakk, 
aschw. blanker, blakker, nschw. black 
ádá blank ‘blass, blond’. — ae. blanca 
'schimmel’, mnd. blank, ahd. blanc 
‘glánzend weiss’ (aus germ. > frz. 
blanc, it. bianco). — Neben ‘gelbbraun’ 
bedeutet an. blakkr gerade in der álte- 
ren zeit auch ‘dunkelbraun’ oder 
’grau’ (vgl. shetl. blekk ‘eisenhaltige 
erde, die als farbstoff verwendet wird). 
Die beiden bed. sind aus einer grund- 
bed. ‘gebrennt’ abgezweigt (Falk, ANF 
41, 1925, 118). — Daneben abl. mhd. 
nnl. blinken, mhd. blinzen (< *blinkat- 
jan), und nicht nasaliert: ahd. blechen, 
mhd. blecken ‘sichtbar werden, sehen 
lassen’, mnd. blecken ‘entblössen’, ae. 
blœcern, blácern ‘leuchter' und weiter 
mnl. nni. blakén ‘flammen, gliihen’. — 
lat. flagrare ‘flammen, brennen’, flam- 
ma ‘flamme’, fulgére ‘blitzen, Leuchten’, 
fulgur ‘blitz’, gr. ‘brenne’, <pXÍY|xa 

‘brand, entziindung, schleim’, 
‘flamme’, lit. blágnytis ‘sich aufhellen’ 
(IEW. 125). Guttural-erw. zur idg. 
wzl *bhel. vgl. bál und blekkja 1. 
blakra schw. V. 'flattem’ vgl. lat. fla- 
grum ‘peitsche', flagráre 'auspeitschen, 
schelten’. — vgl. blaka 2. 
blakt n. ‘weisses wollzeug' (nur norw. 

DN) < me. blanket. — vgl. blank. 
blámí m. 'dunkle farbe', nisl. blámi, 
nnorw. blaame. — > shetl. blem 
‘blauer, dunkler streifen’. — Vgl. 
daneben Bn. Blámr, wie Bláinn ‘der 
dunkelfarbige’. — vgl. blár. 
blána schw. V. ‘blau werden’, nisl. fár. 
blána, nnorw. blaana, aschw. blána, 
nschw. dial. blána. — > shetl. blen 
‘blauer streifen, diinne rauchwolke’ 
(Jakobsen 51). — vgl. blár. 
blanda 1 f. 'mischung von molken und 
wasser’, nisl. blanda, fár. blonda, nnorw. 
blanda, nschw. dial. blanna. — > shetl. 
bland 'ds’ und blanda 'mischung von 
hafer und gerste' (Jakobsen 46). — 
vgl. blanda 2. 


— 2 st. V. ‘mischen’, spater auch schw. 
(Noreen § 504; Anm. 2); nisl. fár. 
nnorw. nschw. blanda, ndá. blande. — 
got. ae. as. blandan, ahd. blantan 
‘mischen’. — vgl. blendingr und 
blindr. 

blank n. 'weisses tuch’ (spát. bezeugt) < 
afrz. blanc ‘weisses tuch, besonders aus 
Ypem oder Briissel' vgl. ne. blanket 
und blaht und blakkr. 

Blapþvari ‘riesenname’; der 1. teil wohl 
zu ne. blab, ahd. blabbizön ‘plappem', 
der 2.teil. s. þvari. 

blár adj. ‘biau, dunkel, schwarz’ (mit á 
statt ó aus obl. kasus, s. Noreen § 81, 
b); nisl. blár, fár. bláur, nnorw. blaa, 
nschw. bli, ndá. blaa. — > me. blá, 
blg ‘blau, dunkel’ (Björkman 204), 
ne dial. blae, bloa 'bleifarbig, diister’ 
(Thorson 54) und in ON. wie Bláby, 
Blowick (Mawer 6); > lpN blavfes) 
(Thomsen SA 2, 207). — ae. blœw, afr. 
bláu, as. bláo, mnd. blá(w), nnl. blauw, 
ahd. bláo ‘blau’; vgl. ae. bleewen, 
blcshœwen ‘hellblau’. — Geht man von 
idg. *bhlé\fO- aus, so darf man daneben 
*bhlðjfo- stellen, das in lat. flörus 
'goldgelb’, air blár ‘grau’ vorliegt 
(iiber das verháltnis zu lat. flávus 
‘goldgelb’, s. Hirt, Idg. Gramm 2, 132). 
Diese wzl. ist weiterbildung von *bhel 
‘glánzen’ (vgl. bál) und mit s-Erw. 
vgl. blys. —- vgl. bláinn, blámi, 
blána, blceingr und Blgvurr; weiter 
auch blý. 

Diese Etymologie stösst auf zwei 
schwierigkeiten; und zwar des 
vokalismus wegen und weil man 
einen bedeutungswandel blond > 
blau annehmen muss. Deshalb 
steilt Hirt, Etymol. der nhd. 
sprache 193 das wort zu gr. (iiXac 
(vgl. mál 1). 

blása red. V. ‘blasen, atmen’, nisl. fár. 
blása, nnorw. blaasa, nschw. blása, ndá. 
blcsse. — got. blésan, mnd. blásen, ahd. 
blásan. — lat. fláre ‘blasen’. — Das 
wort ist s-Erw. der in blcsr vorliegen* 1 
den idg. wzl. *bhlé, neben *bhel 
‘aufblasen, aufschwellen’ (vgl. bali). — 
Dazu: blástr m. ‘blasen, hauch; 
schwellung’, nisl. fár. blástur, nnorw. 
blaaster, blcsster, aschw. bláster, blcsster 
‘blasen’, nschw. bláster ‘blasebalg’, 
ndá. blcsst 'windstoss’ (diese formen 
weisen auf urn. *blástu-). — > orkn. 
blousler, shetl. bloster, blouster ‘blasen, 
wind’; > me. blást (Björkman 84); > 
finn. lietse 'blasebalg’, estn. l~íits ‘blasen, 
blasebalg’ (Wiklund MO 5, 1911, 224-5; 
nach Karsten GFL 81 und 100-1, FMS 
5, 1937, 202 ein alter es-stamm; aber 
nach Setálá FUF 13, 1913. 402 frag- 



blauðr 


43 


lich). — ae. blast 'blas^n, flamme', 
ahd. mhd. blSst ‘das blasen’. 

blauðr adj. ‘schwach, zaghaft', nisl. 
blauöut nnorw. blaud, nschw. blöd, 
ndá. bled. — ae. bleað, as. blðði, nnl. 
bloode, bleu ‘schamhaft’, ahd. blðdi 
‘zaghaft’; vgl. got. blauþjan ‘abschaf- 
fen’. — vgl. blautr i, bleyða und 
bljúgr. 

Gewöhnlich zu gr. <pXaöpo?, <paOXo<; 
(< *<pXauXo<;) ‘geringf iigig, 'schlecht’ 
gestellt (IEW 159). Weniger ein- 
leuchtend Wood, MLN 15, 1900, 
326 zu aí. mlayati ‘welken, er- 
schlaffen’ und gr. ( 3 Xᣠ‘schlafi, 
verweichhcht’. 

btautr adj. ‘weich, schwach, furchtsam’, 
nisl. blautur, fár. bleytur, nnorw. blaut, 
nschw. blöt, ndá. blei (daneben aucn 
nschw. blott, ndá. blot, wohl < nhd. 
dial. blut, blott ‘bar, bloss', vgl. nnl. 
blut 'entblösst, arm’). — > me. bloute, 
blöte ‘weich’ (Björkman 69), ne. dial. 
blout, blowt ‘nackt, bloss’ (Flom. Infl. 
29). — ae. bleat ‘elend’, afr. blát ‘arm’, 
mnd. blöt, mhd. blðz 'bloss, nackt’ 
aber ahd. blöz ‘stolz'. — vgl. blauðr, 
bleyta und blotna. 

Schwer zu trennen von einem 
andern wort blautr ‘durchnásst’, 
an. nicht belegt, vgl. aber nisl. 
blautur. — > orkn. blooter ‘eine 
feuchte masse’; > lpS. láuhtas, 
láktas’ 'feucht, weich’, lpN. lávtas 
’nass’ (Collinder, APhS 7, 1932 
220). — Dieses wort gehört wohl 
eher zu gr. <pXuSá<o ‘fhesse iiber’, 
ipXuSapó? ‘matschig’, dental-abl. 
zu ipXecú ‘strotze’, cpXóoj ‘walle iiber, 
schwatze'. 

bleðja schw. V. ‘abbláttern; ausrotten, 
zerreissen’, nisl. bleðja, nnorw. bledja 
'wáhlen, abbláttern’, nschw. blada, adá. 
blœdhœ ‘blátter abpflucken’. — > shetl. 
bled. — vg blað. 

blegði m. ‘keil (falls die richtige form; 
nur bleðgi iiberiiefert) < urgerm. 
*blayuiðan, nnorw. bleyg, bleig, nschw. 
dial. blájde, blágde, bláde, bláe, ndá. dial. 
blejr. — > shetl. bleg(d), blig(d) 'kleiner 
keil’ (Jakobsen 48); > lpN. pleedgo, 
plœdko ‘keil, holznagel’ (Qvigstad 111; 
auch hier dg statt gd\). — Das wort 
gehört zu me. bléwe, as. bleuwan, mnd. 
mnl. blouwen, ahd. bliuwan, got. blig- 
gwan ‘schlagen’ (IEW. 125). — vgl. 
auch bpl. 

bleikja 1 f. 'weisse farbe’, nisl. bleihja, 
aschw. bléka ‘kalk, kreide’. — > shetl. 
blega 'weissliche ader im felsgestein’. — 
Daher wohl der Landschaftsname Ble- 
kinge, an. Bleiking, ae. Blecingég (Hell- 
quist 78) also ‘die kreidekiiste’ (aber 


Sahlgren, NB 23, 1935, 70-2 zu schw. 
dial. blek ‘klarer meeresspiegel bei 
windstille’, und also eig. name eines 
fjordes). 

— 2 schw. V. ‘bleichen’, nisl. fár. nnorw. 
bleikja, nschw. blika, ndá. blige. — > 
shetl. bllg ‘bleichen’; ne. dial. blaik 
'reinigen, polieren' (Flom. Infl. 29). — 
ae. bleecan, mnd. búken, ahd. bleihhen. 

— vgl. bleikr. 

bleikna schw. V. ‘blass werden’. — > ne. 
dial. blaken (Flom. Infl. 18) — vgl, 
bleikr und blikna. 

bleikr adj. 'bleich’; nisl. fár. bleikur, 
nnorw. bleik, nschw. bllk, ndá. bleg. — 
> shetl. bleg ‘grau-artig weiss’ (Jakob- 
sen 47); > me bleik(e), bleyk(e) (Björk- 
man 41), > ne. dial. bleak, blake 
(Thorson 21); > lpS. blaikok (Thomsen 
SA 2, 207). — ae. blác, as. bllk, ahd. 
bleih ‘glánzend, hell; blass, bleich’ — 
asl. bliskú ‘glanz’, ht. blaikStaus ‘auf- 
hellen des himmels’. Die idg.wzl. 
*bhleig erw. zu *bhlei (vgl. blý). — 
vgl. bleikja, bleikna, blik I, blika 
und blíkja. 

blek n. ‘tinte’, (spát. bezeugt), nisl. 
blek, fár. nnorw. blekk, nschw. bláck, 
ndá. bleek. — < ae. bleee ‘tinte’, 
vgl. as. blak, mnd. black (Fischer 
Lw. 20). 

blekkja 1 schw. V. ‘betriigen’, nisl. 
nnorw. blekkja, ‘bleich aussehen, mit 
einem hellen zeichen andeuten, ver- 
hindern’. — ae. blencan ‘táuschen, be- 
triigen', mhd. blenhen ‘glánzend ma- 
chen’ (hieraus wieder nnorw. blenkja, 
nschw. blánka). — vgl. blakkr. 

— 2 schw. V. 'schlagen, misshandeln', 
norw. blekkja 'rammen, treffen’, vgl. 
nschw. dial. blákkta — abl. von blak 
'schlag mit der flachen hand’ (Schnie- 
ders 66). — vgl. blaka. 

blendingr m ‘mischling, halbtroll’, vgl. 
mhd. blendelinc. — vgl. blanda. 

blesi mBn., von *bles ‘weisser fleck 
auf der stirn von tieren’, vgl. nisl. 
nnorw. blesa, nschw. blás, blása, ndá. 
blis. — > ne. blaze ‘weisser flecken auf 
pferdestirn (Skeat, Notes on engl. 
etym. 1961, 9). — mnd. bles(se), nnl. 
bles, ahd. blassa, nhd. blásse, vgl. da- 
neben ae. bltese 'fackel, feuer', mhd. 
blas ‘fackel’, anfrk. blasmo ‘fackel, 
flamme’. Mit’ gr. wechsel mnd. blare, 
nnl. blaar 'kuh mit stirnfleck'. — 
Gehört zur idg. wzl. *bhel ‘glánzen', 
vgl. bál und blpskra. — Dazu 
blesóttr adj. ‘mit einer blásse ver- 
sehen’, nisl. blésóttur, aschw. bleesutter, 
shetl. bleset, orkn. blest. — mit suff. 

— > *uhta- gebildet zu *bles, 

blessa schw. V. ‘segnen’. — vgl. bleza. 



blestr 


44 


bióð 


blestr adj. 'lispelnd', vgl. nnorw. blesk. 
Ohne etymologie, wohl schallwort, vgl. 
lat. blaesus ‘lispelnd, stammelnd’. 
bleyða schw. V. ‘weich machen, de- 
miitigen’; nisl. bleyðasl ‘zaghaft wer- 
den’, nda. blade ‘erschrecken, scheu- 
chen’. — got. blauþjan ‘abschaflen’, 
as. blöðian, ahd. blöden ‘schwach 
machen’. — Daneben ble’yði f. ‘furcht- 
samkeit’, nisl. bleyöi, vgl. as. blöði, 
ahd. blðdi. — vgl. blauðr. 
bleyta schw. V. ‘weich machen’, nisl. 
bleyta, far. bloyta, aschw. blöta. — 
vgl. blautr. 

bieza, blessa, schw. V. ‘segnen’ (in 
christl. schr.), nisl. blessa — < ae. 
bletsian (< *blðtisðn), vgl. blát. 
bliat, bliaz n ‘seidenzeug; (spát. bezeugt) 
art iiberkleid’, nisl. bliat ‘plaid’, fár. 
bliant, aschw. adá bliant, bliald, ‘seiden- 
stofi’. — < mnd. blia(n)t < afrz. 
blialt, blialz, bliaut ‘goídgestickter 
seidenstoff’. 

bliða 1 f. ‘wurfmaschine’ (nur Mar. s.) 

< mnd. blide (Falk NVA Oslo 1914 
Nr 6, 193) < mlat. blida wohl zu 
gr. * ( 3 aXí 8 a zu (JáXXo ‘werfen’. 

— 2 f. ‘freundlichkeit, behaglichkeit’. 
vgl. bliðr. 

— 3 schw. V. ‘freundlich machen’, nschw. 
blida, ádá blide ‘streicheln, liebkosen’. 
— got. bleiþjan ‘sich erbarmen’, as. 
blithðn, blidön, ahd. biiden ‘erfreuen’. — 
Daneben blíðka, nisl. fár. bliðka 
‘erfreuen’. — Zu bliðr adj. ‘froh, 
freundlich, iieblich’, nisl. fár. bliður, 
nnorw. nschw. dá. blid. — > shetl., orkn. 
blide ‘heiter’. — got. bleiþs ‘barm- 
herzig’, ae. bliðe ‘fröhlich, milde’, as. 
bliði ‘glánzend, heiter, froh’, afr. blid 
(-schifi) ‘freude’, ahd. blidi ‘heiter’, 
mnl. blide ‘strahlend, klar, froh’. — 
Das wort gehört zur sippe von *bhlei, 
eine Erw. von *bhel ‘glánzen’ (s. Pers- 
son, SHVS 10, 1912, 27-29). — vgl. 
bál und blý. 

bligja schw. V. ‘stieren’, (nur Ridd. s.), 
nschw. bliga ‘stieren, glotzen’; vgl. 
norw. bligra ‘glimmen’. — ae. bltsge 
(ne. blay), mnd. blei(er), nnl. blei 
‘bleihe’. — russ. bléknutí ‘bleichen’, 
bliklyj ‘fahl' (IEW 157). — vgl. blý. — 
Dazu Bligr mPn. — > ae. Bligh 
(Björkman 27), eig. Bn ‘der stierer’. — 
blik I n. ‘glanz’, nisl. fár. norw. aschw. 
adá. blik. — mnd. blick, ahd. blih 
‘glanz, bhtz’; vgl. ae. blice m ‘sichtbar- 
werdung’. — vgl. blika. 

— 2 n. ‘blech’ eig. ‘glánzendes metall’ 
(poet. s. E.A. Kock NN § 388), nnorw. 
blehk, nschw. bleck, blöck, ndá blik. — 

< mnd. bleck, blick, mnl. blik; vgl. ahd. 
bleh ‘dunne metallscheibe’. 


blika 1 f. (poet). ‘glanz’, vgl. blika 2. 
— 2 schw. V. ‘glánzen, funkeln’, aschw, 
blika ‘sichtbar werden', nschw. blacka 
‘báume mit einem zeichen versehen'. — 
ae. blician 'glánzen’ — Deverbative ðn- 
bildung zu blikja. 

blíkja st. V. ‘gíánzen, scheinen', nisl. 
blíka, nnorw. blika. — ae. as. blican 
‘glánzen’, afr. blika ‘sichtbar sein’ 
(nnl. blijken 'erscheinen’), ahd. blihhan 
‘glánzen’. — asl. bliskati ‘glánzen’, 
lit. blykstú ‘erbleichen’, blizgú ‘flim- 
mern, glánzen’, lett. blaiskums 'fleck’ 
(IEW 15Ó). — vgl. bleikr, blik, 
blika, blikna und blikra. 
blikna schw. V. ‘bleichwerden’, nisl. 
nnorw. blikna, nschw. dial. blikna, 
blekna. — > me. bliknen ‘bleich wer- 
den’ (Björkman 231). — vgl. blikja 
und bleikna. 

blikra schw. V. ‘ángstlich werden’ eig. 
‘vor angst bleich werden’, nnorw. 
blikra ‘blinken’; vgl aschw blixa, 
nnorw nschw hlikta ‘blinken’ — 
nnl blikkeren 'glitzern’. — vgl. blikja. 
blinda schw. V. ‘blenden’, nisl. blinda. — 
got. gablindjan ‘blind machen’; vgl. 
daneben ae. blendan, ahd. blentan. — 
Zu blindr adj. ‘blind', nisl. fár. blindur, 
nnorw. schw. dá. blind. — > shetl. 
blind; > air. blinn. — got. blinds, ae. 
as. afr. blind, ahd. blint. — asl. blgdq 
‘blind fahren’, lit. blendíiuds ‘dunkel 
werden', blandaus, blandýtis 'die augen 
niederschlagen’, lett. blendu ‘sehe 
undeutlich’ (IEW 157). — vgl. blan- 
da, blinda, blunda und Miskor- 
blindr. 

blistra schw. V. ‘pfeifen’, nisl. blistra, 
nnorw. blistra, blystra 'blasen’, aschw. 
blistra 'zischen’. — > orkn. bleester 
‘einen starken laut machen’. — wohl 
idg. wzl. *bhleis neben *bhleid, vgl. 
lat. fistula (< *flistula) 'rohrpfeife' 
und lett. blidu, blist ‘dick werden’. 
Erw. der wzl. *bhel- ‘blasen', vgl. 
blisa. 

bijúgr mPN., eig. adj. ‘schamhaft' 
schuchtem’ (< urgerm. *bleugaz), 
nisl. bljúgur, fár. bljúgvur, blúgvur, 
nnorw. bljug, nschw. blyg, ndá., bly. — 
ae. bleoh, mhd. bliuc, abl. ahd.’ b/tJgo 
adv. ‘schtichtem’, vgl. ae. áblycgan 
‘erbleichen, erschrecken'. — lit. blúkítu 
'schlafl werden’. — vgl. blauðr, 
blautr 1, blýgð und blýgjast, 
blóð n ‘blut’, nisl. fár. blóð, nnorw. schw. 
dá. blod. — > lpS. plðro, filoare 
(Qvigstad iii). — got. bloþ, ae. as. afr. 
blðd, ahd. bluot. — Gehört wohl zur 
sippe von blað, vgl. blóði und 
blceða. — Dazu blóðga schw. V. 
blutig machen’, vgl. ahd. bluotagðn. — 



abl. von blóðugr. — blóði m. ‘bruder’ 
{< urn *ga-blöðan) eig. ‘blutgenosse’ 
vgl. lat. consanguineus. — blóðiða 
f. teil des schwertes’ (nur þula), viell. 
nach wellenförmigen damaszierung (s. 
Falk, NVA Oslo 1914, Nr. 6, 19), dann 
zusammengesetzt aus blóð und iða. — 
blóðrisa adj. 'biutbefleckt, so dass 
das blut in die haut gedrungen ist’, nisl. 
blóðrisa, norw. dial. blodrisen. — afr. 
blðdrisne, mnd. blðtrisene 'blutige wun- 
de’, nhd. dial. blutrise ‘blutbefleckt’. — 
Zss. von blóð und risa (das zu ahd 
rísan ‘regnen, tröj>feln' gehört). — 
blóðugr adj. 'blutig', nisl. blóðugur, 
nnorw. blodug. — ae. blðdig, afr. blödich, 
as. blðdag, ahd. bluotag. — bióðvaka 
f. ‘schwertname’, nisl. blóðvaka ‘auf- 
ritzen der haut sodass es blutet’ (s. 
E. Lidén, MASO 1, 1937, 128). — vgl. 
blóð und vekja 2. 

blóm n. ‘blume’, nisl. blóm, nnorw. blom. 

— abl. von der wzl. *blð ‘bliihen’, vgi. 
ae. blöwan, as. blðian, afr. blðia, nnl. 
bloeien, ahd. bluojan, bluowen. — lat. 
flðs 'blume', flðrire ‘bliihen’, mir. 
blath 'blume, blute’; die wzl *bhlð nur 
ital. kelt. germ. (vgl. Krahe, Sprache 
und Vorzeit 80), vgl. weiter lat. folium, 
gr. 9ÚXX0V ‘blatt’ (IEW122).—vgl .blað. 
— Dazu bióma schw. V. ‘biuhen’ (nur 
Heilag. s.) — ahd. bluomðn ‘mit blumen 
schmiicken’, mhd. bluomen 'bliihen’.— 
blómga schw. V. ‘zum bliihen bringen’ 
(spat. bezeugt). — blómi m. 'blume’, 
nisl, blómi, fár. blóma, blómi, nnorw. 
ilome, nschw. blomma, ndá. blomme. — 
> me. blðme, ne. bloom (Björkman 204). 

— got. ae. afr. blðma, as. blðmo, ahd 
bluomo. — blómstr m. bliihen, blume 
(spát. bezeugt), nisl. fár. blómstur, 
nnorw. nschw. blomster, ndá. blomst. 

Etymologie unsicher. Cederschiöld, 
Xen.Lidén 1 1912, 79-80 denkt an 
abl. von blóm mit sf-suffix; wohl 
eher kontamination von blðm mit 
einem anderen wort, das in ae. 
blðstm, mhd. bluost ‘bliite’ vor- 
liegt, vgl. auch ae. blðsma, mnd. 
blösem, blossem, nnl. bloesem 
'bliite’. 

blóramaðr m. ‘siindenbock’ und bló- 
rar ‘beschuldigungen'. — > orkn. 
blooro ‘zank, uneinigkeit (Marwick 15); 
shetl. blura in dem ausdruck in blura 
'im geheimen, mit arglist’ (Jakobsen 
52). — Dunkel. 

blossl m. ‘feuer, wárme (poet.)’, msl. 
blossi, daneben aschw. blus, blos, 
nschw. bloss, ndá. blus ‘erröten' (vgl. 
nnl. blos) und das Zw. nisl. nschw. 
blossa, ndá. blusse 'erröten’. Gebiidet 


zur germ. Wz. *blus 'scheinen, glánzen'. 

— vgl. blesi und blys. 

blót n. ‘opfer’, opferstette, abgott’ -— 
> finn. luote 'zaubergesang' (Karsten, 
GFL 56, 102; Setálá FUF 13, 1913, 
406; Karsten geht von einem es-stamm 
aus, dagegen Collinder UL 1932, 219- 
21); > finn. luode ‘zauberwort, zaube- 
rei (Karsten FMS 5, 1937, 2I 5 )í > 
lpN. luotte ‘magischer. gesang’. — ae. 
blðt, ahd. bluoz, vgl. auch ahd. plðzhús 
‘tempel’, bluostar 'opfer’. — blóta 
red. V. ‘opfera, verehren, verfluchen’, 
nisl. íár. blóta, aschw. blöta, adá. blöte. 

— got. ae. blðtan, ahd. blðzan. — vgl. 
blœti. 

Etymologie umstritten. Oft zu 
lat. fldmen (< *flödsmen) gestellt 
(S. Bugge BB 3, 1879, 98; Osthoff 
BB 24, 1899, 142); aber flamen 
gehört eher zu brahman vgl. 
G. Dumézil, Flamen-Brahman 
(Paris 1935). — Loewenthal ANF 
35, 1919, 231 geht aus von bed. 
‘stark machen’ und zwar aus idg. 
*bhldd, erw. zu *bhel ‘geschwoUen 
sein’ (vgl bolginn). Ganz un- 
haltbar PBB 45, 1920, 258 aus 
idg. *bhlðdtro ‘was hervorquillen 
lásst’ und also zu blóð. 
blotna schw. V. weich werden, nach- 
geben’, nisl. fár. nnorw. blotna, nschw. 
dial. blottna. — > me. blotnen (Björk- 
man 205). — vgi. blautr 1. 
blunda schw. V. ‘die augen schliessen, 
blinzeln’, nisl. fár. blunda, nnorw. 
aschw. blund(r)a, ádá blunde. — > me. 
blundren ‘im blinden handeln’ (ne 
blunder ‘fehler machen’). — blundr m. 
‘schlaf’, nisl. fár. blundur, nnorw. 
blunder, nschw. ndá. blund. — vgl. 
blindr. 

blý n. ‘blei’ (jung bezeugt) (< urgerm. 
*bliwa, Noreen ‘ 77, 6; dagegen aber 
H. Pipping, Fschr. Lidén 1912, 165, 
der behauptet, dass bliwa zu *bU 
fiihren musste und deshalb entl. aus 
urgerm. *bliu annimmt), nisl. blý, 
fár. blýggj, nnorw. nschw. bly, ngotl. 
bldi, ndá. bly. — > finn. lyijy, lyjy, 
lpN. lagjo (Thomsen SA 2, 195; 

Wiklund SUSA 10, 1892, 149; Karsten 
FMS 5, 1937, 219; Setálá FUF 13, 
1913. 407). — as. mnd. afr. bli, ahd. 
blio (gen. bliwes); vgl. ahd. blio(h) 
‘farbe, erscheinung, gestalt’, as. bli 
‘farbe’, afr. bli(e)n ‘farbe’. Dann wohi 
nach der glánzenden farbe benannt 
und zur idg. wzl. *bhlei- gehörend’ 
vgl. lit. blývas ‘lila’, blaivas ‘licht, klar’, 
blaivýtis ‘hell werden’ (P. Persson 
UUA 1891, 109 u. 173; IEW 155). 

Dagegen denkt R. Much, ZfdA 42, 



1898, 163 an entl. aus kelt. 

*bliwo und dann weil idg. é > 
kelt i wurde, weiter zur sippe 
von blár. Eine durchaus unnötige 
annahme. — Die wzl. *bhlei 
zeigt folgende Erw.: 
mit dental. vgl. bliðr. 
mit k vgl. bligr. 

mit g vgl. bleikr. 

*bhlei erw. von *bhel neben *pel. 
vgl. fQlr. 

Auffallend ist wieder der wechsel 
der wurzeln *bhlei: *bhleu (vgl. 
blár), wie auch in der erw.: 
*bhleig: *bhleug, vgl. bleikr: 

ae. blican, lit. bhzgú 'flimmern’, 
neben russ. bljusí'e feu'. Zu solchen 
wechselformen vgl. E. Mayrhofer- 
Paszler, KZ. 71, 1953, 82. 

blygð f. 'scham’, aschw. blyghþ, nschw. 
blygd, ádá blygd. — blýgjast schw. V. 
sich schámen', nisl. blýgjast, fár. 
blýggjast, nnorw. blygjast, nschw. bly- 
gas, ádá. blyges, blyes, blygdes, ndá. 
blues. — ae. ablýcgan ‘erschrecken’. — 
vgl. bljúgr. 

blys n. ‘licht, flamme’ (nur in christl. 
schr.), nisl. blys ; daneben nschw. bloss, 
ndá. blus. — ae. blýsa 'fackel, flamme’, 
nnd. blúse ‘leuchtfeuer’, mnd. blús 
'fackel’, nnl. blos ‘röte im antlitz’; 
vgl. mnd. blðsen, nnl. blozen, ae. a- 
blysian, blyscan, ne. blush ‘erröten’. — 
Zur idg. wzl. *bhleu-s vgl. blár, blossi 
und bleskra. 

blæingr m. (poet. þula) ‘rabe’; auch 
Pn, vgl. dá ON. Blangsted und weiter 
> ne. Blanghesbi ON und norm. 
BlainvilleO'H (Jakobsen, Dst. 1911, 67). 
Eig. ‘der dunkelfarbige’ vgl. blár. 

blæja oder blægja f. 'tuch, laken, kopf- 
binde. (< urgerm. *bhahjðn) ; nisl. 
blesja, fár. blœa ‘laken’, nnorw. blesa 
'laken, windel’, ndá. ble ‘bettuch, 
windel'. Daneben auch aschw. blö(i)a, 
blé(i)a, nschw. blöja ‘windel’ (wohl < 
*blahwiön, *blagwiðn, s. Hellquist 85); 
vgl. daneben aschw. blá(r), nschw. 
blár, ádá blaa(r) ‘werg’. -— > air. blae 
‘iiberkleid' (Marstrander NVA 19x5 
Nr 5, 37-8). — langob. blaio ‘leinwand’, 
ahd. blahun pl. ‘carbasa’, mhd. blahe, 
nhd. dial. blahe, blahe ‘grobes leinen- 
zeug', ndfr. blach, blach ‘leinenes bett- 
tuch’. — lat. floccus ‘wollfaser, flocke’ 
(IEW 161). 

blær 1 m. ‘windstoss’ (< urgerm. 
*blájaz), nisl. blesr : vgl. nnorw. blesma 
‘bláschen’. Das wort gehört zu dem im 
nord. nicht iiberlieferten Zw. ae. 
blawan ‘wehen, blasen’, ahd. blaen, 
bláian ‘blasen, bláhen’, afr. bll ‘blies’. 
— lat. flare ‘blasen’, gr. tpXijvai 


‘sprudeln’ (vielleicht auch ipXi]8aci> 
‘schwatzen’ (IEW 121). Die idg. wz. 
*bhlé neben *bhel vgl. bali, blá, 
blaðra 1 u. 3, blása. 

— 2 ‘widder’ auch 'schwertname' (þula), 
vgl. vígblesr ‘pferdename'; gehört zu 
mhd. bleejen ‘blöken’ (Falk, NVA 1914, 
Nr. 6, 47-8). 

Man vergleicht lett. bléju, blit ‘blö- 
ken, meckern’, gr. ( 3 XT)x<xo|iai ‘blö- 
ken’. Weil es ein typisches schall- 
wort war, ist die lautverschiebung 
nicht durchgefiihrt oder rtick- 
gangig gemacht. Vielleicht ist eine 
unmittelbare verbindung mit den 
idg. wörtern nicht einmal an- 
zunehmen und können es immer 
lautnachahmende neuschöpfungen 
gewesen sein. 

blæsma 'brtinstig’, nisl. blessma, fár 
norw. blesma. — ae. blesse ‘feuerbrand, 
fackel’ (ne. blaze), anfránk. blasmo 
‘fackel, flamme’. —vgl. blesi. Möglich 
aber auch zu blása. 
blœða schw. V. ‘bluten’, nisl. blesða, fár. 
bleða, nnorw. bleda, nschw. blöda, ndá. 
blede. — > shetl. blod. — ae. blédan, 
blœdan, mnd. blöden, afr. bléda, ahd. 
bluoten. — vgl. blóð. 
blœti n. 'gegenstand des opfers; götze’ 
(poet.) — vgl. blóta. 
blQðruskalli mBn. ‘mit einem blatter- 
kopf’. — vgl. blaðra und skalli. 
BlQkumaðr m. ‘mann aus der Walachei’, 
nisl. blökkumaður ‘neger’ (unter ein- 
fluss von blakkr umgedeutet); blQku- 
ist umbildung des wortes Wlachen, 
gr. BXaxIa. 

blQskra schw. V. 'blinzeln' (spát." be- 
zeugt), nisl. blöskra wohl zur in blesóttr 
und blys vorliegenden wurzel. 

Die lautliche tibereinstimmung mit 
dem schallnachahmenden nnorw 
blask(r)a, schw. blaska 'plátschern’ 
ist wohl zufállig. Holthausen, 
Wb. 21 verbindet es mit. blakkr. 
Blpvurr m. ‘name eines zwerges’, wohl 
'der glánzende’ (Gould, PMLA 44, * 
1929, 943); vgl. nnorw. blava ‘scheinen, 
glánzen'. — vgl. blár. 

*bnúa red. V. 'reiben' (nur tiberliefert 
prát. bneri Heilag. s.) < urgerm. 

*binðwan. — got. bnauan ‘zerreiben’. 

— vgl. gnúa. 

boð n. ‘gebot; einladung; gastmahl; bot- 
schaft’, nisl. fár. boð, nnorw. bod, 
nschw. ndá. bud. — > orkn. shetl. bod ; 
> lpN buöðða. S. budda (Qvigstad 120). 

— ae. gebod, as. gibod, mnd. (ge)bot, 
ahd. gihot. — boða schw. V. ‘ktinden, 
gebieten, voraussagen’, nisl. fár. boða , 
nschw. báda, buda. — > shetl. bðd, 
ne. dial. bud ‘darbieten, bestechen’ 



Boddi 


47 


bók 


(Flom. Infl. 31). — ae. bodian 'sagen, 
predigen’, afr. bodia, mnd. boden, mbd. 
boten ‘laden’. — Denominative ðn- 
bildung zu boði (Wissmann 53). — 
Vgl. auch Angrboða ‘name einer 
riesin’ eig. ‘die kummer verkiindende, 
vgl. bjóða. 

Boddl m Pn. (edd.) auch Bn. vgl. nisl. 
budda i. ‘geldsack, kleines rundes 
mádchen oder schaf’, nnorw. budda 
‘neugeborenes haustier’, nschw. dial. 
bodd ‘kopf’ — ae. budda ‘mistkáfer’, 
ne. bud ‘knospe’, nnd. budde ‘laus, 
engerling’; daneben mit anderer dental 
mnd. botte, nnl. bot ’knospe’, nnd. butt 
‘plump, grob’, mhd. butze ‘klumpen, 
kobold’. Nach Jóhannesson, Med.gem. 
17 express. gemination zu boði 2, 
kann aber auch (mit dd < zd) zu derwzl 
*bus ‘schwellen' gehören, vgl. bysja. 

boði 1 m. ‘bote, verkiinder’ nisl. boði. — 
ae. boda, as. bodo, afr. boda, ahd. boto 
'bote, herold’. — vgl. bjóða. 

— 2 m. ‘brandungswelle, blinde klippe’, 
nisl. fáx. boðt, nnorw. bode, nschw. dial. 
báde ‘blinde klippe’. — > orkn. baa, 
bo{w), shetl. bod, bá, bo, hebrid. bo 
(Christiansen MM 1938, 14); > manx. 
bowe (Marstrander NTS 6, 1932, 88-90); 
> ne. dial. bodha ; > lpN. boaððo 
‘blinde klippe’ (Qvigstad 111). — Die 
erklárung als boði 1, also: die bran- 
dungsweUen kiindigen die blinde klippe 
an’ ist wenig befriedigend, weil blinae 
klippen eben gefáhrlich sind, weil sie 
nicht sichtbar sind. Eher bedeutet 
das wort ‘etwas sich hervorwölbendes’, 
ob das nun die rundung der klippe 
oder die sich erhebende weUe ist, vgl. 
mnd. boddele ‘aufwallende wasserblase’, 
afr. buddeln ‘brodeln, sprudeln’ (Wood, 
MPh 11, 1914, 323) und weiter boddi. 

Boðn f. ‘name furdasgefáss desskalden- 
mets’, vgl. nisl. byðna, nnorw. dial. 
budna, buna, byna ‘gefáss’. — > finn. 
putina ’holzflasche, gefáss’ (Karsten, 
IF. 26, 1909, 247). — ae. byden fass, 
schiff’, nnd. böden, ahd. butin ‘fass’ — 
vgl. bjóð, botn und buðkr. 

Zusammenhang mit boða, also mit 
der bed. ‘einladung zum gast- 
mahl’, wie A. Kock, IF 10, 1899, 
109 angenommen hat, ist nicht 
wahrscheinlich. — Johannesson 
Wb 597stellt es zu der Sippe von 
bauta. 

boðungr m. ‘rumpf eines kleidungs- 
stiickes’ (nur iiberl. als Bn. eldboðungr), 
nisl. boðangur, nnorw. badang, schw. 
dial. buding, bading. — verwandt mit 
ae. bodig (ne. body), ahd. potach 
‘körper’. — vgl. buðkr. 

Bófl m. Pn., vgl. ae. Boba.Bofa, as. Bðvo 


alam. Boabo, fránk. Buobo, langob. 
Bðbo. Bedeutet eig. ‘diener’, nisl. bófi, 
nschw. bov(e), ádá bove (run. dá bufi, 
s. Jakobsen-Moltke Sp. 636); vgl. 
shetl. bofi in fluchen, etwa ‘teufel’. — 
< mnd. bðve ‘knabe, diener’ vgl. nnl. 
boef ‘schiirke’, mhd. buobe, nhd. bube ; 
wohl weiter abl. zu ahd. PN. Babo, ne. 
baby ‘sáugling’ und mit gemination 
nschw. dial. babbe ‘knirps’, bobbe ‘kurze 
dicke person’ (v. Friesen, Med. gem. 
24-6). 

Etymologie dunkel. Wenig wahr- 
scheinlich kurzform zu bróðir (nach 
IEW 164). Aber unbefriedigend 
auch zu lat. faba, russ. bob., apr. 
babo ‘bohne’ (P. Persson SVS Upps. 
10, 1912, 253 und Wood MPh 11, 
1914, 324) vgl. baun. — Ganz 
anders wieder Jóhannesson Wb. 
583, der bófi als einheimisches wort 
betrachtet und es zu nisl. babba, 
babbla ‘schwatzen, plappern’, norw. 
bable, bavle, nschw. babbla, vgl. 
mnd. mvl. babbelen, ne. babble 
stelt: ein schaUnachahmendes wort, 
vgl. gr. p<xpá£o) ‘schwatze, rede’, 
asl. baba ‘altes weib’. 
bogi m. ‘bogen, blutstrahl’, nisl. fár. 
bogi, nnorw. boge, nschw. bdge, ndá. bue. 

— > shetl. bogi ‘kleine strandbucht’; 
> finn. pova, poka ‘bogen’ (Setálá 
FUF 13, 1913, 332); > lpN boakka 
(Qvigstad iii); > air. boga (Craigie 
ANF 10, 1894, 160). — ae. afr. boga, 
as. ahd. bogo, krimgot. boga ‘bogen’. — 
air (fid) bocc (< *bhugnó-) ‘holzbogen’. 

— vgl. bjúga und p Inbogi. 

Auch als PN gebraucht, vgl. 
Bogi (und ae. Boga) und Zss. wie 
Finnbogi, Húnbogi. 

bógiína f. ‘bugsiertau’ (þula), junges 
wort < mnl. boechline, vgl. ne. bowline 
und frz. bouline (Falk WS4, 1912,65). 
bogna schw. V. ‘sich biegen, weichen, 
nisl. fár. nnorw. bogna, nschw. dial. 
bogna, bdgna, ndá. bugne — Abgel. von 
boginn, partz von bjúga. 
bógr m. ‘schulter, arm, bug, nisl. bógur, 
fár. bógvur, nnorw. bog, baug, nschw. 
bog, ndá. bov. — > shetl. bu. — ae. 
as. afr. bðg ‘bug, zweig’, mnd. bðch, 
ahd. buog ‘schulter, bug, hiifte’. — 
gr. löjxus ‘unterarm’, ai. bdhú-, av. 
bdzu, toch. B *poko ‘arm’. — Vgl. 
basxl. 

bogra schw. V. ‘sich biegen, kriechen’, 
nisl. bogra, nnorw. bugra. — abl. von 
buga. 

bók 1 f. ‘buche’, nisl. fár bók, nnorw. 
bðk, bek, nschw. bok, ndá. bog. — ae. 
bece, in Zs. bðc-, as. bðk, bokia, mnd. 
bðke, nnl. beuk, ahd. buohha. — lat. 



bók 


48 


bóla 


fdgus 'buche', (stimmt in der bed. zum 
germ.l), gr. dor. 90^65 ‘eiche’, 

gall. bágos in ON, vgl. B&cenis silva' Harz' 
(vgl. ahd. Buochunnawalt). —vgl. baeki, 
Die Sippe gehört wohl zu gr. fáyciv 
'essen , also eig. 'baum mit ess- 
baren friichten. — Loewenthal 
WS 10,1927,155 will eine idg. wzl. 
*bhaugos ‘nahrung' ansetzen, und 
vergleicht arm. bucanem imáhre’, 
boic ‘nahrung*. — Aufiallend sind 
die nisl. wörter baukr ‘biichse’, 
beyki ‘buche’, die auf einen germ. 
wechsel von *bök und *bauk hin- 
weisen (s. Krogmann, KZ 72, 
1954, 9-12); vielleicht mit Specht 
Idg. Dekl. s. 62 auf alten ablaut 
*á(u) : ti zuriickzufiihren ? — Vgl. 
auch Feist, Got. Wb. 102-103. 

— 2 f. 'buch; gestickte bettzieche; la- 
teinische Sprache’, nisl. bók, nnorw. 
nschw. bok, ndá. bog. Gewöhnlich 
betrachtet als identisch mit bók 1, 
aber in seiner bedeutung von ae. bóc 
beeinflusst, vgl. as. afr. bók, nnl. boek, 
ahd. buoh, got. bökös. Dann eig. tafeí 
von buchenholz, urspriinglich fiir das 
ritzen der runen verwendet. Damit 
stimmt aber die bedeutung schlecht 
iiberein, weil das wort gerade das frem- 
de geschriebene buch bezeichnet. Des- 
halb erwágt H. Kuhn, Fschr. Neckel 
59-60 beziehung zu dem germ. wort 
*baukn (vgl. bdkn) ; bed. entw. wáre 
'zeichen, kennzeichen, zeichnung’ > 
’schriftzeichen’. Dabei stiitzt er sich 
auf die bed. ‘gestickte zieche des kopf- 
kissens’, das aber spáter von ihm als 
wgerm. lehnwort betrachtet wurde 
(Fschr. Genzmer 264), weil es nur in 
eddaliedem mit sudgerm. stofi vor- 
kommt, vgl. dazu auch bóka 2. — 
Anders wieder H. Rosenfeld, Rhein. 
Mus. f. Phil 95, 1952, 205, der denkt an 
eine friihgerm. iibemahme zur bezeich- 
nung der von buchenholz gemachten 
wachstáfelchen, die zum briefwechsel 
dienten. 

bóka 1 schw. V. ‘auf ein heiliges buch 
schwören'. — ae. böcian ‘urkundlich 
vermachen’, afr. bðkia, mnd. böken, 
nhd. búchen. — vgl. bók 2. 

— 2 schw. V. ‘sticken’, vgl. auch gullbóka 
‘mit gold sticken’, nur in eddaliedem 
mit sudgerm. stoð, vgl. as. gibökod ; 
deshalb aus dem nd. entlehnt (W. Mohr, 
ZfdA 75, 1938, 237). 

bokki 1 m ‘bock; einflussreicher mann’ 
auch Bn., nisl. bokki ‘ds’, nnorw. bokke 
‘grossbauer', spuck’. — > orkn. 

bawkie ‘geist, spuck’ (Marwick 10); > 
shetl. boki ‘geist’ (Jakobsen 56). — 
vgl. bukkr. 


— 2 Kosename (< Bgðki) zu namen wie 
Bgðvar. 

bokkr m. ‘bock’, vgl. bukkr. 
bókstafr m. ‘buchstabe', (spát. bezeugt), 
nisl. bókstafur, fár. bókstavur, nnorw. 
nschw. bokstav, ndá. bogstav. — ae. 
bócstœf, as. bökstaf, ahd. buochstab. 
Das wort bezeichnet die buchstaben 
des lat. alphabets im gegensatz zu 
stafr, das ’runenstab’ bedeutet; es 
wurde dem ae. oder and. entlehnt. — 
vgl. bók 2 und stafr. 
bói n. 'lager; wohnort, hof’ nisl. fár. 
ból, nnorw. böl, aschw. bol ‘lager; hof’; 
nschw. bol ‘kammer, zimmer’, ndá bol 
‘hcdbhufe’. — > orkn. buil, shetl. búl, 
bel ‘hof'; > ne. dial. bow ‘pferch fiir 
kiihe' (Flom. Infl. 30); vielleicht > 
manx ON Shavell, falls aus sió-ból 
(s. Marstrander NTS 6, 1932, 236). — 
vgl. búa 3, bóla 4, bóli, bólstaðr, 
býli, bcela und baeli. 

Es können in ból zwei stámme vor- 
liegen und zwar 1. *böla, vgl. ae. 
baeíing ‘lager, bett’ und weiter 
gr. 9<i>Xéo; ‘lager wilder tiere’, 
fcoXéucú, cpcoXá^cd ‘halte winter- 
schlaf’, air baile ‘státte, wohnung’ 
und 2. *bðþla oder buþla, vgl. ae. 
botl, bold ‘wohnung, haus, as. 
bödlös ’haus und hof', mnd. bðl 
‘landgut', bðdel ‘vermögen’, afr. 
bðdel, nnl. boedel ‘habe'; vgl. lit. 
búklas ‘lager fiir tiere', búklf 
‘heim’, tsjech. bydlo 'wohnung, 
viehstapel’ (FT 91). 

bola schw. V. ‘abhauen, zerhauen’, — 
ahd. bolön ‘wálzen’, mhd. bolen ‘mit 
bohlen belegen'. — vgl. bolr. 
bóla 1 f. beule’, nisl. bóla, nnorw. dial. 
böla. — > orkn. buo, shetl. bulek 
‘beule’ (Jakobsen 80). — Falte aus 
germ. *bð\elðn (Trautmann 21) zu ae. 
býl(e), mnd. búle, ahd. búlia, púlla, 
mhd. biule, afr. bíl ‘beule’; daneben 
nnorw. dial. bolen, aschw. bolinn, bulin 
‘geschwollen’, afr. búlen, mnl. buylen 
'schwellen’, got. ufbauljan 'aufblasen’, 
vgl. beyla 1, býfa. — Falls aus grund- 
form *buhlon (IEW 100) zu nnl. 
bochel 'buckel', ahd. buhil ‘biihl, hiigel'. 
—* 2 f. 'schildbuckel’. Viell. < &é. ~*biile 
(vgl. me. boule) 'kugel’ (Fischer 47), 
oder < mnd. bole ‘bauchiges gefáss’ 
(Höfler, ANF47,1931, 286). Kann aber 
auch dasselbe wort wie bóla 1 sein. — 
> air. buale ‘schildbuckel’, mit m« 
unter einfluss von air. buale ‘schild- 


burg’ (s. Marstrander NVA 1915, Nr. 5, 
65 ). 

— 3 f. ‘bulle, siegel’. — < afrz. boule < 
lat. bulla. 

— 4 schw.V.'landverpachten’.—vgl. ból. 



boldi 


49 


bora 


boldi m. 'geschwulst’ (Larsen NVA 1931, 
249). (< ‘urgerm. *bulaþan), nnorw. 
bolde, nschw. bold, nda. byld. — Zur 
wzl. *bhel 'aufschwellen’, vgl. bali. 
bolgi m. ‘entziindung' (vgl. speribolgi), 
nisl. bólga ‘geschwulst’.—vgl. bolginn. 
bolginn ‘geschwollen’ (eig. part. zu 
einem nicht uberlieferten *belga), nisl. 
bólginn, nnorw. bolgen aschw. bulghin, 
buiin, ndá bullen. — > ne. dial 
bown(d) ‘geschwollen’ (Thorson 56). 

— ae as. belgan, afrz. belga ‘zornig 
sein’, ahd. belgan ‘aufschwellen’; vgl. 
nnl. verbolgen 'zornig’. — Davon ab- 
geleitet: bolgna schw. V. 'aufschwel- 
len’, nisl. fár. bólgna, nnorw. bolna, 
nschw. bulna, ádá bulne. — > me. 
bolnen ‘aufschwellen’ (Björkman 205). 

— vgl. belgr. 

boll m ‘stier, ochs’, nisl. boli, nnorw. 
diai. bol, ádá bul. — > lp N. bulle 
(Qvigstad 119); > ae. bula, me. bole, 
bule (Björkman 179 und SSUF 1900, 
24, der an entl. aus adá denkt). -— 
mnd. bulle, nnl. bul (mit ll > In), vgl. 
ae. bulluc ‘stierkalb’. — Nach dem 
zeugungsglied benannt, vgl. ae. bealluc 
‘testikel’ und gr. socXXó; ‘penis'. — vgl. 
bolr, bulsi und bQllr. 
bóli m. ‘páchter’. — vgl. ból und bóla 4. 
bolli m. 'schala; mass; schifl’, nisl. fár. 
bolli 'tasse, schale’, nnorw. bolle, aschw. 
bulle, bolle, dá. bolle ‘trinkschale’. — 

> finn. pullo 'blase; pokal; flasche; 

pfropf; aufgeblasenheit’ (Karsten GFL 
127; Setálá SUSA 23, 1906, 27 und 
FtJF 13, 1913, 429; dagegen aber 
Collinder, Fschr. Pipping 1924, 83-4 
und UL 1932, 225-9, der auf ein ein- 
heimisches wort pullo, pulla, pulli 
‘wasserblase; etwas dickes' hinweist 
und also nur semantischen einfluss 
gelten lassen will); > IpN bollo 

'kleine holzschussel’ (Qvigstad 113); 

> shetl. bull(e) ‘mass fiir fliissigkeiten’; 

> aír. balldn ‘trinkgefáss’( ?). — 

Entlehnung aus ae. bolla (Fischer 
LW 22) ist nicht wahrscheinlich mit 
hinsicht auf die verbreitung in allen 
nord. sprachen. — ae. afr. bollti, as. 
bollo 'trinkschale’, ahd. bolla ‘wasser- 
blase; knospe; rundes gefáss’, nhd. 
bolle. — Mit U < In, gehörend zum 
idg. stamm *bhel ‘aufschwellen’ — 
vgl. bali und bQllr. 

bolmr m. ‘bár’ (poet.), vgl. schw. dial. 
bolmstark 'sehr stark’ und den see- 
namen Bolmen. — vgl. bali, bQllr 
und bulmingr. 

bólnasótt f. ‘pocken’ (s. F. Grön, Janus 
13, 1908, 378-80). — vgl. bóla 1 und 
sott. 

bolr, bulr m. ‘stamm; körper, rumpf’, 


nisl. bolur, fár bulur, nnorw. bul, nschw. 
bdl, ndá. bul. — > shetl. bol(i) ‘torf- 
haufen zum trocknen’, orkn. bool 
‘grosser runder felsen; dicker fisch’; 

> me. bol ‘baumstamm’ (Björkman 
205), ne. dial. boll, bole (Thorson 55); 

> lpN. bulla ‘rumpf’ (Qvigstad 119). — 
mna. mhd. bole, mnl. bolte ‘bohle’. — 
gehört zur schwundstufe der idg. wzl. 
*bhel ‘aufschwellen’,' vgl. bali und 
boli, bolli, bolmr, bolex, bulki, 
bulsi. 

bólstaðr m. wohnort’, nisl. bólstaður, 
aschw. bolstaþer, bulstadher. — > shetl. 
-busta, -bister, orkn. -bister in ON. 
(Jakobsen 41); > schott. -bost (Hen- 
derson 172); > manx Bravost ON 
(nach Marstrander NTS 6, 1932, 243 
< *brúa(r) bólstaðr). — vgl. ból und 
staðr. 

bolstr, bulstr m. ‘polster, kissen’ 
(< urgerm. *bulhstra-); nisl. bólstur, 
nnorw. schw. dá. bolster (fur wechsel o: 
u s. H. Pipping, SNF 12, 1921, 30-2). — 

> shetl. buster, schott. bouster. — ae. 
bolster, ahd. bolstar ‘polster’, nnl. 
bolster ‘fruchtbalg, hiilse’, bulster ‘pol- 
ster’. — lett. pabalsts, pr. pobalso, 
balsinis ‘kissen, pfiihl’. — vgl. belgr. 

boltr m. Bn. (anorw.); nisl. bolti ‘ball, 
eisennagel’, nnorw.ndá. bolt, nschw. 
bult ‘eisennagel. — > shetl. bolt 
‘plumpe figur’. — ae. bolt, mnd. bolte, 
nnl. bout, ahd. bolz ‘bolzen, pfjock’. — 
lit. beldú, báldau klopfen’, baldas 
‘stössel’ (IEW. 124). 

bolex f. 'holzaxt’ (spát bezeugt), nnorw. 
bolöks, aschw. bolöxe, bolyxe, ádá 
bulöx. — > me. bulaxe, ne. dial. bolax 
(Flom Infl. 30). — vgl. bolr und ox. 

bón f ‘bitte fvgl. bónarmaðr ‘bettler’), 
mit analog. 0 statt bœn. 

bóndl álter bóandi, búandi m. ‘bauer, 
hausherr, ehegatte’ (< urn. *(ga)búan- 
di); nisl. fár. bóndi, nnorw. schw. dá. 
bonde. — > shetl. bund(sman) (Jakob- 
sen 81); orkn. boon (Marwick 17); > 
norm. Bonnetot ON (Jakobsen Dst. 
1911, 77); > ae. bönda, búnda ‘bauer, 
hausherr’, me. bönde, bunde ‘bauer, 
diener' (Björkman 205); > mnd. bunde 
(Brattegard NTS 7, 1934, 279) ; > lp. 
boadna ‘hausherr, ehemann', boannda 
‘bauer’ (Qvigstad 111-2). — Part. 
prás. zu búa 3. 

bonel n. ‘fahne’ (norw. DN), vgl. banel. 

bora 1 f. 'loch’, vgl. bora 3. 

— 2 f. ‘trágerin’ in ON. Hornbora, vgl. 
bera 2. 

— 3 schw. V. ‘bohren’, nisl. fár. norw. 
bora, nschw. borra, bdra, ndá. bore. — 

> shetl. bor; > lpN. börit (Qvigstad 
114). — ae. borian, as. ahd. borön; 


4 



borð 


50 


Borgundarhólmr 


denomin. dn-bUdung zu berja (Wiss- 
mann 78-9). — lat. for&rt ‘bohren’, 
gr. <pápu 'spalten’, ai. bhrnSti ‘ver- 
sehren’, lit. burná ‘mund', alb. brimS 
‘loch’, arm. brem 'bohren'. — vgi. 
barki 1, bjðrr 2, bori, boringi und 
borr. 

borð 1 n. ‘rand, kante, bes. schiffsrand’, 
nisl. fár. borð, nnorw. schw. dá. bord. — 
>shetl. bord(ek) ‘landspitze' (Jakobsen 
62); > lpN. bgrdde ‘bootrand’ (Qvig- 
stad 114); — ae. bord ‘schiffsrand, 
schild’, as. bord, nnl. boord, ahd. bort 
‘schiffsrand'. — wohl nicht dasselbe 
wie borð 2 (so IEW. 138), wiewohl zur 
selben idg. wzl. *bher vgl. berja 
und weiter barð x, borði 1, byrða, 
byrði und byrðingr. 

— 2 n. 'brett, speisetisch’, nisl. fár borð, 
nnorw. schw. dá. bord. — > finn. 
porras, weps. pordas, estn. purre(s) 
‘steg. fussteg’, estn. purte ‘leiter’, liv. 
púrdas ‘kleine brucke’ (Thomsen SA 2, 
207, Karsten GFL 103, Collinder UL 81; 
beachte den wechsel -az: -iz) ; > lp N. 
bordde ‘tisch, brett’ (Wiklund SÍJSA 10, 
1892, 149); > mnd. bohren ‘bretter’ 
(Brattegard NTS 7, 1934, 279). — 
got. fotubaurd ‘fussbank’, ae. as. bord 
‘brett, tisch’, nnl. bord ‘teller’, mnd. 
bort ‘brett, tisch’; daneben abl. ae. 
bred, ahd. bret ‘brett’. — Zur idg. wzl. 
*bherdh ‘schneiden’, vgl. ae. bardha- 
ka- ‘abschneidend’, gr. népðu ‘zer- 
störe’ (IEW 138); erw. von *bher vgl. 
berja. — vgl. borði 2, byrða 1 und 
brandr 2. 

— 3 n. in hugborð ‘mut’, anorw. hug(a)- 
burd. — Der 2 teil zu bera 2. 

borða 1 schw. V. ‘an bord gehen', vgl. 
borð 1. 

— 2 schw. V. ‘auftischen’ vgl. borð 2. 

borði I m. ‘gewobenes band, borte, 

gewebe’, nisl. borði ‘borte', fár. borði 
'band um eine garbe’, nnorw. borda 
'langes, schmales band’, aschw. bordhe, 
adá. borde ‘borte’.—ae. as. borda, nnl. 
boord, ahd. borto ‘saum, besatz, sticke- 
rei’. — vgl. borð 1 und byrða 2. 

— 2 m. ‘schild’ (in þula), abl. von borð 2. 

borg 1 f. 'anhöhe; wall, burg, stadt’, 

nisl. fár. nnorw. schw. dá. borg. — > 
shetl. borg ‘burg’ (Jakobsen 63); > ne. 
Borrowdale ON (Mawer 7); > manx. 
Burrow ON (Marstrander NTS 6, 
1932, 84); > air. borg (Zimmer ZfdA 
32, 1888, 279, R. Much ibid 41, 

1897, 113-4; aber dagegen Marstrander 
NVA 1915, Nr. 5, 121). — got. 

baurgs ‘stadt, turm’, ae. burg, burh 
(ne. borough, burrow, -bury), as. ahd. 
burg, afr. burich, burch ‘burg, stadt’. 
— vgl. borgari, byrgi und byrgja. 


Man wird wohl am besten davon 
ausgehen, dass zwei wörter zu- 
sammengefallen sind (R. Much 
ZfdA 41, 1897, 113 und WS 12, 
1927, 353): 1. ein germ. wort, das 
zur sippe von bjarg 1 gehört 
(bed. entw. anhöhe > höhen- 
siedlung > befestigte stelle > 
stadt) und 2 in der bed. ‘wacht- 
turm' entl. < lat. burgus < gr. 
wópyoí (vgl. arm. burgn ‘tunn’, 
aram. burgin, burgon, arab. burj 
‘kleine festung'); s. dazu auch 
S. Gutenbrunner, ZfdA 72, 1935, 
X73-5). — Dagegen glaubt 

P. Kretschmer, Glotta 22, 1934, 
100 ff, dass germ. burg durch vex- 
mittlung eines nordbalkanischen 
wortes in der form 7 túpyo? zu den 
Griechen gelangt sei. — Vielleicht 
lassen sich alle bed. dennoch 
vereinigen, wenn man von einer 
bed. ‘zaun’ ausgeht, die durch 
gr. 9páo<j<o ‘záune’ und 9Ó0X04 
'mauer’ nahegelegt wird. Der iiber- 
gang ‘zaun’ > ‘hof’ > 'burg, 
stadt’ lásst sich öfter belegen 
(s. J. Trier, Nachr. AW. Göttingen 
1940 Nr. 4, 86-87). 

— 2 f. 'scheiterhaufen’ (poet.). Wáhrend 
S. Bugge PBB 22, 1897, I2f > nn eine 
entl. < ae. beorg ‘grabhiigel’ dachte, 
hat H. Falk, Fschr. Torp. 1913, 9 die 
auffassung verteidigt, dass es mit ae. 
beorg und byrgen, byrgels ‘grab' ver- 
wandt sei und also urspr. nordisch 
war, aber spáter mit dem Christentum 
verschwunden (diese erklárung. ist 
vorzuziehen). 

— 3 in PN. wie Borghildr, Borgný 
gehört zu borg in der bed. ‘schutz’ 
(A. Janzén, NK 7, 1947. 66)- — v 8í- 
bjerg 2. 

borga schw. V. 'biirgen, geloben’, nisl. 
fár. nnorw. schw. borga, ndá. borge. — 
ae. borgian ‘leihen’, mnd. borgen 'ein- 
stehen fur’, ahd. borgen ‘burgen, scho- 
nen'. — vgl. bjarga. 

borgari n. ‘burger’, nisl. fár. borgari, 
nschw. borgare, ndá. borger. — < mnd. 
borgere. \ 

Borgarr mPN. (< urn. •burga-har’jaJR); 
vgl. ahd. Burchheri. 

Borgundarhólmr m. ‘Bomholm’, da- 
neben auch Borgund als ON (Lindroth 
NB 7, 1918, 49-51). Danach hiess das 
volk der Borgundar: germ. lat. Burgun- 
diones (Schönfeld 55-8), ae. Burgendas 
vgl. den kelt. volksnamen Bngantes 
und den air Pn. Brigit (< *bhrghnti), 
eig. ‘die hohe’, weiterhin zu ai. brhant- 
‘hoch’. — vgl. bjarg 1. 

Der ON Borgund bedeutet also 



bori 


51 


brá 


‘die hochgelegene’, vgl. den ahd. 
waldnamen Burgunthart, wurde 
aber spáter aufgefasst als abl. 
von borg i (s. Kossinna IF 7, 
1897, 282-3). Fiir die endung s. 
unter und 4. 

bori 1 m. ‘bohrer’ in holdbori ‘rabe’ 
(poet.). — vgl. borr und bora 3. 

_ 2 m. ‘tráger’ in Hornbori Pn. — vgl. 

bera 2. und Boro. 

borinéi m - 'rabe’ (þula), eig. 'der bohrer', 
vgl. bora 3. 

borkn f., vielleicht bgrkn ‘wölfin’(þula). 
— Nach Jóhannesson. Sufi. 74 zu 
einer germ. wzl. *berk, vgl. berkja. 

Boro í. Pn, nur run. norw. Opedal 
(c. 400-450; Krause nr 60). Weiblich 
zu bori 2. 

borr m. 'bohrer' (poet. nur bei Egill), 
nisl. bor, norw. run bor(-möþA) 
Eggjum (c. 700; Krause Nr 54), 

nschw. borr, ndá. bor. — ae. bor, 
mnd. bor. — vgl. bora 3. 

borri m. ‘klette’, nur in borra-blad ‘lappa- 
cium’ (s. Larsen NVA 1931, 249) 
< urgerm. *burzan; nnorw. nschw. 
borre, ndá. burre (> ne. bur. ‘klette’). 
— vgl. barr 1. 

bort ‘fort’ (poet.) vgl. brott. 

bósi 1 mPN, vgl. run.dá. akk. s. busa 
östra Vemmenhög, Skáne (c. 1000, 
Jacobsen-Moltke Nr 268). — ae. Bösa, 
as. Böso, afránk. run Boso, fibel von 
Freilaubersheim (Arntz-Zeiss 1, 224), 
ahd. Buoso. 

Etym. nicht sicher. Man möchte 
einen preisenden Namen erwarten; 
vgl. abl. ae. basu, beasu ‘purpurn, 
scharlach’, baswian ‘rot fárben’, 
weiter zu mir. basc ‘rot’ (vgl. 
ber), vielleicht auch gr. <fác, 
‘edler, mann’, ai. bhds(as) ‘licht’, 
bh&sati ‘glánzt' (Holthausen, IF 
25, 1909, 150). vgl. basntir. — 
Aber man kann auch von bed. 
‘klotzige p>erson’ ausgehen, vgl. 
nnorw. dial. bose m. ‘klumpen, 
kiotz’, auch 'starke person’, dann 
gehört es zu bósi 2. — Erklárung 
als kinderlallwort (Magnússon 
ANF 65, 1950, 126) ist unwahr- 
scheinlich. 

— 2 m. ‘mádchenjáger’ (poet.), vgl. abl. 
nnorw. baus ‘heftig, stolz’, — afri bas 
'unsittlich’, as. ahd. bðsi ‘schlecht, un- 
bedeutend’, nhd. böse. Zur idg. wzl. 
bus ‘schweílen’, vgl. bysja. 

1 f. ‘besserung, ersatz, busse (die 
letzte bed. wohl aus ae. bót); nisl. fár. 
bót, nnorw. bðt, nschw. bot, run. dá. 
but (Jelling I, 10 Jht. s. Jacobsen- 
Moltke Nr. 41), ndá. bod. -— > orkn. 
bootie ‘stiick zeug als bettdecke, friiher 


auch frauenhaupttuch); > lpN. bott 
(z.B. in sicelobott ‘abgabe an den 
pfarrer fiir die beerdigung’ (Qvigstad 
115). — got. böta ‘nutzen’, ae. bðt 
‘hílfe, nutzen; busse, siihne, reue’, 
as. böta, afr. bðte, ahd. buoz(a) ‘besse- 
rung, busse’. — In abl. zu germ. *bata- 
‘gut’, vgl. bati, betr und bœta. 

Das wort kommt auch vor in PN 
wie Bótólfr, Bóthildr, vgl. ogot. 
Butila (Schönfeld 59), ae. Bötwulf, 
Böthild, ahd. Buazfrid, Buozolf. 
NachO.v. Friesen, SNPhi4, 1942, 
357-365 besonders in Schweden 
und Gotland, wohl in Missions- 
kreisen (dann böt in der bed. 
‘busse’), wie Bótviðr eig. name 
eines schw. heiligen; vgl. aber 
auchA. Janzén, NK 7, 1947, 66-67. 

— 2 f. ‘bucht, kleiner meerbusen’ (< ur- 
germ. *buhtö), nisl. bót. — > finn. 
Pohto ON (s. E. H. Lind NB 2, 1914, 
I 73‘4)' — ae - byht, mnd bucht, nnl. 
bocht ‘biegung, bucht’. — vgl. bjúga 
und bugt. 

bóti m. ‘schuh, stiefel’ (seit 13 Jht.). — 

> shetl. bodek ‘alter abgenutzter schuh. 
— < afrz. bote, mlat. bota ‘schuh’ 
(s. Falk NVA 1919, i38)oder< mnl. 
boot, bote m. wegen des geschlechts! 
(vgl. Höfler, ANF 47, 1931, 290). 

botn m. ‘boden, grund’, nisl. botn, fár. 
botnur, nnorw. botn, nschw. botten, 
ádá. botn, ndá. bund (< *budn). — 

> orkn. butty ‘teil der eingeweide’, 
shetl. botn, botten 'kleines rundes tal’ 
(Jakobsen 65), hebrid. bot ‘boden’ 
(Christiansen MM 1938, 24); > norm. 
les Bottentuits ON, vgl. norw. Bontveit 
(< *Botna-þveit, Jakobsen, DSt. 1911. 
80); > ne. Botton ON (Ekwall 51); > 
lpN bodne, bonne (Wiklund SUSA 10, 
1892,149). — ae botm, bodan, as. bodom, 
afr. bodem, nnl. bodem, ahd. bodam 
‘boden’ (s. fiir die bed. Porzig WS 15, 
! 933 . 112-33)- — gr. jtuðpV ‘boden, 
fuss eines gefásses’, ai. budhnas ‘grund, 
boden’ und mit nasal. lat. fundus 
‘grund, boden’, gr. jtúv8«5 ds., mir. 
bond ‘sohle’. — vgl. boðn, buðkr 
bytna und bytta. 

Auffallend ist der wechsel d: dh, 
den H. Petersson SVS Lund 1, 
1921, 17-18 aus einem paradigma 
nom. bhudh-, gen. bhu(n)dnés er- 
kláren möchte. — Vendryes MSL 
18, 1914, 308 zieht noch heran: 
asl. dúno, lit. dúgnas ‘boden’ und 
denkt an einen idg. wechsel 
*bheud(h): *dheub, vgl. djúpr. 

brá 1 f. ‘augenwimper’ (< urgerm. 
*brlhwö, *bri(g) wð), nisl. fár. brá, 
nnorw. dial. braa, aschw. bra, ádá. 



brað 


52 


Bragi 


brá. — > me. brd, brg ‘braue, hiigel- 
abhang' (Björkman 231), ne. dial: brae, 
bree ‘abschiissige stelle’ (Thorson 56). — 
ae. braw, brgaw, brlg, as. bráwa, br&ha, 
afr. brl, nnl. brauw, ahd. br&wa, br&(ha). 
Das wort gehört zu bregða und bedeu- 
tet also eig. ‘das bewegliche, das 
augenlid’, vgl. auch augrtabragö ‘das 
zwinkern mit den augen, augenblick’ 
(ILW 142). 

Nach A. Noreen SVS Uppsala 5 
Nr 3, 1897, 7 wáre die urspr. bed, 
nicht ‘wimper’, sondem ‘rand, 
kante’ und dann verwandt mit 
brún; dazu gehören auch die 
schw. ON. Brdviken und Brávalla 
(s. G..Franzén NK 5,1939, 157). — 
Oder zu lat. frons ‘stirn’ ? (Specht, 
Idg. Dekl. 162). 

— 2 ‘glanz, stahl’ in Baldrsbrá ‘blumen- 
name’. — got. brahv ‘blick’ (nur in 
brahv augins ‘im augenblick’. — vgl. 
brjá. 

— 3 schw. V. ‘funkeln’. — vgl. brjá 
und bráinn. 

bráð 1 f. ‘fleisch von jagdtieren, jagd- 
beute’, nisl. fár. bráð, nschw. (ville-) 
brád, ndá. brad. — ae. breed ‘rohes 
fleisch’, as. brádo■ ‘schinken, wade’, 
ahd. brát(o) ‘fleisch’, mnd. brát ‘das 
weiche fleisch’, bráde ‘braten’, nnl. 
(wild-)braad ‘fleisch von jagdtieren’ 
(IEW 133). —vgl. bráðr und brcsða 1. 

— 2 f. ‘hast, eile’, nisl. fár. bráð. — vgl. 
brdðr. 

— 3 n. ‘teer, teerkochen’, nisl. fár. bráð 
‘teer’, nnorw. braad ‘iiberstrich von 
teer auf booten’, schw. dial. brá(d) 
‘fett, teer’. — > frz. brai ‘schiffsteer 
(wenigstens der bedeutung nach, denn 
sonst ist afrz. brai, ital. brago 
‘schlamm’; s. Falk, WS 4, 1912, 51 
und Gamillscheg 138). — vgl. bráðr 
und breeða 3. 

bráðendis adv. ‘plötzlich’ (< bráðhendis 
vgl. Sturtevant, MPh 26, 1929, 469); 
nisl. bráðendis. Zss (wie snimmeniis) 
mit hgnd. 

bráðna schw. V. ‘schmelzen’, nisl. fár. 
bráðna, nnorw. braa(d)na. — vgl. 
bráðr. 

bráðr adj. ‘schnell, hurtig’, nisl. fár. 
bráður ‘schnell’, nnorw. braad ’plötz- 
lich’, nschw. brád, ndá. brad ‘hastig, 
plötzlich’. Die urspr. bedeutung ist 
f heiss, dampfend’. — > me. bráþ 
‘heftig, zomig’ (Björkman 88), ne. 
dial. braith ‘hastig, heftig’ (Flom, 
Infl. 31); > IpN. brad(es), prades 
(Qvigstad 115). — ae. breeð ‘dunst, 
dampf, atem’, ahd. brádam 'dunst, 
atem, hitze’, abl. ae. brðd, mnd. brðt, 
nnl. broed ‘brut’, mhd. bruot ‘hitze. 


brut, zucht’; abgel. von idg. wzl. 
*bhrl: bhrð ‘erhitzen’, vgl. mhd. brúejen 
‘sengen, brennen’, mnd. brðien, nnl. 
broeien ‘briihen’. — lat. frltum, frltus 
‘brausen, wallen, hitze’, fermentum 
’gáhrungsstoff’, gr. nop'púpu ‘aufwal- 
len’, <pup|xÓ£ ‘verwirrung’, ai. bhuráti 
‘sich bewegen, zucken’, bhurni- ’heftig, 
wild, eifrig’, aer. topar (< *to-uks- 
bhoro) ‘quelle’ (IEW 134). — vgl. 
bráð, bráðna, brasa, brceða, bresði. 
Man kann als grundwzl. aufstellen 
*bher ’aufwallen’; davon weiter 
abgeleitet *bhereu- vgl. brenna 1 
und *bherei- vgl. brim, brimi 
und Brisingamen. 
braga schwV. ‘glánzen, flimmem (vom 
nordlicht; nur in Konungssk.), nisl. 
fár. nnorw. braga ‘flammen’, nschw. 
dial. braga ‘beben, zittem’. Das wort 
gehört mit gramm. wechsel zu brjá. 
braga(r)full m. ‘becher, aus dem Dei 
feierlichen gelegenheiten getmnken 
wurde unter ablegen von geliibden’. — 
Gewöhnlich zu bragr 1 gestellt. 

Dagegen erklárt Sköld LUÁ 19, 
1923, Nr 7, 11 das wort als entl. < 
kymr. brag, ir. braich ’malz’ (das 
sogar, iiber das schwedische, > 
lett. brága ‘brantweinspiilicht’ und 
russ. brága ‘maische’). Wenig an- 
sprechend. 

bragð n. 'schnelle bewegung; tat, vor- 
haben; list; aussehen; stickmuster’, 
nisl. bragð, nnorw. fár. nschw. bragd 
‘kunstfertigkeit’. — > shetl. brag(d) 
'einschneidung, ohrzeichen der schafe'; 
> ne. dial. braid ‘plötzliche bewegung’ 
(Flom Infl. 31); > lpS (p)raude ’sitte, 
brauch’ (Qvigstad 116). — ae. breegd 
’kunstgriff, betrug, list’, afr. breud 
‘ziehen’ — Das wort ist verbalabstr. 
zu bregða; vgl. auch brggðóttr. 
bragða schw. V. ‘sich bewegen; glánzen, 
flammen’ (spát. bezeugt). Deverbative 
ön-bildung zu bregða. 

Bragi m. ‘gott der dichtkunst’, wohl zu 
verbinden mit ae. brego (dessen bed. 
‘herr, fiirst’ aber nicht feststeht; vgl. 
H. Kuhn, Fschr. Helm 1951, 42-3). 
Die etymologie ist dunkel; mEtn kann 
von bragr 1 ausgehen, und dann 
wáre die bed ‘der erste’, oder auch von 
bragr 2. 

Auffallend ist dass der name des 
gottes auch als PN auftritt, sowohl 
an. wie aschw. Bragi; das diirfte 
auf den sekundáren charakter des 
göttemamens hindeuten. Der na- 
me scheint sogar ziemlich ver- 
breitet gewesen zu sein, vgl. die 
ON. norw. Bragaseeter, schw. Bra- 
ghaberg (jetzt Braberg in ÖGöt- 



bragnar 


53 


brandr 


land), und sogar ne. Bragebi, 
Braweby (Björkman 29). 
bragnar m. pl. 'hauptlinge, mánner' 
(poet.). — vgl. bragr 1 — Daneben 
auch bragningr m. 'könig' (poet.). 
bragr 1 m. ‘der erste, vomehmste’ 
(poet.); wohl zu ae. brego; vgl. 
Bragi. 

Das wort ist dunkel. Die erklá- 
rungen von H. Osthoíi, BB 24, 
1899, 120 und Solmsen KZ 37, 
1901, 575 zur sippe von bjarg 1, 
oder von Jóhannesson, Med. gem. 
35 zu brjá sind nur lose vermu- 
tungen. Das gilt auch von der 
verbindung mit ae. brtegn (ne. 
brain), mnd. brögen, brSgen, afri. 
nnl. brein ‘gehirn’, die man zu 
gr. ppexpó? ‘stirn, schádel’ stellt, 
vgl. toch AB mrác ‘kopf, gipfel’ 
(van Windekens 69). — J. Trier, 
Holz 1952,88 vergleicht gr. (pepto-ro; 
‘der beste’, arm. bari gnt’ (adv.), 
und denkt an den mann, der in 
der gemeinschaft hervorragend 
brauchbar ist; dadurch gelangt 
man zum wort fur die genossen- 
schaft selbst, wie asl. sú-ború 
‘versammlung’, lett. bars ‘haufe, 
menge’; diese bed. leitet er aus 
dem ’mánnerkreis der volksver- 
sammlung’ ab, und diese wieder 
< ‘kreis, zaun’ (vgl. þing) < 
zaungeflecht, das weiter zum be- 
trieb der niederwaldwirtschaft ge- 
hört, also zu der sippe von 
berja. 

— 2 m. ‘dichtkunst’, nisl. bragur 'ton, 
weise, gedicht, melodie’. 

Schon Osthoff, BB 24, 1899,113-44 
hat das wort mit ai. bráhma 
‘zauberspruch’, air. bricht ‘zauber, 
zauberspruch’ verbunden; das 
wiirde also auf einen sakralen ur- 
sprunghinweisen. tJber den weite- 
ren zusammenhang mit lat. flamen 
‘priester’, und gr. (pappioxóc ‘zaube- 
rer’, s. Dumézu, Flamen-Brahman 
(1935). Von diesem gesichtspunkt 
aus könnte der name des gottes 
Bragi alt sein (eig. der Gott des 
kultliedes und des zauberspruchs) 
und dann wáre er von dem PN 
Bragi zu trennen. 

brálnn m. ‘schlange; pferd’ (þula). — 
vgl. brá 2 und brjá. 
brak n. ‘krachen, lárm’, nisl. fár. nnorw. 
nschw. brak, ndá. brag. — > me. bracc 
‘lárm, geschrei’ (Björkman 232). — 
ae. gebreec, as. gibrak, mnd. brak, ahd. 
gibreh; vgl. as. ahd. braht ‘iárm, ge- 
schrei’, ae. breahtm, as. brahtum ‘lárm, 
lármende menge; vgl. got. brakja 


‘ringkampf’. — Das wort ist verbal- 
abstr. zu braka. 

brák f. ‘gerát fiir lederbereitung’, nisl. 
brák, nnorw. braak; vgl. nschw. brdka, 
ndá brage. — < mnd. bráke ‘flachs- 
brechen, brache’ (Falk, NVA 1919, 
46-7). — vgl. brakir und breekla. 
braka schw. V. ‘krachen, lármen’, nisl. 
fár. nnorw. schw. braka, ndá. brage. — 
as. brakðn, mnd. braken ‘krachen’; vgl. 
ae. brceclian ‘krachen, tönen’. — wohl 
junge ð«-bildung zu dem im an. fehlen- 
den st. V. got brikan, ae. as. brekan, 
ahd. brechan ‘brechen, zerbrechen’ 

— vgl. brak, brakan, branga, brek, 
breka, brehi, brók, bróka, brokkr, 
brúk, brœkir und burkn. 

Mit dieser etym. bleiben wir inner- 
halb des germ. sprachgebietes und 
können auf eine auch im norden 
gutbezeugte wortsippe zuriick- 
greifen. Daher wohl einleuchten- 
der als eine verbindung mit air. 
braigim ‘furze’ und lit. braSkíti 
‘prasseln, krachen’ (IEW 165). — 
És liegt hier ofienbar eine gruppe 
schallnachahmender wörter vor; 
innerhalb der sondersprachen wer- 
den immer wieder neubildungen 
geschaffen; vgl. brauka einerseits, 
brúsa, braska, brasta andrerseits; 
das lautmalende element war die 
konsonantgruppe br. 
brakan auch brQkun í. ’lárm’ (poet.), fár. 

brakan. — vgl. braka. 
brakun m. 'makler* (nur in einer ólafs- 
saga h. helga). — < asl. *brakunú 
‘mittler’ zu brakú ‘abgabe, ehe’ 
(s. J. J. Mikkola, ANF 19, 1903, 

33 Í- 3 ). 

Br&ma f Pn. und Brámijn PN. (fingier- 
te namen). Vgl. mit abl. wfránk. 
Bramigardis, ae. Bremhelm, wohl eig. 
‘die oder der bruUende’. — vgl. bri- 
mill. 

Brana f. ‘name einer riesin’. — ‘die 
schnell dahineilende’, vgl. bruna. 
brandr 1 m. ‘brand, brennholz’, nisl. 
íár, brandur, nnorw. schw. dá. brand. 

— > shetl. brand ‘brennendes torf- 
stiick; > IpN. radde (Thomsen 2, 208). 

— ae. as. afr. brand, ahd. brant. — 
vgl. brenna 1. 

— 2 m. ‘brett; schwertklinge, schwert 
(poet.), nisl. fár. brandur, nschw.ndá. 
brand ‘balken’. — ae. brand (nur ein- 
mal belegt, wohl aus dem an. entlehnt), 
ahd. brant. Geht man aus von der bea. 
‘stock’, dann ist das wort wohl zur 
sippe von borð 2 zu rechnen (Petersson 
IF 24, 1909, 40-2 und weiter zur idg. 
wzi. *bher, vgl. berja). Andere For- 
scher steUen es zu brandr 3, waswohl 



branga 


54 


brauk 


auf dasselbe hinauskommt. In der bed 
‘schwert' könnte man auch von brandr 
I ausgehen; etwa 'das feurige schwert'. 
Brandr kommt auch als PN vor, 
vgl. aschw. adá Brand, auch ae. 
Brand, Brond\ daneben Zss. wie 
Branddlfr, Brgndulfr neben Guð- 
brandr, Kolbrandr, Þorbrandr. In 
solchen namen kann brandr eben- 
sogut 'feuer’ ais ‘schwert’ be- 
deutet haben, s. A. Janzén NK 7, 
1947, 40)- 

— 3 m. ‘dreieckiges, schöngeschmiicktes 
brett am steven’ (Falk WS 4, 1912, 
44-5), nisl. fár. brandur. — > shetl. 
brander ‘querbalken im bett’; > frz. 
brant ‘vordersteven’ (K. Nyrup Aarb. 
1919, 27)^ — lat. frðns ‘stirn, vorder- 
seite’, ir. braine ‘schifisvorderteil’, lett. 
bruðdinS ‘dachfirst’ (J. Charpentier 
KZ. 40. 1907, 462). — Vielleicht zu 
einer idg. wzí. *bhren ‘hervorstehen’, 
erw. von *bher, vgl. berja und 
barmr 2, weiter brattr, brekka, 
bringa. 

Jóhannesson Wb. 619-620 be- 
trachtet die drei wörter brandr 
als dasselbe wort und konstruiert 
eine bed. entw. ‘brennender stock’ 
> ‘stock’ im allgemeinen. Die 
bem. dass norw. dial. brand be- 
sonders von stöcken gebraucht 
wird, die zum kohlen bestimmt 
sind, hat wenig beweiskraft und 
die erklárung scheint mir sehr 
gezwungen. 

Die Zs. slagbrandr ‘balken an 
der verschanzung’ > air sla(g)- 
brand, slagrann (Marstrander NVA 
19x5, Nr 5 , 17-8). 

branga f. ‘streít’ (nur Hm. s. A.E Kock 
NN § 64), nisl. brang 'lárm, aufruhr’, 
schw. dial. brdng 'lárm, kampf' (s. 
Hellquist, Fschr. Tegnér 247). — mnd. 
brank, prank 'kampf’. — vgl. braha. 
Falk, Fschr. S. Bugge 1889, 13-14 
gibt die folgenden möglichkeiten 
an (unter hinweis auf norw. 
brank n. ‘bruch, schaden, schliss’, 
branka ‘beschádigen, brechen’); 1. 
zu nnl. prangen, mhd. pfrengen, 
got. anapraggan 'driicken, klem- 
men', die er als entlehnung < asl. 
na-prggq ‘spanne’ aufiasst (der 
form und aer bed. nach kaum 
möglich) und 2 zweifelnd zu ai. 
bhrdsa- ‘fall, verlust’, air. bric 
liige’. 

brasl mBn. vgl. auch brasaör, wohl zu 
norw. brasa ‘lármen, prasseln’. — vgl. 
brasta. 

braas m. ‘koch’ (nur Am. 63, deshalb 
nach W. Mohr ZfdA 76, 1939, 190 


vielleicht ostskand. wort), vgl. nnorw. 
bras, nschw. bras(-eld) ‘knistemdes 
feuer’, zu fár. brasa ‘braten,-flammen', 
nnorw. nschw. dial. brasa ‘braten', 
ndá. dial. brase ‘hell flammen’. — ne. 
to braze 'flammen', nhd. dial. braseln, 
brasteln 'prasseln’. 

Vielleicht zu air breo (< *bresu) 
‘flamme’ (Stokes, BB 11, 1886, 
160); aber A. Noreen SVS Upps, 5 
Nr 3, 1897, 9 sucht an die sippe 
von bráðr anzukniipfen. 
brasta schw. V. ‘lármen, prahlen’, nisl. 
brasla, vgl. nnorw. brass ‘lárm’. — ae. 
brastlian, mhd. brasteln 'knistern, pras- 
seln’. — Daneben mit A-suffix: nnorw. 
schw. braska, ndá braske ‘lármen’, vgl. 
mnd. braschen ’lármen, schreien'. — 
lit. braSkéti ‘krachen, prasseln’. 

Wáhrend man brasta einfach zu 
bresta stellen kann, diirfte den- 
noch das nebeneinanderauftreten 
von brasta und braska auf eine 
grundform *bras hinweisen, wozu 
brass zu vergleichen ist (E. Abra- 
hamson NTU 8, 1936, 6-15). 
brattr adj. ‘steil’, schroff’, auch Bn und 
Pn (< urgerm. *branta-), nisl. fár. 
brattur, nnorw. bratt, aschw. branter, 
nschw. brant, dial. bratt, ndá. brat. — 
ae. brant 'steif, tief, hoch' (s. E. Schwarz 
229). — lett. ftrMðdtní'dachfirst' (Pers- 
son KZ 33. 1895, 2 92). — vgl. brandr 
3, bretta und brettingr. 
brauð n. ‘brot', nisl. brauð, fár. breyð, 
nnorw. braud, br0(d), nschw. bröd, ndá. 
bred. — > air. broth 'brotkom’ (A. 
Bugge, Fschr. K. Meyer 1912,301). — 
ae. bread, as. bröd, afr. brdd, ahd. prðt, 
(ohne d-erw: krimgot. broe s. Feist, 
Got. Wb. 106), vgl. mit gr. wechsel und 
abl. ae. broð, ahd prod ‘fleischsuppe’. — 
lat. defrutum 'eingekochter saft’, zur 
idg. wz. *bhru ‘durch gárung bereiten’ 
(Falk ANF. 41, 1925, 117-8) und 

dann wohl weiter zu *bh(e)reu; s. 
brenna x (Persson SVS Uppsala 10, 
1912, 784-5). — vgl. brugga und 
barmr 3. 

brauk n. 'lárm’ (erst 14. Jht. bezeugt), 
nisl. brauk ; vgl. an. nisi. brauka 
‘lármen’ und braukun 'larm’. — mhd. 
brohseln ‘toben, lármen’. 

Statt das wort als lautmalende 
bildung neben braka zu stellen 
(wie gnastan, gnaust und gnista), 
sucht man vergebens nach idg. 
vorbildem: 1. zulit. brúzyti 'nieder- 
driicken’, brúzuoti ‘mit geráusch 
scheuem’ (Wood, MPh 5, 1907, 271 
und 11, 1914, 330). — 2 zu gr. 
9púytXo? ‘eine vogelart’ (Holt- 
hausen Wb. 24). — 3 zu gr. <ppúy<i> 



braut 


55 


brengla 


'rösten, braten’ (Jóhannesson Wb 
618). — Alies schon deshalb un- 
wahrscheinlich, weil brauka eine 
spát auftretende westnordische 
sonderbilding ist. 

braut f. ‘weg’ eig. 'der durch. den fels 
gebrochene weg’ (vgl. frz. route zu lat. 
rupta) ; nisl. braut, fár. breyt, nnorw. 
braut, aschw. bröt. — > shetl. brad 
'spur im schnee’ (Jakobsen 78). — vgl. 
brjóta und brott. 

Dazu gehort brautingl 'wanderer', 
zusammengesetzt mit - gengi. 
breðafQnnf. ‘schneewehe’, nisl. breðafönn, 
anorw. breði, nnorw. bra, bride, brede 
‘gletscher', vgl. breda ‘schimmern, 
leuchten wie schnee. — Gehört wohl 
zu breiðr (Torp 38), wiewohl die bed. 
nicht gut stimmt. FT 110 möchte an 
lett. birda 'feiner schnee’ ankniipfen. 
bréf n. ‘brief, urkunde' (in christl. Schr.), 
nisl. brjef, fár. brav. nnorw. schw. dá. 
brev. — < mnd. brgf; vgl. as. afr. bréf, 
ahd. briaf < lat. breve ( scriptum ) ‘kurze 
schriftliche aufzeichnung’. 
bregða st. V.'schnell bewegen, schwingen; 
winden, flechten; verándem, wechseln; 
vernichten; beschuldigen’ (vgl. da- 
neben part. prás salbrigðandi in 
kenning fiir ‘schild’, s. zur Konj. 
Noreen § 495 Anm. 1), nisl. bregða, 
fár. bregða, brigða, norw. bregda, aschw. 
breghpa, ádá bre(i)de. — > orkn. brai- 
thin ‘flechtrand eines korbes’, shetl. 
bregd, brigd 'flechten, stricken'; > me. 
breiþen ‘sturzen, rennen’ (Björkman 
162), vgl. auch ne. braithhurdle ‘ge- 
flochtene hiirde’ (Thorson 22) ; > lpN. 
rievddat ‘farbe wechseln’, lp S preutet 
‘verschieden sein' (Thortlsen 2, 211). — 
ae. bregdan, bredan ‘schnell bewegen, 
schwingen; weben, stricken; wechseln, 
táuschen’, as. bregdan ‘flechten’, nnl. 
breien ‘stricken’, afr. breida ‘ziehen, 
zucken’, ahd. brettan ‘ziehen, zucken, 
weben'. — vgl. brd 1, bragð, bragða, 
brigð, brigða, brúða und afbrýði. 
Die grundbed. des wortes ist 
’flechten, weben’ und damit weistes 
auf die idg. wzl. *bher ‘zaun, zaunge- 
flecht'- hin, vgl. breiðr und brik. 
breiðr adj. ‘breit’, nisl. fár. breiður, 
nnorw, brei(d), nschw. dá. bred. — > 
shetl. bred; > ne ON. Braithwel, 
Brayton (Mawer 8). — got. braiþs, ae. 
brad, as. afr. brid, ahd. breit. — Davon 
abgeleitet breiða 1. f.’decke' vgl. ae. 
brced(e), mnd. brlde ‘breite’ — breiða 2. 
schw. V. ‘ausbreiten, bedecken’, nisl. 
fár. breiða, nnorw. breida, nschw. breda, 
ndá. brede. — got. usbraidjan, ae. 
brcedan, as. brldian, ahd. breiten. — 
breidd f. ‘breite’. nnorw. breidd, nschw. 


bredd, ndá. bredde vgl. nnl. breedte, 
ofres. brldte. — breizl n., breizla f. 
'decke’, fár. breiðsla, nnorw. breidsla, 
vgl. ae. brcsdels 'Decke’. 

Ohne sichere etymologie. Nach 
H. Petersson IF 23, 1909, 392 
wenig uberzeugend zu lit. beriú 
‘streuen, ausbreiten’, nach Siebs, 
KZ 37, 1901, 306 eine s-lose neben- 
form zu ae. sprcsdan, nnl. spreiden, 
ahd. spreiten ‘ausbreiten’. — Da- 
gegen denkt J. Trier, Lehm 1951, 
43 (unter hinweis auf siðr) an eine 
bed: ‘breite eines durch hegung 
freigehaltenen raumes’; diese wiir- 
de weiter aus ‘zaun’ folgen und 
also auf die lehmwand des hauses 
hinweisen; vgl. ae. briiv, ahd. 
brUo 'brei’; vgl. auch brik 1. 

brek n. 'begierde; list, trug’, nisl. brek 
‘schmeicheln, kinderstreiche', fár. brek 
‘schaden, fehler', nnorw. brek ‘begierde’ 
— ae. (ge)brec 'geráusch’, mnd. brek 
‘gebrechen, mangel’, nnl. gebrek ‘man- 
gel’. — Zu breka schw. V. ‘verlangen’, 
(erst im I3.jht. bezeugt). nnorw. 
breka ‘bitten’; vgl. ahd. brehhðn ‘be- 
triiben'. Gehört wohl zum st. verb. 
‘brechen', vgl. braka. — breki m. 
‘brecher’, woge (eddisch). — ae. wiðer- 
breca ‘gegner, feind’, Breca PN (König 
der Brondingas). 

brekka f. ‘steiler hugel’ (< germ. 
*brinkðn), nisl. fár. norw. brekka, schw. 
dial. brdkka. — > orkn. breck (bes. in 
ON), shetl. brek(k), manx breck (Mar- 
strander NTS 6, 1932, 270); > ne. 
ON. Breck, Sunbrick (Ekwall 59). — 
ne. brink ‘rand, strand’, mnd. brink 
‘rand, ufer, ackerrand’, mnl. brink 
‘rand, grasrand, grasland’. — vgl. 
brokkr. — Etymologie unsicher, viel- 
leicht zur idg. wzl. *bhren ‘hervor- 
stehen, kante' (IF.W 167). — vgl. 
bringa und brandr 3. 

Die wzl. *bhren ist wohl eine 
weiterbildung der unter berja 
behandelten wzl. *bher. Die bed. 
‘rand, ackerrand’ imwgerm. weist 
schon deutlich auf den ‘zaun’ 
hin. Andrerseits diirfte die bed. 
‘hiigel’ nicht nur von dem steilen 
abhang angeregt, sondern auch 
vom mit steinen oder palissaden 
umhegten grabhtigel bestimmt 
worden sein. 

brengla schw. V. ‘verdrehen, ringen’ 
(spát bezeugt), nnorw. brengla, brengja 
‘verdrehen'. — Der bed. wegen gehört 
es kaum zu branga; Sturtevant 

Í fEGPh 33, 1934, 95 nimmt als grund- 
orm an *bi-wrang-ilðn (aber so schon 
Torp 39!), also zu rangr. 



brenna 


56 


brenna 1 álter brlnna st. V. ‘brennen’; 
nisl. far. nnorw. brentta, nschw. brinna, 
ndá. brande. — > shetl. brinn ; > me 
brennen, ne. dial. bren(n) (Björkman 
182). — ae. beornan, biernan, afr. 
berna, barna, got. as. ahd. brinnan. — 
mir. wzl. brenn- ‘hervorquellen, spru- 
deln’ (s. Pedersen, Kelt. Gramm. II 
§ 671). Vielleicht erw. der idg. wzl. 
*bhere(u) ‘sich heftig bewegen’, vgl. 
lat. ferveo, mir berbaim ‘sieden, wallen' 
(IEW 144). — vgl. bráðr, brandr 1, 
brauð, broð, brugga, bruna, brundr, 
bruni, brunnr und bryna. 

Es ist möglich, dass man die wzl. 
*bhereu als eine erw. von *bher 
auðassen darf (vgl. unter berja) \ 
danrr deutet das wort eig. auf die 
brandwirtschaft im niederwald, 
wie J. Trier, Holz 1952, 87 ver- 
mutet; er stellt dazu auch brimi. 

— 2 schw. V. ‘verbrennen' (< germ. 
*brannjan), nisl. fár. nnorw. brenna, 
aschw. branna, adá. brtennœ. — got. 
ga-brannjan, ae. brennian, beernan, 
afr. berna, as. brennian, ahd. brennan. 
— Kaus. zu brenna 1. 

bresta 1 st. V. 'bersten, krachen’, nisl. 
fár. nnorw. bresta, nschw. brista, ndá. 
briste — > me. bresten (Björkman 182). 

— ae. berstan, afr. bersta, nd. bersten, 
mnl. bersten, barsten, borsten, as. ahd. 
brestan. — air. brosc ‘lárm’, (IEW 169) 

— vgl. brasta, Brestir und brestr. 

— 2 schw. V. ‘bersten, krachen machen’ 
(< germ. *brastian), nnorw. bresta 
‘milch durch wárme zerrinnen lassen’, 
fár. bresta ‘krachen lassen’. — mhd. 
bresten. — vgl. bresta 1. 

Brestir m. PN. vgl. brestingr Bn. eig. 
‘lármer’ — vgl. bresta 1. 

brestr m. ‘bruch, riss; krach; mangel’, 
nisl. fár. brestur, nnorw. brest, aschw. 
bráster, braster 'krachen’, neben brast, 
brist und brust, brest, bryst ‘mangel, 
gebrechen’. — > shetl. brest, bris 
‘bruch, krach’; > Ip. breeste, brieste 
‘spalte’ (Qvigstad 118). — ae. Berst 
‘bersten, brechen’, ahd. iresí 'gebrechen ’, 
mhd. brest ’krach’, nnl. barst ‘riss’. — 
vgl. bresta 1. 

Bretar ‘die bewohner von Bretland oder 
Britannien, bes. Wales’ — ae. Bretas 
neben Breotone (< lat. Brittones). — 
vgl. brezkr. 

bretta schw. V. ‘emporheben, aufrichten’ 
(nur eddisch) <. germ. *brantjan, 
nisl. nnorw. fár. bretta, nschw. dial. 
brátta, ádá brente, ndá. dial. brette. — 
vgl. brattr. Davon weiter Brettingr 
PN., vgl. ae. brenting ‘schið’. 

breyskr adj. ‘spröde, zerbrechlich’ (erst 
13. Jht. bezeugt) (< germ. *brautiska-) ; 


brim 


nisl. breyskur, fár. broyskur, nnorw.dial. 
breysk, aschw. brösker. — mnd. brösch, \ 
mnl. broosc, nnl. broos, bros, nhd. dial. 1 
brusch. — lat. frustum ‘bruchstuck* - 
(Holthausen KZ 47, 1916, 311). — ] 
vgl. breyta, brjósk und brjóta. 
breyta schw. V. ‘aufbrechen, verándem, \ 
einrichten’, nisl. breyta, fár. broyta, ! 
nnorw. breyta, aschw. bröta. — ae. j; 
ábrietan ‘zerbrechen' — Kaus. zu. " 
brjóta. 

brezkr adj. ‘britisch (< *bretiska). — ój 
vgl. Bretar. 

Briann PN. < air. Briin eig. ‘kleiner ; 

hiigel’. I 

brlgo n. f. 'veránderung; wankelmut; ,i 
lösungsrecht', nisl. brigð, nnorw. fár. íj 
brigd, aschw. brighþ. — ae. brigd ■ 
‘veránderung’, bregd 'bewegung, wech- j 
sel'. — brlgða schw. V. ‘verándem, ■ 
umstiirzen, betriigen, auslösen’ (< un« 
nord *bregðian), nisl. brigda, nnorw, , 
brigda ‘verándern’, aschw. brighþa : 
‘hastig riihren, schwingen; vorwerfen’. 
— vgl. bregða. — brigsla, brigzla 
schw. V. ‘vorwiirfe machen, beschimp-’ 
fen, nisl. fár. brigsla ;— brigzl n.brlgzli 
n. ‘vorwurf, schimpf’ (< brigð-sla-), 
nisl. fár. brigsl., nnorw. brigsl(a). — 

> me. brixlen ‘vorwiirfe machen’, 
brixle, brixsill 'vorwurf’ (Björkman 
206). 

brík 1 f. ‘brett, scheidewand, kurze 
bank’; nisl. brík ‘balken; bank’, fár. 
brik 'sitzplatz am herd', nnorw. brik 
‘niedrige holzwand, kurze bank’, schw. 
dial. brik ‘bank’, ndá. dial. brig ‘ofen- 
brett’. — Persson, SVS Uppsalá 10, 
1912, 222 verbindet mit gr. tpplxxs 
‘pfáhle’, Wood, IF 22, 1907, 152 zu lat. 
frico ‘reiben’, lit. brtíiu 'kratzen’. 
Die bed. ‘reiben’ fiihrt auf eine 
grundbed. ‘lehmwand’ (vgl. 
breiðr), wie auch mnl. brik ‘back- 
stein' eig. ‘der getrocknete ton’ 
bedeutet. Die bed. ‘bohlenwand, 
zaun’ setzt das noch unver- 
schmierte holzwerk voraus (s. 

J. Trier, Lehm 1951, 43). 

— 2 f. ‘weib’ (þula, poetischV, nnorw. 
brik ‘grosSes, stattliches weibV-schw. 
dial. brih ‘mádchen’, vgl. norw. briken 
‘schön, stattlich’, brikja ‘hoch empor- 
ragern; glánzen, prunken’. 

Fasst man dieses brikja als s-lose 
nebenform zu sþrikja ‘ausbteiten, 
anschwellen’, dann wáre gr. o<ppi- 
Y04, 3>pÍYos 'iiberfluss an saften’, 
o<pptyavos ‘kraftvoll’ heranzu- 
ziehen. — Die IEW 166 vorge- 
schlagene verbindung mit bgrkr 
ist wenig iiberzeugend. 
brlm n. 'brandung, meer’ (alter es-stamm 



brimill 


57 


brjóst 


nach v. Friesen UUÁ 1924, Nr. 4, 153), 
nisl. nnorw. íái. ádá brim. — ae. 
brim ‘brandung, flut, meer’. — Man 
vergleicht gr. q>pi(xá<i>, opt|xáaao(iai 
'sich unruhig bewegen' (F. Froehde 
BB 17, 1891, 310), aber auch ai. 
bhramati ‘umherschweifen’, sich dre- 
hen', bhrama- ‘strudel’ (J. Charpentier 
IF 29, 1911, 376). — brimi n. in der- 
selben bedeutung wie brim ist davon 
abgeleitet. Es bedeutet aber auch 
‘feuer’ (> shetl. brimi, brim, briv. ‘vom 
feuer ausstrahlende wárme; nordlicht’ 
jakobsen 1, 74). — me. brim 'glut'. 
Denkt man an das flackern des feuers, 
so ist auch hier dasselbe wort anzu- 
nehmen, aber das schw. dial. brimma 
'glánzen (bes. von wasseroberfláche) 
fiihrt auf eine wzl. *brem ‘sich be- 
wegen’, daher auch von lichteffekten 
(E. Abrahamson NTU 8, 1936,15-21), 
falls man nicht an die wzl. bher (s. 
berja) ankniipfen soll. — vgl. auch 
bráðr und Brisingamen. 
brimill m. ‘seehund, phoca major’, nisl. 
brimill, nnorw. brimul, fár. brimil, vgl. 
shetl. brimer. — wohl zu ae. bremman 
‘toben, briillen’, ahd. breman, mnl. mhd. 
brimmen, brummen 'brummen, briillen’, 
und weiter zu lat. fremo, gr. (Jpé|i<i> 
‘rauschen, dröhnen’. — vgl. brimir 
und Brdma. 

brimir 1 ‘schwert’ (poet.) Entweder wie 
brimill zu beurteilen und dann nach 
dem klirren des schwertes benannt, oder 
zu bnmi und dann wegen dessenglanz. 
— 2 'riesenname’ (in Vsp. umschreibung 
fiir Ymir). Weil das meer aus Ymirs 
blut entstanden ist, gehört das wort zu 
brim, wiewohl es aís allgemeiner riesen- 
name auch zu der sippe von brimill 
gehören könnte (vgl. z.B. Hveðrungr). 
bringa f. ‘brust’, nisl. nnorw. fár. nschw. 
bringa, ndá. bringe. — > shetl. brong, 
bronga, brongi ‘hiigel’ (nur in ON); > 
lpN. prdkko (Wiklund, SVS Uppsala 24, 
1927, Nr. 16, 61). — ae. bringádl 
‘brustkrankheit' — Daneben nisl. 
bringr ‘hiigel’, aber nicht mit gramm. 
wechsel aschw. brá-, nschw. brd- (< 
*branha-) in ON. wie Brdviken (Pers- 
son, SVS Uppsala 10, 1912, 21). 

Man vergleicht gewöhnlich lit. 
brinkstu, brinkti 'schwellen', brank- 
Soti 'hervorragen’ (Johansson IF 
19, 1906, 119) und kommt dann, 
wie bei brjóst auf eine urspr. 
bed. ‘weibliche brust’; das ist 
aber vollkommen willkiirlich. Die 
brust ist nicht ‘die schwellende’ 
sondem der ‘brustkorb’; die ety- 
mologie fiihrt also auf die gruppe 
von berja. 


brlnna st.V. ‘brennen’, vgl. brenna 1. 
Brisingamen "halsschmuck der göttin 
Freyja', vgl. auch brisingr ‘feuer’ 
(poet.); nnorw. brising ‘feuer, fackel- 
licht’, brisa ‘feuer’ auch ‘flammen, 
gliihen’. 

Torp 42 geht von germ. *brehisðn 
und vergl. nnorw. brega 'flackem’ 
vgl. weiter bregöa und brjá. 
Oder vielleicht mit der sippe unter 
brass zu verbinden ? Zweifelnd 
stellt IEW 133 das wort zu brimi. 
brjá schw. V. 'glánzen, funkeln’ (< germ. 
*brehan) ; nisi. brd, fár. bráa, nnorw. 
braa, wohl neubildung zu einem st. V. 
das in mhd. brehen ‘funkeln’ vorliegt: 
vgl. auch ae. breahtm ’glanz, augen- 
blick’. — möglich zu gr. ipopxó? ‘weiss, 
grau’, ai. brháéate ‘flammt’, air. brocc 
‘dachs’, lit. brékSti ‘anbrechen des 
tages’ (IEW 141-2). — vgl. brá 2, 
bráinn, braga, brjónar, brosma 
und morginn. 

brjónar mpl. ‘mánner’ (þula); Eine 
ankniipfung an brjá fiihrt zu einer 
bed, ‘die glánzendeu’, was wenig an- 
sprechend ist. Auch zu brún 2 gestellt, 
mit der urspr. bed. ‘die hervorragen- 
den’. Es gehört zur sippe vcmbrjóta, 
indem es auf die idg. wzl. *bhereu 
zuriickgeht, selbst eine erw. von *bher\ 
ein wort fiir die niederwaldwirtschaft 
(vgl. berja). Geht man von der bed. 
‘zaun’ aus, so sind die brjónar also die 
zum ‘mannring’ gehörenden genossen. 
brjósk n. 'knorpel’, nisl. fár. brjósk, 
nnorw. brjosk ; abl. nnorw. nschw. 
brosk, ndá. brusk. — > orkn. brisk, 
shetl. bresk(i), schott. brisgein (Hender- 
son 214). — Falls aus *breutsk ent- 
standen (also eig. ‘das zerbrechliche’, 
vgl. nhd. dial. brusch ‘spröde’) vgl. 
breyskr und brjóta. Unter heran- 
ziehung von mhd. brúsche ‘beule’, nnd. 
bröske ‘brustdriise des rindes’ ver- 
bindet IEW 171 mit brjóst (weniger 
einleuchtend). 

brjóst n. ‘brust; giebel; sinn. geist’ 
(< germ. *breusta-), nisl. brjóst, fár. 
brjóst, bróst, nnorw. brjost, nschw. 
bröst, ndá. bryst. — > orkn. breest 
‘hausgiebel’, shetl. bres(t) ‘steiler hiigel’ 
(Jakobsen 78). — ae. breost, afr. briast, 
as. briost, breost; abl. got. brusts, afr. 
brust, burst, ahd. brust, (vgl. E. Schwarz 
131); weiter zu verbinden mit as. 
brustian ‘knospen’, mhd. briustern ‘an- 
schwellen’ (Uhlenbeck, PBB 30, 1905, 
271) und nhd. briest ‘biestmilch’, vgl. 
auch an. ábrystur ‘biestmilch’, nschw. 
brass, ndá. brissel ‘brustdruse’ — 
zweifelhaft zu: air. brú (< *brusð) 
‘bauch, leib’, bruinne (< *bhrusnjo) 



brjóta 


58 


brólca 


'brust’, brollach 'busen’, russ. brjucho 
‘unterleib, bauch’ (IEW 170-1).— vgl. 
brosa, brý und brýsli. 

Die zuruckfiihrung auf eine idg. 
wzl. *bhreus ‘schwellen, spriessen’ 
(H. Petersson IF 23, 1909, 391) 
setzt eine grundbed. ‘weibhche 
brust’ voraus; dazu besteht aber 
iiberhaupt keine veranlassung. 
Eherbedeutetdaswortden 'brust- 
korb’ an, also das ’rippengeflecht’; 
dann gehörtes zur idg. wzl. *bhreu, 
erw. von *bher (vgl. berja). 
brjóta st. V. 'brechen, vemichten’, run. 
schw. 2 P.S. bA riutiþ (Stentofta c. 620, 
Krause Nr 51), bArutR (Björketorp 
c. 650, Krause Nr 50); nisl. brjóta, 
fár. bróta, nnorw. brjota, nschw. bryta, 
ndá. bryde. — > ne.diai. brit (Thorson 
56). -- ae. breotan ‘brechen’, mhd. 
briezen 'knospen’. — vielleicht zu ai. 
bharvati 'kaut, verzehrt’, lett. braúna 
'schilfer, schorf', asl. brusnqti 'schaben' 
(IEW 169), wáhrend Persson UUA 
1891, 125 weiter mit berja verbindet 
(s. auch J. Trier, Holz 1952, 81). — 
vgl. braut, breyskr, breyta, brjósk, 
bróma, brot, broti, brotna, bryti, 
brytja und bryöja 2. 
broð n. 'bruhe’ (nur in Zs. broðgýgir, 
poet. schimpfname fiir riesin; gewöhn- 
lich zu brauðgýgir emendiert), nisl. 
broð. — ae. broð, ahd. brod 'briihe’, 
vgl. mhd. brodelen. — lat. defrutum 
‘abgekochter most’, air. bruth ‘glut’, 
mir. en-bruthe ‘fleischbriihe’. —•Dental- 
erw. zu brugga\ vgl. auch brauð und 
bryðja l. 

broddr m. ‘spitze; pfeil, wurfspeer; 
strahl, kleiner fischschwarm’ (< germ. 
*bruzda~), nisl. fár. broddur, nnorw. 
nschw. brodd, ndá. brod ‘stachel, spitze'. 
— > shetl. brodd 'keimpflanze’; > 
me brod(d) ‘spross, speiche’, ne. dial. 
brod ‘stachel, nagel’, ne. brad ’kopfloser 
nagel' (Björkman 168); > lp S. bruodde 
‘hufeisen, eissporn’ (Qvigstad 118). — 
ae. brord ‘stachel, spitze, keim’, ahd. 
brort ‘spitze, ufer, vorderstreven’ (vgl. 
as. brordðn ’sticken'); daneben abl. ae. 
brerd, breord 'rand’, ahd. brart 'rand, 
kante, vordersteven’. — asl. brúzda 
‘zaum’, lit. bruzdúklis ‘pflock’; idg. 
grundform *bhrzdh, dh- Erw. zu der in 
barr 1 vorliegenden wzl. *bhors, *bhrs 
(IEW. 110). — vgl. brydda und 
br ydding. 

Auch als PN. Broddr und Broddi, 
vgl. ae. Brorda und in Zss. wie 
Hoddbroddr, ádá Hothbroddus; vgl. 
ae. Willibrord. 

bróðir m. 'bruder’, nisl. fár. bróðir, 
nnorw. schw. dá. broder. — > shetl. 


brúi. — got. brðpar, ae. brððor, afr. 
brðther, as. brððar, ahd. bruodar. — lat. 
frSter, gr. (ppárTjp ‘mitglied einer sozia- 
len gruppe’, ai. bhrátar, asl. bratrú, 
bratu, air. brdthir, toch B. procer, A. 
pracar ‘bruder’; ht. broter-llts ‘briider- 
chen’. — vgl. braeðrungr. 

J. Trier fiihrt das wort auf die idg. 
wzl. *bher zurtick, indem er als 
grundform *bhr- es t - tðr ansetzt 
und ftir *bher eine bed. ‘flechten, 
weben’ ansetzt (vgl. bregöa und 
breiðr). Damitwtirde bróðir urspr. 
also 'der bruder des gatten’, be- 
deuten und tritt also unmittelbar 
zu brúðr; vgl. gr. (ppá-rcjp ‘mit- 
glied einer genossenschaft’ (s. 
Zs. der Savigny-stiftung ftir 
Rechtsgesch. 65 Germ. abt., 1947, 
s. 255). — Seltenals PN. Bróðir; 
> air. Brodor, Brodur, Brodar 
(Marstrander NVA 1915 Nr. 5, 59); 
aschw. Brodher, vgl. ae. Brother, 
afr. Broder, Bror, ahd. Brothar. 
brók f. 'hose, beinkleider’, nisl. fár. 
brók, nnorw. schw. brok, ndá. brog. — 
> manx braag 'schuh’ (Marstrander 
NTS 6, 1932, 234); > finn. ruoke, pl. 
ruokkeet (also es-stamm, Karsten GFL 
83); > lpS. bruoka (Qvigstad 118); 
pl. brœkr > ne. dial. breek (Thorson 
22). — ae. brðc, afr. as. mnd. brðk, 
nnl. broek, ahd. bruoh. — air. bróc, 
gall. braca. 

Das verháltnis des germ. und kelt. 
wortes wird verschieden beurteiit. 
Oft hat man an entlehnung aus 
dem kelt. gedacht (so noch Jaberg 
WS 9, 1926, 148-51 und Jacobsohn 
ZfdA 66, 1929, 244-6). Aber 

bráca ist nur stidgallisch und kann 
dorthin mit den Volsci-Teutosages 
aus Máhren gelangt sein; dann ist 
eher an ein urspr. germ. wort zu 
denken, umsomehr ais es das 
ftir reiter geeignete kleidungssttíck 
ist. Die etymologie ist dunkel. 
Man hat an ae. bréc 'steiss’ und 
lat. suffrágines 'hinterbuch der 
tiere’ angeknupft (in diesem fall 
muss. gall. bráca mit k aös dem 
germ. entlehnt sein) und das wort 
mit fragro ‘riechen’ verbunden; 
einleuchtender scheint verwandt- 
schaft mit dem germ. Zw. *brekan 
(R. Much. ZfdA 42, 1898, I 7 °)- 
alsoetwa 'bruch, knick, biegung’; 
vgl. braka und brceklingr. 
bróka f. ‘frau’ (þula). vgl. norw. broka 
‘buntes tier’, dial. brðk 'lachsbrut’, 
nschw.dial. brok 'dunkler fleck, buntes 
pferd’, nschw. brokig, ndá. broget 
‘scheckig’, wohl eig. von der 'gebroche- 



brokkari 


59 


brúör 


nen' farbe der kleidung?, vgl. braka. 

bíokkari m. 'traber, pferd' (nur Karlam. 
s.). Das auftreten in einer ubersetzung 
aus dem franz macht entl. < afrz. 
brochier, broicier ‘anspornen’ (vgl. it. 
broccare) wahrscheinlich, wohl unter 
ani. an einem norw. wort brokka 'zu- 
rticklaufen nach haus’, nisl. brokka 
‘traben’, brokkur ‘pferd mit ungleicher 
gangart’, das weiter zu brekka gehören 
kann. 

Brokkr m. ‘name eines zwerges’. Her- 
kunft ungewiss; man hat verglichen 
ahd. broccho, nnl. brok ‘brocken’, oder 
entl. < ae. brocc ‘dachs’ angenommen 
(Holthausen 26). Oder nach einer holpe- 
rigen gangart und dann zu nisl. 
brokkurl vgl. brokkari und brekka. 

bróma f. ‘stuck, brocken’, nnorw. brðm 
‘metaii- oder holzabfall’. Unter hinweis 
auf ahd. brosmo ‘brocken’ kann man 
auf eine germ. wzl. *bru- ‘brechen’ 
schliessen, vgl. brjóta. 

brosa schw. V. ‘lácheln’, nisl. fár. brosa; 
vgl. auch brosa í 'das lácheln’. Nach 
Wood MPh. 11, 1914, 329 wáre zu 
vergleichen nnorw. dial. brusa ‘aus- 
breiten, prahlen’, bruse ‘gestráuch’ 
und also eig. 'die lippen hervorstrek- 
ken’ ? Sehr unsicher; wie auch ver- 
wandschaft mit brúsi, also eig. ‘ge- 
mutsaufwallung’ ? (Jóhannesson Wb. 
637 )- 

brosma f. ‘brachsen’ (þula) < germ. 
*bruhsmð\ nisl. fár. nnorw. brosma, 
nnorw. dial. brosne, brosn, nschw. bros- 
me 'brosmius vulgaris’. — > shetl. 
brismek; > lpN. roassmo (Qvigstad 
269). — abl. daneben nnorw. schw. 
dial. brasma, ndá. brasen, vgl. mnd. 
brassem, bresme, nnl. brasem, as. bresse- 
mo, ahd. brahsa, brahsina; so benannt 
nach der hellen farbe; vgl. brjá. 

brot n. ‘bruch; bruchstuck; watstelle; 
krampf’, nisl. fár. nnorw. brot, nschw. 
dial. brdt, ndá. braad. — > shetl. brod 
'bruchstiick’; > schptt. brot ‘stelle 
wo ein fluss ins meer strömt’ (Craigie 
ANF 10, 1894, 162), ne. brotground 
'stclle, wo die rasenscholle aufgehoben 
‘st’ (Thorson 56). — ae. gebrot ‘bruch- 
stiick’, ahd. broz ‘knospe’. — vgl. 
brjóta. 

brothvitill m. ‘mit einer musterung 
gewebte, steife bettdecke’ (nur anorw. 
DN), nnorw. brotkvitel ‘grobe ober- 
decke’. Wáhrend der 2. teil wollene 
hettdecke’ bedeutet (vgl. hvitill), ist 
brot- aus dem kelt. entlehnt, entweder 
aus schott. brot, brat ‘decke, mantel’ 
oder air. bratt ‘mantel von gemustertem 
tuch’ (Falk, NVA 1919, 205). 

“foti m. 'haufe von gefállten báumen’. 


verhau’, nisl. broti, nnorw. braate ‘ver- 
hau, abgeschwendetes land’, aschw. 
broti, bruti, nschw. brdte, ádá. braade, 
brede ‘verhau’. — vgl. brjóta. 
brotna schw. V. ‘zerbrechen’, nisl. fár. 
nnorw. brotna, nschw. dial. brotlna. — 
Gebildet zum part. brotinn, vgl. brjóta. 
brott ‘fort, weg’, auch brutt, burt und 
(i)braut; nisl. brott, burt, nnorw. burt, 
nschw. bort(a), ndá bort(e). — Schwach- 
tonige nebeníorm zu braut. 
brú f. ’briicke’ (< germ. *bröwö) ; nisl. 
brú, fár. brúgv, nnorw. bru, nschw.ndá. 
bro. — > manx ON Brerick (< *Bruár- 
vik, s. Marstrander NTS 6, 1932, 246); 
> IpN. bruvve, ruvve (Thomsen 2, 207; 
Wiklund MO 5, 1911, 235). — gaíl. 
briva (< *bhrðjið); asl. brúvuno 'bal- 
ken’. — vgl. bryggja. 

Weitere ankniipfungen sind frag- 
lich. Nach Meringer WS 1, 1909, 
189 zu brá 1, nach Specht, Dekl. 
211 zu brún 1 (was auf dasselbe 
auskommen diirfte), nach W. 
Prellwitz KZ 47, 1916, 298 unter 
hinweis auf ai. bhrúna- ‘embryo’ 
zu bera, also eig. ‘die tragende’. — 
Die bed. ‘balken’ von siidsl. brv 
zeigt den weg zur richtigen deu- 
tung; das wort ist hochstufe zu 
einer idg. wzl. *bhreu, einer «-erw. 
von *bher (vgl. berja); das wort 
steht neben brandr als bezeich- 
nung des balkens. 

brúða 1 f. ‘erhöhte leiste, stuhllehne’, 
nisi. brúða ’ds’, nnorw. brugda ‘rucken- 
oder armlehne, rahmen, gestell’. — 
nach H. Sperber, WS 6, 1914, 46-7 zu 
bregða, weil die lehne dazu diente um 
darauf flachs zu schwingen; vgl. also 
brúða 2 und weiter brúðr 2. 

— 2 f. 'flachsbiindeT, nisl. brúða 'puppe’, 
nnorw. brugda, nschw. dial. bru, 
brygda, ádá brude ‘flachsbiindel’. — 
aus *brugða, vgl. bregða. 
brúðhlaup n. auch bruðlaup, bruilaup, 
‘hochzeit’, nnorw. brudlaup, brydlaup, 
bryllaup, brullup, fár. brúdleyp, nschw. 
bröllop, ndá. bryllup. — > ae. brýdhlðp 
(Serjeantsson 66). — afr. brölóp, as. 
brúdloht, mnd. brútloft, nnl. bruiloft, 
ahd. bruthlauft, mhd. brútlauf(t.) Eig. 
‘heimfiihrung der braut’ und zwar 
in schnellem lauf (s. de Vries, Alt- 
germ. Rel. gesch. 2 aufl. § 140), (nach 
E. Schröder, ZfdA 61, 1924, 17-34 
eig. ‘brauttanz’). — vgl. brúðr 1 und 
hlaupa. 

bruðr m. ‘brunnen’, vgl. brunnr. 
brúðr 1 f. ‘braut; (poet.) geliebte, gattin, 
weib’ (s. iiber die bedeutungsgeschichte 
Braune, PBB’ 32, 1906, 30-59); nisl. 
fár. brúður, nnorw. schw. dá. brud. —- 



fcrugga 


60 


Brundabjátfi 


> lpN. brúd(a) lpS. ( b)rúdas (<um 
*brúðiz, s. Collinder, APhS 3, 1928, 
222). —got. brúþs, ae. bryd 'gattin’, afr. 
brid 'neuvermáMte', as. brúd 'gattin’, 
ahd. brút ‘neuvermáhlte, junge frau'; 
vgl. gr. lat. inschr. in Dalmatien: brutis, 
Ppouri? ‘verheiratete tochter’. 

Die etymologie ist dunkel. Wenig 
iiberzeugend ist die verbindung 
mit lit. marti ‘schwiegertochter, 
braut’ (Wiedemann BB 27, 1902, 
205; Wood MLN 15, 1900, 96 und 
Torp, Fschr. Unger 1896, 174), 
noch weniger die zu lat. Frutis 
'beiname der Venus’ (Braune PBB 
32, 1906, 58 und Kluge PBB 34, 
1909. 561). Sehr gewagt die her- 
leitung aus der wzl. *bher ‘tragen’ 
und auja (G. v. Langenhove, 
Ling. Stud. 2, 1939, 48-64, unter 
hinweis auf freyr). Ebenfalls zur 
wzl. *bher, aber mit der bed. ‘ge- 
flecht, flechtzaun’ (vgl. berjá), 
und dann íst die braut also die 
neuvermáhite, die zu dem mann- 
ring hinzutritt, in diesen aufge- 
nommen wird; in diesem fall also 
wohl auch mit bróðir verwandt 
(J. Trier, Zs. der Savigny-stiftung 
fiir Rechtsgesch. 65 Germ. Abt. 
1947, 254-255). — Dagegen knupft 
C. C. Uhlenbeck PBB 22, 1897, 188 
an ai. bravimi 'sprechen’ an, also 
‘die zugesagte’ und Krogmann, 
WS 16, 1934, 80-90 sogar an 
brjóta (als 'gesetzesbruch!). — 
Der bráutigam heisst brúðgumi 
nnonv. brudgume, nschw. brud- 
gum(me), ndá. brudgom; vgl. ae. 
brydgume, as, brúdigomo ahd. bruti- 
gomo (vgl. gumi). EineZs. *bruðr- 
man wird von norm. bruman 
‘schwiegersohn, verlobte’ voraus- 
gesetzt (Gamillscheg. 155). 

— 2 i. ‘riicken, lehne’ (in Zs stólbrúðr). — 
vgl. brúða 1. 

brugga schw. V. ‘brauen’, nisl. nnorw. 
brugga. Daneben das st. V. *bryggja 
(nur uberliefert part. brugginn), fár. 
norw. bryggja, nschw. brygga, ndá. 
brygge. ■ — ae. brlowan, afr. briúwa, 
as. breuwan, mnd. brúwen, nnl. brou- 
wen, ahd. briuwan, brúwan. — lat. 
defrutum ‘mostsaft’, air. bruithim ‘ko- 
chen’, thrak-phryg. BpOrov ‘bier, frucht- 
wein’ (Persson UUA 1891,126).—vgl. 
brauð und broð. 

brúk (oder bruk ?) n. ‘haufe seetang 
am strand* nisl. fár. brúk, nnorw. bruk, 
ndá. dial. breg ‘angespiilter seetang’. — 

> orkn. brook, hebrid. bruchd, bruc 
(Christiansen MM 1938, 9); > shetl. 
bruk. 


Geht man aus von brúk, so könnte 
man an germ. *brikan ‘brechen’ 
ankniipfen; vgl. braka. Dagegen 
hat Torp 44 gr. ^púyava ‘diirre 
zweige’, 9púyios ‘diirr’ heran- 
gezogen. 

brullaup n. ‘hochzeit’ vgl. brúðhlaup. 

brum 1 n. ‘knospe; (erst I3-Jht. belegt), 
nisl. brum, nnorw. brum ‘knospe’, 
nschw. dial. brumm ‘spitze eines zwei- 
ges’, ndá. dial. brum ‘spreu’. — ahd. 
brom, brum ‘blattknospe’, gehört wohl 
zu ae. bröm (ne. broom) ‘ginster, besen’, 
nnd. brúr.í, nnl. braam ‘brombeer- 
strauch’, ahd. brámo, bráma ‘dorn- 
strauch, brombeerstrauch’, vgl. ae. 
brémel (ne. bramble) ' brombeerstrauch’, 
mnd. breme, mnl. bremme, ahd. brimma 
‘ginster’, und mnd. brumme ‘ds’. Ge- 
hört wohl zur idg. wzl. *bherem ‘her- 
vorstehen’ vgl. barmr 2, eine erw. der 
wzl. *bher, vgl. berja. 

— 2 n. und brumr m. ‘zeitpunkt’ (erst 
13.Jht); viell. ‘die zeit des knospens' 
vgl. Bp. s: i fremsta brum sinna daga\) 
und dann allgemein ‘zeitpunkt’ ? 

brún 1 f. ‘braue’ (pl. brýnn und brúnir); 
‘wandvorhang in der kirche’ (pL 
brúnir), nisl. fár. brún, nnorw. brún, 
nschw. dá. bryn (eig. pl. form.). — 
Pl. brýnn > me. brin (Björkman 206). 

— ae. brú ‘augenbraue’. — gr. Ú9PÚ4 
‘augenbraue, erhöhte kante’, ai. bhri }-, 
mir. brúad (g. pl.), asl. brúvi, lit. 
bruvls m. ‘braue’, apr. wubri i. ‘wim- 
per’, toch. párwán- ‘braue’ (IEW 172). 

— vgl: 

— 2 f. ‘rand, kante, zeugborte’, nisl. 
fár. brún, aschw. brún, brýn. — Ob- 
gleich gr. iippú? die bed. 1 und 2 
verbindet, hat man wohl von einem 
anderen stamm ausgehen wollen, vgl. 
air. brú 'rand, ufer’, lit. briaund 
‘kante, messerrucken’ (IEW 170), das 
weiter zur sippe von barmr 2 gehört, 
aber beide wörter gehören zu dem kreis 
der zaunwörter, vgl. berja und weiter 
brúnn 2, brýna, brýniunábrýnni. 

bruna schw. V. ‘eilen’, vgl. brana, 
bruni und brenna 1. 

brúna schw. V. ‘braun machen', ygl. 
brúnn 1. 

BrundabJ&lfi m. BN., eig. ‘renntier- 
pelz’, vgl. nnorw. brund, brand ‘mánn- 
íiches renntier’ und brande ‘mánnl. 
elch’ (auch bringe), nschw. dial. brind(e) 
‘elch’ — Wohl zu messap. Ppívnov 
‘hirschkopf’, Ppev86v ‘hirsch’ (dessen 
weitere verwandtschaft mit lit. brtdis 
‘hirsch’, pr. braydis ‘elch’ alles andere 
als klar íst). 

Verschieden beurteilt. 1. Torp 41 
denkt an eine grundform *bremd 



brundr 


61 


tryggja 


zu *breman 'das schreien wáhrend 
dor brunstzeit’ (vgl. brimill). — 
2. Weshalb dann nicht zu brundr ? 
—• 3. Specht, Idg. Dekl. 120 ver- 
bindet mit bjgrn 1, also nach der 
bráunlichen íarbe benannt. — 
4. wieder anders Krahe, Sprache 
und Vorzeit 104, der *bhren-to 
‘geweihtráger’ ansetzt und alb. bri, 
brini ‘hom,- geweih' vergleicht. 

brundr ,m. ‘brunst’ (nur in Stjóm 
belegt), nisl. brundur 'bmnst’, íár. 
brundur ‘zeugungsfáhiges tier’, nnorw. 
brund, ndá. brynde ‘brunst’, vgl. nschw. 
brdnad. — > orkn. brander, shetl. 
brind, brand ‘briinstig sein’. — mhd. 
brunft.brunst. — vgl. brenna 1. 

brunl m. 'brennen, brand', nisl. fár. 
bruni, nnorw. brune, aschw. bruni, 
broni, ádá. brun. — vgl. ae. bryne 
‘brand, fackel; hitze, leidenschaft'. — 
vgl. brenna 1 und bruna. 

Brúni m. PN., auch Odinsname und 
zwergenname, vgl. ae. Brun, alam. 
Pruno, eig. ‘der braune’, vgl. brúnn 1. 
Der Odinsname könnte von brún 1 
abgeleitet sein, und also 'der Gott mit 
den buschigen brauen’ bedeuten (Falk, 
NVA 1924 Nr 10, 5). 

brunkr m. BN., eig. 'der braune’, vgl. 
nnorw. brunka ‘braun aussehen’. — 
vgl. brúnn 1. 

brúnn 1 adj. ‘braun’, nisl. brúnn, fár. 
brúnur, nnorw. schw. dá. brun. —- 

> shetl. brúni ‘name fiir otter’ (Jakob- 
sen 79); > finn. ruuni (Thomsen 2,97); 

> lp N. brúna, brúnes (Qvigstad 118); 

> lit. brúnas. — ae. afr. mnd. ahd. 
brún. — lit. beras ‘braun’, gr. ippúvrj. 
(ppövoi; ‘kröte’, ai. babhrú- ‘rot, braun’. 
— vgl. bjórr 3, bjgrn 1 und brunkr. 

— 2 adj. 'glánzend, poliert’ aber auch 
‘scharf’; obgleich oft mit brúnn 1 
gleichgestellt, ist es doch wohl ein 
verschiedenes wort (I. Dal, NTS 9, 
1938, 219-30 und Krogmann, ZfdPh 67, 
1942,1-10) mitderbed. ‘mit einer schar- 
fen schneide versehen’. — vgi. brún 2 
und brýna. 

— 3 in léttbrúnn ‘die brauen emporzie- 
hend, vergnúgt', hvitbrúnn ‘mit weissen 
brauen’. — vgl. brún 1 und brýnn 2. 

brunnr m. ‘quell, brunnen’ ( brunnr ist 
analog. ausgleichsform statt bruðr); 
nisl. fár. brunnur, nnorw. brunn, brynn, 
nschw. brunn, ndá. brend. — > lp. N. 
rudne (Qvigstad 272). — got. brunna, 
ae. brunna, burna, afr. burna, as. ahd. 
brunno. — kelt *borna in ON (Dauzat, 
La Toponymie fran^. 125-7) • wechsel r: 
n stámme beweisen; gr. ippéap, cppijap 
'brunnen’, lit. briiutis, arm. albiwr 
(beide < *bhrlwf) ‘sich vordrángen’, 


russ. brujá 'strömung'. — Gehört 
wohl zur selben wzl. wie brenna 1 
(IEW 144), und bed. eig. ‘der sprudeln- 
de’, vgl. auch brynna. 
brúsi m. ‘ziegenbock’ auch BN., vgl. 
nnorw. dial. brus(e) ‘haarbúschel, wach- 
older’, und mit A-suffix brusk ‘búschel, 
gestrúpp’, nisl. bruskur, bruski 'búschel, 
besen’; daneben fár. brúsa, nschw. 
brúsa ‘vorwártsstúrmen, brausen’, ndá. 
bruse ‘brausen, scháumen’, weiter ostfr. 
mnd. mhd. brúsen, nnl. bruisen ‘brau- 
sen’ (IEW 171-2)- Dann bedeutet 
brúsi also ‘der dahinstúrmende’, was 
auch gut zu dem gebrauch als BN 
stimmt. Persson UUÁ 1891, 164 sucht 
weiter an gr. (ppuáoaopai ‘sich unge- 
duldig, wild gebárden' anzuknúpfen 
(unter hinweis auf brdðr und brimi), 
oder aber zu lit. bruzgú, bruzgéti 
‘brausen, klappem', bruzga 'rauschen’. 
brutt vgl. brott. 

brý n. ? ‘troll’ (poet.). Vielleicht zur idg. 
wzl. 'bhreu 'schweÚen’, die mit s-erw. 
im germ.gutbelegtist (vgl. brjóst). — 
vgl. auch brýja. 

Kaum anzunehmen Jóhannesson 
Wb 620 zu brenna 1. 
brydda schw. V. 'mit spitzen versehen, 
stechen, plagen’, nisl. norw. brydda; 
vgi. fár. bredda 'hervorragen’. — ae. 
bryrdan ‘anstacheln, ermutigen’. — 
Dazu noch bryddlng f. ‘rand einer 
haut' (norw. DN). — vgl. broddr. 
bryðja 1 f. gefáss aus einem ausgehöhlten 
baumstamm’ (erst i2.Jht), nisl. bryðja 
‘schwergebautes, grobes weib’, norw. 
brydja 'ausgehöhltesgefáss’; vgl. nschw. 
dial. bryja, bröja 'loch im boden fúr 
das wasser der weidenden tiere'. — 
Gehört vielleicht zu broð (Torp 46). 
— 2 f. Tiesin’, vgl. nisl. bryðja ‘zermal- 
men’, brnðla ‘verschwenden’ neben 
gleichbedeutend brutla, nnorw. dial. 
brutla ‘sich abmúhen, lármen’, fár. brutla 
‘etwas eilig and schlecht machen’. 
nschw. dial. brdttla ‘lármen’. Also zu 
brjóta. — Die nisl. bed. 'grobes weib’ 
fúr brytja 1 stimmt aber auchgutfúr 
eine riesin; in diesem fall sind also nicht 
zwei verschiedene wörter anzusetzen. 
bryggja f. ‘brúcke; hafendamm, lan- 
dungsplatz’ (< urgerm. *brugjðn), 
nisl. fár. norw. bryggja, nschw. brygga, 
ndá. brygge. — > shetl. brigg; > me. 
brig(ge), ne. dial. brig(g) (Thorson 22); 
> lpN. bruggo (Thomsen 2, 207). — 
ae. brycg (ne. bridge), afr. bregge, 
brigge, as. bruggia, mnd. brúgge, mnl. 
brugge, brigge, bregge, ahd. brucca 
vgl. auch nhd. bayr. bruck ‘bretter- 
bank am ofen’, schweiz. brugi ‘heu- 
boden, bretterfussboden'. — zu einer 



brýja 


62 


brQlta 


idg. wzl. *bhruwi, vgl. asl. brúvúno 
‘balken', gall. briva (< *bhréwa) 
‘briicke’. — vgl. brú. 

brýja f. ‘riesin’ (poet.). — vgl. brý. 

bryllaupf. ‘hochzeit'.—vgl. brúðhíaup. 

bryna schw. V. ‘schnell fahren’. — vgl. 
bruna. 

brýna schw. V. ‘wetzen, anstacheln; 
ans land ziehen’, nisl. far. brýna, 
nnorw. schw. bryna, ndá. dial. bryne. — 
vgl. brún 2 und brúnn 2. 

brýnl n. ‘wetzstein; wiirze’, nisl. fár. 
brýni, nschw. dá. bryne. — > lpN. 
ruvvna, rúna ‘wetzstein’ (Qvigstad 279). 
— vgl. brún 2. 

brynja f. ‘briinne’, nisl. fár. norw. brynja, 
aschw. btynia, brönia, ádá. brynje. — 
> ae. brynige, me. brynie, brinie 
(Björkman 183); > asl. brúnja ‘eisen- 
panzer’, vgl. auch pr. brunyos und lett. 
bruúas (s. Stender-Petersen 224-6). — 
got. brunjo, ae. byrne, as. brunnia, 
ahd. brunja, brunna, ‘briinne’. 

Gewöhnlich als lehnwort aus dem 
Gall. erklárt, unter hinweis auf 
ir. bruinne (< *brusnios) ‘brust' 
(vgl. brjóst), so schon Stokes, 
Urkelt. sprachschatz 184; nicht 
wahrscheinlich, weil kein gallisches 
wort dieser art iiberliefert ist und 
panzer in so friiher zeit bei den 
Germanen nicht bekannt waren. 
Als germ. erbwort aber dunkel 
(Wiedemann PBB 27, 1902, 235 
verbindet unrichtig mit alb. briné 
'umschliessen’, (m)brin ‘gurtel’) 
Ebensowenig uberzeugend ist 
Wood, MLN 13, 1898, 82, der es 
zur idg. wzl. *bher stellt und eine 
bed. ‘etwas das getragen werden 
muss’ annimmt oder Szadrowsky, 
GRM 31, 1943, 273 als abl. von 
brú n, also eig. ‘die glánzende’. — 
Das wort wurde auch in PN 
verwendetwie Brýnj ólfr, Bryn- 
hildr, vgl. wgot. Brunichilde, fránk. 
Brunihelm, langob. Brunipert 
(Naumann 29). 

brynkolla f. ‘kapuze unter dem helm’, 
wohl lehniibertragung aus mhd. herse- 
nier (zu mnl. hersenier zu hersene 
'gehim') s. Falk NVA 1914 Nr 6, 169. 

brýnn 1 adj. ‘in dieaugen fallend’, nisl. 
brýnn. — vgl. brún 2. 

— 2 in littbrýnn ‘die brauen emporzie- 
hend, vergnugt’. — vgl. brún 1 und 
brúnn 3. 

brynna schw. V. 'das vieh zur tránke 
fiihren’, nisl. fár. nnorw. brynna-, vgl. 
shetl. brinn. — nnd. börnen. — vgl. 
brunnr. 

brynþvari m. 'speer’, auch ‘schwert’; 
eig. ‘speer an dessen blatt eine vier- 


kantige spitze geschmiedet ist’, buch- 
stáblich: ‘panzerquirl’ (Kahle IF 14, 
1903, 204). — vgl. brynja und þvari. 
brýsti n. ‘brust’ (< um *breustja-) — 
vgl. brjóst. — Auch brýsti i. in harð- 
brýsti ‘hartherzigkeit’ zu harðbrýstr 
‘hartherzig’. 

bryti m. 'hausvogt, verwalter’ (< germ. 
*brutjan), nisl. aschw, bryti, ádá brydje 
‘hofvenvalter, pachtbauer’ (vgl. run. 
dá. bruti Randboi c. 965, Jakobsen- 
Moltke Nr 40). — > finn. ruttio, ruttia 
‘verwalter, sklave’ (Karsten GFL 127- 
8; Setálá FUF 12, 1912, 276-9). — 
ae. brytta ‘austeiler, fiirst’. — brytja 
schw. V. ‘in stucke schneiden, zertei- 
len’, nisl. fár. norw. brytja. — > orkn. 
brudge (Marwick 23), shetl. britj (Jakob- 
sen 72). — ae. bryttian ‘verteilen, besit- 
zen’. — vgl. brjóta. 
brseða I schw. V. ‘speisen’ — vgl. brið 1. 

— 2 schw. V. ‘eilen’. — vgl. bráðr. 

— 3 schw. V. 'schmelzen, teeren’ (spát. 
belegt). nisl. fár. brceða, nnorw. bresda, 
nschw. dial. brada, brd, ndá. bresde. — 
> orkn. bráithe (Marwick 20), sheti. 
bred, bre ; — ae. brœdan, afr. brlda, 
as. bradan, mnl. braden, ahd. brátan 
‘braten’. — vgl. bráð 3. 

Aus der ableitung *bréþila > 
finn. rie(h)tilá ‘bratpfanne’ (Kar- 
sten Fragen m, Setálá FUF 13, 
1913, 438; iiber die frage ob finn. 
ht germ. þ widergibt s. Collinder 
UL 75-76), olon. riehtil, weps. rehtil, 
wot. rehtilá 'bratpfanne', estn. reht 
'bratrost' (Wiklund MÓ 5, 223). 
bræöi f ‘eile, zorn’, nisl. fár. breéði, aschw. 
bresþe. — > me. breth 'zorn, wut’ 
(Björkman 89). — vgl. bráðr. 
brækir m. BN. Wohl abl. zu nisl. brák 
beschwerliche arbeit', nnorw. bráh 'lárm’' 
(vgl. brakd). Man könnte aber auch an 
anorw. iræA/a'flachsbrechen’ (vgl. brdk) 
anknupfen (F. Jónsson ANO1907, 291). 
brækla f. in zs. hornabreekla ‘brache aus 
hom’; eine -iló- abl. von brák. 
brækta schw. V. ‘meckern (von einer 
ziege)’, nisl. norw. dial. breekta neben 
nnorw. breeka, breekja, fár. breeka, 
nschw. bráka, ndá. breege ‘blöken’, -r- 
vgl. breekir. 

brœðrungr m. ‘vetter’ — vgl. bróðir. 
brœklingr m. ‘hosentráger’ (spottname 
fiir Iren). — vgl. brók. 
brqgðóttr adj. ‘schlau’ nisl. brögðóttur. 
— vgl. bragð. 

brqkun f. 'Iárm', vgl. brakan. 
brqltaschw. V. ‘sich wálzen’, nisl. brölta. 
nnorw. brolta ‘sich tummeln, wálzen, 
lármen. — > shetl. brults ‘krachen, 
lármen'. — Zu nisl. bralla ‘possen 
I treiben’, nnorw. bralla ‘lármen, tum- 



br<?nd 


63 


búi 


meln’; vgl. nnl. brallen ‘lármen, prah- 
len’, mhd. brellen ‘lármen’ neben nnl. 
brullen, mhd. briiellen ‘bruUen’. 

brpnd- aJs i. teil von PN. vgl. brandr 2. 

brgstuliga 'öbermutig' — vgl. brasta. 

bú n. ‘wohnung, wohnort; haushalt, vieh, 
leute’, nisl. bú, fár. búgv, nnorw. bu, 
aschw. bu, bo, nschw. adá. bo. — > 
orkn. bow, shetl. bu ‘grösserer bauem- 
hof’; > me. bú 'viehbestand (Björkman 
206); > lpN. buvvi ‘viehbestand’ 

(Qvigstad 121). — ae. as. ahd. bú 
‘wohnung, wirtschaft, bau’. — vgl. 
búa 3. 

búa 1 f. in Zs. ibúa ‘einwohnerin’ — vgl. 
búa 3. 

— 2 f. ‘beifuss, artemisia vulgaris’, vgl. 
auch nisl. grdbúa, nnorw. ( graa)bu, 
nschw. ( grd)bo und hcerbúa ‘nardus 
stricta'. —> orkn. arby ‘armeria mari- 
tima’ (Marwick 5). — In den skand. 
sprachen findet sich daneben nschw. 
dial. grdböna, ndá. dial. bon, graabone, 
weshalb Hesselman NTU 7, 1935, 1-43 
die nur im Frostaþingsgesetz iiber- 
lieferte form hesrbúa als *harbuna 
lesen will; damit ist die von FT 117 
vorgestellte etymologie durch ver- 
kniipfung mit der idg. wzl. *bhú 
'wachsen' hinfáliig geworden. Daneben 
finden wir noch nnorw. bunke, ndá. 
bynke. ‘beifuss’, nschw. dial. bunke 
‘binsenart’. Die grundbed. von buna 
ist also ‘trockener stengel’ (vgl. buna). 
Es bleibt immerhin auffállig, dass auch 
in den heutigen skand. volkssprachen 
sich die form búa durchgesetzt haben 
sollte. 

— 3 st. V. ‘wohnen; bereiten; schmiik- 
ken’, nisl. búa, far. búgva, nnorw. bua, 
bu, aschw. boa, bo, nschw. dá, bo. — 
Das refl. búask ‘sich bereit machen, 
ausriisten’ > me. busken (Björkman 
137); ne. dial. busk ‘kleiden, schmiik- 
ken’ (Flom. Infl. 32). — got. bauan 
(wohl < *böwan 'wohnen'), daneben 
schwundst. ae. búan, búwan, búgan 
’wohnen, bebauen’, afr. búwa bowa, 
bðgia, mnl. bouwen ‘wohnen, das feld 
bestellen’, as. búan, ahd. búan, búwan 
’wohnen’; vgl. daneben ae. bögian, afr. 
bögia, ‘wohnen’. — Gehört zur idg. 
wzl. *bheu-: lat. fui ‘war’, gr. <pú<o 
’zeugen’, ipúopai ‘werden’, ai. bhávati 
’ist, wird’, asl. byti ‘wachsen, sein’, 
lit. búti ‘sein’, air. ro-bói ‘war’ (IEW 
147-150). —vgl. ból, bóndi, bú, búð, 
búöi, búi, búinn, búnaðr, búr, 
bygð, bygg, byggja 2, býr und baer. 

búð f. ‘wohnort, hiitte, zelt’ (mit ú 
statt ð nach búa, denn < umord. 
*böþð ; s. Hellquist 86), nisl. fár. búð, 
nnorw. bud, nschw. ndá. bod. — > 


shetl. bed ; > me. boupe (ne. dial. 
booth aber < ádá. böþ), ne. dial. 
buith ‘bude, laden’ (Flom Infl. 32); 
> lpN. buödda ‘háuschen’ (Qvigstad 
stad 120); > mss. buda ‘hiitte’ (Tamm, 
UUÁ 1882, 5-7). — mnd. böde, 

mnl. boede, bode (nnl. boet ‘scheune’), 
mhd. buode ‘hiitte, zelt’. — mir. both 
‘hiitte’, lit. bútas ‘haus’. — vgl. 
búa 3. 

búði m. ‘feuer’. — viell. aus *ga-búþa 
‘geselle, kamerad’ ? (Holthausen, PBB 
66, 1942, 271). Oder vielmehr zu 
búð und dann 'das zum wohnort ge- 
hörende’. — vgl. búa 3. 

buðkr m. ‘biichse, kástchen’, aschw. 
budhker, nschw. burk, ádá budk ; wohl 
auch fár. bukka ‘holzgefáss’. — > finn. 
putikka ‘tasche’ (KarstenGFL 158). — 
Gewöhnlich als entl. betrachtet < mnd. 
bodik, mhd. botech, ahd. botahha < 
mlat. butica (Höfler, ANF 47, 1931, 
273), aber doch wohl eher die nord- 
germ. form. neben ae. bodig (ne. body), 
ahd. botah ‘körper’, und weiter ver- 
wandt mit boðn und boðungr, vgl. 
auch botn und bytta. 

buðla schw. V. ‘sieben’ (spát. chr. schr.), 
norw. dial. bydla. —- < mnd budelen, 
nnl. buidelen, mhd. biuteln ‘beuteln, 
mehl sichten’. 

Buðli m. Name von Alli’s Vater < ahd. 
Bodilo, Botilo, weiter zu ae. bydel, 
as. budil, mní. bodel, ahd. butil ‘ge- 
richtsbote, biittel’, abl. von bjóða. — 
Davon als patron. bildung buðlungr 
m. (poet.) ‘könig’, vgl. mhd. PN. 
Botelunc. 

buga schw. V. ‘biegen, beugen’ (erst 
Karlam. saja als v.l. belegt), nisl. fár. 
buga, aschw. bugha. Abgeleitet von 
bugr. 

Buggi mBN. ‘tiichtiger mann’, nnorw. 
bugge ‘máchtige person’, wohl affektive 
bildung zu bukkr. 

bugr m. ‘biegung, krummung; haken, 
ring’, nisl. fár. bugur, nnorw. bug. — 
ae. byge, mnd. böge, mnl. boge ‘biegung, 
ecke’. — Dazu bugnlr m. ‘schild’ 
(þula) eig. ‘das gewölbte’. — vgi. 
bjúga. 

bugt f. ‘bucht’, nisl. norw. bugt, nschw. 
bukt, ndá. bugt. — > shetl. bugt ‘auf- 
gerollte fiscnschnur’; > ne. dial. 

bught ‘ecke im stall wo die kiihe ge- 
molken werden’ (Flom. Infi. 31). — 
< mnd. bucht. — vgl. daneben das 
nordgerm. bót 2. 

búl m. ‘bewohner, bauer, nachbar’, nisl. 
búi, fár.. búgvi, nnorw. bue, aschw. boe, 
ndá. nabo ‘nachbar’. — > me. bú 
‘bewohner’ (Björkman 206). — ahd. 
búwo ‘bebauer’. — vgl. búa 3. 


búinn 


64 


búnaðr 


Selten als PN gebraucht (und dar- 
aus wieder ae. Búa), wohl west- 
skand. umbildung des dán-schw. 
namens Bo (s. Janzén, NK 7, 
1947 . 133 )- 

búlnn adj. 'fertig, ausgeriistet', nisl. 
búittn, nnorw. buen. — > me. bún, 
ne. bound (Bjðrkman, SSUF 1900, 
3-4), ne. dial. bown (Flom. Infl. 30). — 
eig. partie zu búa 3. 

bukkr, bokkr m. 'bock’ auch BN., nisl. 
fár. bukkur, nnorw. bokk, bukk, nschw. 
bock, ndá. buk. — > finn. pukki, lpN. 
bukka, bokka (Thomsen 2, 97). — ae. 
bucc ‘dammhirsch’, bucca'z iegenbock’, 
as. buck, mnd. bock, buck, mnl. boc, 
ahd. boc. — av. búza m. ‘ziegenbock’, 
arm. buc 'lamm’, mir. bocc (< *bhugno-) 
Die iibereinstimmung des ir. und germ. 
wortes fiihrt auf eine grundform 
*bhugno- 'gebogen’ (wie ai. bhugná- 
s. Bloomfield, Fschr. Sievers 1925, 93), 
aiso eig. ‘das tier mit den gekrií.mmten 
hörnem’ (also wie dalr ‘bogen’ und 
’hirsch’). Dagegen denkt Meiuet MSL 
15, 1909, 356 an eine hypokoristische 
konsonantdoppelung, wie in lat. vacca 
und vgl. kokkr. In beiden fállen zu 
bjúga, vgl. bokki 1 und Buggi. 

bukl n. ‘schildbuckel’ (nur in Alex. 
saga), nisl. bukl, fár. bukla, nschw. 
buckla, ndá. bugle, bule. — > shetl. 
bjok(ke)l ‘hervorstehendes kniegelenk’ 
(Jakobsen 44). — < mnd. bokele < afr. 
bocle < mlat. buccuia ‘schildbuckel, 
ring’. — buklari m. ‘schild mit 
buckel’ (erst i3.Jht. belegt) < mnd. 
bokeler, mnl. bokelare, btiekelare, mhd. 
buckelcere < frz. bouclier. 

búkr m. ‘bauch, körper’, nisl. fár. búkur, 
nnorw. schw. buk, ndá. bug. — > orkn. 
book, shetl. buk ; > ne. dial. bowk. — 
ae. búc, afr. búk, mnd. búk, mnl. buuc, 
buyc, ahd. búh. 

Osthofi BB 29, 1905, 255 glaubt 
ae. búc ‘eimer’ (ne. bucket) ver- 
gieichen zu diirfen. Ob das wort 
zur sippe von bjúga gehört, ist 
unsicher (WP 2, 146); die ver- 
gleichung mit lett. baugas 'ein- 
geweide’ (Holthausen 29) fiihrt 
nicht weiter. Wohl guttural-erw. 
zu der idg. wzl. *bheu ‘schwellen’; 
vgl. býfa. 

bukran n. 'zeug aus leinen oder baum- 
wolle’ < mnd. bukram vgl. mhd. bucke- 
ram, ne. buckram, ixz. bougran, bouc- 
queran < mlat. bucaranum ‘zeug aus 
Bokhara’. 

bula schw. V. ‘quer abhauen’. — vgl. 
bolr. 

búlda f. 'axt’ (þula), nisl. búlda 'kleine 
axt’; auch ‘dickköpfigesschaf’, búldinn 


‘mit runden wangen’. Also nach der 
form benannt, vgl. beyla 1. Das ver- 
háltnis zu bíldr ist schwer zu be- 
stimmen. Verwandtsehaft mit der sippe 
von bali (Jóhannesson Wb. 628) 
kaum anzunehmen. 

bulki m. ‘schifislast; gepáck auf dem 
verdeck’, nisl. búlki, nnorw. bulk, bolk 
‘schifislast', nschw. bulk ‘knoten’, ndá. 
bulk ‘schifislast, klumpen'. — > me. 
bolke ‘haufe' (Björkman 231), ne. dial. 
bouk, book (s. Koch. ZfdPh 4, 1873, 
141); > shetl. bolk, bolki ‘bundel', 
bulk ‘knoten, stiick’ (Jakobsen 58 und 
81). — vgl. bolr. 

búlla f. ‘bulle’ (erst 14.JM. belegt), nisl. 
búlla, nnorw. schw. bulla, ndá. bulle. — 

< mnd. bulle oder unmittelbar < lat. 
bulla 'siegel’. 

bulll m. BN. vgl. nnorw. bulle ‘beule’ und 
vgl. beyta 1. 

bullibak n. BN. wohl < nd. bullerbah 
‘jáhzomiger, polternden mensch’, nnl. 
bullebak ‘báxbeisser, grobian’. 

bulmingr, bylmlngr m. ‘in der asche 
gebackenes brot, panis subcinericins' 
(nur Heil. m saga), wohl zu bolmr und 
also eig. ‘durch hefe aufgegangenes 
brot’ ? 

bulr m. ‘stamm, rumpf’, vgl. bolr. 

bulsi mPN. eig. ‘klotzige person'; nnorw. 
buls m. ‘klumpen’, s-abl. zu bolr. 

bulstr m. ‘kissen’, vgl. bolstr. 

bumba f. ‘trommel’ (erst i3-Jht. belegt), 
nisl. fár. nnorw. bumba, ádá. bomme, 
bambe trommel’, ndá. bomnte ‘trommel, 
esskorb’. — > shetl. bommi ‘holzgefáss, 
kleines butterfass’. — ostfr. bumme 
‘grosses blechgefáss’, mnl. bommekyn 
‘kleines gefáss’.aber bommer ‘trommler’, 
ánl. bom ‘trommel’ (E. Lidén, GHA 40, 
1934, Nr 3, 56-8). — Ein onomatopoe^ 
tisches wort wie íat. bombus ‘brummen’ 

< gr. þépþo? ‘dumpfer laut’; vgl. 

‘flöte’ eig. ‘der niedrigste ton der 
flöte’, asl. bqbinú ‘pauke, handtrom- 
mel’, lit. bambiti ‘in den bart brummen’, 
bimbalas, bimbilas ‘bremse’, lett. bam- 
bals, bambuls ‘káfer’, alb. bumbulit ‘es 
donnert’ (IEW 93-4)- — Dazu Bum- 
burr ‘name eines zwerges’ (Qould, 
PMLA 44, 1929. 943)- — vgl. bimíult 
und Bqmburr. 

buna f. BN., nisl. buna ‘knochen einM 
ochsen’, nnorw. buna ‘knochen, röhre , 
aschw. bunulagger ‘vorderbug emes 
tieres’, ndá. bonneben ‘schienbem ein« 
schlachttieres’. — > shetl. bonek 

‘grosser knochen’. — vgl. nnorw. dial. 
byne ‘bretter eines blasebalgs’, nnd. 
böne, nhd. búhne (s. Hesselman NTU 7, 
x 935. i-43). — v gl- búa 2 und bunki. 

búnaðr m. ‘kleidung, ausriistung; haus- 




bundin 


65 


burt 


halt; gerat, lebensweise’, nisl. fár. 
búnaður, nnorw. bunad, nschw. bonad 

— > orkn. boona 'pferdezeug'. — 
vgl. búa 3. 

bundin n. 'garbe, biindel’, fár. bundi, 
nnorw. bunde, aschw. bundin, bundan, 
bundon (vgl. nisl. bindini). — > air. 
pundand ‘garbe’ (A. Bugge, Fschr. 
R. Meyer 1912, 303). — Part. prát. zu 
binda. 

bunga f. ‘klumpen’, auch ‘wölbung’ 
(F. Jónsson NB 20, 1932, 33). — mnd. 
bunge ‘trommel’, mnl. bonge ‘trommel’, 
ahd. bungo ‘knolie'. — bungi mBN, 
nnorw. bunge ‘beule, geschwiilst’, bung- 
si, bunksi ‘grobe person’. — > shetl. 
bungi ‘beule, klumpen’. — vgl. bingr 
und bunki. 

bunki m. 'schiffslast' (eig. der bretter- 
verschlag auf dem die ladung des schif- 
fes ruht); nisl. fár. bunki, nnorw. schw. 
bunke ‘schiffslast’, ndá. bunke ‘haufe’. 

— > shetl. bunks, bonks 'kleiderhaufe' 

(Jakobsen 83); > lpS. buijijge ‘schiff 
mit bugspriet’ (Qvigstad 119); > 

mnd. bonik, bonk ‘ladung, laderaum' 
(Hesselman NTU 7, 1935, 26; wie- 
wohl friiher das umgekehrte verháltnis 
angenommen wurde). — afr. bunka, 
mnl. bonke ‘knochen’, nnl. bonk ‘klum- 
pen’. — vgl. bingr und buna. 

bur n. ‘kammer, stube, vorratshaus’, 
nisl. fár. búr, nnorw. schw. dá. bur. — 
> norm. bur ‘lándliche behausung’ 
(Gamillscheg 160); > lpN. buv’re, 
búrre ‘vorratshaus’ (Wiklund SUSA ro, 
1892, 149); > air. púr ‘gemach’? 
(A. Bugge, Fschr. K. Meyer 296); 

— ae. búr ‘hiitte, zimmer’, as. búr 
‘haus, kammer’, ahd. búr 'haus’, mhd. 
bur ‘bauer’. — Idg. verwandten nur im 
illyr, vgl. Paupía und ftóptov ‘haus’ 
(s. Krahe, Sprache und Vorzeit s. 104). 

Das wort fiir ‘bauer’ ist nur iiber- 
liefert in run. schw. -bðrumR 
dpl. (Stentofta c. 620, Krause 
Nr. 51); vgl. nnl. boer ‘bauer’ und 
ae. neahgebúr, ahd. náhgibúr 
'nachbar’. — vgl. búa 3. 

burdeigja, burdia schw. V. ‘kunst- 
spriinge machen’ (13 Jht. bezeugt) 
< mnd. bordlren ‘im tumier springen’ 
vgl. mnl. boerderen, borderen ‘tumier 
halten’. — vgl. burt 1. 

burðr m. ‘biirde; geburt, nachkomme’, 
nisl. fár. burður, nnorw. dial. burd; 
daneben nschw. börd, ndá. byrd (< 
*burþi-). — > orkn. burd ‘junges von 
vögeln oder seehunden’ (Marwick 25), 
shetl. bort ‘gewisser abstand' (Jakobsen 
64); > me. burþe, byrþe (ne. birth) 
‘geburt’ (Björkman 162), vgl. ne. dial. 
buirdly ‘wohlgebaut, von gutem aus- 


sehen’ (Thorson 56). — got. gabaurþs 
'geburt, geschlecht’, ae. gebyrd, afr. 
berth, berd, as. giburd, mnl. geboorte, 
ahd. 'giburt’. — ai. bhrti- ‘das tragen’, 
air. breth, breith, (< *bhrtd) ‘tragen, 
gebáren, geburt’. — vgl. bera 3, byrð 
und byrðr. 

burgei8 m. ‘biirger’ (spát. iiberl.) < me. 
burgeis < aír. bourgeois < mlat. 
burgensis. 

Burgundarhólmr vgl. Borgundarhólmr. 

Buri m. myth. PN ‘vater von Borr’, 
cig. wohl ‘erzeuger’ und dann zu 
oera 3. Falls aber Búri zu lesen wáre, 
gehört es zu búa 3 (F. R. Schröder, 
GRM 19, 1931, 89), oder zu nnorw. 
dial. bura ‘briillen’ (Jóhannesson Wb 
633). 

búri m. 'biirger einer handelsstadt’, wohl 
< mnd. búre 'bauer’. 

burkn m. n. ‘farakraut’, nisl. burkni, 
nnorw. burkne; vgl. nschw. bráken, 
ndá. bregne. — ne. brake ‘famkraut’; 
vielleicht germ. lat. Burcana ‘die 
insel Borkum’ (Gutenbrunner, Fschr. 
Hirt 2, 455). 

Unsicher ob hier zusammenhang 
besteht mit pflanzennamen, wie 
gotl. frákná ‘pteris aquilina’, ndá. 
diaL fregne ‘aspidium’, die zu 
der sippe von freknóttr gerechnet 
werden diirfen. Eher noch zu 
denken an verwandtschaft mit 
nnorw. brake ‘juniperus’, nschw. 
dial. brakar ‘gebiisch’, ostfr. br&k 
‘gebiisch’, mnd. brake ‘zweig’, die 
wohl zu braka gehören; also eig. 

‘was im feuer knistert’. 

burlufótr m. BN, vgl. nnorw. burla 

‘lármend oder stolpemd gehen’. — 
vgl. bysja. 

burr m. 'sohn’, auch myth. PN ‘vater 
von Odin' (auch Borr). — germ. lat. 
Buri ‘name eines stammes’ (Schönfeld 
58); got. baur ‘der geborene', ae. byre 
‘sohn’. — vgl. bera 3. 

burat f. ‘borste; dachriicken', nisl. burst, 
fár. nnorw. bust, nschw. borst, ndá. 

borst. — > finn. pursto, pyrstö 

‘vogelschwanz, schwanzflosse' (Tunkelo 
JSFOu 30, 33-36; aber fraglich nach 
Kalima FUF 20, 1929, 135); > lpN. 
bussto ‘schweinsborsten’ (Qvigstad 121). 
— ae. byrst f., as. bursta 1 ., ahd. burst, 
borst mn; vgl. mnl. borstel. — ai. bhfsti 
f. ‘zacke, spitze, ecke’; ft-Erw. zur 
idg. wzl. *bhfs, *bhors; vgl. barr 1, 
bust und byrsta. 

burt 1 n. ‘ritterspiel, tumier’, auch 
burtreið f. (13 Jht. "bezeugt) < afrz. 
bohort, behort (Fischer 83). — vgl. 
burdeigja. 

— 2 adv. ‘fort. weg’, vgl. brott. 


5 



Bdseyra 


66 


Búseyra f. name einer riesin, wohl ‘mit 
den grossen ohren’, vgl. busilhinna\ 
oder bú-seyra ‘die das hausgesinde 
hungern lásst', dann vgl. bú und 
seyra. 

busi m. ‘feuer’ (þula), var. zu buði; eig. 
‘das angeschwollene’, vgl. norw. bus 
‘heftiger sturm’, nschw. dial. busa, ndá 
buse ‘hart wehen’, shetl. bus ‘erregtes 
meer’; vgl. ostfr. búsen ‘lármen, stur- 
men’. — vgl. beysti, Beysingr, 
busl, búss 2 und bysja. — Dazubusil- 
kinna í. ‘frau mit pausbacken’ (i4.Jht. 
bezeugt). 

buskr m.BN.; nnorw. dá. busk 'ge- 
striipp’, neben nisl. buski, nschw. buske. 
— > shetl. busk ‘klumpen, knáuel’; > 
me. busTt(e), bosk(e), ne. dial. busk 
‘gestrupp' (Thorson 22). — me. busch(e), 
bush (ne. bush), mnd. mnl. bosch, busch, 
ahd. as. busc ‘busch'. — Möglich ist 
entlehnung < mlat. boscus 'der fiir das 
holzsammeln freigegebene wald’, das 
aber umgekehrt als urspr. germ. wort 
betrachtet wird. Aber vielleicht gehört 
es zu der in beysti vorliegenden wzl. —• 
Davon abgeleitet Buski m. ‘hunde- 
name', wohl ‘der mit dem steifen haar’. 
busl n. ‘fleiss, eifer’, nisl. busl 'unord- 
nung, lárm’. — vgl. beysti und busi. 
— Daneben f. PN. Busla, nisl. busla 
‘schlampe'. 

búss 1 m. 'baumart’ (þula), wohl < 
*nnd. buss- (bðm), mnl. busboom, und 
dieses < lat. buxus (Fischer 93); vgl. 
auch Zs. reggbúss m. ‘mann’ (skald), 
eig. ‘schiffsmast’. 

— 2 m. in Zss. hvatabúss 'schnelles vor- 
wártsstiirmen’. — vgl. busi. 
bússa f. vgl. búza. 
bussel n. ‘fass’, vgl. buzel. 
bust f. ‘íischart’ (þula), ws. die 'perca 
fluviatilis’ (Nordgaard MM 1912, 56); 
wohl aus burst entstanden. 
bústr m. in kilbústr ‘kohlstrunk', vgl. 
nisl. bústinn ’dick’, nnorw. bust m. 
‘stumpf, abgeschnittenes stiick’ ; — 
vgl. busi und beysti. 
bútr m. ’abgehauener klotz’, auch BN, 
nisl. bútur, nnorw. butt, nschw. but 
'klotz, klumpen’. — ae. buttuc ‘ende, 
kleines landstiick', nnd. butt 'stumpf’, 
mnl. botte i. ‘knospe, strohbiischel’, mhd. 
butze ‘stiickchen’, vgl. afr. buttie, 
nnl. botje ‘batzen’. — vgl. bauta und 
bytta. — Dazu denom. schw. V. 
buta ‘in kleine stiicke hauen’ und den 
PN Butraldl (> air. Putraíl s. Mar- 
strander NVA 1915 Nr. 5, 53). — Zs. 
von butr und valdi. 
búza, bússa f. ‘handelsschiff’ (erst 
13-Jht. belegt), nisl. bússa, fár. bussa, 
nnorw. bysa. — > ae. biitse(carl) 'see- 


mann, schiffer’ (Serjeantsson 72). — 

< mnd. bútze, búse, vgl. mnl. búse 
'kleines schiff zum heringfang' < mlat. 
buza, bucia, auch bucius, bussus ‘ruder- 
und segelschifl, zum transport ver- 
wendetes segelschiff’ (s. Höfler ANF 48, 
1932, 221). 

buzar 'art getránk’ (nur Karlamagn. s.) 

< russ. buzá ‘diinnbier’. 

buzel, bussel n. ‘fass’ (i3.Jht. belegt) < 
mlat. bussellus, wohl iiber afrz. 

bý n. 'biene' (anaJog. statt *bí < *biwa, 
s. Noreen Gramm. § 77, 6), nnorw. 
bia, aschw. bi, by, nschw. dá. bi. — ae. 
bio, as. bi, bini, ahd. bia, bini, mnl. bie, 
nní. bij. — lit. bitis, air bech (IEW. n6). 
— vgl. Bjólfr. 

býfa f. ‘grosser, klumpiger fuss’, nisl. 
býfa, bífa; vgl. nnorw. dial. búve, búva 
‘dicker, klotziger mensch', und nschw. 
dial. bobba ‘geschwiilst, finne, insekt’, 
bubba ‘laus’. — mnd. bubbeln blasen 
aufwerfen', bubbele, mnl. bubbel, bobbel 
‘wasserblase’. — lit. bubsú, bubstti 
‘blasen aufwerfen’, vgl. gr. f 3 ou{Stiv 
‘driisen in der schamgegend' (s. Persson 
SHVS 10, 1912, 250-3 und Wood. 
MPh n, 1914, 323). 

Gehört zur idg. wzl. *bhu, *bheu 

‘schwellen’, davon; 

dent. erw. vgl. boði 2. 

gutt. erw. vgl. búkr. 

l-e rw. vgl. beyla. 

s-erw. vgl. beysti, bysja.boddi. 

Neben *bhu steht auch die wzl 

*bu, davon; 

dent. erw. vgl. púta, pyttr. 
gutt. erw. vgl. poki, puki, pungr. 
s-erw. vgl. posi, púss, pústr. 

bygð f. ‘wohnsitz, besiedelung', nisl. 
byg(g)ð, fár. nnorw. schw. bygd. — 
vgl. byggja 2. 

bygg n. ‘gerste, getreide’ (< germ. 
•bewwu), nisl. fár. norw. bygg, nschw. 
bjugg, dial. bju, bygg, bdgg, ndá. byg. — 
> shetl. bigg(in); > me. big. ne. dial. 
bigg (Björkman 32); > lpN bivgge 
(Thomsen 2, 207). — ae. biow ‘getreide, 
gerste’, ae. beo 'gerste’, beowod ‘ernte’, 
afr. be 'gerste’. — Das verháltnis zu 
búa 3 ist durchaus fragwiirdig, etwa 
‘angebautes’ ? — vgl. bjórr 1 und 
Bvggvir 2. 

Die friihere meinung, der finn. 
göttername (Pellon-) Pekko sei 
als ‘gerstengott’ zu deuten und 
pekko sei aus skand. bygg ent- 
lehnt (Karsten GFL 9, Setálá 
FUF 13, 1913, 424). wurde schon 
von Wiklund IF 38, 1917. to6-j 
bezweifelt, der Pekko (mit zahl- 
reichen nebenformen) als kurz- 
name von St. Petrus auffasste. 



byggja 


67 


byrðr 


vgl. auch G. Dumézil, La nouvelle 
Clio 3, 1952, 18-30. 

byggja I schw. V. ‘heiraten’ (eig. kau- 
fen); ausleihen, verpachten; nisl. norw. 
byggja, aschw. bygg\j)a ‘leihen, mieten’. 
— got. bugjan, ae. bycgan, as. buggian, 
'kaufen’. — unsichere etymologie; 
vielfach zu beygja und bjúga ge- 
stellt (s. Feist, Got. Wb. mb); vgl. 
auch Qtnbun. 

_2 oder byggva wohnen, besiedeln; 

bauen’ (< gcrm. *bewwian oder *buw- 
wian), nisl. fár. norw. schw. byggja, 
nschw. bygga, ndá. bygge. — > shetl. 
bigg', > me. biggen, ne. dial. big ‘bauen, 
bewohnen’ (Björkman 32); > IpN. 
biggit ‘bauen’ (Qvigstad 107). — ae. 
byan ‘bewohnen, bauen’. Wiewohl 
das ablautsverháltnis dunkel bleibt, 
am ehesten zu búa 3 zu stellen (IEW 
149); vgl. bygð und byggvir 1. 

byggvir 1 m. ‘einwohner, bewohner’, 
vgl. byggja 2. 

— 2 myth. Name fiir Freys diener, wohl 
‘dámon der gerste’ (M. Olsen NVA 1915, 
ioóff). — vgl. bygg. 

bygill m. ‘biigel’ (< germ. *bugila), 
nnorw. schw. bygel; vgl. mnd. bögel, 
mnl. bogel, nnl. beugel, nhd. bitgel; 
daneben aus abl. *baugila, nnorw. dial. 
beygjel, aschw. böghil, ádá begel, ndá. 
beile. — vgl. bjúga. 

Byleistr auch Byleiptr, Byleiftr ‘Bruder 
Lokis’. Wáhrend Wadstein ANF 11, 
1895, 77 B-ýleistr fiir die richtige lesung 
erklárt, nimmt S. Bugge KZ 22, 1874, 
436 fiir beide als grundform *Býleifstr 
an. 

Die erklárung ist unsicher. Am 
meisten beliebt ist die verbindung 
mit dem worte bylr, entweder 
byl-leyslr ‘sturmlöser’ (Weinhold 
ZfdA 7, 1849, 9) oder bylleiptr 
‘der im sturm blitzende’ (A. Olrik, 
Fschr. Feilberg 1911, 565) oder 
byl-heiftr (vgl. mhd. heifte ‘hef- 
tig’) oder byl-heistr (vgl. ahd. 
heisti, ae. heeste 'heftig’). Neben 
dieser erklárung von S. Bugge 
(Fornkv. 9), die nicht befriedigt, 
steht eine andere aus *byn-leiptr, 
etwa 'donnerblitz’ (A. Kock, IF 
10, 1899, 100). Verbindung des 
z.teiles mit leiptr liegt auf der 
hand. 

byigja f. 'welle’, nisl. fár. norw. bylgja, 
nschw. bölja, ndá. belge. — > ne. 
billow (Björkman 204). — mnd. bulge 
'anschwellende welle; schlauch’, mnl. 
bulge ‘blase, geschwulst’, mhd. bulge 
‘sturmwelle; ledersack’. — vgl. belgr. 

■býU n. vgl. hýbýli ‘hauswesen’, tvibýli 
‘eine fiir zwei personen bestimmte 


wohnung’. — vgl. ból und bceli. 
býlifi n. ‘wohUeben’, vgl. bilifi. 
bylja schw. V. ‘dröhnen, widerhallen’ 
(nur Alex. s.), nisl. norw. bylja, nschw. 
dial. bölja; vgl. mnl. bullen ’rasen, 
toben’, mhd. búllen ‘bellen, briiHen’; 
abgeleitet von bylr. 
bylmingr vgl. bulmingr. 
bylr m. ‘windstoss, sturm’ (gen. byljar 
und byls weist nach v. Friesen. Fschr. 
Lidén 1912, 237 auf grundform *bulju), 
nisl. fár. bylur, nnorw. byl. — > shetl. 
bolja-, bollasog ‘plötzUcher regen- 
schauer’. — vgl. belja und bylja. 
-byndi n. vgl. handbyndi ‘handfessel’. — 
got. gabundi i. mhd. gebiinde ‘band’ 
— vgl. binda. 

býr m. ‘hof’ (< germ. *búwi-), nisl. 
býr, fár. býur, býggjur, nnorw. by 
‘hof, stadt’, nschw. by ‘dorf’, ndá. 
by ‘stadt’. — > manx -by in ON 
(Marstrander NTS 6, 1932, 270); 

> norm. -bu, -bue, -beuf in ON (Jakob- 
sen DSt 1911, 75); > ae. -by, me -bi 
in ON eig. ‘háusergruppe’ (Björkman 
202 wohl aus ostskand.). — ae. bý 
n.pl. ‘wohnung’, ahd. mhd. bú m. n. 
‘bestellung des ackers, wohnung’. — 
lit. búvis ‘aufenthaltsort’, vgl. auch 
illyr. (Júpiov (Krahe IF 47, 1929# 326). 
vgl. búa und boer (eig. bed.; boden 
der zubereitet ist um in gebrauch 
genommen zu werden, v. Friesen 
NB 18, 1930, 91). 

byrö f. ‘geburt; geschlecht; stand’ 
(< germ. *burþi), aschw. byrp, biurdh 
‘biirde, geburt’. — as. \kuni-)burd 
‘herkunft’, mhd. giburt, got. gabaurps 
‘geburt’. — vgl. burðr. 
byröa 1 f. ‘getreidekasten’, nisl. byrða, 
nnorw. byrda. — vgl. borð 2. 

— 2 schw. V. ‘sticken, weben’ (nur Gdr 
II, 15, deshalb nach W. Mohr ZfdA 75, 
!938, 236 wohl aus wgerm); vgl. as. 
burdian, ae. byrdan. —vgl. borði 1. 
byrði n. ‘schiffsbord, bretterreihe in der 
schiffswand’. — vgl. borð I. 
byrðingr m. ‘frachtschiff’ (erst 14.JM.), 
nisl. byrðingur, nnorw. byrding, aschw. 
byrpinger, adá. byrthing. — > shetl. 
birdin ‘kiel eines bootes’; > schott. 
birlinn (Henderson 138); > manx 
burling ‘schiffsart’ (Marstrander NTS 6, 
1932, 49); > mir. birling (A. Bugge, 
Fschr. K. Meyer 1912, 292). — mnd. 
bordinc, bordinge ‘kleines fahrzeug’. — 
wohl. eig. ‘schiff mit aufeinander- 
gesetzten seitenplanken’ (Falk WS 4, 
1912, 111-2); vgl. tribyrðingr ‘schUd 
(aus zwei bretterreihen)’. —vgl. borð 1 
und byrði. 

byrðr f. ‘biirde, last’, nnorw. byrd, ber; 
vgl. nisl. fár. byrði, nschw. börda, ndá. 



Byrfill 


68 


bytta 


byrde. — > orkn. byrth ‘schiffslast’. 
shetl. birdek ‘biirde'. — got. baurpei, 
afr. berde, mnd. borde, ahd. biirdl 
‘biirde, last’; daneben mit suff. er- 
weitert ae. byröen ‘last’, as. burðinnia 
‘biindel’, mnd. börde(ne) ‘last’. — vgl. 
bera 3 und burðr. 

Byrfill vgl. Byrvill. 

byrgi n. ‘umhegter platz, burg, schanze’ 
(< germ. *gaburgja), nisl. fár. byrgi, 
nnorw. in ON byrge. — ae. eorðbyrg 
‘erdwerk, ufer, hiigel’. — vgl. borg. 

byrgja 1 schw. V. ‘einschliessen; hin- 
dem, verweigern; sammeln; abschlies- 
sen’, nisl. fár. byrgja. — ae. byrgan (ne. 
bury) ‘verbergen, begraben’, ahd. bor- 
gén ‘verbergen, schonen’, as. burgisli 
‘grab’. — vgl. bjarga und borg 1. 

— 2 in Zs. ábyrgja ‘verantwortlich 
machen’, byrgask 'sich verbiirgen’. — 
ae. onbyrgan, mnd. börgen, mhd. burgen 
‘biirgen’. — Dazu byrgð f. ‘verant- 
wortung’. — vgl. borga. 

byrja 1 schw. V. 'zu wege bringen, an- 
fangen’, eig. ‘aufheben’ (vgl. auch 
byrjar ‘es ziemt sich’) nisl. fár. norw.. 
byrja, aschw. byria, böria. — ae. 
gebyrian, as. burian 'sorge tragen, sich 
gehören’, giburian 'statt haben', ahd. 
burjan, burren 'erheben’, nnl. beuren 
'aufheben’, gebeuren ‘geschehen’, vgl. 
got. gabaurjaba ‘gern’, gabaurjöþus ‘lust'. 
— vgl. bera 3. 

Die bed. 'gebiihren, geziemen’ 
passt kaum zu bera ‘tragen’; 
J. Trier, Holz 1952, 88 denkt an 
‘was sich im kreis der volks- 
gemeinde gebuhrt’ und stelt es 
also zur idg. wzl. *bher, die in 
berja vorliegt; vgl. auch bragr 1. 

— 2 schw. V. nur byrjar 'es weht ein 
guter fahrwind’, nisl. byrja, vgl. shetl. 
bir(r) ‘zu wehen anfángen'. — vgl. 
byrr. 

byrla schw. V. ‘fiillen, einschenken’, nisl. 
byrla\ ae. byrelian ‘einschenken' — 
Dazu byriari, byrii m. 'schenk’, gie. 
byrele ‘schenk’ und as. ahd. biril 
‘korb’. — vgl. bera 3. 

byrr m. 'giinstiger fahrwind’, nisl. byr, 
fár. byrur, nnorw. byr, nschw. bör, 
ndá. bnr. — > shetl. bir(r), borr ‘wind’; 
> me. búr, bir ‘starker wind’, ne. dial. 
birr ‘kraft, energie' (Björkman 204). — 
ae. byre ‘giinstige gelegenheit’, ostfr. 
bur ‘wind’, mnd. böre-lös ‘ohne fahr- 
wind’. — Gehört 'wohl zu bera 3 
(IEW 131); auch wohl verbunden 
mit lat. furo ‘rase’, ai. bhuráti ‘bewegt 
sich’, asl. burja ‘sturm’, lit. burys 
‘bö’ (Uhlenbeck PBB 30, 1905, 278). — 
vgl. byrja 2. 

byrsta, bysta, schw. V. ‘mit borsten 


versehen, das haus mit dem dach- 
balken versehen’ (erst im I3-Jht. 
bezeugt); nisl. byrsta, nnorw. bysta\ 
vgl. nschw. dial. bystá si, ndá. berste 
sig ‘stolz, hochmiitig sein’. — vgl. 
burst. 

Byrvill m. ‘name eines seekönigs’, vgl. 
nnorw. byrvyle, burvul ‘unverschámter 
mensch’, burva ‘verwegen vorwárts- 
drángen’ (Sigfússon MPh 32, 1934, 128). 

bysja schw. V. ‘mit kraft vorwárts- 
strömen’ (nui HH II, 8), nnorw. bysja 
neben beysa ‘vorwártsstiirmen; vgl. 
nnorw. búsa, nschw. busa, ndá. buse 
‘losstiirzen’; ostfr. búsen ‘brausen, 
tosen, eilen’, mnl. busen, mnd. búsen 
‘zechen’, ánhd. bausen ‘poltem, zechen’. 

— asl. bystrú ‘schnell’, bystrina ‘fluss’. 

— s-Erw. der wzl. *bheu ‘schwellen’, 
vgl. býfa, und beysti, bósi 2, busi. 

byskup vgl. biskup. 

býsn f. ‘wunder’ (< idg. *bhúdhsni-, 
also eig. ‘warnung’), nisl. býsn, nnorw. 
bisn. — > shetl. besni ‘wunderlich 
aussehendes tier’ (Jakobsen 88), schott. 
bysning ‘fremd, wunderbar’ (Flom. 
Infl. 32); > me. biseninge ‘ungliick- 
verheissend’ (Björkman 282), ne bysen 
‘veráchtliches schauspiel’ (? Thorson 
56). — got. anabúsns ‘gebot’, ae. bysen, 
bisn ‘beispiel’, as. pl. ambúsni ‘gebote’. 

— s«t-bildung zu bjóða. — Davon 
abgeleitet býsna ‘vorbedeuten, sich 
als wunder ereignen’, vgl. ae. býsenian. 

býta schw. V. ‘tauschen, wechseín’, nisl. 
fár. býta, nnorw. schw. byta, ndá. bytte. 

— < mnd. búten ‘teilen, beuten’. — 
Dazu býti n. 'gegenseitige schuld- 
forderung’ (erst im 13. Jht. bezeugt), 
fár. býti, nnorw. aschw. byte, ádá bytha 
‘erbteilung’ < mnd. bute. — býting 
f. 'tausch, wechsel’. — býtir m. ‘gewáh- 
rer’ (poet.). 

bytna 1 f. in Zs. flatbytna ‘prahm, boot 
mit flachem boden’, vgl. norw. bytning 
‘gefáss mit boden’, ae. bytning ‘schiffs- 
raum’. — vgl. botn. 

— 2 schw. V. ‘zu boden kommen’, nisl 
bytna 'mit einem boden versehen’, 
nnorw. bytna ‘mit einem deckel be- 
decken. — vgl. botn. 

bytta f. und bytti n ‘kiibel, fass’ (itn 
13 Jht. bezeugt), nisl. íár. nnorw. 
nschw. bytta, ndá. bette. — > orkn. 
butto ‘kiibel’; > lpN. bihttö, behttö 
‘biitte’ (Qvigstad 109). — < ae. bytt 
‘schlauch’ (Fischer 47) oder < mnd. 
butte, mhd. butte ‘fass’ (Höfler ANF 47, 
1931, 286), oder viell. doch urverwandt, 
vgl. noch ahd. biutta ‘trog, bienen- 
korb’, neben ae. byden, as. budan, ahd. 
butin(na) ‘daubengefáss’. 

Einerseits als urspr. germ. wort 



byxa 


69 


bpggr 


betrachtet und zu lat. fútis 
‘wassergeschirr’ gestellt (Lidén, 
Fschr. S. Bugge 1892, 84-85); 
vgl. botn und bútr. — Andrer- 
seits denkt Kluge-Götze 117 an 
alte entl. < lat. butina < gr. 
TTuTÍvr) ‘umflochtene weinflasche’. 
byxa schw. V. ‘hiipfen’ (erst im I4-Jht 
bezeugt), nnorw. byksa ‘hiipfen’. — 

> orkn. bucksan ‘plátschemd durchs 
wasser schreiten'; > shetl. buks, boks 
‘ungeschickt springen oder tauchen’. — 
< mnd. búckezen 'wie ein bock sprin- 
gen’ (Fischer 28). 

bæði npl. 'beide’, auch adv. bœöi . . . 
ok 'sowohl . . . wie’, nisl. fár. bœði, 
nnorw. baade (< germ. *bai-piu); 
ahd. bldiu. — vgl. báðir. 
bægifótr m. BN ‘beschweríich gehend’. 

— vgl. bágr. 

bægja schw. V. 'stossen, fortschaffen, 
bedrángen’ (daneben auch bága) ; nisl. 
norw. bægja. — ahd. bágén und bágan 
‘zanken, hadem’, mhd. bágen. — 
vgl. bágr. 
bæja vgl. beja. 

bæía schw. V. ‘verbrennen’ (auch bála); 

nisl. bœla. — vgl. bál. 
bæra schw. V. ‘wogen’, nisl. norw. 
bcera. — vgl. bára. 

bærr adj. ‘tragfáhig; berechtigt, ge- 
ziemend’ (< germ. *blrja) ; nisl. norw. 
bcer. — ae. -bcere, ahd. -bári, mhd. 
-bcere, mnl. -baer ‘suffix’ und ahd. bári, 
mhd. bcere ‘tragend, hervorbringend’. 

— ai. bhárya- ‘zu tragen’. — vgl. 
bera 3. 

bæsa schw. V. (auch bása) ‘in den stall 
bringen', nisl. fár. norw. bcesa, nschw. 
diai. bása. —vgl. báss. —Dazubæsingr 
m. ‘kind geboren von einer friedlos 
gelegten mutter (Grágás). 
beggvir m. BN. eig. ‘schadenstiftend’. 

— vgl. bQggr. 

bœki nur in Zss. wie: glbœki (poet.), 
‘bierfass, aus buchenholz’ und bceki- 
skógr ‘buchenwald’. — vgl. bók 1. 
bœla schw. V. ‘verpachten’, nisl. bcela 
'vieh ins lager bringen’, fár. böla 'ein 
lager bereiten’, norw. bela, nschw. dial. 
böla ‘ein lager fiir junge tiere ein- 
richten’, vgl. orkn. buil ‘vieh zum 
stail treiben’. — bœli n. ‘wohnung, 
lager; pachtung' (wohl abstrahiert aus 
Zss wie einbceli ‘einsamer hof’, nýbœh 
‘neu besiedelter hof’), nisl. bceli, fár. 
böli, nnorw. dá. bele, nschw. böle; vgl. 
shetl. bali ‘aufenthaltsort von see- 
vögeln’. — ja- abl. von ból. 
bcen f. ‘bitte, gebet’ (daneben auch bón, 
s. Noreen, Gramm, § 392); nisl. bcen, 
bón, fár. norw. dá. ben, nschw. bön. — 

> orkn. bonie (-words) ‘gebet’; > 


shetl. bon-, bonhus 'kirche’; > me. bön 
‘bitte, gebet’, ne. boon ‘frohndienst’ 
(Björkman 205); > IpN bedno ‘gebet’ 
(Qvigstad 104). — ae. bœn, bén ‘bitte’. 

— arm. ban (< *bhá-nis); vgl. lat. 
fácundus ‘beredt’, fári ‘sprechen’, fás, 
fátum 'ausspruch, schicksalsspmch’, 
fáma ‘ruf', gr. tptov-rj ‘rede, stimme’, 
qxúvéca ‘rede, rufe an’, <pi)(ií ‘sage’, 
<pT9(xvj ‘kunde, ruf’, <páai; ‘rede’, páru; 
‘geriicht’, ai. bhánati 'spricht, tönt', 
asl. bajati 'erzáhlen’, basni ‘fabel' 
(IEW 105). -— vgl. banna. — Dazu 
bœna schw. V. ‘beten, bitten’, -bœni 
f. in þráboeni ‘instándiges beten' und 
bœnn in auðbcenn ‘leicht zu erbitten’, 
torbœnn 'schwer zu erbitten’. 

bœr m. 'hof, haus’ (<germ. *böwi-); 
nisl. bcer, fár. bour, nnorw. be, aschw. 
byr, ádá. by. Ober bcer in norw. ON 
s. Olsen NK 5, 1939, 22-4. — vgl. búa 
3. — Zs. bœjarlpg ‘stadtrecht’, nnorw. 
bylog, nschw. byalag ‘dorfgemein- 
schaft’; > ae. byrlaw ‘stadtrecht’ 
(Thorson 22). 

bœta schw. V. ‘biissen; heilen; schenken’, 
nisl. bceta, nnorw. fár. beta, nschw. böta, 
ndá. bede. — > orkn. beet ‘biissen’; > 
lpN. buhttit (< *bðtian) ‘ersetzen, ver- 
gelten’ (Qvigstad 121).—got. gabötjan, 
ae. bcetan, bétan, afr. béta, as. bötian, 
ahd. buozzen. —-■ vgl. bót 1 und bati. 

bcexel n. ‘bug eines tieres, ruckenflosse 
des walfisches' (< germ. *bögisla-), 
nisl. bcexl(i) ‘bmstflosse’, fár. beksl, 
nnorw. begsl ‘riickenflosse’. — > shetl. 
bjok(ke)l Tuckenflosse eines walfisches’. 

— vgl. bógr. 

bpð f. ‘kampf’, nnorw. dial. bad ‘kampf', 
nschw. dial. ba, badd ‘ringkampf’, ádá. 
bad ‘kampf’. — ae. beadu, as. badu-, 
ahd. batu-; vgl. got. Baduarius PN, 
germ. lat. Baduhenna ON (Schönfeld 
40). — air. bodb ‘Kráhe; göttin des 
kampfes’, vgl. gall. Boduognátus, Ate- 
boduus PN. — vgl. Bárðr. 

Mit bQÖ zusammengesetzte PN 
sind Bpðvarr (< germ. *baðwa- 
harja), vgl. wgerm. Baduarius 
(Schönfeld 40). Aus dem ngerm. 
> ne. Battersby ON (ált. Badresbi, 
Ekwall 29) und > air. Badbarr, 
Báthbarr, und Bpðvildr (< germ. 
baðwa-hildi), ae. Beado-hild, ahd. 
Baduhilt. 

BQfurr m. 'zwergenname’, vgl. Bafurr. 
m. ‘schaden’, wohl eig. ‘last, 
biirde’ (poet.), vgl. nisl. bagga ‘plagen, 
bedriicken’, intensivbildung zu baga. 
Im nisl. noch baga f. ‘kurzes gedicht; 
dummkopf’, bagla ‘undeutlich reden, 
sich ungeschickt benehmen’, bcegð 
‘schwierigkeiten’, böggla 'zusammen- 



bpggull 


70 


bxjsull 


ballen’ (Jóhannesson, Med. gem. 34). — 
vgl. baggi, beggvir und bdgr. 

bQggull m. BN. eig. ‘kleine burde’. — 
vgl. baggi. 

bQl n. ‘ungliick. schaden, sunde' (bed. 
entw. quálerei > arglist, tucke > 
siinde. s. J. Weisweiler IF 41, 1923, 
70-7), nisl. böl, fár. bel-; vgl. shetl. 
beli ‘ungluckswamung’. — got. balwa- 
wesei 'schlechtheit’, ae. bealo ‘iibel, 
böse’, bealu ‘iibel, ungliick’, as. balu, 
afr. balu, bal(e) ‘bosheit, ungliick', 
mnl. bal- (in baldadich ‘schlecht, böse’, 
balsturich 'widerspenstig’), ahd. balo 
‘verderben’. — asl. bolú ‘krank’, bolíti 
‘krank sein’ (IEW 125). — vgl. 

bQlva und blegði. 

bqlkr auchr balkr ( < urn. *balku-) m. 
‘scheidewand, abteilung’; nisl. bilkur, 
fár. bólhur, nnorw. bolk, nschw. ndá. 
dial. balk. — > ae. balc ‘rain, erhöhung 
zwischen zwei furchen’; > lpN. balkko 
‘balken, abteilung’, finn. palkku ‘hau- 
klotz' (Thomsen 2, 204); > air. balc 
‘balken’ (Craigie ANF 10, 1894,156). — 
Daneben *balkan in: ae. bealca, as. 
balko, mnl. balc, ahd. langob. balko 
‘balken’; vgl. auch ae. bolca ‘lauf- 
planke’. — vgl. bjalki. 

bgllr m. ‘kuge l, testiculus' (< germ. 
*ballu- < idg. *bhbVim)rmtf.--bðttuf: 
"fár. ballur, béííur 'bali’, nnorw. balle 
'hode’, nschw. boll, ndá. bold ‘ball’. — 
shetl. ball, bollek; > finn. pallo, lpN. 
ballo (Thomsen 2, 204). — ae. bealloc 
(ne. balloc) ‘hode’, mnd. mnl. bal, ahd. 
bal neben ballo, balla. — Ziir id g. wzl. 
*bhel ‘schwellen. m nd-oder sein’; 
lat.. tolhs ‘srhiauch heutel g r. yáXXoc 
‘penis ’, ai. bhSnda 'topf. gefass' . ai r, ball 
~‘ giied, körperteil’. — vgL Uölli. 

Bqlpdrn m. riesenname (Háv. 140) 
Gering. Komm. 1, 151 vergleicht jiit. 
baltorn, beltorn ‘klotzige, gewalttátige 
person’. 

bqlva scliw. V. 'verfluchen' (< germ. 
*balwjan), nisl. bölva. — vgl. bgl. 

Bqlverkr PN. und Odinsname, eig. 
‘der iibel stiftet’. 

Bqmburr m. zwergenname; eig. 'klot- 
zige person’, nisl. bambur ‘grosses 
fass, klumpiges pferd', bambi ‘dicker 
bauch', nnorw. bembel 'nabel’, nschw. 
dial. bamb i. ‘wanst’ (Lidén, GHÁ 40, 
1934, Nr. 3, 48-9). — vgl. bumba. 
Wenig wahrscheinlich ist Guten- 
brunner3, deutung, ANF 70, 1955, 
64 zu mdá. bambe ‘trommel’, vgl. 
asl. bqbinú 'pauke’; also ‘der 
trommler’. 


bgngull m. BN, eig. ‘knotenstock’, vgl. 
nisl. böngulegur ‘ungeschickt’, fár. bon- 
gla 'krumm, schief machen’. — ne. 
dial. bangle ‘knotenstock’, nnd. nnl. 
mhd. bengel ‘kniippel; lummel’. — 
vgl. bang. 

bgnnuðr m. ‘verbieter’. — vgl. banna. 
bgrgr m. ‘eber’ (poet.) < um. *barugaR; 
vgl. nnorw. schw. dial. barre ‘widder’, 
nschw. dial. basse 'verschnittener eber'. 
— ae. bearg (ne. barrow), and. barug, 
nnl. barg, ahd. barug, barah ‘barch, ver- 
schnittener eber’ (Palander 159). — 
Weil die hoden friiher durch kíopfen 
zerrieben wurden, wohl zu berja 
(IEW 135), vgl. auch bassi. 
bgrkr m. 'rinde' auch PN. (< urgerm. 
*barku-), nisl. börkur, fár. bark, berkur, 
nnorw. bork, nschw. dá. bark. — > 
shetl. bark ‘potentilla erecta’ (Jakobsen 
27; weil die wurzel zum gerben diente); 

> me. ne. barh ‘rinde’ (Björkman 230); 

> lpN. barkko (Thomsen 2, 205). — 
nnd. bark, mnl. barc ‘rinde’; abl. mnd. 
borke. — vgl. birkja 2. 

Etymologie unsicher. Vielleicht zur 
idg. wzl. *bher 'schneiden’, vgl. gr. 
gápu ‘spalte, zerstiickele’ (H. Pe- 
tersson IF 23, 1909, 403) vgl. berja. 
Kaum zu ai. bhraj ‘steifheit des 
gliedes' zu idg. wzl. *bhre§ (Pogat- 
scher 166). Vielleicht zu barr 1, 
also eig. ‘etwas rauhes’ (Hellquist 
53). v gl- gr- gopívrj ‘harte, rauhe 
haut’ (dann aber auch zu berjal). 
bgrr m. ‘nadelholzbaum; mann’ (poet.) 

< urgerm. *barwa; vgl. nschw. ON. 
Barva. — ae. bearu, ahd. paro, baro 
‘wald, hain’. — asl. ború ‘nadelbaum, 
fichte’, tsjech. bor ‘fichtenwald’. — 
vgl. barr 1 und barmr 2. 

bgsl f. ‘pfeil’ (þula) < urgerm. *basulð, 
falls eig. ’kleiner zweig' zu nnorw. 
bas(e) ‘strauch, gestriipp', und an. 
basinn ‘baumart’. Aber vielleicht 

< *bgstl und dann zu bast (Stur- 
tevant MLN 41, 1926, 370). Oder aber 
zu bgsull? 

bgst vgl. valbQst. 

bgsull m. BN. wohl zu nisl. basl ‘miihe’, 
basla ‘sich bescháítigen', vgl, nisl. nprw. 
basa ‘sich anstrengen’, nschw. basa 
‘laufen' (F. Jónsson ANO 1907, 319). — 
mnd. basen, baseln 'sinnlos reden oder 
handeln', nnl. verbazen 'erstaunen', 
bazelen ‘sinnlos reden'. Ohne ausser- 
germ. entsprechungen. 

Diese wörter verbindet Jóhannes- 
son Wb. 631 wenig iiberzeugend 
mit bað und baka. 



71 


daga 


dá 


D 


dá 1 n. 'ohnmacht’ (spát. bezeugt) 
(< germ. *dawa) ; nisl. dá 'ds’, nnorw. 
dial. daae ‘tiefer schlaf, gefiihllosig- 
keit'; vgl. an. dáligr 'schádlich, böse, 
elend', nnorw. daaleg, nschw. ddlig. 
ádá daallig. ‘gebrechlich’. — unsichere 
anknupfung an ahd. tawalön ’hin- 
schwinden, sterben’. — vgl. ddi, 
dáinn, deyja und deeligr. 

— 2 schw. V. 'sich verwundem’ (< germ 
*dawln), nisl. dá ‘bewundern’, nnorw. 
daa ‘mitleid haben’. — gr. ðaúpa 
‘wunder’, ðeáopai ‘bewundere’, zu einer 
idg. Wzl. *dh&ú\ *dheú (S. Bugge, 
KZ 19, 1870, 437); vielleicht die 

them. wzl. *dheff in dýrr. — vgl. dála, 
dár 2, dáendi. 

Nach Johansson NB 2, 1914, 201 
sind dá 1 und dá 2 dasselbe wort 
und gehören zu einem Zw. *dawan, 
*dawaiða, neben *daujan, *dðw 
(vgl. deyja). 

dáð f. ‘tat, gute eigenschaft’, nisl. fár. 
dáö, nnorw. daad, nschw. did, ndá. 
daad. — > shetl. do ‘kraft, energie’. — 
got. gadeþs, ae. dted, afr. déd(e), as. 
dád, ahd. tát; verbalabstr. mit /t-suff. 
zum im an. nicht belegten Zw. ae. as. 
dön, afr. dua, ahd. tön, tuon ‘tun’. — 
lat. cre-do ‘glaube’, fa-cio ‘mache’, 
gr. ‘setze, stelle’, ai. dadhámi 

‘setzt, stellt’, asl. blago-détí ‘wohltat’, 
déjq ‘lege’, lit. démi ‘setze’, gall. dede 
‘stellte’, arm. dnem ‘setze’ (IEW. 235- 
9). — vgl. dándimaðr, dómr, dceöa, 
dæöi und dcell. 

Einen versuch aus dem abstrakten 
begrifl ‘tun’ zu einem álteren, 
konkreten vorzudringen, macht 
J. Trier, Lehm 1951, 104-109, 
der auch in diesem fall von dem 
fachwerkbau ausgehen möchte. 

Dáðl m. PN. afrk. Daþa (Soester runen- 
spange), as. Daþa, ahd. Tado, aber auch 
Daþena (Spange von Freilaubersheim); 
got.dem. Dadila. 

Nach A. Janzén NK 7, 1947, 59 
viell. kosename zu Dagr, weií die- 
selbe person sowohl Dagr wie 
Dáöi heisst. 

dáendi n. ‘verwunderung; wunderbares’. 

— vgl. dá 2. 

dafi m. BN., vgl. nnorw. dial. dave 'nach- 
lássige person’, dabb(e) ‘kleine dicke 
person’, nschw. dial. dabbe ‘tölpel’, 
dabba ‘sich ungeschickt benehmen’. 

— mhd. tapþe, nhd. tapp ‘táppischer 
mensch’, ne. dab ‘unsauberes weib’ 
(v. Friesen Med. germ. 27-30). — lett. 
depis ‘tölpel’, depe ‘kröte’, depsis 


‘knirps’ (Persson IF 35, 1915, 202). — 
vgl. dafla, dafna 2. 
d&fla schw. V. ‘im wasser plátschera, 
rudera’, nisl. dafla ‘langsam rudera’ 
nnorw. dial. dava ‘auf den rudern' 
liegen', dabla ‘plátschem’, dabba ‘stamp- 
fen’; vgl. ndá. dial. dabe ‘keule zum 
lehmstampfen’. — ne. dab ‘leise schia- 
gen’, dabble ‘plátschem', ofr. dafen 
'schlagen, klopfen’, mnl. dabben, nhd. 
tappen ’tappen, plátschera’; daneben 
abl. ae. dubbian ‘zum ritter schlagen’, 
ofr. dufen, duven ‘stossen', mnl. dubben 
'graben, untertauchen', nnl. dof ‘ruder- 
schlag’. — vgl. dafi, depill, dubba, 
dgf 2 und andcefa. 

Etymologie unsicher. Unter vor- 
aussetzung einer grundbedeutung 
'schlagen’ möglich zu gr. r<í<po<; 
‘staunen’, 0á>7rro> 'schmeicheln’, 
0 á(jtpo? ‘staunen, schrecken’ (IEW. 
233). Oder. zu serb. dipati ‘schlagen, 
stossen’ (Holthausen Etym. Wb. 
33), oder zu ai. dábhati ‘beschádigt, 
versehrt’ (Loewenthal, ANF 35, 

1919, 240). 

dafna 1 schw. V. ‘gedeihen, an kraft 
zunehmen', nisl. dafna. — got. eadaban 
‘sich ereignen, passen’, ae. gedafenian 
'geziemen’; vgl. ae. gedafen ‘geziemend', 
nnl. deftig ‘anstándig, vornehm' und 
abl. ae. gedéfe ‘geziemend’, mnl. gedoef 
'sich fiigend’. — lat. faber ‘hánd- 
werker, kiinstler’, asl. doba ‘gelegenheit, 
zeit’, dobrú ‘gut’, lit. dabiniú, dabinti 
'schmiicken', dabnús 'zierlich', arm. 
darbin (falls < *dhabhro) ‘schmied’ 
(IEW 233). . • 

— 2 schw. V. 'schwácher werden. — 
vgl. dafi. 

daga schw. V. 'tagen’, nisl. fár. nnorw. 
daga, aschw. daghas, ádá. dage. — ae. 
dagian (ne. dawn), mnd. mnl. dagen, 
ahd. tagln. — Dazu dagan f. ‘tages- 
anbruch; terminsetzung. — -dagi 
suflix, das urspriinglich ‘tag, termin’ 
bedeutet, wie m gjalddagi ‘zahlungs- 
tag’ oder eindagi ‘bestimmte zeit’; es 
wurde aber spáter als sufiix verwendet, 
vgl. dauðdagi ‘todesart’, máldagi ‘fest- 
gesetzter termin’, dann auch ‘ver- 
handlung, abkommen’, skildagi (eig. 
‘termin’ wie nnorw. skildag) 'bedingung, 
verabredung'; schliesslich inhaltloses 
suffix wie bardagi zu berja, spurdagi zu 
spyrja, svardagi zu jverja (A. Lind- 
qvist, LUÁ 14, 1918, Nr. 25). — dagr 
m. ‘tag’, nisl. fár. dagur, nnorw. schw. 
dá. dag. — > finn. -tai, -tak, lp.N. 
-dak, -tak (Thomsen 2, 219). — got. 



dagráð 


72 


damm 


dags, afr. dei, dach, as. dag, ahd. tac, 
daneben abl. ae. desg, pl. dðgor. Aus 
dem got. PN. Dagestheus ergibt sich, 
dass hier urspriinglich, wie in dœgr, 
ein ís-stamm vorliegt (Johansson, BB 
18, 1892, 6) — Zur idg. wzl. *dhegh- 
oder *dhegyh: lat. favilla ‘asche’, 
fovere 'wármen, hegen’, gr. rí^pa 
'asche’, ai. dahami 'brenne’, dáha- 
% ‘brand, hitze’, ni-dágha- ‘hitze, som- 
mer’, asl. iegn 'brennen’, apr. dagis 
'sommer’, air. daig ’feuer’, alb. djek 
‘brennt’ (WP 1, 849). — vgl. daga, 
-dagi, -degi, dcegn, dcegr, dgglingr, 
dpgurðr und árdegis. 

Anders, aber wenig iiberzeugend 
IEW 7 zur idg. wzl. agher, aghes, 
wie ai. áhar, áhas 'tag’, mit d- 
anlaut unter Einfluss eines ur- 
germ. *dagwaz 'warme jahres- 
zeit’, zu lit. dágas ‘sommerhitze’. 
(abers. unter erfiði). —Óftin PN.; 
auch allein, vgl. aschw. dá. Dagh 
und daraus > ae. Dacher (Jiriczek, 
ESt 60, 1925-6, 233). Das run. 
norw. *dagaR (Einang, c. 400, 
Krause Nr 46), oft als urn. form. 
angefiihrt, ist eine falsche lesung 
fiir . . . dagastiR (E. Moltke, 
Viking 2, 1938, 111-9). — Oft in 
Zss. wie Dagfinnr, Dagný, Dagrún, 
Dagstyggr; auch im wgerm. wie 
Dagalaifus, fránk. Dagobertus = 
ae. Dcegbeorht, got. Dagila, ahd. 
Tagamar (dagegen ist Dagmesr, 
name einer dánischen königin, 
adá. Dagmar < ostseeslav. Darg- 
mara < j>oln. Dragomir, s. Axnás, 
Nom. Germ. 2, 1937, 6-13). — 
Selten als 2. glied wie Svipdagr. 
dagráð n. ‘giinstiger zeitpunkt’, nisl. 
iagráð. — ae. dagrld, mnl. dageraet, 
daneben abl. ahd. tagarðt ‘tagesanbruch’ 
(Johansson, ZfdPh. 31, 1899,293). 
dðl ‘ m. nur in ahrdái ‘taubnessel' (in 
Stjórn) (< germ. *dawan), nisl. (akur-) 
dái, fár. dái, nnorw. dial. daa(e), d<$(n), 
deyn, nschw. dd(n). — > shetl. ogedú, 
okerdu ‘taubnessel’ (Jakobsen 582); 
> orkn. diefloor ‘senecio’. — nhd. dial. 
daun. — vgl. dá 1. 

d&inn ‘gestorben’, auch myth. name fiir 
zwerg und hirsch (wohl analogisch 
nach formen wie dánir ‘die toten’, 
in Zss. wie dánararfr, A. Kock, Sv. ljudh. 
1, 330); nisl. dáinn; vgl. nnorw. daana, 
nschw. dirta, ndá. daane ‘in ohnmacht 
fallen’. — vgl. dá 1, dán und deyja. 
d&la adv. ‘ganz, volikommen' < dá- 
liga. — vgl. dá 2. 

dalarr m. 'hnrsch’ (poet.). — vgl. dalr 2. 
dalldun run. norw. Tune c. 400; ver- 
schieden beurteilt; gewöhnlich gelesen 


als dailidun, ‘sie verteilten’ (s. Western, 
NTS 4, 1930, 290); dagegen als dálidun 
zu *dllian ‘sie machten’ zu desll 
(D. A. Seip. NTS 3, 1929, 21-4), oder zu 
*dálijan ‘behaglich machen, gratificari’ 
(Marstrander NTS. 4, 1930, 308-10). 
d&lkr m. ‘lange fibel, spange’, auch 
PN., nisl. dálkur. — ae. dalc. — air. 
delg ‘nadel’, lit. dilgús ‘stechend, 
brennend', dilge f. 'nessel’ (S. Bugge, 
BB 3, 1879, 99, der aber dálkr als entl. 
< ae. dalc auffasst). In derbed. ‘messer’ 
(nur Fms. 1, 180) ist einfluss von mnd. 
dolk ‘dolch’ anzunehmen. 

Dalla f. PN. und Dalli m.PN., gehört 
wohl zu ae. deall ‘stolz, kiihn; beriihmt’, 
vgl. PN. Dealla ; weiter zu mir. dellrad 
‘glanz' (Stokes. KZ 42, 1907, 384). — 
vgl. Dellingr, Heimdallr und Mar- 
dgll. 

dalmatika f priesterliches kleidungsstuck 
(nurchrist. Schr.)— < mlat .dalmatica. 
dalr 1 m. ‘tal; bogen’ (eig. biegung), 
nisl. fár. dalur, nnorw. schw. dá. dal. — 
> shetl. dal ’tal’; > manx dall, dal(e) 
(Marstrander NTS 6, 1932, 270); > 
norm. dal(l)e (vgl. Dieppedalle < 
Djúpadalr ); > ne. dial. dale (Thorson 
58). — got. dals, ae. dcel, afr. del, deil, 
as. dal, ahd. tal. — gr. 8ÓX04 ‘kuppel', 
ðáXapioq ‘schlafgemach’, asl. dolú ‘gru- 
be’ (Hellquist ANF 7, 1891, 171), 
kymr. dol f. 'niederung, oft bewaldet’ 
(J. Lotn RC 42, 1925, 86). Fiir die 
bedeutungsentw. ’tal’ > ‘bogen’ denkt 
Sperber WS 6, 1914, 40 an eine grund- 
bedeutung ‘vertiefung im erdboden, 
rinne’ (dann zu ae. delfan, as. bideltan, 
ahd. bitelban ‘graben’ s. Specht Idg. 
Dekl. s. 27); aber unter ankniipfung 
an nhd. túlle schlágt J. Trier, Nachr. 
Ges. wiss. Göttingen NFIII, 4,1940, 90 
vor: ‘ein von bergziigen gehegter raum’. 
— vgl. dcsla, desld, dcel und dcell. 
Zur bed. ‘bogen’ bemerkt Sperber 
WS. 6, 1914, 43, dass man nicht 
von der abstrakten bed. ‘biegung, 
kriimmung’ ausgehen soll, sondern 
von ‘rinne, vertiefung’, weil der 
bogen eine an der dem schiitzen 
zugekehrten seite lángsrinne hatte. 
— 2 ‘hirsch’ (poet.), wohl nach deirT gé- 
bogenen geweih genannt, vgl. dalr 1; 
weniger wahrscheinlich zu *dallr ‘gl&n- 
zend’, vgl. Dalla und dalarr. 
damm n. ‘damm’ (nur norw. DN), nisl. 
fár. dammur, nnorw. schw. damm, ndá. 
dam ‘damm; teich’. — > shetl. 
dammen(s) ‘von einer lawine gebildeter 
schmaler rand’; > lpN. dambo ‘teich’ 
(Qvigstad 125). — ne. dam, afr. damm, 
domm, mnd. nnl. dam, mhd. tam 
'damm' (entl. des nord. wortes aus 



dammadúkr 


73 


dár 


mnd. dam, die Fischer 28 annimmt, 
unwahrscheinlich). — Falls aus *damb- 
na (v. Wijk IF 24, 1909, 31) zu gr. 
Gá7TTc>> ‘bestatte’, xátpoc ‘grab', arm. 
damban ‘grab, gruft’ (weniger einleuch- 
tend zu gr. 0a(iv6?, 0a|zúi; ‘dicht, 
voll’, Oafiá ‘haufenweise’, so Wood 
MPh 18, 1920, 84, oder zu gr. 0 o>|ioc 
‘haufe’ so FT; gewiss nicht zu dapr, 
wie Jóhannesson Wb. 511 vermutet). — 
vgl. demma. 

dammadúkr (auch: dammi-, dammu-, 
dgmmu-; nur norw. DN.) m. ‘englisches 
woHzeug’ < mnd. darndök, vgl. frz. 
drap de dames. 

dámr m. ‘geschmack’ (spát bezeugt), 
nisl. dámur 'ds’, fár. dámur ‘aussehen, 
farbe', nnorw. daam ‘geschmack, ge- 
ruch, aussehen’, daame 'wolkenschleier’. 
— > orkn. domaless ‘schwach, un- 
niitz’; shetl. döma, dúma; > ne. dial. 
domelous ‘verrucbt’ (Thorson 24). — 
vgl. dekkr. 

Etymologie unsicher. Holthausen 
Etym. Wb. 34 zu asl. dúmq, lit. 
dumiú ‘blasen’; Wood MLN 15, 
1900, 97 zu ai. dháyati ‘saugen, 
trinken’. 


dán f. ‘tod’, in Zss. wie dánararfr, dánarfé 
‘hinterlassenschaft eines toten', vgl. 
nisl. dánararfur, aschw. dána(r)arver, 
nschw. danaarv, ádá. danearv. — 
dánir < *dawniR zu deyja. 
dándimaðr m. ‘tiichtiger mann’ (bes. 
norw. DN), nisl. dándismaður, fár. 
danimaður, nnorw. dande-, dannemann, 
nschw. danneman, ndá. dannemand. 
Wahrsch. urspr. dánisch und < do- 
ghande mann entwickelt (Seip, L&neord- 
stud 1, 1915. 95 fl und bes. A. Kock, 
ANF, 20, 1904, 47) und angelehnt an 
dáindi ‘was bewunderung erregt’. 
dangandi m. ‘stoss’, eig. part. zum nicht 
iiberlieferten *danga, das selbst neu- 
bildung zu dengja ist. 

Danmgrk 'Dánemark', run. dá. tan- 
maurk (Jellinge II, c. 980, Jacobsen- 
Moltke Nr 42), tqnmarku dat. s. 
(Skivum, 900-25; ibid. Nr. 133); vgl. 
ae. Denamearc, ahd. Denemarca,- zum 
volksnamen der Daxdr, lat. Dani, ae. 
Dene, mhd. Tene. — ae. denn 'hfihle 
lag er wilder tiere'. denu ‘tal*. mnl. da n 
‘ wildlager, versteck’. denne ‘hðhle' , 
vgl. a. i. dhanus n. dhanvan m. ‘trockenés 
land^_aiistel. Aisö^Jjqnix- etwa-<tal- 
bewohner’. bes. die~ bow ohner de s 
gtfm pfigen gren zgebietes im__Siiden v ' 
(Wadstein, GHA 24T T 9 T 87 Nr 4 und 
25, 1919, Nr. 2). Da gegen unte r_hin- 
weis anf ai /ih qnu- ‘boge n’, dhanvana- 
‘baum’ als ‘waldland’ gedeutet— voa 


Zachrisson, APhS 1, 1926, 284-92 und 
Fschr. A. Kock 1929, 494-8. 

Weni ger wahrscheinlich zu della 
a fso zur idg. wzlT ~*d hen ‘sr.hlagen* 
nht bedeutv:. igsentw.: durcheinen 
schlag entstandene vertiefung > 
tal > bewaldetes tal, wald (Lind- 
quist NB 15, 1927, 106-10). — 
Ge gen diese erklárungen ist mit 
HeTlquist I3S einzuwen den, dass 
pía n doch woHr vo n dem volks- 
namen. der schón im óTlht iibe r- 
, ~n«fert wiid. ausz ugeEehJh.at ~Die 

C ~ Herleitu a aus einem skvthischen 
wort dan- 'bogen’, das in der 
voikerwanderungszeit ~nbemom-~ ' 
meii sein sbBte JB rðnSal DS 1920, 
17-41) Tst abzúiehnen (Schiitte 
ibid. 169-74). 

Danpr mPN., wohl gebildet nach Dan- 
parstaðir, eig. ‘státte am Dnjepr’ (wie- 
wohl Rþ 49 Danpr mit dem namen 
der Dánen verbindet. 
dans, danz m. ‘tanz’ (spát bezeugt), 
nisí. dans, fár. dansur, nnorw. schw. dá. 
dans. — < mnd. dans < afrz. danse. 
Aber das rom. wort stammt wieder 
aus dem Germ., vgl. ahd. dansön 
‘ziehen’ neben dinsan, got. pinsan zu 
ai. tamsayati ‘zieht hin und her, 
schuttelt’. — Davon abgeleitet dansa 
schw. V. ‘tanzen’ (> finn. tanssia, 
lpN. dannsot, dannsit). 
dapr adj. ‘traurig, betriibt’, nisl. dapur, 
fár. dapur, depur, nnorw. daper ‘schwer, 
betriibt, tráchtig. — mnd. nnl. dapper, 
ahd. tapfar ‘schwer, stark, tapfer’ 
(gemeinsame grundbed. ‘schwer’). — 
asl. dobólyj ‘stark, tapfer’, debelu 
‘dick’ (Wiedemann BB 30, 1906, 216). 
Wood’s erklárung (MLN 21, 1906, 
227) aus idg. *dh»bro ‘verschwin- 
den; klein, schwach, betriibt’, vgl. 
ai. dabhra- ‘gering, schwach’ lásst 
die urgerm. bedeutung ausser 
betracht. 

dár 1 m. ‘narr; spott’ (spát isl.); daneben 
dári m. ‘narr’, fár. dári, nnorw. dá. 
daare, nschw. dáre. Man kann mit 
Höfler ANF 47, 1931, 273 an neubil- 
dungen zum Zw. dára ‘zum narren 
halten’ (erst seit i3-Jht) denken, vgl. 
nisl. fár. dára, nnorw. daara: dieses 
aber < mnd. bedören ‘betören’ zu 
mnd. dðre, mnl. door, dore, mhd. töre 
aus germ. *dauza, vgl. dusa. 

— 2 adj. ’unangenehm, gewalttátig’ eig. 
’was einen starken eindruck macht’, 
nur in der form dátt iiberliefert, nisl. 
fár. dátt ‘plötzlich, heftig’, nnorw. 
dial. daatt ‘plötzlich verstimmt’, vgl. 
auch dáligr ‘schlecht, schádlich, elend’, 
nisl. dáligur, nnorw. daaleg nschw. 



darr 


74 


deig 


dilig, ádá. daaílig. — vgl. dá 2. 

darr n. ‘wurfspeer' (poet.). — Etym. 
unsicher: zu. ai. dhárá ‘schneide, 
klinge’, av. dárá 'schneide, schárfe’, 
gr. 6065 ‘scharf, spitz’ (IEW. 272). — 
vgl. darraðr 1. 

A. Holtsmark MM 1939, 84-93 
sucht zu beweisen, dass das wort 
eig. ‘kriegsbanner’ bedeutet habe 
und stellt es zu fár. darra ‘schlaff 
hangen', oder zu norw. schw. 
darra ‘zittern, beben’. 

darraðr 1 m. ‘spiess’. — ae. daroð 
‘leichter wurfspeer’, ahd. tart (hieraus 
mlat. dardus, afrz. dart). Vielfach wird 
das an. wort als entl. aus ae. daroð 
betrachtet, was F. Jónsson Sprogforh. 
78 mit recht verwirft. — vgl. darr 
und Dgrruðr. 

— 2 m. ‘schwertnagel’ (nur SnE)., viell. 
zu nnorw. darre ‘zapfen’ und gr. Baipó? 
‘tiirangel, achse’ (Holth. Etym. Wb. 
35 )- 

dasast schw. V. ‘miide, erschöpft wer- 
den’, nisl. dasa ‘ermuden’, nnorw. 
schw. dasa ‘faulenzen’, ndá. dase ‘faul 
sein’. — > orkn. daazd (< dasaðr) 
'betáubt, erstaunt’, schott. dosen ‘be- 
táubt’ (Flom. Infl. 37); > me. dasen, 
ne. daze 'betáuben’ (Björkman 233). — 
mnd. dasen 'spotten’. mnl. dasen ‘töricht 
handeln', nnl. dazen ‘unsinn reden’. — 
Viell. zu lat. faligo ‘ermiide’, fatisco 
'erschöpfe mich', fatnes ‘hunger’, air. 
dedaim ’abstumpfen’ (IEW. 239). — 
vgl. dási. 

dási m. 'stiimper’, fár. dási, nnorw. dá. 
daase, nschw. dial. dáse. — mnl. daes 
'töricht’, mhd. dœsic ‘verschlossen, 
dumm’. — vgl. dasast und dtesa. 

A. Noreen SVS Upps. 5 Nr. 2, 
1897, 14. vergl. nschw. dial. dása 
‘sich still verhalten’ und vermutet 
an. dásí statt dási ; dann aber zu 
dusa. 

datta schw. V. ‘schlagen, klopfen’, schw. 
dial. datta 'sich schiitteln’, datt ‘leichter 
schlag'. — vgl. nisl. dynta ’den körper 
auf-und niederbewegen’. — ðw-bildung 
zu detta. 

dauði m. ‘tod’, fár. deyði, nnorw. daude, 
aschw. döþe. — > finn. tauti, estn. 
taud', lpN. davdda, lpS. taud ‘krankheit’ 
(Thomsen 2, 221); > ne. dial. douthy 
'ermiidet, krank' (Thorson 24). — 
vgl. dauðr 1. 

dauðr 1 m. ‘tod', nisl. dauöur. fár. 
deyður, nnorw. daud, nschw. död, 
ndá. ded. —- got. dauþus, ae. dlað, afr. 
dáth, as. döð, ahd. töd. — Verbalabstr. 
zu deyja. 

— 2 adj. ‘tot’, runschw. weladAude 
(Björketorp c. 650), vgl. welad(A)ud 


(Stentofta c. 620 Krause Nr 50-51); 
nisl. dauður, fár. deyður, nnorw. daud, 
nschw. död, ndá. ded. — got. dauþs, 
ae. dlad, afr. dád, dáth, as. död, ahd. 
töt. — vgl. deyja und deyða. 
dauðyfli n. 'leiche', zu dauðr mit dem 
suff., das auch in innyfli ‘eingeweide’ 
auftritt, vgl. ahd. driscufli ‘tiirschwel- 
le’; weiter zu got. dauþubleis ‘dem tode 
geweiht’. 

Das nebeneinander von ahd. dris- 
cufli und an. þreskoldr weist wohl 
hin auf entw. þl < fl, also eig. 
þla- suSix (wie in sáld)\ so Kluge, 
Stammb. § 97 und Sturtevant 
MPh. 26, 1929, 470. — Abzulehnen 
sind deshalb die erklárungen von 
dauþubleis als zs. mit ubus ‘iibel’ 
(v. Grienberger, SBWA 142, 1900, 
55), oder sogar durch trennung in 
dauþu-bleis als eine nachbildung 
des lat. suffixes— bilis. 
daufr adj. 'taub’, nisl. daufur, fár. 
deyvur, nnorw. dauv, nschw. döv, 
ndá. dev ‘taub, stumpf’. — > orkn. 
duff, > ne. dial. dowf 'tráge’ (Thorson 
25). — got. daufs, ae. diaf, afr. dif, 
mnd. döf, ahd. toub 'empfindungslos, 
taub’. — gr. ‘blind, dunkel’, 

Tu<poi ‘rauch, dampf machen’, TO90; 
’rauch, dampf’, air. dub ‘schwarz’, 
(Persson UUA 1891, 55). — Lab. erw. 
zur idg. wzl. *dheu, vgl. dýja und yeiter 
mit anderen erweiterungen deyfa 1, 
deyfð, dofi, dúfa 1, dumbr und 
dupt. 

Zur bed. unterschied ‘taub: blind’ 
vgl. auch dumbr, wo ‘taub’ neben 
'stumm’ vorkommt; fiir diese 
auch sonst auftretende beziehung 
eines wortes zu mehr als einem 
sinnesorgan, vgl. K. Brugmann, 
Fschr. Thomsen 1912, S. 6-7V 
daunn m. ‘gestank' (spát bezeugt), nisl. 
daunn, aschw. dön, ádá don. — > me. 
dowwnenn ‘riechen’ (nur Orm. vgl. 
Björkman 69). — got. dauns ‘dunst’; 
daneben mit m-suð.: mnl. doom, ahd. 
toum ‘dampf, dunst’ (mit s-prothese: 
ae. steam, nnl. stoom 'dampf’). — lat. 
fúmus 'rauch, dampf’, ai. dhúma- 
'rauch’, vgl. dhúnoti ‘schiittelt, bewegt 
sich’, gr. 0óvíi> 'stiirme dahin’; zur 
idg. wzl. *dheu, vgl. dýja. — Abl. ist 
daunsna schw. V. ‘schniiffeln’, nisl. 
norw. daunsna, ndá. dial. den(s)e. — 
vgl. deyna, dúni und dúnn 1. 
dauss m. ‘zweier im wiirfelspiel’ < afrz. 
dous ‘zwei’. 

-degi in Zss. wie hádegi ‘mittagszeit’, 
miðdegi 'tagesmitte’; ;a-abl. von dagr. 
deig n. (oder deigr m ?) ‘teig’, nisl. deig, 
fár. deiggj, nnorw. dá. deig, aschw. 



deigja 


75 


destingr 


digher, nschw. deg. — > orkn. dech, 
shetl. djag ; >finn. taikina, estn. taigen, 
taignas, Uv. tán’ ‘teig', weps. taigin, 
wot. tailkaja ‘teigtrog’ (Thomsen 2, 
220; Setálá FUF 13, 19x3, 455); > 
lpN. dajggé (Qvigstad 124). — got. 
daigs, ae. dág, dáh, nordfr. di, mnd. déch, 
nnl. deeg, ahd. teig. — Gehört zu got. 
digan ‘kneten’: lat. fingo ‘bilde’, figulus 
‘töpfer’, gr. rtXxo<; 'mauer', ai. dihmi 
'bestreiche’, dehas ‘körper', aruss. diia 
‘teigmulde’, lit. dieíti, dýíti ‘priigeln’, 
lett. diezlt ‘aufschwatzen’, air. digen 
‘fest’, arm. dizanem ‘haufe’. toch. A. 
tsek-, B. ts(a)ik- ‘bilden, formen’ (van 
Windekens 144). — vgl. deigja, 

deigr, digr, digull. 

deigja i f. ‘dienstmagd’ (< germ. *dai- 
giön), nnorw. deigja, nschw. deja 
‘milchmadchen’, ádá, bo-deie ‘milch- 
magd’, deie ‘kebsin’. — > me. deye, 
ne. dial. dey ‘milchmádchen’ (Björk- 
man 206). — ae. deege ‘báckerin, milch- 
mádchen’, hlæfdige, ne. lady ‘frau, 
herrin’ (E. Sievers PBB 50, 1927, 16). 
Eig. wohl ‘kneterin' zu deig. 

— 2 schw. V. ‘weich machen, schwáchen’; 
nisl. nnorw. deigja. — vgl. deigr. 

deigr adj. ‘weich (von metall); feige’, 
nisl. fár. deigur, nnorw. deig ‘schmerz- 
lich, empfindsam’, ádá dej ‘weich’. — 
> shetl. degi ‘moor’ (Jakobsen 95); > 
IpN. daige ‘weich, schwach’ (Qvigstad 
124). — mnd. dlch, mnl. deech ‘weich’, 
mhd. teic ‘miirbe, verfault’. — vgl. 
deig, deigja 2 und digna. 

deila 1 f. ‘teilung, zwiespalt’, nisl. fár. 
deila, aschw. dela, agotl. daila. — ahd. 
teila ‘teilung’. — vgl. deila 2. 

— 2 schw. V. ‘teilen’, nisl. fár. norw. 
deila, aschw. dlla, ádá. dele. — got. 
dailjan, ae. dœlan, afr. díla, as. dllian, 
ahd. teilan ; abgel. von got. dails, ae. 
dcsl, as. afr. dél, ahd. teil. — asl. d.élú 
‘teií’, déliti ‘teilen’ (dies aber nach 
Wood MLN 21, 1906, 39 nicht < 
*dhoilo sondern aus < *délo, zu gr. 
STjXíopat 'zerstören’); aber Pedersen 
I<Z 38, 1905, 394 erwágt entl. aus dem 
slav. — deild f. ‘teilung, einteilung; 
los; streit’(< germ. *dailiþð), nisl,-fár. 
norw. deild, ádá deld ‘teil; grenzschei- 
de’, vgl. shetl. deld, djeld ‘grundstiick’. 
— ahd. teilida ‘teilung’. — de:li n. pl. 
‘kennzeichen’, nisl. deili, nnorw. deile 
'grenzscheide zwischen áckem’. — > 
orkn. dello ‘kleines getrenntes acker- 
stuck’; > ne. -dayle in ON (Mawer 21). 

dekan m. ‘diakon’ < lat. decanus (statt. 
diaconus\)\ vgl. djákn. 

dekur m. ‘decher; zehn stiick’ (norw. 
DN), norw. deker, aschw. dekor, dikur 
(> íinn. tikkuri ‘bundel von 10 fellen’, I 


Karsten IF 26, 1909, 246), nschw 
dacker, ndá. deger. — < mnd. deker 
(vgl. mnl. deker, dakere, ne. dicker, nhd. 
decher) < lat. decuria ‘zehnzahl’. 
-delfr m. in Zs. steindelfr ‘steinschmát- 
zer’. — vgl. mnd. mnl. delf ‘graben’ 
zum Zw. ae. delfan, afr. delva, as. 
delban, mnl. delven, ahd. telban ‘graben’. 
—- lett. dalbs ‘heugabel’, russ. dolbátí 
'meisseln’, pr. dalptan ‘durchschláger’. 
Dellingr m. ‘name fur 1. Dagr’s vater, 
2. zwerg. — vgl. Dalla. 
delpr m.BN (norw.); vgl. nnorw. delp 
‘steiles vorgebirge’. — vgl. dolpr. 
demma schw. V. (norw. DN) ‘eindám- 
men’, fár. norw. demma, nschw. dám- 
ma, ndá. dœmme. — got. faur-dammjan, 
ae. demman afr. demma, damma, mhd. 
vertemmen ‘eindámmen’. — vgl. damm. 
dengja schw. V. ‘schlagen, hámmem' 
(< germ. *dangwian), nisl. norw. 
dengja, fár. deingja, nschw. dánga, 
ndá. dange. — > me. dingen ‘schlagen, 
prugeln’ (Björkman 207; oder urspr. 
engl. ? s. I. Lindquist NB 15, 1927, 105), 
ne. dial. ding (Flom Infl. 36); > lpN. 
dœrmkit ‘priigeln’ (Qvigstad 142). — 
mhd. tengen, tengeln ‘schlagen, klopfen’, 
nhd. dengeln ‘die sense aushámmem’. 
— Kausativ zu germ. *dengwan, vgl. 
aschw. diunga, ádá. dinge ‘klopfen, 
hámmern’. — vgl. dangandi. 

Etymologie unsicher. Zu gr. 0 f)yw 
‘feilen, anregen’ ? (s. Fick 3, 144). 
Dagegen Hellquist 170 lautnach- 
ahmend wie dangla, dingla, vgl. 
detta. 

depiil m. in nom. ON. und in der Zs. 
leirdepill ‘lehmpfiitze’; nnorw. depel 
‘pfiitze.lache’. — > orkn. dabal, dybal, 
shetl. depel ‘pfutze, moor’. — Dimin. 
zu *dapi ‘pfiitze’ vgl. dafla. 
des f. ‘heuschober’, nisl. fár. des ‘ds’, 
nnorw. desja ‘kleiner haufe’. — >orkn. 
diss, shetl. des, manx dash; > ne. dial. 
dess ‘hauíe’ (Thorson 58). 

Die friiher angenommene entl. < 
air. dais (<*dasti) ‘hauíe, heu- 
dieme’(A. Bugge Indfl. 257) ist nach 
Marstrander NVA 1915, Nr 5, 154 
abzulehnen. Die etym. ist fUr das 
nur im nordgerm. bezeugte wort 
unsicher: zu gr. 6éep.o<; ‘satzung’ 
(WP 1, 829), oder zu osset. 

dasun aufháufen’ (Lewy, KZ 52, 
1924, 310) ? Viell. zu dys(Noreen, 
Gramm. § 172, 3) ? 

destingr m. BN, nur norw. DN, vgl. 
nnorw. desta ‘aufmuntern’, desti m. 
‘lebensfrohe, sorglose person’, íár. des- 
tin ‘stolz, hochmutig’, dast n. ‘der 
beste teil von etwas’. t 

A. Torp MM 1914, 87 uberleg 



detta 


76 


dikta 


entl. aus dem roman, vgl. ital. 
destare ‘aufwecken, aufmuntem’ 
und denkt fiir die ubertragung 
an die mittelmeerfahrten im MA. 
Sehr fraglich, weil die sippe im 
westnord. ziemhch fruchtbar war. 
detta st. V. ‘hart niederfallen' (< germ. 
*dentan), nisl. fár. nnorw. nschw. dial. 
detta, vgl. nnorw. dial. denta 'kleine 
stösse geben', aschw. dynter ‘schlag'. — 
nfr. dintje 'leicht zittem’, nnd. deinsen, 
nnl. deinzen (< *dantisön) ‘zuriick- 
taumeln, weichen’. — vgl. datta, 
dengja, dottr, dyntr und dyttr. 
Die idg. wzl. *dhen ausserhalb des 
germ. nur durch alb. g-dhent ‘be- 
haue holz, hoble' vertreten (s. 
IEW 250). Neben der d-erw steht 
auch eine erw. mit dh vgl. dindill, 
und mit gutt. s. dengja. 
deyða schw. V. 'töten’, nisl. deyða, fár. 
deyða, doyða, nnorw. deyda, nschw. döda, 
ndá. dede. — got. dauþjan, ae. adiedan, 
dydan, afr. dida, as. bidödian, mnd. 
mnl. doden, ahd. töten. — vgl. tauðr. 
deyfa 1 schw. V. ‘betáuben, kraftlos 
machen’, nisl. deyfa, íár. doyva, nnorw. 
deyva, aschw. döva, ádá. deve. — > 
orícn. daive ‘durch lautes gerede er- 
miiden' (Marwick 29); > shetl. dev 
‘betáuben’ (Jakobsen 97); > ne dial. 
dave ‘besánftigen’ (Thorson 24). — 
got. gadaubjan ‘verstocken', ae. ádie- 
fan, mhd. touben ‘betáuben'; abl. ae. 
dofian, as. davön 'wahnsinnig sein’, 
mnd. mnl. doven, ‘betáuben', ahd. 
tobin, tobön 'toben’. — vgl. daufr. 
— 2 schw. V. ‘tauchen, taufen’. — ae. 

ádiefan, as. bidöbian. — vgl. dúfa. 
deyfð f. ‘taubheit’, nisl. deyfð. — got. 

daubiþa ‘verstocktheit’. — vgl. daufr. 
dgyja_st. V. ‘sterben’ (prát. dó < *dðu), 
nisl. deyja, fár. doyggja, nnorw. deya, 
nschw. dö, ndá. de. — > ae. diegan, ne. 
die (Schlutter ESt 41, 1910, 163). — 
as. dðian, ahd. touvuen ‘sterben’; hoch- 
stufige weiterbildung zu germ. *diwan 
‘sterben’. — air, duine ‘mensch* ieig. 
‘sterblicher’),' 3 ITS ‘ende, tocF, afTn. di 
‘leichnam’. — vgl. dá 1, dáinn, dán, 
uauðr, deyða, doði, doðna und 
dvina. 

deyna schw. V. ‘iibel riechen’ (nur in 
chr. Schr.), nnorw. deyna ‘kalte hohn- 
worte sagen’ (eig. ’stinken’), aschw. 
döna ‘stinken’. — vgl. daunn. 
deypa schw. V. ’tauchen’, fár. doypa, 
nnorw. dia’. dnypa, nschw. döpa, ndá. 
debe. — got. daw ;an, ae. diepan, afr. 
depa, <i" d.ópian, mnl. doepen, ahd. 
touffan — vgl. djúpr. 
dáar mpl. götter' (poet.) — < air. dia 
‘gott’ (A. Bugge, Indfl. 133). 


digla schw. V. ‘tropfen'; vgl. digull. 
digna schw. V. ‘weich werden’, nisl. 
norw. schw. digna. — Inchoativ zu 
germ. *digan, vgl. got. digans ‘ge- 
knetet’, nnorw. digen ‘záhe (von milch)’ 

— vgl. deigr. 

digni m. ‘ochs’ (þula); vgl. digr. 
digr adj. ‘dick’, nisl. fár. digur, nnorw. 
schw. dá. diger. — afr. diger ‘treu, sorg- 
sam’, mnd. adv. diger, deger, mnl. 
deger ‘vollstándig', mhd. tigere ‘völlig’; 
vgl. got. digrei ‘fulle’ (fiir den ne. ON. 
Doiley, 1156 Digerlea s. Ekwall MASO 
3, 1941, 35). — zur germ. wzl. von 
*digan 'kneten’, vgl. deig, digni. — 
Dazu Digraldi mPN, name eines 
sklaven in Rþ, eig. ‘der dicke’. Wohl 
mit suff. aldi < valdi, aber nach AM 
Sturtevant MPh. 26, 1929, 156 soll 
-ald- — gld sein in der bed. ‘menschen- 
welt > menschliches wesen’, wie in 
himaldi und BN. Leggjaldi, Tasaldi. 

— digrð f. ‘dicke’ (< germ. *digriþö), 
nisl. digurð. 

digull m. ‘tiegel’ (nur in SnE), nisl. 
digull, nnorw. digle, nschw. degel, 
ndá. digel ; vgl. nisl. deigulmór ‘töpferer- 
de’, shetl. digel(s)mur ‘lehmige erde’ 
(Jakobsen 98). — wohl < mnd. mnl. 
degel, 'topf. ziegel’, ahd. tegarziegel’.das 
wieder < lat. tegula ‘ziegel’ (vgl. tigl). 
Der á-anlaut ist aufíallend; s. 
dariiber Frings, Germania Romana 
73 und de Vries TNTL 48, 1929, 
180. Vielleicht ist *digula- ein 
echtgerm. wort, zu germ. *digan 
’kneten' gehörend (vgl. deig) und 
in der bed. von lat. tegula be- 
einflusst? (s. Heinertz, PBB'41, 
1916, 496). 

dik n. ‘lauf, sprung’ (nur Bp.), nisl. fár. 
dik\ vgl. nisl. norw. dika ’laufen’, fár. 
dika ‘schnell herankommen’, sfietl. 
dikel ‘hastige bewegung’. — nhd. dial. 
dicheln, dichseln ‘vorsichtig gehen’, — 
Verwandt mit gr. Oiyyávco ’beriihre’ ? 
diki n. 'pfutze, morast; graben’; nisl. 
fár. díki ‘morast’, nnorw. dike ‘moor; 
graben; deich’, nschw. dike, ndá. dige 
’wall, damm, graben’. — > hebrid. 
dik ‘morast’ (Christiansen MM1938, 
24); > norm. -digue, -dicq in ON. — 
ja-e rw. zu ae. dic (ne ditch) ‘graben’, 
afr. as. mnd. dik ‘deich; teich’, nnl. 
dijk ‘deich’, mhd. tich ‘teich’. — Geht 
man aus von einer urspr. bed. ‘graben' 
dann viell. zur idg. wzl. *dhéig 'stechen, 
stecken’: lat. figo ‘stecke’, lit. dýgstu, 
dýgti, lett. digt ‘keimen’, lit. dygljs 
‘dorn’, diegas, daigas 'keim’. 
dikta schw. V. ‘dichten, schreiben’ (nur 
in chr. Schr.), nisl. dikta, nnorw. digta, 
nschw. dikta, ndá. digte. — < mnd. 



dili 


77 


djarfr 


dichten ‘erdichten, schreiben’ < lat. 
dictare. — Dazu dikt n. und diktr 
m. ‘arbeit, auísatz, gedicht' < mnd. 
dichte n. < lat. dictum und diktari 
m. ‘verfasser’ < mnd. dichtere. 
díli m. 'flecken; wunde', nisl. dill, dill, 
fár. dili ‘hautflecken’, nnorw. dile 
‘nasse stelle' — > orkn. deeal ‘nasse 
stelle im boden’/— (wenn grundbed. 
‘feuchte stelle' ist) viell. zu dilhr ? 
diikr m. 'sauglamm; tierjunges’ (nur 
Grágás); nisl. dilkur ‘sauglamm’, fár. 
dilkur ‘festessen (meist lammsfleisch) ’; 
vgl. nschw. dial. del, ddl ‘zitze’, ndá. 
dcel 'milchdrusen’. — ae. delu ‘brust- 
warze’, ahd. tila, tili ‘brustwarze, 
euter’. Gehört zum germ. Zw. *dajjan 
'sáugen’, vgl. aschw. dia, ndá. die zu 
got. daddjan, ae. dian, mhd. dien, tien. 
— lat. felare ‘sáugen’, femina ‘weib’, 
filius ‘sohn’, gr. 8ijXu? ‘weiblich’, ftíjXfj 
‘mutterbrust’, ai. dhayámi, asl. dojq, 
lett. déju 'sauge’, lit. dile 'saugkalb’, 
lit. délí, lett. déle ‘blutigel’, mir. del 
‘brust, zitze', arm. dail ‘biestmilch’. — 
vgl. dís. 

Anders zu norw. dial. dilka ‘trip- 
peln’, dilla ‘nachlaufen’ (Jóhannes- 
son, Suff. 59), oder zu schw. 
dial. dilka ‘tröpfeln’ (A. Torp MM 
1914, 87-8). 

dimma I f. ‘finstemis', nisl. dimma 'ds’, 
nnorw. dial. dimma, demba ‘nebel- 
decke’, nschw. dimma 'diinner nebel’, 
dial. dimba ‘dampf'. — vgl. dimmr. 

— 2 schw. V. ‘finster werden’, nisl. fár. 
norw. dimma ; vgl. ae. dimmian ‘dunkel 
werden, sein’. -— vgl. dimmr. 
dimmr adj. ‘dunkel’, nisi. fár. dimmur, 
nnorw. dimm, aschw. dimber, ádá. 
dim. — ae. afr. dimm, ahd. timbar 
‘finster’, vgl. mnl. deemster. — vgl. 
dimma, dumba und dekkr. 

Aus nicht iiberl. *dimmi • fár 
dimmi ‘dunkelheit; mittsommer- 
nacht’, shetl. dimm ‘mittsommer- 
nacht'. 

dindill m. ‘pferdephallos' (nur Herv. s), 
nisl. dindill 'stumpfer schwanz, hinter- 
teil’. — wohl nebenform zu nisl. nschw. 
dingla, ndá. dingle ‘hin und her 
schwingen, schlaff hangen’, und abl. 
nisl. norw. schw. dangla, ndá. dangle. — 
vgl. dyndill, dyntill und detta. 
dini m. 'feuer’ (þula). Falls es ‘das flak- 
kernde’ bedeutet zu nnorw. dena ‘das 
lockende hin- und herlaufen von weib- 
lichen tieren’ (Torp Wb. 61). 
dirfa schw. V. ’erdreisten’, nisl. dirfa, 
fár. dirva', vgl. nnorw. djervast, nschw. 
djdrvas, ádá. djœrves, dyrves ‘sich er- 
dreisten’. — Dazu dirfð f. ‘kiihnheit’ 
(< germ. *derfiþö). — vgl. djarfr. 


dimir m. ‘ochs' (þula); vgl. nnorw. 
dirna' ‘stárker werden’ (< *dirfna ? zu 
djarfr). 

dis f. ‘weibliches göttliches wesen; frau’, 
nisl. dis ‘weib’; vgl. aschw. disaþing, 
nschw. distingen ‘februarmarkt in Upp- 
sala’, eig. 'mit disa-ieier verbundenes 
volksding’; weil die dísir weibl. máchte 
der fruchtbarkeit waren, wohl zu ai. 
dhisaná 'weibliche götterwesen’ zu ai. 
dháyati 'saugt’ (Johansson HVSU 20, 
1, 1918); vgl. weiter zu dilkr. 

Friiher unrichtig zu ae. ides vor- 
nehme frau’, as. idis, ahd. itis 
‘frau' (vgl. lat. germ. *Idisiaviso 
statt iiberlief. Idistaviso) gestellt 
(dagegen Uhlenbeck PBB 33, 
1908, 184). Das dis auch urgerm. 
bekannt war, beweisen PN. wie 
fránk. Agedisus, Disibod, alam. 
Disi, langob. Tiso. Im skand. recht 
háufig: Aldis, Alfdis, Asdis, Frey- 
dis, Herdis, Hjalmdis, Hjgrdis, 
Jódis, Þórdis und Koseform Dísa. 
— Áltere erklárungen: zu gr. 
öíaao? ‘religiöser festzug’, ai. 
dhisanyanl 'fromm, andáchtig’, 
also *dheis ‘gegenstand der ehr- 
furcht’ (Loewenthal PBB 47, 1928, 
280) oder iterativbildung zur wzl. 
*dhá ‘geben’, also ‘spenderin’ 
(Schrader bei Hempel GRM 27, 
1939, 264), vgl. noch Feist, Got. 
Wb. 153 b. 

dlskr m. ‘teller’, nisl. fár. diskur ‘teller, 
tisch’, nnorw. disk ‘hölzerner teller’, 
nschw. dá. disk ‘teller’. — > finn. 
tiski ‘schöpfkelle’, tiiski ‘tasse, schiissel’ 
(Karsten IF 26, 1909, 247); > IpN. 
disska ‘hölzerne schiissel’ (Qvigstad 
131). — < ae. disc ‘teller’ < lat. discus 
‘wurfscheibe, schiissel’. 
dispensera schw. V. ‘dispensieren’ < 
lat. dispensare. 

disponera schw. V. ‘bestimmen' < lat. 
disponere. 

disputa, disputera schw. V. ‘streiten’ < 
lat. disputare. 

divisera schw. V. ‘teilen’ < lat. divisare. 
djákn, djákni m. ‘diakon’, nisl. djdkn, 
nschw. djákne; vgl. nnorw. dekn, fár. 
deknur, ndá. degn. — < ae. diácon 
< lat. diaconus < gr. Siáxovo?, 
djarfr adj. ‘kiihn, mutig' (< germ. 
*derbaz), nisl. djarfur, fár. djarvur, 
nnorw. dá. djerv, nschw. djárv ‘dreist’. 
— > orkn. charve, shetl. djarf, tjarf 
'festentschlossen'; > me. derf, derue 
‘dreist’ (Björkman 233); > lpN. 

dier’be (Thomsen 2, 221). -— ae. dearf 
‘kiihn', as derbi (< *darbia-) ‘kráftig, 
böse’, afr. mnd. derve ‘derb’. vgl. 
dirfa, djprfung und dramb. 



djásn 


78 


dolg 


Man verbindet mit I. gr. -rpo9Í? 
‘fett, gross’, Tpétpco ‘náhre', lit. 
drabnús ‘dick’ (Torp, Fschr. Unger 
176-9), oder 2. mit lit. dárbas 
‘arbeit’, dirbu, dirbti ‘arbeiten (WP 
1, 863). Das letzte ist vorzuziehen; 
die wzl. *dherbh (vgl. ae. deorfan 
‘arbeiten, umkommen’) ist eine 
erw. von *dher (vgl. drengr), und 
deutet auf die in dem ‘mann- 
kreis’ zu leistende arbeit; mithin 
ist djarfr mit der schillernden 
bed. reihe ‘kráftig, derb, mutig’ 
die bezeichnung des mitarbei- 
tenden und mitkámpfenden volks- 
genossen. — In PN. nur ostskand. 
•wieHafdjarfr, Vígdjarfr;s. Wessén 
UUÁ 1927 Nr 3, 99 und A. Janzén, 
NK 7, 1947, ll 9 ' 

djásn n. ‘stirnreif, diadem’ (norw. DN); 
nisl. djásn ‘geschmeide’. — wohl < 
spátgr. *8 io8eoijux aus 8iá8i)pa 
ávaSéopa (Falk, NVA 1919, 115). 

djúpr adj. ‘tief’ (< germ. *deupaz), nisl. 
fár. djúpur, nnorw. schw. djup, ndá. 
dyb. — > shetl. djub, tjub; > norm. 
ON. Dieppe. — got. diups, ae. deop, 
afr. diáp, as. diop, diap, ahd. tiuf, tiof. 
— lit. dubús ‘tief, hohl’, daubá 
‘schlucht’, asl. dúbri ‘schlucht’, gall. 
*dubnos, *dumnos ‘welt’ (in PN. 
wie Dubnorix, Dumnorix), air. domun 
‘welt’, domain ‘tief’ (IEW 267). Idg. 
wecbsel der beiden wzln. *dheub und 
*dheup (s. auch botn) und weiter unter 
dyrr. — vgl. auch dufa 2, dýfa und 
weiter deypa. 

djpfull m. ‘teufel’, nisl. djöfull, fár. 
djevul, devul, nnorw. djevel, nschw. 
djávul, ndá. djeevel. — < and. diabol 
< lat. diabolus < gr. SiápoXoq. 

djprfung f. ‘mut, kuhnheit’. — vgl. 
djarfr. 

doði m. BN. (norw. DN), vgl. nisl. doði 
gefiihllosigkeit’, vgl. ndá. dudde ‘tau- 
mellolch’, norw. dodra ‘zittern’, weiter 
nisl. duða ‘einwindeln’, ostfries. bedu- 
deln ‘einhullen’, nnd. dudel ‘herab- 
hángender flitter an kleidungsstiicken’, 
nnorw. dott ‘biischel’, mhd. tocke 
‘biindel, buschel’, mnd. docke ‘stroh- 
biindel zum dachdecken’. — gr. ðúoavo; 
‘troddel’, lett. duSa ‘biindel’. — vgl. 
doðka und doðna. 

So schon bei Persson SHVS 10, 
1912, 45-6, aber ohne geniigende 
semantische erklárung. Es sind 
guttural- und dental-erw der idg. 
wzl. *dheu ‘geflecht’ (vgl. dazu 
dyrr). Ausdem begriff ‘einwindeln’ 
muss auch der von gefuhllosigkeit 
hervorgegangen sein (zu dauðr 
besteht also wohl keine beziehung) 


doðka f. ‘vogelart’ (þula). Mit á-suffix 
zu doðra, vgl. nisl. lcekjardoðra und an. 
doðrkvisa. Weil die art des vogels un- 
bekannt ist, unsicher ob zu doði oder 
zu einem aus ON erschlossenen *doðra 
‘bach, wasserlauf’ (Johansson NB 2, 
1914, 210). — doðrkvisa f. (auch nur 
in þula), vgl. doðka und kvisa 2. 
doðna schw. V. ‘gefiihllos werden’, nisl. 

doðna ‘erschlaffen’. — vgl. doðka. 
dofi m. ‘schlaffheit’ (nur chr. Schr.), nisl. 
dofi, nnorw. dove ‘láhmung in gliedem’. 
— afr. dof ‘kraftlos’, nnl. dof ‘triibe’, 
mhd. top ‘unsinnig’. — vgl. daufr. — 
Dazu weiter dofinn adj. stumpf, 
schlaff’, nisl. dofinn, fár. dovin, nnorw. 
ndá. doven ‘faul’, nschw. duven ‘schal’; 
> orkn. dovened, shetl. doven. — dofna 
schw. V. ‘kraftlos werden, erlahmen’, 
nisl. dofna, fár. nnorw. dovna, nschw. 
domna, ndá. dovne; > shetl. dofen, 
doven ‘schwach werden’. — got. af- 
daubnan ‘verstockt werden’. 
doki m. ‘streifen’ (spát. bezeugt). — 
vgl. dokka. 

dokka f. ‘stánder im gangspiel; puppe’, 
fár. dukka ‘puppe’, nnorw. dokka 
‘fadenbundel’, aschw. dohka ‘puppe’, 
nschw. docka ‘puppe; docke’, ndá. 
duhke ‘kurze sáule; docke; puppe’. 
Die bedeutung ‘stánder im gangspiel’ 
rúhrt vom nd. her, vgl. mnd. docke 
‘spielpuppe, strohbúndel, gelánder- 
stab’, mnl. docke ‘puppe’, mhd. tocke 
‘puppe, junges mádchen, búschel’, 
ae. fingirdocca ‘fingermuskel’. — Falls 
die germ. grundform *duðkön war, 
sind die unter doði genannten wörter 
zu vergleichen und weiter nd. dútje 
‘fadenbúndel’, nnl. dnt(je) ‘zwirnbúndel; 
kosewort fúr kleines kind’, nfr. doetge 
‘kleines mádchen’, mnd. dutte ‘törichtes 
weib’, die weiter gehören zu: a e.'dott 
‘fleck’, nd. dott ‘haufe, kleines wicht’, 
schw. nnorw. dott 'búschel’. — Mit 
hinsicht auf doki doch wohl eher aus 
grundform *duk- und dann als k-erw. 
der idg. wzl. *dheu ‘schútteln, wirbeln’ 
zu erkláren (vgl. dýja), wie sie auch 
vorliegt in ai. dhukiaie, dhukSayati 
‘anfachen’, dhúkas ‘wind’, lit. dvíkti, 
dvékúoti ‘atmen, keuchen’, dvðkti^' stin- 
ken’, dvákas ‘hauch’, dvakoti ‘keuchend 
atmen’, dúksas ‘seufzer’ (IEW 265). 
dolg n. ‘feindschaft’; ae. afr. dolg, mnd. 
dolk, ahd. tolc, dolg ‘wunde’ (ob auch 
got. dulg oder dulgs ‘schuld’ dazu 
gehört ist unsicher; eher zu air. dliged 
'pflicht, recht’, s. aber v. Grienberger 
SBA Wien 142, Nr. 8, 1900, 235). 
Dazu auch der germ. Volksname der 
Dulgubini ? — Zu germ. *dalgon 

‘schlagen’, vgl. nnd. daljen, dalgen 



dolpr 


79 


draf 


'hauen, schlagen, priigeln’, mhd. talgen 
‘kneten’ und weiter lat. falx, lett. 
dalgs ‘sichel’ (WP i, 866; aber anders 
IEW 247). Anders Ehrismann PBB 20, 
1895, 6«o, der *dhelgh ‘schlagen’ wozu 
auch gr. 6fXy<d ‘bezaubern’ neben 
*dhelbh ‘graben’ (vgl. -delfr) stellt. — 
Daneben dolgr m. ‘feind; troll’, viell. 
< *ga-dolga ‘mit dem man feindschaft 
hat’, nisl. fár. dolgur 'dummkopf, 
schliingel’; vgl. nschw. dial. dödolger 
‘faulenzer’. — vgl. dylgja. 

Zuweilen auch als glied von PN. 
wie Dolgfinnr, Dolgþrasir und 
Dolgþvari. Auch wgerm. wie fránk. 
Dulcebert, ahd. Dulciold (Naumann 
85 )- 

dolpr m. ‘kleidungsstiick’; nisl. dolpur 
‘dicke person’, nnorw. dolp ‘kleine 
herabhángende kugel’; vgl. ne. dial. 
dollop ‘klumpen’. -— wohl weiterbildung 
zu nnorw. dall m., dalla í. 'klumpen’, 
weiter zu nnorw. dalla ‘trippeln, báu- 
meln’, nschw. dial. dal(l)a ‘schlendern’, 
dá. dial. dalle ‘báumeln’. Vielleicht zu 
einer idg. wzl. *dhel ‘zittern’, wie air. 
deiltn ‘das zittern’ ? (IEW, 246). — 
vgl. delpr. 

Dagegen Jóhannesson Wb 524 zu 
der idg. wzl. *dhelbh 'graben’, wie- 
wohl die bed. dazu besonders 
schlecht stimmt. — Falk NVA 
1919, 189, trennt das wort in der 
bed. ‘kleidungsstiick’ von nisl. 
dólpur und verbindet es mit norw. 
ádá. tulup ‘schwerer pelzmantel’, 
das aus einem tatarischen wort 
fiir ‘lámmerfell’ herstammen soll. 
dómr m. ‘urteil, gericht’, nisl. fár. dómur, 
nnonv schw dá. dom. — > finn. tuo- 
mio, lp. N. duobmo (Thomsen 2, 224). — 
got. döms, ae. afr. as. döm, ahd. tuom. 
—- Gehört zur idg. wzl. *dhi-\ *dhö 
'setzen, stellen', die in dem germ. Zw. 
ae. as. dön, afr. diia, ahd. tuon 'tun’ 
vorliegt. Idg. m-erw. sind gr. 0 épa 
'satz', -0T)pa (in ává6T)(ia ‘weihge- 
schenk'), 8é(u? ‘recht’, ai. dháman 
‘heiliger brauch, bestimmung’. — vgl. 
dáð, dœma und endemi. 

Man muss fiir die urspr. bed. der 
wörter dómr, Oé(u<; und áhnl. 
nicht von einem abstr. begriff ‘das 
gesetzte, festgestellte’ ausgehen, 
sondern von dem dómhringr, dem 
mánnerkreis, in dem das urteil 
gefállt wird. Dann geht das wort 
(wie bei þing) auf ‘zaun’ zuriick, 
wie auch das germ. verb. tun 
urspr. auf das flechten der haus- 
wand zu beziehen ist (s. dáð), 
wic J. Trier, I.ehm 1951, 104-105 
das dargelegt hat. — Zuweilen 


auch zur bildung von PN. ge- 
braucht, aber nur als namen fiir 
myth. Schwedenkönige, wie Dó- 
maldi, Dómaldr, vgl. fránk Do- 
mald, Domuald, ahd. Tuomwald, 
Dómarr vgl. wgot. Domarius, ae. 
Domhere, Dómhilda í. vgl. ogot. 
Dumilda, ahd. Duamhilt. 
doparr n. ’runder helmknopf’. (nur 
þiðrekss). — vgl. doppa. 
doppa f. ‘metallknopf am sattel’ (erst 
i4.Jht.), nisl. doppa. — < mnd. doppe 
m. ‘schale, hiilse, beschlagknopf’ 
(Fischer 28); vgl. nnl. dop ‘schale, 
knopf, kreisel’, ahd. topf ‘kreisel’, die 
zur idg. wzl. *dheubh ‘pflock, keil’ 
gehören (IEW 268). 

dorg f. 'angelschnur’, nisl. fár. norw. 
ndá. dial. dorg, nschw. dörj. — > orkn. 
darro ‘holzrahmen zum aufwickeln 
der angelschnur’; > shetl. dorro, he- 
brid. dorgh ‘angelschnur’ (Christiansen 
MM 1938, 8); > manx. darrag (Mar- 
strander NTS 6, 1932, 49); > schott. 
dorgha, drogha (Henderson 121); > 
finn. torko ‘íischhaken’ (Setálá FUF 13, 
1913, 461); lpN. duör’go ‘angelschnur’ 
(Qvigstad 140); > air. dorga, drugha 
(Marstrander NVA 1915 Nr. 5, 93); 
> ne. dial. dor-(line) 'angelschnur fiir 
makrelíischerei’ (Thorson 58). — Ge- 
hört zur sippe von draga 2 ‘ziehen’ 
(S. Bugge ANF 2, 1885, 234-6); vgl. 
auch dyrgja 2. 

Dórl m. ‘zwergenname’ (poet.). Nach 
Gering, Komm 1, 18 zu ae. as. derian, 
afr. dera, mnl. deren, ahd. tarén, tarön 
‘schaden, verletzen’. Man kann aber 
auch an nisl. dór ‘bohr' ankniipfen, 
vgl. nnorw. dor ‘eisener pflock’, fár. 
dori ‘pflock’. 

dóttir f. ‘tochter’, run pl. ðohtriR (Tune 
c. 400, Krause Nr 55); nisl. fár. dóttir, 
nnorw. schw. dotter, ndá. datter. — 
got. dauhtar, ae. dohtor, afr. dochter, 
as. dohtor, ahd. tohter. — gr. Guy<*tt)p, 
ai. duhitá, av. dugdar, asl. dúíti, lit. 
dukté, toch. B. tkácer, A. ckácar. 
dottr m. ‘schindmáhre’, nnorw. dolt 
‘strohwisch, kleiner haufe, schwacher 
kcrl’. — vgl. doði, dokka und dytta. 
Kahle IF 14, 1903, 156 stellt das 
wort aber zu detta, weil vom 
pferd erzáhlt wird, dass es sich 
immer auf den boden fallen liess. 
— vgl. aber nisl. dotti ‘fleck’ (s. 
Jóhannesson Wb. 504). 
draf 1 n. ‘abfall, brocken’, nschw. drav 
‘abfall’. -— ae. drœf ‘abfall', vgl. got. 
gadraban ‘aushauen’ und weiter asl. 
drobiti 'zerreiben, zerbrechen’, asl. 
drobinú ‘klein, gering’ (IEW 272); 
vgl. drafna und drepa. 



drafl 


80 


dramb 


— 2 n. ‘bodensatz, hefe’, nnorw. drav, \ 
'hefe', aschw. draf, nschw. drav 'schwei- 
nefutter’, ndá. drav ‘hefe'; (das wort 
ist im altn. nicht iiberliefert). — > 
finn. rapa ‘treber, hefe’ (Kluge FUF 12, 
1912, 39); > ir. schott. drabh, drabhag 
‘bodensatz’ (Craigie ANF 10, 1894, 
164). — me. draf (ne. draff) ’treber, 
spiiíicht’, mnd. draf, nnl. draf, ahd. pl. 
trebir ‘bodensatz’; daneben nnorw. 
drevja ‘weiche masse’, nnd. drabbe 
‘bodensatz’ und abl. ae. drðf, afr. 
dréve, as. drðbi, mnl. droeve, ahd. 
truobi ‘triibe, schlammig’. — mir. drab 
‘treber, hefe’, drabar-sluag ‘gemeines 
volk’ (IEW 252). Entweder zur idg. 
wzl. *dher ‘triiber bodensatz', vgl. 
dregg, oder zu gr. rpéipoi ‘mache ge- 
rinnen, ernáhre’ (Thumb, KZ 36, 1900, 
182). — vgl. drafl, drafli, drafna, 
drefjar und drgfn. 

drafln. ‘geschwátz’ (erst 14. Jht), nisl. drafl 
‘schmutz; torheit, geschwátz’, nschw. 
ádá. dravel ‘schmutz; geschwátz’; 
daneben abl, nnorw. nschw. dial. 
dröl (< *drðbula, vgl. Bucht, MASO 2, 
1939. 85-98) ‘sumpfige, auch wohl mit 
steingeröll bedeckte stelle’. — ne. 
drabble ‘besudeln’, mnd. drabbeln 'gei- 
fern’, vgl. mnd. dravel ’armseligkeit', 
ne. drivel, dribble ‘geifern, dumm 
reden’. — vgl. draf 2. 

drafli 1 m. ‘gekáste milch', nisl. drafli, 
fár. dralvi, nnorw. dravle. — > finn. 
rapuli ‘schlechte butter’ (Karsten, 
GFL 253). — gr. xpoipaXís ‘frischer 
káse, geronnene milch' stimmt nach 
form und bedeutung so genau, dass es 
wohl zu gr. rpí<p<o ‘emáhre’, lit. drimbú 
‘langsam herabtropfen’ gehören wird 
(H. Petersson SVS Lund 1, 1921, 125). 
— vgl. draf 2. 

— 2 mBN. 'schwátzer’. — vgl. drafl. 

drafna schw. V. ‘sich auflösen, finster 

werden' (spát bezeugt), nisl. drafna 
'sich auflösen, vermodem’. — vgl. 
draf 1. 

drag n. 'iiberzug; bohle unter dem kiel; 
landenge iiber die man die schiffe zie- 
hen muss', nisl. fár. drag ‘das ziehen’, 
nnorw. drag ’luftzug, wóisserlauf’. — 

> orkn. draig ‘kleiner gezeitenstrom’; 

> shetl. drag 'zug, last; regenschauer’ 
(Jakobsen 112); > manx ON Drezwick 
(< *Dragsvik, s. Marstrander NTS 6, 
1932, 278); > ne ON. Dundraw, 
Draughton (Ekwall 144); > IpN. rák(k)e 
lp.S. dráké ‘loser kiel' (Qvigstad 
256). — ae. gedrteg 'schar, menge’, 
mnd. gedrach ‘ertrag'. — vgl. draga 2. 

draga 1 f. 'geschleppte last’, nnorw. 
droga ‘holzfracht’, nschw. dial. draga 
’fuhre’. — ae. dreege ‘schleppnetz’. 


mnd. drage ‘bahre’, ahd. traga ‘amme’. 

— vgl. draga 2. 

— 2 st. V. ‘ziehen, locken, fahren, atem 
holen usw', nisl. nnorw. fár. schw. 
draga, ndá. drage. — > shetl. drag, 
drog, schott. dragh (Craigie ANF 10, 
1894, 164). — ae. dragan ‘ziehen, 
schleppen’, abergot. dragan, afr. draga, 
drega, as. dragan, ahd. tragan ‘tragen’, 

— vgl. dorg, drag, dragna, dragsast. 
Dragvandill, dráttr, drega, dre- 
gill, dróg, drómi, draegr, dyrgja 2 
und wohl auch drák. 

Die etym. ist unsicher. Entweder 
zur idg. wzl. *dherégh ‘festhalten’, 
vgl. ai. drhyati 'festmachen’, av. 
darrzayeiti 'fesselt’, lit. difias 
‘riemen’ (WP I, 859), oder zur 
wzl. *dherágh 'ziehen’, vgl. russ. 
doróga ‘weg, reise’, und wohl mit 
spiranten-dissimilation zu lat. tráho 
‘ziehe’ (A. Walde IF 19,1906,106). 

dragl m. ‘traglast, tráger’, vgl. as. drago, 
ahd. trago ‘tráger’. — vgl. draga 2. 

dragna schw. V. 'nachschleppen’, nisl. 
fár. norw. schw. dial. dragna. — vgl. 
draga 2. 

dragsast schw. V. ‘sich fortschleppen’ 
(nur Karlam. s.); nisl. fár. nnorw. 
dragsa ‘mit miihe schleppen’. — vgl. 
draga 2. 

Dragvandill m. ‘name eines schwertes’, 
eig. 'schwert das so lang ist, dass es 
auf dem boden nachschleppt’ (Kahle 
IF 14, 1903, 205), oder auch ‘stab der 
aus der scheide gezogen wird’ ? vgl. 
draga 2 und vandill. 

dr&k, dr&ka f. 'streifen', nnorw. draak 
'ds', vgl. nschw. dial. drakig, 'ndá. 
draget ‘gestreift’ — ai. dhráji- ‘streifen, 
zug’, dhrájati ‘streichen, gleiten’, lit. 
dreióti ‘glattstreichen’ zur idg. wzl. 
*dhré§ ; aazu auch vielleicht draffla 2 
(mit gh statt g ?). 

draka f. ‘loser einfall’ (nur pl. iiberl. in 
Æf.) — Falls das unniitze des plötz- 
lichen einfalls hervorgehoben wird, 
kann man viell. an die sippe von drafl 
ankniipfen. Verbindung mit ae. dracu 
'qual’ (so Holth. Wb) ist schon der 
ganz anderen bed. wegen wenig wahr- 
scheinlich. 

dralla schw. V. ‘schlendem’ (poet.), 
wohl < *drazlðn, vgl. nisl. drasla 
‘schlendem’. — vgl. drasinn und 
dryllr. 

dramb n. ‘iibermut, prachtaufwand’ 
(erst i3.Jht.), nisl. fái. nnorw. dramb. — 
as. drembil ‘prachtkleid’. Zur idg. wzl. 
*dherebh ‘gerinnen, gerinnen machen’: 
gr. OpópBtx; ‘geronnene massa', lit. 
drimbú, dribti ‘langsam tröpfeln’, dram- 
biys ‘mit dickem bauch’ (vgl. drat 2). 



drangr 


81 


drangr 


— vgl. drembiligt, drumba, drumbr 
und drymba. 

drangr n. 'hochragender stein, fels- 
spitze'; nisl. fár. drangur, nnorw. 
drange 'in das meer hervorragender 
fels’. — > shetl. drong; > norm. ON. 
Le Drengue, Dranguet (Belsheim 83-4). 

— asl. drqgu ‘stange, schlagbaum', av. 
dranjaiti ‘festigt, kráftigt, mir dringid 
‘ersteigt’ (Zupitza Gutt 177). — vgl. 
drengr und drengja. 

dráp n. ‘totschlag’, nisl. fár. dráp, 
nnorw. draap, nschw. drip, ndá. draab. 

— vgl. drepa. 

drápa í. ‘mit kehrreim versehenes lob- 
gedicht’, eig. ’ein lied in das ein stef 
eingefiigt wurde’ (Nordal, APhS 6, 
1930, 144-9). — vgl. drepa. 

drasill m. ‘pferd' (poet.), neben drpsull 
‘pferdename' (fur die analogische form 
drasill statt dresill A. Noreen IF 14, 
1903, 397). Etymologie unsicher. 

1. zu gr. lesb. Oépooc ‘mut’, af. 
dhfsnoti' ist tapfer, wagt’, lit. dristi 
‘dreist werden’ (Loewenthal ANF 
32, 1916, 283), 2 zu ahd. dras&n, 
drasjan ‘schnauben’ (vgl. Weinhold 
Altn. Leben 48-9, aber dann an- 
lautwechsel þ; d), 3. zu drasinn, 
also eig. ‘der schnell und unacht- 
sam vorWartseilt’ (R. Norden- 
streng, Fschr. A. Kock 1929, 
194-6; bedeutung befriedigt nicht), 
4. zur wortgruppe von drengr 
(Yggdrasill — ‘Eibensáule’, F.R. 
Schröder, Ingunar-Freyr, 1941, 
11; wenig wahrsch.). 5. zu germ. 
*dras ‘tráge sein’ mit hinsicht auf 
nisl. dtQsla ‘langsam schleppend 
gehen’ (was fiir die dtQsla mel- 
greypa in Akv. 4, oder fur Dagr 
reið DtqsIí besonders schlecht zu- 
trifit) von Jóhannesson Wb. 527 
mit der sippe von dreyra ver- 
bunden wird; höchst unwahr- 
scheinlich. 

drasinn adj. ’faul, stumpf’, nisl. drasinn; 
vgl. norw. schw. dial. drassa ‘schleppen’, 
dá. dial. drasse ‘hin und her gehen’; 
nisl. drasla ‘schlendem’, nnorw. drasla, 
draska ‘schleppen’, nschw. dial. drassla 
'schleppen' (falls die wörter mit ss 
nicht aus einer grundform *dratt-s ; 
vgl. dratta). Vielleicht weiter zu ae. 
drös ‘bodensatz’, mnl. drösem, nnl. 
droesem, ahd. truosana ‘hefe’, vgl. asl. 
dr^selú ‘traurig’, drfchtú 'niederge- 
schlagen’ (Wood KZ 45, 1912, 62). — 
vgl. dralla, drós und draesa. 

Der versuch diese wörter mit 
drasill zu verbinden und auf 
eine germ. wzl. *dras ’tráge sein’ 
zuriickzufiihren, die dann wieder 


zur sippe von dreyri gehören 
sollte (so Jóhannesson Wb. 527) 
ist wenig iiberzeugend. 

dratta schw. V. ‘schwerfállig gehen’ 
(erst i3.Jht.), nisl. dratta, nnorw. dial. 
dranta ’schleppend gehen’, ádá. dratte 
‘langsam gehen’; vgl. noch fár. dratla 
’schwerfáUig gehen’, nnorw. dratla 
‘schleppen’ (s. weiter unter drasinn). 

— > shetl. dratsi ‘name fur die otter 
(eig. die den schwanz hinter sich her 
schleppt’). — nnl. drentelen ‘langsam 
hin und her gehen’ gehört als wechsel- 
form zu trendelen kaum hierher. — 
vgl. drettingr, drómi und drQÍtr. 

Unwahrscheinlich ist zusammen- 
hang mit der sippe von dryn- 
(so Jóhannesson Wb 517), weil 
die bedeutungen zu weit aus- 
einander gehen. 

dráttr, dr$ttr m. ‘zug, auíziehen' 
(< germ. *drahtu-), nisl. fár. dráttur, 
nnorw. draatt, nschw. dial. drœtt, ndá. 
drcet. — > lpS. ráktas (< *drahtuz) 
‘zugriemen am schlitten’ (Collinder, 
APhS 3, 1928, 222); fraglich > finn. 
rahtu ‘etwas kleines, atom’ (Setálá 
Virittájá 30, 49-52, aber nach Kalima 
FUF 18, 1927, 152 aus dem baltischen). 

— ne. draught 'zug, schluck’, ahd. 
traht, truht ‘ziehen, tragen’, mnl. dracht, 
drecht ‘tragen. last, tracht’, nnl. -drecht, 
dracht in wassemamen. — lat. tractus 
’ziehen, zug’. — vgl. draga. 

draugr I m. ‘gespenst, wiedergánger’, 
nisl. draugur, fár. dreygur, nnorw. dial. 
draug, ádá. drog ‘gespenst’. — > finn. 
raukka ‘verstorbener, böser geist; arm, 
elend’, estn. weps, rauk ‘greis; schwach, 
hilflos’ (Karsten GFL 46 und 188; aber 
nach Setálá FUF 13, 1913, 436 frag- 
lích); > ]pN. ravgga S. rauk ‘see- 
gespenst’ (Qvigstad 261). — as. gidrög 
’erscheinung' trugbild’; abl. ahd. gitrog, 
mhd. getroc ‘betrug’, mnl. ghedroch(t) 
‘betrug, gespenst’, zu as. bidriogan, 
ahd. triogan ‘triigen’. — ai. drögha- 
‘beschádigung', drúha- ‘unhold’, av. 
draoga- ’luge’, air. aurddrach 'gespenst’, 
zur idg. wzl. *dhreugh ‘schaden, be- 
trúgen’ vgl. ai. drúhyati ‘sucht zu 
schádigen', av. druiaiti 'lúgt, betrúgt’ 
(IEW 276). — vgl. draumr. 

— 2 m. 'baum, baumstamm’, nur poet. 
in umschreibungen fúr ‘mann'; eig. 
wohl ‘trockener stamm' und dann zu 
druh ‘staub’, vgl. ae. dryge, nnl. droog 
‘trocken’, vgl. drjúgr. 

Dagegen verbindet .Neckel PBB 
39, 1914, 189-200 das wort mit 
got. driugan ‘kriegsdienst tun', ae. 
dreogan ‘aushalten, ausfuhren’, und 
kommt zur bed. ‘der das kriegs- 


6 



draumr 


82 


drengr 


handwerk iibt.’ Die skaldensprache 
fordert aber vielmehr eine bed. 
‘baum’. Ubrigens kommt man in 
beiden fállen zu derselben idg. 
wzl. *dhreugh (s. IEW 255). 
draumr m. ‘traum’, nisl. draumur, fár. 
dreymur, nnorw. draum, nschw. dröm, 
ndá. drem. — as. drðm, afr. drám, ahd. 
troum; wohl identisch mit ae drlam 
‘freude, iubel, gesang' (ne. dfíarn áEer 
' mcúta" .'' nách SérTeantsson 74' leKn- 
tSedeutung aus skand.), as. dröm ‘freu - 
de, larmen '. — vgl. dreyma. 

I 5 Ie erklárung aus einer form 
*draugma, das man zu draugr 1 
stellt, setzt eine bed. ‘trugbild’ 
voraus, aber die Germanen be- 
trachteten den traum gerade als 
eine offenbarung kiinftiger dinge. 
Diese etym. wiirde auch die beiden 
wörter mit der bed. ‘ traum ' und 
'juhe l’ auseinanderreissen, die F.R. 
Schröder, GRM 16, 1928, 164 fiir 
identisch erklárt, indem er den 
traum als eine art ‘ 

~IááSt. Máhmuss von der 
iubel’ , au^ell6n)~^í?^mTi 

Itehb-eii- ' aTT flie iinter 

drenpr'T!Sf\Sn3Sf^fr srDPe anJii. 
TmupjeiT~TirTler*fggrwzr *dhreu 


jswsfír 


e £ore n bwf.wli.iniHtlHftfWttBife aSfiE 

* _ —-*■“* * 11 


ire woHBf "tiri'tier xTtlfl ífl"”' 
Draup'Hlf ffl. Ufliiis rmg’ áuch 'zwergen- 
name’. — vgl. drjúpa. 
drefjar fpl. nur in Zs. btóðdrefjar ‘blut- 
flecken’ (Grett. s.); nisl. drefjar ‘kleckse, 
flecken’, nnorw. drevjai. 'weichemasse’, 
nschw. dial., drávja ‘viehfutter aus 
mehl und wasser’ (E. Lidén MASO 3, 
1941, 86). — vgl. draf 2. 
drega schw. V. ‘ziehen’ (i3.Jht.), vgl. 
draga. 

dregg f. ‘hefe’ (< germ. *dragjð), nisl. 
dregg, nschw. drágg, vgl. nnorw. dragse 
‘hefe’. — > shetl. dragg, drágg, drogg 
‘feinerregen’ (Jakobsen 113); > schott. 
driog ‘tropfen’ (Henderson 113); > me 
dreg(ge), ne. dregs ‘hefe’ (Björkman 
2 34 ); > lpN. rcBkia, rcefla ‘hefe’ 

(Qvigstad 280). — ae. drcest, dœrst 
(ne. drast) ‘hefe, bodensatz’, ahd. 
trestir (< *drahst-). -— lat. pl. fraces 
‘bodensatz des öles’, gr. -nzp áooo>, 
6p iaata ‘verwirren’, -rotp<*X7J 'unruhe’, 
asl. droidijf fpl. alit. drages, apr. 
dragios, alb. drá ‘hefe’. (Torp, Fschr. 
Unger 178 und Reichelt KZ 46, 1914, 
322). — vgl. draf 2. 
dregill m. 'band, schnur, haarband’, nisl. 
dregill, fár. dregil, nnorw. dregel, ádá. 
dregel, drejl ‘breites band, streifen’. — 


> finn. tarhila, tarhilo ‘halfter’ (Setálá 
NPhM 32, 1931, 85). — vgl. draga. 

dreifa schw. V. ‘forttreiben, bespritzen’, 
nisl. dreifa, fár. nnorw. dreiva. — 
got. draibjan ‘treiben, plagen’, ae. 
ádrœfan, ahd. treiben ‘vertreiben’. 
— Kaus. zu drifa 2. 

dreita schw. V. ‘zum scheissen nötigen’. 
— Kaus. zu drita. 

dreki m. ‘drache; drachenschið’, nisl. 
fár. dreki, nnorw. schw. drake, ndá. 
drage. — > finn. rakko in ON. Rakko- 
vuori ‘Drachenberg’ (Karsten IF 26, 
1909, 248). — Entweder < ae. draca 
(Falk WS 4, 1912, 105-7) oder < mnd. 
drake (Höfler, ANF 48, 1932, 221), in 
beiden fállen mit palatalumí. Noreen 
Gramm § 73; weiter < lat. draco < gr. 
8páxwv ‘drache’ (eig. ‘der scharf- 
sehende’ zu Sépxopai ‘sehen’). Als 
schiffsname nur in Skandinavien ge- 
bráuchlich (nach dem stevenbild). 

drekka 1 f. ‘trunkgelage, trank’, nnorw. 
drikka, nschw. dricka n. 'diinnbier’. — 
ae. drinca m. drince i. ‘trank’. vgl. got. 
dragk, ae. drenc, as. drank, ahd. trank. 

— vgl. drekka 2. 

— 2 st. V. ‘trinken’, nisl. fár. drekka, 
nnorw. drikka, nschw. dricka, ndá. 
drikke. — got. drigkan, ae. drincan, 
afr. drinka, as. drinkan, ahd. trinkan. — 
vgl. drekkja, drukkinn, drukna, 
drykkja und drykkr. 

Die verbindung mit ai. dhrdjati 
'streichen, gleiten’, lett. dragát 
‘reissen’ (Zupitza, Gutt. 161) be- 
friedigt nicht. J. Trier, Zs. der 
Savigny-stiftung fiir Rechtsgesch. 
65 Germ. Abt. 1947, 253 ver- 
gleicht gr. Öpiyxó? ‘zaun’ und 
erinnert an das trinkgelage der 
zu einem mannring gehörenden 
genossen (vgl. drengr 1). * 

drekkja 1 f. ‘trunk’ — mnd. drenke, 
ahd. trenka ‘tránke’. — vgl. drekka 2. 

— 2 schw. V. ‘tránken, ertránken’ (< 
germ. *drankjan), nisí. norw. drekkja, 
nschw. dránka, ádá. drœnke ‘ertránken’. 

— got. dragkjan ‘tránken’, ae. drencan, 

afr. drenza, drinsa, as. drenkian, mnd. 
mnl. drenken, ahd. trenkan ‘tránken, 
ertránken’. — vgl. drekha 2. '' 

dremblllgr adj. 'tíbermiitig’; — vgl. 
dramb. 

drengja schw. V. ‘festbinden’, nisl. 
drengja; vgl. shetl. drang, dreng. — 
vgl. drangr. 

drengr 1 m. 'dicker stock; mann, kflhbe, 
diener (< germ. *drangja oder *drangi, 
s. I. Lindquist, NB 27, 1939, 27-8); 
run. schw. trekaR (Eneberga), dá. 
triks g. sg. (Simris II). Fiir die bedeu- 
tung ‘mitglied der königlichen hird s 




drepa 


83 


drift 


Aakjær APhS 2, 1927, 1-30 und Jacob- 
sen-Moltke NB 23, 1935, 190. — nisl. 
drengur, fár. drongur, nnorw. dá. 
dreng, nschw. dráng. — > ae. dreng, 
me. dreng, dring (Björkman 208); 
> shetl. drengi ‘tabuwort fiir heilbutt’ 
(Jakobsen 117). — Fiir idg. Verw. s. 
drangr. Die irig w?l •dhrp.ngh. nehen 
*d heregh ívg lZ.Araga\ s ind erw von 
*d Hér ! halten. festhalten, stiitzen ' vgl. 
lat. frelus gestutzt, vertrauend’, fré- 
num ‘gebiss, zaum', gr. ðpijvus 'sche- 
mel, ruderbank', ai. dhárayati ‘fest, 
ruhig sein', dharana- ‘tragend, erhal- 
tend’, dhárma- 'satzung, sitte’ (IEW 
252 - 5 )- 

Man setzt eine idg. wzl. *dher 
'festhalten, stiitzen’ an, aber eher 
soll man von einer bed. ‘zaun- 
geflecht, zaun’ ausgehen; darauf 
weisen lit. dafías 'garten; lett. 
dárz ‘garten, einfriedigung’ (beide 
von der erw. *dheref>h) hin. Auch 
ai. dháraka ‘behálter’ gehört dazu. 
Deshalb ist drengrwohL,eig^fde.T 
^zau npfahl '. Auchaleses wórt (vgL 
pingf^Sx die erw. zu ‘mannring’ 
erfahren (vgl. drekka 2), was 
besonders deutlich aus der erw 
*dhreu hervorgeht (vgl. drótt), 
besonders auf den kampf bezogen, 
vgl. djarfr, drjúgr und drima. 
AIs kultgemeinschaft sind an- 
f""” 1 - 1111 - hnv.m.rti, Vottes- 
.diens t' und dra um r. uagegen 
tHTfffieT_^i t)eiiÍ 5 gB HH ffisch aft ín 
litr^^ 5 ír^m^eign^ 5 ® 5 SOJiid 
y;iel!eicGf jaaa-JÚei—anch 
dzí7gL_ánrejhen. 

— 2 mT^tSu zum feStbinden’. — > afrz. 
drenc, nfrz. dran ‘tau im rack’ (K.Nyrop, 
ANO 1919, 27). — Wohl dasselbe wort 
wie drengr 1, aber Holthausen Wb. 39 
stellt es zu ai. dymhati ‘befestigt’. — 
vgl. drengja und drómi. 
drepa st. V. schlagen, stossen; töten’, 
nisl. fár. norw. drepa, nschw. drápa, 
ndá. drcebe. —■ ae. as drepan, mnd. mnl. 
drepen, ahd treffan. — Wohl neben- 
form zu got. gadraban ‘aushauen', vgl. 
asl. drobljn, drobiti ‘entzweireissen' 
(IEW. 272-3). — vgl. draf 1, dráp, 
drápa und drœpr. 
drer n. vgl. drer. 

Dresvarpr m. 'Odinsname’. Unsicher. 
Falk, NVS 1924 Nr. 10, 6 vergleicht 
ai|l. dres ‘ubermut’, ndá. dial. drcesel 
‘kampf’. 

drettingr m. BN. ‘faulenzer’, vgl. ndá. 
drcetten ‘langsam’ (F. Jónsson ANO 
l 9°7, I20). — vgl. dratta. 
dreyma schw. V. 'tráumen’, nisl. dreyma, 
fár. droyma, nnorw. dreyma, nschw. 


drömma, ndá. dremme. — nnl. dromen, 
ahd. troumen, so wie die in der bed. 
abweichenden ae. drlman, as. drömian 
‘singen, jubeln’. — vgl. draumr. 
dreypa schw. V. ‘tröpfeln lassen, tráu- 
feln’ (erst 13 Jht.), nisl. dreypa, fár. 
droypa, nnorw. droypa, nschw. dröpa .— 
ae. driepan, mnd. dröpen, mnl. dropen, 
mhd. troufen. — vgl. drjúpa. 
dreyra schw. V. ‘bluten’, eig. 'fallen 
lassen’ (< germ. *drauzian), nisl. dreyra 
‘bluten’. — got. gadrausjan ‘hinab- 
stiirzen’, ahd. trðran ‘tröpfeln’. — 
dreyri m. ‘strömendes blut’ (< um. 
*drauRan), nisl. dreyri, fár. droyri, 
vgl. shetl. drori. — as. drSor ‘blut’; vgl. 
as. drör, ahd. trör ‘tropfende flussig- 
keit’. Gehört zum Zw. nnorw. dial. 
drjösa, vgl. got. driusan, ae. dreosan, 
as. driosan ‘fallen’. — Falls zur idg. 
wzl. *dhreus wáre zu vergleichen gr. 
Opaúcð 'zerbreche, zermalme’, Opauopa 
‘bruchstiick, wunde’ (IEW. 274). — 
vgl. drussi und dror. 
drif n. ‘schneegestöber, gischt', msl. drif, 
fár. nnorw. driv ‘treiben, schneegestö- 
ber’, vgl. nnorw. nschw. driva ‘schnee- 
sturm’. — > orkn. drif, shetl. driv 
‘staubregen’. — ae. ge-drif ‘das fort- 
getriebene’. — vgl. drifa 2. 
drífa 1 f. ‘schneegestöber’ auch ‘pfeil’ 
(þula), nisl. drifa. — > ne. dial. (mirk-) 
drife ‘feines schneegestöber’ (Thorson 
70). — ae. drif ‘fieber’, mnd. drivt 
'gosse’, mhd. tríbe 'durchfall’. — vgl. 
drif und drifa 2. 

— 2 st. V. ’treiben, fahren, kommen', 
nisl. drifa, fár. nnorw. schw driva, 
ndá. drive. — got dreiban, ae. drifan, 
afr. driva, as. driban, ahd. triban. — 
vgl. dreifa, drif und drift. 

Die verkniipfung von drifa mit 
lit. drimbu, aribti ‘langsam nieder- 
tropfen’ (IEW 274) íst unbefrie- 
digend; die bed. stimmt gar nicht 
und man gelangt zu einer ísoíierten 
idg. wzl. *dhreibh. Diese ist aber 
bh-e rw. von *dherei, das selbst 
wieder auf *dher zuriickgeht (vgl. 
drengr). Die bed. ’viehweide, 
herde' diirfte urspr. sein und das 
drífa wáre dann ‘das treiben des 
viehs in die umzáunte weide’. 
dríft, dript f. 'schneegestöber ; blumen- 
duft’, nisl. drift ‘schneewetter; antrieb, 
energie’, fár. drift ‘gang, fahrt’, nnorw. 
drift 'treiben, viehtrift, schneegestö- 
ber’, nschw. ndá. drift ‘treiben, vieh- 
trift, weide’. — ne. drift ‘triebkraft; 
schneewehe; richtung’, mnd. drift ‘vieh- 
trift, weide’, mnl. drift ‘ungestiim; an- 
trieb; viehtrift’, mhd. trift ‘trieb, 
herde, weide'. — vgl. drifa 2. 



driful 


84 


drótt 


driful f. in Zs. Geirdriful ‘walkuren- 
name’ eig. ‘speertreiberin’. vgl. mnd. 
mnl. drevel 'dupeisen’, aha. tribil 
‘treiber’. — vgl. drifa 2. 
drima f. ‘kampf’ (þula); vgl. nnorw. 
drimsa ‘schleudem (einer waffe)’. Im 
anlautwechsel zu prima. 

Falls m-erw. der unter drifa 2 
behandelten idg. wzl. *dherei, 
kannmandanebendiewzl. *dhereu 
stellen, die in drótt vorliegt, und 
dann an die unter drengr be- 
handelten wörter ankniipfen. 
dríta st. V. ‘cacare’, nisl. fár. drita, 
nnorw. schw. dial. drita, ndá. drite, 
dritte. — ae. dritan, afr. drita, mnd. 
mnl. driten, ahd. trizan. — lat. foria 
‘durchfall’, lit. derkiú ‘besudle mit 
unflat’, serb. driskati ‘durchfall haben’. 
— vgl. dreita. 

drjónl m. ‘ochs' (þula). möglich zu der 
sonst im skand. fehlenden sippe von 
ae. drSam, as. dröm ‘frohes lármen, 
jubel’ (vgl. draumr), das zu gr. Spéopai 
‘laut schreien’, 0p6o? ‘lautes rufen’ 
zu stellen ist (Holthausen PBB 66, 
1942, 275, dernoch nisl. drjóli ‘drohne’ 
heranzieht); vgl. auch ae. dora ‘hum- 
mel’, as. dreno, ahd. treno ‘drohne’ 
(IEW 255). 

Die grundform ist idg. *dhereu, 
eine erw. von *dher, die man aber 
nicht mit Jóhannesson Wb. 517 
zu der in dryn- vörliegenden wzl. 
*dhren stellen soll. Die idg. wzl. 
*dher wurde unter drengr be- 
handelt und von der dort gege- 
benen grundvorstellung kann das 
wort drjóni noch wohl etwas 
anderes als ‘der bruller’ bedeuten; 
besser noch ‘der starke, mutige’ 
oder ‘das arbeitstiichtige tier’. 
drj úgr adj. 'a ushaltend. ausreichend’ 
X< germ. *lréuga-), nisl. Jrjúgur, fár. 
drjúgvur, drúgvur, nnorw. drjug, nschw. 
dryg, ndá. drei. — > shetl. drég; > 
lpN. rivgas, rievgas, lpS. riukas (Qvig- 
stad 267). — nfr. driech ‘ausdauernd’, 
ostfr. drlg ‘schlau’, nordfr. dreegh 
‘fest, hart’; vgl. weiter ae. gedréog 
‘passend, niichtern, emst’, ahd. ur- 
truhlich ‘niichtem’. — Mit anderem 
gukural: lit. druhtas, driúktas ‘dick, 
umfangreicb’, apr. drúktai adv. ‘fest, 
stark’. Zur idg. wzl. *dhereugh, erw. 
der unter drengr x behandelten 
wzl. *dher. — vgl. draugr 2, drótt, 
dróttinn und drýgja. 
drjúpa st. V. ‘tropfen, den kopf hángen 
lassen’, nisl. drjúpa, fár. drúpa, nnorw. 
drjupa, nschw. drypa, ndá. drybe. — 
> me. drupen, ne. droop ‘schlaff her- 
abhángen (Björkman 177). — ae. 


dreopan, afr. driSpa, as. driopan, ahd. 
triofan. — air. drucht ‘tau, tautropfen’. 
Zur idg. wzl. *dhreub, vgl. lett. 
drubazas ‘holzsplitter’ neben *dhreubh 
vgl. gr. ðpóirru ‘zerbrechen’ und 
*dhreup in lett. drupt ‘zerfallen’; 
daneben noch *dhreus, vgl. dreyri. — 
vgl. draupnir, dreypa, dropi und 
drúpa. 

dróg f. ‘streifen, strang’ (chr. Schr.), nisl. 
dróg ‘faser’, aschw. drögh ‘schlitten’. — 
ae. dröht ‘zug’, drœge ‘schleppnetz’. — 
vgl. draga. 

drokkr m. ‘untauglicher mensch’ (SnE). 
oder soll man lesen drókr ? (s. Ström- 
báck ANF 51, 1935, 111). Vielleicht 
fremdwort < slav. durak ‘tor’ (Sarauw, 
DSt 1931, 57). Nicht wahrsch. < mnd. 
droch ‘betriiger’ (Holthausen Wb. 40). 
drómi m ‘fessel, womit die götter Fennr 
binden wollten’, eig. ‘etwas hemmen- 
des’, nisl. drómi ‘fessel’; vgl. nnorw. 
dial. droma ‘zögem, langsam gehen’, 
dramsa ‘schleppen’, dramla ‘hinter 
sich herschleppen’. — vgl. dratta 
und drœmt. 

Falls aus gmndform *drögman 
könnte es zu draga gehören, aber 
dann wiirde die bed.besser zuden 
idg. als zu den germ. verwandten 
wörtem stimmen. Oder gehört es 
zu der unter drengr 1 besproche- 
nen idg. wzl. *dher ‘festhalten’ ? 
(s. Holthausen PBB 66, 1942, 

267-8). Oder aberzu der sippe von 
draf 2? (Jóhannesson Wb. 515). 
drómundr m. ‘grosses kriegsschiff’. — 
< afrz. dromont, dromunz < gr. ðpópuov 
‘láufer’; vgl. ae. dulmunus, nml. drach- 
mon(t), mhd. trag(a)munt. 
dropi m. ‘tröpfeln, tropfen’ (< germ. 
*drupan), msl. fár. dropi, nnorw. irope, 
nschw. droppe, ndá. draabe. — ae. 
dropa, as. dropo, ahd. tropfo, troffo. — 
air. drucht (< *drupta-) ‘tropfen’. — 
vgl. drjúpa. 

drós f. 'weib', nisl. fár. drós. nnorw. 
drös. — Weil drós umschrieben wird 
als ‘kyrrlát kona’) vielleicht zu mnl. 
droesen ‘ausser atem sein(?)’, ne. dial. 
droose ‘schláfrig sein’ (Torp. Ordb. 73). 
— vgl. drasinn. 

Ganz anders, aber wenig iiber- 
zeugend, Sturtevant SS 22, 1950, 
52 < *dröhs, vgl. ne. dregs ‘boden- 
satz, niederschlag’, zu dra.ga. 
Die bed. entw. wáre: etwas, das 
zum niederschlag gelangt > eine 
ruhige, wohlanstándige person’. 
drótt f. ‘kriegsschar, gefolge’ (< germ. 
*druhti-), nisl. drótt. — ae. dryht 
‘gefolge’, afr. dracht, drecht ‘völk, 
schar’, as. druht(-folk) ‘heer’, ahd. 



drukkinn 


85 


drynhraun 


truht ‘schar, gefolge’, vgl. got. drauhti 
(-witop) ‘feldzug’, gadrauhts ‘soldat', 
und PN. got. Dructacharius, langob. 
Dructemárius (Schönfeld 72). Daneben 
abl. ae. gedreag ‘schar, raenge; tumult’. 

— asl. drugu ‘freund’, gall. drungos, 
air. drong ‘schar' (G. S. Lane, Lang. 9, 
1933, 247), lit. draugas ‘genosse’. — 
vgl. drjúgr und drengr. — dróttínn 
m. 'gefolgsherr, fiirst' (< germ. *druh- 
tinaz), nisl. dróttinn, fax. drottin, drottur, 
nnorw. drott, aschw. drotin, run. dá. 
trutin (Glavendrup c. 900, Jacobsen- 
Moltke 209), ádá. drotten, drot. — > 
finn. ruhtinas ‘ftirst' (aus germ. *druh- 
tinaz\, Thomsen 2, 212). — ae. dryhten, 
as. druhtin, drohtin, afr. drochten, ahd. 
truhtin, trohtin. (Zum sufi. -ina, -ana 
zur bildung von ftihremamen vgl. 
Herjann, þjóðann und got. kindins 
‘statthalter'). — dróttning f. ‘herrin, 
furstin', nisl. drotning, fár. drottning, 
nnorw. dronning, nschw. drottning, run. 
dá. trutnik acc. sg. (Læberg c. 900, 
Jacobsen-Moltke Nr 26), ndá. dron- 
ning. — dróttsetí m. ‘truchsess’, 
nisl. dróttseti, aschw drðtseeti, drotze(t), 
nschw. drots, ndá. drost. — < mnd. 
drossete, drotzete, droste (vgl. afr. drusta, 
mnl. drossdte, ahd. truhsdzio). Mit um- 
bildung im altn. nach drótt und seti. 

drukkinn adý ‘der getrunken hat, be- 
trunken’, msl. drukkinn, nnorw. druk- 
ken. — > ne. dial. drucken (Flom 
Infl. 38). — got. drugkans, ae. druncen, 
mnd. drunken, ahd. trunchan. Eig. 
part-prát. zu drekka. — Davon ab- 
geleitet drukna schw. V. ‘ertrinken’, 
nisl. drukna, fár. drukkna, nnorw. 
drukna, nschw. drunkna, run.dá. truk- 
naþu 3p. pl. prát. (Helnæs 9 Jht. 
Jacobsen-Moltke Nr. 190), ndá. drukne 

— (aus ostskand. drunkna > drugna 
ist me. drunen, ne. drown entstanden, 
Björkman 176). — ae. druncnian, ahd. 
trnnkanén, trunkanön. 

drukr oder drúkr ? 'rabe' (þula). Wegen 
fehlender alliteration wohl verderbte 
lesart, vielleicht statt hrókr oder 
hraukr ? 

Die von Holthausen vorgestellte 
etymologie (s. Jóhannesson Wb. 
529) aus einer idg. wzl *dhreug(h) 
‘zittem, sich schutteln’, die in lit. 
drugjts ‘fíeber, schmetterling’ vor- 
liegen sollte, ist eine durch nichts 
gesttitzte vermutung. 

drumbr m. ‘sklavenname’ (Rþ) eig. 
‘klotz’; nisl. drumbur ‘holzklotz', fár. 
drumbur ‘faulenzer’, nnorw. drumb 
‘plumper mensch’, aschw. drumber 
'keule’; vgl. orkn. drumman ‘kleiner 
kabeljau’. — vgl. dramb. — Dazu 


drumba f. ‘name einer sklavin' (Rþ), 
nnorw. drumba ‘holzklotz' und drumbi 
mBN. 

drúpa schw. V. ‘herabhángen, sich nei- 
gen’, nisl. drúpa, nnorw. drupa, vgl. 
fár. drýpa kaus. ‘beugen, senken’. — 
mnl. drupen, nnl. druipen st. V. 'tröp- 
feln’ und ae. drúpian, ne. droop. — vgl. 
drjúpa. 

drusilmenni n. 'armer schlucker’ (p>oet.), 
gehört wohl zu drussi. Daneben auch 
die form. dusilmenni und vgl. drýsil 
(-djQfull). 

dru8sl m. ‘grober kerl’ (spát bezeugt), 
nisl. drussi; nnorw. drussa ‘kráftiges 
weib’, drusa ‘grobes weib’; gehört 
zu nnorw. drusa ‘schwer niederfallen', 
nschw. dial. drusa ‘ungesttim hin- 
fahren’, drus ‘lárm’, druska, drðsla 
‘langsam sein’; vgl. shetl. drus ‘einer 
der gute arbeit leistet’. — mnd. drusen, 
drusken ‘mit lárm fallen’, nnl. druisen 
‘rauschen', ostfr. drús ‘lárm, geráusch’. 

— vgl. dreyri. 

drýgja schw. V. ‘ausftihren, ausrichten, 
aushalten’, nisl. drýgja, fár. drýggja, 
nnorw. drygja, schw. dial. dryga ut, 
nschw. dröja, ndá. droje ‘zögem’; vgl. 
shetl. dark ‘aushalten’ (Jakobsen 131). 
— Zu got. driugan ‘zu felde ziehen’, ae. 
dreogan ‘sich anstrengen, aushalten’. — 
vgl. drjúgr. 

drykkja f. ‘trank, tmnk, gelage', nisl. 
fár. nnorw. drykkja, aschw. drykkiq, 
adá. drikke. — vgl. drekka. 

drykkr m. 'trunk, trank' (< germ. 
*drunki-), nisl. fár. drykkur, nnorw. 
drykk, nschw. dryck, ndá. drik. — ae. 
drync, mnd. drunk, nnl .dronk, ahd. 
trunch, neben abl. got. dragk, ae. drenc, 
as. afr. nnl. drank, ahd. trank. — vgl. 
drekka. 

dryllr mBN. zu nnorw, droll ‘grosse, 
dicke person’, eig. ‘etwas gedrehtes, 
gewunaenes’, vgl. nisl. drylla ‘tiber- 
mtitige frau’, dazu auch dralla ‘schlep- 
pen, hin und her schwanken’ (A. No- 
reen, SVS Uppsala 5 Nr 3, 1897, 12_I 3 )- 

— ánl. drol, dral ,‘grober faden, kleine 
dicke person’, nnl. drol 'scheissklum- 
pen’, drollig 'komisch’ (ne. drolí), mnd. 
dral, drel ’festzusammengedreht'. 

drymba f. ‘grobleinenes kleidungsstuck’ 
(14. Jht.); vgl. nisl. drymbi, drumbur 
‘holzklotz’, fár. drymbingur ‘grosser 
hund’. — and. dremil, ahd. tremil 
‘römischer kriegermantel, toga’. — 
vgl. dramb. 

drynhraun n. ‘dröhnendes steingeröll’; 
der i.teil dryn gehört zu nisL drynur, 
nnorw. dryn, nschw. drön, ndá dren 
‘dröhnen’ und zum Zw. nisl. fár. 
nnorw. drynja, nschw. dröna, ndá. 



drysildjQfull 


86 


dúkr 


drene ‘dröhnen, lármen’. — > orkn. 
drunyan ‘einen blökenden laut machen; 
shetl. droin, dronj ‘dröhnen’. — got. 
drunjus ‘schall’, nnd. drönen, nni. 
dreunen, vgl. ae. dr&n und as., dreno, 
mnd. drane, drone, mnl. dorne, drone, 
ahd. treno ‘drohne’. — gr. Opciva? 
'drohne’, ávOpfjvi) ‘wilde biene’, tevöpfjvjj 
‘bienen- oder wespenart’, ai. dhranati 
'dröhnt’ (IEW. 255). — vgl. drjóni. 
drysildjpfull m. 'teufelchen’, nisl. dri- \ 
sildjgjull', vgl. drusilmenni. 
drsepr adj. ‘zu töten’, nisl. drtspur. — 
vgl. drepa. 

drer n. ’augenstar’ (< germ. *druza-), 
nisl. drer\ daneben mit gramm. wechs. 
nnorw. dros, druse ‘grosser haufe', 
aschw. dtusi, drosi, ádá. drosse ‘haufe 
getrockneter saatkörner’. — got. drus, 
ae. dryre 'fall’. — Zu got. driusan 
(E. Lidén MASO 1, 1937, io 9 )» °der 
genauer zu dreyri, denn man glaubte, 
dass die blindheit durch einen bluttrop- 
fen verursacht wurde (Reichborn- 
Kjennerud MM 1944, 226). 
drcegr adj. in Zss. wie eindrœgr ‘hart, 
scharf', mótdrœgr 'feindlich’. — vgl. 
draga. 

drœmt adv. ‘langsam, unwillig’ (nur 
chr. schr.), vgl. nnorw. droma 'zögern, 
langsam gehen oder sprechen’ (Holt- 
hausen PBB 66, 1942, 268). — vgl. 
drómi. 

drœsa f. ‘gerede, geschwátz’ (i3.Jht.), 
nnorw. dresa, vgl. nisi. drasa ‘loses 
gerede’. — vgl. drós. 
drgfn f. 'welle; tochter von Ægir’, vgl. 
auch norw. flussnamen Drgfn ‘Dram- 
men’. — zu got. drðbjan, ae. drcefen, 
as. dröbian, ahd. truoben ‘triiben'. — 
vgl. draf 2. 

drpsull m. ‘pferd’ — vgl. drasill. 
drpttr m. ‘fauler bursche, sklavenname’ 
(SnE, als PN in Rþ), nisl. dröttur 
'faulenzer’. —vgl. dratta, drettingr. 
drpttr vgl. drdttr. 

dubba schw. V. ’ausrusten, kleiden, 
schmucken; den ritterschlag geöen’, 
nisl. dubba ‘schmucken’, fár. aschw. 
dubba ‘ausrusten’. — < afrz. adouber 
(vielleicht iiber norm. und engl. nach 
skand. gelangt, vgl. ae. dubbian ‘zum 
ritter schlagen’, s. Brendal, Fschr. 
F. Jónsson 1928, 365-76). Das roma- 
nische wort stammt wieder aus germ. 
•dubban (Gamillscheg 12), vgl. nd. 
dubben 'stossen, schlagen’. — vgl. 
dafla. 

dubla schw. V. ‘wiirfeln' (i3.Jht.), nisl. 
agotl. dufla ‘wurfelri’, nnorw. dubla 
'verschwenden'. — < mnd. dobbelen 
und dieses < afrz. doble < lat. duplum. 
dúfa 1 f. 'taube’ (i3-Jht.) nisl. dúfa, fár. 


dúgva, dúva, nnorw. nschw. duva, ndá. 
due. — got. ( hraiwa-)duto ‘turteltaube’, 
ae. dúfe, as. dúba, nnl. duif, ahd. tuba 
‘taube'. 

Wohl eig. 'der dunkle vogel’ (vgl. 
gr. jtéXeux ‘wilde taube') zu air. 
dub ‘schwarz' (WP 1, 840) und 
dann zu daufr. SchaUnachahmen- 
de bildung, die Suolahti 208 befur- 
wortet, ist wenig wahrscheinlich. 

— 2 f. ’welle; tochter von Ægir’. — vgl. 
dúfa 3. 

— 3 schw. V. ‘tauchen’, nnorw. schw. 
dial. duva, ndá. duve ‘stampfen; tau- 
chen’. — ae. dúfan 'untertauchen, 
sinken, mnd. bedúven ‘ubergossen wer- 
den', mnl. beduven ‘ins wasser senken', 
vgl. mhd. tobel 'schlucht’. — asl. duplú 
‘hohl', dupina ‘höhle’. Idg. wzl. *dheup 
neben *dheub, vgl. djúpr und weiter 
deyfa 2, dufla und dýfa. 

Dufan mPN. < air. Dubhan. 

Dufgall mPN. < air. Dubhgall. 

Dufgus, Dugfus mPN. < air. Dubhgus. 

dúfla schw. V. ‘plátschern, untertauchen’ 
(i4.Jht.), nnorw. dial. duvla ‘stampfen 
eines schifíes’. — vgl. mnd. dobber 
‘ankerboje, schwimmer’. — vgl. dúfa 3. 

Dufniall mPN. < air. Dubhniall. 

Dúfr mPN. ‘zwergenname' (Vsp.), wohl 
zu dúfa 3,alsoetwa‘derkrumme’, aber 
Gering Komm 1, 18 stellt es zu nnorw. 
duva ‘schláfrig sein’. 

duft n. vgl. dupt. 

Dufþakr mPN < air. Dubhthach. 

duga schw. V. ‘taugen, niitzen, helfen,’ 
nisl. far. norw. schw. duga, ndá. due. — 
got. daug, ae. as. dugan, afr. duga, mnl. 
dogen, ahd. tugan ‘taugen’. — gr. 
•ruyxávu ‘treffe, erreiche’, -nixi) 'zufall, 
russ. dúiij ‘kráftig', lit. daúg ‘viel’, 
air. dúal (< *duglo) ’passend’, dúan 
(< *dugno) ‘gedicht’. — vgl. dygð und 
dyggr. 

Sowohl die bed. ‘erlangen, errei- 
chen’ von tuyX^ v “» w * e die von 
‘taugen’ lassen sich aus dem mann- 
ring verstándlich machen; und 
dass dieser tatsachlich im hinter- 
grund steht, beweisen got. dauhts 
‘gastmahl’ und air. dúan 'gedicht', 
die beide aus der festlichen ge- 
meinschaft hervorgehen. Die wör- 
ter sind also der unter dyrr be- 
handelten gruppe zuzurechnen (s. 
J. Trier, ZfdPh 70, 1949, 358). 

dugga f. ‘feigling’, ascbw. dugge. Entl. 
< ae. docga ‘hund’ (A. Bugge, Vik. i, 
317) ist durchaus unwahrscheinlich; 
nach F. Jónsson, Sprogforh. 75 ein- 
heimisches wort, wohl nebenform zu 
dokka. 

dúkr m. ‘tuch, schleier; segel’, nisl. 



dul 


87 


dúr 


fár. dúkur; nnorw. nschw. duk, ndá. 
dug. — > shetl. duk; > ne. dial. dooch, 
duck ‘grobes tuch' (Flom. Infl. 37). — 
Lehnwort aus wgerm., entweder < 
afris. dðk (Wadstein, SHVS Uppsala 
21 Nr. 3, 1922, 8-9) oder < mnd. 
dúk, dðk (Höfler, ANF 47, 1931, 273). 
-— vgl. dýki. 

dul f. ‘verbergen; torheit; hochmut', nisl. 
dul, fár. duli, dulur, nnorw. aschw. dul. 

— ae. dol, afr. as. doll, ahd. toll 'töricht’. 

— vgl. Dulinn, dvala und dylja. 

Dulclfal 'pferdename’, umbildung < 

afrz. Bucifal, mlat. Bucephalus (F. P. 
Magoun, Fschr. A. Kock 1934, 176-91). 

Dulinn m. ‘zwergenname', eig. ‘der ver- 
borgene’, vgl. nisl. dulinn ‘eingebildet’, 
eig. part. prt. zu dylja, und nisl. 
dulur ‘verschlossen, schweigsam’. 

dumba f. 'staub, staubwolke', nisl. fár. 
dumba ‘nebel, staubwolke; nnorw. 
dumba ‘staub, spreu’, nschw. dial. 
dumba 'nebel, dunst’; daneben abl. 
nnorw. nschw. dial. damb ‘staub’, 
schw. dimba ‘nebel'. — > shetl. dumba 
‘kornstaub beim schwingen’. — vgl. 
auch nnorw. demba st. V. ‘streben’, 
nschw. dial. dimba ‘dampfen, streben’. 

— ai., dhámati 'blasen’, gr. Oeiiep-úmc 
‘finster blickend’, mir. dem ‘schwarz, 
dunkel’. — vgl. dimmr und dekkr. 

dumbr adj. ‘stumm, dumm’, auch riesen- 
name; nisl. fár. dumbur, nnorw. dum(m), 
nschw. dá. dum 'stumm, dumpf, un- 
klar’. — > shetl. dummi ‘taub’, 
domsket ‘still, melancholisch'. — got. 
dumbs 'sturam’, ae. as. afr. dumb, ahd. 
tumb 'stumm, taub, dumm’. — Falls 
eig. ‘umnebelt, triibe’ zu dumba 
(Torp, Fschr. Unger 179), oder viel- 
leicht zu daufr} (s. Feist, Got. Wb. 
I29b). — vgl. dymbildagar. 

dumpa schw. V. ‘stossen, schlagen’, 
nisl. fár. dumpa ‘stossen’, nnorw. 
dumpa ‘plötzlich fallen, schwierig ge- 
hen’, ndá. dumpe 'stossen’; vgl. abl. 
nschw. dial. dimpa ‘schwer fallen’, 
nnorw. dampa ‘stossend gehen’. -— 
ne. dump ‘hinplumpsen’, nhd. dial. 
dampen, dammern 'mit den finger- 
spitzen klopfen'. — Zur idg. wzl. 
*dhemb, die neben *(s)te(m)b stehen 
könnte, vgl. stapi. 

duna schw. V. 'dröhnen’, nisl. fár. norw. 
nschw. dial. duna, vgl. nnorw. schw. 
dunsa ‘einen dumpfen widerhall geben’. 

— vgl. dynr. 

Duneyrr m. ‘name eines hirsches’ 
(Grm. 33). Nach F. Jónsson zusammen- 
gesetzt aus dun und eyrr, also ‘der 
mit getöse Uber kiesiges feld fáhrt’. 
Doch wohl eher zu eyra und dann ent- 
weder dúneyrr ‘mit daunigen ohren’, 


oder dunneyrr ‘mit braunen ohren’ 
(I. Lindquist, Fschr. Pedersen 1937, 
329 ). 

Dungaör mPN. < air. Donnchadh. 

Dúnheiðr ON. eine gegend an der oberén 
Weichsel, wohl zu Aoúyioi AoOvot, 'stamm- 
name', s. R. Much, ZfdA 57, 1920, 147. 

dúni m. ‘feuer’ (þula), eig. ‘das tosende 
feuer’, vgl. daunn and dýja. 

dunkr mBN, vgl. nisl. dunkur, dynkur 
‘schlag’, fár. dunkur ‘schwacher schlag’, 
nnorw. nschw. dunk ‘schlag'. — vgl. 
dynkr und dynr. 

dúnn 1 m. ‘daune, flaumfeder’, nisl. 
dúnn, fár. dún, nnorw. nschw. ndá. 
dun (daneben selten dýnn s. Noreen, 
Gramm § 392). — > shetl. dun ‘daune; 
haferspreu’; > me. dún, ne. down 
(Björkman 234), > mnd . dúne, nhd. 
daune; > lpN. duv’na (Qvigstad 141); 
> norm. dun, afrz. dum (Meyer-Lubke 
251). — mnl. donst ‘daune; staub- 
mehl’, nnl. dons 'daune'. — vgl. 
daunn, dýja und dýna 1. 

— 2 m. ‘schar, haufe’, nnorw. dial. 
dun(e) 'schar, bes. von vögeln oder 
fischen’, nschw. dial. dun ‘fisch- 
schwarm’. 

Etymologie unklar. 1. zu dynr, 
und dann also eig. ‘eine lármende 
menge', was aber zu einem ‘fisch- 
schwarm’ nicht gut stimmt. — 
2. dasselbe wort wie dúnn i, so 
Zetterholm, Fschr. E. Olson 204- 
12). — 3. zu deyja, so Jóhan- 
nesson Wb. 302, der air. duine 
‘mensch’ vergleicht; aber ein 
‘mensch’ und ‘ein haufen von 
menschen’ sind ganz verschiedene 
begrifie. 

dunna f. ‘stockente, anas boschas’ 
(< germ. *dusnó), fár. nnorw. dunna. 

— ae. dunn ‘schwarzbraud’, as. dun 
‘braunrot’, vgl., ae. dosen, as. dosan 
‘kastanienbraun’, ahd. tusin ‘hellgelb’. 

— air. donn (< *dusnos) ‘subfuscus, 
aquilus', lat. fuscus ‘dunkelbraun’ 
(Suolahti 355, Schwentner PBB 49, 
1925, 425-7). — vgl. dús. 

dunsuðr m. ‘feuer’ (þula); vgl. nnorw. 
duns ‘dumpfer laut', nnorw. schw. 
dial. dunsa ‘krachen, lármen’. — vgl. 
duna und dynr. 

dupt, duft n, auch duptl m. 'staub, nisl. 
duft ‘ds’, nnorw. duft ‘feiner stau.b’, 
nschw. duft, ádá duft, doft ‘mehlstáub’. 

— mhd. tuft ‘dunst, nebel, tau', ahd. 
tuft ‘frost’. Daneben mit s-prothese: 
mnd. stubbe, mnl. stof, got. stubjus 
‘staub’. — vgl. daufr. 

dúr n. 'stiUe', nisl. dúr; und dúra schw. 
V. ‘schlummem', nisl. fár. dúra, nnorw. 
sehw. dial. dúra. — vgl. dús. 



Duraþrór 


88 


dvelja 


Duraþrór m. 'name eines hirsches' 
(Grm. 33). Dunkel. vgl. fiir den 2.teil 
prór (Kahle, IF 14, 1903, 149). 

Dúri m. 'zwergenname’, und Dúmir, 
Dumir ‘zwergen- oder riesenname'. — 
vgl. dúrr. 

Durinn m. ‘zwergenname’ (Vsp), viel- 
leicht ‘turhiiter’? zu dyrr (Sjörös 
SNF 3, 1912.. Nr. 2), oder zu ai. 
dhvaras ‘dámonisches wesen’ (Guten- 
brunner ANF 70, 1955, 74). 

dúrr m. ‘schlummer’, fár. dúrur. — 
vgl. dúr und dús. 

dús n. ‘windstille’, nisl. dús, vgl. nschw. 
dial. dus ‘still’. — ostfr. dús ‘still, 
dunkel’, ae. dysig, mnd. dosich, ahd. 
tusig ‘töricht’; aM.: ae. dwœs ‘stumpf, 
töricht', afr. dwls, mnd. dwds, mnl. 
dwaes, mhd. twas, dwas 'narrisch, narr’. 
— air. ddsacht ‘raserei’, gall. dusios 
‘incubus’, gr. Oúw ‘blase, stiirme, 
woge’. Idg. wzl. *i ihe\us\ *dh\tes 
‘wirbeln, stiirmen’ (IEW. 268-71). — 
vgl. dunna, dúr, dúri, dúrr, dúsa, 
dusill, dust 1. dýr und dys. 

Die bedeutungsverháltnisse in die- 
ser gruppe sind iiberraschend: 
urspr. bed. ‘stieben, wirbeln', aber 
daneben auch ‘windstille’, ‘sich 
still verhalten’, 'steinhaufen'. Jó- 
hannesson Wb. 508 konstruiert 
die reihe: ‘stieben, wirbeln’ > 
‘verwirrt sein’ > 'betáubt, dösig 
sein'. 

dúsa I schw. V. ‘ausruhen, sich still 
verhalten’ (poet.), nisl. dúsa, fár. dusa 
‘sich mit etwas gemáchlich bescháfti- 
gen’, nnorw. dial. dúsa ‘ausruhen, 
duseln’, nschw. dial. dúsa ‘schlum- 
mern’; daneben abl. nnorw. dial. dosa, 
nschw. dial. ddsa (< *dúsan) ‘ruhen, 
sich still verhalten’, nschw. dial. 
duska 'wenig ausfiihren’. — mnd. 
dosen, dusen, daesen ‘schlummern’. — 
vgl. dusill. 

— 2 schw. V. 'erdröhnen’ (nur Oddr 17; 
wo aber Gering, Komm 2, 333 und 
F. Jónsson LP 89 die bedeutung von 
dúsa 1 annehmen!), nnorw. dúsa 
'heftig schlagen’, aschw. dus ‘lárm, 
geráusch’. — > orkn. doose 'mit den 
hörnern stossen’, shetl. dus ‘schlagen, 
stampfen’. — mnd. dúsen ‘schallen, 
sausen’ (Holthausen PBB 41, 1920, 
476), oder mnd. dúschen 'rauschen’ 
(Mohr, ZfdA 76, 1940, 179). — vgl. 
dusill. 

Das verháltnis der homonyme 
dúsa 1 und 2 ist unklar. Torp, 
Ordb. 79 betrachtet sie als das- 
selbe wort und konstruiert die 
wenig iiberzeugende bedeutungs- 
entwicklung: stiirmisch vorgehen. 


heftig schlagen > einen betáuben- 
den schlag bekommen > still 
sein, schlummem. Dagegen denkt 
Wissmann 131 an eine deverbative 
ðn-bildung zur wzl. þus, vgl. 
peysa. Aber vgl. auch nnorw. 
schw. dunsa, die unter duna 
behandelt sind. 

dusill m. ‘feuer’ (þula), wohl wie dun- 
suðr 'das tosende feuer’, vgl. dúsa 2. 
Aber man kann auch an dúsa 1 an- 
kniipfen: das stille unter der asche 
glimmende feuer'. Dazu weiter auch 
wohl dusilhross ‘schindmáhre', nisl. 
dusilmenni ‘tropf’, dusill ‘dáumling' 
und dusla schw. V. ‘mit kleinigkeiten 
sich bescháftigen', Dusli m. (poet.) 
eig. ‘dáumling' (A. Noreen, NB 5, 
1917. i- 5 )- 

dust 1 n. ‘staub’ (i3.Jht) (< germ. 
*dunsta~), nisl. fár. nnorw. schw. dial. 
dust ‘staub’, ndá dyst ‘mehlstaub’. — 
> orkn. dist, shetl. dost. — Daneben 
dusti m. ‘staub’. — ae. dúst ‘staub', 
afr. mnd. dúst ‘spreu, staub’, mnl. 
dust, donst, dunst ‘staubmehl’, ahd. 
tun(i)st ‘sturm’, mhd. tunst ‘dunst’. — 
vgl. dús. 

Friiher als entl. aus mnd. dust 
betrachtet (so Noreen Gramm. 
§ 109 Anm. 1), doch wohl eher 
echtnordisch (Höfler, ANF 47, 
1931. 274 )- 

— 2 n. ‘ritterturnier' (Karlam. s.j, aschw. 
dust(er), diost, nschw. dust, ndá. dyst. — 
< mnd. dust, diost < afrz. joste, juste 
'kampfspiel’ < lat. juxta 'neben' 
(Fischer, Lehnw. 83). 
duz n. ‘dutzend’ (norw. DN) < afrz. 

douze < lat. duodecim. 
dvala schw. V. ‘verzögem’, nisl. nnorw. 
aschw. dvala, adá. dvale. — Vgl. 
dvala f. 'zögern’ und nisl. fár. dvali, 
nnorw. dá. dvale ‘verzögeruög, be- 
táubung’. — ae. dwala ‘irrtum', dwa- 
lian, afr. dwalia, mnd. mnl. dwalen 
‘irren’, ahd. twalin ‘zögem'. Abgeleitet 
von got. dwals ‘töricht’, mnd. dwal, 
neben den untér dul genannten wör- 
tern’. — gr. 60X6? ‘schlamm, schmutz’, 
OoXótð ‘trúbe’, air. dall ‘hlind',Jit. 
dvýlas 'schwarz’. Idg. wzl. *dh\iel, erw. 
von *dhe\t, vgl. dýja und weiter 
dvelja, dvgl, dylja, dylma, dul 
und dcelskr. — Dazu noch Dvalarr 
m. ‘hirschname’ (þula) und Dvalinn 
‘name fiir hirsch und zwerg’, vgl. 
nnorw. dvalen ‘faul, schláfrig’. 
dvelja schw. V. ‘verzögem, sich aufhal- 
ten’, nisl.norw. dveija, fár. dvelja, aschw. 
dvalia, ndá. dvcele ; vgl. shetl. dwálj. — 
ae. dwellan ‘irre fiihren', as. bidwellian 
‘aufhalten, hindem’, ahd. twaljan. 



dvergr 


dylminn 


twellan, twallan ‘aufhalten', neben st. 
V. ae. fardwelan ‘versáumen’, ahd. 
twelan 'betáubt sein’. — vgl. dvala. 
dvergr m. 'zwerg; kurzer dachbalken; 
gewandnadel. — nisl. dvergur, fár. 
dvergur, nnorw. dverg, nschw. dvárg, 
ndá. dveerg ‘zwerg’. — > orkn. 

dwarryback ‘schwaches, hássliches tier'; 
> finn. turkka, turka ‘armseliger kriip- 
pel’ (Karsten GFL 189). — ae. dweorg, 
afr. dwerch, as. gidwerg, mnd. mnl. 
dwerch, ahd. mhd. twerc. — vgl. 
dyrgja 1 und dyrgill. 

Die gewöhnliche Etym. zu ai. 
dhvarás ‘dámonisches wesen’ 
(IEW. 279) befriedigt nicht ganz, 
weil man eher eine grundbed. 
‘kleiner, kurzer stock' erwarten 
sollte, woraus sich spáter ‘zwerg’ 
entwickelt hátte (wie z.B. auch 
drengr). Das spricht auch gegen 
den vergleich mit av. drva ‘kör- 
perliches gebrechen’, lett. drugt 
'zusammensinken’ (Krogmann KZ - 
62, 1935, 143). Liegt vielleicht fer- 
nere verwandtschaft mit der sippe 
von þverr vor ? (s. fiir anlauts- 
variante drima: þrima oder dusa: 
þeysa und s. dvína). — Als 
schmucksache bedeutet das wort 
nach B. Nerman, ANF 69, 1954, 
210-213 eigentlich nicht ‘fibula’, 
sondern eine bronzene zierplatte, 
die wahrscheinlich oben auf der 
scbulter angebracht wurde; auch 
dann hat sich diese bed. aus jener 
von ‘kurzer stock’ entwickelt. 
dvína schw. V. 'schwach werden, schwin- 
den’, nisl. fár. dvina, nnorw. dial. 
dvina. — ae. dwinan ‘hinschwinden’ 
und daneben st. V. ae. þwinan, nmd. 
dwinen, nnl. verdwijnen 'hinschwinden' 
(vgi. nnorw. dial. nschw. tvina, ádá. 
tvine). — Also neben einander die wzl. 
*dvi (vgl. deyja und air. dith < 
*dhvito- ‘ende, tod’) und *þvi (vgl. 
þeyja und air. tinaim 'schwinde’) s. 
Persson SVS. Uppsala 10, 1912, 744 
und fiir anlautsvariante s. dvergr. — 
vgl. Dýna 2. 

dvQl f. ‘verzögerung, ausruhen’, nisl. 
dvöl, fár. dvel; vgl. norw. dial. dvala 
‘verzögerung’, nschw. dvala, ndá. dvale 
‘tiefer schlaf’. — ae. dwala, mni. dwale, 
ahd. twala ‘verirrung’. — vgl. dvala. 
dý n. 'pfiitze, sumpf’ (wohl < germ. 
*dunhia); nisl. dý, nnorw. schw. dy 
‘schlamm, kot, morast' und daneben 
ádá djung, ndá. dyng, nschw. dial. 
dungen ‘feucht' (IEW 248). — vgl. 
dekkr-. 

dýfa schw. V. ‘tauchen’, nisl. dýfa. — 
ae. dýfan ‘tauchen’. — vgl. dúfa 3. 


dyflissa, dybllssa, dyfliza f. 'gefángnis' 
(13. Jht.); nisl. dyflissa, entstellt aus 
*tyfniza, *tymniza < mnd. temenisse, 
< asl. tímínica, russ. temnica. Die 
ánderung zu dyflissa wohl unter ein- 
fluss des wortes djgfull (Uhlenbeck, 
PBB 29, 1904, 332). 
dygð f. ‘tugend, kraft’ (<germ. *dugiþö), 
nisl. dyg(g)ð, fár. norw. schw. dygd, 
ndá. dyd ‘kraft, tugend’. — ae. duguð, 
mnd. mnl. doget, dogent, nnl. deugd, 
ahd. tugund. — vgl. duga. 
dyggr adj. 'zuverlássig, brav’, nisl. fár. 
dyggur, nnorw. dygg (urspr. u>a-stamm, 
vgí. adv. dyggva, also etwa < *dewwia ? 
s. Noreen Gramm. § 82,4). — vgl. 
duga. 

dýja schw. V. ‘schiitteln', nisl. dýja; 
vgl. fár. dýggja ‘durchnass machen’ 
und shetl. dái 'bewegung des meeres, 
welle’ (Jakobsen 94). — gr. ðúw ’rase’, 
ðúc&a 'sturm’, ai. dhúnoti ’bewegt, 
schiittelt’, asl. dunqti ‘blasen’, lit. 
dujd 'stáubchen’, duje ‘daune’ (s. 
Reichelt KZ 39, 1906, 71). 

Zu der idg. wzl. *dheu ‘stieben, 

wirbeln, wehen’; dazu die folg. 

Erw. mit n vgl. daunn und 
dúnn 1. 

Erw. mit l vgl. dvala. 

Erw. mit bh vgl. daufr. 

Erw. mit dental vgl. dytta und 
doði. 

Erw. mit guttural vgl. dokka. 
dýkl n. ‘stiick zeug’ (norw DN); vgl. dúkr. 
dykr m. 'getöse, lárm' (erst 13. Jht), vgl. 
nnorw. dykja ‘wagen, pralen’, nschw. 
dial. dyka, duka ‘lármen, streiten’. — 
vgl. dynr und dynkr. 
dylgja f. ‘feindschaft, kampf', nisl. 
dylgjur ‘verborgene feindschaft, ver- 
stellung’; vgl. nschw. dödölja ‘faule 
weibsperson'. — vgl. dolgr. 
dylja schw. N. 'verbergen, leugnen', nisl. 
fár. norw. dylja, nschw. dölja, ndá. 
dolge. — > me. dil, dill(e) ‘verbergen’ 
(Björkman 207). — vgl. dul. 
dylla fBN, eig. 'gánsedistel, sonchus ar- 
vensis’, nnorw. dial. dylla, dilla ‘ds’, 
nschw. dill, ndá. dild ‘anethum’. — 
ae. dile, as. dilli, mnl. dille, ahd. tilli 
neben ae. dyle, mnl. dulle ‘anethum’. — 
gr. ðáXXca 'bliihe, keime’, air. duille 
(< *dottniá) ’blátter’ (Holthausen 
IF 19, 1906, 317) oder zu gr. ðuXác 
‘sack’, ðúXa^ ‘kopfkissen' ? — vgl. 

Heimdallr. 

dylma schw. V. ‘leichtsinnig sein’, vgl. 
auch dylmlnn ‘gedankenlos, leicht- 
sinnig’. — got. dwalmon 'töricht sein’, 
ae. fordwielman ‘verwirren’, as. dwalm 
'beriickung’, mnl. dwelmen ‘verwirren, 
betáuben'. — vgl. dvala. 



dymbildagar 


90 


dyrglast 


dymbildagar mpl. ‘die drei náchsten 
tage vör ostem, karwoche’, nisl. dym- 
bildagar, fár. dymbildagavika.aschv/ 
dymbilvika, nschw. dymmelvecka, ndá. 
dimmeluge. Abgeleitet von dymbill' holz- 
knebel in einer glocke’, vgl. nschw. 
dial. dymbel ‘holzpflock’, weil in der 
stillen woche mit holzknebeln statt 
mit metallkolben geláutet wurde. — 
vgl. dumbr. 

dýna 1 f. ‘daunenkissen', nisl. fár. dýna, 
nnorw. schw. dyna, ndá. dyne. — > 
finn. tyyny ‘federbett’ (Setáíá FUF 13, 
1913, 464). — vgl. auch das Zw. dýna 
‘mit daunen fiillen’. — vgl. dúnn i. 
— 2 f. ‘flussname’ (statt Dvina durch 
ausgleich mit akk. Dýnu). — > russ. 
Dvina ‘flussname'; > finn. vdind 
‘breiter, ruhigfliessender fluss’, estn. 
vein ‘sund’, Veina-jðgi ‘Diina’, liv. 
véna ‘breite flussmiindung’ (Collinder 
UL 11-12). — vgl. dvina. 
dyndill m. vgl. dindill. 
dyngja f. ‘frauengemach unter der erde; 
haufe’, nisl. norw. aschw. dyngja 
‘misthaufen’, nschw. dynga, ndá. dynge 
‘diinger’. — > finn. tunkio (< urnord. 
*dungið ) ‘abfallhaufen’ (Thomsen 2, 
224); > lpS dunía ‘diinger’ (Qvigstad 
138). — ae. dynge ‘diinger, gediingter 
acker', afr. denga zw. ‘diingen’, ahd. 
tunga 'diinger’, vgl. afr. as. dung, mnd. 
dunk, mnl. donc, ahd. tunc ‘unter- 
irdisches frauengemach’, nnl. donk 
'hohe stelle in einer sumpfigen gegend’. 
— Falls die grundbedeutung 'boden- 
erhebung, haufen' war, kann man an 
germ. *dengwan ‘schlagen, priigeln’ 
(vgl. aschw. diunga) ankniipfen (so 
ausfiihrlich Lindquist NB 15, 1927. 
97-132). Aber besser zur idg. wzl. 
*dheng ‘driicken, bedecken’, vgl. air. 
dingid 'unterdriickt’, lit. dengiú, dengti 
'decken’, dangús ‘himmel’ (IEW 249). 

— vgl. dengja und dgkk x. 
dynja schw. V. ‘dröhnen, hervorstiirzen’, 

nisl. fár. norw. dynja, aschw. dynia, 
ádá dunne, denne. — ae. dynnan 
‘widerhallen’, as. dunnian, mnl. donen, 
deunen, mhd. tiinen, dúnen ‘dröhnen’. 

— vgl. dynr. 

dynkr m. 'lárm’, nisl. dynker, dunkur. — 
vgl. dunkr, dykr und dvnr. 
dýnn m. vgl. dúnn. 
dynr m. ‘lárm’ (< germ. *dunjaz), 
nisl. dynur, nnorw. dial. dyn, dun, 
nschw. dön, ddn, ndá. dem. — ae. dyn(e) 
'geráusch', ahd. tuni ‘lárm’. — ai. 
dhvanati, dhunayati ‘ertönt', dhvani- 
‘ton, laut’, dhúni- ‘tosend, brausend’, 
gr. ðúvoi ‘tobe', lit. dundtti ‘pochen’ 
(IEW. 277). — n-Erw. zu der in 
dýja vorliegenden idg. wzl. *dheu 


(s. Persson UUÁ 1891, 70-1) — vgl. 
duna, duni, dunkr, dúnn 2, dun- 
suðr, dynja und dynkr. 
dyntr m. ‘schlag, stoss’, nisl. dyntur, 
dintur, aschw. dynter-, vgl. nnorw. orkn. 
shetl. dunt. — ae. dynt (ne. dint) ‘stoss’. 
— Dazu dynta f. und dyntill m. BN, 
die F. Jónsson ANO 1907, 321 mit 
norw. dynt m, dynta i. 'eine gekiinstelte, 
wichtigtuerische person' vergleicht. — 
vgl. datta und detta. 
dýpt f. ‘ tiefe’ (< germ. *diupiþö, s. 
Hesselman, Vástn. Stud. 2, 8), nisl. dýpt, 
fár. dýpd, nnorw. dypt, ndá. dybde. — 
got. diupiþa, me. depthe, as. diupitha, 
nnl. diepte. — vgl. djúpr. 
dýr 1 n. ‘wildes tier, bes. reh’ (< urn. 
*diuR mit i?-uml und dieses < germ. 
*deuza-), nisl. dýr, fár. djór, dýr, 
nnorw. dyr, nschw. djur, ndá. dyr. — 
> shetl. djur ; > lpN. div're (Thomsen 
2, 223). — got. dius, ae. déor, afr. 
didr, dier, as. dior (pl.), ahd. tior 
(Palander 10-13); vgl. ae. déor ‘kiihn’, 
ahd. tiorlih ‘wild’. — lat. bestia (falls 
aus < *dhffésdhia) ‘wildes tier'; vgl. 
asl. duchú, duía ‘atem, geist, seele’, 
lit. dvesiú, dvisti 'atmen, keuchen', lett. 
dvésele ‘atem, seele’, dvaSa ‘atem, 
hauch’ (s. Persson LTUÁ 1891, 81-3); 
gehört zur idg. wzl. *dhe^es- ‘atmen’, 
vgl. dús. Fiir den bedeutungsiibergang 
s. lat. animal ‘tier’ neben anima ‘seele’. 
vgl. dýri 2 — 

— 2 ’hand’ (nur in þula), viell. ‘die teure, 
die wertvolle’ ? und dann zu dýrr. 

dýrð f. ‘herrlichkeit, ehre’ (< germ. 
*diuriþð), nisl. dýrð, fár. dýrd, nsqhw. 
dyrd. — ne. dearth, as. diuriða, diurða, 
mnl. duurte, ahd. tiuriðá. — vgl. dýrr. 
dyrgill mBN. eig. ‘zwerglein’. — vgl. 

dvergr. # 

dyrgja I f. ‘zwergin’ (i4-Jht. < germ. 
*dwergiðn, s. Lindroth IF 29, 1911, 
156); nisl. dyrgja. — vgl. dvergr. 

Ein anderes wort ist nisl. dyrgja 
‘grobe, dicke frau’, vgl. durgur 
‘klobiger mann, miirrische person’, 
shetl. dorg ‘dicke person’; mit der 
sippe von dorg verbunden von 
Johannesson Wb. 521. Wenig 
ansprechend. Vielleicht doch = 
dyrgja 1, und dann wáre an die 
klotzige form einer zwergin zu 
denken; iibrigens gehen die be- 
zeichnungen fiir iibernatiirliche 
wesen wie zwergen und trollen 
oft durcheinander. 

— 2 schw. V. ’mit angelschnur fischen’ 
(nur þiðr. s.), nisl. dyrgja, dorga, fár. 
dyrgja, nnorw. dyrgja. — vgl. dorg. 

dyrglast schw. V. mit yfir: ‘verborgen 
gehalten werden’, vgl. nisl. durlast 



91 


dæld 


dýri 


yfir. — ae. darian ‘verborgen sein’ und 
diernan, as. dernian, ahd. tarnen ’ver- 
bergen’. — air. deirn ‘dunkelheit’. 

Der form nach könnte das wort 
zu der sippe von dorg gehören, 
aber die bed. stimmt dazu schlecht. 
dýri 1 mPN., aschw. Diuri, vgl. auch 
warág Dir. Wohl eig. urspr. zu dýr 
gebildet, oder zum adj. *deuza ‘wild, 
kiihn' und erst spáter vermischt mit 
einem zu dýrr gebildeten namen 
(Láffler, Sv. fornm. fören. tidsskr n, 
1900, 201 ff; s. auch Jiriczek ESt 60, 
1925, 225-6). 

— 2 m Zss. wie bjarndýri ‘bár’, grádýri 
‘wolf’. — vgl. dýr 1. 
dýrka schw. V. ‘verehren, preisen’ (nur 
chr. Schr.), nisl. fár. dýrka, nnorw. schw. 
dyrka. ndá. dyrke ‘verehren' auch 
‘bauen, anbauen’. — vgl. ae. dieran, 
diersian ‘ehren, pretsen’. — vgl. dýrr. 
dyrr f. npl. ‘tiir’ (< germ. pl. *duriz), 
nisl. fár. nnorw. dyr, nschw. dörr, ndá. 
dor (nach Falk MM 1910, 10. eig. 
‘tiiröffnung’; iiber die form dyrr s. 
Sturtevant, Fschr. Flom 1942, 52: 
analogie nach umgel. neutra wie kyn). 

— > lpN. durro ‘verschlagartiger vor- 
bau in einer erdhiitte’ (Qvigstad 141). 

— ae. duru, afr. dure, dore, as. duru, 
duri, ahd. turi, daneben sg. n. got. daur, 
ae. afr. as. dor, ahd. tor ‘tiir’, turi. — 
lat. foris, gr. 0úpa ‘tiir’, ai. dvar, 
dváras ‘tor, tiir’, asl. dviri pl. ‘tiir’, 
dvorú ‘hof’, lit. dúrys pl. ‘tiir’, dv&ras 
‘hof’, lett. duris ‘tiir’, air. dorus ‘tiir’, 
arm. durn ‘tiir, hoí’, alb. dere ‘tiir’ 
(IEW 278-9). 

Dass wir bei einem worte fiir ‘tiir’ 
von einem zaun oder einer wand 
ausgehen miissen, ist klar; das 
duale tantum deutet eben die 
zwei pfosten an, durch die man 
hindurchgehen muss. Idg. *dheur 
isteine r-erw. von *dheu, die’flecht 
werk’ bedeutet hat. Wir findendiese 
bed. in der dental-erw. vgl. doði, 
aber auch in dem nhd. wort topf, 
eig. 'lehmbeschmiertes flecht- 
werk’. Aus dem hohlen gefáss er- 
gibt sich die bed. ‘tief’ (vgl. 
djúpr). Dass der zaun auch als 
mannring aufgefasst wurde, be- 
weisen wörter wie dýrr (zur bed. 
entw. vgl. hollr), und duga. (s. 
J. Trier, ZfdPh 70, 1949, 357-365). 
dýrr adj. ‘teuer, kostbar’ (< germ. 
*diurjaz), nisl. dýr, fár. dýrur, nnorw. 
schw. dá. dyr. — > shetl. djur ; > finn. 
tiuris, tyyris, liv. tövrös, lpN. diwrás, 
diwres lpS. deuras, tivras (aus *diuriz\ 
s. Thomsen 2, 223, Setálá FUF 13, 
1913, 464). — ae. diere, dýre, afr. 


diöre, diúre, as. diuri, mnl. diere, duere, 
ahd. tiuri ‘lieb, wert’. — vgl. dýr 2, 
dýrð und dýrka. 

Die idg. grundform *dheur ist auch 
in der schwundstufeform dyrr 
vertreten und gehört zu einer idg. 
wzl. *dheu, die ‘geflecht, flecht- 
werk’ bedeutet. Man muss vöm 
‘mannring’ ausgehen: ‘lieb, wert’ 
sind die genossen des gemein- 
schaftsverbandes’ (vgl. hollr). — 
Sporadisch auch in PN. wie 
Dýrhildr, Dýrfinna\ auch im w- 
germ. selten z.B. fránk. Deorwal- 
dus, Deurtrudis, ae. Deorbriht 
(Naumann 85). 

dys f. ‘grabhugel, eig. steinhaufen’ (< 
germ. *dusjö), nisl. fár. nnorw. aschw. 
dys, nschw. dös, ndá. dysse\ vgl. auch 
nnorw. dussa ‘ungeordneter haufe’, 
deysa ‘aufháufen’. — ostfr. dúst ‘haufe, 
unordentliche masse’, mhd. toesen, 
doesen ‘zerstreuen’. — Vielleicht zur 
idg. wzl. *dhues- ‘verwirrt sein; rau- 
chen, stieben’ vgl. dús. 

Das wort bekam die bed. ‘grab- 
hugel’, nicht weil dort eine seele 
ruhte (so Meringer WS 10, 1927, 
189), sondern weil auf einem 
unterwegs erschlagenen ein stein- 
haufen aufgeschuttet wurde, vgl. 
auch den brauch, beim voriiber- 
gehen an solchen stellen einen 
stein daraufzuwerfen; also eig. 
unordentliche masse von steinen ? 

dytta schw. V. ‘zustopfen’ (nur Stjóm), 
nisl. norw. dytta, nschw. dial. dötta. — 
ae. dyttan ‘schliessen, zustopfen’. —- 
gehört zu norw. schw. dial. dott, ndá. 
dial. dot ’buschel, wisch’, vgl. ae. dott 
‘geschwiirspitze’, mnd. dut ‘nagel, 
klotz’, nnl. dot ‘knáuel, biischel’, ahd. 
tutta ‘brustwarze’. — vgl. doði und 
dottr. 

dyttr m. ‘schlag, stoss’; vgl. nnorw. 
dytta, nschw. dial. dötta ‘stossen’. — 
vgl. dyntr. 

- dæöa f. in Zss wie fordœða ‘zauberei, 
und -dæöi n. in Zs. údceði ‘untat’, 
nisl. ódœði, aschw. odœþi, ádá. udathe. 
— vgl. dáð. 

dæla f. ‘rinne am schifísbord, in die der 
schöpfeimer geleert wird’, nisl. norv'. 
dala ‘hölzerne rinne’. — > IpN. 
dallo ‘ds’ (Qvigstad T41). — vgl. 
nnorw. dial. dol Tinnenförmige höh- 
lung’, mnd. dðle ‘graben'. Daneben 
abl. nnd. dal 'rinne auf segelschiffen 
fiir das abfiihren des leckwassers’, vgl. 
ne. pumpdale, nnl. pompdaal (hieraus 
vielleicht frz. dalot 'speigatt’) und 
weiter mhd. túlle, nnd. dölle ‘röhre’. — 
dæld f. ‘kleines tal; loch, grube’ (< 



dæligr 


92 


dQgg 


germ. *déliðð), nisl. norw. deeld, nscbw. 
dald, ndá. dœl(le). — daneben abl. 
got. ib-dalja 'berglehne', ae. dell, nnd. 
delle (< *daljo). 'kleines tal' — Hoch- 
stufige abl. zu dalr i. 
dœligr adj. ‘schwach, kránklich’. — 
vgl. dd i. 

d»U adj. 'leicht, umgánglich', nisl. dœll, 
fár. dalur, nnorw. dœl, nschw. dal, 
döl, ádá. dœl. — Zu einem Zw. *dalian 

Í tassend machen, bereiten' (vgl. dali- 
un), zu asl. dilo 'werk’, délajq ‘ar- 
beite’, lit. padilýs 'einer henne unter- 
legtes ei’, zur idg. wzl. *dhl 'setzen, 
stellen' (IEW. 238). — vgl. dáð. 
dæsa schw. V. ‘auf etwas blasen, gering- 
schátzen (chr. Schr.), nisl. dcesa ’blasen, 
stöhnen’, dœsast ‘fast umkommen vor 
kálte oder schmerz', nnorw. dœsa 
‘erschöpft sein vor frost oder schlech- 
tem wetter'. —vgl. dæsinn ‘faul, tráge’ 
(poet.), dæstr' ermattet’ und dæstingr 
mBN. — vgl. dasast und dási. 
deggva schw. V. vgl. dgggva. 
dekkr adj. ‘finster, dunkelfarbig’ (wohl 
< germ. *dankwia, vgl. daneben 
dgkkr s. F. Jónsson Sprogforh. 308); 
nisl. dökkur, fár. dekkur, nnorw. dökk, 
dokk, dekk. — afr. diunk(er) ‘dunkel’, 
daneben tiefstufig: as. dunkar, mnd. 
dunker, nnl. donker und mit anderem 
suff. ahd. tunkal, tunchal. — gr. 6é[icpoi; 
‘ernst, finster blickend’, ai. dhamati 
‘blást’, mir. dem ‘schwarz, dunkel’, 
deime 'dunkelheit’ (IEW 247-8). Neben 
dieser mit dh- anl. wzl. steht eine andere 
mit f-anl., vgl. ai. tamas ‘finsternis’, as. 
thimm, ahd. demar ‘dunkel’ (viell. 
tabu-wechsel ? s. Specht, Idg. Dekl. 12). 
— dekkna ‘dunkel werden’, dekkva 
schw. V. 'dunkel machen’, fár. norw. 
dekkast ‘sich verdunkeln’. — vgl. 
dámr, dimmr, dumba, dunkrunddý. 
dœgn n. 'halbtag von 12 stunden’ 
(< germ. *dðgin-), nnorw. dial. degn, 
dygn, nschw. dygn, ndá. dagn. Daneben 
gíeichbedeutend dœgr {< germ. *dð- 
giz\ (Collinder, APhS. 3, 1928, 206 
erklárt beide formen aus stammform 
*dögezen; aber eher alter wechsel von 
r- und n- stámmen; Benveniste Origi- 
nes 11 vergl. dazu ai. áhar: áhan 'tag’), 
nisl. deegur, nnorw. dager, aschw. 
dðgher, ádá. dmger. — Hochstufige 
ableitungen wie got. fidurdögs ‘vier- 
tágig’ und ae. dðgor zu dagr. 
dcel f. ‘kleines tal’ (< germ. *döljð), 
nisl. dal, nnorw. dial. del', vgl. shetl. 
dðli ‘rinne im meerboden’. — nnd. 
döle ‘loch’, nnl. doel ‘graben, wasser- 
scheide’ (s. Schönfeld, Ned. water- 
namen 1935, 226), ahd. tuolla ‘tálchen’. 
— vgl. dalr 1. 


dcellm. 'talbewohner’ (< germ. *dðljaz), 
nnorw. dal. — vgl. dalr 1. 
dcelskr adj. ‘töricht’ (< germ. *dwðlis- 
haz), nisl. dœlskur, fár. dalskur ; vgl. 
nnorw. delsha ‘nárrin’; daneben abl. 
nschw. dá. dial. dolsk, und ahd. tulisc 
‘töricht’ (s. Flom, SSN 1, 1914, 271). — 
vgl. dvala. 

dœma Schw.V. ‘urteilen, richten, nisl. 
desma, fár. nnorw. dama, nschw. döma, 
ndá. damme. — > finn. tuomita, IpN. 
dubmit, duobmet (Thomsen 2, 224). — 
got. dðmjan, ae. dlman, doeman, afr. 
dlma, as. dömian, mnl. doemen, domen, 
ahd., tuomjan, tuomen. — doemi 1 n. 
‘beispiel, zeugnis, erzáhlung’, neubil- 
dung zu doema und 2 in Zss. wie 
eindœmi ‘selbstbestimmungsrecht’, ritt- 
doemi ‘gerechtes urteil’, ;a-abl. zu dómr. 
dQt 1 f. ‘lende eines tieres’ (< germ. 
*dabð), nisl. döf ‘lende’, fár. def ‘kreuz, 
hinterteil’, nnorw. dov ‘lende’. — 
Vielleicht mit der bed. ‘dick’ ? (Wood 
MPh. 11, 1914, 331). — vgl. dafla 
und dgf 2. 

Etymologisch gehört es wohl zur 
gruppe von dafla, wiewohl die 
bedeutungsverháltnisse alles an- 
dere als klar sind. Holthausen 
Wb. 45 stellt dazu adá. dabe 
‘stosskeule’ und scheint damit 
eine grundbed. ‘stossen’ anzu- 
nehmen. Jóhannesson Wb 497 
stellt es, wiewohl zweifelnd, zu 
den germ. wzln *dabb, *dab, *dap, 
die ‘dick, klumpig’, sodann auch 
‘plump, tölpelhaft’ bedeuten sol- 
len. Die beziehung zu ‘schlagen, 
stossen’ ist doch wohl ziernlich 
locker; gr. Tá<poc fiihrt dann 
wieder in eine ganz andere be- 
griffsspháre ‘erstaunen’; man spll 
eine bed. entw. annehmen ‘schla- 
gen’ > ‘geschlagen sein’ > ’stau- 
nen’. Nicht recht uberzeugend. 

— 2 f. ‘speer’ (poet), vgl. ádá dabe ‘stoss- 
keule’ (nach Falk, NVA 1914 Nr. 6, 74 
dasselbe wort wie dgf 1; Sturtevant 
SSN 8,1925,202 stellt es zu dafla und 
erklárt es als waffe, mit der man schlágt). 
dQgft f- ‘tau’ (< germ. *da\i\eö), nisl. 
dögg, fár. degg, nnorw. dogg, nscEw. 
dagg, dugg, ndá. dug. — > orkn, shetl. 
dagg; > ne. dial. dag (Björkman 33). — 
ae. diaw, afr. dáw, as. dau, nnl. dauw, 
ahd. tou ‘tau’. — gr. 6é<i>, ðfjto ‘laufe’, 
6óos ‘schnell’, ai. dhávate ‘fliesst’ 
(IEW. 259). — dpggva schw. V., auch 
deggva ‘tauen’, nisl. döggva, nnorw. 
deggja, deggja, aschw. dygga, nschw. 
dial. dögga ‘tauen’, ndá. dial. dygge 
‘bespritzen’. — > ne. dial. degg 
‘betauen’, ne. daggle ‘beschmutzen’ 



dgggskór 


93 


eöli 


(Thorson 24). — nnl. dauwen, mhd. 
touwen. 

dpggskór m. 'ortband der scheide’, eig. 
‘beschlag’, nisl. dOggskór, nnorw. dial. 
doggsko, ádá. dugsko; wohl unter ein- 
fluss von dggg entstellt aus einem 
worte wie nschw. doppsko, ndá. dopsko, 
dessen erster teil mnd. dofrpe, nnl. 
dop 'metallhulse’ ist (Falk NVA 1914 
Nr 6. 34-5). 

dpglingr m. auch deglingr ‘fiirst’ (poet.), 
nisl. döglingur 'fiirst', fár. deglingur 
'walart'. — Aufgefasst als nachkomme 
des königs Dagr; der sakrale charakter 
der bildung geht aus der u-dekl. in 
der grundform *dagulingaz hervor 
(s. Höfler, Fschr. Genzmer 33). 

dpgurör m. 'friihstiick’ (< dag-verör), 
nisl. dögurður, dagverður, fár. dógurða-, 
nnorw. dagverd, dugurd, daver, nschw. 
dagvard, ndá. davre. — vgl. dagr 
und verðr 1 . 


dpkk f. ‘grube' (norw. DN) (< germ. 
*dankwö), nnorw. dokk, nschw. dial. 
dank ‘senkung im boden'; daneben 
nnorw. (d)jokk (< *dankwið) und 
nschw. dial. danhe (< *dankwia); s. 
H. Pipping SNF 8 , 1917. Nr. i, 22-4. — 
> me. dank ‘feuchtigkeit’, ne dial. 
donk ‘feuchte stelle’ (Björkman 233; 
aus ostskand.); > shetl. dekk ‘meeres- 
boden’ (Jakobsen 95). — lett. danga 
‘gruft, pfiitze’ (zur idg. wzl. *dhen 
‘schlagen’ ? s. Lmdquist NB 15, 1927, 
112-7). — vgl. dyngja. 

Weniger wahrsch. zu dekkr (so 
Jóhannesson Wb. 511). 
dpkkr vgl. dakkr. 
dqmmudúkr vgl. dammadúkr. 
Dqrruör m. ‘Odm’, eig. ‘der Speerkámp- 
fer’ (< *darr- hQðr; s. Falk, NVA 1924. 
Nr 10, 6). — vgl. Darraðr und darr. 


E 


eða Konj. ‘oder, aber, sonst’, run. ipa; 
nisl. eða, ádá œthee, eeth. — got. 
aipþau, ae. eðða, ahd. eddo ‘oder’; 
daneben abl. as. oððe, ahd. odo. — 
Wáhrend der 2.teil das unter pó be- 
handelte wort *pau ist, gibt es fiir 
den i.teil zwei erklárungen und zwar 
i.germ. *ep, vgl. lat. et ‘und’, gr. In 
'iiberdies, noch’; vgl. got. iþ 'aber’, 
id-weit ‘schmach’ (IEW 344) und 
vgl. ið 2, oder, aber weniger einleuch- 
tend 2. germ. *eh, vgl. lat. ec in ec-ce 
‘da’. Eine áhnliche bildung wohl. as. 
eftha, eftho, ettha, ettho, afr. ieftha, 
ioftha, oftha, mnl. ofte, falls man iiber- 
gang pp > fp annehmen darf. — vgl. eðr. 
edda 1 1. ‘grossmutter’ (poet.). Das wort 
hángt vielleicht mit eiða ‘mutter’ 
zusammen, entweder als suffixbildung 
*aipipön (Noreen Gramm § 238, 1), 
oder als reduplikationsbildung *aip- 
aipon etwa 'mutter-mutter’ (Neckel, 
ZfdA 49, 1908, 314-20). 

— 2 f. ’name fiir Snorris buch iiber 
die Skaldenpoesie’. Die etymologie ist 
unsicher. 

Die lange bevorzugte ableitung 
von óðr, also in der bed. ‘poetik’ 
(s. B. Sijmons, Over afleiding en 
beteekenis van het woord Edda 
1898, ióff und Krogmann ANF 50, 
1934, 243-9) aus einer grundform 
*öpipön erweckt bedenken durch 
kiirzung und delabialisierung des 
stammvokals (s. Andersen, ANF 


52, 1936, 67-70; vgl. aber stedda). 
— Besser wáre demnach eine abl. 
von dem ortsnamen Oddi (Sijmons, 
Einl. Edda-ausg. I S. LXXXII ff), 
also ‘das buch von Oddi’. — Man 
hat auch versucht das e aus ai zu 
erkláren, und dann das wort mit 
edda 1 zu vereinigen (Neckel, 
ZfdA 49, 1908, 314, oder Guten- 
brunner, PBB 66, 1942, 276 als 
kurzíorm aus einem wort wie 
Eddumál oder Eddusaga) ; ver- 
fehlt aber zu einem psirt. *eddr 
‘geehrt’ (vgl. eira) mit der bedeu- 
tung ‘buch iiber ehrwurdige sa- 
chen’ (Pipping, Andra nordiska 
forskarmötet Helsingfors 1926, 
S. 103 ff.). 

edik n. 'essig’ (nur chr. schr.), nisl. edik, 
fár. edikur, ndá. eddike. — < mnd. 
edik < lat. acetum ‘essig’. 
eðla, eyðla, eðla f. ‘eidechse’ (grund- 
formen: *aiðilon und *aiðulðn), nisl. 
eðla, anorw. eyðla, nnorw. dial. edla, 
erle, ele und ela, ala, eila, aschw. ödhla, 
ydhla, nschw. ödla, ádá. ödle, ödele, 
ndá. egle. 

Gewöhnlich verbunden mit der 
unter eisa 1 behandelten idg. 
wzl. *aidh ‘brennen’, aber nach 
Torp Ordb. 883 < *iðalðn, *iðu- 
lön zu gr. aléaXUov ‘russbraun’. 
eðli, eðli n. ‘beschafienheit, wesen, 
natur' (vielleicht zwei grundformen 
*aðilja und *aðulia, wenn nicht ein- 



eðlingr 


94 


egg 


fach eðli > eðli in infortis-position) ; 
nisl. eðli 'art, beschafienheit’, nnorw. 
edle, eU ‘geschlecht, rasse’, aschw. 
eeþle ‘herkunft’. — ae. œðelu, as. aöali, 
ahd. adal, edili ‘edle herkunft, edles 
geschecht'; vgl. adj. ae. esdeú, afr. 
etheU, as. athali, etheli, ahd. edili 
‘edel’. — vgl. aðal. 

eðllngr m. ‘hauptling’, vgl. pðlingr. 

EOna f. PN < air. Ethne. 

Eðný fPN. vgl. ið 2 und »ý 2. 

eðr ‘oder’, (junger und bes. ostnorw.) 
Komp. bildung zu eða. 

ef 1 n. ‘zweifeL'. — vgl. if und efan. 

— 2 Konj. ‘wenn’, nisl. ef. — ae. gif, 
as. ef, afr. jef, ef, ahd. ibu ‘ob, wenn', 
got. ibai 'ob denn'; daneben abl. ahd. 
oba, ube. .— vielleicht gehörend zum 
pron. stamm *«-: **-, vgl. es und 
nema 2 . 

efa schw. V. 'zweifeln'. — vgl. ifa. 

efan f. 'zweifel’ — vgl. if. 

efja f. ‘gegenstrom in einem fluss; fluss- 
bucht’ (< *germ. *abjön)\ nisí. efja, 
fár. evja ‘schlamm’, nnorw. evja 'sump- 
fige bucht, flussarm’, aschw. tsfia 
‘schlamm’, nschw. diaí. dvja ‘seiten- 
bucht in einem fluss, schlamm’, ndá. 
dial. eve ‘schlamm’ und ohne uml. 
nnorw. ave, nschw. ava, ave ‘wasser- 
loch, sumpf’. — ae. afr. ebba, as. ebbia, 
mnd. mnl. ebbe ‘ebbe’, eig. ‘riickgang'. 

— gr. Snio? ‘abgelegen, fem’ (IEW 
54). — vgl. af und ífugr. 

efla schw. V. ‘stárken; ausfiihren; ge- 
winnen, können', nisl. efla, fár. elva, 
nnorw. evla, nschw. dial. dvla, ndá. 
esvle. — ahd. avalðn 'sich riihren, ar- 
beiten'. — vgl. afl. 1. — Dazu efli 
n. 'stárke’ (poet.) und in Zss. wie ofrefli 
‘iibermacht’, norw. dial. ov(r)evle, 
aschw. oftefle, adá. ueefli, ja- abl. zu 
afl., und efllng f. ‘bereitmachung, 
unterstiitzung’. 

efha 1 schw. V. (prát. efndi) 'ausfiihren, 
leisten, helfen', nisl. efna, fár. evna, 
nnorw. emna ‘leisten’, nschw. amna 
‘beabsichtigen’, ndá. evne ‘vermögen’. 

— > ne. dial. ebben ‘sich vomehmen, 
beabsichtigen'. — ae. efnan, esfnan 
‘ausfiihren', ahd. ebanðn. — vgl. afl 1, 
efni und oefr. 

— 2 schw. V. (prát. efnaði) ‘einrichten, 
vorbereiten’, eig. ‘eben machen’. — 
vgl. jafn. 

eftal n. ‘stoff, material; grund, ursache' 
usw. (< germ. *abnia), nisl. efni, fár. 
evni, nnorw. emne, nschw. dmne, ádá. 
evne ‘material’, ndá. evne ‘geistige 
kraft, vermögen’. — > • me. efne, euen 
‘art, materiaí’ (Björkman 209), ne. 
even ‘art, character’ (Thorson 59); > 
shetl. even, iven ‘material’ (Jakobsen 


144); > finn. aine ‘stoff, material’ 
(nach Karsten GFL 86 und FMS 2, 
1934, 7 1 < germ. *etbnú ; nach Setálá 
FUF 13, 1913, 355 unsicher); > lpN. 
awnas, dbnes ‘stoff, bes. holzmaterial’ 
(Thomsen 2, 172). — ae. andefen ‘mass, 
menge, fáhigkeit’, landefen ‘landmass’. 

— ai. dpnas 'besitz, reichtum’. — vgl. 
efna 1. 

Das wort beweist durch die finn. 
lapp. entlehnungen, dass die germ. 
grundform ein es, os-stamm war, 
spáter von einem ija- stamm ab- 
gelöst (s. I. Lindquist MASO 3, 
I 94 1 , 130)- 

efri 1 ‘spáter’, nisl. efri, fár. evri; vgl. 
auch superl. efstr, nisl. efstur, fár. 
efstur, evstur. — vgl. afr. 

— 2 ‘höher’. — vgl. efri. 

efsa schw. V. ‘abschneiden’ (poet.), vgl. 
schw. dial. afsing ‘abgeschnittenes 
ende eines gewebes’. — ae. efesian, 
œfesian ‘abschneiden’ (falls aber zu 
ae. œfes, yfes vgl. ups, besser fernzu- 
halten). Vielleicht < germ. *abison 
und dann abgeleitet von af, wie 
ofsa von of. 

egðir 1 m. ‘adler’ (þula) auch ‘wolf’. — 
Gehört wohl zu agi, aíso 'der schreck- 
liche’. Der name des adlers könnte auch 
zu egg 1 gehören, also ‘der mit dem 
scharfen schnabel’. 

— 2 mPN. vgl. Eggpér. 

— 3 mpl. ‘bewohner der landschaft 
Agðir, vgl. auch egðskr. 

egg 1 f. 'ecke, schneide’ (< germ. *agjö), 
nisl. fár. nnorw. egg, nschw. egg, dgg, 
ndá. egg, eg. — > shetl. egg ‘schneide’; 

> ne dial. egg 'auf die seite gestellte 
schieferplatte’ (Thorson 25); > finn. 
agja, karel. weps. agj 'spitze’, estn 
ai ‘náharbeit', liv. aigá’ ‘rand’ (Thonj- 
sen 2, 168; Karsten FMS 2, 1934, 6 7 )l 

> lpN. avjo, lpS. aivo, auío (Thomsen 
2. 172; Wiklund SUSA 10, 1892, 149)- 

— ae. ecé (ne. edge), afr. egg, ig, as. 
eggia, mnl. egge, ahd. ecka, egga 'schnei- 
de’, vgl. got. PN Agiulfus. — lat. acies 
‘schárfe, schlachtreihe’, gr. áx£? ‘spitze, 
stachel’, asl. osla 'wetzstein’; i-erw 
zur wzl. *aM, *oR, die in gr. áxfj, áxojxí) 
'spitze, schneide’, lat. acere 'sauer 
sein’, acidus ‘sauer’ vorliegt, vgl. 
daneben *ank in gngull und vielleicht 
auch uggr; weiter akka, dll 4, ax 
und Agðir, eggja, Qgn, Qgr 1 u. 2 und 
hamarr. 

— 2 n. ‘ei’ (< germ. *ajjam), nisl. fár. 
nnorw. egg, nschw. dgg, ndá. eg. — 

> shetl. egg; > me. ne. egg (Björkman 
36). — ae. esg, as. mnl. ahd. ei, krimgot. 
ada. — verwandtschaft mit asl. ajice, 
ajice, gr. ötov, <&eov (< *ö(yi)iom) 'ei’. 



95 


eigin 


egtda 


vgl. weiter lat. ovum, (< *ðu-o), air. 
og ‘ei’, eig. adj. bildung zu lat. avis 
'vogel', ai. vih, vih, gr. < *avi- 

etos) ‘raubvogel’ (s. Specht, Idg. 
Dekl., s. 29) — vgl. langvi. 

eggja schw. V. ‘hetzen, scháríen’, nisl. 
fár. nnorw. eggja, nschw. ágga, ndá. 
agge; vgl. daneben nnorw. eggla ‘auf- 
hetzen, beleidigen’, egsa ‘aufhetzen, 
galoppieren’, nschw. dial. áxa ‘auf- 
hetzen, keifen’. — > shetl. egg, igg 
‘hetzen’; > ae. eggian, me. eggen 
(Björkman 157), ne. dial. egg (Flom 
Infl 38); > lpN. av’ðot ‘antreiben’ 
(Qvigstad 98). — ae. ecgan ‘schárfen’, 
afr. eggia ‘antreiben, fechten’, mnd. 
eggen ‘schárfen’. — vgl. egg 1. 

Eggþér mPN., auch Egðir, ádá Ejde. — 
ae. Eggþeow, ahd. Eggideo, Eckideo .— 
eig. ‘der mit ecken bewaðnete diener 
hat’ (I. Lindquist, SVS Lund 24, 1940, 
52). Zs. aus egg 1 und -þir. 

Egill mPN. (< germ. *agilaz), aschw. 
Æghil (in ON), ada Eghil. — wgot. 
Agila, ahd. Agilo, Egilo. — Entweder 
zu agi oder zu egg 1. 

egna I schw. V. ‘ködem’, nisl. fár. norw. 
egna, schw. dial. ágna. — > lpN 
av'nðt ‘ködem’. (Qvigstad 98). — Dazu 
egnlng f. ‘verlockung, táuschung’, 
nisl. ‘das ködem’. — abgeleitet von 
agn. 

— 2 schw. V. in Zs. eregna ‘reinigen (von 
flachs)’. — vgl. Qgn. 

ei 1 adv. ‘immer’, daneben auch ce; 
neben schwachtonigem ei steht stark- 
toniges ey (Noreen, Gramm. § 77, 15). 
— > me. ay, ai, agg, ei, ne. aye 
‘Björkman 40). — vgl. ce 2 und eyvit. 

— 2 adv. ‘nicht’, vgl. eigi 2. 

eið n. ‘landenge; strecke wo man den 
wasserweg verlassen und iiber land 
gehen muss’ (< germ. *aiða-), nisl. 
fár. eið, eiði, nnorw. eid, nschw. ed. — 

> shetl. Id, lð, je, jce, hebrid. aoidh; 

> manx ON The Eye (Marstrander 
NTS 6, 1932, 85); > ne -aith in ON 
(Flom MLN 39, 1924, 208); > lpN. 
ai’de ‘landenge, durchgang durch sen- 
kung im gebirge’ (Qvigstad 83). — 
gr. 10 (jlœ ‘gang’, 106(104 ‘landzunge, 
landenge’, lit. Ttdine ‘im gang (von 
pferden)’, gehört zur idg. wzl. *ei 
‘gehen’, vgl. lat. eo, gr. elj«, ai. emi, 
imas, asl. iti ‘gehen’, vgl. got. iddja 
‘ging’ (s. fur diese wortgmppe Hessel- 
man, NTU 7, 1935, 163-6). — vgl. 
dr 2, drr 1, eiðr, eistr, forað, 
ónn und viðr. 

eiða f. ‘mutter’. — got. aiþei, mhd. eide 
‘mutter’, ahd. fuotar-eidi ‘amme’. — 
air. aite ‘vater’. — vgl. edda 1. 

eiðr m. ‘eid’, nisl. fár, eiður, nnorw. eid, 


nschw. dá. ed. — got. aiþs, ae. áð 
(ne. oath), afr. Ith, éd, as. eð, mnl. eed, 
eet, ahd. eid. — air. oeth (< *oito). 
Oft ist das germ. wort als entl. aus ir. 
betrachtet (d’Arbois de Jubainville, 
Les premiers habitants de l’Europe 2, 
235 und G. S. Lane, Lang. 9, 1933, 
246), aber vielmehr als urverwandt zu 
betrachten (s. Krahe, Sprache und 
Vorzeit 134). 

Etymoíogie ist dunkel. Nimmt 
man zusammenhang mit gr. oIto? 
‘schicksal’ an (Meringer, IF 18, 
1906, 295), dann möglich zur 
idg. wzl. *ei ‘gehen’ (vgl. eið), 
also etwa 'eidgang’; dabei erinnert 
Porzig, Gliederung d. idg. sprachen 
(1954) 121 daran, dass der schwö- 
rende zwischen den stiicken eines 
opfertieres hindurchschritt (falls 
das allgem. brauch gewesen ist ?). 
Oder vielmehr zu gr. alvujxi, alvcco 
‘loben’, alvo? ‘erzáhlung, lobrede’, 
ávaívo|iai ‘vemeinen, verwerfen’ 
(Osthoff BB24, 1899, 207), dann 
etwa ‘zauberformular’ /IEW n). 

Eiðslfaþing ‘die Dinggemeinde von 
norw. Uppland’, wohl umbildung von 
*Heiðsifa-, vgl. Heiðscefi ‘der nach He- 
demark gelegene teil von Mjösen’, des- 
sen 2. teil scefi (wie in rúmscefi ‘das of- 
fene meer’) von scer gebildet ist. t)ber das 
lautverháltnis von -sœfi und sifi (vgl. 
H. Pipping, GHÁ 11,1905, Nr. 3,34. 

eiga 1 f. ‘eigentum’, nisl. norw. eiga, 
nschw. ega, ága, ndá. eie. — ae. áge 
‘eigentum’. — vgl. eiga 2. 

— 2 prt-prs. ‘ besit zen’, nisl. fár. norw. 
eiga, nschw.' 7 ja, Uga, ndá. eie (vgl. 
run. norw. aih Myklebostad, ende 
6.Jht, Krause Nr 59). — > finn. 
aihoa ‘vorhaben, beabsichtigen’ (? Tun- 
kelo FUF 13, 1913, 100-8); > lpN. 
áitar ‘besitzer’, aus einer alten mit ai. 
iSitar zu vergleichenden abl. (Collinder 
Saga ochSed 1939,14). — got. aigan, ae. 
ágan, afr. ága, as. ðgan, ahd. eigan. — ai. 
ise ‘hesitzt* iSyaras 'vermö gend’. ‘iíá- 
‘besitzer. herr ’, av. aés- ‘herr sein 
iib er‘. toch"S~aiA- 'kenneh, wl5SCTr 1 ~= r 
vgl. etgtnn, etgn, cett 1 und cexka. 

elgi 1 m. ‘eigentum’. — vgl. eiga 2. 

— 2 ‘nicht’, run. dá. aigi (HáUestad I, 
c. 980, Jacobsen-Moltke Nr. 295), nisl. 
eigi, nnorw. fár. dá. ei, nschw. ej. — 
Zusammengesetzt aus [ne]-ei-gi (vgl. 
ne, ei 1 und -gi), etwa zu vergleichen 
mit einem got. *ni-aiw-hun. 

eigin 1 n. ‘eigentum’, nisl. eigin. — got. 
aigin, ae. ágen, as. Igan, mnl. eigen, 
ahd. eigan. — vgl. eiga 2. 

— 2 n. ‘eben hervorspriessender saat 
keim’ (nur SnE), nnorw. eigind, nschw 



eiginn 


96 


einarðr 


dial. eien, áje, ágel, ájel. — mnd. ine 
'granne’. — Vielleicht zur wzl. *aiR, 
*ik ‘spiess', vgl. lat. ictus 'hieb, stoss', 
gr. bcTéee ‘sj)eer’, alxiri) (< *aiksmá) 
‘spiess’, apr. aysmis, lit. ieSmas, jieímas, 
lett. iesms ‘bratspiess' (Wood, JEGPh 
13, 1914. 499 )- — vgl. igða. 
eiginn adj. 'eigen, eigentumlich’, nisl. 
eiginn, fáx. egin, nnorw. eigen, nschw. 
egen, ndá. egen, eien. — ae. ágen, afr. 
igin, iin, as. igan, mnl. eigen, ahd. 
eigan. — vgl. eiga 2 . 
eign f. ‘eigentum’ (< germ. *aigni-), 
run. norw. at aign (Sele c. 1100, Seip 
N Spr. 86), nisl. eign, fár. ogn, nnorw. 
eign, aschw. eghn, esghn, ádá egn. — 
> shetl. enk, ink, jenk, jink (Jacobsen 
137 u. 366). — eigna schw. V. ‘sich 
aneignen, erwerben’, (< germ. *aigi- 
nðn), nisl. nnorw. eigna, fár. ogna, 
nschw. ágna, ádá. egne. — > shetl. 
(j)enk, (j)ink (Jakobsen 138 u. 366). — 
got. ga-aiginon ‘in beschlag nehmen’, 
ae. ágnian 'besitzen, beanspruchen', 
ahd. eiginin, mnd. igenen, mnl. eigenen 
‘aneignen’. — vgl. eiga 2. 
eigra schw. V. ‘schlendem’ (poet.). — 
gr. ofjcofíat ‘gehen’. 

elk f. 'eiche; schiff (poet.)’, nisl. fár. norw. 
eik, nschw. ek, ndá. eg. — > ne. ON. 
Aihe, Ackton (Mawer 24); > lpN. 
(h)ajka (Thomsen 2, 169; Wiklund 
MO 5, 1911, 246); vielleicht > íinn. 
aikki, aihki ‘pinus procera'. — ae. ác 
‘eiche; schiff aus etchenholz’, afr. as. 
ík, mnl. eic, eec, ahd. eih. — gr. alYÍXtoiJi 
‘eichenart’, afycipo; ‘schwarzpappel’. 
— vgl. eikinn 2 und eikja. 

H. Kuhn, KZ 71, 1954, 151 will 
eik mit akarn verbinden und 
nimmt deshalb einen vokalwechsel 
*aih: *ak an; in diesem fall muss 
man dem wort akarn als urspr. 
bed. ‘eichel’ zuschreiben, was 
durchaus nicht sicher ist; auch im 
wort bók ist die bed. ‘buche’ wohl 
eine spezialisierung von 'frucht- 
tragender baum’. 

elkinn 1 adj. ‘gewaltsam, wiitend, rasend 
(nur Skm. 17); nisl. eikinn 'unver- 
tráglich (von rindem’, nnorw. eikjen 
'streitstichtig’, nschw. dial. eken ‘wider- 
lich’. — ae. ácol ‘erschrockén’. — 
gr. alxlí ‘sturmwind', lYÍ3<tv ‘sttirmen', 
ai. Ijati ‘bewegt sich’, asl. igra 'spiel’, 
igrati ‘htipfen, springen', fit. atkitis 
'leidenschaft’ (WPI, 11).— vgl.ikorni. 
— 2 adj. ‘eichen’. — ’ae. œcen, afr. Izen, 
ítsen, mnd. Iken, mnl. eikijn, eken, 
ahd. eichln. — vgl. eik. 

Eikinskjaldi m. ‘zwergenname’, eig. 
‘der mit dem eichenschild'. — vgl. 
eikinn 2 und skjfldr. 


Eiklntja8na f. ’sklavinnenname’ (Rþ 13), 
etwa 'die ungestum brtinstige'. -— vgl. 
eikinn 1 und tjasna. 
eikja í. ’einbaum, kielloses boot’, eig. 
‘ausgehöhlter eichenbaum', nisl. norw. 
eikja, nschw. eka, ndá. ege ‘flaches 
flusschiff’, bomh. ája ‘offenes hering- 
boot’. — vgl. eik. 

Eikþymir m. ‘name eines mythischen 
hírsches', wohl. ‘mit eichenen hom- 
spitzen' (Gering, Komm. 1, 197), oder 
'mit wie eichenáste gekrtimmten hör- 
nera (F. Jónsson, Edda-ausg. 68). 
Nach F. R. Schröder, Unters. germ. 
rel. gesch. 2, 1941, 98 soll eik- ein wort 
ftir ziege sein (vgl. gr. al5). 

Eileifr, Eilifr mPN., run. dá. ailaif 
(Rönninge 900-925, Jacobsen-Moltke 
Nr 202), aschw. Elav(er), Elof, ádá. 
Elavus, Elif. — > ae. Eilaf, Eiglafus 
(Björkman PN. 32-4). — ae. Anláf. — 
Wohlausgerm. *aina-laibaz und *aina- 
litaz (E. Lind ANF 36, 1920, 303; 
Johansson ANF 49', 1933, 235). Wenn 
man ae. Anláf ausschaltet, könnte die 
grundform auch *aiwa-laibaz. gewesen 
sein. — vgl. Eirikr. 
eimi m. und eimr m. ‘rauch, dampf, 
feuer’, nisl. eimur ‘dampf; schwacher 
laut’, fár. eimur ‘gltihende asche’, 
nnorw. eim, aschw. imber, ndá. em 
‘dampf’. — > shetl. jema 'nebel tiber 
dem meer, kleine weisse wolken’, emek 
'tabu-wort ftir feuer’; > ne. dial. 
hame ‘dampf’ (Thorson 32). — ne. dial. 
oam 'warmer luftstrom’, afr. Ime 
‘sieden, kochen’, imer ‘brocken, bissen’. 
— Davon eimnir m. ‘name ftir 
schwert oder riese’. — vgl. eimyrja, 
im, imnir und gim. 
eimuni adj. ‘unvergesslicb’. — vgl. ei 1 
und muna 1. , 

eimyrja f. ’gltihende asche’, nisl. eimyrja, 
fár. eimur, nnorw. eimyrja, ndá. immer; 
volksetym. umgebildet: nnorw. eld- 
myrja, nschw. eldmörja. — > shetl. 
emers, em(m)er (Jakobsen 136); > 
schott. ameris, emmers; > me. aymers, 
eymbre, eymery (Björkman 42J. — ae. 
eemyrie, amerge (ne. embers), mnd. 
Imere, ámere, mnl. amerdijn, aþd- 
eimuria. — Zs. aus *eim-uxjð (Kluge, 
KZ 26, 1883, 84). — vgl. eimi und 
usli 1. 

eixumgr m. ‘schmaler durchgang; klem- 
me’ (< *ein-gangr), nisl. etnangur, 
nnorw. einang. 

elnarOr 1 adj. 'aufrichtig, freimtitig’, 
nisl. einarður ‘freimtitig', nnorw. einard 
‘einfach, unvermischt’; dazu eingrO 
f. ‘zuverlássigkeit’. — vgl. arðr 2. 
— 2 adj. ‘ausdauerad, beharrlich', vgl. 

I mschw. enhárde, ádá enheerdig 'starr- 



Einarr 


97 


eisa 


köpfig’ — vgl. einn und harðr. 

Einarr mPN. (< germ. *aina-harjae; 
s. A. Johansson, ANF 49, 1933, 234), 
norw. Einar, aschw. Enar, adá. Eruer. 

— > 'ae. Ainar, ne. ON Annaside 
(1140: Ainreseta Ekwall 10); > russ. 
ON. Inarevo, Inarovo (Vasmer, SBAW. 
Berlin 1931, 664). — ahd. Einheri. — 
vgl. einn und herr, auch einheri. 

Eindriði, Eindriðr mPN, auch beiname 
von Thor; aschw. run. ainriþi, adá. 
run. ainraþt. — > ne. ON. Ainderby, 
Enderby (Ekwall 4 und 159). — Das 
wort is wohl < *ainiða-rSÓii ‘allein- 
herrscher’, fiir den ersten teil vgl. 
aschw. enda, run.dá iniþ ‘einzig’ (A. 
Noreen, Gramm. § 151, 6); oder ein- 
fach < *aina-ráðii (A. Janzén, NK7, 
1947 . 69)- 

einga adj. ‘einzig’, nnorw. einga, aschw. 
enga, enge. — > finn. ainoa, ainua, 
ainoo ‘emzig, allein’; > lpN. ajdno, 
estn. ainus, wot. ainoga, ainia, liv. 
ainagi (Thomsen 2, 169; nach Karsten 
GFL 1x5, FMS 2, 1934, 7 1 aus vor ‘ 
germ. form *ainogo, dagegen Collinder 
UL 182-5). — ae - dnga, afr. in(i)g, as. 
inag, ahd. einac; daneben mit gramm. 
wechsel got. ainaha. — lat unicus 
‘einzig’. — vgl einka und einn. 

einheri m 'name fiir Thor’ und fur die 
toten in Walhalla’, eig ‘der allein 
kámpft’. — vgl einn und Etnarr. 

einigr ‘keiner; irgendeiner’, vgl einga. 

einir m ‘wachholder, juniperus’ (<germ 
*jainia-), nisl einir, fár eini(-ber), 
nnorw eine(r), nschw in, ndá ene 
(-ber). — > finn aina ‘netzstrick’ 
(? Karsten, FMS 4, 1936, 435-7); > 
mnd eynberenholt, nnd inberen ‘wach- 
holder’ (Briich, IF 40, 1922, 225) aber 
vgl nnd in(e)ke. — wohl zu lat juni- 
fierus ’wachholder’, juncus ‘schilf, bin- 
se’, mir ain ‘binse’ (IEW 513). 

einka 1 ‘einzig’, nisl nnorw einka, fár 
onka, aschw enka, ánka. — vgl got 
ainakls ‘alleinstehend’. — vgl. einga, 
einn und ekkja. 

— 2 schw. V. ‘auswáhlen’. — vgl. 
einka 1. 

einn ‘ein; allein; irgendein’, nisl. einn, 
nnorw. fár. ein, aschw. dá. en. — > 
finn. aina ‘immer’ (Hummelstedt FMS 
5, 1937, 240-8); > lpN. aidna, ai'na, 
aidno, ai'no ‘einzig’ (Qvigstad 83); 
> ne. ON. Ainsty, Aintree (Mawer 24). 

— got. ains ae. án, afr. ö», in, as. in, 
ahd. ein. — lat. unus (< *oino-) 
‘einer’, gr. éivn ‘eins auf der wiirfel’, 
ai. ina ‘er', asl. ino- (v. Wijk IF 30, 
1912, 382), apr. ot»s, lit. vienas, lett. 
viins, air. öin; eig. erw. der idg. wzl. 
*e-: *i- Pronominalstamm; vgl. es 


und weiter -a, -at, einga, einka, 
ehki 2, ekkill, ekkja und engi 3. 

einnhverr pron. ‘jemand’, nisl. einhver, 
fár. onkur, nnorw. einkvar, aschw. 
enhvar, ennor, ndá. enhver. — vgl. 
einn und hverr 2. 

eir 1 f. ‘gnade, milde, hilfe’, auch name 
einer göttin (< germ. *aizið). — ae. ár 
'wobltat, ehre; besitz, vorrecht’, afr. 
ire, mnl. ere, eer, as. ahd. ira ‘ehre, 
wtírde’; vgl. wgerm. matronennamen 
Alaesiagis, Alaisiagis (I. Lindquist, 
Galdrar 21-9); mit i-suðix got. aistan 
‘sich scheuen, achten’. — lat. aestumo 
‘schátze, achte’ osk. abl. aisusis ‘durch 
opfer’, gr. afSopat (< *aizdomai) 
‘scheue, verehre’, alðcó; ‘ehrfurcht, 
scheu’, ai. idi (< *izdi) ‘schátze, 
achte’, toch B yase ‘ehrfurcht, furcht’ 
(Bezzenberger, BB 4, 1878, 313) aber 
unsicher s. Feist, Got. Wb. 27-28. — 
Dazu eira schw. V. ‘schonen, nach- 
geben; ntitzen, gefallen’, nisl. fár. norw. 
eira. — > lpN. arjot ‘schonen’ (Qvig- 
stad 92). — ae. árian ‘ehren, begaben, 
schonen’, afr, iria, as. ahd. irln, irön 
‘ehren’. — eirð f. ‘schonung’ (< germ. 
*aiziþo), nisl. eirð. —- vgl. cera 1 und 4. 

— 2 n. ‘erz. kupfer’, nisl. fár. norw. eir, 
aschw. ir, ádá eer; vgl. nnorw. eir, erj, 
nschw. árg, ndá. ir, irr ’grtínspan’ 
( < *eirugr) — > lpS. air, aira, aire 
‘kupfer, kupferkessel’ (Thomsen2,169). 
— got aiz, ae. œr, ár (ne. ore), as. ir, 
mnl. eer, ahd. ir. — lat. aes ‘erz’, ai. 
ayas, av. ayð ‘metall, erz.’ — vgl. dr 4. 

Eirikr mPN. (Lind, Dopn. 223-7), 
nnorw Eirik, run. schw. g. sg. Airikis 
(Sparlösa 8 Jht. I. Lindquist, SVS 
Lund 24, 1940, 47), aschw. Eriker, 
run. dán. qiriks g. sg. (Starup 9 Jht. 
Jacobsen-Moltke Nr 17). — > ae. 
Eiric, Eric (Björkman PN 34-5); 
> air. Eiric, Eric (Marstrander NVA 
1915, 68 u. 83). — ahd. Ainerich, 
Einrih. — < germ. *aina-rikia- 'der 
alleinmáchtige’ (Johansson ANF 49, 
J 933 . 234-7 und I. Lindquist NB 27, 
1939, 1-6). 

Nach Thomsen 1, 308 < germ. 
*aiwa-rikia und dann zu wgot. 
Euaricus; nicht wahrscheinlich 
wegen run.dá. qiriks. — Ftir die 
form Eirikr neben seltenem Eirekr 
s. F. Jónsson, Sprogforh. 291. 

Eimý f. PN. zu eir 1; aber daneben auch 
Eyrný, und dann zu aurr 2 ‘feuchtig- 
keit’ oder 'glanz’ (s. A. Janzén NK 7, 
1947, 69) und -ný. 

eisa 1 f. ‘gltihende asche, feuer’ (< germ. 
*aiðsðn), nisl. eisa ‘gltihende asche’, 
nnorw. dial. eisa ‘feuerstálle'. nschw. 
dial. ajsa ‘herdfeuer'. — mnd ise i. 


7 



eiskald 


98 


ek 


‘esse’. — Die idg. wzl. ist *aidh- 
vorliegend in ae. Sd ‘scheiterhaufen’, as. 
id ‘feuer, scheiterhaufen', ahd. mhd. 
eit ‘glut’ (vgl. vielleicht auch ið i). — 
lat. aedes ‘haus, tempel’, eig. ‘hauslicher 
herd’, gr. 0Í60? ‘brand’, elöto 'zunde 
an’, ai. Idhas ‘brennholz’, inddhi ‘ent- 
ziindet’, air. aed ‘hítze, íeuer'. — Davon 
abgeleitet *aidh-lo vgl. eldr, *aidh-es 
das in eisa vorliegt und davon wieder 
*aidh-st- vgl. ae. ást, mnl. eest ‘darre’, 
agerm. PN. Aistomodtus, vgl. lat. 
aestus ‘hitze’, aestas 'sommer' (IEW 
11-12). — vgl. eiskald, eistr, Eisur- 
fála und Iðavgllr. 

— 2 schw. V. ‘vorwártsstiirzen’, nisl. 
eisa ‘lodern, scháumen’. — > orkn. 
aize, shetl. es ‘iodem'; > IpN. ( h)ai’sit 
‘anschuren’ (Qvigstad 86). — In den 
anderen germ. sprachen nur die abl. 
ae. of-ost, of-est, ofst, as. ob-ast ‘eile, 
eifer’ (<germ. *ot-aist-); vgl. viel- 
Ieicht auch wgerm. Volksnamen Istuae- 
ones, Istaevones. — lat. eira, ira ‘zom’, 
gr. iaívtu ‘erquicke, wárme’, láo(xai 
‘heile’, oIoTpo? ‘raserei’, oljxa (< *ois- 
má) ‘angrifl’, bía-toq ‘pfeil’, ai. iíati 
'schleudert, treibt’, ilatl 'eilt’, iSira- 
‘frisch, kráftig', av. alsma ‘zom’, 
lit. aistra ‘leidenschaft’, aistrus ‘leiden- 
schaftlicb’, kelt. Isara ‘flussname' (WP 
1, 106). — vgl. eiskra, Eistla und 
geisa. 

eiskald n. ‘herz’ (poet) < germ. *aiska- 
þla (fiir das suflix vgl. folald, hrugald, 
kerald, rekald und ohne bindevokal 
bildr, sild). Etymologie dunkel. 

Entweder zu germ. *aiskðn 'for- 
dera' vgl. ne. ask, ahd. eiscðn 
aber der bed. nach unbefriedigend, 
oder zu eisa 1 und dann etwa 
‘feuer in der bmst’ ? Ganz anders 
E. A. Kock, Fschr Sahlgren 1944 . 
33 'das fortwáhrend in der brust 
pochende organ’, also zu trennen 
ei-skald. 

eiskra schw. V. ‘rasen, schreien’, nnorw. 
eiskra ‘sich erregen'; vgl. nisl. iskra 
‘vor leidenschaftlicher erregung oder 
schmerz wiiten’. r-abl. von *eiska, das 
selbst wieder zu eisa 2 gebildet wurde. 

eista f. ‘hode’, nisl. fár. norw. eista. — 
asl. isto (< *id-s-to) ‘hode’, istesa pl. 
‘nieren’. Aus idg. *oid-sto zur wzl. *oid 
'schwellen’ (zum suðix vgl. Fay, Fschr. 
Bloomfield 1920, 142). — vgl. eitill 
und eitr. 

Eistla f. ‘name einer riesin’ (Hdl. 38), eig. 
‘die stiirmische’. — vgl. eisa 2. 

Malone, PMLA 67, 1952, ”53 ver- 
bindet den namen mit eista 
und denkt an eine bed. ‘die an- 
geschwollene’. Es ist aber fraglich. 


ob bei der bildung des namens 
Eistla die urspr. bed. des grund- 
wortes *ait noch lebendig war. 
eistr, eistir mpl. ‘Esten’, aschw. ester 
‘Esten', auch' leibeigenen’, nschw. est. 
— a e.Istas; lat. Aestii ‘Balten’ (Tac.). 
Der germ. urspmng des namens 
scheint sicher; aber die etymologie 
zweifelhaft. Abzulehnen ’die deu- 
tung ‘die in den riegen uberwin- 
temden’ (also zu den unter eisa 1 
genannten wörtern ae. ast, mnl. 
eest; so Much, Deutsche Stam- 
meskunde 30 und Falk ANF 
41, 1925, 124). Am besten von 
dem namen des landes auszugehen, 
und dann 1 ‘bernsteinland’ (also 
zu eisa 1, so Karsten GFL 210), 
wenig uberzeugend’, 2. das land 
bei der meeresbrandung’ (Hj. 
Lindroth, NB 5, 1917, 41). 3. 
‘das land der nehrungen’ (zu eið, 
gebildet wie Thiust zu got. þiuda, 
so v. Grienberger, IF. Anz. 32, 
50; vgl. Wiklund IF 38, 1917,110). 
Eisurfála f. ’name einer riesin’ (þula); 

zusammengesetzt aus eisa 1 und fála. 
Eitill m. ‘name eines seekönigs’ (þula), 
nnorw. eitel ‘kráítige person’ (B. Sig-. 
fússon, MPh 32, 1934, I2 8), aschw. 
ON. Etilstum; dazu ostfr. eitel ‘rasend, 
zomig’; weiter zur idg. wzl. *oid 
‘schwellen’ (vgl. eitr). Dazu gehört 
auch nisl. eitill, fár. eitil, nnorw. eitel, 
itle, nschw. dial. ájiel,.áttel, ajtel, shetl. 
jetel ‘driise', vgl. mhd. eizel ‘kleines 
eitemdes geschwiir’ (Bezzenberger, BB 
27, 1902, 172). 

eitla schw. V. 'scharf anblicken' (nur 
Kon. skuggsjá) nisl. eitla ‘hart, scharf 
machen’. — wohl zu eitill. * 

eitr n. ‘eiter’, auch ‘raserei’, nisl. fár. 
eitur, nnorw. eiter, nschw. etter, ndá. 
edder. — > 'orkn. aitran, attry ‘scharf- 
kalt’; shetl. eder, jeder, eter ‘gift’. — 

ае. át(t)or, cetor, afr. á<(t)er, as. éttar, 
nnl. etter, ahd. eitar, eittar ‘eiter’, vgl. 
ahd. eiz ‘giftbeule, geschwulst’. — 
gr ol8o?, o!8(xa ‘geschwulst’, oi8áf> 
‘schwelle’, asl. jadro ‘schwellen, testi- 
culus’, jadu (< *oidos) ‘gift’, arm. 
aitumn ‘geschwulst’, aitnum ‘ich 
schwelle’ (Fick, KZ 21, 1873, 5). — 
vgl. eista und eitill. — Dazu eitra 
schw. V. ‘vergiften’, mhd. eitern, ds’, 
mnd. mnl. etteren ‘eitem’, eitri m. 
‘zwergenname’ und eitrungr m. ‘gift- 
schlange’ (poet.). 

ek pron. pers. ‘ich’, run. norw. ek (Vals- 
fjord c. 400, Krause Nr 43, Nordhuglen 

с. 400, Krause Nr 42 u.a.), dá. ek 
(Gallehus c. 400, Krause nr 76), 
schw. ek (Rö C..400, Krause Nr. 56; 



ekja 


99 


eldr 


daneben eka (ekA, run schw. Söder- 
köping 6 Jht., A. Nordén FV 32, 1937, 
141), enklit. -eka, -ka, -ga vgl. haitika 
(Br. Seeland 2, Jacobsen-Moltke 535-6) 
und hateka (Lindholm 6 Jht, Jacobsen- 
Moltke nr. 261); nisl. jeg, fár. norw. eg, 
nschw. jag, ndá. jeg. Die form iak < 
eka; falls aisl. ek auch auf diese form 
zuriickgeht, wáre die brechung in 
infortis-position nicht eingetreten (A. 
Kock, UB 252-3). — got ik, ae. ic, 
afr. ik, as. ik, ahd. ih (und ihha). — lat. 
ego, gr. lit. eS, lett. es, arm. es, 
neben gr. iyciv, ai. aham, av. azem. 
Fur den idg, wechsel *eg: 9 egh s. 
H. Petersson SVS Lund 1, 1921, 15 
(egh in betonter Position). 

ekja f. 'das fahren’ (< germ. *akjön), 
nisl. ekja, nnorw. ekkja 'wagenspur, 
geleise’, nschw. dial. ákka 'das fahren’, 
vgl. aschw. ásik(k)ia, nschw. áska 
‘donner’, eig. 'das fahren des Asen- 
gottes Thor’. — wahrsch. > finn. 
akkio, ahkio, lpN. akio, akje ’lappen- 
schlitten’ (Thomsen 2, 170). — vgl. 
aka. 

ekki I m. ‘schmerz, kummer’ (< germ. 
*inkan), nisl. ekki 'jammem, weinen’, 
fár. ekki, nnorw. ekkje ‘mangel, schade’. 

— ae. inca 'beschwerde, groll, zweifel, 

verdacht’, ne. inkle ’ahnen', afr. jink 
‘erziirat’ (Holthausen IF 17, 1905, 

295). — asl. jedza ‘krankheit’, lit. 
ingis ‘faulenzer’, lett. igstu, igt 'ver- 
driesslich sein', ignis 'miirrischer 
mensch’ (WP 1, 9). 

— 2 adv. ‘nicht, nichts’, auch etkl 
(< um. *eittki < *eitt-gi), nisl. ekki, 
nnorw. ikkje, nschw. icke, ndá. ikke; 
shetl. ikke. — Zs aus eitt (Neutr. zu 
einn) und-gt (vgl. auch engi 3). 

Ekkill m. ‘name eines seekönigs’ (þula); 
falls dasselbe wort wie nisl. ekkill 
'witwer' (< germ. *ainakila-), aschw. 
cenkil zu got. ainakls 'allein’ (Sigfússon 
MPh 32, 1934, 128); neubildung zu 
ekkja. — Doch wohl eher zu ekki 1, 
also aus grundform *inkala- in der 
bed. ‘der zornige, wiitende’. 

ekkja I f. ‘witwe’ (< germ. *ain(a)kjön), 
nisl. ekkja, fár. einkja, nnorw. ekkja, 
enkja, nschw. ánka, ndá. enke. — > 
lpN. akka ‘frau, gattin’. — kypr. tfYia 

— vgl. einn, einka, Ekkill und ekl. 

— 2 f. ‘ferse’ (poet. nur Egill lv. 46) 
(< germ. *ankjðn). —- ahd. ancha, 
enka f. ‘genick, schenkel, knochen- 
röhre’, ancho ‘nacken’, mhd. anke 
‘fussgelenk, genick’. — ai. ángam 
‘glied’, zur idg. wzl. *ang (vgl. Qkkla) 
neben *ank ‘biegen’ (vgl. dl). 

ekl, ekla adv. ‘wenig, kaum’ und ekla f. 
‘mangel’. — abd. ekorðdo ‘bloss, nur’. 


ekrðdi, eccherode ‘diinn, schwach’. — 
lat. egeo ‘mangel haben, darben’, 
egenus ‘diirftig’. — Man kann die form 
ekla auch < *ekkla erkláren; dann also 
< germ. *ain-ki-lðn, vgl. mnd. mnl. 
enkel 'einzeln’ (Sturtevant JEGPh 33, 
1934, 96); vgl. ekkja. 

ekra f. ‘ackerland’, nisl. ekra ‘ds’, nnorw. 
cekra, nschw. dial. ekra, ákra 'brach- 
land, weide’; vgl. fár. ekrukúgv ‘kuh 
die auf dem stoppelfeld weidet’ und 
shetl. ekrabung ‘nachmahd’. — vgl. 
akr. 

él n. ‘sturm, kampf’, nisl. jel, fár. cel, 
nnorw. il, nschw. il, ndá. ll; davon 
abgeleitet norw. eling, ndá. iling, shetl. 
jelin ‘regenschauer’. — > finn. iili 
‘sturmwind’ (aus aschw. il, s. Karsten 
FMS 4, 1936, 443); > lpN. jiello, jillo 
(aus anorw. *éla; Qvigstad 202). — 
Ohne etymologie (von Zupitza, Gutt 64 
zu oss. yex 'eis’ gestellt). 

elda I schw. V. ‘feuer anziinden’, nisl. 
fár. norw. schw. elda, ndá. ilde. — 
> mnd. elden (Brattegard, NTS 7, 
1934 . z 79)- — vgl. eldr. 

— 2 schw. V. ‘alt machen’, auch eldask 
‘alt werden', nisl. elda, fár. eldast, 
nnorw. elda(st), ndá. celdes. — ae. 
ieldan ‘verzögera', mnd. elden ‘warten, 
zögem’, ahd. elten ‘alt werden, ver- 
zögern’. — vgl. aldr. 

eldi 1 n. ‘náhrung, kind’ (< germ. 
*aliþja); nisl. elai ‘náhrung’,. nnorw. 
elde ‘ziichtung, brut'. — vgl. ala. 

— 2 n. ‘wald’ (nur Alv. 28), eig. ‘brenn- 
holz’. — vgl. eldr. 

— 3 n. in Zs. miseldi ‘altersunterschied'. 

— vgl. aldr. 

elding f. ‘feueranziinden, blitz’, nisl. 
norw. elding. — > ne. dial. elding 
‘brennstoff' (Thorson 59); > lpN. 
áldagas, áltagas ‘blitz’ (Qvigstad 88). — 
vgl. elda 1. 

Eldir m. 'name von Ægirs dienstmann'. 

— vgl. elda 1. 

eldr m. ‘feuer’, nisl. fár. eldur, nnorw. 
dial, e(i)ld, e(i)ll, nschw. eid, dial. áild, 
jáld, ndá. ild. — ae. al(e)d, as. lld 
‘feuer, brand' (s. E. Schwarz 210); 
vgl. daneben ae. ál, cel 'flamme’, œlan 
‘branden’. — Etymologie unsicher. 
Nach Sievers IF 4, 1894, 339 germ. 
*aila < *aiðla, und dann zur idg. 
wzl. *aidh ‘brennen’ (vgl. eisa 1), 
stimmt aber lautlich nicht und die 
schwierigkeit wird nicht dadurch be- 
hoben, dass man einfluss eines anderen 
wortes aus idg. *allto (vgl. ai. alátam 
'feuerbrand, kohle’, lat. adoleo ‘ver- 
brenne’) annimmt (so Johansson 
ZfdPh 31, 1899, 285-8). Geht man aus 
von *ailiða, dann hilft uns der verweis 



eldri 


100 


elliði 


auf eimr nicht viel weiter, wáhrend 
die verbindung mit einer wzl. •*/ 
‘schwellen’ (vgl. afr. */*', ae. *fe, nnl. 
eelt ‘schwiele’; FA Wood JEGPh 13, 
1914, 500) der bed. nach unbefriedigend 
ist. — vgl. elda 1, eldi 2, elding 
und Eldir. 

Nur selten in PN. wie Eldgrimr, 
Eldjdrn, Eldriör. 

eldrl m. Zs. miseldre ‘ungleichheit in 
alter’, norw. dial. miseldre. — ja- abl. 
von aldr. 

eldstó f. ‘herd’, nnorw. eldstó schw. 
eldstod. Der 2.teil ist norw. dial. stó f. 
‘ruheplatz’, vgl. ae. stow f. ‘platz’; 
daneben durch umbildung eldtó unter 
einfluss vop tá 2. 

elfr 1 f. ‘fluss’, nisl. elfur, fár. elvur, 
nnorw. elv, nschw. álv, ndá. elv. — 
mnd. elve ‘flussbett’, ae. Ielf, Ælf, 
mhd. Elbe, vgl. lat. Albis, gr. "AXpii; 
‘flussname’. — Gewöhnlich zu lat. 
albus, gr. áX<pó<; ‘weiss’ (vgl. gr. ’AXipsióc 
'flussname’) und dann als ‘die weiss- 
glánzende’ gedeutet (Schulze, Kl. Schr. 
120). 

Erwágung verdient auch die ety- 
mologie von R. Ekblom, SSUF 
1939 Nr 13, 1-15, der an nschw. 
dial. álv ‘tief eingegrabenes fluss- 
bett, álve ‘steiles flussufer’ an- 
kniipft, vgl. mnd. elve ‘flussbett’ 
und weiter lat. Alpes (< etrusk 
aip < kelt. alb < idg. *albh), 
ir. Albu ‘Schottland’ (dann wiirde 
idg. *al-bh neben *al-dh stehen, 
vgl. alda). vgl. aber auch alfr. 

— 2 als 2.glied von PN. Gautelfr, Þórelfr, 
vgl. alfr. 

elfskr m. ‘mann aus dem gebiet zwischen 
Glommen und Götaelf, und dann zu 
elfr, oder mann aus dem alten Alfhei- 
mar (F. Jónsson ANO 1907, 175). 

elftr vgl. elptr. 

Elgisetr n. ON. und Elgjarnes n. ON. 
Diese hat man zu einem worte *elgr 
‘heiligtum’ stellen woUen (M. Olsen, 
Kultm. 2650) zu got. alhs und vgl. 
weiter áll 5. Aber höchst unsicher; sie 
gehören, wie zahlreiche andere ON mit 
práfix elgjar-, schw. álg(a)- vielmehr 
zu elgr, vgl. J. Sahlgren NB 38, 1950, 
22 - 37 ' 

elgjar falls in der kenning alpjóö elgjar 
galga (Egill. lv. 15) das wort als g.sg. 
eines wortes fiir ‘schnee’ zu deuten 
wáre, könnte man nisf. elgur m. ‘schnee- 
gestöber; halbgeschmolzener schnee’ 
danebenstellen, das zu lat. algor ‘frost, 
kálte’, algeo ‘frieren’ gehört (Lidén 
SVS Uppsala 6, 1897 Nr - 1, 66). 
Dagegen nach M. Olsen Kultm. 265«. 
zu elgjar im ON. Elgjarnes. 


elgr m. ‘elch, cervus alces’ (vieUeicht 
auch urn. name der rune R, vgl. ae. 
eolhx, got. ezec), nisl. elgur, nnorw. elg, 
nschw. álg, ndá elg. — Im westgerm. 
mit gramm. wechsel und ablaut ae. 
eolh, eola, ne. elk (spátes lehnwort 
nach E. Björkman ESt 30, 1902, 377), 
ahd. el(a)ho, mhd. elch (Palander 102-3) > 
germ. lat. alces (daraus wieder gr. 
SXxrj). — gr. iXXóc ‘hirschkalb’, ÍXoufoq 
‘hirsch’, ai. rlyas ‘antilopenbock’, asl. 
jelení ‘hirsch’, lit. elnis, lett. alnis, apr. 
alne ‘elch’, kymr. elain ‘hirsch’, arm 
eMi ‘hirschkuh’, toch. A yál ‘antilope’; 
diese wörter gehören zur idg. wzl. *el, 
die eine farbe bedeutet, vgl. ahd. elo 
‘lohbraun, gelb’ (Much ZfdA 39, 1895, 
25). — vgl. elri, jalkr 1 und lamb. 
Élivágar mpl. ‘name eines mythischen 
flusses’, vgl. il und vdgr. 
elja f. ‘kebsweib’, nisl. elja. — vieUeicht 
> finn. aljo ‘hure’ (Karsten FMS 2, 
1934, 76). — ahd. ellio ‘nebenbuhler’, 
ella ‘nebenbuhlerin’, mnl. elle mf. — 
Gehört wohl zu der sippe von ella 
(wie lat. alius, also eig. ‘die andere 
frau’), aber kann auch zu eljan ge- 
stellt werden. — vgl. eljarr. 
eljan n. ‘mut, kraft’, auch eljun, nisl. 
eljan, fár. eljustriö ‘fortwáhrender 
streit’. — > lpN. al’Se, al’So ‘eifer, 
energie’ (Qvigstad 89). — got. aljan 
‘eifer, ae. ellen, as. ellian, ellen, ahd. 
elljan, ellen ‘eifer, tapferkeit’. — vgl. 
elna, elska und elta. 

Etymologie unsicher 1. zu lat. 
alacer ‘munter, aufgeregt’ (WP 1, 
156), 2. zu gr. áXócu ‘bewegt sein’, 
áXúcacú ‘erregt sein’ (H. Collitz, 
SSN 8, 1924, 1-13), 3. zu eldr mit 
der bedeutungsentw. ‘feuer’ > 
‘eifer’ (Johansson ZfdPh 31, 1899, 
298). 

eljarr m. ‘abgunst’, vgl. eljaraglettur 
‘spitze neckereien’. — vgl. elja. 
Éljúðnir m. ‘saal der göttin Hel’, eig. 

‘der regennasse’. — vgl. él und úði. 
ella, ellar adv. ‘andemfalls, sonst', nisl. 
fár. ella, nnorw. elles(t), nschw. eller, 
ádá. cellter, tellœ, cellces. Gekurzt aus 
elliga(r) s. A. Kock, ANF 28,1912',< 170 - 
90 und Sturtevant Lang. 6, 1930, 258. 
elli f. ‘alter’ (< germ. *alþi), nisl. fár. 
elli, vgl. ndá. celde. — ae. ieldu, yldu, 
afr. elde, as. eldi, ahd. alti, elti ‘alter’, 
eig. í.-bildung zu ala, vgl. auch aldr, 
ellri und qIÍ. 

elliði m. ‘schiff’, auch schiffsname. — 
Wahrscheinlich < asl. alúdija, lit. 
eldija, aldija ‘prahm’ (S. Bugge, ANO 
1889, 15-7); aber denkbar auch < *ein- 
liöi ‘der schnell segelnde’ (Jóhannesson, 
Isl. tungu i fomöld 89).—vgl. auch leðja. 



elliíu 


101 


Embla 


ellifu ‘elf’ (< um. *&nlibu, mit entw. in 
nebentoniger silbe < *ainlibu), nisl. 
ellefu, fár. ellivu, nnorw. elleve (uber 
anorw. eellugu, s. A. Noreen Gramm. 
§ 256), nschw. elva, ndá. elleve. — ae. 
endleofan, cenlefan, endlufon, afr. and- 
lova, elvene, elleva, as. elleban, mnl. 
ellevene, elf, ahd. einlif, einluf. — Zs. 
von zahlwort einn und einem element 
lif-, das aus einer idg. form *likjf 
entstanden sein soli, wie aucb im 
zahlwort tolf; dann zu vergleichen mit 
lit. venúlika ‘elf’; fiir den 2.teil vgl. 
Ijá 2. Nach Meillet MSL 15, 1908, 259 
soll der ubergang *leikft > *leip zu 
erkláren sein durch vermischung mit 
wzl. *leip 'kleben. — ellefti ‘elfte’, 
nisl. ellefti, fár. ellifti, nnorw. dá. 
ellevte, nschw. elfte. — ae. endlyfta, afr. 
andlofta, ellefta, as. ellifto, ahd. einlifto. 
elliga, elligar adv. ‘sonst’, nisl. ellegar, 
aschw. eellighesr, eellighis, nschw. eljes[t). 
— > finn. elikkd, eli, estn. elik ‘oder, 
sonst’ (zweifelhaft Setálá FUF 13, 
1913, 360). — got. alja-leikð ‘anders', 
ae. ellicor, elcor ‘sonst’, ahd. elichðr 
'ferner’. Der i.teil ist eine ;-erw zum 
stamm *al in allr, vgl. got. aljis ‘an- 
derer’, gr. SXXo?, lat. alius, gall alios, 
air. aile (IEW 25), toch B. alyck, A. 
dlyak. Der 2.teil ist suffix -*lika, vgl. 
lik 1. — vgl. alvitr, elja und ella. 
Eiiisif fPN, aschw. Elisif, volksetym. 

umbildung von Elisabeth. 
ellri adj. komp. 'álter’ (< germ. 
*alþiza-), nisl. fár. eldri, nnorw. eldre, 
nschw. áldre, ndá. esldre; dazu superl. 
ellztr, nisl. fár. elstur, nnorw. eldst, 
nschw. áldst, ndá. esldst. — got. alþiza, 
alþists, ae. ieldra, ieldest, mnd. elder, 
eldest, ahd. eltiro, eltist. — Gebildet 
zum germ. adj. *alþaz vgl. ae. afr. 
eald, as. ald, ahd. alt, krimgot. alt, 
daneben got. alþeis. — Gehört wie 
lat. altus ‘hoch’ zu ala (Brugmann 
PBB 43, 1918, 310-24). — vgl. elli. 
eln in Zs. tvieln ‘zwei ellen breit’, vgl. gln. 
elna schw. V. 'stárker werden, wachsen’ 
(< germ. *aljanðn), nisl. nnorw. elna (die 
bed. ‘wachsen' wohl unter einfluss von 
ala). —ae. elnian ‘wetteifem, stárken ’, 
ahd. ellinðn ‘ eifem ’.—Abgel. von eljan. 
eiptr f. daneben auch Qipt ‘schwan’. Die 
gmndformen bezw. < *albit und 

*albut. — ae. eslbitu, ielfetu, ahd. albiz, 
elbiz; daneben als fischname mnl. elft, 
elfst, nnl. elft ‘alse, alose’. — asl. lebedi 
(< *olb-edi) ‘schwan’. Erw. mit dem in 
tiemamen beliebten d-formans zur idg. 
wzl. *albh- ‘weiss’; gemeinsam germ. 
und slav. s. Porzig, Gliederung d.idg. 
sprachen 1954, x 44- — vgl. alfr, elfr, 
alka und glunn. 


elri n. ‘erle’ (< germ. *alizja), auch 
elrir und alri (< germ. *aliza, neben 
*aluza in dem worte glr 1); nisl. 
elri(r), ndá. elle(-tree). — > ne. dial. 
eller (Thorson 59), vgl. auch ON wie 
Ellerker (Mawer 24). — ae. alor, alr, 
afr. elren, mnd. elre, else, elne, alne, 
mnl. else, ahd. elira, erila. Got. *aliza 
ergibt sich aus sp. alisa, nfrz. alize, 
vgl. germ. Aliso. — lat. alnus (< *alis- 
no), mak. £Xi£a, asl. jelicha, lit. elksnis 
(< *elsnis), lett. álksnis, apr. alskande. 
— Gehört wohl zur idg. wzl. *el wie 
e Igr und vielleicht auch almr. Daneben 
mit gramm. wechsel ilstri und jglstr 
(s. Noreen Gramm § 317), vgl. noch 
erði und jglfuðr. 

- elsi Suffix in fangelsi ‘gefángnis', 
reykelsi ‘weihrauch’. Wiewohl oft in 
nd. lehnwörtern vorkommend, nach 
Seip Afh. NVA 1947,209-242 auchurspr. 
skand, wie in alten bildungen wie skrimsl, 
smyrsl, tengsl, vgl. got. swumfsl ‘teich'. 
Das suffix *ilsja mit ja-erw. und meta- 
thesis aus -isla- entstanden. 

elska schw. V. ‘lieben', nisl. fár. norw. 
elska, nschw. álska, ndá. elske ; abgeieitet 
von elskr ‘verliebt' (< germ. *aliska-). 
Etymologie unsicher. Gewöhnlich 
zu ala, mit bed. entw. 'aufziehen' 
> ‘lieben' (FT 188). Wenig befrie- 
digend. Nach Collitz SSN 8, 1924, 
1-13 zu eljan, nach Bmgmann, 
IF 17, 1904, 371 zu asl. laska 
‘adulatio’, gr. Xáonj 'hure’, lat. 
lasctvus, vgl. lyst. 

elta schw. V. 'treiben, jagen; kneten’ 
(<germ. *alatjan), nisl. fár. nnorw. 
elta, nschw. álta, ndá. eelte. — > orkn. 
shetl. elt; > me. elten, ne. dial. elt 
‘kneten’ (Björkman 208); > lpN. altet 
'gerben’ (Qvigstad 89). 

Etymologie unsicher. 1. zu gr. 
íXaiivtú ‘treibe’ (Fick 1, 365) vgl. 
Ign, 2. zu. lat. alacer ‘rasch’ 
(WP 1, 156) vgl. eljan, 3. 

zu. gr. áXSatvco ‘wachsen lassen’ 
(Johansson, ZfdPh 31, 1899, 299). 
4. zu lit. áldinti ‘hinaustreiben’, 
áldyti ‘schnell treiben' (Endzelin 
KZ 52, 1924, 122). 

em ‘ich bin’, dazu 2. 3 P. es, ert. — got. 
im, ist, is, ae. eom, eam, eart, is — ai. 
asmi, asi, asti, gr. clpl, el, écrri, lat. 
sum, es, est, asl. jesmi, jesi jesti, alit. 
esmi, esi, isti, air. am, at, is (IEW 340). 

— vgl. vera. 

ema schw. V. ‘schreien', nnorw. jama. 

— vgl. emja. 

Embla, Emla f. ‘name des ersten weibes', 
eig. ‘baumname’. 

Deutung zweifelhaft. Einleuchtend 
ist entw. < *Elmla < *Almilðn, 



etnbætti 


102 


englar 


demin. zu almr (so. scbwi S Bug 

s-círÆ 

Nr 3, 4i); emágenswert auch ver- 
bindung mit gr. í(r3re>> o <; re^ 
gaU. amella gaisblatt (bperber 
PBB 36, 191°. 2 t 9 - 22 ). zu “• 

ámras 'mangobaum , also eig. art. 

embætti g n b 'amf (spát. bezeugt) nisl. 
embœtti, fár. embœti, nnorw. embatte, 
nschw. ámbete, ndá. embeae. > imn. 
ammatti, estn. ammet' (Thomsen 2, 

j 70). got. andbahti, ae. ambtht, 

embiht, ymbiht, as. ambaht, ahd. am- 
baht(i). — vgl. ambátt. 
emenda, emendera schw. V. verbes- 
sern' tsoát. bezeugt) — -< lat. emen- 


dare. 

emja schw. V. ‘heulen, schreien’ (< germ. 
*amjðn), nisl. norw. emja. Vgl. auch 
emjar fpl. (þula). ‘teil des schwertes’. 
Nur nordgerm. (Sturtevant JEGPh 33, 
1934, go), vgl. amra, ema, impa 
und ymja. 

en 1 auch an, Konj. nach komp. ‘als', 
nisl. norw. en, fár. enn, aschw. án, 
adá. œn. Die run. form ist þan (fur 
diesen iibergang s. A. Kock ANF XI, 
1895, 34°-4)- — got. þana, ae. ðonne, 
afr. as. than(na), ahd. dan(n)a. Gehört 
zum idg. pron. stamm *to, vgl. þá 3 
und þat. 

— 2 oaer enn, Konj. ‘auch, und, aDer', 
nnorw. enn\ run. dá ian, an (Jacobsen- 
Moltke Sp. 744). — ae. and, as. endi, 
ahd. unti, anti, enti ‘und’. — ai. átha 
‘darauf, dann’, av. ada ‘ebenso’, lit. 
iht ‘nach’, und weiter zu idg. *en, 
*n 'in’ (IEW 50). — vgl. í 1. 

— 3 vor komp. ‘umso’; das an. en meirr 
'um so mehr’ entspricht got. þana mais 
oder ae. ðon má, weshalb en wohl als 
germ. *þana zu deuten ist, mit der bed. 
jdavon’; en meirr bedeutet demnach 
'mehr davon’ (FT 192); spáter vielfach 
durch enn ersetzt; vgl, enn 4. 

enda 1 schw. V. 'enden’, nisl. fár. norw. 
enda, nschw. ánda, ndá. ende. — ae. 
endian, afr. endia, as. endion, endðn, 
ahd. entðn. — vgl. endi. 

— 2 Konj. 'iiberdies; wie auch’ (< um. 

*enn þauh) ; nisl. enda, fár. enntá, 
nnorw. endda, endaa ‘trotzdem’, nschw. 
ándd. — > finn. entá ‘aber, wenn aber’ 
(< grundform *enþá, s. Tunkelo- 
Ekman, FUF 1, 1901, 121-5 und 

Setálá FUF 13, 1913, 360). 

endemi n. ‘unerliörtes, wunder’ < ein- 
dcemi\ vgl. einn und dómr. 

endl 1 m. ‘ende’, auch endir (< germ. 
*andia)\ nisl. endi(r), fár. endi, nnorw. 
dá ende, nschw. ánde, ánda. — got. 


andeis, ae. ende, afr. enda, as. endi, 
mnl. e(i)nde, ahd. enti, anti. — gr. 
ávrio; ‘gegeniiber’, ai. antya- ‘am 
ende befindlich, letzter’; ja- abl. zu 
idg. wzl. *anto vgl. ai. antas ‘ende’.— 
vgl. and-, enda 1, endr. 

— 2 n. Zs. erendi ‘atemlosigkeif. (< um. 
*« z-andja-) — vgl. andi. 

endilangr adj. vgl. andlangr. 

Endill m 'name eines seekönigs’ (< um. 
*andilaR) ; wohl von and- ‘gegen’, also 
eig. ‘gegner, feind’ (F. Jónsson, APhSg, 
1939, 291). 

endr adv. ‘wieder, zum zweiten mal, 
fruher’ (vgl. endrborinn ‘wiederge- 
boren’), nisl. endur, nnorw. ender. — 

> me. ender, enders ‘friiher’ (Björkman 
SSUF 1900, 8), > ne. dial. hendir 
‘friiher' (Flom Infl. 48). — got. andizuh 
‘entweder’, ae. end ‘eher, friiher’, as. 
endi, ahd. enti ‘friiher, vormals’ (I. 
Linclquist SNF 9, 1918 Nr 1, 6). — 
Komparativbildung zu and-, vgl. auch 
endi und enn 2. 

eng f. ‘wiese’ (< germ. *angjð), auch 
engi n.; nisl. engi, fár. ong, nnorw. 
dá. eng, nschw. áng. — > shetl. eng\ 

> me eng, ne. dial. ing (Björkman 209); 

> lpN. ieníe, ennía ‘wiese’ (Qvigstad 
199). — mnl. nnl. eng, enk ‘ackerland’, 
vgl. daneben and. ahd. angar, mnd. 
mhd. anger ‘grasland, wiese'. — Vgl. 
angi 2 und angr 3 und dann weiter 
zu ál\ auch kaupangr. 

engi 1 n. 'wiese’. — vgl. eng. 

— 2 m. 'asthma’ —• vgl. engi. 

— 3 pron. ‘irgendeiner, keiner’ (< urn. 
*einn-gi) ; nisl. enginn, fár. eingin, 
nnorw. ingen, ingjen, nschw.dá. ingen. 
— vgl. einn und -gi, auch ekki 2. 

engili 1 m. ‘engel’, nisl. engill, fár. eingil, 
nnorw. dá. engel, nschw. ángel. — < ae. 
engel < lat. angelus < gr. 

‘bote’ (Fischer 52). 

— 2 mBN. — vgl. Qngull. 

englar mpl. 'Englánder', vgl. ae. F.ngle, 
Englan 'Angeln’ und lat. Anglii, gr. 
AfY(e)Uot; in ahd. PN. Angil-, Engil- 
abgeleitet vom Landnamen Angeln. — 
vgl. enskr. 

Nach A. Erdmann, SVS Upps 1, 
1890, Nr 1, 114 eig. ‘speermánner’ 
zu *angan ‘speer’ (vgl. die angones 
als fránkische waffe) und mit -lo- 
suflíix wie die namen der Herulen 
und Wandalen; weiter zu Qngull. 
Dagegen aber I. Lundahl, Fschr. 
Sahlgren 1944, 2-3, der als grund- 
form *anguliöR ansetzt und eben- 
falls mit Qngull verbindet, aber 
in der iiberlieferten bed. ‘fisch- 
þaken’, seiner ansicht nach einer 
typischen gelándeform wegen. 



enn 


103 


eráði 


enn 1 art. vgl. inn i und hinn. 

— 2 adv. 'noch’ {< germ. *anþi), nisl. 
fár. nnorw. enn, nschw. dn, ndá. end. 

— ae. end {< *andiz) 'eher, friiher', 
ahd. enti (< *andjaz) ‘friiher'. — 
vgl. endr. 

— 3 Konj. 'und, aber', vgl. en 2. 

— 4 nach Komp. 'um so’, nisl. norw. 
enn, ndá. end ; eig. dasseibe wort wie 
enn 2, aber spáterer ersatzfiire« 3, vgl. 
auch inn 3. 

enni n. ‘stirn’ (< germ. anþja-), nisl. fár. 
enni, nnorw. dial. enne, nschw. anne. — 

> shetl. enni ’steiler abhang’. — 
ahd. andi, endi ‘stirn’. — lat. antiae 
'stirnlocke', anterior 'friiher’, gr. Svrio? 
Svra ‘gegeniiber’, toch. B ánte ‘stirn, 
front’, heth. hanz ‘stirn’. — vgl. and-. 

enskr adj. ‘engiisch’ (< *engliskr), 
nisl. fár. enskur, nnorw. schw. dá. 
engelsk. — ae. englisc, afr. engelsk, 
mnd. engelsch. — vgl. englar. 
enta schw. V. ‘sich kiimmern um’ (spát. 
bezeugt) (< germ. *andatjan), nnorw. 
dial. enta ‘beobachten, beachten’. — 

> orkn. aint, shetl. ant, ent ‘sorgen 
fiir’. — vgl. anna und ansa. 

enza schw. V. 'sich kiimmern um’ (nur 
norw. DN) (< germ. *andisön), schw. 
dial. ánsa ‘warnen’, dá. œndse ‘sich 
kiimmern um’. — vgl. ansa. 
epll n. ‘apfei’ (< germ. *apalja; zu 
*apall in apalgrár ‘apfelgrau’), nisl. 
fár. epli, nnorw. eple, nschw. dpple, 
ndá. eeble. —- ae. eeppel, afr. appel, as. 
apl, appul, mnl. appel, ahd. a-pful, 
afful, krimgot. apel. — asl. (j)ablúko, 
lit. obuolys, lett. ábuolis 'apfel’, apr. 
woble ‘apfel’, air. ubull ‘apfel', mir. aball 
‘apfelbaum’, gall. avallo 'apfel’, vgl. 
ON. Aballö, Aballáva. — Em kultur- 
wort unbekannter herkunft; friiher 
gewöhnlich von dem ON. Abella in 
Kampanien abgeleitet, aber die stadt 
wurde eher umgekehrt nach der apfel- 
zucht benannt (Hoops, Waldbáume 
477*9)- — vgl. apaldr. 
ept práp. ‘nach’, run. aft, ift, eeft (Jacob- 
sen-Moltke Sp. 741). Wohl kontamina- 
tion von apt und eptir (T. Johannesson 
MASO 5, 1943, 60-2). — got. afta,- ae. 
esft, eft, afr. eft(a), as. eft, mnl. echt. — 
vgl. aptan und aptr. 
eptann m. ‘abend’, vgl. aptan. 
eptlr adv. ‘nach; lángs, gemáss; nachher, 
von neuem’; seit dem n.Jht erst als 
práp. (F. jónsson, Seks Afh. 47); 
run. norw. after (Tune c. 400, Krause 
Nr. 55), scbw. AfatR ( < *aftro-; Istaby 
c. 650, Krause Nr 63), dá. aftiR, aiftiR, 
iftiR, eftiR (Jacobsen-Moltke Sp. 743). 

— nisl. eptir, eftir, fár. eftir, nnorw. 
efter, etter, nschw. ndá. efter. — vgl. 


aptr, ept und eptri. 
eptri adj. komp; auch aptari, aptri 
'spáter’ und epztr superl. auch aptastr. 
— vgl. eptir. 
er 1 pron. rel. vgl. es.. 

— 2 práfix, vgl. er. 

ér pron‘ihr’ (< urgerm. *jér), aschw. tr, 
nschw. dá. t. — got. jus, ae. ge, gie, 
afr. gi, as. gi, gi, mnl. gi, nnl. gij, jij, 
ahd. ir (die westgerm. formen nach 
dem vorbild der 1. p.pl. umgebildet, 
denn der vokal war urspr. u). — gr. 
ópét4 (< *ju-smeies), ai. yúyám, 
av. yúiem, yúi, lit. lett. jús, apr. iöus, 
alb. ju, toch A yas, B yes. — vgl. it, 
yör und þér 2. 

erði n. ‘holz aus dem ruder gemacht 
werden’ (nur Grett. s.), nisl. erði 
‘zimmerholz’. 

Etymologie fraglich. Der bed am 
náchsten liegt abl. aus ár 1 
‘ruder’, dann aber wáre zu er- 
warten *œröi (Falk, WS 4, 1912, 
70). 2. Weniger iiberzeugend zu 
arör 'pflug’ (so Vigfússon) oder 
3. zu elri (Fritzner); 4. zu einer 
wzl. *eredh, wozu auch lat. arbor 
‘gehört’, also ‘baum ftir zimmer- 
holz geeignet’, und weiter zu 
grðugr (P. Naert, ANF 60, 1945, 
151-8), schliesslich 5 zu lit. ardai 
‘stangengertist’, ardamas 'spreiz- 
stange’ (Holthausen Wb. 51). 
erðr n. ‘mánnliches glied’ (poet.), mit 
tabuierender metathese ftir reðr. 
erendi n. ‘botschaft’, vgl. erendi 1. 
erfa schw. V. ‘erben; die leichenfeier 
veranstalten’, nisl. erfa, nnorw. erva, 
aschw. esrva, adá. cerve. — > IpN. 
ar’bit ‘erben’ (Qvigstad 91). — ae. 
ierfan, yrfan, as. gi-ervan, afr. ervia, 
mnl. arven, erven, ahd. erben. — Dazu 
erfð f. ‘erbgang, erbrecht, erbe’, nisl. 
erfð, aschw. cerfþ, arfþ, ádá. cervt. — 
erfi n. ‘leichenfeier, erbe’, {< urn. 
*arbijá), run. norw. arbija (Tunec. 400, 
Krause Nr 55), nisl. erfi, fár. ervi, 
nnorw. erve, aschw. drve, nschw. dá. 
arv. — got. arbi, ae. ierfe, yrfe, afr. 
erve, as. erbi, mnl. erve, arve, ahd. arbi, 
erbi ‘erbe’. — lat. orbus ‘beraubt von’, 
gr. óp^avóq ‘verwaist’, ai. árbha- 'klein, 
schwach; kind’, air. orbe n, orb f. ‘erb- 
schaft’, orbe m. ‘erbe’, gall. Orbius PN., 
arm. orb 'waise’. — vgl. arfi 1, arfr 1, 
erfiði und vielleicht auch armr 2 
und aumr. — Die Zs. erfivprðr 
(Akv 12) ist aber deutsches lehnwort, 
vgl. as. erbiuard, ae. yrfeweard und 
erfipi ‘erbbier, erbmahl’, nnorw. erveel, 
nschw. arvöl, ndá. arveel; > ne. dial. 
arval ‘totenmahl’ (Thorson 53). 
erfiði n. ‘mtihe, arbeit’, nisl. erfiði, 



erfskinn 


104 


ermskr 


anorw. œrfi&i neben œrfee&e, aschw. 
arviþi, arvoþe, nschw. arvode ‘bezahlung 
fiir geleistete arbeit’, ádá. eervede. -— 
as. arbeði, ahd. ar(a)beiti, neben got. 
arbaiþs, ae. earfoð, afr. arbid, as. 
arabéd(i), ahd. ar(a)beit. 

Gewöhnlich als abl. betrachtet 
zu einem intrans. Zw. *arbé-iö 
'bin verwaistes, zur harten arbeit 
verdingtes kind’, vgl. asl. rabota 
'dienerarbeit’, rabú, robií (< *ar- 
bhos, *orbhos) 'knecht’, arm. arba- 
neak ‘diener’, lit. arbönas ‘ochse’ 
(C. C. Uhlenbeck PBB 16, 1892, 
562). Weniger einleuchtend zu 
arfr 2, also eig. ‘ochsenarbeit’ 
(Meringer, IF 17, 1905, 128). 

Dagegen stellt Kronasser, Hand- 
buch der Semasiologie 1952, 170 
das wort zu lit. darbas 'arbeit’, 
und denkt an tabuistische unter- 
driickung des anlauts (wie ai. 
ahar neben germ. daga-) ; welchen 
anlass gab es aber zur tabuie- 
rung? — Fiir andere áltere er- 
klárungen s. Feist, Got. Wb. 55. 
erfskinn n. 'vielfrasspelz’ (nur norw. 
NL), daneben auch jerfskinn; vgl. 
jerfr und skinn. 

erg im ON. Asgrimserg (Orkn. s.), 
auch pl. œrgin (ebda) eig. ‘sennhiitte’ 
— < air. airghe ‘stelle wo das vieh im 
sommer weidet’, kymr. airidh ’scheune' 
(A. Bugge, Indíl. 255). — > ne. ON. 
wie Airyholme, Éryholme (Mawer-Sten- 
ton 34, Ekwall 160). 
ergi f. ‘unziichtiges betragen, schamlosig- 
keit’, daneben mit tabuierender meta- 
these regi (< urn. *argia ‘das aus- 
iiben von zauberei, unziichtiges be- 
tragen’), run. schw. ArAgeu (Stentoften 
c. 620 und Björketorp c. 630, Krause 
Nr 50-51); nisl. ergi ‘böse stimmung, 
árger’. — sehr fraglich > finn. arki, 
arkio ‘werktag’ (so Karsten, FMS 2, 
1934, 82-3). — afr. erg ‘bosheit’, ahd. 
argi, mhd. ergi ‘bösheit, geiz'. — vgl. 
argr. 

ergin vgl. tergin. 

ergjast schw. V. ‘schwach, kraftlos 
werden’. — ae. iergan ‘entmutigen’, 
afr. ergia ‘geringer werden’, mnd. 
ergen ‘beschádigen’. — vgl. argr. 
erilaR run. dá. (Kra'gehul 5 Jht, Krause 
Nr 39), schw. (Lindholm 5-6 Jht., 
Krause Nr 38), norw. irilaR (By, 
ende 6.Jht. Krause Nr 62, Veblungs- 
nes 6 Jht, Krause Nr 42) u.a. Andeu- 
tung einer priesterlichen funktion. Das 
wort ist eine nebenform zu jarl. 
erja 1 'zudringlichkeit’ (in Zs. erjusamr 
‘zudringlich’), nisl. erjur ‘streitigkeiten, 
lárm’. — vgí. evn. 


— 2 schw. V. ‘pfliigen’, nisl. erja, nschw. 
dial. drja. — got. arjan, ae. as. erian, 
afr. era, mnl. erién, eren, ahd. erran. — 
lat. arare, jgr. ápóo, asl. orjq, lit. ariu, 
lett. ar'u, mir. airim ‘pfliige’, vgl. toch. 
dre ‘pflug’. — vgl. arðr, arning und 
grð. 

Erka fPN. — vgl. Herkia. 

erkibiskup m. ‘erzbischof’, nisl. fár. 
erki-, nnorw. erke-, nschw. drke-, ndá. 
arke-. — < ae. cerce- oder arcebiscofi, 
dessen i.teil < lat. archi- < gr. ápyt-. 

erkn, erkn, orkn ‘robbenart, halichœrus 
grypus’, nisl. orkn, nnorw. erkn. — > 
orkn. arkne (Jakobsen, Fschr. Feilberg 
1911, 345); > shetl. erkny, arkamy. — 
wahrsch. < ae. orc < air orc ‘ungetiim’ 
(hieraus auch Iat. orca). — vgl. Orkn- 
eyjar. 

Erlendr mPN, auch Erlandr, Erlindr, 
aschw. ádá Erland, Erlend. Der name 
ist verschiedentlich beurteilt. 

Nimmt man wie in Jgrundr an,, 
dass der name mit einem adj. 
suffix gebildet ist, so gehört es zu 
einem stamm *erl, vg]._jjirl, 
Andere haben ertendr als ‘fremd- 
ling’ erklárt, also < *uzlandi a- 
(A. Janzén NK fT~í 947Í 70)! 
dagegen I. Lindquist, Fschr. Peder- 
sen 1937, 332, der auf ostskand. 
Ærlcendr hinweist und deshalb 
er aus *arja erkláren möchte, vgl. 
Ariarici(s~ STsö ‘der aus dem Arie rr 
ia.ndS—- Dgrrfr ~E orníntr irian also 
wied er zu de?~gfuppe voii ~jartf 
der-fíáine warerláim ehér~als~^er 
aus dem eigenen lande’ zu deuten. 

Erlingr mPN, aschw. Ærlinger. — > ae. 
Yrling, Arlingus, Herlingus (Björk- 
man PN 37). — langob. Erlingus, vgl. 
■weiteT-wíránk.Erlebertus,ala.m.Erlabald, 
ae. Eorlebyrht (Naumann 31). — Ab- 
leitung von jarl. 

erma schw. V. ‘fiir ungliicklich halten, 
bemitleiden’ (nur chr. schr.). — ae. 
ierman, yrman ‘quálen, árgem’; jan- 
verbum neben got. arman, ae. earmian, 
as. armðn, ahd. b-armén ‘sich erbar- 
men’. — vgl. armr 2. 

ermitl, erimiti m. ‘einsiedler’ < mnd. 
eremite < lat. eremita < gr. épt)|i('n)c 
‘ wustenbewohner ’. 

ermr f. ‘ármel’ (< germ. *armiö), nisl. 
ermi, fár. erma, ermi, nnorw. erm, 
nschw. árm, ndá. terme. — vgl. ae. 
earmella ‘ármel’, as. armilo, ahd. 
armil(o) ‘armring’ und germ. volksn. 
Armalausi (Tab. Peut. wohl statt 
Armilausi, vgl. an. ermalauss ‘ohne 
ármel’). — vgl. armr x. 

ermskr ‘armenisch’, vgl. Ermland 'Ar- 
menlen’. 



em 


105 


em adj. ‘tuchtig, energisch’ (< germ. 
*arnia), nisl. ern ; vgl. fár. ernast ‘er- 
frischen, sich wieder beleben’. — got. 
arniba ‘sicher'. Fraglich ob dazu auch 
ae. eornost ’kampf’, mnd. ernest, mnl. 
ernst, aernst, ahd. ernust 'festigkeit, 
ernst’ (s. H. Krahe PBB 71, 1949, 238). 
— Am besten zu der idg. wzl. *er 'in 
bewegung setzen, erregen’: lat. orior 
‘sich erheben, entstehen’, gr. ðpvuiu 
'erregen, bewegen’, ípxop.ai ‘kommen’, 
ai. iyarti ‘in bewegung setzen’, rnoti 
‘sich erheben, sich bewegen’, irya 
'ruhrig, energisch’, rti- f. 'angriff, 
streit', rana- ‘kampf’, air. eirg ‘geh!’, 
alb. jerm ‘rasend, wahnwitzig'. 

Die wzl. *er, *or ist weitverbreitet, 
auch im Germ. (s. Persson, SVS 
Uppsala 1912, 767-73), vgl. arka, 
ars, erja 1, erta, jara. Dazu 
Erweiterungen wie: 

*eren, *ren vgl. renna 2. 

*erej, *rej vgl. rísa. 

*ereu, *reif vgl. prr und rost. 

Eraa fPN; die frau von Hersir (Rþ 39); 
vgl. nisl. erna 'beweglichkeit’. — vgl. 
ern. 

erpi n. ? ‘eine baumart’ (nur Alex. 165). 
Unbekannter herkunft. 

Erpr mPN.; vgl. den chatt. namen Arpus 
(das a ist vulgárlat. schreibung nach v. 
Grienberger GGA 1906, 148), fránk. 
Erpo, Erpa; vielleicht auch got. Erpa- 
mara (Schönfeld 81), ae. Earpweald. — 
Die lautform spricht dafiir, dass Erpr 
aus dem wgerm. gekommen ist (A. 
Janzén, NK 7, 1947, 50). Dasselbe wort 
wie jarpr. 

erra f. ‘kampflust’ (poet.), nisl. errur 
‘streit, uneinigkeit'; daneben errinn 
'kráftig, tuchtig' und erróttr ‘kampf- 
liistig’ (fiir sufiix vgl. -óttr). — vgl. 
ern und orrosta. 

ers, ess n. ‘reitpferd’ < mnd örs, ors, 
metathesisform neben (h)ros ‘pferd’. 

ertaschw. V. ‘aufreizen, necken’ (<germ. 
*artian), nisl. fár. nnorw. erta ‘reizen’, 
nschw. arta ‘necken’. — > shetl. ert 
'reizen’, schott. airt 'anspornen’ (Flom. 
Infl. 25); > me. erten ‘anreizen’, ne. 
dial. ert ‘forwártstreiben' (Björkman 
209); > finn. artti 'zwist, zank’ (Kar- 
sten ANF 22, 1906, 183-4; GFL 161; 
aber fraglich vgl. Setálá FUF 13, 1913, 
359); > lpS. er’det ‘necken’ (Qvigstad 
143, s. aber Wiklund SUSA 10, 1892, 
153). — ai. ardáyati ’macht zufliessen, 
regt auf', zu árdati, rdati ‘fliesst, be- 
unruhigt’, vgl. gr. ípé6o>, ép*6ÍC<ö und 
ipodúvo ’reize'; zur wzl. *er ‘erregen’, 
vgl. ern. 

Nach Marstrander SVSA Oslo 
1924, Nr 9, 17 aber < *argatjan zu 


esja 


argr; vgl. norw. dial. erga und 
ahd. ergirön ‘árgem’. Wenig wahr- 
scheinlich. 

ertla f. ‘bachstelze, motacilla fusca 
(þula) (< germ. *artilön), nisl. ertla, 
erla (mit vielen nebenformen), fár. 
nnorw. erla, nschw. arla. — ae. earte 
‘bachstelze’. — Demin. zu arta. 
ertog, ertug vgl. ertog. 
ertr fpl. ‘erbsen’ (< germ. *arwita), nisl. 
erta, fár. ertur, nnorw. dá. ert, nschw. 
árt. — > lpN certta (Qvigstad 356). 
— Entl. aus as. erit (Olson ANF 31, 
1915, 137) ist nicht wahrscheinlich, 
weil die erbse schon friih in Skandina- 
vien angebaut wurde (Pipping SNF 8, 
1917, Nr 1,12-13). Also urverwandt mit 
as. erit, mnd. erwete, mnl. erwete, ar- 
wete, errit, nnl. erwt, ahd. araweiz, 
arwiz. — Ein lehnwort unbekannter 
herkunft, das auch in lat. ervum 
wicke.erbse’, gr. épéþtvðoc 'erbse’, ípoþo? 
‘kichererbse’, mir. orbaind ’körnchen' 
vorliegt (Hoops Waldbáume 463 und 
G. Ipsen, Fschr. Streitberg 230-232). 
Die erklárung von ahd. araweiz als 
eine Zs aus *arw (vgl. lat. ervum) und 
*eiz ‘geschwur’ (vgl. eitr), die Binz 
ZfdPh. 38, 1906, 371 befiirwortet, ist 
nicht wahrscheinlich, denn -eiz ist 
suffix, wie in got. aglaitei zu agls 
(s. Feist, Got. Wb. 14). 
erum, eruð, eru pl. Prás zum Zw. 
vera. — vgl. ae. eart, earð; earun, arun; 
ahd. b-irum, b-irut (mit b aus sg. bim, 
bist). — Neben einander formen mit s 
und r, die auf idg. *es: *os, neben *er: 
*or hinweisen. In diesem fall vgl. fiir *es 
die sg. form es 2 und ftir *er vgl. ern. 
es 1 Pron. rel., jtinger er; run. schw. ias, 
iaR, dá. ias, is (Jacobsen-Moltke Sp. 
745), nisl. er. — got is, afr. er, as. es, is, 
ahd. ir, er, iz, ez. — Gehört zum pron. 
stamm *ei; *i, vgl. lat is ‘dieser’, 
id ‘dieses’, gr. hom. n)<;, tjj, töi, ai. 
ayam, idam, lit. jis ‘er’, air e ’er’, 
ed ‘es’, alb. i 'ei, eos, eas’ (WP 1, 96-8). 
— vgl. ef und einn. 

— 2 ‘ist’, spáter er (anal. nacb pl. eru). — 
got. ahd tsí, ae. afr. as. is. — lat. est, 
gr. éorl ai. asti, asl. jestú, alit. Isti, air. 
is. — Der abfall des t am besten durch 
satzsandhi zu erkláren. 
esja f. ‘schieferart, seifenstein zum 
schmieden benutzt’ (< germ. *asjðn), 
nisl. esja ’loser lehm oder schnee’, 
nnorw. esja ’schieferart’, nschw ássja, 
ndá esse ‘esse'. — > manx. ON. 
Echewle (< *Esju-falt, s. Marstrander 
NTS 6, 1932, 278); > finn. ahjo 
‘feuerstátte’, estn. ahi, wot. ahjo 
‘ofen' (< *asjö\ ; s. Thomsen 2, 168; 
Karsten FMS 2, 1934, 68); > lpN. 



eski 


106 


eyða 


asse ‘weiche steinart’ (Qvigstad 94). — 
ahd. essa ‘esse, schornstein’. — lit. 
aslá 'steinplatte'. Man kann, unter 
hinweis auí arinn und aska von einer 
wzl *as 'brennen, gliihen' ausgehen, 
mit einer bedeutungsentw. ‘feuerstátte, 
ofen' > dazu verwendetes stein- 
material'. 

eskl n. ‘eschenwald, eschenholz; speer; 
schachtel’ (< germ. askia), nisl. eski, 
fár. eskja, nnorw. gskja, ndá. eeske. — 

> ne. ON. Escowbeck (Ekwall 161: 
Escow- < *Eski-hQfuð); > manx ON. 
Eskedale (Marstrander NTS 6, 1932, 
193); > finn. ahkio 'lappenschlitten’ 
(Wiklund MO 5, 189; Karsten GFL 
100; s. aber ek ja). — ae. œscen ‘gefáss 
aus eschenholz; eimer, becher’, mnd. 
esch, mnl. esch(e) ‘Esche’. — vgl. 
askr. 

eskingr m. ‘feiner schneehaufen’. — vgl. 
aska. 

eskja f. ‘erde’ (poet.), eig. ‘die miteschen 
bewachsene’. — vgl. askr. 

eápi n. ‘espe’ (< germ. *aspia -; eig. 
kollektivform), aschw. eespe-, nschw. 
dial. áspe ‘espenwáldchen’. — vgl. 
gsp. 

espingr m. 'beiboot’, ádá. esping. — 

> schott. espyne ‘grosses boot (Flom 
Infl. 39). — wohl < dá. esping 
< mnd. espink eig. ‘fahrzeug aus espen- 
holz’ — vgl. espi. 

ess n. ‘reitpferd', vgl. ers. 

et rel. part., spáter eð, neutrum des pron. 
stammes, wie as. et, ahd. ez 'es’.—lat. 
ecce (< *ed-ce) ‘sieh’, ai. ada- ‘jenes’, 
asl. jed-inú ‘ein’. — vgl. es 1. 

eta 1 f. ‘krippe’. — vgl. jata. 

— 2 st. V. ‘essen’, nisl. jeta, fár. nnorw. 
eta, nschw. áta, ndá. cede. — got. 
itan, ae. as. etan, afr. eta, ita, ahd. 
ezzan. — lat. edo, gr. ÍSco, ISopai, ai. 
admi, asl. jamí, jasti, lit. émi (< *ed- 
mi), lett. idu, arm. utem. — vgl. at 1, 
etja 2, jgtunn und tgnn und hoch- 
stufig: dt, eeti, eetni, œtr und cezli. 

etja 1 f. ‘kampf’, nisl. etja — vgl. etja 3. 

— 2 schw. V. 'átzen, essen lassen’, 
nschw. Jial. áttja ‘vieh weiden’. — ae. 
ettan, afr. etla, mnd. mnl. etten, ahd. 
azzen, ezzen ‘zu essen geben’, got. fra- 
atjan ‘austeilen zur speisung’. — Kaus. 
zu eta 2. 

— 3 schw. V. ‘hetzen, treiben’, nisl. 
etja. — > lpN. hat’tit ‘aufreizen, 
necken, anspornen’ (Collinder APhS 7, 
1932, 220). — ahd. anazzew ‘anreizen' 
(Schnieders 12). — vgl. at 1 und atti 2 
u- 3 - 

etki adv. vgl. ekki 2. 

exlmi n. ‘kostbarer seidenstoff’ (spát. 
bezeugt), aschw. examit, samet, adá. 


samet. — < mlat. examitum, samitum 
'seidenstoff’ < gr. Hýí\xiT<x; ‘sechsfádig’. 

ey 1 f. ‘insel' (< germ. *ayjð < *ag\tjð), 
nisl. ey, fár. oy, oyggj, nnorw. ey, nschw. 
ö, ndá. 0 . — run. schw. auiu (d.sg. 
Rök c. 800, s. Bugge-Brate III, 144), 
vgl. auch germ.-lat. Scadin-avia (vgl. 
Skdney). — > shetl. 0; manx -ey (Mar- 
strander NTS 6, 1932, 276); > norm. 
-ey, -oy in ON. Jersey, Guernesey 
(Jakobsen, DSt 1911, 61); > air. i, 
schott. aoi (Marstrander NVA 1915 
Nr 5, 72); > finn. Voijonmaa, richtiger 
Vuojanmaa ‘Gotland’ eig. ‘Insel-Iand’ 
(Karsten FMS 2, 1934, 50-3) und 
Inselnamen wie Málo, Birko, in denen 
-o die fortsetzung des alten nom. sg. ö 
< *á-u < *aujö sein soll (H. Pip- 
ping, SNF 8, 1917, Nr. 1, 47-8); > lpN. 
-awjo ‘insel, niedriges flussufer’ (Col- 
linder, Saga och sed 1939, 15-16). — 

ае. ieg, ig, ig, nfr. oog und ei(-land), as. 
oi(-land), mnl. ei-(land), mnd. ö, ðge, 
ðch, ouwe, ou ‘insel, feuchte wiese’, nnl. 
-ouw, -ooi, ahd. ouwa ‘wasser, feuchte 
wiese, insel’, vgl. got. öium (Jordanes: 
‘die inseln des Weichseldeltas’), Gepe- 
dðiðs ‘die Gepideninseln’. — Die 
urgerm. form. *aguiö ist abgel. mit 
gramm. wechsel von *ahua ‘wasser’ — 
vgl. d 1, eynir und ó 1. 

— 2 ‘gliick, heil' (nur Ldn), wohl dasselbe 
wie run. auja (s. Helgason, Fschr. F. 
Jónsson 377-84). — vgl. auð. 

— 3 adv. ‘immer’ (wohl < *aj\t, stamm- 
form zu *ai{*a ‘zeit’) in Zss. wie eygóðr, 
eymuni. — vgl. a 2. 

— 4 Anfangssilbe mehrerer PN, wie 
Eyfriðr, Eyjólfr, Eygautr, Eymujtdr, 
Eysteinn, Eyvindr — wgot . Avemarus, 
ahd. Awigaoz, Awileib (Naumann 24). 
Wohl dasselbe wort wie ey 2 (I. Lind- 
quist, Relig. runtexter 2, 1940, 78). 

Die verbindung mit ey 1 ist 
durchaus abzulehnen (so Múllen- 
hoff ZfdA 23, 1879, 171), ebenso 
die verbindung mit dem Volks- 
namen der Aviones (F. Kluge 
ZdW 8, 1907, 141). s. A. Janzén 
NK 7, 1947, 70-2. 

— 5 zweitei teil von frauennamen wie 
Bjargey, Laufey, Þórey. Die erklárung 
schwankt. Gering, Edda-komm. 1, 319 
denkt an eine abl. silbe *-awja, zu ai. 
-avya-, gr. -aio-, aber dann ungerm. 
namenbildung. Deshalb eher ds. wie 
ey 2 (Nordenstreng NB 28, 1940, 39). 

eyða 1 f. ‘verwustung' ; vgl. eyða 2 . 

— 2 schw. V. ‘verwusten, vernichten’ 
(< germ. *auþiðn), nisl. eyða, fár. 
oyða, nnorw. eyda, nschw. öda, run. 
áöi. aupi 3 s. pr. Koej. (S. Vinge II 

с. ” 1000, Jacobsen-Moltke Nr 83), 



ndá. ede. — > IpN. avdadet 'verschwen- 
den’, lpS. audet(et) ‘verwusten' (Qvig- 
stad 96). — ae. ieðan, ahd. ðdjan, ödan, 
mhd. œden 'veröden, verwusten’. — 
vgl. auðr 3. — Dazu eyði n. ‘ver- 
ödung', nisl. eyði, fár. oyði, nnorw. 
eyde, nschw. öde, ndá. ede. — > lpN. 
avdie ‘öder platz, eingehegter platz 
fur das melken der renntiere’ (Qvig- 
stad 96). — ahd. ödi, vgl. ae. ieðe adj. 
‘öde’ und gr. atioioi; ‘eitel, vergebens'. 
— eyðsla, eyzla f. ‘verwiistung’, nisl. 
eyðsla, fár. oyðslutur ‘verschwende- 
risch', nnorw. eydsla ‘verschwendung’, 
aschw. ödhsla, nschw. dial. ösla ‘ver- 
schwenderisches weib’. 
eyðla f. ‘eidechse’ vgl. eðla. 
eyfit adv. ‘nichts’, vgl. eyvit. 

Eyfura fPN. (Hdl. 24). Die erklárung 
als ‘Inselfichte' (Gering, Edda-komm. 1, 
386) ist wenig befriedigend. Auch hier 
vielleicht ey 2 anzunehmen ? 
eygðr adj. ‘mit einer öffnung versehen, 
-áugig’, nisl. eygður, fár. oygdur, nnorw. 
eygd, aschw. ögdher. — ae. -iaged, mnd. 
-ög(e)d. — vgl. auga. 
eygja schw. V. ‘mit einer schlinge ver- 
sehen; die augen richten’ (in der bed. 
'blicken’ lehnwort < mnd. ögen, ogen, 
Fischer 29), nisl. eygja, nnorw. eygja, 
aschw. öghia, ádá. eie. — got. augjan, 
as. ðgian, ahd. ougan 'zeigen', neben 
ae. iewan, ywan, lowan, afr. auwa, 
áwa, vgl. mhd. zounen, mnl. tonen 
'zeigen’ (< *at-augu>jan, vgl. got. ataug- 
jan ’zeigen’). — vgl. auga. 
eygla in PN. wie Eyglu-Bersi, vgl. 
nschw. ögla ‘kleines auge’ und nnorw. 
eygla ’schielen’. — vgl. auga. 
Eygotaland n. die insel Gotland, spáter 
die dánischen inseln’ (Hj. Lindroth 
MASO 3, 1941, 112); eig: ‘das land der 
Insel-Goten’. 

eygr adj. ’-áugig', run. gleaugiR ‘der 
glanzáugige’ (Br. Nr. 7 Dannenberg, 
6 Jht., Krause nr 37). — ahd. sUrougi 
‘triefáugig’ (vgl. an. súreygr). — vgl. 
auga. 

Eyjólfr mPN., schw. run. Auulfr, ádá. 
0ulf. — > ae. PN. Euilf, Aiolf 
(Björkman PN 36). — Zs. aus ey 2 
und úlfr. 

eyjóttr adj. ‘voll von inseln’. — vgl. 
ey 1 und -óttr. 

eykr m. ‘zugtier, pferd' (< urn. *jaukiR 
s. I. Lindquist NB 29, 1941, 122), nisl. 
eykur, nnorw. eyk, nschw. ök, ndá. eg', 
eig. ‘dcis am joch vorgespannte tier’. -— 
Die germ. grundform *jaukija stimmt 
vollstándig zu ai. yogya- ‘zugtier, eig. 
'das im joch angespannte’; daneben 
mit anderer bildung lat. jugis ‘zu- 
sammengespannt’ (vgl. gr. 3e0?is ‘das 


anschirren), lit. jautis ‘ochs’, toch yuk 
‘pferd’. — vgl. ok 1. 

eykt f. ‘das vorspannen; die zeit 
zwischen einem anspannen und dem 
folgenden; viertel des tages; die zeit 
um 3V1 «hr nachmittags’ (< germ. 
*jauktpð), nisl. eykt, fár. ekt, nnorw. 
eykt, ekt, nschw. dial. ökt ‘arbeitszeit 
zwischen zwei mahlzeiten’ (A. Lind- 
qvist, MASO 5, 1943, 84-8). — vgl. 
ok 1. 

Eyliml mPN.; kann bedeuten ‘der immer 
zweige habende, der immergriinende' 
(Mullenhoff ZfdA 23, 1879, 171), dann 
also zu ey 3 (aber das immer zweige 
haben bedeutet noch nicht das immer 
griinen). Also wohl eber ‘der gliick- 
bringende zweige hat' und dann zu ey 2. 

Eylúðr ‘name fiir das meer’, und fur 
Odin; viell. ‘der immer tönende’ ? und 
dann zu ey 3 und lúðr 2 . (s. auch 
Falk, ANF 35, 1919, 62). 

eyma schw. V. ‘elend machen; jammem’ 
(< germ. *aumjön), nisl. eyma, aschw. 
öma ‘mitleid fiihlen', nschw. ömma 
‘schmerzen’, ndá. amme sig ‘jammem’. 
— vgl. aumr. — Dazu eymd f. ‘elend, 
armut’ (< germ. *aumiþð). 

Eymundr mPN. run dá. qumuta acc. 
sg. (Sjarind c. 1000, Jacobsen-Moltke 
Nr 155), aschw. Emund. — > ne. ON. 
Amotherby (ált. Aimundrebi, Ekwall 9); 
> russ ON. Jemutovo (Vasmer SBAW. 
Berlin 1931, 664). — run. ahd. Awi- 
mund (Weimar C, 6. Jht. s. Aratz-Zeiss 
1, 373), ahd. Awigaoz, Awileib. — also 
zu ey 2. Dann aber sind. ae. Eanmund, 
ahd. Aunimund besser fernzuhalten. 

eynir mpl. 'inselbewohner’, von ey 1 
gebildet mit sufiix -nir, das aus wörtem 
wie dropnir zu dropi, iagnir zu -togi 
abstrahiert wurde, denn urspr. ja- 
bildung von -wa-stámmen. Verbindet 
man aber eynir mit germ. lat. Aviones 
‘wasserlandbewohner’, so kann man 
von einem zu e y gebildeten -aw-stamm 
ausgehen (so I. Lundahl. NB 25, 
1937 - 87). 

Eynæfir m. ’name eines seekömgs , eig. 
‘von gliickbringender klugheit’ (B. 
Sigfússon, MPh 32, 1934, 129), Zs 
von ey 2 und neefr. 

eyra n. ‘ohr’ (< urn. *auRð < *germ. 
*auzð; also mit P-umlaut), nisl. eyra, 
fár. oyra, nnorw. eyra, nschw. öra, 
ndá. ore. — > IpN. avros, auros 
‘bárenobr’ (Qvigstad 98). — got. auso, 
ae. eare, afr. áre, as. ahd. öra. — lat. 
auris ‘ohr’, aus-cultare ‘hören’, gr. oti; 
(< *ousas), &<; (< *ðifs) ‘ohr', asl. 
ucho, lit. ausis, lett. assú, apr. acc. pl. 
ausins, air. au, ð, arm. unkn. Die idg. 
wzl. *aus- ist erw. der wzl. *au in ai. 



eyrendi 


108 


faðerni 


avati ‘auímerken, beachten’, ávi- ‘ofien- 
bar’, lat. audio (< *ajtisdið) ‘höre’, gr. 
altt ‘vemehme, höre’, aloðávofiat ‘riehme 
wahr’, asl. (j)aviti ‘offenbaren, sagen'. 
eyrendi n. ‘botschaft’, vgl. erendi i. 
eyrir m. auch aurar ‘öre, gewicht und 
miinze’ (*/> mgrk = 3 ortogar), nisl. 
eyrir, fár. oyri, nnorw. eyre, nschw. 
öre ndá. gre. — > shetl. ar; > ae. 
ýre (< eyrir) und < 5 ra (< aurar, 
Björkman 68); > mnd. ðre ‘skandina- 
vische miinze'; > finn. dyri (Thomsen 
2 , 232 ) ; > IpN. œvre (Qvigstad 357). — 
< lat. aureus ‘goldmiinze’ und zwar 
eyrir < *auriaR und aurar < pl. 
*aurðR (s. A. Kock. UB 151). 
eyrr f. 'landzunge von sand und stein’, 
nisl. eyri, fár. oyri, nnorw. gyr, nschw. 
ðr, ndá. dial. er. — > orkn. air(e), shetl. 
er (in ON ar, Jakobsen 140); > schott. 
ON. Eorrabaidh, Earrabhig (Henderson 
. 140); > man xayre (Marstrander NTS 
6, 1932, 241); > ne. dial. air ‘sandbank’ 
(Björkman 67); > kymr. ON. Eirewere 
(CharlesON. reí. with Wales 1934, 138). 
— vgl. aurr 1. 

eyrekár ‘im sande trabend’ (Akv. 32) 
und dann Zs von eyrr und skár 2. 
Aber nach Psilander, Fschr. A. Kock 
531-40 ist die bed. ‘munter, lebendig’ 
und zwar < *0r-skdr < um. *uz- 
skawaR vgl. got. usskaws ‘niichtem’, 
dann zu skár 3. 

eyrgggr adj. 'furchtlos’, vgl. eryggr. 
eysill 1 m. 'kleine schöpfkelle’, nnorw. 
eysle. — vgl. ausa 2. 


— 2 m. ‘essig’ (Larsen, ANV 1931, 260) 

< ae. eisil, aysel, aisill (vgl. ne. eisell) 

< spátiat acetillum. 

Ey8teinn mPN. run.dá. austain, ystin 
(Jacobsen-Moltke Sp. 747), ascbw. dá. 
0sten. — > ae. Æisten, Aistan (Björk- 
man PN 35), ne. ON. Asenby (in DB: 
Estanesbi, Ékwall 13); > air. Oistin 
(Marstrander NVA 1915 Nr. 5, 72). — 
Fiir die 1. silbe, vgl. ey 4. 
eystrikomp. 'östlich’, nisl. eystri, nnorw. 

eystre, agotl. oystra. — vgl. austr 2 . 
eyþvari m. ‘ochse’ (þula), eig. 'insel- 
bohrer’ (vielleicht mit hinsicht auf 
Gefjons ochsen ? s. Ekenvall, Fschr. 
Sahlgren 1944, 39). — vgl. ey 1 und 
þvari. 

eyverekr m. ‘mann von den inseln’ 
(F. Jónsson ANO 1907, 178), abgeleitet 
von *eyverjar vgl. ey 1 und verjar. 
Eyvindr mPN. run. norw. auintr (Sogne), 
schw. auintr (Eldtomta), aiunt (Kál- 
vesten Ende 10 Jht., Brate ÖG Nr 8), 
mn.dá. au(n)tR (Fuglie I, c. 1000, 
Jacobsen-Moltke Nr 259); anorw. 
0 yndr, aschw. 0 nder, 0 inder, dá. dial. 
0nd(e)r, Ynder. — Wohl am besten 

< *auja-wandiaR ‘der gerne gaben 
austeilt’ (V&gslid, Norsk navnebok 40), 
weniger wahrsch. als ‘der Inselwende’ 
also zu ey 1 und vindr 2 (Lind ANF 
36, 1920, 321). 

eyvit, eyvitar, eyvitu 'nichts’. — ae. 
dwuht, ahd. lowiht. — Zs. aus ei 1 und 
vattr. 

eyzla f. ‘verschwendung’, vgl. eyðsla. 


F 


f& I red V. ‘fangen, fassen, greifen, 
erhalten, vemrsachen’ (< germ. 
*fanhan), nisl. fá, fár. fáa, nnorw. faa, 
nschw. fá, ndá. faa. — got. fdhan, ac. 
fðn, afr. fd, as. ahd. fahan, mnd. vdn, 
mnl. vaen. — lat pango ‘befestige’, gr. 
7tf)Yvu(ii ‘macbe fest, fiige’, vrrpfic, ‘stark’, 
ai. pdsa ‘schlinge, fessel’, mir. dge. 
(< *pdgiö), ‘glied, pfeiler’ (IEW788).— 
vgl . fagr, fang 1 u. 2 ,fangawxdfengr. 

— 2 schw. V. ‘malen, schmucken’ 
(< germ. *faihjan), run. norw. faihiðð 
(1. P.S. prát. = an. fáði, Vetteland 
4 Jht, Krause Nr. 57; Einang c. 400, 
Krause Nr. 46); run. schw. fdhidð 
(Rö c. 400, Krause Nr. 56); run. dá. 
fdhide (3. P.S, Jacobsen-Moltke Sp. 
541), fahi (1. P.S. prás. Noleby c. 600, 
Krause Nr. 52; Br. Ásum 96, c. 550, 
Krause Nr. 32); nisl. fá ‘zeichnen’. 


nnorw. faa ‘weiss machen’. — ae. feen, 
ahd. flhen ‘malen’, vgl. fár 3 ‘bunt’ 
und ae. fdgian, ahd. fehjan ‘bunt 
machen, malen'. — gr. jroixUcx; 'bunt’, 
mxpó? 'einschneidend, scharf, bitter', 
ai. peia- ‘gestalt’, piíati ‘schmuckt’, 
peiala- ‘geschmúckt’, asl. pistrú ‘bunt’, 
piin, pisati ‘schreiben’, lit. peiiú, peSti 
‘zeichne, schreibe’, peSá ‘russ’, apr. 
peisdi ‘schreibt’, toch. A peke ‘schrift, 
malerei’, A pek-, pik-, B. paik- ‘schrei- 
ben, malen’.—vgl. fái, fáinn, fákr, 
fán, fánn, fár 3 und fil. 
faðerni n. ‘vaterschaft, váterliches ge- 
schlecht, vaterart’, nisl. faðerni, anorw. 
faþeerni, fceþærni, nschw. fáderne ' vaters- 
erbe, vatersseite’, agotl. feþrni, adá. 
feeþrini ‘vatersseite’. — got. fadrein, 
‘vaterschaft’, ae. fceðerncynn 'eltern, 
voVfahren’. — Das wort ist von faðir 



faðir 


109 


fákr 


abgeleitet und zwar aus einer grund- 
form *faöarnia, vgl. lat. paiemus 
'váterlich’ (s. Kuhn PBB 63. 1939, 
206); die got. form hat aber einen 
anderen ursprung: *faðartni (Sturte- 
vant SSN 9,1927,267-70), oderweniger 
wahrscheinlich *faðrinja (FT 287). 
faðir m. ‘vater', nisl. fár. faðir, nnorw. 
schw. dá. fader. — got. fadar, ae. fesder, 
afr. fader, as. fadar, mnl. vader, ahd. 
fatar. — lat. pater, gr. rcarfip, ai. pitS, 
air. athir, arm. kair, toch A. pöcar, 
B. pöcer (IEW 829). — vgl. faðerni, 
feðgar, feðgin und feðr. 

J. Trier, Zs. der Savigny-stiftung 
fur Rechtsgesch. 65 Germ. Abt. 
(1947), 232-260 weist darauf hin, 
dass das wort kein biologischer, 
sondem ein rechtlicher begriff ist, 
und den vater als haupt der 
familie darstellt. Es könnte da- 
hinter also der ‘mannkreis’ stehen, 
der wieder aus dem ‘zaun’ ent- 
wickelt ist, und dann wiirde es zur 
sippe von fgð gehören. 
faðmr m. 'umfassung, umarmung; busen, 
schoss; faden’, nisl. faðmur, fár. favnur, 
nnorw. schw. famn, ndá. favn ‘um- 
armung; klafter’. — > lp. N. fatme, 
fapme (Thomsen 2, 174).—ae. feeðm 
'umarmung; klafter; schutz, busen; 
faden, elle; macht, ausdehnung’, as. 
faðmos ‘klafter’, afr. fethem, mnl. vadem, 
'klafter; zwirn', ahd. fadam, fadum 
‘faden'. — air. etem (< *petemð), kymr. 
edau, edaf 'faden’, gál. aitheamh ‘klafter’ 
(Lane, Lang. 9, 1933, 249) und weiter 
lat. pateo ‘stehe offen’, gr. 7ccxáwu(j.i, 
TttTvjjpi, 7 cítv&j 'breiteaus’, neraXó^ ‘flach', 
av. pathana- ‘weit’, Ut. petys, apr. pette, 
'schulter’ (IEW. 824). — vgl. baðmr 
2, feðma und Fgð. — Davon faðma. 
schw. V. ‘umarmen’, ae. feedmian ‘um- 
armen’, mnd. ‘vademen' ‘das mass eines 
fadens geben’, mnl. vademen, ahd. fade- 
mðn ‘einfádeln’.— Faðmlr nebenFáfnir 
m. ‘name eines dracbens’ (< urn. 
*faðmnir), also eig. ‘der umfasser'. 
f&ga schw. V. ‘reinigen, glánzend ma- 
chen, schmiicken’ (< germ. *figön), 
nisl. fdga ‘schmiicken’. — > me. fgwen 
‘reinigen’ (Björkman 89), ne dial. faugh 
‘falb’ (Thorson 25). — afr. figia, mnl. 
vagen ‘reinigen’; hochstufige neubil- 
dung zu as. vegðn 'reinigen’, mhd. 
mnl. vegen ‘fegen’. 

Man vergleicht lit. púsziu ‘schmiik- 
ken’, lett. púschu ‘reinige, sáubere, 
schmiicke’ und gelangt zu einer 
idg, wzl. *pek. Ob damit die gruppe 
von feginn zu verbinden ist, 
bleibt zweifelhaft; sonst aber bleibt 
diese ohne weitere beziehungen. 


fagna schw. V. ‘sich freuen, begriissen’ 
(< germ. *faginðn), nisl. fár. norw. 
fagna, nschw. fagna, ádá. fagne. — 

> ork. fain, shetl. fen, fain ‘freudig 
empfangen’.—got. faginön, ae. feegnian, 
fagnian (ne. faum), as. faginðn, faganðn, 
ahd. faginðn, feginðn; daneben mit 
gramm. wechsel ae. gefeon ‘sich freuen’, 
got. faheþs ‘freude’. — vgl. feginn. — 
Davon abgel. fagnaðr m. 'freude; 
guter empfang; gut, vermögen’, auch 
fggnuðr. 

fagr adj. 'schön, hiibsch, freundlich’, nisl. 
fár. fagur, nnorw. schw. dá. fager. — 

> sheti. feg(er) ‘hiibsch’, foger, feger 
‘tabuwort fiir sonne’, fogri ‘tabuwort 
fiir makrele’; > ne. dial. feg 'schön, 
lieblich' (Thorson 60); > lpN. favrro. 
lpS. fauro (Thomsen 2, 174). — got. 
fagrs ‘passend’, ae. feeg(e)r (ne. fair), 
as. ahd. fagar 'licht, schön’. — vgl. 
fegra und fegrð. 

Die Etymologie schwankt: 1. die 
bed. ‘passend von got. fagrs fiihrt 
zum vergleich mit hochstuf. ae. 
figan, as. fðgian, mnl. voegen, 
vuegen, ahd. fuogin ‘passen, fiigen’, 
die dann zur idg. wzl. *pöR 'fest- 
machen’ (vgl. fá 1) gehören (so 
Hellquist 195). — 2. oder man 
trennt fagr von *fðgjan und ver- 
bindet es mit fagna und besonders 
mit fága. Fiir diese etymologie 
spricht der e/o-ablaut, wáhrend die 
verbindung mit fðgjan den á : á- 
ablaut voraussetzt (IEW 796). — 
Vom germanischen standpunkt ist 
dieser unterschied unwichtig, weil 
in beiden fállen der wechsel a : ö 
entstehen kann. 

f&i m. ‘bild, figur’, in Zs. mannfái ‘manns- 
bild’, villufái ‘heidnisches bild’. — vgl. 
fá 2. 

faihiðo run. norw. 'ich malte’. — vgl. fá 
2. 

f&inn adj. 'bunt, gesprenkelt’, auch 
zwergname; run. dá. fain PN (Egtved 
10 Jht. Jacobsen-Moltke Nr. 37). — 
vgl. fá 2. 

f&kr m. ‘pferd’, run. dá fakaR PN. (Br. 
Fema, Anf. 6. Jht. Jacobsen-Moltke 
Sp. 647-8), dá. dial. fag 'pferd mit einem 
testikel’. — viell. ahd. Faco, Facco, 
Fachilo, langob. Facho PN. (O. von 
Friesen UUA 1924, Nr. 4, 86). — 
Etymologie unsicher. 

Gering. Komm. 1, 435 (s. auch 
Sturtevant SSN 8, 1924, 43-5) zu 
adá. fage ‘schnell’, vgl. abl. dá. 
fige, norw. schw. dial. fika ‘sich 
beeilen’. — Holthausen Wb. 55 zu 
gr. 7 tt]y ó? ‘stark’ ? — Erwágungwert 
Hellquist MM. 1916, 196-8 < urn. 



fala 


110 


falr 


*faihakaR 'buntscheckiges pferd’; 
wenn man das wort zu run. fakaR 
stellt, befremdet aber eine so 
friihe entw. 

fala schw. V. 'feilschen’, nisl. nschw. dial. 
fala, adá fale (daneben aschw. nschw. 
dial. falka). — vgl. falr 3. 

f&la f. ‘trollweib; ochs', nisl. fála 'un- 
ziichtiges weib; scheues schaí’. — ae. 
feelan ‘verfuhren, mhd. mnl. válant 
‘teufel’.—gr. TtáXXu ‘schuttle, schwinge, 
erschiittere’, TtaX-rói; ‘geschwungen’, viel- 
ieicht auch asl. plachú ‘wankend, 
fliichtend; schrecken' (IEW 801). — 
vgl. falma, felmsfullr und fœla. 

falda I f. ‘weiblicher kopfschmuck’, vgl. 
faldr. 

— 2 red. V. 'den kopf mit einem faldr be- 
decken’ eig. ‘falten’. —got. falþan, ae. 
fealdan, mnl. vouden, vouwen, ostmnl. 
valden, volden, ahd. faltan ‘falten'. — lat. 
duplus ‘doppelt’, gr. SntXáaioi; (< *pla- 
tfos) ‘doppelt’, eig. ‘zweifáltig’, ai. 
puta-, m.n. (< *pulta~) ‘falte, tasche’, 
pata- ‘gewebtes zeug, leinwand’, asl. 
pletq ‘flechte’, platxno (russ. polotno) 
‘leinwand’, mir. alt ‘verbindung’ (IEW 
803). — vgl. faldr, fel, feldr und 
fella 1. 

— 3 schw. V. 'falten, zusammenfalten’, 
nisl. fár. nnorw. falda, nschw. fálla, 
ndá. folde. — ae. fealdian, ahd. faldðn. 
—-schwache ðn-bildung zu falda 2. 

faldr m. ‘falte, knoten; hoher weibl. 
kopfputz', nisí. fár. faldur, nnorw. fáld 
‘saum', aschw. falder, nschw. fdll, 
ndá. fold ‘falte'. — > shetl. fald 'faíte’; 
> finn. palle 'falte, saum’ (weist auf 
es-stamm! Karsten GFL 83).—ae. 
feald ‘mal’ (ne. fold ‘falte, falz’), mnd. 
volde, mnl. voude, vouwe, ahd. falt 
‘falte'. — vgl. falda 2 und feldr. 

Falhófhir m. ‘name eines götterpferdes 
(Grm.). Falls zu fglr: das pferd mit 
falben hufen'. Auch möglich zu fela 
und dann ‘dessen huf von haar- 
wuchs verborgen ist’ (F. Jónsson, LP. 
1x9). 

falkl m. ‘falke’ nisl fálki, fár. falkur, 
nnorw. schw. dá. falk. — > lp. N. falle 
'falke’ (Qvigstad 144).—wohl < mnl. 
valce, valc entlehnt mit der falkenjagd 
(Sahlgren NB. 8, 1920, 167) vgl. mnd. 
valke, ahd. falcho. 

Gewöhnlich wird das germ. wort 
als entl. < lat. falco erklárt (Suo- 
lahti 327-32), aber eher ist um- 
gekehrt falco aus dem germ. ent- 
lehnt und bedeutete dann wie nhd. 
dial. falch ‘hellfarbiges pferd’ etwa 
‘den fahlen vogel’ (vgl. fglr). 
Andere erklárungen: zu germ. 
fallan und dann ‘der stösser’ 


‘sperberart’ (Baist ZfdA. 27, 1883, 
60), oder zu ai. phalgú- ‘rotlich, 
schimmemd’, lett. spulgans ‘glán- 
zend’ (Uhlenbeck PBB 35, 1909, 
171). 

falla red. V. 'fallen, sterben, geschehen’ 
(< germ. *falnan), nisl. fár. norw. 
schw. falla, ndá. falde. — ae. feallan, 
afr. falla, as. ahd. fallan. — vgl. fella 
2. — fall n. ‘fall; tod. verlust; klippe 
usw.’, nisl. fár. norw. fáll, aschw. fal, 
ádá fald. — > orkn. faa ‘eingeweide 
eines schlachttieres’ (eig. ‘körper des 
geschlachteten tieres’); > shetl. fall 
‘fall’: > ne. ON. wie Thretfall (Mawer 
26; urspr. bed.: ‘ort wo báume ge- 
fáút sind’). — ae. feall, afr. fal, fel, 
as. ahd. fál. 

Die etymologie ist umstritten. 
1. Zu gr. tiítttcú lat. peto (Wood, 
GR 1, 1926, 309), wenig einleuch- 
tend. — 2. zu einer idg. wzl. *phol 
‘fallen’, vgl. lit. puolu, púlti, lett. 
puolu, pult ‘fallen’, arm. p'ul ‘ein- 
sturz’, p'lanim'í alleein’ (IEW851). 

fallera schw. V. ‘táuschen’ (nur in Chr. 
Schr.) < mnd. falliren < afr. faillir. 

falma schw. V. ‘tappen, tasten’, nisl. 
fálma; vgl. nnorw. dial. fjolma, fjdm(e) 
‘narr’ (Falk, Fschr. Unger 210). — 
Etymologie unsicher. 

Am ehesten zu der sippe von ae. 
filan, afr. fila, as. gifðlian, ahd. 
fuolön ‘fuhlen’, vgl. lat. palpo ‘leise 
streicheln’ (Fick, KZ 19, 1870, 
263). — Verbindet man aber mit 
felmsfullr so liegt es nahe von 
der bed. ‘unsicher tasten, zittern’ 
auszugehen und das stimmt zur 
sippe von fála. — Denkt man an 
die 'handbewegung’ so wáren zu 
vergleichen ae. as. folm, ahd. 
folma, ahd. folma ‘flache hand’, vgl. 
lat. palma, gr. 7iaXápT) ‘flache hand’ 
(Kretschmer KZ 31, 1892, 398) 
und besonders 7taX|ji6<; 'das zucken, 
vibrieren (eines gliedes)’ s. W. 
Wust, Suomal. Tiedeakat. Toimi- 
tuksia 93, 1 (1956) 73 fur weitere 
anknupfungen. 

falr 1 m. 'schaftröhre' (< germ. *fa\haz), 
nisl. fálur, nnorw. schw. fal. — ae. 
fealh ‘röhre' (E. Liden, ESt. 38, 1907, 
337). — eig. ‘das verbergende, nl. die 
eisenspitze' vgl. fela. 

— 2 m. ‘name eines zwerges', in der 
kenning fals veigar ‘gedicht’, also wohl 
der zwerg, der den dichtermet ver- 
borgen hielt, also zu fela. 

— 3 adj. ‘feil, káuflich’, nisl. fár. falur, 
nnorw. schw. dá. fal. — Dazu abl. ahd. 
fáli (daneben mit befremdendem vokal 
ahd. feili, mnd. vlle, mnl. veil(e); s. 



fals 111 íantr 


S. Bugge, PBB 24, 1899, 433; zu 
trennen nach Lidén GHÁ 22, 1916, 20). 
— gr. ncúXéo(xat ‘verkaufe’, ai. pana 
(< *palna) ‘preis, wahre’, panate 
‘tauscht ein’, asl. plinú ‘beute’, lit. 
pelnas ‘lohn', lett. pe’lns, pe'lna ‘ver- 
dienst, gewinn’ (ÍEW 804). — vgl. 
fala. 

fals n. ‘irrtum, betrug, hinterlist’ und 
adj. ‘falsch’ (spát bezeugt), nisl. fár. 
norw. schw. fals. — < mnd. mnl. vals, 
valsch < Iat. falsus (Fischer 58). — Da- 
neben falsa schw. V. ‘fálschen, ent- 
stellen’ und falsari m. ‘betriiger’. 
Falstr 'dánische insel Falster’. — Ge- 
wöhnlich wie die schw. ON. Falun, 
Falköping, von einem stamme *fal- 
(vgl. as. Westfalaha ‘Westfalen’), der 
dann zur sippe von fold ‘gehört’ (Hell- 
quist 196). — Aber man kann auch an 
fQlr ankniipfen, also eig. ‘fahles land, 
fahle erde’, vgl. die nl. landschaft 
Veluwe (J. Sahlgren NB 34, 1946, 68-9). 
faltrast schw. V. refl. ‘sich aufhalten mit, 
sich bemiihen mit’ (nur in Flat.), nisl. 
faltrast við ‘mit etwas beschwert sein, 
unsicher sein uber’, vgl. fár. fjaltra 
‘zittern, beben’, nnorw. dial. fjaltra, 
fjoltra ‘sein spiel treiben mit, sich 
abgeben mit, wohl zu fjalla 2. ‘schmiik- 
ken’, und dann dental-erw zur idg. 
wzl. *pel, vlg. fela. 

Falls man mit J. Trier von dem 
urspr. begriff ‘zaun, mannring’ 
ausgehen darf, kann es urspr. etwa 
‘sich bescháftigen mit’ bedeutet 
haben, und dann auf gemeinschaft- 
liche arbeit bezogen werden. 

- fambl m. nur in fimbulfambi ‘tropf’ 
(Háv. 102), vgl. nnorw. famp ‘dicker 
liimmel’, faame, fume ‘dummkopf’, 
dá. dial. fjambe ‘dummkopf’. — ne. 
dial. famp ‘schwerfállig gehen’, weiter 
zu nschw. famla, ndá. famle ‘umher- 
tappen’, vgl. nd. fammelen, me. famble; 
daneben norw. dial. fimla, mnd. fim- 
melen, ne. dial. fimble und nnorw. 
nschw. fumla ‘umhertappen’, nnd. 
fummeln, nnl. fommelen, ne. fumble. — 
Nach Sturtevant SSN 8, 1925, 203 und 
JEGPh. 33, 1934, 95 steht es in abl. 
verháltnis zu fífl und fimbul —. 
fán n. ‘leckerbissen’ ? (nur Rigsþ. 32). 
Das wort is dunkel. Gering, Komm 1, 
359 liest faen, also ‘gebráunte speck- 
seiten mithelleren und dunklen stellen’ ? 
M. Olsen, ANF 39, 1923, 308 emendiert 
zu fóarn; andere denken an textver- 
derbnis. 

fang I n. ‘fang, beute; streit, jagd’, nisl. 
fár. norw. fang ‘umarmung, schoss’, 
nschw. f&ng ‘fang, armvoll’. — > orkn. 
fang, shetl. fang, fong; > lpN. fagge 


‘ringkampf’ (Thomsen 2, 173).—ae. 
fang ‘beute’, ae. afr. feng ‘griff, fang, 
beute’, mnd. vank, mnl. vanc, ahd. 
fang ‘fang’. —vgl. fá 1 und -fengi. 

— 2 n. ‘frauenkleid’, wohl lehniiberset- 
zung aus afrz. robe, das sowohl ‘raub, 
beute’ als ‘kleid, langer rock’ bedeutet 
(Falk, NVA 1919,159), alsodasselbe wie 
fang 1. Die bed. entw. wáre auch ohne 
bezug auf das frz. wort denkbar, wenn 
man die bed. ‘armvoll, schoss’ der 
skand. sprachen beachtet. Obrigens be- 
deutet ahd. gifang ebenfalls ‘kleid’. 

fanga schw. V. gefangen nehmen’ (spát 
bezeugt), nisl. fár. norw. fanga, aschw. 
fœnga (vgl. weiterbildungen nnorw. 
fangla ‘umarmen’, fengta ‘einsammeln’, 
nschw. dial. fángta ‘eifrig streben’). — 
> ne. dial. fang (Flom Infl. 40); > 
IpN. farjrjgit (Qvigstad 145). — Ge- 
wöhnlich als entl. < mnd. vangen be- 
trachtet (Fischer 29), aber mit hinsicht 
auf die obenerwáhnten nebenbildungen 
kann es auch denominativ von fang 
sein. — fangl (nur Chr. Schr.) m. 
‘gefangener’, nisl. fangi, nnorw. fange, 
nschw. f&nge (> finn. vanki, lpN. 
f a WS a (Qvigstad 145). Entl. aus mnd. 
vangene (vgl. mnl. vangen) ist nicht 
wahrscheinlich. — fangelsi n. ‘ge- 
fangenschaft, gefángnis’ (spát bezeugt), 
nisl. fangelsi, fár. fangilsi, nnorw. 
fengsel, nschw. fángelse, fángsel, ndá. 
fœngsel, kann umbildung aus mhd. 
veng(e)nisse, vangnisse sein, aber auch 
selbstándig mit dem suffix -elsi im 
nordgerm. gebildet sein. 

fani m. ‘fahne, heerzeichen’, bes. in 
gunnfani ; nisl. fáni (nnorw. aschw. 
fana, ádá. fane aber nach Torp 94 
< mnd. fane). — got. fana, ae. fana 
(auch gúðfana), afr. fana, fona, as. 
fano, ahd. fano (und gundfano). — lat. 
pannus ‘tuch, lappen’, gr. nrpióc, ‘ein- 
schlagfaden’, ttTjv7) ‘gewebe’, asl. o-pona 
‘vorhang’, ponjava ‘umhang’, air. anart 
‘leinen', etach (< *pantako) ‘kleider’, 
itim ‘kleiden’ (WP. 2, 5). — vgl. 
gunnfani und spinna. 

fánn m. ‘schlangenname’ (þula), eig. 
‘glánzend’ (< germ. *faihna-). — vgl. 
fá 2. 

fantr m. ’diener, bote, strolch’ (spát be- 
zeugt), nnorw. schw. dial., dá. 'fant 
‘knabe, diener’. —• < mnd. vant, vgl. 
mhd. vanz ‘schelm’ (nach Torp 94 dies 
wieder < ital. fante ‘knappe, fuss- 
soldat', das aber selbst wieder germ- 
lehnwort ist). — ahd. fendo ‘fuss- 
gánger’, vgl. ahd. fandön, ae. fandian 
‘untersuchen’, mhd. vanden ‘besuchen’, 
mnl. vanden ‘feindlich angreifen, be- 
suchen’. — vgl. finna. 



far 


112 


farri 


far n. ‘fahrweg, spur; fahrzeug, schiff’, 
nisl. fár. nnorw. schw. dá. far. — ae. 
fœr ‘fahrt, weg; fahrzeug’, ahd. far 
‘landeplatz, iiberfahrt’. — gr. rcópoi; 
'furt’. —vgl. fara. 

f&r 1 n. ‘feindschaft, gefahr, schade, 
falschheit’ (< germ. féra-); run. dá. 
fara-uisa 'der gefáhrliches wissende’ 
(Br. 57 c. 650; vgl. M. Olsen ANO 1907, 
83-6 und Krause Nr. 36), nisl. fár. fár, 
nnorw. dial. faar ‘zorn’, ádá. faar 
‘furcht, zorn’. — ae. feer, as. far, ahd. 
fár, fára, fári ‘lauera, gefahr’, mnd. 
váre (> nschw. fara, ndá. fare) ‘gefahr’, 
mnl. vaer 'arglist, furcht, gefahr’; 
vgl. got. flrja ‘nachsteller’. — lat. ex- 
perior ‘versuche’, periculum ‘versuch, 
gefahr’, gr. impoc "versuch’, Tceipico 
‘versuche’. Bedeutungsentw. also ‘arg- 
listiger versuch, nachstellung > gefahr 

> furcht’. (vieíl. weiter zur sippe von 
fara, s. IEW818). —vgl. ferligr, frei- 
sta und fesra. 

— 2 adj. ‘wenig; wortkarg’ (< germ. 
*fawaz), nisl. fár, fár. fáur, nnorw. dá. 
faa, nschw. fá. — > me. fá, fg (Björk- 
man 102). — got. fawai npl. 'wenige', 
ae. fea, afr. fé, as. faho, fá, ahd. fao, fö 
‘wenig’. — mit wzl. erw.: lat. paucus 
‘wenig’, gr. 7caöpo;‘ klein gering’. (IEW 
842-3). — vgl. fátcekr, foli, fesð und 
feskka. 

— 3 adj. ‘bunt, gefárbt’ (< germ. *faiheiz) 
— got. filu-faihs ‘bunt, glánzend’, ae. 
fáh, as. ahd. flh ‘bunt’. — vgl. fá 2. 

fara st. V. ‘fahren, gehen, reisen; ge- 
schehen; verlieren’ usw.; nisl. fár. 
norw. schw. fara, ndá. fare. — > ne. 
dial. farand ‘ausriistung zur reise’, me. 
ne. dial. farrand ‘hiibsch, stattlich’ 
(Thorson 59); > shetl. faren 'fortge- 
gangen, .iltertiimlich’ (Jakobsen 147); 

> lpN. farrit ‘fortziehen’ (Qvigstad 
146).—got. ae. as. ahd. faran, afr. 
fara. — lat. peritus ‘erfahren’, portare 
‘tragen’, gr. Tcepáo, iceipto ‘dringe durch’, 
jcopeóop.ai ‘reise’, ai. piparti, párayati 
‘hiniiberfiihren’, asl. pírati ‘fhegen’, 
pariti ‘schweben'. (IEW 816). — vgl. 
far, fár 1, farald, farangr, farðir 
farmr, farnaðr, farnask, farri 1, 
ferð, ferill, ferja, fjgrðr, fjgrm, 
fjgrn, fóra, fórn, fcera, fœr und 
/pr. 

farald n. ‘fahrgelegenheit; seuche’ eig. 
‘was durch das volk herumfáhrt’ 
(< germ. *farapla-), nisl. faraldur 
'seuche’. — ae. fesreld ‘reise, zug; ge- 
folge; lebensart’. — vgl. fara. 

farangr m. ‘reisegepack’ (nach vorbild 
der wörter mit suffix -angr umgebildet 
aus far(ar)gagn Jóhannesson, suff. 
20); nnorw. farang ‘reisegelegenheit; 


seuche’. — > ne. dial. farand ‘reisevor- 
bereitung’. — vgl. fara. 

F&rbauti m. ‘name von Loki's vater; 
riesenname’, eig. ‘der gefáhrliche schlá- 
ger’ (entweder ‘sturmwind’, s. Bugge, 
Stud. 1, 76, oder 'blitz', A. Kock IF 10, 
1899, 101).—vgl. fár 1 und bauta. 

farðir f. pl. 'ereignisse’ (poet.), wohl aus 
sg. *fgrðr < germ. *farþu- ; vgl. fara. 

farga schw. V. ‘klemmen, pressen; iibel 
behandeln', nisl. fár. norw. farga; vgl. 
weiter nnorw. fergja ‘haufe, schicht’, 
nschw. dial. fárg ‘stange um die 
rinde auf dem dach festzuhalten’, 
orkn. fargis 'verwirrtes biindel’ (Mar- 
wick 39). — wohl zu got. faurhts ‘fiirch- 
tend’, vgl. lat. compesco (< *parc-sco) 
‘bezwingen’, gr. 7cópx7)C 'metallring an 
der speerspitze’. (s. Falk ANF 41, 
1925, 135; anders aber gezwungen 
Jóhannesson Wb. 552 zur sippe von 
fjgr) — vgl. fergir. 

fari m. ‘fahrer’, vgl. auch fyrirfari ‘vor- 
zeicben’. — ae. afr. -fara, ahd. -faro. 

— vgl. fara. 

farkostr m. ‘fahrzeug’, nnorw. schw. 
farkost. — > me. farecost, fercest 
‘schiffsart; bedingung, umstánde’ 
(Björkman 236). — Eig. 'gelegenheit 
zum fahren; beförderungsmittel’. — 
vgl. fara und kostr. 

farmaðr m. ‘reisender’, nisl. fár. farmaður 
'schiffer’, nnorw. schw. farmann ‘rei- 
sender’. — > ne. ON. Farmanby 
(Ekwall 166) und PN. Farman, Fareman 
(Björkman PN. 39). 

Farmaguð, Farmatyr m. ‘Odinsnamen’. 
Gehört zu farmr ‘ladung', éntweder 
als ‘gott des handels' (H. Falk, NVA 
1924, Nr. 10, 7), oder wahrscheinlicher 
mit beziehung auf den diebstahl des 
skaldenmetes. 

farmr m. ‘last, biirde; schiffsladung’, 
nisl. fár. farmur, nnorw. ádá. farm, 
aschw. farmber. — > finn. parmas 
‘heumass’, estn. parm ‘schoss, schoss- 
voll’ ( ? Thomsen 2, 205; Setálá FUF 13, 
1913, 422); > lpN. farbme (Thomsen 
2, 174). — ae. fearm ‘ladung, fracht’, 
as. farm ‘reise’, ahd. farm ‘boot’. — asl. 
pramú ‘boot’ (vgl. dazu prámr). — 
vgl. fara, ferma 1 u. 2. 

farnaðr m. ‘das gehen; benehmen; heil, 
gliick’, nisl. farnaður, nnorw. farnad; 
mit /w-suffix zum part. farinn gebildet, 
vgl. fara. 

farnask schw. V. ‘gliicken’, nisl. farnast 
‘vergehen (gut oder schlecht)’. — > ae. 
farnian ‘gliickhaben’ (Serjeantsson68). 

— vgl. fara. 

farrl 1 m. ‘strolch’ (spát bezeugt), nnorw. 
farre ‘strolch’, vgl. dá. dial. farres' umher- 
wa&dem’. — Intensivbildung zu fara. 



fasi 


113 


fat 


— 2 m. ‘feuer' (þula). Holthausen Wb. 57 
verbindet mit gr. jtijtnpTjixi 'verbrenne', 
asl. para ‘rauch’, was mit hinsicht auf 
die vereinzelte bildung im aisl. un- 
wahrscheinhch ist. Wohl dasselbe wort 
als farri 1 und dann eig. ‘der umher- 
fahrende’, vgl. hripuðr. Oder zu fors ? 
etwa ‘der prasselnde’ (J óhannesson Wb. 
555 )- 

— 3 m. ‘ochs, stier’ (poet) (< germ. 
*farzan), nisl. farri. — ae. fearr, afr. 
flring (< *ferring), ahd. far, farro, 
mhd. var(ré), mnd. varre', mit gramm. 
wechsel: mhd. mnd. verse, mni. verse, 
vaerse, 'fárse, jungkuh’ (Palander 142, 
aber eher zu fjorð) ; ae. fðr, mnd. vðr 
‘ferkel, schwein’ (Holthausen IF 32, 
1913, 334). — lat. pario ‘gebáre’, Ut. 
periú ‘briite’, pgras ‘junge biene’, gr. 
Ttópu;, Ttóprt^, Ttópxai; ‘kalb, junge kuh’, 
ai. prthuka ‘rind, kalb’, arm. ort' 
‘kalb des rindes oder hirsches’ (IEW 
818). 

— 4 m. ‘eber’, falls das skald. seimfarri 
mit E. A. Kock NN § 2544 als ‘goldeber’ 
gedeutet werden darf, vgl. ánschw. 
farre. — ae. fearh (ne farrow), ahd. 
farh; vgl. mnd. verken, mnl. varken, 
verken, nhd. ferkel. — lat. porcus, 
gr. Ttópxo;, asl. prasf, lit. pafias, 
air. orc. 

fasi m. BN. wohl zu aschw. fasa ‘er- 
schrecken’, ádá. fas ‘ansturm’, dá. dial. 
fas ‘krampfzuckung’, und weiter zu 
norw. dial. fjasa ‘auflodern, dummes 
zeug treiben’. — ae. fees ‘schrecken’. 
Keine weitere anknupfungen. Wenn 
man aber an. argafas ‘dummerstreich’, 
und norw. fesja ‘geschwátz’ ankniipft, 
kann man diese wörter zu mnl. vese- 
len, nnl. vazelen ‘fliistem’, nhd. fasen, 
faseln ‘narretei treiben’ stellen. 

fasta I f. ‘das fasten’, nisl. norw. schw. 
fasta. —> finn. paasto (Thomsen 2, 
203); > lpN. fas(s)to (Qvigstad 146). 
— ahd. fasta; daneben got. fastubni, ae. 
fcesten. — vgl. fasta 2. 

— 2 schw. V. ’fasten’, nisl. fár. norw. 
schw. fasta, ndá. faste. — > lpN. 
fastot. — got. fastan, ae. fcestan, afr. 
festia, ahd. fasten, faston. — Das an. 
wort entweder < ae. feestan (Wessén 
ANF 44, 1928, 104) oder < mnd. vasten 
(Höfler, ANF 47, 1931, 285). Das wort 
selbst wurde wohl urspriinglich im 
gotischen gebildet. (Falk ANF 41, 1925, 
116). — vgl. fastr. 

fasti t m. ‘mann der als zeuge einen kauf 
giiltig macht (in Jemtland, norw. DN); 
eig. ‘der etwas fest macht’, auch ‘festig- 
keit, stárke; klemme’; vgl. fastr. 

—- 2 m. ‘feuer’ (poet.); nach Magnússon 
ANF 65, 1950, 120 zu fastr, in der bed. 


‘zugedecktes feuer’, vgl. dá. dial. feeste 
ilden ’das feuer zudecken’. nisl. fastilja 
‘rauch vom zugedeckten feuer’. 
fastna schw. V. ‘feierlich geloben, bes. 
ein weib’, nisl. fár. norw. schw. fastna, 
ádá. fastne. — ae. feestnian, as. fastnðn, 
ahd. fastinðn, festinðn ‘festmachen’. — 
vgl. fastr. 

Fastólfr m. PN„ auch Fastúlfr, aschw. dá. 
Fastulf, Fastolf. — > æ. Fastolf, Festulf 
(Björkman PN. 39). — vgl. fastr und 
úlfr. 

fastr adj. ‘fest, hart, stark’ (< germ. 
*fastu-), run. schw. in PN. uifostr (Hög) 
kuþfastaR (g. sg. Frðsö); nisl. fár. 
fastur, nnorw. schw. dá. fast; vgl. 
auch shetl. fast. — ae. fesst, afr. fest, 
as. fast, mnl. vast, ahd. fasti, festi; 
vgl. got. witoda-fasteis ‘gesetzes- 
kundiger’. — Gewöhnlich zu ai .pastya- 
‘wohnsitz’ gestellt (nach Uhlenbeck 
PBB20,1895, 328 eig. 'festerwohnsitz’), 
arm. hast ‘fest’. (IEW 789).—vgl. 
fasta, fasti, fastna, festa und festr. 
Nicht ungebráuchlich in PN„ als 
1. glied in Fastbjgrn, Fastgeirr, 
Fastólfr, als 2. glied in Arnfastr, 
Jgfurfastr, Holmfastr, Sigfastr, 
Þorfastr, aber uberwiegend ost- 
skand. bildung (Wessén UUÁ 1927 
Nr. 3, 99-102). Auch im siidgerm. 
burg. Fastila, fránk. Fastrada, 
Fastulf, ae.Fastwulf (Naumann 33). 
fat n. ‘gefáss; decke, kleid’, vgl. pl. fgt 
‘kleider', nisl. fár. nnorw. schw. fat, 
ndá. fad. — > shetl. fadabrod ‘alter 
gebrochener gegenstand’, fedek, fiddek 
u.a. ‘eimer’( Jakobsen 150); > IpN.jaAífo, 
fáhtta, ‘schiissel’ und vahtto ‘kleider’ 
(Qvigstad 147 u. 345). — ae. fat, afr. 
fet, as. fat, mnl. vat, ahd. vaz ‘fass, 
gefáss’; vgl. got. ga-fiteins ‘schmuck’, 
ahd. givdzzi ‘gepáck’, mnd. gevlte 
‘fass’ und ae. fcetel(s) 'gefáss, sack’.— 
viell. zu Ut. púodas, lett. puðds ‘topf’, 
apr. pist ‘tragen’, nicht zu toch B pdt 
‘schrein’. — vgl. fata 1. 

Die weit auseinandergehenden be- 
deutungen hat J. Trier, ZfdPh. 70, 
1949, 353-5 geklárt; man muss von 
dem tonverschmierten flechtkorb 
ausgehen. Weil die bed. 'geflecht’ 
leicht in ‘gewebe’ iibergeht, sind 
fit und ÍQt hier anzureihen. Man 
kann die bed. 'gepáck’ von ahd. 
givázzi (und ‘laden' in mhd. vazzen) 
aus dem geflecht der wagenhiirde 
verstehen, wáhrend die bed. 
‘schmuck’ von got. gaflteins aus 
der bemalung der beschmierten 
hauswand hervorgeht (vgl. mdl 3); 
auch fetill diirfte zu dieser wort- 
gruppe gehören. 

« 



fata 


114 


fata 1 f. 'kanne, biitte', nisl. fata, nnorw. 
fðta, nschw. dial. futu 'kubel'. — vgl. 
fat. 

— 2 schw. V. ‘den weg finden’ — ae. 
fatian (wif) ‘heiraten, eig. ein weib 
heimfiihren’, afr. fatia, mnd. vaten, mnl. 
vatten, ahd. fazzön (vgl. auch fata 3). 
Die bed. 'fassen’ muss nicht aus ‘in 
ein gefáss tun’ abgeleitet werden, son- 
dern geht auf die tátigkeit des zaun- 
flechtens hervor (vgl. fal). 

Es besteht also keine veranlassung 
an. fata mit mhd. sich vazzen 
‘gehen’ zu verbinden, das man 
mit ai. padyate ‘gehen, fallen’, air. 
uide (< *podio) ‘reise’ vergleicht 
und also zu fótr stellt. 

— 3 schw. V. ‘lose zusammenfiigen, pfu- 
schen’ (nur Post.), nisl. fata ‘miszlingen’, 
fár. fata ‘greifen, fassen’, nnorw. dial. 
fata, fjata, fjatra ‘pfuschen', fatla, 
fjatla ‘hudeln, pfuschen’. — > lpN. 
fahttit, fáhtit ‘ergreifen’ (Qvigstad 147). 

— ae. fatian (ne. fetch) holen, afr. fatia, 
mnd. mnl. vaten, ahd. fazzen ‘fassen'. 

— asl. po-padq ‘fassen’. 

Obgleich das wort nur spát in der 
lit. auftritt, ist mit hinsicht auf 
die reiche entw. im westskand. eine 
entl. aus mnd. vaten (so Holthausen 
Wb. 57) nicht wahrscheinlich. 
fátkask schw. V. ‘abnehmen’, gebildet 
zum neutr. fdtl von fár. 
fatla schw. V. ‘umbinden, fesseln’ (Sig. 
sk) (< germ. *fatilön)\ run. schw. 
fatlaþR 'gebunden’ (Rök c. 800, Bugge- 
Brate 3, 51); nisl. fatlast ‘gehemmt 
werden’, fár. fatla ‘fesseln', nnorw. 
fatla 'umwickeín', aschw. fœtla ‘mit 
einem gehánge versehen’ (zum vokaJ s. 
H. Pipping SNF 12, 1921, Nr. 1, 110). 

— vgl. fetill. 

fatr n. ‘aufhalten, hemmung’ und fatra 
schw. V. ‘aufhalten, verhindern’. — 
vgl. fata 2. 

fattr adj. ‘biegsam’ eig. ‘krummgebogen’ 
(nur þiðr. s.) (< germ *fanta-), nisl. 
fár. fattur, nnorw. fatt; vgl. nisl. fár. 
norw. fetta ‘den riicken zuriickbiegen’. 

— > shetl. fett 'biegung des riickens’, 
orkn. backfet 'riickwárts gebogen’. — 
lat. pandus ‘gekriimmt, gebogen’ (S. 
Bugge KZ 19, 1870, 437). 

f&tœkr adj. ‘arm’, nisl. fár. fdtœkur, 
nnorw. faatok, nschw. dá. fattig. — 
vgl. fár 2 und tœkr. 

faukr m. BN., vgl. nnorw. fauk 'ansturm, 
kraftprobe’ (Kahle ANF 26, 1910, 237). 

— vgl. fjúka. 

fauski, fauskr m. ‘vermodertes holz', 
auch BN; nisl. fauskur ‘vermodertes 
holz, alter schwacher mann’, nnorw. 
fausk, nschw. dial. fausk, fðsk ‘mor- 


feðr 


sches holz’; daneben nnorw. dial. feyr 
(< * fauza-) ‘schwammartig’’, feyra 
'zellgewebe’, nisl. feyra ‘morschheit’. 
— nnl. voqs (< *fausa-) 'schwammig’ 
aber ánl. voosch (< *fauska), nhd. 
schweiz. gefosen 'verfault’. -— vgl. fúi. 

fax n. ‘máhne’ (< germ. *fahsa-), nisl. 
fax, fár. nc. w. faks, vgl. shetl. faks. — 
ae. feax, afr. fax, mnl. vas, as. ahd. 
fahs 'haupthaar’, — gr. Ttéxos, ttóxo? 
‘fliess, wolle’, ai. paksman ‘wimper, 
braue’, pers. pasm ‘wolle’, arm. asr 
‘fliess, wolle’. •— vgl. faxi, fexa, 
fQXÓttr und weiter fé und fcer. 

faxi m. ‘pfeT-d’ (eig. mit einer máhne 
versehen), auch PN. — > ne. ON. 
Faxfleet (Ekwall 168). — vgl. fax. 

fé n. ‘vieh, besitz, geld’ (< germ. *fehu; 
aber anal. statt zu erwartendem *fœ, s. 
Pipping, Inl. 115); run. feu (Abcdarium 
Nordm.), fiu (cod. Leid.), fea (Book of 
Ballymote, fiir feu, s.v. Grienberger, 
ANF 14, 1898, 104-6) ‘name der rune 
/’; nisl. fje, fár. fce, nnorw. fe, nschw. 
fd, ádá, fce. — got. faihu ‘geld’, ae. 
feo(h), afr. fiá, as. fehu, feho, mnl. 
vee, vie, ahd. fihu, fiho (Palander 13-15) 
'vieh’. — lat. pecu, pecus ‘vieh’, ai. 
pásu, lit. pekus 'vieh’; das wort be- 
■ deutet urspr. ‘das was geschoren wird’ 
(vgl. gr. Ttéxco ‘kámmen, rupfen’), dann 
‘wolltier, schaf’ und gehört zu der unter 
fœr behandelten wörtern. — vgl. 
félagi, fénaör, fjdör, fján 2, fjós 
1. und weiter fax. 

feðgar mpl. ‘vaterund sohn’ (< *faöriga-), 
nisl. fár. feðgar, aschw. run. faþrkaR 
(d.h. fcsörgaR), weiter fapgar, fæþgar. 
— Abgeleitet von faöir mit einem g- 
suffix, wie das auch in feögin auftritt; 
daneben mit gramm. wechsel got. 
broprahans 'briider’, and. gisustru(h)on 
‘schwestern’; eig. sind es substantivierte 
adj. (Hellquist ANF 7, 1891, 5). — gr. 
xaTpixói; 'váterlich’, ai. sanaka-, lat. 
senex ‘alt, greis’. 

feðgin n. 'vater und mutter’, pl. ‘eltern; 
vater und tochter', nisl. feðgin; vgl. 
nnorw. dial. fegge 'alter mann’, feggje 
etter feggje ‘sohn nach vater’, nschw. 
dial. fágg ‘verheirateter mann’. Áhn- 
liche bildungen sind mceögin und 
systkin. Die grundform ist also 
feðrgin, aus *faðra-gina (anders mit 
suffix -igan; Collinder APhS 3, 1928, 
196). 

feðma schw. V. ‘umarmen’, nisl. feöma, 
nnorw. femna. — ae. fceöman, mnd. 
vedemen ‘mit klafter messen’, mnl. 
vademen, vtdemen ‘einfádeln’. — vgl. 
faömr. 

feðr.spát bezeugte form fiir faöir. — 
-feðrain Zs. samfeöra ‘vomselben vater’ 




íeginn 


115 


feitr 


vgl. ae. fœdera, afr. federia, mnd. vedere, 
mnl. vedder, ahd. fetiro, fatureo 'vetter, 
oheim’, vgl. lat. patruus, gr. nárpax;, 
ai. pitrvya ‘váterlicher obeim’. — 
feðrask in Zs. affeðrask ‘entarten’, vgl. 
mhd. veteren ‘sich cds vater zeigen’, 
mnl. vaderen ‘die vaterschaft aner- 
kennen'. 

feginn adj. 'froh’ (der form nach starkes 
part. prát, s. NoreenGramm. § 501 A4), 
nisl. feginn, fár. fegin, nnorw. fegen, 
aschw. fdghin. — ae. fcegen (ne. fain ), 
as. fagin, fagan ‘froh'; vgl. ae. gefeon, 
ahd. gifehan ‘sich freuen’; ae. gefea, ahd. 
gifeho ‘freude’; got. fullafahjan 'befrie- 
digen’, faheþs ‘freude'. — vgl. fága, 
fagna und fcegja. 

fegra schw. V. (prát. fegrði und fegraði) 
'schön machen, schmucken’, nisl. fegra, 
aschw. faghra, ádá. fcegrce. — got. 
gafahrjan 'zubereiten’. — vgl. fagr. 
Dazu fegrð f. ‘schönheit’ (< *fagripö), 
nisl. fegurð. 

feigð f. ‘bevorstehender tod’ (< germ. 
*faigiþö), nisl. feigð, fár. nnorw. feigd. 
— > lpN. vaigas, fceigas 'vorzeichen 
des nahen todes’ (Qvigstad 340). — 
ae. fcegð 'todesnahe’. — Zu feigr adj. 
‘dem tode verfallen’, auch ‘tod’ 
(< germ. faigjaz), nisl. fár. feigur, 
nnorw. feig, aschw. run. faikinn (acc. 
sg. Rök c. 800), aschw. flgher 'dem tode 
verfallen’, nschw. fgg ‘mutlos, feige’, 
ndá. feig, fei ‘feige’ (diese bed. aus dem 
nhd. feigeX). — > shetl. fei (Jakobsen 
150); > finn. peikko, peiko ‘gespenst, 
boshafter mensch' (nach Karsten GFL 
119 u. 183 aus vorgerm. *paikjo; aber 
eher mit Wiklund IF 38, 1917, 72 de- 
minutivbildung zu peijainen), neben 
peijainen ‘totengott’, peijaiset, peijaat 
‘leichenmahl’ (aus *faigia, s. Mikkola 
FUF 5, 1905, 138-40, Collinder UL 
224-5) í > IpN. fceigas, lpS. faiges 
(Thomsen 2, 174).—ae. fcege, afr. fach, 
fdi, as. flg(i), mnl. veige, vege, veech ‘dem 
tode nah’, ahd. feigi, mhd. veige. — 
vgl. feigð und feikn. 

Etymologie unsicher. Zuweilen 
verbunden mit ae. fah, ahd. giflh 
‘feindlich’, got. bifaih ‘iibervor- 
teilung’ und dann zu ai. piiuna- 
'böse gesinnt’, piídca- ‘dámon’, 
lit. paikas ‘dumm, albern', piktas 
‘böse' (IEW 795). Der bed. nach 
aber unbefriedigend. — Oder zu 
fá 2 etwa ‘todesgezeichnet’ (Zu- 
pitzaGutt. 189); ebenfallsunwahrs. 

feikn adj. ‘grásslich, verderblich’ (nur 
Hdl.), vgl. fár. feikna ‘ungeheuer’. — 
ae. fescne, as. fékni, ahd. feihhan ‘be- 
triigerisch, boshaft, ungeheuer’. — 
Dazu auch subst. feikn f. ‘schrecken. 


ungliick’, nisl. feikn (f, npl.). — ae. 
fdcen, ahd. feihhan, as. fékn ‘betrug, 
verrat, bosheit'. — ai. piiuna- ‘böse- 
gesinnt, verráterisch’, neben lat. piger 
‘faul’ (IEW 795). 

Das wort könnte weiter zu der 
unter feigr genannten gruppe von 
ae. fdh ‘feindlich’ gebören; in die- 
sem fall ein áhnlicher wechsel germ. 
k : h wie in teikn. 

feila schw. V. ‘einschiichtem’ (14. Jht.), 
nisl. feila ‘sich schámen’. — < mnd. 
feilen ‘fehlen’ < afrz. faillir (Fischer. 83). 
feilan m. BN. < air. faelán, demin. zu 
fael ‘wolf' (A. Bugge, Indfl. 372). 
feima f. ‘schuchternes mádchen', nisl. 
feima, also wohl zu nisl. feiminn ‘ver- 
legen’ (Sturtevant SSN. 15, 1938, 26). 
Die bed. ‘schiichtern’ kann isl. 
umdeutung sein; dann ist es 
verlockend das wort zu verbinden 
mit ae. fcemne ‘jungfrau, weib’, afr. 
fdmne, fémne (< *faiminið s. 
van Helten IF 7, 1897, 342); as. 
fémia, féhmia ‘jungfrau’. Die ety- 
mologie dieses wortes ist umstrit- 
ten. i. zu lat. opimus, gr. 7tíwv, 
ai. pivan ‘fett’, av. paéman-, lit. 
pienas ‘milch', vgl. gr. 7 ttap ‘fett, 
saft’, ai. páyate ‘strotzt, schwillt’; 
gehört also zur sippe von feitr. 
Urspr. bed. 'sáugende frau’. (Torp, 
Wortschatz 240, 6 auch IEW 793, 
wiewohl man dann an eine schwan- 
gere oder sáugende frau denken 
muss; as. fémia bedeutet nicht 
schwangere frau!) 2. weniger wahr- 
scheinlich zu gr. 7 tot(jtfjv, lit. piemuð 
‘schafhirt', also eig. ‘die schafe 
hiitendes mádchen’ (H. Pedersen, 
Jesj)ersen-Fschr. 1930, 55-68). — 
3. Das an. feima wird auch als 
lehnwort aus nd. fémea betrachtet, 
wáhrend ae. fcemne als lehnwort aus 
lat. femina (das eine bestechende 
áhnlichkeit zeigt) aufgefasst wird 
(Kluge IF 39, 1921, 128). — 4. 
J. Trier, Zs. der Savigny-Stiftung 
fiir Rechtsgesch. 65 Germ. Abt. 
(1947) 254 geht von einer idg. 
grundform *pt t eimnia aus und 
gibt dem worte die bed. ‘die eben 
in die neue familie aufgenomme- 
ne' (vgl. brúðr). Ausgangspunkt 
ist also der ‘mannring’, wie das 
noch aus ndl. veem ‘zunft, genossen- 
schaft’, mnd. ttfimz'verband’ hervor- 
geht, vgl. auch den germ. stamm- 
namen Paemani, gallische wieder- 
gabe fiir *Faimanðz ‘also eig. die 
genossen des dinggeheges. — vgl. 
weiter foð. 

feitr adj. ‘feist, fett’, nisl. fár. feitur, 



el 


116 fella 


nnorw. feit, nnorw. feit, nschw. fet, nda. 
fed. — > ne. ON. Faceby (ált. Feizbi, 
Ekwall 164); > lpN. buojdde ? (Thom- 
sen 2, 208). — ae. fœtt, mnd. vett, mnl. 
vet, ahd. feizzit ‘feist’; vgl. subst. afr. 
fdt, mhd. veiz, mnl. vet ‘fett’. — Davon 
abgeleitet feita schw. V. ‘fett machen', 
nisl. norw. feita, vgl. ae. feetan ‘másten, 
beladen’, mhd. veizen ‘fett machen'. — 
feiti f. ‘fett’ (nur in chr. schr.). — gr. 
rnSúoj ‘sprudele hervor’, nXSaí, ‘quelle’, 
zuridg. wzl. *pei; *poi (IEW 794; vgl. 
die unter feima genannten wörter). — 
weiter fit 2, fita, fitna und fjón 2. 

fel f. ‘unterleib, magen’, eig. ‘falte’. 
Schwer zu deuten; oft zu nnorw. fela 
‘name des 4. rindermagens’ gestellt, 
aber von Falk MM. 1929, 13 abgelehnt. 
Eher zu nisl. fylja ‘falte, runzel’ und 
dann zur idg. wzl. *pel ‘falten’, vgl. 
falda 2. Marstrander NTS7, 1934, 349 
denkt an verwandtschaft mit air. aile 
‘bretterzaun’. 

fél f. ‘feile’ (poet. einmal bezeugt), fár. 
fil, nnorw. schw. dá. fil. — ae. fíol(e), 
flol, fil, as. fila, mnl. vile, vijl, ahd. fila 
(fihala unter einfluss von bihal ‘beil’). 
— Falls aus grundform *finhlo viel- 
leicht zu ai. pinéati ‘meissle’, asl. pisati 
‘ritze’, lat. pingo ‘male'. — Daneben 
steht aber auch die form pél (s. B. 
M. Olsen ANO 1888, 85). 

Die bed. ‘feile’ ist daraus zu erklá- 
ren, dass das wort urspr. ein gerát 
andeutete zum glátten und fárben 
einer lehmwand, wie lat. lima zu 
limus (s. Trier, Lehm 1951, 12). 

fela st. V. ‘verbergen’ (< germ. *felhan, 
vgl. part. prát. folginn, deshalb eig. 3. 
abl. klasse, spáter aber zur 4. tiber- 
gegangen, s. Noreen § 496 A 1; die in- 
finitiv-form sollte *fjdla lauten, s. 
dartiber H. Pipping, SNF 12, 1921, Nr. 
1, 55-6), run. schw. felAhekA (Stentof- 
tenc. 620, Krausenr. 51), fAlAhAk ( = 
an. falk ‘ich verbarg’, Björketorp c. 
650, Krause Nr. 50), nisl. fela, fár. 
fjala, aschw. fiœla, fjala, nschw. dial. 
fjala 'verwahren', ádá. fieala, fialee 
‘verbergen'. — > shetl. fjtll; > me. 
felan, ne. dial. feal ‘verbergen’ (Biörk- 
man 209). — got. filhan ‘begraben', 
ae. feolan ‘verbergen, úbergeben’, afr. 
bif : 1 ‘befehlen, tiberlassen', as. bifelhan 
‘ubergeben, anvertrauen, begraben', 
mnl. bevelen ‘anvertrauen, beíehlen, 
tiberlassen', ahd. felahan. — Zur idg. 
wzl. *pel ‘bedecken' (vgl. fjall 2): 
umbr. pelsana ‘sepeliendas’ (s. Dumé- 
zil, Rev. de Phil. 28, 1954, 229) und 
apr. pelkis ‘kappe'. — vgl. falr 1 u. 2, 
Fili, Fjalarr, -fjalgr, Fjglnir, 
fóli 2 und fulga. 


Die wzl. *pel ‘bedecken’ ist viell. 
mit *pel ‘einzáunen’ id^ntisch, wie 
J. Trier, Lehm 1951, 24-30 ausge- 
ftihr^hat, Das got. filhan hat seine 
bed. von der grabbegung, und 
zwar mit einem zaun. Diewgerm. 
bed. ‘anvertrauen, befehlen’ lei- 
tet er aus dem ‘mannring' ab 
(vgl.þing), und deshalb dazu auch 
fylgja; weitere verwandte wör- 
ter sind feldr, fold, full und 
fglr. — Dagegen hat Uhlenbeck, 
Museum 4, 1896, Sp. 211 gr. tteXexúí 
‘ beil’ herangezogen und an eine 
bed. entw. ‘hauen, hacken, graben’ 
> 'begraben' gedacht; áhnlich 
W. Wtist, Suomad. Tiedeakat. 
Toimituksia 93, 1 (1956) 92, der an 
die unter flá erwáhnte idg. wzl. 
*pllk ankntipft. 

fétagl m. ‘kamerad, kompagnon’, nisl. 
fjelagi, fár. felagi, ádá. felge, ndá. 
feelle. — > spát ae. feolaga, me. felage, 
felawe, ne. fellow (Björkman 209), 
schott. falow ‘vergleichen’ (Flom Infl. 
39). — Abgeleitet von félag n. ‘ge- 
meinsamer besitz’, nisl. fjelag, fár. 
norw. felag, aschw. feelagh, ndá. fesllig. 
Zs. von fé und lag. 

feldr 1 m. 'schafpelz, mantel’, eig. ‘htille, 
decke’, nisl. fár. feldur, nnorw. feld, 
nschw. fdll;' vgl. agotl. falda ‘bett- 
decke’. — zu ae. field, ahd. fald ‘falte, 
faltung’. — gr. itéXn) ‘leichter schiid’, 
ai. patas ((< *paltas) ‘zeugsttick, ge- 
wand’, patalam ‘htille, decke, schleier', 
lat. palla 'langes obergewand’, pallium 
‘oberkleid’, asl. pelena ‘windel’, apr. 
pelkis 'mantel’. 

Die idg. wzl *pel zeigt hier die bed. 
‘flechten, weben’, vgl. falda 2, 
faldr, fjall 2; das ist aber nach 
Trier, Lehm 1951,24-25 eine weiter- 
entwicklung aus der flechttechnik 
des zauns, weshalb dazu auch 
fold zu stellen ist; vgl. weiter 
zu fela. 

— 2 adj. ‘von einer bestimmten art, ge- 
eignet'; vgl. fella 2. 

fellgr adj. ‘sicher vor uberfall’, aschw. 
felogher ; zu fela f. 'schutz’, vgl. fela. — 
Das spát bezeugte wort ist doch wohl 
eher entlehnt < mnd. velich, vgl. afr. 
felich, mnl. velich, veilich ‘sicher, 
gesichert'. 

féUgr adj. 'wertvoll, bedeutsam’, vgl. fé. 

feU 1 n. ‘berg, felsen’. — > sheti. fell 
(Jakobsen 151); > ne. dial. fell 'htigel, 
berg’ (Thomson 26). — Nebenform zu 
fjall 1. 

— 2 n. ‘haut’ in Zs. bókfell ‘pergament'. 
— vgl. fjall 2. 

fella' 1 f. ‘zusammenftigung (< germ. 



felli 


117 


Fensa 


*falþiön), nisl. nnorw. fella 'felge’. — 
vgl. falda 2. 

-—2 schw. V. ‘fállen’ (< germ. *falnian), 
nisl. fár. norw. fella, nschw. falla, ndá. 
ftslde. — ae. fiellan, fyllan, afr. fella, 
as. fellian, mnl. vellen, ahd. fellan. — 
vgl. falla und fellir. 

— 3 schw. V. 'zusammenfugen, ordnen’ 
(< germ. *falþian). — vgl.falda2 u. 3. 

— felll n. in Zs. misfelli 'ungliicksfall’, 
norw. dial. misfelle, aschw. misfœlle, 
und váfelli ‘unglucksfall’; ja- abl. von 
fall. 

felllr m. 'das umkommen von menschen 
oder vieh’. — vgl. fella 2. 

fellr 1 adj. ‘scharf. grimmig’ (poet. nur 
Sturla 13. Jht. vgl. E. A. Kock NN § § 
1358, 2992), nnorw. dial. fel, fcel. •— 
ae. fell, mnd. fellich 'böse, garstig’, 
mnl. fel. — wohl aus dem mnd. iiber- 
nommen. 

— 2 adi. 'beschaffen, passend’ in Zs. wie 
einfellr ‘einfallend’, hugfellr ‘behaglich’, 
vgl. auch - felíinn in viðfellinn 
'wohlwollend’. — vgl. fella 2. 

felma schw. V. ‘tappen, tasten’. — vgl. 
falma. 

felmsfullr adj. ‘erschrocken’, auch 
fjalmsfullr; nisl. felmsfullur zu nisl. 
felmur, nnorw. felm ‘schrecken’. — got, 
usfilma ‘erschrocken, entsetzt’, vgl. 
ae. eal-felo fiirchterlich’. — möghch zu 
gr. 7rcXe(jL(£b> ‘schwinge, mache zittem’. 
(vgl IEW 801). — felmta ‘schw. V. 
erschrocken sein’ (< germ. *falmatjan) 
und felmtr m. ‘schrecken, furcht’, 
nisl. felmtur. — vgl. fála und falma. 
Bemerkenswert ist die lautliche 
iibereinstimmung mit íinn. pelkiia, 
lpN. balld, syrj. pol, ung. fil 
‘fiirchten’. 

fen n. ‘sumpf’ (< germ. *fanja-), nisl. fár. 
nnorw. dá. fen. — got. fawi 'schlamm’, 
ae. fen(n) ‘sumpf’, afr. fenne ‘nasse 
wiese’, mnd. venne, mnl. vene, venne, 
‘sumpfiges land, torfboden’, as. feni, 
ahd. fenna, fenni ‘sumpf’. — ai. 
panka- ‘schlamm, sumpf’, apr. pannean 
'moosbruch’, gall. anam (acc.) 'morast’, 
mir. an ‘harn, wasser’ (Lidén SSUF 
1894, 60 und BB 21, 1895, 93). — vgl. 
Fenja und Fenrir. 

Úber den zusammenhang mit funi 
(vgl. auch pr. panno ‘feuer’ neben 
pannean 'moosbruch’) s. Schulze 
Kl. Schr. 116. 

fénaör m. vieh, eigentum’, nisl. fjenaður, 
fár. fenaður, nnorw. fenad, nschw. 
fdnad. — Abl. von féna schw. V. 
‘reicher werden’. — vgl. fi. 

Feney f. ‘name fiir Venedig’, das auch 
Fenedi, Fenidi heisst, eig. ‘morastinsel'; 
volksetymol. umbildung. 


fengari m. 'mond’ (nur SnE), wohl 
aus gr. œeyyápt zu ©éyYo? 'glanz, licht’ ? 

fengi 1 n. ’beute, raub’; /a-abl. von fang. 

— 2 f. in Zss wie grandfengi ‘geniigsam- 
keit’, harðfengi ‘kiihnheit'. — ín-abl. 
von fang. 

fengr 1 m. ‘beute, vorrat, wert’, nisl. 
fengur, fár. fongur, nnorw. feng. — 
afr. feng, ae. ahd. fang ‘fang, fassen’, 
daneben mit gramm. wechsel got. 
gafáh ‘fang’. — vgl. fá 1. 

— 2 m. Odinsname; mit hinsicht auf 
fengsamr und fangsœll deutet Falk 
NVA 1924 Nr 10, 8 das wort als 
‘beutereich, gedeihlich’; doch wohl 
eher ‘d die helden nach Walhalla 
fiihrt'. — vgl. fti 1. 

-—3 adj. in Zss. bráðfengr ‘schnell er- 
worben’, seinfengr ‘wer langsam erfolg 
hat'. — ae. andfenge 'annehmbar, ge- 
eignet’, mhd. venge ‘fangend, umfas- 
send'. — vgl. fá 1. 

Fenja f. ‘name einer riesin', auch ‘pfeil’. 
In der 2 bed. wáre zu vergleichen 
nschw. dial. fanor ‘grannen’ (A. Kock 
ANF 14, 1898, 262). Das trifft aber 
kaum zu fiir den riesinnennamen (etwa 
‘entfemerin der getreidehiilsen’ ?). Die 
schwer an der Grottímiihle arbeitende 
riesin erklárt Loewenthal WS. 9, 1926, 
189 als ‘die schweisstriefende’, vgl. gr. 
névo(iat 'arbeite schwer’, lett. penava 
‘pfiitze’. Eher wohl ein name allge- 
meinerer bedeutung, etwa ‘die ím 
moor wohnende' (A. Olrik, Danm. 
Helted. 1, 284), vgl. fen. Dagegen 
stellt Jóhannesson Wb 561 dieses wort 
zusammen mit fpn zu einer wzl. 
*pl, deren weiterbildung *pes in f<jnn 
vorliegen sollte (sehr fraglich). 

fenna 1 f. ‘pfeil' (þula), wohl ‘die ihr 
ziel findende'. — vgl. finna. 

— 2 schw. V. ‘zusammenwirbeln von 
schnee’ (< germ. *faznjan), nisl. 
nnorw. fenna. — vgl. fgnn. — Dazu 
fennl n. in Zs. wie harðfenni ‘fester 
schnee’, nýfenni 'neue schneewehe’. 

Fenrir m. 'name eines mythischen wolfes; 
riese’ (poet.). Die deutung ist unsicher. 
Von der voraussetzung ausgehend, 
dass die urspriingliche form Fen- 
risúlfr sein sollte, haben SNHagen 
MM 1910, 57-9 und A. Kock ANF 
42, 1926, 73 dieses wort als *Fen- 
hris-úlfr dh. ‘moorgestriippwolf’ 
gedeutet,|wáhrend F. Jónsson APhS 
9 . 1934. 3 °° fenrir aus *faniRiaR 
ableiten möchte und es auch mit 
fen verbindet. Gutenbrunners ver- 

f leich mit dem germ. Volksnamen 
anesii bei Plinius (ZfdA. 77, 
1940, 25-6) fiihrt nicht weiter. 
Fenaalr m. 'wohnung der göttin Frigg’. 



fer 


118 


fetill 


Das wort kann einfach ‘morastsaal’ 
bedeuten, aber ein sonderbarer name 
fiir das haus dieser göttin. 

fer- in Zss. wie ferskeptr ‘mit vier schaften 
gewoben’, ferskeyta ‘vierkant’, anorw. 
fier-, mschw. fiær aber aschw. fiœþr. 
Also fer- < *feðr, schwachtonige form 
des zahlworts (Noreen, Gramm. § 292). 

— vgl. fiórir. 

ferð f. ‘fahrt, reise’ (< germ. *farþi-), 
nisl. fár. ferð, nnorw. ferd, nschw. fdrd, 
nda. fesrd\ vgl. shetl. ferd(ek). — ae. 
fesrd, fierd, fyrd, afr. ferd, as. fard, mnl. 
vert, vart, vaert, ahd. fart ‘fahrt’, vgl. 
got. usfarþo ‘ausfahrt( ?)’. — /t-erw. 
zu fara. — Dazu ferðask schw. V. 

‘ziehen, reisen’.- ferði n. 'benehmen’ 

in Zss. wie framferði ‘lebensart’, 
kynferði ‘geschlecht, verwandtschaft’, 
vgl. mnd. geverde, mnl. geverde, 
gevaerde, ahd. giferti ‘fahrt, weg'. 

— ferðugr adj. ‘fertig, bereit’, 
aschw. fesrþogher, nschw. fdrdig, ndá. 
fesrdig; wenn nicht entlehnt aus, so 
doch in der bed. beeinflusst von mnd. 
vlrdich. 

fergir m. ‘veröder, unterjocher’ (poet.), 
vgl. nisl. fár. nnorw. fergja ‘zusammen- 
drucken’. — vgl. farga. 

ferili m. ‘reise, weg, richtung’, nisl. ferill, 
fár. feril, nnorw. ferel ‘spur’, nschw. 
dial. fdril 'fahrweg der kiiste entlang’, 
fardl 'beschwerde’. — vgl. fara. 

ferja 1 f. 'fáhre, fahrzeug’ (< germ. 
*farjön), nisl. norw. ferja, nschw. farja, 
ndá. fesrge. — > me. feri, ne. ferry 
(Björkman 184). — mhd. mnd. mnl. 
vere, fris. fere. — vgl. fara. 

— 2 schw. V. (prát. farði und ferjaði) 
‘ziehen, fahren', nisl. ferja ‘mit einer 
fáhre iiberzetzen’, nnorw. ferja, nschw. 
farja, ndá. fesrge ‘ubersetzen, befördem’. 

— > me. ferien, ne. ferry ‘iibersetzen’ 
(Björkman 184). — got. farjan, ae. as. 
ferian, afr. feria, mnl. veren, ahd. 
ferian, ferren. — vgl. fara. 

ferligr adj. ‘ungeheuer, abscheuhch’, 
nnorw. ferleg 'abscheulich’; daneben 
ferlikan, ferliki n. ‘monstrum, unge- 
heuer’. Gehört vielleicht zu germ. 
*fera- ‘entfemt, unbekannt, unerhört’, 
vgl. firn (s. Hesselman, Vástnord. 
Stud. 1, 1912, 43). — Das wort wird 
weniger wahrscheinhch auch mit der 
sippe von fdr 1 verbunden. 

ferma 1 f. ‘nahrung’ (poet.). — ae. feorm 
‘gastmahl, bewirtung’. 

— 2 schw. V. ‘beladen’, nisl. fár. nnorw. 
ferma. — vgl. farmr. 

— 3 schw. V. ‘konfirmieren’ (in chr. 
schr.), nisl. ferma. — < mnd. vermen 
oder < afri. fermia < lat. firmare. 


femir ‘je vier’, nisl. fernir. — vgl. fer- 
und fjórir. 

ferri vgl. fjarri und firr. 

ferskr adj. 'frisch’, nisl. ferskur, fár. 
feskur, nnorw. dá. fersk, nschw. farsk. 

— < mnd. versch ‘frisch’ (weil ziemlich 
junges lehnwort wohl nicht aus ae. 
fersc oder afri. fersk; s. Fischer 29). 

fertill m. BN., wohl demin. zu *fertr, das 
metathesis form von fretr 'furz’ sein 
kann (F. Jónsson ANO 1907, 323). 

festa 1 f. ‘burgschaft, verpfhchtung’, nisl. 
festa ‘festigkeit’. — vgl. fastr. 

— 2 schw. V. ‘festmachen, verloben, 
bestimmen’ (< germ. *fastian), nisl. 
fár. nnorw. festa, nschw. fasta, ndá. 
faste. — > shetl. fasti (Jakobsen 149); 
> schott. fasdaidh (Craigie ANF 10, 
1894, 158); > ne. dial. fest ‘binden, 
kniipfen’ (Thorson 60). — ae. fesstan, 
afr. festa, as. festian, mnl. vesten, ahd. 
festan. — vgl. fastr. 

festi 1 f. ‘geiz’, auch in Zss. fótafesti 
‘fussfeste’, handfesti ‘handfeste, ver- 
sicherung’. — anl. ahd. festi. — vgl. 
fastr. 

— 2 n. ‘band’ in Zss. skuldfesti ‘sklaverei 
wegen schuld’. — vgl. fastr. 

festr 1 f. ‘band, strick’, pl. festar ‘ver- 
lobung’ (< germ. *fastið), nisl. fáx. 
festi, aschw. fesst; nnorw. fest, fester 
'schiffstau, fangleine’. — > shetl. 
fast, fasti, festi ‘ankertau’, vgl. festa, 
festen ‘kesselhaken’; > IpN. fasste 

‘tau’ (aus urlp. *fastia < ura. *fastið, 
s. Nielsen, Mindeskr. S. Bugge 1908, 
227); > afrz. feste 'schiffstau' (K. 
Nyrup, ANO 1919, 27). — vgl. fastr. 

— 2 adj. in Zss. wie staðfestr ‘bestándig’. 

— part. prát. von festa 2. 

fet n. ‘schritt’ (< germ. *fatja-), nisl. fár. 
norw. fet, nschw. fjat, ndá. fjed. — 
lat. peda ‘fusspur’, gr. 7té8ov ‘boden’, 
ai. padá- ‘schritt, fusspur, platz', asl. 
podú 'boden', ht. pedd ‘fusspur’, mir. 
in-ed (< *eni-pedo) ‘fusspur, stelle', 
arm. het ‘spur'. — vgl. fetr, fit, fjQt 
und fótr. 

feta 1 st. V. in dem ausdruck feta leið 
'den weg finden’, nisl. feta, nschw. dial. 
fjata. — ae. gefetan, ahd. gifezzan ‘fallen’. 
Die wgerm. wörter gehen auf *fatjan 
zuriick, neben einem deverbativum 
*fatðn vgl. fata 2. — vgl. fet. 

— 2 schw. V. in Zs. þverfeta ‘zur seite 
gehen’, und part. praet. stórfetaðr ‘weit 
ausschreitend’. — vgl. fet. 

fetl m. 'axtblatt’ auch ‘pferd’, eig. ‘das 
ausschreitende’. — vgl. fet. 

fetlll m. 'fessel, schulterband’ (< germ. 
*fatilaz), nisl. fetill, fár. fetil, nnorw. 
fetel, nschw. dial. fatel. — > orkn. 
fettle, shetl. fettel ‘band, achselband'; 



fetr 


119 


Fíli 


> lpS. fattel 'schulterband' (Qvigstad 
147). — ae. fetel, fetels ‘gurtel’, mnd. 
vetel 'band, nestel, fessel’, mnl. vetel 
‘fessel’, ahd. fezzil ‘fessel, band’; mhd. 
vezzel ‘schulterriemen, leibgiirtel'. — 
vgl. fat, fatla und fjgturr. — Dazu 
fetla schw. V. ‘das schulterband am 
schwert befestigen’, run. schw. fat- 
laþR (Rök c. 800), nnorw. fetla. —mnd. 
vetelen, mhd. vezzelen ‘fesseln’. 
fetr adj. in Zs. stórfetr ‘der lange schritte 
macht’. — vgl. fet. 

fexa schw. V. 'mit máhne versehen' 
(poet.), nisl. fexa. — vgl. fax. 
feyja schw. V. verfaulen lassen’, nisl. 

feyja, feygja. — vgl. fúi. 
feykja schw. V. ‘fortblasen, schnell 
fahren’, nisl. feykja, fár foykja, nnorw. 
feykja. — Kaus. zu fjúka. 
feyra f. ‘inneres, poröses zellgewebe im 
knochen’ (norw. NL) vgl. nnorw. 
feyra ‘ds’. — vgl. fauskr. 
fiðla f. ‘fiedel’, nisl. fiöla, nnorw. schw. 
dial. fela, ndá. dial. fiddel, feddel. — 
<ae, fiðele (Fischer 47) oder < mnd. 
vid(d)ele (Höfler ANF 47, 1931, 287). 
Das germ. wort vielleicbt aus mlat. 
vitula (hieraus ital. viola, frz. viole). 
fiðr m. vgl. finnr. 

fiðri n. ‘gefieder’ (< germ. *gafiðria-), 
nisl. fiður 'gefieder, daunfeder’, vgl. 
nnorw. fér ‘feines aber wenig dichtes 
haar oder gras’. — ae. fiðre ‘flugel’, 
mnl. gevedere, ahd. gifidiri ‘gefieder’. 

— vgl. fjgðr. 

fífa f. ‘wollgras, eriophorum, leontodon', 
auch ‘pfeil’ (poet.) und schiffsname; nisl. 
fifill ‘eriopborum', nnorw. fivel ‘leon- 
todon’, nschw. fibla ‘amica montana', 
vgi. fib ‘weiche kurze haare’. — vgl. 
fífl und fifill. 

fífill m. ‘löwenzahn’ besonders in Zs. 
fífilbleikr ‘leichtgelb’ (von pferden), 
nisl. fifill ‘taraxatum officinale’, nnorw. 
fivel ‘eriophorum’, schw. dial. smörfibla: 
vgl. orkn. feeblo ‘matricaria inodorata’ 
(Marwick 40). — Falls aus einer álteren 
_ form *fimfill zu fifl. 
fífl n. ‘narr, tölpel’ (< umord. *fimfla-), 
nisl. fifl, fár. fivil. —Dazufiflaf. ‘nárrin’ 
und schw. V. ‘sich nárrisch benehmen, 
verfiihren’, nnorw. fivla ‘sich paaren’. 

— > orkn. feefle ‘ungeschickt arbeiten’, 
shetl. fifel ‘töricht handeln’, filsket 
(< *fiflskóttr) ‘toll, ausgelassen’. — 
ae. fifel ‘ungetiim, riese' (vgl. Fifeldor = 
an. Ægisdyr ‘name fiir den Eidermund', 
eig. ‘schreckenerregender meerbusen’ 
(s. aber auch Magoun, NB 28, 1940, 
94-114), fris. wassemamen Fivel, Fimbel 
(s. Schönfeld, Ned. watemamen 1955, 
261). Dazu wohl auch as. fimba, mnl. 
mnd. vimme ‘haufen’. — möglich idg. 


wzl. *pemp oder *pamp ‘schwellen’, 
vgl. lat. pampinus 'weinranke’, gr. 
7 có(j.<po? ‘brandblase’, asl. pupú 'nabel’, 
lit. pampstú, pampti ‘aufschwellen’, 
pamplys ‘dickbauch’.lett. pámpt, pernpt, 
pumpt ‘schwellen’ (IEW 94-5). — vgl. 
fambi, fifa, fifill und fimbul-. 
Neben der idg. wzl. *pemp(h) hat 
es auch *bhembh gegeben; diese 
letzte liegt in bimbull vor (s. 
Jóbannesson Wb. 584). 

fífla 1 schw. V. vgl. fifl. 

— 2 schw. V. ‘mit den fingem beriihren'. 

— vgl. fipia. 

fifrildi n. ‘schmetterling’ (< umord. 
*fifildri), fár. firvaldur, nnorw. fivrelde, 
fevœldre, fivel, nschw. dial. feffel. -— ae. 
fifealde, as. fifoldara, mnl. viveltere, ahd. 
fifaltra. — Mannigfach volksetymol. 
umgebildete wörter, die zu einem redu- 
hzierten stamm wie lat. papilio ge- 
ören (IEW 801). 

Nisi. fiðrildi (< *fiðildri) gehört 
wie aschw. ficeprild, nschw. fjaril 
(vgl. auch aschw. fiœdhal) zu der- 
selben wzl. s. Wessén, APhS 1, 
1926, 193 - 5 - 

figúra í. ‘gestalt, poetisches bild’ (spát 
bezeugt’) < lat. figura. 

fíka, fíkja f. ‘feige’, nisl. fikja, fár. 
aschw. fika, nschw. fikon, ndá. figen. 

— < mnd. pl. vigen oder as. ahd. figa 
< lat. ficus ‘feige, feigenbaum’. 

fíkinn adj. ‘begierig’ (poet.), nisl. fikinn 
‘ds’, nnorw. fiken ‘Iebendig, froh’, 
nschw. fiken, ndá. (ny-) figen ‘neugierig’. 
— Zu fíkjast schw. V. ‘begehren, 
nisl. fikjast 'ds'. nnorw. fika, 'streben, 
eilen', aschw. fikia 'eifrig streben', 
nschw. fika ‘verlangen’, ndá. fige ‘eilen, 
streben’. — > me. fiken, ne. dial. feak, 
fike ‘nervöse bewegungen machen’ 
(Björkman 145). — ae. föcian, feecan 
‘streben’. — Zu fíkradj. ‘gierig’ (poet.), 
dazu *dpl. fikjum ‘besonders’, fikula 
adv. ‘ds'. — vgl. auch fipla. 

fila f. ‘brett, diele’, nisl. fila ‘diinne sattel- 
decke, ungewalkte woÚe’. — vgl. fjgi 1. 
Nach A. Torp MM. 1914, 90-91 der 
form nach dasselbe wie nnorw. file 
m. ’sahne', schw. dial. fil m.n. 
‘sahne, saure milch’, das er aus 
*felha oder *filhia ableitet und 
somit zu einer ursprunglichen bed. 
‘diinne decke’ gelangt, vgl. fela. 
Wahrscheinlich ist hier von zwei 
homonymen die rede und darf an. 
fila und nisl. fila nicht gleich- 
gesetzt werden. 

Fíll m. ‘zwergenname’, nach Gould 
PMLA 44, 1929, 446 eig. ‘feile’, vgi. 
dazu den Namen Heptifili, den Gering 
Komm. I, 16 als ‘der durch feilen scháf- 



Fflir 


120 


finnr 


te gláttet’ zu deutea versucht. Weil 
aber das an. wort fur ‘feile’ þél lautet, 
muss fili aus fr. oder nd. fiU entlehnt 
sein. Mit hinsicht aber auf fil ist diese 
annahme nicht nötig, weil man* als 
grundform *finhlja- ansetzen könnte. 
—- Holthausen Wb. 61 setzt zweifelnd 
*filhja als grundform an, also ‘der den 
skaldenmet versteckende zwerg’ ? — 
vgl. fela. 

Fílir mpl. auch Fjalir ‘die bewohner von 
Fjalafylki’. 

m m. 'elephant’, nisl. fill, aschw. fil; 
vgl. fár. filabein neben an. fil(s)bein 
‘elfenbein’. — Wohl iiber bulg. serb. 
fildii ‘elfenbein’ < pers. tiirk. fil 
(Fischer 44). 

filla f. ‘haut, fell', nur in Zss. hausfilla, 
hnakkafilla, kinnfilla, vangafilla', vgl. 
auch filling n. ‘haut von jungen ziegen’; 
(< germ. felliön), nisí. filla ‘haut’, 
nnorw. filla ‘felldecke, haut’, fár. filla, 
fitla ‘vogelhaut', nschw. dial. filla 
‘feUdecke, lappen’, ndá. fille ‘lumpen, 
lappen’. — vgl. fjall 2. 

fima schw. V. fimast ‘sich eilen’, vgl. 
norw. dial. fima seg ‘sich eilen’, fimra, 
fimla ‘umh rtappen', dá. fimre ‘sich 
hastig bewegen’; vgl. mnd. fimmeren, 
fimmelen 'umhertappen’. — vgl. fimr. 

Fiimafengr m. ‘name fur Ægirs diener’, 
wohl 'schnell im herbeischaffen des 
notwendigen’, vgi. fimi und fengr. 

fimbul- in Zss. wie fimbulfambi ‘tor, 
narr’, fimbulljóð 'zauberlied’, fimbultýr 
‘máchtiger gott’, fimbulvetr ‘harter 
winter vor dem weltende’, fimbulþulr 
‘grosser zauberer’; nisl. fimbul- ‘gross, 
gewaltig’. — vgl. fifl. 

fimi f. in Zss. málfimi, orðfimi ‘redege- 
wandtheit’, vélfimi ‘Hst’.—vgl. fimr. 

fim(m) ‘funf’ (die íorm fim wohl aus 
fimti oder fimtán losgelöst s. Schulze, 
Kl. Schr. 536); nisl. fár. fimm, nnorw. 
schw. dá. fem. — got. fimf. ae. afr. as. 
fif, mnl. vijf, ahd. fimf, finf. — lat. 
quinque, osk. umbr. pumfi-, gr. jrévrc, 
áol. irépire, ai. paitca, asl. fi(ti (< *fienkti ), 
lit. fienki, gall. fiempe-, air. cöic (fur 
*ciic vgl. Venaryes, Fschr. Meillet 
1902, 120-121), arm. hing, alb. fiesi, 
toch A. fiaH, B. fiiS. — flmt f. 'fiinf- 
zahl’ (< um. *fimfti), nisl. fimt. — ai. 
fiaflkti- ‘fiinfzig', asl. fi(ti ‘fiinf’. — 
flmt&n ‘fiinfzehn’, nisl. fimtán, fár. 
fimtan, nschw. femton, ndá. femten. — 
got. fimftaihun, ■ ae. fifteon, ftftýne, 
mnd. vifteine, mnl. vijftien, vichtien, 
ahd. finfzehan. — Grandform *fimfte- 
hun; vgl. tiu (fiir die form -tán s. A. 
Kock, ANF 9, 1893, 137-42). — fimti 
‘fiinfter’ (statt *fifti nach anal. von 
fimm), nisL fár. fimti, nschw. dá. femte. 


— got. fimfta, ae. afr. fifta, as. fifto, 
mnl. vijfte, vichte, vijfde, ahd. fimfto. — 
lat. quintus, gr. népjrroc, ai. fiancatha-, 
asl. fi(ti, lit. fienktas. 

fimr adj. 'gewandt, behende’, nisl. fár. 
fimur, nnorw. dá. fim ‘rasch, flink’, 
schw. dial. femmer ‘flink, schnell’, ndá. 
dial. fimmer ‘vielbescháftigt’. — > 
shetl. fimis ‘hast’ (Jakobsen 157); 
> ne. dial. femmer 'schwácbUch, 
weibisch’ (Thorson 26). — awgerm. 
Fimmilene ‘Name einer Göttin’, afránk. 
fimich 'gewandt, gelemt’ (Malb. GI. 
vgl. v. Helten PBB 25, 1900, 298), 
mnd. vimelen, vimeren 'herumtasten, 
auch fammelen. — air. Bim, ém (< *fiei- 
mi-) ‘schneU’ (Iidén SSUF1894,62 und 
BB 2r, 1895, 95). — vgl. fima. 

fingr m. spáter n. (weil nom. akk. sg. 
gleichlautend waren, s. Sturtevant, 
Fschr. Flom 1942, 52) ‘finger’, nisl. fár. 
fingur, nnorw. schw. dá. finger. — 
got. figgrs, ae. afr. finger, as. ahd. 
fingar. — wohl aus idg. *fienkV-res 
(S. Bugge BB 14, 1889, 79 und Peder- 
sen KZ 32, 1893, 272) und also wie 
ae fýst, afr. fest, as. ahd. fúst, mnl. 
vuust, vuyst ‘faust’ (< idg. *finkV-sli, 
wiewohl diese erklárung unsicher ist) 
zum zahlwort fimm (s. weiter Feist, 
Got. Wb. 150). 

fínn adj. ‘fein, eben, blank’, nnorw. schw. 
dá. fin. ■ — < mnd. fin ‘fein’ < afrz. fin 
zu lat. finis, also eig. ‘voUendet’. 

finna st. V. ‘finden, besuchen; wahr- 
nehmen’ (< urgerm. *finþan), nisl. 
fár. norw. schw. finna, ndá. finde. — 
got. finþan, ae. as. ahd. findan, afr. 
finda; vgl. auch ae. fiðan und abl. 
ae. fundian, as. fundðn, ahd. funden 
‘eilen' (dazu skand. ON. wie norw. 
fluss Funda, schw. see Funningen s. 
Janzén NB 23, 1935, 4-5). — lat. fions 
‘briicke’, gr. ttóvto? ‘meer’, 7tároc 'pfad, 
tritt’, ai. fiánthds ‘pfad’, fiathyS 'weg’, 
asl. fiqti ‘weg’, apr. fiintis ‘weg’, arm. 
hun ‘furt’ (IEW 809) — vgl. fantr, 
fenna x, finnr, fundr, fundra, 
fúss und fyndr. 

flnng&lkn, -g&lpn ‘zauberwesen, ken- 
taur’, nach S. Bugge ANO 1895, I2 4 ' 3 8 
eig. finngálkan Zs von finn < lat. sphinx 
und gálkn; aber jiingere umdeutung 
aus einem schon vorherbestehenden 
finngálkn 'finnisches zauberwesen’. 

finnr 1 m. ‘finne, lappe', auch zwergen- 
name’ (fur die bed. troll vgl. Koht MM 
1923, 161-75); nisl. finnur, nnorw. finn, 
nschw. finne. — Bei klassischen auto- 
ren: ®íwoi (Fholemaios), Fenni (Taci- 
tus), vgl. Finnaithes (Jordanes), s. 
Scþönfeld 88. — Runische formen: 
schw. fino ‘frauenname' (Berga c. 



finnskref 


121 


fiskr 


500, Krause nr. 72), finhithi (= finn- 
hédhi, Forsheda c. 1025, v. Friesen 
NSFF 8, 5). 

Die erklarung des namens ist un- 
sicher; man muss offenbar von 
dem volksnamen ausgehen, den 
G. Schutte MM 1924, 192-9 nicht 
zu deuten weiss; die verbindung 
mit finna fuhrt zu der bed. ‘die 
sammler, nomaden’ (Karsten GFL 
230 und SNF 9, 1918, Nr 3, 1-6), 
was reichlich modem anmutet. 
Andere forscher gehen von einer 
bodenbezeichnung aus, und zwar 
wie nhd. Finne 'bergname’ zu kelt. 
*penn- ‘höhe, gipfel’ (zweifelnd 
Lindroth NB 5, 1917, 45-50) oder 
kelt *hjfennu wie air. cenn, kymr. 
pen nahelegt (Zachrisson, Fschr. 
A. Kock 1929). 

—- 2 háufig als PN verwendet, vgl. Finnr, 
aschw. dá. Fin (> ae. Finn) und f. Finna; 
als 1. glied in Finnbogi, Finngarðr, 
Finngeirr, Finnkell, Finnviðr (urspr. 
schw. namen, s. A. Janzén NK 7, 1947, 
131); als 2. glied inArnfinnr, Dagfinnr, 
Dolgfinnr, Geirfinnr, Þorfinnr. Aber 
auch im wgerm. wie afr. Finn, ae. 
Dœgfin, Merefin, fránk. Fingast, Finn- 
old (Naumann 86). 

flnnskref, -skreppr, ‘lappische pelz- 
waren’, eig. ‘eingeschrumpfte, getrock- 
nete waren’, Zs. von finnr und skrep- 
pa. 

flpla schw. V. ‘mit den fingem beriih- 
ren’, nisl. fipla, nnorw. fxpla, fippa, 
nschw. dial. fippla; vgl. nnorw. fipp 
‘spitze’, ndá. fip ‘zipfel’, nschw. dial. 
fibb ‘schwanz'. — nd. fipperen ‘mit 
kleinen schritten gehen’, fxpsen ‘coire', 
ostfr. fipsen ‘schnelle bewegungen 
machen’, nhd. dial. fippen ‘hin- und 
hergehen'. — Daneben mit affektiven 
wechselformen: nschw. dial. fikla, ndá. 
fikle ‘pfuschen, hudeln’, vgl. auch 
fikjast und fitla. — Dazu flpr 
mBN (s. F. Jónsson ANO 1907, 323). 

flrar m. pl. ‘mánner, volk' (< umord. 
*firwiaR < germ. *ferhwiðe). — lat. 
germ. Alaferhviae 'matronenname’, ae. 
firas ‘mánner', as. firihos, ahd. firihi 
‘ volk’, mid firahun ‘unterdenmenschen’ 
fireo gpl. ‘der mánner’. — Das wort 
bedeutet eig. ‘die mit leben begabten 
wesen' vgl. fjgr und fyrðar (auch 
firðar geschrieben). 

-Qri n. in Zss. útfirl ‘bei ebbe trockenes, 
sich weit ins meer ausdehnendes land’ 
und grfiri ‘watt’ (< um. *ferwia). — 

fi ara t- 

ilrin- in Zss. wie firinillr ‘sehr böse’, 
firinverk ‘böse tat’; vgl. nisl. firinvilla 
'grosser fehler’, aschw. fimarvarh ‘böse 


tat’. — ae. firenweorc, as. firinwerc 
‘gewalttat, verbrechen’. 1 — vgl. firn. 
flrir s. fyrir. 

flrn n. ‘etwas ausserordentliches; frevel, 
wunder’ (< germ. *ferinu~), nisl. firn 
‘wunder, ausserordentliches’, fár. fi(r)n- 
dar- ‘ausserordentlich’. — got. fairina 
‘schuld’, ae. firen, afr. firne, ferne, as. 
ahd. firina ‘verbrechen' (fiir die be- 
deutungsnuanzierung s. Weisweiler IF 
41, 1923, 29-46). — Dazu flrna schw. 
V. ‘beschuldigen, tadeln’, nisl. firna 
‘sich verwundem’, fár. firnast ‘schúch- 
tem sein’, nnorw. firnast ‘sich ver- 
wundem’. — got. fairinon ‘tadeln’, 

ае. firenian, ahd. firinðn ‘súndigen’. — 
vgl. firin. 

Die etymologie ist unsicher. Viel- 
leicht zu fjarri, also ‘etwas 
weitabliegendes, vereinzeltes’ ? 
(reichlich abstrakt). Oder zu fer- 
ligr ? Dagegen vermutet IÉW 
10 in *fer-ina eine idg. wzl. *ax 
‘treiben, kránken', wie in gr. odvóc 
‘schreckhch’. Holthausen Wb. 62 
vergleicht toch. A pare, B-peri 
‘schuld’. (s. weiter Feist, Got. wb. 
140). 

firr adv. komp. ‘weiter, femer'. — Dazu 
firra schw. V. ‘entfemen, trennen’, nisl. 
fár. norw. firra; vgl. shetl. firdet ‘ver- 
loren, verschwunden'. — ae. afierran 
neben fiersian, afr. fira, as. .firrian, 
mnl. verren, ahd. firren ‘entferoen’. — 
vgl. fjarðr und fjarri. 

•firzkr adj. ‘zu einem fjord gehörend’ 
(< ált. firðskr), z.B. austfirzkr, breið- 
firzkr. — vgl. fjgrðr. 
fisa st. V. ‘furzen’, nisi. fár. fisa, nnorw. 
schw. fisa, ndá. fise. — vgl. orkn. fiss 
‘staubregen’, shetl. fis .'tröpfeln’. — 
mhd. vxsen ‘furzen’, mnl. vesen ‘fltistem' 
vgl. mnd. mhd. vxst, mnl. veest, ae. 
fisting ‘furz’ — asl. piStq, piskati 
'pfeifen’, vgl. ai. picchörd ‘flöte’, lat. 
spxrare ‘pusten, blasen' (IEW 796). 
fisuer BN (nur Bisk. s.); vielíeicht < frz. 
fusilier ? ‘schútze’ oder etwa ‘feuer- 
werkskúnstler’ ? (F. Jónsson ANO 1907, 
269). Oder wie nisl. fisari ‘der háufig 
furzt’. Vgl. aber auch mnl. viselaer 
‘macher von hebewinden’. 
flskr m. ‘fisch', mn. norw. fiskR (Eggjum 

с. 700, Krause Nr. 54); nisl. fár. fxskur, 
aschw. fisker, nnorw. schw. dá. fisk. — 

> shetl. fusk ‘tabuwort und spottname’ 
(Jakobsen 195) und fiska- in Zss.; 

> air. piscarcarla ‘fischer'; > kymr. 
ON. Fishguard (Charles, ON rel. with 
Wales 1934 , I39)-—got. fisks, ae. fisc, 
as. afr. ahd. fisk. — lat. pxscis, daneben 
abl. air. iasc (< *peisko-), mss. piskarú 
‘grúndling’; — fiska schw. V. ‘nschen’. 



fit 


122 


Fjalarr 


vgl. got. as. ahd. fiskðn, afr. fiskia, ae. 
fiscian. — flskarl m. 'fischer’ < as. 
fiskari. 

flt 1 f. ‘schwimmhaut der vögel; arm, 
hand; briinne (poet.)’ (< germ. *fitjð 
< idg. *pedia) nisl. fár. fit ‘schwimm- 
haut', nnorw. dial. fit ‘fuss einer tier- 
haut; gam, fitze'. — > lpN. fihlío 
‘schwimmfuss der robben’ (aus umord. 
*fitjð, s. Nielsen, Mindeskr. S. Bugge 
1908, 227). — ae. fitt ‘abschnitt, ge- 
sang', as. vittea ‘abschnitt, text’, ahd. 
fizza 'fitze, gebinde, fadenende’. — 
vgl. fat, fitja und fitjungr. 

Bugge, BB 3, 1879, 116 hat das 
wort zu gr. 7ieta (< *pedja) 
‘fuss; rand. saum’, lat. oppidum 
‘schfanke, landstadt', ai. padya 
‘auf den fuss beziiglich’ gestellt, 
also zu fótr und fet (so auch IEW 
791). — Zwar gehört oppidum 
hierher, aber auch impedimentum 
‘hindemis’, impedimenta ‘gepáck’, 
pedica ‘schlinge, fessel’, gr. 7té87rj 
‘fessel'. Die eig. bed. ‘gewinde, 
gam, fitze' weisen auf eine urspr. 
bed. ‘weben, flechten’ hin und 
das wort gehört also eher zur sippe 
von fat (s. J. Trier, ZfdPh^o, 1949, 
354 )- 

— 2 f. ‘feuchte wiese', nisl. fár. norw. 
schw. fit ‘wiese’, ndá. fed, fid n. 'lang- 
gestreckte niedrige landzunge’. — 

> shetl. fid, fitj 'wiese’ (Jakobsen 160); 

> ne. dial. fitty 'marschland an der 
kiiste’ (Björkman 184). — ostfr. fit 
‘pfuhl, wasserpfiitze’. 

Man stellt das wort gewöhnlich zu 
gr. TciSa^ ‘quelle’, rtiao? ( <*pidsos) 
‘feuchte stelle in einer wiese’, air. 
iatk (< *peito) ‘wiese’ und dann 
zu feitr. Das stimmt aber nicht 
zu der auch bezeugten bed. 'un- 
fruchtbare sandgegend, einem 
wasserlauf entlang', weshalb M. 
Kristensen NB 16, 1928, 113 an 
zusammenhang mit gr. tceSíov 
‘ ebene’ denken möchte. 

fita f. ‘fett', nisl. fita, fár. fiti, aschw. 
fite ‘fett, fettigkeit’. — vgl. feitr. 

fitja schw. V. ‘zusammenbinden’, nisl. 
fár. fitja, shetl. fitj ‘ds'; vgl. norw. dial. 
fit, fitja, fete ‘fadenbiindel’, aschw. fiti, 
nschw. dial. fitja ‘biindel’, ndá. fed 
‘fitze, fadenbiindel’. — ne. fit, mnl. 
vitten, ‘passen, fiigen’, ahd. fizzðn ‘um- 
geben’. — vgl. fit.i. 

fitjungr m. nur in dem ausdruck fitjungs 
synir (Hm 78) fiir ‘bauem’, nisl. 
fitjungur ‘reicher mann’. 

Nach M. Olsen, Stedsnavnestudier 
1912, Ó3ff eig. ‘angehöriger eines 
geschlechtes’ in Fitjar (in Norwe- 


gen sehr verbreiteter ON) und 
dann zu fit 2; es soll sich also auf 
gute, fette weiden beziehen (s. 
auch I. Lindquist, Die Urgestalt 
der Hávamál 211). Wahrschein- 
licher mit Falk MM 1917, 54-55 
zu anorw< fitjung 'schuh aus einer 
haut gemacht’, vgl. nnorw. dial. 
fetling, feta(-sko), fár. fitingsskóg- 
vur, das zu fit 1 gehört (also all- 
gemeine bezeichnung des bauern- 
standes). Oder vielmehr mit hin- 
weis auf den ritus der schuh- 
steigung eig. ‘adoptivsohn’, s. 
A. Erler, Zs. Savigny-Stiftung 64 
(1944) Germ. Abt. 93. 
fitla schw. V. ‘mit den fingem spielen’, 
nisl. fitla 'ds’, nnorw. fitla ‘pfuschen’, 
nschw. dial. fitla, fittla, fessla 'saum- 
seUg sein’; vgl. shetl. fit(e)l ‘kleine 
schritte machen' (Jakobsen 161). — 
nd. fitten ‘hinstreichen’, nnl. vitten 
‘bekritteln’, nhd. fitzen ‘zupfen’, 'fitzeln 
‘kitzeln’, mnl. vitselen ‘hin- und her- 
bewegen’, nnl. futselen ‘mit den fingem 
spielen’. 

Unter annahme einer grandform 
*fetilðn kann es zu fata 2 gehören, 
das auch ‘pfuschen’ bedeutet (v. 
Friesen, UUÁ 1924 Nr 4, 154. zu 
feta). — Es steht aber gewiss 
als spielerische wechselform neben 
fipla, wozu weiter auch wohi 
fifla und fíkjast zu rechnen sein. 
fitna schw. V. ‘fett werden’, nisl. fár. 
norw. fitna, ascbw. fitna, fitma. nschw. 
dial. fetna. — vgl. feitr. 
fltonsandi 'wahrsagender geist’, nisl. 
fitonsandi ‘hexerei, berserkerwut’. — 
< mlat. phiton ‘zauberer’ < gr. 7 ni 0 <ov 
‘wabrsagender geist’. 
fitttUl m. BN. Falls < *fintill kann es 
zu ae. finta ‘schwanz' gehören, vgl. lat. 
pendere ‘hangen' (Holthausen PBB 66, 
1942,270). Odermit intensiv-verdoppe- 
lung des t zu fitla, also ‘der pfuscher'. 
fjá schw. V. 'hassen’ (< germ. *fijin); 
fár. figgja. — got. fijan, ae. flon, fiogan, 
ahd. fUn, fijen. — ai. piyati ‘schmábt, 
verhöhnt’. — vgl. fjándi und fjón 1. 
-fjaðr in Zs. hgsfjaór 'graubefedert’, vgl. 
fjgðr. 

fjáðr adj. ‘mit giitem versehen'. — vgl. fé. 
fjalabrú f. ‘bohlenbriicke’. — vgl. fjgl 1. 
Fjalarr m. ‘name eines hahns, riesen und 
zwerges’. Als name fiirden riesen Sutt- 
ungr kann er bedeuten ‘der den skalden- 
met verbirgt’, also zu fela und vgl. 
Fjglnir (A. Noreen, Fschr. Bugge 
1892, 198; Kahle IF 14, 1903, 143-4). 
Als name des hahns gibt das 
keinen sinn. Mullenhoff DA. 5, 
134 vergleicht nnorw. fjela ‘spá- 



fjalfr 


123 


fjarri 


hen’, aber das an. fela kennt diese 
bedeutung nicht. Verwandtschaft 
mit fj qI i (Gould PMLA 44, 1929, 
946) ist höchst unwahrscheinlich. 
(Fiir die bed. niianzierung s. Sturte- 
vant, PMLA 66, 1951, 288-290). 

fjalfr m. wenn das nur bei Þjóðólfr ór 
Hvíni (in Haustl<?ng str. x8) in der 
kenning fjalfrs ólágra gjalfra bolmr auf- 
tretende wort nicht, wie gewöbnlich 
angenommen, ‘höhle’, sondem, was 
wahrscbeinlicher ist, 'wasser’ bedeutet, 
gehört es zu lat. palus ‘sumpf’ und ai. 
palvalam ‘pfiitze' (s. A. Jóhannesson, 
Fschr. E. Amórsson 1940, 1-8 und KZ 
67, 1942, 221, aber auch Trier, Lehm 
I 95 L 27 )- 

fjalgr adj. in Zss. glóðfjalgr ‘glutwarm’, 
innfjalgr 'eindringlich’ (poet.); fár. 
fjalgur 'warm', nnorw. fjelg ‘warm, 
behaglich’, eig. 'vonderaschezugedeckt’ 
und also zu fela gehörend (K. Vemer 
KZ 23, 1877, 100 und E. Wadstein 
ANO 1891, 376). In dem worte inn- 
ffalgr kann es sogar unmittelbar aus 
der grundbedeutung ‘verbergen’ erklárt 
werden (E. A. Kock ANF38,1922, 283). 

fjall 1 n. ‘fels, berg’, daneben auch feíl 
(< germ. *felza~), nisl. fár. ffall, nnorw. 
ffell, nschw. fjall, ndá. fjeld. — > ne. 
fell ‘klippe’, me. fell ‘hiigel, berg’ 
(Björkman 170); > schott. fell ‘berg’ 
(FÍom. Infl. 40); > manx -fel(l) in ON 
(Marstrander NTS 6, 1932, 272). — as. 
felis, mnl. vels, ahd. felis, felisa (> frz. 
falaise). — air. all (< *plso) ‘klippe, 
stein’, gall. Alesia ON (Vendryes RC 
38, 184). Vielleicht aus einem voridg. 
worte pala ‘berg’ (Dauzat, la toponymie 
fran^aise 76); falls idg. weiter zu gr. 
réXXa 'stein’, ai. pásya, pásána 'stein' 
(zur idg. wzl. *(s)p(h)el- nach Johansson 
KZ 30, 1890, 420; s. aber IEW 807). — 
v gb fÍQllótr. 

— 2 n. oder fell ‘haut, fell' (< germ. 
*fella-), nisl. fell, nschw. fjáll. — ae. afr. 
fell, as. ahd. fel ‘haut’, vgl. got. þruts-fitl 
‘aussatz’. — lat. pellis ‘haut’, pellinus 
‘ledern', gr. nikau; ‘haut’, néXpa ‘fuss- 
sohle’, asl. pelená ‘windel’, lit. pléné 
‘haut’ (IEW 803). — vgl. feldr, filla, 
fjalla 2 und fela, fQl. 

fjalla 1 adv. 'weit entfemt’ < fjarla, 
vgl. fjarri. 

— 2 schw. V. ‘schmiicken’, nisl. fjalla ‘be- 
kleiden’, nnorw. fjalla, fjadda ‘schmiik- 
ken’. —vgl. fjall 2. — Dazu fjallaðr in 
Zs. ‘ gullfjallaör ‘mit goldplatten ver- 
ziert', vgl. ae. goldfell, ahd. fedelgolt 
‘brakteat’, selbst entl. < gr. 7iéraXov 
‘goldblech’ (s. Falk NVA 1919, 3of). 

fjalmsfullr adj. vgl. felmsfullr. 

fjandi m. ‘feind; teufel’ (die 2. bed. nach 


ae. feond), nisl. fjándi, fár. fiandi, fig- 
gindi, nnorw. schw. fiende, ndá. fjende; 
vgl. mit angehángtem artikel fjándinn, 
fár. fjendin, nnorw. dial. fenden, aschw. 
fœndin, ndá. fanden 'der teufel’. — 
> lpS. fiand (Qvigstad 149); > 

mnd. fennes (Lasch, Aus alten nieder- 
deutschen Stadtbiichem 1925, 122). — 
got. fijands, ae. feond, afr. fiand, fiund, 
as. fiond, fiund, mnl. viant, vient, nnl. 
vijand, ahd. fiant, fijand. — vgl. fjá. 
fjar adv. ‘fem’, statt *fer unter einfluss 
von adj. comp. fjarri (Sturtevant SSN 
11, 1931, 181). — ae. feor. 
fjara f. 'ebbe; der mit ebbe trockenfal- 
lende strand’ (< germ. *ferwðn, fiir 
die unumgelautete- form statt *fjorva, 
s. Noreen, Gramm. § 84); nisl. fjara, 
fár. fjara, fjera, nnorw. fjera, nschw. 
dial. fjöra, fjára, ndá. fjeere. — > 
lpN. fjervva 'ebbe, strand’ (wohl < 
an. *fjorva, s. Qvigstad 151). — 

Deutung unsicher; nach Sahlgren 
NB 27, 1939, 163 ‘stelle bei einem 
wasser, die durchwatbar ist’ (also zu 
fara) ; einleuchtender als die verbin- 
dung mit fjarri und dann eigentlich 
‘das zuriicktreten des wassers’. — Dazu 
gehören auch der bei Jordanes er- 
wáhnte VN Fervir und den schw. land- 
schaftsnamen Fjáre (s. Láffler FV 2, 
1907, 107 und A. Noreen FV 15, 1920, 
43). — Davon abgeleitet schw. V. 
fjara ‘ebben; aufs trockne setzen’. — 
vgl. -firi, FjQrsungr 2 und fyrva. 
fjarðr part. ‘entfemt’ (poet.), zu einem 
nicht belegten zw. *fjarra. — vgl. 
firra. 

fjarg n. nur ais pl. fjQrg ‘götter’ (Ls. 19) 
iiberliefert und inZss fjarghús ‘tempel’ ? 
(Akv. 42), fjargvefr (=guðvefr) ‘feiner 
kleidungsstoff’. — vgl.' fjgr. 
fjarrafleinn m. ’strolch’ (nur Alv. 5), 
anorw. firrafleinn, nnorw. faraflein; 
'eig. der weit niederfallende pfeil’; 
fjarra ist g. sg. von adj. fjarri, das durch 
assoziation mit fjar aus *firri < *feri- 
Ré entstanden ist (s. Sturtevant SSN 
11, 1931, 181). 

fjarri adv., álter ferri ‘fem’; nisl. fár. 
fjarri, nnorw. fjerr, nschw. fjár, ádá. 
fjcsr. — got. fairra, ae. feorr, afr. fer, 
as. ferr, ferro, ahd. ferro; daneben got. 
fairneis, ahd. firni 'alt’. — lat. peregre 
‘in der fremde’, osk. perum ‘ohne’, 
gr. 7 tépá ‘weiter’, Ttépav ‘jenseits’, ai. 
para- ‘entfemt’, pára ‘weiterhin’, toch. 
A pre 'ausserhalb’, air. ire (< *perjos) 
‘weiter’, arm. héri ‘entfemt’. — vgl. 
firn, firr, fjar, fjQrð und forn. 
Die idg. wzl. *per (IEW 810-818), 
hat im skand. die folgenden neben- 
formen und weiterbildungen: 



fjatan 


124 


fjgör 


*pr vgl. for- 
*promo ,, fram 
*pro}fO „ freyr 

*P*n .. ty* 

*pores „ frest. 

Auffallend ist die áhnliche grund- 
form in finn. perá ‘das letzte’, 
ostj. pir, wotj. ber ‘hinterraum’ (s. 
CoÚinder. UIJÁ 1934, 68). 
fjatan in BN fjatansmunnr ‘der mit dem 
munde -pfeift’. — < air. fetán 'das 
pfeifen’ ? 

fjon 1 f. ‘feindschaft, hass', fár. fjón. — 
vgl. fjá. 

— 2 n. ‘Fiinen’, ndá. Fyen, vgl. lat. 
Feonia, Fiunia. 

Deutung unsicher. Unter vergleich 
mif nnorw. fjon, fjun nf. ‘stáub- 
chen, staubregen', nschw. fjun 
‘feines haar’, nach A. Torp. MM 
1914, 91 aus *feuhna zu lit. 
pukas ‘daunen', pukis ‘tier mit 
feinem wolligen haar’. Man kann 
etwa an die mit wollgras (dá. 
fyn) bewachsene insel denken. — 
weniger wahrscheinlich < *fehuni 
‘die rinderinsel’ zu fi oder < *fiwu- 
ni ‘die fette insel’ vgi. feitr. 
fjónkr BN. vgl. nnorw. fion ‘spass, pos- 
sen', fjona 'sich mit kleinigkeiten be- 
scháftigen’, fjunka ‘auf die freite gehen’ 
(F. Jónsson ANO 1907, 323). 
fjorð in i fjorð ‘im vorigen jahr’ (< germ. 
*feruþi-) ; fár. i fjor, nnorw. ifjor, nschw. 
dial. ifjor, ifjol, ndá. ifjor. — mhd. vert 
‘voriges jahr’; vgl. ne. farrow, nfri. 
fear ‘kuh die im vorigen jahre gekalbt 
hat’ (Holthausen IF 25, 1909, 148); 
vgl'. nnl. vaar ‘nicht befruchtet (von 
einer kuh)’ und mnl. vers, vaers, nnl. 
vaars ‘junge kuh’. — gr. rtápum 'vorigM 
jahr ’. a i. Oarút ‘ im vergangenen jahr’, 
"* agT án 'í 4 fa %d *ab anno priore’ . arm. 
heru ‘im vorigén jahr ’. —■ £ s. aus~ í 3 g:, 
wzT ’ber ivgl . jjarri) und *j tet- 
'íahr' v g l. gi. J-t Tði 'laiu *, lat. vetus', asl. 

uetúchualt ': vgl. Vtfír I. ~~ 
fjörlr ‘vier’ (< um. *fioðrir < *feður(R ; 
fiir die verschiedenen formen s. Jansson, 
Fschr. E. Olson 272-87); run. schw. 
fiakura, fiakurum (Rök. c. 800; vgl. an. 
gen. fjogurra) ; nisl. fjórir, fár. fýra, 
nnorw. fjore, agutn. fiaurir, nschw. 
fyra, ndá. fire. — got. fidwðr, ae. 
fíower, afr. fiúwer, fiðwer, fiðr, as. 
fiuwar, fiwar. fior, ahd. fior\ danebendie 
neutrale form fjggur, vgl. got. fidur-, 
ae. fyðer. — l at. quattuor, osk. petora, 
g r. TtTTotptc, Tfiouoíc. ai. cs SvSrm. itíiC' 
íetvre. Ixt. heturi. «aS.'~Pt:im ritum ‘vier- 
f SSfíPkt WágeiT: arm. íorkh. töc lIJk- 
S jwar.'B itwer: iq g. grunÆ .? iC *kuetyið- 
res. — Dazu fjórðl 'der vierte^iusl. 


fár. fjórði, nnorw. fjorde, nschw. fjdrde, 
ndá. fjerde, vgl. orkn. feird. — ae. 
feorda, afr. fiárda , as. fiorðo, ahd. fiordo. 
— fjórtán ‘vierzehn’, nisl. fjórtán, fár. 
fjúrtán, nnorw. fjortan, nschw. fjorton, 
ndá. fjorten. — got. fidwortaihun, ae. 
fiowertyne, afr. fiúwcrtine, ahd. fiorze- 
han (zu tán vgl. A. Kock, ANF 9, 
1893. I 37 - 42 )- — vgl. fjegur. 
fjós 1 n. ‘viehstaU’ (< germ. *fé-hús), 
nisl. fár. fjós, nnorw. fjos, fjes, nschw. 
fjös, dial. fjus, fjás, fdggus (daneben 
aber auch fongs, fangs, weshalb A. 
Noreen ANF 3, 1886, 10-11 eine grand- 
form *f(-hansu zu got. hansa ‘schar’ 
vermutet, was wenig wahrscheinlich 
ist). — > lpN. fieksi, fiefsi (Qvigstad 
150). — vgl. Fjósnir. 

— 2 f. ‘walfischfleisch’, vgl. nisl. hvalfjós 
‘ds’, fár. fjós ‘stttck seehundspeck’. 
Daneben auffallend þjós (nach Jóhan- 
nesson Wb 578 viell. unter einfluss von 
þjósnir f. pl. ‘geschlechtsteil des heng- 
stes’; wemg wahrscheinlich). 

Deutung unsicher. Unter hinweis 
auf hvalflystri denkt Cederschiöld, 
Fschr. Lidén 1912, 81-3 an dissimi- 
lation aus *hvalfljós und vergleicht 
dann schw. dial. flur, norw. dial. 
flur(a) ‘z^ttiges haar’ (vgl. flosa), 
erw. einer idg. wzl. *(s)pely ‘spht- 
tem, reissen’ (vgl. fjgl); also ‘ab- 
gerissenes sttíck’. Ánders Holt- 
hausen Wb. 63 zu ae. dfyran, ahd. 
ar-fúren ‘verschneiden’ vgl. lat. 
putáre ‘schneiden’. 

Fjósnir m. ‘sklavenname’ (Ríg 12); ab- 
geleitet von fjós 1. Aber nach den hss. 
zu urteilen ist auch Fjgsnir eine mögU- 
che lesart (Strömbáck ANF 51, 1935, 
108). 

fjugur, fjogor vgl. fjegur. 
fjúka st. V. ‘treiben, stieben’, nisl. fjúka, 
fár. fúka, nnorw. schw. fjuka, ndá. fyge 
‘schnell durch die luft fahren’. — > 

" shetl. fjog, fjug (= an. fjúk ‘schnee- 
sturm’) ‘dttnne wolkenschicht, staub’ 
(Jakobsen 165); > orkn. figgerin ‘kleine 
schneeflocke’ (Marwick 41). — Nur 
nordgerm. zu gr. -rm-fh ‘der hintere’, 
lett. púga ‘windstoss’. (IEW 847). — 
vgl. faukr, feykja, fok und fenn. 
fjgðr f. ‘feder’ (< germ. *feþrö), nisl. fár. 
fjöður, nnorw. fjtr, fjeder, nschw. fjader, 
ndá. fjcer, fjeder. — > shetl. fid(d)er 
‘ohrmarke fttr schafe’ (Jakobseniss).— 
ae. feðer, afr. fethere, as. fethara, mnl. 
vedere, veer, ahd. fedara. — ai. þátram 
‘flttgel, feder’, asl. -bero 'federT daneb>i£ 
lar, -pr.niiÁ (<- *-þetna) ‘fliigel’ ialso . 
wohl urspr. Ww-flexionh weiter zu i>eto 
-^ lrebe'. gr. 7té T»|inn ‘fUe ge’, 7rcépov, 
TTTÉpufj •tiuger, ai. paiari fhegt', air. 







fjQgur 


125 


hiá-) fitticli' (H. Feilersen KZ 32, 
'1893, 245 und iEW 826). — vgl. fiöri. 
fjQgur ‘vier’ (neutrum) < *fiuður < *fe- 
Our, vgl. got. fidur- (fur iibergang 0 > g 
s. Noreen, Gramm. 259). — vgl. fj órir. 
fj gl 1 f. ‘brett, diele’ (< germ. *felö), 
— flt5i. fjöl, fár. norw. fjal, nschw. fjöl, ndá. 
fjcel. — > shetl. fjel ; > ne. ON Felkirk 
(Ekwall 169); > lpN. fiello ‘brett’ 
(Thomsen 2, 174). — Gewöhnlich zu 
russ. polú 'brett, planke’, ai. phalakam 
‘planke’ zuridg.wzl. *(s)p(h)el' spalten’. 
— vgl .fjalabrú, fjalarr und spjald. 
Die wzl. *(s)P(h)el hat eine reihe 
weiterbildungen, wie 
*(s)p(h)lé vgl. flá 
*(s)p(h\lei vgl. fleinn und flik 
*(s)p(h\leu vgl. flosa 
Wiklund FUF12,1912, 33-4 macht 
darauf aufmerksam, dass die lapp. 
form auf umord. -Ih- zuriickweist 
und also unter hinweis auf ht. spilká 
‘stecknadel' eher die wzl. *(s)phelk 
vorliegen durfte; daneben auch 
*(s)phelgvgl. spjalkir. —Neben 
fjQl steht auch em wort þilja 1; also 
wechsel anl. f.þwie bei/ il\máfjós 2 . 
—-2 n. ‘menge' in Zss. ‘viel-’ vgl. 
" Jjolauðigr ‘sehr reich' '(< germ. *felu ); 
nisl. fár. fjöl-, nnorw rfjal-. — > finn. 
paljo, estn. palju, wot. pal’l’o 'viel, 
menge’ (Thomsen 2, 204; oder doch 
urspr. finn.-ugrisch und dann mit idg. 
urverwandt? s. Collinder UUÁ1934, 
67 und weiter Setálá FUF 13, 1913, 
420 und Karsten FUF 2, 1902, 192). — 
got. filu, ae. feolu, feala, fela, afr. felo, 
fele, as. filu, filo, aíhd. filu, filo ‘viel, 
sehr’. — gr. tcoXú. tcoXÍoí, ai. purú- 
‘viel’..Iit. ^ffgr’VoU. "rc lc hlich’. air, il 
viel ’ (zu diesen formen s. Benveniste, 
Origines s. 54): zur idg. wzl. *peh: 
pll ‘fúllen’ vgl. fleiri und fullr. — 
fjgld f. ‘menge’ (< germ. *feluþS), 
nisl. fár. fjöld, nnorw. fjeld: vgl. shetí. 
fjord, fjörd. Daneben auch fjgldi m. — 
fjglga schw. V. 'vermehren’, nisl. fár. 
fjölga, nnorw. fjelga. — fjglgr adj. 
‘zahlreich’ (< germ. *feluga-\ g- erw. 
van fjgl). — fjQlkyngi f. ‘zauberei’, 
nisl. fjölkyngi, abgeleitet von fjgl- 
kunnigradj. ‘zauberkundig’, eig. ‘viel- 
wissend’, msl. fjölkunnugur, fát. fjel- 
kunnugur, agutn. fielkunnigr ; vgl. orkn. 
felkyo ‘hexe’ (Marwick ao). 

In PN tritt fjgl als 1. ghed nur 
selten auf, und dann úberwiegend 
in fiktiven namen wie Fjglmundr, 
FjglsviOr, Fjglvarr, Fjglverkr, Fjgl- 
vgr. Trotzdem gibt es im wgerm. 
auch solche namen; so steht neben 
FjglmóOr erul. Filimuth, bayr. Filo- 


muot, vgl. auch got. Filimer, 
rug. Feletheus, fránk. Filibert, ae. 
Feolugeld (Naumann 33-4). 
fjgllóttr adj. ‘felsig’, mit sufnx -óttr (vgl. 

blesóttr) von fjall 1 gebildet. 

Fjglnir 1 m. ‘Odinsname' und name eines 
Wanengottes. Méhrere deutungen, aber 
alle recht unsicher. 

1. zu fela also ‘der den skalden- 
met verbergt’ (Noreén, Fschr. 
Bugge 1892, 198 und Kiær MM 
1914, 221 (zur erklárung der form 
*felu- vgl. Malone, PMLA 67, 
1952. 1157 ): vri. Fjalarr. —- 

2. zu fjgl 2 (F. Jónsson ANF 35, 
1919, 305). vgl. G. Dumézil, La 
Saga de Hadingus 1953. S. 158-9. 
Aber eine solche bildung zu einem 
Adv. hat keine paraJlelen. — 

3. Kurzform zu FjgtsviOr ‘der sehr 
weise’ (Falk NVS 1924 Nr 10, 9). 
— 4. < germ. *felduni- zu germ. 
*felþa- ‘feld’, vgí. fold, also eig. 
Freyr und erst spáter Odin (v. 
Unwerth ANF 33, 1917, 320-35). 

— 2 m. ‘alter name des Vmjefjords’, 
nach dem darin ausströmenden fluss 
nnorw. Fjelna (< *Fjalna), zu fela 
(A. Kjær, MM 19x4, 219-223). 
fjQr n. ‘leben’ (< um. *fiaru < *ferwa- 
< germ. *ferhwa, s. H. Pipping, Inl. 
177); run. schw. fiaru (Rök c. 800); 
nisl. fjör, fár. ádá. fjer, vgl. nnorw. 
fjerue ‘lebhaft'. — > shetl. fjorek, 
fjörek ‘kosename fúr kleines kind’ 
(Jakobsen 168). — got. fairhwus ‘welt', 
ae. feorh ‘leben, lebendes wesen’, ferh 
‘seele, geist’, afr. ferch, as. ferah, ferh, 
fera, ahd. ferah, ferh ‘seele, Ieben, géist’, 
vgl. wgerm. göttinnen Alaferhwiae. — 
vgl. firar, fjarg, fjgrn, Fjgrnir, 
fjgrr, fjgrvar, fyröa.r und fyrvar. 
Die etymologie ist unklar. Nach 
Torp, Wortschatz 234 zur idg. 
wzl. *perK ‘umschliessen’, wie 
ai. páriu i. ‘rippe’, gr. tcópxi]; 'reif 
zum festhalten der speerspitze am 
schafte’, lat. compesco ‘bezwingen’. 
— Nach Johansson, Lit. blatt. f. 
germ. rom. Phil. 1889, Sp. 362 
zu gr. TCpamScí ‘zwergfell; ver- 
stand, gedanke’. —Nach F. Specht 
KZ 68, 1944, 191-4 zu lat. quercus, 
weil die menschen aus báumen ent- 
standeu sein solltenl (vgl. Fjgr- 
eyn). — Auffallend ist die gleich- 
heit mit wog. por- in sim-por, Sam- 
perk ‘seele’, ostj. porax ‘das innere’; 
urverwandt ? (s. Collinder UUÁ 
X 934 . 69)- — In. PN nur höchst- 
selten vorkommend, wie Fjgrleif, 
vgl. wgerm. Ferahbald (s. Naumann 
33 )- 



fjgtrðr 


126 


fjqrðr n. ‘bucbt, fjord' (< germ. *ferþuz), 
nisl. fjörður, fár. fjerður, nnorw. fjord, 
nschw. fjord, fjárd ádá, fjord. — > 
shetl. fjord ; > me. ne. firth ‘meeres- 
arm’ (Björkman 237); > mnd. ,ford 
(Brattegard, NTS 7, 1934 , 2 79 ); > 
lpN. fer’da, fir'da (Qvigstad 149). — 
Mit schwundstufe: ae. as. ford, afr. 
forda, ahd. furt, mnl. vort, voort ‘wate- 
stelle’; vgl. noch den rugischen PN. 
Ferderuchus (Schönfeld 86) und viel- 
leicht den germ. VN bei Ptolemaios 
OapoSeivoí : fördenanwohner’ (RMuch, 
ZfdA 57, 1920, 151). — lat. portus 
‘hafen’ (germ. und lat. gehen zusammen 
in der bed. ‘meeresbucht’!), av. pgrstuí 
‘bnicke’, gall. ritu- (in ON. Augustori- 
tum, Ritumagus), akymr. rit ‘furt’. — 
Wohl zu fara und dann die stelle, wo 
man durch das wasser fahren kann’; 
vgl. firzkr. 

fj<?rgyn f. ‘erde. land’ fpoe t.I. auch name 
—v©ft"TFiors mutter. — Verwandt, Wlé- 
~^ ehl lautge setztich nicht genau stim- 
mend: alit. Perkúnas, asl. Perunú, ai. 
Parjanya 'namen des gewittergottes’, 
vgl. lett. perkuons ‘donner’ (s. Karsten 
GFL 20-24, der auch finn. perkele, 
perkule, perkuus, perhana, perhus, piru 
‘teufel’ als germ. lehnwort betrachtet 
und zwar vor der wirkung des Verner- 
schen gesetzes! s. auch Fragen 72-85, 
aber, wie Wiklund IF 38, 1917, 104-5 
richtig bemerkt, muss man bei der 
deutung solcher fliiche die grösste 
vorsicht betrachten). 

Die deutung ist höchst unsicher. 
Geht man aus von der beziehung 
zum gewitter, so liegt es nahe, an 
die idg. wzl. *perk ‘schlagen’ anzu- 
kniipfen’, eine weiterbildung zu 
*per vgl. ai. prt-, prtaná ‘kampf’, 
arm. hari, e-har ‘schlug’, orot 
‘donner’, asl. perq, pirati ‘schlagen, 
waschen’, lit. periú ‘mit dem bade- 
quast schlagen', lett. péru ‘schla- 
gen, baden, priigeln’. — Anders, 
aber wenig einleuchtend zu einer 
grundform *perkus ‘feuerbrand’ 
vgl. lit. pirke ‘backhaus’, pirkSnys 
‘gliihende asche’ (Loewenthal WS 
10, 1927, 154). — Geht man aber 
von der bed. ‘erde, land’ aus, so ist 
es verlockend an got. fairguni ‘ge- 
birge’, ae fiergin-, fyrgen- ‘berg-’ 
anzukniipfen’, ygl. ahd. Fergunna, 
Firgunnea, Virgunnia ‘name fiir 
gebirgstrecken in Mitteldeutsch- 
land’, vgl. auchdenaltenkeltischen 
namen lat. Hercynia silva (Cásar), 
Hercynius saltus (Tacitus), gr. 
‘Apxuviaðpr) (Aristoteles), ’Opxúvioi; 
Spópoi; (Ptolemaios). Die oft ange- 


fjQrsungr 


nommene verbindung mit lat. 
quercus, vgl. fura (F. R. Schröder, 
Unters. germ. Rel. gesch. x, 1941, 
67) ist lautlich nicht einwandfrei; 
iiberdies muss man bei der gleich- 
setzung lit. Perkúnas und an. 
Fjgrgynn (auf die Krahe, Sprache 
und Vorzeit 69 noch gewicht legt) 
annehmen, dass der mánnl. gott 
uralt ist, wáhrend er doch viel- 
mehr eine neubildung zu fem. 
Fjgrgyn ist. Weniger bedeutsam 
ist der umstand, dass das balt. 
wort auf eine grundform *perk, das 
germ. aber (wie ai. Parjanya- 
'gewittergott’) auf *perk zuriick- 
geht ; fiir eine weiterentw. der bed. 
‘gewitter, wolke’ aus ‘ton’ (wie 
got. þeihwo neben an. þing\) s. 
J. Trier, Lehm, 1951, 65. — F. R. 
Schröder, Fschr. Helm 1951, 34 
verbindet mit *ferguz ‘furche’, vgl. 
nnorw. dial. fere ‘schmaler acker, 
aufgeworfener erdriicken’, nschw. 
dial. fjdre (< *ferh), daneben abl. 
vgl. for 1. — Weniger ansprechend 
Jóhannesson Wb, 557 zu got. 
fairhwus, also zu fjgr, und dann 
etwa: die spenderin des lebens. 
(schon J. de Vries, TNTL 50, 1 ff.) 
Fjqrgynn m. ‘name eines gottes, vater 
von Frigg’, die mánnliche nebenform 
zu Fjgrgyn\ unsicher ob es sich hier 
um eine spátere neubildung handelt, 
oder ob hier der name eines alten 
donnergottes vorliegt (de Vries TNTL. 
50, 1931, 1-25, Agerm. Rel. gesch. 2. 
Aufl. § 264, 281). 

Fjqrm f. ‘mythischer flussname’ (Grm. 
27) zu norw. fjarma, also 'dieeilige'.— 
vgl. fara. 

fjQrn f. ‘erde, land’ (þula), falls aus germ. 
*fernö konnte es zu fara gehören, oder 
aber zu fjarri, etwa ‘das sich fernhin 
ausdehnende’ oder aber eig. ‘das leben 
gewáhrende’ und dann zu fjgr ? 
fjqmir m. ‘helm' (poet.), auch PN. (Akv. 
10), falls eig. ‘beschiitzer des lebens’ zu 
fjgr (s. K. Gíslason, Efterl. Skr. 1, 242 
und F. Jónsson, ANF 35, 1919. 3 ° 5 )- 
fjqrr 1 m. ‘baumart’, möglich zur 
sippe von fura. 

— 2 m. ‘mann' (poet.), eig. ‘lebewesen' 
vgl. fjgr (E. A. Kock NN § 696). 
fjqrsungr I m. ‘ petermánnchen ' (nur 
norw.), aber auch ‘habicht’ (frz. faucon 
madré) (nur in þulur) < germ. *ferh- 
sunga-, norw. dial. fjersing, fjœsing, 
nschw. fjdrsing, ndá. fjersing, fjœsing ; 
vgl. lat. germ. fario 'lachsforelle’; 
weiter verwahdt ahd. forhana, as. 
furnia, ae. forn(e) ‘forelle’, mhd. voren, 
vorhe, mnd. vorne, mnl. voorne ‘plötze’. 



fjijrvar 


127 


flaðra 


— lat. perca ‘forelle’, porcus 'barsch', 
gr. Tcpóxvr) 'schwalbe’, 7iépxo$ ‘habicht’, 
7tépx7) ‘barsch’, nir. orc ‘laths', alle ge- 
hörend zn gr. Trepxvó? ‘bunt', ai. 
príni- ‘gefleckt’, air. earc ‘scheckig' (E. 
Lidén, MASO i, 1937, 6 4 )- — vgl- 
fránn. 

— 2 m. ‘mitglied von Granmars ge- 
schlecht’ (HH II): vielleicht als • fer-s - 
unga zu deuten und dann zum VN der 
Fervir (Jordanes) gehörend (F. Jónsson 
ANO 1921, 18). — vgl. fjara. 

fjQrvar, fyrvar mpl. ‘mánner’ (poet.). — 
vgl. fjgr. 

fjQt npl. in Zs. úfjgt ‘fehltritt'. — vgl. fet. 

fjQtra 1 f. ‘weib' (poet.), vielleicht eig. 
‘stiitze, welche die kufen des schlittens 
mit den brettem, auf denen die last 
ruht, verbindet’; nnorw. fjetra, fjetra. 

— vgl. fjgturr. 

— 2 schw. V. 'fesseln’, nisl. fjötra, fár. 
fjetra, nnorw. fjetra, nschw. fiáttra, ádá. 
fjædre; vgl. orkn. footer ‘hemmen’ 
(Marwick 45). — ae. gefeterian, afr. 
fiteria, mnl. veteren, ahd. fezarðn 
‘fesseln’. — vgl. fjgturr. 

fjQturr m. ‘fessel’ (<germ. *feturaz), 
nisl. fjötur, fár. fjetur, anorw. fiatur, 
nschw. fiátter, ádá. fjeeder. — > air. 
-fiter, -fitil in Zss. wie langfiter ‘seil 
zwischen vorder- und hinterbeinen einer 
kuh’ (durch ae. vermittelung, s. Mar- 
strandef NVA 1915, Nr 5, 23-27). — 
ae. fetor, as. feteros, mnl. veler(e), ahd. 
fezzera ‘fessel’. — ai. páduká- ‘schuh’, 
lat. pedica 'fussfessel’, compes ‘fessel', 
gr. TcéSrj ‘fussfessel’, TreSáco ‘binde fest’ 
(Richter KZ 36, 1900, 118). 

Man verbindet das wort mit fótr 
und nimmt als urspr. bed. 'fuss- 
fessel’ an; sicher mit unrecht, 
weil das verwandte fetill ‘schu!- 
terband’, ae. fetel 'giirtel' bedeuten, 
und also nur auf den geflochtenen 
strick hinweisen. Man muss das 
wort also zur sippe von fat stellen. 
J. Trier, ZfdPh. 70, 1949, 354 
erwágt die möglichkeit, dass fjg- 
turr eig. ‘ein gabliges spaltholz, 
einkloben’ seinsollte und vergleicht 
lat. pedamina, pedamenta ‘gablige 
hölzer, mit denen baumáste ge- 
stiitzt werden’. 

ílh 1 f. ‘schwimmholz eines netzes’ 
(<germ. *flahð), eig. ‘das abgeschálte’, 
also ‘korkstiick’ (s. Torp. Ordb. 116), 
nisl. flá, nnorw. ndá. dial. flaa, nschw. 
dia . fld. — > ne. dial. flows ‘schwim- 
mer’ (Thorson 61). — vgl. flá 3. 

Eine andere etym. verbindet das 
wort mit fley und flóa 1; dann 
sind aber analogiebildungen zur 
erklárung der form erforderlicli: 


Nsg. *fla\fio > *fláu, daraus anal. 
g. sg. *flá-ar > flár, daraus wieder 
nsg. flá (H. Pipping, SNF 8, 1917» 
Nr 1, 41). — Wieder anders W. 
Wiist, Suomal. Tiedeakat. Toimi- 
tuksia 93,1 (1956) 85 der gr. nXex-ní) 
'seil, netz’, nXóxavov ‘flechtwerk', 
und ae. fleohta ‘hiirde’ heranzieht 
und die idg. wzl. pllti als ‘das 
erlegte gehömtragende tier auf- 
brechen, zerwirken’ erklárt. 

— 2 < germ. *flahiz auch flQ (< germ. 
*flahð) i. felsabsatz; tal im hochge- 
birge mit schwacher neigung’, nisl. 
flá ‘ds’, fár. flái ‘aus dem meer her- 
vorragende khppe’, nnorw. flaa 'absatz 
in einem bergabhang’; vgl. orkn. flaa 
‘stuck weideíand' (Marwick 42). — 
daneben abl. fló 1. — lat. placeo 
‘gefalle’, placidus ‘flach, glatt’, placenta 
‘flacher kuchen’, gr. irXá? ‘flacher 
körper, ebene, bergfláche’, 7tXaxÓEti; 
‘flach’, lett. plakt ‘flach werden’, 
plácenis, ‘flacher kuchen' (IEW 831). 

— vgl. flag, flaga 1, flaki, flana, 
flegg*. fleki, fló 1 und flóki 2. 

— 3 st. V. 'die haut abziehen, schinden’ 
(< germ. *flahan), nisl. fld, nnorw. dá. 
flaa, nschw. fld. — > me. flán, flg 
‘schinden’ (Björkman 102).—ae. fllan 
(ne. flay), mnl. vlaen. — Ut. pléíiu 
‘reissen’, nu-plééti ‘abreissen’, lett. 
pluðsit ‘reissen, zerren’ (IEW 835). — 
vgl. fldttr, flagna, flengja, fletla\. 

Die idg. gmndform ist eine k- 
erw. der wzl. *pll : *pel vgl .fjgl. 
Weiter gibt es noch erweiterung 
mit g vgl. flak, flaka, flakna, 
flekkr. 

mit s vgl. flasa, fles. 
mit éi-, i- vgl. flik. 

flaðra schw. V. ‘unsicher stammeln' 
(Fritzner), ‘schmeicheln (Cleasby). 
‘prunken, kokettieren’ (Hægstad), msl. 
flaðra ‘wedeln; schmeicheln’, nnorw. 
fladra 'kokettieren’, flara 'pmnken’. — 
> ne. dial. flethrin(g) ‘schmeichelnd’ 
(Eckhardt, Herr. Archiv 184, 1944,80). 

— nnd. fladdern, nnl. fladderen, nfr. 
fladderje, nhd. flattern; vgl. abd. fleda- 
rön ‘flattem’. 

Die wgerm. wörter werden als 
junge neubildungen zu ger. *fleþa- 
rön aufgefasst (Franck-van Wijk 
164); vgl. auch mnl. flodderen ; aber 
an. flaöra diirfte auf ziemlich alte 
bildung hinweisen. Auch *fleþarön 
(vgl. noch ahd. fledarmus, nnl. 
vleermuis 'fledermaus’, und nnl. 
vlerk < vlederic 'fittich’) ist nicht 
ganz klar. Neben vlederic stehen 
anfránk. fetherac-, ahd. federah, die 
zu fjgðr gehören; man vermutet 



fiag 


128 


Flandr 


in mnl. vleder eine kreuzung von 
‘feder' und ‘fliegen'. Dagégen 
spricht schon an. flaöra, dessen 
anlaut fl- durch flana gesichert ist. 
flag n. ‘erde' (þula), nisl. flag ‘boden ohne 
grasscholle’, fár. flag ‘grasscbolle', 
nnorw. dial. flag, nschw. dial. flag, 
flaga ‘offener see'. — > orkn. shetl. fla 
‘diinne grasscholle, grasland’. — nnd. 
flag, flagg ‘flaches land’. — Es scheinen 
zwei wörter zusammengefallen zu sein: 
bei der bed. ‘flaches land' ist zu ver- 
binden mit der unter fli 2 genannten 
wörtem. Andrerseits scheint es auch 
zu bedeuten 'boden, wo die grasschicht 
fortgenommen ist' und das fuhrt auf 
fld 3 - 

flaga 1 f. ‘diinne erdschicht’, nisl. flaga 
‘platte, abgespaitetes steinstuck' (auch 
in ON, s. Noraling, NB 21,1933, 28-30), 
nnorw. dial. nschw. flaga 'abgespaltete 
scheibe’, ndá. dial. flave ‘torfscheibe’. — 
> orkn. flagan ‘diinne platte’; > me. 
flagge ‘rasenschicht’, flawe ‘schnee- 
flocke’,ne. flag{-stone) ‘fliese' (Björkman 
238). — mnd. vlage ‘erdschicht’, mnl. 
vlagge ‘grasscholle. 

Man hat das wort als 'abgeschálte 
grasscholle’ deuten wollen (also wie 
flag), und dann zu der gruppe von 
flá 3 gestellt. Eher ist wohl von 
‘flache, und zwar durch abspalten 
hergestellte scheibe’ auszugehen; 
dann also zu flá 2. Neben germ. 
*flahð, *flagð gab es auch *flaka, 
vgl. mnd. mnl. vlak, ahd. flah ‘flach’. 
Es diirfte anzunehmen sein, dass 
diese germ. stámme guttural- 
erweiterungen zur idg. wzl. *pel 
sind, die wörter fiir ‘zaungeflecht, 
flechtzaun’ geliefert hat (vgl. fela, 
fold). Die bed. ‘flach’ kann des- 
halb aus der glatten oberfláche der 
lehmbeschmierung ebensowohl wie 
aus der glatt abgeschnittenen holz- 
platte hervorgegangen sein (vgl. 
glaOr). Auch W. Wiist, Suomal. 

• Tiedeakat. Toimituksia93,1 (1956) 
86 vergleicht lit. pléíinys ‘frisch 
aufgerissener acker' und stellt es 
zur idg. wzl. pllk (vgl. unter flá). 
— 2 f. ‘plötzlicher anfall’, fár. flaga 
'windstoss auf dem meer’, nnorw. flaga 
‘windstoss, böe’, nschw. dial. flaga 
‘plötzlicher anfaíl, windstoss’. — ne. 
flaw ‘windstoss’, mnd. mhd. mnl. vlage 
‘anfall, windstoss, böe'. — Gehört zu 
der unter flóki x behandelten wort- 
gruppe (IEW 832); vgl. flengja 1. 
flagð n. ‘unhold, hexe, troÚ', nisl. flagð, 
fár. flagd. — > shetl. flag ‘unsauberes 
weib’ (Jakobsen 171). — Nach Sturte- 
vant MLN 41, 1926, 370 zu flag ‘lose, 


locker’, vgl. ne. flag ‘schlaff herab- 
hangen' (alsolockere frau >unholdin ?). 
—vgl. fleggr und flggra. 
flngna schw. V. ‘abgeschált werden’, 
nisl. schw. flagna. —vgl. flag und flá 3. 
flak n. ‘losgerissenes stiick (vgl. skipflak 
'wrack’); kapuze’, nisl. flak ‘ds’, fár. flak 
‘keilförmiges stiick’, nnorw. flak, nschw. 



flaka schw. V. ‘offenstehen', nisl. flaka 
‘sich ablösen, sich öffnen’. — > sbetl. 
flag ‘lose hángende kleider' (Jakobsen 
170). — vgl. flá 3 und flana. 

flaki, fleki m. ‘briistung von hiirden und 
planken; schutzdach’, nisl. flaki, flehi, 
fár. flaki, nnorw. flake ‘luke aué brettem 
gemacht’, nschw. dial. flake ‘flechtwerk, 
hiirde’, ndá. dial. flage ‘hiirde von wei- 
denzweigen oder geflochtenem stroh. — 
> orkn. flackie, shetl. flaki ‘hiirde von 
stroh’; > finn. lakka ‘vordach, ober- 
boden’ (Karsten, Frágen 20-21); da- 
neben wohl auch nebenformen: umord. 
*flakez > finn. lae (gen. lakeen) 
‘schutzdach’ und urnord. *flaki > finn. 
laki (gen. laen) ‘innerer teil des daches’ 
(Karsten FMS 5, 1937, 184) und umord. 
*flakia > finn. lakkea, lakea ‘ebenes 
gelánde (Karsten ANF 22, 1906, 200; 
Setálá FUF 13, 1913, 398). —me. flake, 
fleke ‘hiirde’, mnd. vlake, vleke ‘flaches 
flechtwerk aus zweigen’, mnl. vlake 
‘hiirde’. — Dieses zaunwort gehört zu 
der unter fela behandelten wortgrappe. 
— vgl. flaga 1. 

flakka schw. V. ’flackem, flattem’, nisl. 
fár. norw. flakka, nschw. flacka, ndá. 
flakke. — mnl. vlacken, nhd. dial. 
flacken ‘lodem’, daneben ae. flacor 
‘fliegend’, mhd. vlackern, mnl. vlackeren 
‘flackem’.— gr. 7tXá?o(xat ‘umherschwei- 
fen’. — mit intensivem doppelkonso- 
nant -kk- neben flgkra und flgkta. 

flakna schw. V. ‘sich lösen, abschálen’, 
nnorw. flakna ‘ds’. — vgl. flá 3 und 
flaka. 

flana schw. V blindlings vorwártsstiir- 
zen (poet.), nisl. norw. flana ‘ds’, fár. 
flana ‘sich toll betragen’, nschw. dial. 
flana ‘untátig sein; spielen, tollen’; 
vgl. daneben nnorw. flanta ‘untátig 
sein’, nschw. dial. flanka ‘umherstrei- 
chen’, flansa ‘sich rucksichtslos be- 
tragen’ (Hellquist ANF 14, 1898, 18). 
—- > orkn. flam, flan ‘hast, erregung’ 
(Marwick 42); shetl. flam, flan ‘plötz- 
licher windstoss’ (Jakobsen 171). — 
gr. TtXávT) ’das umherwandem’, TtXavá- 
oftai ‘wandere jimher’. — vgl. flá 2, 
flaðra und flak. 

Flandr ‘Flandem’ (erst 13. Jht) < mnl. 
Vlaender{en). — vgl. fltsmingi. 



flangi 


129 


fleinÐ 


flangi m. ‘flegel', nnorw. flange ‘eine art 
breiter manteí; tölpel’, vgl. nnorw. 
flangra, flangsa ‘umherirren’. — vgl. 
flása und flggra. 

flann- in Zss. flannfluga f. ‘mádchen’, 
das von ihrem verlobten fortláuft’, 
flannsigng f. ‘neidstange'; vgl. nisl. 
flanni ‘penis’, anorw. flans ‘glied eines 
hengstes’. — Vielleicht eig. ‘etwas her- 
abhángendes’, vgl. mhd. vlans ‘schlaff’. 
— vgl. flana und flenna. 
flár adj. ‘schlau, hinteriistig’ (< umord. 
* flaihaR ), nisl. flár. — ae. fláh ‘triige- 
risch, feindlich’, ahd. fllhan, flihon, mhd. 
vllgen, mnl. vleeuwen, nnl. víeien ‘flehen, 
schmeicheln’; vgl. got. ga-þlaihan 
‘trösten’. — vgl. fleero. 

Unsichere etymologie. Van Wijk 
IF 24, 1909, 236-8 verbindet mit 
nnl. flauw, nhd. flau und fuhrt 
flár auf *fláwa zuriick. Die gotische 
form weist auf grundform *þláwa 
zur idg. wzl *tlá ‘dulden’, vgl. air. 
tlaith ‘sanft’, kymr. tlawd ‘arm’; 
vgl. auch flór. — Weniger wahr- 
sch. sind etymologien, die die form 
mit þl ausser acht lassen, wie zu 
gr. áTteiXéco ‘drohe, gelobe’, lit. 
pelt ‘schmáhen, lástem’ (G. Nord- 
meyer, Lang. 11, 1935, 219) oder 
zu lat. llna ‘kupplerin’, gr. Xaixáí 
‘hure’ (Osthoff PBB 13, 1888, 399). 
flasa f. ‘splitter, dtinne scheibe’ (poet.), 
nisl. flasa 'schuppe im haare', nnorw. 
dial flasa ‘lose herabhángende scheibe 
einer rinde’; vgl nisl. norw. schw. flas 
‘schuppe’, nnorw. dial. flasa ‘absplittem’ 
nschw. dial. flasa 'abschálen’, nisl. 
flaska ‘gespalten werden’. — Wohl zu 
lit. plaskanos ‘schinnen' (IEW 834). — 
vgl .flása, fles und flesma, möglich 
zu flá 3. 

flása f. 'leichtsinniges weib’ (poet.), 
nnorw. flaasa ‘unbesonnenes weib’, 
vgl. nnorw. flaas 'unbesonnene person’, 
flaasa ‘vorwártssttirmen’. Gehört wohl 
zu nisl. norw. flasa ‘leichtsinnig sein’, 
nschw. dial. flasa ‘untiberlegt handeln’, 
ndá. dial. flase ‘ausgelassen sein’. — 
vgl. weiter flasa und flana (s. Torp, 
Ordb. X15). 

flaska f. ‘flasche’ (nur Post. s.), nisl. 
flaska, fár. fleska, nnorw. schw. flaska, 
ndá. flaske. — Man hat das wort als 
entl. aus ae. flasce betrachtet, und dieses 
wieder mit ahd. flasca, mnd. vlasche, mnl. 
ylessche auf spát. lat. flasca (afrz. flasche 
ital. fiasco) zurtickgeftihrt. Eher sind 
die rom. wörter selbst aus dem germ. 
entlehnt. Man hat unter hinweis auf 
nnorw. flaska ‘milchkanne’ und schweiz. 
flasche ‘holzgefáss’ an flatr ankntipfen 
wollen (dann kann aus einer grundform 


•flatiskSn das finn. latisko ‘flaches ge- 
fáss’ entlehnt sein, s. Karsten FMS 5, 
1937, J 93 )- Andrerseits hat man auch 
eine gmndbedeutung ‘strohgeflecht um 
einer flasche’ angenommen (also aus 
idg. *ploksko, s. Schrader-Roethe 
AfdA 23, 1897, 157 und Meringer WS 
7, 1921, 12) undalsoweiter zuder sippe 
von flitta gestellt (FT 233). 

flatr adj. ‘flach', nisl. far. flatur, nnorw. 
schw. flat, ndá. flad. — > me. flat 
'flach, eben' (Björkman 238), schott. 
flat ‘dumpf, geistlos’ (Flom 40). — as. 
flat, mnl. vlat, ahd. flaz. — leýt. plade 
‘ m utterkuch en', pladina ‘flaches brot L 
(IEW 834 ). — vgL flet, ffeíja, flQtr 
und flyðra. 

flátta f. 'matte, strohdecke’ (nur Heil. 
m.s.), nisl. flátta 'ds.’, vgl. shetl. flotti 
‘htirde zur abtrexmung’ (Jakobsen 178). 

— got. flahta ‘flechte’, afr. flacht ‘tiber- 
dachte htitte'. — vgl. flétta 2 u. 4. 

fláttr m. ‘das schmden’ (< germ. 
*flahtu-). — vgl. flá 3. 

flaug f. ‘flug, flucht; flagge; pfeil’, 
nisl. norw. flaug, fár. fleyg; vgl. xmorw. 
fley, nschw. flöj, ndá. fíei ‘wimpel’. — 
v gi- fljúga. 

flaumr m. ‘strömung; lárm; freude’ 
(<germ. *flauma oder *flaugma-)\ 
nisl. flaumur ‘lárm’, nnorw. flaum, flom 
‘wasserflut’. — ae. fleam ‘flucht’, 
ahd. floum ‘oberschicht einer fltissig- 
keit’; vgl. mit ð < ð\t, nnl. Floem 
‘wassername’. — gr. TcXupa ‘sptilicht’. 

— vgl. fleymi und flÓa t i. 

flaust n. 'schiff’ (HHI) und flaustr n. 
'schiff'; auch ‘flut, welle’. (s. E. A. 
Kock NN § 1623); nisl. flaustur 'eile’. 

— > ne. fluster ‘verwirrung, eile’ 
(Björkman SSUF 1900 s. 9). — Falls 
< germ. *flausta- vgl. flóa 1, falls aus 
•flautsta- vgl. fljóta. 

flautir fpl. ‘eine art milchspeise’, nisl. 
flautir, fár. fleytir, nnorw. fleyte, nschw. 
dial. flöter, ndá. flede 'sahne', eig.-'was 
obenauf schwimmt'. — > lpN. lakca 
‘sahne' (mit bewahrtem nom. sl vgl. 
Wiklund MO 5, 1911, 247). — ae. fliete 
‘sahne; flaches boot’ (< germ. *flau- 
tiðn), mnd. vlöte 'rahm; prahm’, mnl. 
vlote 'strom; prahm’; abl. daneben mnd. 
vlot ‘sahne’, mnl. vlot ‘fluss; prahm’. — 
vgl. fljóta. 

fleggr m. ‘riese’ (þula), vgl. nnorw. 
fleggja ‘schlendem'; spáter ist flygg 
‘riesin’. Man hat zusammenhang mit 
norw. flag 'bergwand, nackte klippe’ 
vermutet, weil die riesen im gebirge 
hausen, also zu flá 2. — vgl. aber auch 
flagð. 

fleinn m. ‘pfeil, leichter wurfspiess’, 
wohl eig. ’abgespaltetes sttick’, run. 


9 



fleipa 


130 


flet 


norw. flAinA (Eggjum c. 700; Krause 
Nr 54). nisl. fleinn ‘spiess’, nnorw. flein 
‘grosser steinsplitter, aschw. ada. flen 
‘gabelspitze’. — > ne. ON. Flambo- 
rough (1130: Fleineburhc, Ekwall 173); 
> norm. Flainville (Jakobsen DSt. 
1911, 69); diese also zum PN. Fleinn. — 
ae. flán ‘píeil, wurfspiess’. — Gehörtwie 
nnorw. dial. flein ‘kahl, nackt’, nschw.. 
dial. flen ‘nackt', nnorw. dial. fleina 
‘kahlköpfig werden’ (WP 2, 93) zu 
einer erw. der idg. wzl *(s)p(h)el 
‘spalten’. — vgl. fjgl 1 und weiter 
flettugrjót und flik. 

fleipa, fleipra schw. V. ‘schwatzen’, nisl. 
fleipra, nnorw. dial. fleipa, nschw. dial. 
flepa, ndá. flcebe ‘flennen'; vgl. shetl. 
fleper ‘schmeicheln’. Abl. daneben 
aschw. flipa ‘weinen, jammern’, ndá. 
dial. flibbe ‘leise weinen’. — vgl. flípr. 

fleiri ‘mehr’ und flestr 'meist’, nisl. fár. 
fleiri, flestur, nnorw. fleire, flest, nschw. 
flera, flest, ndá. flere, flest. — lat. plus 
(< *pléjðs), gr. 7 tXeí<ov ‘mehr’, ttXcíoto? 
‘meist’, ai. práyas adv. ‘zum grössten 
teil’, air. lia ‘mehr’, arm. li ‘voll’. Die 
idg. wzl *plej steht neben *pelu, *polu 
vgl. fjgl- 2 und meiri. 

flek n. ‘grundstuck’ (norw. DN); vgl. 
flehkr. 

fleki m. ‘geflochtenesschirmdach; bohlen- 
briicke’, vgl. flaki. 

flekka I f., oder flekki n. ‘wafíenrock 
unter der briinne’, < mnd. vlecke ‘wams 
als teil der riistung’, vgl. mhd. brustvlac 
‘weste, brustlatz’ (Falk NVA 1919, 
172). 

— 2 schw. V. ‘beschmutzen, geschlechts- 
umgang haben’ (in chr. Schr.), mnd. 
mnl. vlecken, ahd. flecchön. — vgl. 
flekkr. 

flekkr m. ‘fleck’, nisl. fár. flekkur, nnorw. 
flekk, nschw. fláck. — > shetí, flek(k) 
‘bodenstiick das sich von der umgegend 
unterscheidet’ (Jakobsen 172); > finn. 
pilkka (Setálá FUF 13, 1913, 426 
fraglich); > lpN. flœhkko, plcehkko 

‘fleck’ (Qvigstad 154); sehr unsicher 
wegen der grossen verbreitung in den 
finn. sprachen ist die von Karsten 
GFL 255 angenommene entl. urgerm. 
*fligna > finn. linna ‘burg, festung', 
estn. linn, liin ‘stadt’, olon. linnu ‘stadt, 
burg’, wot. lidna ‘stadt', weps. l'idn 
‘stadt’, liv. nin 'burg’ (iiberdies ist 
germ. -kk- nicht aus -gn- entstanden, 
sondern verdoppelung als bezeichnung 
von wertlosen dingen (vgl. þrekkr und 
spotti) s. Wissmann 166. — mnd. 
vlecke, ‘landstiick, marktflecken’, mnl. 
vlecke ‘fleck’, nnl. vlek ‘fleck; grösseres 
dorf’, ahd. fléc, fléccho ‘fleck; dorf’; 
mhd. vlec, vlecke ‘zeugstiick; fleck; 


marktflecken’. — Am einfachsten aus 
der lehmtechnik zu erkláren, wie auch 
mnl. cladde, clatte, mnd. kladde, klatte 
zu der unter kalfr behandelten gruppe 
von zaunwörtem gehören wird; dann 
gehört flekkr also zu der unter fela 
und fold behandelten idg. wzl *pel. 

flengja 1 schw. V. ‘priigeln', vgl. aschw. 
flcsngja ‘peitschen’, nschw. flánga ‘schin- 
den’, adá. flcenge ‘peitschen’, ndá. 
flcenge ‘schinden’, auch itísl. flengja, 
fár. fleingja ‘abschálen’. —vgl. flaga 2. 

— 2 schw. V. 'werfen, schleudem’, nnorw. 
flengja ‘losreissen, eilen’. — > ne. 
fling ‘schleudem’; > schott. flingin 
tree ‘loser balken zwischen zwei pferden 
im stall’ (Flom 41). —vgl. fld 3 und 
flingja. 

flenna schw. V. ‘umdrehen, die haut 
zuriickstreifen’, nisl. flenna, fár. 
flenna ‘grinsen (eig. dieUppen umstiil- 
pen)'. — vgl. flann- und flensa. 

flensa schw. V. ‘lecken’, nisl. flensa 
‘kiissen, lecken’, nnorw. flensa ‘auf- 
reissen’. — > ne. flence, flense ‘speck 
abschneiden’. — vgl. flenna. Dagegen 
denkt Westergárd-Nielsen an eine 
entl. < mnd. vlenschen, vlenseken 
‘heucheln, schmeicheln’ eig. wie hd. 
flenzen ‘das gesicht verziehen' zu mhd. 
vlans ‘mund’. Auch hier kommt man 
mit einer grundbed. ‘umstiilpen’ aus. 

fles f. ‘flache khppe’ (< germ. *flasjð), 
nisl. fár. norw. fles. — > shetl. fles, 
manx ON. Fleshwick (< *flesiuvik, s. 
Marstrander NTS 6, 1932, 112); > lp 
N. lasses, lases, lassa 'aus dem boden 
ein wenig hervortretendes felsstiick’ 
(Collinder APhS 3, 1928, 209-12). — 
vgl. flasa und flá 3. 

flesk,fleski n. ‘speck’ (<germ. *flaiska-), 
nisí. flesk(i), fár. norw. dá. flesk, nschw. 
flásk. — > lpN. flœsska ‘speck' 

(Qvigstad 154). — ae. flœsc, afr. flask, 
flésk, as. flésk, mnl. vleesch, vleisch, 
ahd. fleisk ‘fleisch’, eig. ‘fleischscheibe’. 

— vgl. fHs. 

flesma f. BN. nnorw. flesma ‘loser haut- 
lappen nach einer hautkrankheit’, 
auch 'beule, geschwiilst' (Reichbom- 
Kjennerud MM 1946, 162). — vgl. 
flasa. 

flestr vgl. fleiri. 

flet n. 'erhöhte r fussboden a n den wán- 
deh7 ~zrrnm err~naus' ^< ~genTr~ *flaii £P-> 
nisi. flel 'ai IUseligesT>etP 7 iinorw. cual. 
flet, aschw. flcet, flat ‘fussboden’. — 

> finn. lattia, laattia ‘fussboden’ 
(Thomsen 2, 191; Karsten FMS 5, 1937, 
182); > lpN. lahtte, lpS. latte (Qvig- 
stad 213). — ae. flett ‘diele, wohnung, 
halle’, afr. flett ‘diele, haus’, as. flet, 


i 

■Kvj 


fletja 


131 


flím 


fletti, mnl. vlet, ahd. flazzi, flezzi ‘geeb- 
neter boden; tenne'. — vgl. flatr. 

fletja schw. V. ‘ebnen, ausbreiten’, msl. 
fletja. — > shetl. fíatj. — vgl. afrk. 
*flatjan (> frz. flatir, s. Gamillscheg, 
Rom. Germ. i, 158). —vgl. flatr. 

fletta 1 f. in Zs. flettugrjót 'schiefer- 
stein', skeptifletta ‘wurfwaffe’ (<ur- 
nord. *flinta-), nisl. flettigrjót, nnorw. 
flint, nschw. flinta 'steinsplitter, flint- 
stein’, adá. flint 'steinspíitter’. — ae. 
flint, mnd. vlint(-stén), mnl. vlint 
‘kiesel, flint’; vgl. ahd. mnd. flins 
‘kieselstein, klippe’. — gr. jrXÍvflo? 
‘ziegelstein’; zur idg. wzl *(s)p(h)eí 
‘spalten’. — vgl. fleinn und flik. 

— 2 f. ‘flechte’. got. d. pl. flahtom, ae. 
fleohta, mnd. mnl. mhd. vlechte. — 
vgl. flátta und flitta 4. 

— 3 schw. V. ‘schneiden, auskleiden’ 
(< germ. *flahatjan), nisl. fletta ‘aus- 
kleiden, berauben’, fár. fletta ‘schinden’, 
nnorw. flelta, adá. flestte ‘in kleine 
stiicke schneiden’. — vgl. flá 3. 

— 4 schw. V. ‘flechten’ (< germ. 
*flehtön), nisl. fljetta, fár. flœtta, nnorw. 
fletta, nschw. flatta, fláta, ndá. flette. — 
as. fleohtan, as. ahd. flehtan. — lat. 
plecto ‘flechte’, gr. 7cXexTÝ) ‘seil, netz’, 
asl. pletq, piesti ‘flechte’, ohne t-erw.: 
lat. plico ‘falte’, gr. irXéxcd ‘ich flechte', 
tcXoxt) ‘flechte', ai. praina- 'geflecht’ 
(IEW 834). — vgl. flaska. 

fley f. n. ‘fáhre; schiff’ (< germ. *flauja-); 
fár. floy, nnorw. fley ‘schiff’. — > ae. 
flcege, me. fley ‘schiff’ (Björkman 66). 

— gr. 7cXotov, toch. B plewe 'fahrzeug’. 

— vgl. flóa 1. 

fleyðr f. ‘querbalken im dachgeriist’, 
nnorw. flauta ‘querbalken im schlitten’, 
nschw. flöte ‘querbalken oberhalb der 
wagenachse'. — lat. pluteus ‘schirm- 
dach’, lit. plautas ‘steg am bienen- 
stock’, plautai ‘bánke an der wand der 
badestube, querhölzer der darre’ (IEW 
838); auffallender zusammenhang von 
germ., ital. und balt. 

fleygja schw. V. ‘fliegen lassen, werfen’ 
(< germ. *flaugjan), nisl. fleygja, fár. 
floyggja, nnorw. fUsygja, nschw. flöja, 
adá. fleje; vgl. shetl. fljog, flog. —ae. 
áfliegan, mnd. vlögen, mhd. ervlougen 
‘verscheuchen’ (got. *usflaugjan ist 
konjektur zu iiberl. uswalugidai s. 
Feist, Got. Wb. 530). — Kausativ- 
bildung zu fljúga. 

fleymi n., fleymlngr m. ‘spott’, nisl. 
fleymur 'spott’; vgl. fár. floyma, nnorw. 
floyma ‘strömen'. — vgl. flaumr. 

fleyta schw. V. ‘treiben lassen; liiften, 
emporheben' (< germ. *flautjan), nisl. 
fleyta, fár. floyta, nnorw. fleyta, nschw. 
flöta, ndá. flede. — mnd. mnl. vlöten. 


ahd. flözzen. — Kausativbildung zu 
fljóta. 

flfða f. BN., vgl. nnorw. fleda, flida 'grosse 
wunde' oder fleda ‘diinne scheibe', 
eig. ‘etwas abgespaltetes’ (F. Jónsson 
ANO 1907, 323). — vgl. flik. 

flík, flika f. 'lappen, flicken, zipfel', 
nisl. flik(a), nschw. flik, ndá. flig 
‘zipfel’; weiter verwandt nisl. flik, 
nschw. dial. flik ‘unanstándiges weib’, 
nschw. flicka 'mádchen’ (A. Lindqvist 
MASO 5, 1943, 77-84). — lit. pliiíu, 
pleiSéti 'reissen, platzen’, plýStu, plýSti 
‘reissen', plySýs, lett. plaisa 'riss’. 
Die idg. wzl ist *p(h)lei, vgl. flý, 
erw. von *(s)p(h)el vgl. fjgl 1. 
Zu der wzl *p(h)lei gibt es die 
folgenden erweiterungen: 
erw. mit gutturai vgl. flekkr, 

flikki 

,, ,, Iabial „ flipr 

,, ,, dental ,, fliöa 

„ „ n „ fleinn, 

fletta 1 

,, ,, m ,, flim 

„ „ s ,, flis. 

Zu dieser sippe, die sowohl ‘tuch, 
fetzen’ wie auch ‘mádchen’ be- 
deutet s. Flom JEGPh. 12, 1913, 
78-92. Nach IEW 835 náher ver- 
wandt zu flá 3. 

flikki n. ‘speckseite’, nisl. flikki ‘grosses 
formloses stuck', fár. flikki, nnorw. 
flykkja, aschw. flykke, flikke ‘schinken, 
speckseite’. — > me. flykke, ne. dial. 
flick ‘speckscheibe’ (Thorson 26); > 
norm. flique ‘fleisch- oder brotschnitte’, 
frz. fliche, fléche ’speckseite’ (Gamill- 
scheg 423); > finn. liikkiö ‘speckseite' 
(Setálá FUF 13, 1913, 323-4). — ae. 
flicce ‘speckseite' (neben flesc < *flaiki 
'fleisch'), mnd. vlicke ‘flicke, abge- 
trenntes stuck', mnl. vlec, vlecke, vlicke 
‘hálfte eines geschlachteten schweins’. 
— vgl. flik. 

flim n. ‘spottvers’; m-erw. einer germ. 
wzl *fli wie in nnorw. dial. flina ‘ki- 
chern’, fleina ‘grinsen’, nschw. flina 
’grinsen’, dá. dial. fline ‘lácheln’; 
weiter nnorw. fltre 'kichem lachen', 
nschw. dial. flira ‘kichera’ (vgl. me. 
fliren 'grinsen') und nnorw. dial. flisa, 
nschw. flissa ‘kichem’. Auffallend ist 
der wechsel ei: eu in dem gleichbe- 
deutenden worte fleymi. — Davon 
abgeleitet fllmska f. ‘spott’ und 
flimta schw. V. ‘spotten’ (< germ. 
*flimatjan), nisl. flimta. 

Geht man aus von der grundbed. 
‘den mund öffnen zu einem grin- 
sen, dann zur idg. wzl *p(h)lei, 
vgl. flis. —Anders Jóhannesson, 
Wb. 574 der von der bed. 'entrin- 



fiingja 


132 


fióa 


det, geschunden' ausgeht und 
vergleicht lit. piýnas 'bloss, kahl- 
köpfig', plýné, pleiné ‘kahle ebene’, 
plikas 'kahlköpfig’, lett. pliks ‘ent- 
blösst, kahl', abg. pléii ‘kahlheit’, 
was dann aber weiter auch zu der 
idg. wzl *{s)piei 'spleissen’ gestellt 
wird. Es geht also im grunde um 
bedeutungsunterschiede der zu 
grunde liegenden wurzel. 
flingja f. in Zs. silfrflingja ‘silberschmuck 
auf haube’ (nur DI). vgl. norw. flinga 
‘dunne scheibe’. — vgl. flengja 2. 
flipr m. BN., vgl. nisl. flipi 'unterlippe 
eines pferdes’, nnorw. flipe ‘zipfel’ (F. 
Jónsson ANO 1907, 324, der auch an 
flipr denkt und dann vergleicht nnorw. 
flipe, flipa ‘grosse, gaffende wunde’, 
nisl. flipur 'schramme’, nnorw. flipa 
‘das offenstehen von kleidem’). — 
vgl. fleipa und flik, aber auch flitn. 
flís f. ‘fliese, steinplatte’, nisl. fár. flis, 
nnorw. flis, nschw. flis(a). — mnd. 
vlise ‘viereckige steinplatte’. — air. 
sliss ‘schnitzel, span’, slissiu ‘schnitzel, 
latte’ (H. Schröder ZfdPh 37, 1905, 
394). Zur idg. wzl *plll ?-, ‘abreissen’ 
(IEW 835), vgl. flik. 
fljóð n. ‘eheweib, frau’ (poet.). Der iiber- 
gang f. > n. unter einfluss von jóö 
meint A. M. Sturtevant, Lang. 17,1941, 
255. — Die herleitung aus ae. -flced, 
-fléd ‘2. teil in weibl. PN. wie íránk. 
Audefleda, weiter zu mhd. vlSt ‘schön- 
heit’, ahd. flát ‘sauberkeit, zierlich- 
keit’, die S. Bugge, Bidrag 30 ange- 
nommen hatte, ist mit recht von F. 
Jónsson ANO 1895, 315 zuriickge- 
wiesen worden. Aber die etymologie 
ist dunkel. 

1. Aus der wzl *fleu, die auch in 
fljúga auftritt; dann etwa ‘die 
kluge’ urspr. ‘die schnelle’ (Stur- 
tevant SSN 15, 1938, 26-8). — 

2. oder eig. schimpfname, vgl. 
nnorw. fleysa ‘leichtsinniges mád- 
schen’, flose 'losmáulige person’, 
flosa f. ‘schlampe’ zu idg. wzl 
*pleu ‘schliipfen, gleiten’ (H. Pe- 
tersson LUA 14, 1918, Nr3i, 76). 
— 3. sehr unwahrscheinlich zu ae. 
fleoöe, fléaðe ‘wasserlilie, ahd. fliod 
‘harz’ s. flúð. (Holthausen, Wb.67). 

fljótast. V. 'fliessen’ (< germ. *fleutan), 
nisl. fljóta, fár. fljóta, flóta, nnorw. 
fljota, nschw. flyta, ndá. flyde. — 
ae. fleotan, afr. fliáta, as. fliotan, mnl. 
vlieten, ahd. fliozan. — lit. pliudiiu, 
pláusti ‘waschen, reinigen’, lett. plúdi 
‘flut’, pludúot ‘obenauf schwimmen’, 
air. lúad ‘bewegung’, luid ‘er ging’ 
(IEW 837). — Dental-erw. zum stamm 
von flóa, vgl. auch flaust, flautir, 


fleyta, flot, floti, flotnar, flut- 
ningr, flýta und flytja. — Dazu 
fljót n. ‘das fliessen, fluss’, oft in isl. 
ON. (in Norwegen selten z.B. Fljote). — 
> norw. -fleur in ON. wie Honfleur, 
Harfleur. — ae. fléot ‘wasser, meer; 
miindung, fluss; floss, schiff’, afr. 
‘bach, fluss’, mnd. vlét, mnl. vliet ‘was- 
ser, fluss’. — fljótradj. 'schnell’, nisl. 
fár. fljótur, nnorw. fljot. —'ae. fleotig 
(ne. fleet) ‘schnell’, mnl. vliet(e) adv. 
'eilig’. — air. lúath ‘schnell’ (Windisch 
KZ 21, 1873, 431). 

fljúga st. V. ‘fUegen’, nisl. flúga, fár. 
fljúgva, flúgva, nnorw. fljuga, nschw. 
flyga, ndá. flyve. — ae. fleogan, afr. 
fliága, mnd. vllgen, mnl. vliegen, ahd. 
fliogan. — lit. piaukiú, plaúkti 'schwim- 
men’, plúnksna ‘feder’ (IEW 837). — 
Guttural-erweiterung zu flóa, vgl. 
weiter flaug, fleygja, fló 2, flog, 
flognir, flokkr, fluga, flugr, flygi, 
flygill, flyha, flykkjast und fugl. 

fló 1 f. 'schicht' (<germ. *flðhð), nisl. 
fló ‘diinne schicht’, fár. flógv, nnorw. 
flo, nschw. dial. flo ‘schicht’, vgl. orkn. 
flowins ‘schicht von butterkíumpen, 
die auf gekarnter milch schwimmen’ 
(Marwick 44). — ae. flðh 'fliese, stiick’, 
ahd. fluoh, ‘felswand, fluh’. — vgl. 
flá 2 und flaga 1. 

— 2i. ‘floh’ (< germ. *flauha), nisl. fló, 
nnorw. flo. — > lpN. lavkis (aus ur- 
lapp. *laukas) und laffis (aus urlapp. 
*lauhas), also nebeneinander mit un- 
verschobener und verschobener kon- 
sonant! (wie auch bei r ý, s. Wiklund, 
IF 38, 1917, 90 und SVS 24, 1927 Nr 
16, 48-54). — ae. fléa(h), mnd. mnl. vlo 
ahd. flöh. — Eig. ’das schnelle tier’ zu 
flýja ? (Nach Meillet MSL 22, 1922, 
142, zwar volksetvm. damit verbunden, 
aber eig. verwandt mit gr. yúXka, 9ÓXX0C 
'floh’ ai. plúsi, lat. púlex (< *pus-lex). 

flóa I schw. V. ‘fliessen' (< germ. 
*flöwln),iás\.flóa ‘ds.’.nnorw. flo, nschw. 
dial. floa 'iiberströmen’. — ae. flðwan 
‘iiberfliessen’, mnd. vlðien, mnl. vloyen, 
vloeyen ‘fliessen’. — Idg. grundform 
*plð(ff), vgl. gr. rcXúw ‘sdiiffe', jrXo>TÓ« 
‘schwimmend’; hochstufe zu *pl*ú, 
vgl. lat. germ. Flevo, Flevum, mnl. 
Fleo, Fli, nnl. Vlie 'wattenstrom vor 
der frisischen kiiste’, zu gr. irXio> 
‘schiffe, schwimme’, ai. plavate 'schifft, 
schwimmt', plava- ‘boot’, toch. B plewe 
‘schiff’, abl. *ploft: lat. perplovlre 'leck 
sein’, pluere ‘regnen’, asl. plovq, pluti 
‘fliessen, schwimmen', lit. plauju ’spiile’, 
arm. luanam ‘waschen', air. lúath 
‘schnell’ (IEW836); vgl.flái.flaumr, 
flaust, fley, fljóö, fljóta, fljúga, 
flóð, flói, fluð, flceð und fletða 2. 



133 


flosna 


flóð 


— 2 schw. V "aufwárroen', nnorw. flea. 

— vgl. flór. 

flóð n. ‘strömen, flut; fluss, wasser’ (auch 
flœðr í. vgl. Noreen, Gramm. § 392). 
(< germ. 'flöþu-); nisl. fár. flóö, 
nnorw. schw. dá. flod. — > finn. luode 
'flut; nordwesten’ (Thomsen 2, 195); 
estn. loe 'west, nordwest’, liv. lúód 
‘nordwest', weps. lödeh ‘westwind’ 
(setzt alten es-stamm voraus! s. Kar- 
sten GFL 99, FMS 5, 1937, 215, aber 
abgelehnt von Collinder UL 16); 

> lpS. fluörie, fluödie ‘flut’ (Qvigstad 
153). — got. flödus, ae. afr. as. flöd, ahd. 
fluot. — gr. jtXutó? ‘schwimmend’. — 
vgl. flóa 1. 

floel, fluel n. ‘samt’ (ált. beleg DN III 
178 aus 14. Jht), auch flugel, nnorw. 
fleyel, aschw. floel, fluel, floghel, nschw. 
flöjel, adá. flovel, flögel, ndá. flejl. — 
< mnd. flu(w)el, flowel (mnl. fluweel, 
vlueel) < afrz. veluel zu lat. villus ‘wolle’. 

flog n. ‘flug, eile; steile klippe’, nisl. 
fár. norw. flog ‘ds.’, nschw. dial. flog n., 
flu m. ‘kolik’, flög, flygg ‘steile khppe’. 
—- ae. geflog ‘ansteckende krankheit’, 
mnd. vloch 'flug’, mnl. g. sg. vloges, vlogs 
adv. ‘eilig’.—vgl. flj úga. —Dazu -flofl- 
nlr in ár-flognir ‘rabe' (poet.) vgl. shetl. 
flokner, flukner ‘tabuwort fiir vogel’. 

flói m. 'weite flussmundung; meeres- 
bucht; sumpfige stelle’ (< germ. 
*flöwan ; aber anders Saxén SNF 1 
Nr. 3, 60 < *fluhan mit hinweis auf 
aschw. flf < *fluhja ’seichte pfutze’), 
nisl. flói ‘breite flussmundung', fár. 
flógvi ‘mundung eines fjords zwischen 
zwei inseln’, nnorw. flo(e) ‘wasseran- 
sammlung auf sumpfigem boden’, ndá. 
dial. flo ‘morast’. — > orkn. flow 
‘öffnung einer meeresbucht', morast 
(vgl: Scapa Flow), shetl. flo ‘tabuwort 
fiir meer; morast’ (Jakobsen 175); 

> ne. dial. flow ‘morast; treibsand’ 
(Thorson 61); > finn. luovve 'sumpfi- 
ger see’, lpN. luövvl ‘untiefer see’ 
(Qvigstad 226). — air. ló (< *plö\?o) 
‘wasser’.—vgl. flóa 1. 

flókl I m. ‘flocke, filz', auch PN., nisl. 
flóki ‘filz’, nnorw. floke ‘wirre masse’, 
nschw. dial. flok ‘filz’ (vgl. dazu an. 
nisl. flóklnn 'verworren, verwickelt’). 

— > shetl. flog ‘verfilztes haar, ver- 
worrene wolle’ (Jakobsen 176); > ne. 
ON. Flockthorpe, Flookburgh (Ekwall 
174, zum PN. Flókil). — vgl. ae. flöcan 
‘klatschen, schlagen’, got. flökan ‘kla- 
gen’, afr. ur-flöka, as. far-flöcan, mnl. 
ver-vloeken, ahd. fluohhan ‘fluchen’. 

— lat. plango ‘schlagen’, plangi ‘klagen', 
eig. 'sich vor die brust schlagen’, pliga 
'schlag' gr. nXfjoou, 7TXf)YW|ii ‘schlage’, 
nXijfí) ‘schlag’, asl. plalq, plakati ‘sich 


vor die brust schlagen, klagen’, lit. 
plakú, plákti ‘schlagen, zuchtigen', 
plökis ‘rutenstreich', mir. lessaim 
(< *plangso-) ‘schlage’, lin (< *plakno) 
‘wehklage’ (IEW. 832). —- flóki be- 
deutet also urspr. ‘gewalkte und da- 
durch verfilzte masse’. — vgl. flaga 2: 
— 2 m. ‘flunder, pleuronectes flesus’, nisl. 
flóki ‘hippoglossus maximus’, nnorw. 
floke ‘flaches ackerland’. — > shetl. 
flug, schott. flook, fleuk ‘flunder' 
(Jakobsen 178). — ae. flöc 'flunder’, 
daneben abl. mnd. vlak, mnl. vlac, ahd. 
flah ‘flach, eben’. Also eig. ‘flachfisch’. 

— lat. plaga ‘fláche, gegend’, gr. 7 céXaY°S 
'offenes meer’, TtXávo? ‘seite’ (IEW 832). 

— g-erw. neben erw. mit k in flá 2, 
vgl. auch flaki und flekkr. 

flokkr m. ‘haufe, menge, schar' (< germ. 
*flugná-), nisl. fár. flokkur, nnorvr.flokk, 
nschw. flock, ndá. flok; vgl. shetl. 
flokk. — ae. flocc ‘schar’, mnd. vlocke, 
‘schafherde, schar’. — Wohl zu flj úga 
(etwa eig. ‘sich schnell bewegender 
haufe?), vgl. flykkjast. 
flóna schw. V. ‘íau werden’. — vgl. flór. 
flór adj. ‘warm, lau' (nur in chr. Schr.) 
(< germ. *flöwaz), norw. flo ‘lau', vgl. 
fár. flóni ‘wárme’.—abl. mnl. flau, vlau, 
nnl. flauw ‘matt, schwach, schlaff' 
(neben mnl. laeu, lau, nnl. lauw < germ. 
*hlciwa). — asl. paliti, poléti ‘brennen’, 
planqti ' aufflammen’ (IEW 805), toch. 
AB pdík ‘brennen', B pily-calile ‘busse’. 
vgl. flóa 2, flóna und flaer. 
flórr m. ‘boden zwischen den kuhstánden; 
kuhstall', nisl. flór, nnorw. nschw. dial. 
flor ‘boden im stall'. — ae. flðr' estrich, 
diele’, mnd. vlör ’diele, wiese’, mnl. 
vloer ‘boden, dreschtenne’, mhd. vluor 
‘boden, wiese, flur’. — air. Idr, kymr. 
llawr (< *pliro-) ‘diele’ (also nur germ. 
und kelt.!). — vgl. fold. 

Dazu wohl auch ill. stammesname 
nXapatoi und PN. Plarent- und 
weiter verwandt mit anderem 
suffix lett. plötns, apr. plonis 
‘tenne’; urspr. bed. also ‘festge- 
stampfter boden' > tenne > 
boden, diele. (s. Porzig, Gliederung 
d. idg. Spr. 1954, 119). 
flosa f. ‘schuppe, schale' (<germ. *flusðn), 
nisl. norw. flosa; vgl. flus ‘schale’. — 
Zur idg. wzl *(s)p(h)leu, vgl. fjol 1. 
flosim. BN. und PN.; vgl. nisl. flosi ‘tor’, 
nnorw. flose ‘leichtsinnige person’ — 
> russ. ON. Flusovo (M. Vasmer, 
Sitz. ber. AW Berlin 1931, 666).—ahd. 
flösári ‘lugner', giflös 'hinterlistige rede’. 

— vgl. flása. 

flosna schw. V. ‘verwelken’, nisl. flosna 
'ds.', nnorw. flosna ‘abbláttem'. — 
vgL flosa. 



fiot 


134 


flyka 


flot n. 'fliessen. bewegung; íahrwasser; 
schwimmendes fett', nisí. flot 'ds.', fár. 
flot ‘fliessen, floss’, nnorw. flot ‘fliessen; 
schwimmholz’, nschw. flott ‘schwim- 
mendes fett’, ndá. flod, flaad ‘fliessen, 
schwimmholz’. — ae. flot 'meer’, mnd. 
vlot ‘rahm', nnd. flot 'rahm, schwimm- 
holz', mnl. vlot ‘fliessen, floss, ílotte’. 

— vgl. fljóta. — Davon abgel. flota 
schw. V. ‘auf dem wasser treiben 
lassen'. — flotl m. ‘floss, fahrzeug; 
flotte’ (< germ. *flutan), nisL fár. 
floti, nnorw. flote, nschw. flotte, ndá. 
flaade. — > shetl. floti ‘floss’; > frz. 
flotte, it. flotta ‘flotte’; > IpN. lahtta 
‘floss’ (Qvigstad 213); > air. plot, 
manx plod ‘floss’ (A. Bugge, Fschr. 
K. Meyer 1912, 293). — ae. jlota 'schiff’, 
mnd. vlote 'floss, flotte’, mnl. vlote 
‘kleines fahrzeug, ílotte, schwimmholz’. 

— flotna schw. V. ‘auf dem wasser 
treiben'. — flotnar mpl. ‘schiffsleute, 
mánner’ (poet.). 

flótti m. 'flucht’ (< germ. *fluhta~), nisl. 
flótti; vgl. ae. flyht, afr. flecht, as. ahd. 
fluht, mnl. vlucht. •— vgl. /lýja. 

flúð f. ‘blinde klippe’, nisl. flúð, fár. 
fliírur, nnorw. flu, dial. flud. — ae. 
fléoöe, fléaðe ‘wasserlilie’ (eig. 'die 
schwimmende blume’), ahd. fliod ‘harz’ 
(eig. ‘das tráufelnde). — ai. plutá- 
‘schwimmend, uberschwemmt'. — vgl. 
flóa 1. 

fluei n. vgl. floel. 

flug f. n. ‘fahrt'; steile bergwand; gicht- 
anfall’, nisl. nnorw. flug ‘steile berg- 
wand’. — vgl. fljúga. — In Zss. 
flug- ‘flucht’ wie flugstyggr, flugtrauðr, 
aber auch 'fliegend' in flugdreki m. 
‘íliegender drache’, nisl. flugdreki, 
nnorw. flogdrake, aschw. floghdraki. — 
> finn. lohikádrme ‘drache’ (Kar- 
sten GFL 186). — Zum selben stamme 
*flug gehören noch fluga f. ’fliege’, 
nisl. fár. norw. schw. fluga, ndá. flue. —- 
Daneben abl. norw. fljuge (< *fleugðn) 
zu ae. fléoge, fliege as. fliega, mnd. vlége, 
mnl. vliege, ahd. flioga, fliuga. — flugr 
m. ‘flug’ (wiewohl i-stamm kein um- 
laut, viell. einfluss von Zss. s. E. 
Neuroan APhS 4, 1930, 239), nisl. 
flugur, nnorw. flug, aschw. flugh, adá. 
flug. — ae. flyge, as. flugi, ahd. flug; 
vgl. got. þlauhs ‘flucht’. 

flúr n. ‘blume, feines gerstenmehl’ und 
flúrr m. ‘feines gerstenbrot’. — Ent- 
weder < mnd. flúr, flðr (Fischer 78) 
oder < me. flour (A. Bugge, Indfl. 195), 
beide <afrz. flour; wenn nicht unmit- 
telbar aus dem frz. entlehnt. 

flua n. 'diinne schale’, (Larsen NVA 
1931, 262), nnorw. flus, flos, flys, 
aschw. flos, flas; auch orkn. floss 'spreu’ 


(Marwick 44). .— abl. ae. fleos, flies 
‘wolle, wollhaut’. — lit. pluskos ‘haar- 
zotten’, lett. plauskas ‘schinne' wohl 
zur idg. wzl *pleus 'ausrupfen’ 
(IEW 838). — vgl. flosna und 

flysja. 

flutning f. ‘beförderung; hilfe’ und 
flutningr m. ’beförderung; fursprache', 
nisl. flutningur. — vgl. flytja. 

flý n. BN., nnorw. fly, nschw. ( ankar-) 
fly 'ílugel eines ankers’. -— Daneben 
abl. ae. flá (< *flaið) ‘widerhaken, 
pfeilspitze’ (Lagerholm, Drei lygispgur 
31).-—vgl fleinn. 

flyðra f. ‘flunder' (s. Nordgaard MM 1912, 
59 ) ( < germ. *jlunþriön), nisl. flyðra, 
fár. flundra, nnorw. flundra ‘scholle; 
kleiner platter stein’, nschw. flundra, 
ndá. flynder 'scholle’. — > shetl. flodrek 
'flacher glatter íelsen an der kuste' 
(Jakobsen 176); > ne. flounder; > 
mnd. vlundere ‘flunder’. — mhd. 
vluoder ‘flunder’ und nasaliert: 
mhd. nd. flunder 'flunder’, mnl. nnl. 
vlonder, 'schmale briicke, boden aus 
dunnen brettem’, nnd. flunder ‘lappen, 
streifen’. — gr. 7rXa-ni<; ‘platt, breit', 
xXáTo? ‘breite’, ai. prathati ‘breitet aus’, 
prtha- ‘flache hand’, pratha- ‘breite’, 
prthivi ‘erde’, asl. plastú ‘tortum’, lit. 
plotyti ‘fallen’, plótas ‘platte’, plðtis 
‘breite’, lett. plátit 'diinn aufstreichen', 
arm. lain (< *pltno-) ‘breit’ (IEW 
833)- — vgl. flatr. 

flygi n. ‘fliegendes insekt’, in Zs. býflygi 
‘biene’ (< germ. *flugja-), nnorw. 
flyge, fly. — ne. fledge, ahd. flucki. — 
vgl. fljúga. 

flyglll m. ‘flugel' (nur Þiðr. s.), nisl. 
flygill, nnorw. flygel, nschw. flygel, 
flyjel, flögel. — < mnd. vlogel; vgl. 
mnl. vlogel, vleugel, mhd. vlúgel. 

flygja schw. V. ‘erregt werden’. — vgl. 
fl*g- 

flýja st. V. ‘fliehen’ (< germ. *fleuhjan; 
statt. *fljóa nach anal. von prás. flýr 
s. A. Noreen, Gramm. § 488 Anm. 2; 
iiber das sek. praet. fló statt *flá 
< *flauh s. Marstrander NVA 1925 
Nr. 1, 25); nisl. flýja; daneben das 
schw. V. fár. flýggja, nnorw. flya, 
nschw. dá. fly. — ae. fleon, afr. fliá, as. 
ahd. fliohan, mnl. vlien ; vgl. got .pliuhan. 
— vgl. fló 2, flótti und flesma. 
Unsichere etym. Nach Zupitza, 
Gutt. 131 zu fljúga; aber nach 
Osthof PBB 13, 1888, 412-5 zu 
lat. locusta ‘heuschrecke'. 

flyka f. ’gespenst, unhold’ (nur Grett. s.), 
wohl statt flykka und dann zu fljúga 
(A. M. Sturtevant SSN 9, 1927, 152); 
anders J óhannesson, Wb. 579 zur sippe 
von fjós. 



flykkja 


135 


flpkta 


flykkja schw. V. ‘zusammenscharen', 
nisl. flykkja ‘ordnen, einteilen’, flykk- 
jast 'sich scharen’, fár. nnorw. flykkjast, 
aschw. flykkias. — vgl. flokkr. 
flysja schw. V ‘die schale abreissen, 
schinden', nisl. norw. flysja, fár. flysa. 
— vgl. flosa. 

-flystri m. Zs. hvalflystri n. ‘abgeschnit- 
tenes stiick walfleisch’. — vgl. flosa 
und fjós 2. 

flýta schw. V. 'treiben, beeilen’, nisl. 
flýta, nnorw. flyta, vgl. shetl. fled. — 
vgl. fljótr. 

flýti f., flýtir m. ‘eile’, vgl. shetl. flo(r)d 
(Jakobsen 180). — vgl. fljótr. 
flytja schw. V. ‘fortschaffen, fördern; 
vortragen; helfen’, eig. ‘fliessen lassen’ 
(< germ. *flutjan), nisl. flytja, fár. 
flyt(l)a, nnorw. flytja, aschw. flytta, 
ndá. flytte. — > shetí. flitj, schott. flit 
(Flom 41); > ne. flit, me. flitten 

(Björkman 210); > afr. fletta ‘von 
einer wohnung zur andem bringen’ 
(? Hammerich, Fschr. Pedersen 1937, 
358); > IpS. fluhtet 'Qvigstad 154). — 
vgl. fljóta und flutning. 
fiæma schw. V. ‘forttreiben, verjagen’, 
nisl. flcema. Etymologie unsicher. 

Falls aus grandform *flahmian 
kann man es entweder zu got. 
þlahsjan ‘erschrecken’ stellen (H. 
Falk ANF 5, 1889, 122), also 
wechselformen *flahmian: *þlah- 
mian, wie fel und fjós 2, oder 
mit Holthausen, Wb. 68 zu Ut. 
plakú 'schlage’. Aber auch wohl mit 
der sippe von flýja verbunden 
(Schnieders 129), vgl. afr. flíma 
'wegfiihren’, ae. flýman, flieman 
‘verjagen’. 

flæmingi m. ’Flame’ < mnl. Vlaminc, 
Vlefninc. Das wort ist wohl schon in der 
friihen wikingerzeit iibemommen wor- 
den, so dass i-umlaut noch auftreten 
konnte; iiberdies wohl beeinflusst von 
flœma, etwa 'die vor den wikingem 
fliichtenden eingesessenen’. Also von 
saUsch-fránkisch Flaming auszugehen. 
-— > finn. Lemminkáinen ‘held des 
Kalevala’ (Karsten GFL 249; unsicher). 
Die etymologie des volksnaméns 
ist umstritten; man muss wohl 
ausgehen von einer ‘inguáoni- 
schen’ form fláming, die fiir germ. 
*flauming stehen könnte, dann 
vielleicht zu *flauma- ‘strömung, 
iiberströmtes land’ (vgl. flaumr). 
Also bewohnerder niedrigen Nord- 
seekiiste (so Dhondt und GijsseUng, 
Fschr. Baur 1948, 1, 200-215). 
flæmingt* 1 m. ‘das hin und her schwei- 
fen, flucht’. — vgl. flcema. 

— 2 m. BN. dasselbe wie flœmingi. 


— 3 m. ‘schwert’ (poet.). Die deutung 
als ’flámisches schwert’ ist nicht wahr- 
scheinlich; eher zu flœma und dann 
etwa 'das verscheuchende’, wáhrend 
Noreen denkt an schw. fláma 'glatt 
hauen’. 

flærð f. ‘betrug, falschheit’, nisl. flari, 
nnorw. flcer, nschw. flárd, adá. flœrd. — 
ae. flearð ‘unsinn, torheit’ (woraus es 
wohl nicht entlehnt ist, wie Björkman, 
Fschr. A. Noreen 1904, 169 ajinimmt). 
— Regelrechte fortbildung zu flár kann 
es nicht sein; F. Mezger, Herrigs Arch. 
1935, 66-7 nimmt an entw. < * flárœð. 
Unwahrscheinlich Falk ANF 41, 
1925, 129 < *fláziþð zu flása, 
vgl. auch ae. fleoswian, fleswian 
‘schwatzen’; weil damit das wort 
von flár getrennt wird. 
flœð f. und flœðr m. 'flut, iiberschwem- 
mung’ (neben flóð, und zwar als 
doppelformen in der t-dekl. s. A. No- 
reen, Gramm. § 392), nisl. flceð und 
flceður. — > shetl. fledskerri = an. 
floeðarsker ‘bei flut iiberschwemmte 
klippe’. — Dazu flæða schw. V. 
‘fluten, • uberfluten’, nisl. flœða, fár. 
fleða, nnorw. fleda, nschw. flöda, ndá. 
flede. — > lpS. floarröt ‘das steigen des 
meeres' (Qvigstad 153). —ae. flcedan, 
mnd. vlöden, mnl. vloeden, mhd. vlúeten. 

— vgl. flóð. 

flœja schw. V. ‘fliehen’; neubildung statt 
flýja nach prát. flaeða (Sturtevant SSN 
11, 1930, 61 denkt an einfluss von taeja). 
floekja schw. V. ’verfilzen, verwickeln’, 
nisl. fleekja, fár norw. flekja ; vgl. shetl. 
flog ‘verwirren’. — vgl. flóki 1. 
floer m. ‘wárme’ (nur chr. Schr.), fár. 

flevi, nnorw. fle. — vgl. flór. 
flpgra schw. V. ‘flattern’, nisl. flögra, 
nnorw. dial. schw. flagra (auch schw. 
dial. flágra und flaga), ndá. flagre. — 
ahd. flagarön 'umherfliegen’. — vgl. 
flaga 2. 

Wörter dieser art haben geme 
lautmalende nebenformen, vgl. 
flgkra und flaðra. 

flpkra schw. V. ‘umherstreifen, flattem’, 
nisl. flökra, fár. flákra, nnorw. dial. 
flakra, ndá. flagre ‘umherflattern’. — 
> me. flackeren, ne. dial. flacker 
(? Thorson 61); > shetl. floker ‘flat- 
tem’. — mnl. flackeren, mhd. vlackern 
‘flackem'; vgl. ae. flacor ‘fliegend (vom 
pfeil)’, eig. etwa ‘mit den flugeln schla- 
gen’? — vgl. flakka, flóki 1 und 
flQgra. 

flpkta schw. V. (< germ. *flakutjan) 
‘flattem’, nisl. flökta, nnorw. fíekta 
‘fliegen’, nschw. flákta ‘flattem, wehen’. 

— ahd. fluchazan, flogazzan ‘volitare'. 

— vgl. flgkra. 



136 


íól 


flpt 


flQt f. und flftr m. 'ebene, fláche', nisl. 
flOtur, nnorw. flot. — > shetl. flot 
‘ebene’, flet ‘flacher felsen; streifen 
bebautes land’ (Jakobsen 175); > ne. 
flat ‘lðngemass’ (Mawer-Stenton 89). 

— vgl. flatr. 

fnasa schw. V. (< germ. *fnasðn) 
’schnauben’, nisl. fnasa, ndá. fnase. — 
ae. fnesan st. V. 'niesen, keuchen’, 
fnesran, fnarettan ’keuchen, schwer 
atmen’, mhd. fnasen ’schnauben’ (vgl. 
ahd. fnaskazzen, fneskezzen ’schnauben'). 

— vgl. fnýsa, fncesa und fngsun. 

fnaufli m. ‘lump'; vgl. nschw. dial. fnoda 

‘schlecht arbeiten’ (Strömbáck ANF 
51, 1935, 117-8). — Dazu wechsel- 
form snauðr (wie fnykr neben snykr). 

— vgl. fnýsa. 

fnjóskr m. ‘feuerschwamm’, xúsl.fnjóskur, 
vgl. nschw. fnðske, fnyske (< *fnuskia) 
‘schwammzunder'. Daneben mit an- 
derem anlaut knjóskr (vgl. fnykr). 

fnykr m. ‘iibler geruch’, msl. fnykur, 
aschw. fnuk, fnok 'unreinheit’, nschw. 
fnyk ‘stáubchen’, ndá. fnug ‘staub’; 
vgl. orkn. feenk ‘gestank’. — Daneben 
wechselformen: hnykr, knykr und 
snykr. 

fnýsa schw. V. 'schnauben’ (< germ. 
*fniusian), daneben fnœsa (< germ. 
*fnðsian\ s. zum wechsel 2. und 6. abl. 
reihe Noreen, Gramm. § 172, 3); nisl. 
fnœsa, nnorw. dial. fnysa, fnesa ’kichem’, 
nschw. fnysa ‘prusten’, ndá. fnyse 
‘schnauben’. — ae. fnlosan ‘keuchen, 
niesen’, mnl. fniesen, mhd. pfnúsen. — 
gr. jtví o> 'keuche, atme’, avcOpa ‘hauch’, 
7tvofj ‘schnauben’. — Daneben wieder 
wechselformen wie hnjósa und me. 
snisin, ne. sneeze. — vgl. fnasa und 
fnauöi. 

fnpswn f. ‘das schnauben’. — vgl. fnasa. 

fóa f. 'fuchs’ (nicht bes. ‘fflchsin'! s. 
£. Lidén NB 19, 1931, 87-8); vgl. orkn. 
fúa (< germ. *fuhðn). — vgl. dá. 
ON. Foburgh (heute: Fibprg, s. M. 
Kristensen NB 16, 1928, 115-6). — 
got. fauho 'fuchs', mnd. vð, ahd. foha 
‘fiichsin’. — Das wort ist eig. ein noa- 
name, mit der bed. ‘geschwánztes tier’, 
vgl. ai. púccha- ‘schwanz', av; pusi 
‘haarbusch’, russ. puch 'feines wolliges 
haar' (IEW 849). — Daneben mit 
s-sutfix vgl. fox. 

fóarn n. ‘leckerbissen, eig. hinterteil des 
vogelmagens’, nisl. fóarn, fár. fógverni, 
neben fogvati, fóati, schw. dial. fur. 
In Rigsþ 32 hat die hs. faan, vgl. 
nnorw. aial. / 4 » (s. M. Olsen ANF 39, 
1923 . 3 ° 7 * 12 )- 

Etymologie fraglich. „Man ver- 
bindet grundform w *fúharna aus 
einem stamm *fúh, der mit fugl 


verwandt sein soil; wenig wahr- 
scheinlich. Dagegen vergleicht 
Sturtevant MPh 26, 1928, 474 
nisl. fóerla 'anas glacialis’ < *fð- 
arilðn, indem *arilðn 'kleiner adler 
bedeutet. Endlich Holthausen, Wb. 
69 zweifelnd zu lit. pukSle 'beule’, 
und 362 zu lat. pdbulum. 

fóðr I n. ‘nahrung’, nisl. íár. fóóur, 
nnorw. schw. dá. foder. — > lpN. 
fuoðar ‘viehfutter’ (Qvigstad 156); 
> finn. vuori, estn. vöder, liv. uoder 
‘futter’ (junge entL). — ae. fððor, 
mnd. vðder, mnl. voeder, voer, áhd. 
fuotar. — lat. pöscð ‘weiden lassen, 
futtem’, pðbulum ‘futter’, panis < 
*pastnis ‘brot’, gr. rcaTéo|xat ‘esse und 
trinke', asl. pasq, pasti ‘weiden’ (IEW 
787).—vgl. fóstr, fceða und fcezla. 

— 2 n. ‘futteral, scheide’ (norw. nur 
DN), nisl. fár. fóður, nnorw. schw. 
foder, ndá. foder, for. — > finn. huotra, 
weps. hodr (Thomsen 2, 178; Karsten 
FMS 4, 1936, 440); > lpN. fuoOar, 
fuodar 'unterfutter’. — < mnd. vðder, 
vgl. got. fðdr ‘scheide’, ae. fðdor ‘futteral, 
scheide’, afr. fðder, mnl. voeder, voder, 
ahd. fuotar 'unterfutter’. — gr. núua 
‘deckel', ai. pátra- n. ‘behálter’ (IEW 
839 ). 

Die beiden wörter fóðr können zu 
derselben wurzel *pð gehören, 
fur die J. Trier, Zs. d. Savigny- 
Stiftung f. Rechtsgesch. 65 Germ. 
Abl. 1947, 238, die gmndbed. 
‘zaun, zaungeflecht’ annimmt. Lat. 
pasco weist auf das eingehegte 
weidestuck hin, wo das vieh 
nahrang emofángt. Anderseits 
fuhrt das 'geflecht y zu wörtem fúr 
‘schwertscheide’, ‘behálter, futte- 
ral’, und ‘eng anliegende htille’. — 
vgl. weiter faðir, faómr und 
feima. 

fogl m. 'vogel'. vgl. fugl. 

fógutl m. auch fugutr 'vogt’ (spát 
norw. nur DN), nisl. fógeti, fár. fúti, 
nnorw. fut, faut, aschw. foghate, fogoti, 
nschw. dial. faut; vgl. shetl. foud(e) 
(Jakobsen 187). —„< mnd. vðget < lat. 
vocátus — advocatus. 

fok n. ‘schneegestöber’, nisl. fár. nnorw. 
foh, ndá. fog; vgl. shetl. fog.fjág, fjok, 
fjðg ‘dúnne schneewolken’ (jakobsen 
181). — vgl. fjúka. 

fokurr m. (oder fokur fpl ? nur Ljósv. s.) 
‘packen, búndel’. — Wohl zu lesen: 
tóggur. 

fól n. ‘narr, tor’, nisl. fól, nnorw. föl, nsch. 
dá. fjol. — < me. fðl < afrz. fol < lat. 
follis. — vgl. fóli 1, fólskr, fcela. 
Möglich scheint immerhm, dass 
das wort einheimisch ist und zwar 



íola 


137 


íóra 


verwandt mit der sippe von feltns- 
fullr (so Torp, Nyn. Wb. 129). 
fola schw. V. 'fohlen’, — vgl. foli. 
folald n. ‘fohlen’ (< germ. *fulaþla; 
vgl. fiir suffix eiskald). — abgel. von 
foli. 

fold f. ‘erde, land; weide, trift', nisl. fár. 
fold, nnorw. fold, foll in ON. — ae. 
folde, as. folda, ahd. ON. Fuld-aha. — 
Daneben abl. *feld ‘acker, feld’, nicht 
iiberliefert', aber > finn. pelto, estn. 
pðld, weps. pöld, peld, wot. pðlto, lpN. 
beelddo (Thomsen 2, 206), vgl. auch 
finn. pelle ‘lockere erde, begrabnisort' 
(Karsten GFL 99), dazu nschw. fiell 
‘grundbesitz’. — ae. afr. feld m., as. 
ahd. feld n. — Ebenfalls abl. fal- 
in ON. wie schw. Falun, Falköping 
(J. Götlind NB 21, 1933, 8-11), dá. 
Falster, vgl. West- und Ostfalen (aber 
kann auch aus fQlr gedeutet werden). 

— lat. palam 'offen', asl. polje ‘feld’, 
polú 'offen’, lit. plóju, plóti ‘die hánde 
breit zusammenschlagen’, lett. plát 
'diinn aufstreichen’, mir. lathair ‘ort’ 
(s. Persson UUÁ 1891, 10). 

So auch IEW 806. Das wort be- 
deutet urspr. wohl nicht 'das 
flach ausgestreckte’, sondern; 'das 
eingezáunte ackerstiick', wie das 
w§;erm. feld es noch deutlich zeigt. 
Die idg. wzl *pel ‘zaun’; ‘einzáu- 
nen’ liegt vor in fela und feldr 1 
(s. J. Trier, Lehm 1951, 24-30). — 
Damit ist die áltere etymoíogie 
als ‘die breit sich ausdehnende 
fláche', zu gr. TtXároc ’breite’, 
ai. prthu-, av. persfau- ‘breit’, 
ai. prihivi ’erde’, gall. Litau 'Bre- 
tagne’ (Hellc[uist ANF 7, 1891, 8 
und Lindtjuist, Fschr. E. Olson 
238-240) hmfállig. 

folginn part. prát. 'verborgen’, mit 
gramm. wechsel zu fela. 
foll m. ‘fohlen’ ( < germ. *fulan), nisl. 
fár. foli, nnorw. dá. fole, nschw. 
fdle (s. Zetterholm, Nordiska ordgeo- 
grafiska studier 1937, 113-131). — 
got. fula ‘eselfohlen’, ae. fola, afr. fola, 
folla, as. folo, mhd. mnd. mnl. vole, ahd. 
folo (Palander 83-5). — gr. 

‘fohlen’, viell.: alb. pllé ‘stute’; zur 
idg. wzl *pðu ‘wenig, gering’ (Hirt. 
Idg. Abl. 39), vgl. fár 2 und weiter 
folald, fyl und fylja. 
fóU I m. ‘narr’, vgl. fól. 

— 2 oder foli m. ‘gestohlener gegenstand' 
(< germ. *fulhana ) nisl. fóli, aschw. 
agutn. fðli. — got. fulhans ’verborgen’. 

— vgl. fela. 

folk _ n, ‘schar. heersr.har; vfilk’ auch 
‘kampf, schwert' (poet.), nisl. fár. fólk, 
nnorw. schw. dá. folk. — > finn. hulk 


'schar' (Thomsen 2, 177); > lpN, 

fuölkke ‘familie, geschlecht’ (Thomsen 
2,174).—ae. /ofc, éts. afr.ahd. folk ‘volk', . 
bmgZ—fulh- in PN. (Gamillscheg, 
"RomT Germ. 3, 118). — vgl. fylki 
und fylkja. 

G ewdhnlich auf die idg. wzl 
* ieíó ‘voff sein* (vgl. Jullr) zu- 
'riickgefiihrf fs. IEW 799); otF - 
gTeich mafl dazu auch lat. plebs 
rechnet, ist die etymologie wenig 
ansprechend. Das volk als ‘das 
voUe' oder 'die vollheit’ (etwa der 
volksgemeinschaft ?) anzudeuten, 
scheint fiir die idg. zeit'reichlich 
abstrakt; uberdies bezeichnet folk 
nicht ’das volk’ an sich, sondem 
eine ‘heerschar’. Deshalb kann 
man, wie beim worte herr an eine 
bed.entw. als ‘k reis der waffen- 
fáhigen mánner’ denken, das wie- 
der aus 'zaun' entstanden sein 
kann (vgl. þing)\ dann wáre das 
wort zusammen mit fold ‘der 
umzáunte acker’ auf die idg. wzl 
*pel zuruckzufiihren. 

Auch in PN. verwendet . wie Folki, 
aichw. ada. Folke (> ae. Folco, 
Fulco) und in Zss. wie Folkbjorn, 
Folkráðr, Folkvarðr (bes. ostskan- 
dinavisch, s. E. Wessén UUÁ 
1927 Nr. 3, 102-104). — Auch 
háufig im wgerm.: herul. Fulcaris 
(< *Fulkaharjis), langob. Fulku- 
lus, fránk. Fulcardus, Folcdag, 
Folcmar, ae. Folkburg, Folkhere, afr. 
Folkwalda (Naumann 34). 
fóiskr adj. ’töricht’, nisl. fár. fólskur .— 
vgl. fól. 

fontr m. 'taufbecken’, vgl. funtr. 
for I f. ‘furche, graben’ (< germ. 
*furhð), nisl. fár. norw. for, nschw. 
fára (dial. fðr), ndá. fure. —ae. furh (ne. 
furrow), afr. furch, mnd. mnl. vore, ahd. 
furuh. — lat. porca ‘furche, ackerbeet’, 
gaU.-lat. rica, air. et-rech (< *prká) 
‘furche’ (IEW 821). — vgl. Fjqrgyn. 


— 2 práfix 'vor-’, nisl. fár. nnorw. for; 
in Zss. wie forboða, fordjarfa, fordœma, 
forláta, forráða, forsenda, forsmá, for- 
standa aus dem deutschen iibemommen 
(vgl. auch fyrir 2). —got. faur, ae. as. 
afr. for, ahd. fora. —lat. por- (in por-rigo 
'strecke aus’). gr. náp, rcápa ‘bei’, nápcc 
'friiher'. Die idg. wzl *pr neben *per, 
vgl. fjarri, forða und forr. 
fóra f. ‘kriegsriistung' (spát iiberl.), 
nisl. fóra ‘riistung; versteck’, nnorw. 
dial. föra 'treiben, betragen, stand. 
fáhigkeit’, adá. fore 'treiben, aussteuer*. 
— MögUch < mnd. vðre 'treiben, 
wagen, fuder, betragen, lebensweise’. 



forað 


138 


Fomjótr 


Aber viell. auch einheimisches wort. — 
vgl. fara. 

forað n. 'gefáhrliche stelle, verderben, 
lebensgefahr’, nisl. foraö. 

Etymologie schwankt: i. -að in 
infortis-position aus eið entstan- 
den (A. Kock ANF 14, 1898, 262- 
4). — 2. eig. verbal-substantiv 
zu einem zusammengesetzten Zw., 
das zur idg. wzl *ei ‘gehen’ ge- 
hört, mit práfix fra- gebildet (T. 
Johannisson, Part. Komp. 179, 
der von der bed. 'gefahr, verder- 
ben’ ausgeht). — 3. eine -ad-abl. 
zum worte for 1 (A. Jóhannesson, 
Suff. 9, der als urspr. bed. ‘sump- 
fige stelle’ annimmt); wenig an- 
sprecHend. 

for&tta f. ‘vorwand, begriindung’ ist 
unter einfluss von Zss. wie barátta 
aus der urspr. form forurtir ent- 
standen. 

forða schw. V. ‘in sicherheit bringen, 
retten’, nisl. fár. forða, nnorw. forda, 
aschw. forþa, adá. forde. — > orkn. 
foard 'verbessem’ (Marwick 44). — 
ae. forðian ‘fördem, vollenden'. Ab- 
geleitet von adv. ae. forö, afr. as. forð, 
mhd. vort ‘vorwárts, weiter’, selbst eine 
weiterbildung von for 2. 

forðum adv. ‘friiher’, nschw. fordom, 
ndá. fordum, wohl entstanden aus 
*forþeim, vgl. got. faur þamma. 

forellrar mpl. forellri, foreldri n. 
‘eltern’, vgl. schw. foráldrar, dán. 
foreeldre. — mnd. voreldern, nhd. 
voreltern, nnl. voorouders. — vgl. 
aldr. 

foringi m. ‘fiihrer’ (< germ. *for-gangian 
vgl. fiir die bildung bandingi), nisl. 
foringi ‘ds.‘, nnorw. dial. fðring ‘spuk- 
gestalt', run. schw. forunki (E. Wessén, 
Upplands Runinskr. iói). — got. 
fauragaggja, ae. foregenga. — vgl. for 2 
und gengi. 

forkr m. 'mit eisen beschlagene stange 
zum abstossen eines schuffes’, nisl. 
forkur, fár. furkur, nnorw. dá. fork 
‘gabel’, nschw. dial. fork 'tragstange’. 
— > lpN. hurrka, huorrke ‘holzspaten' 
(Qvigstad 196). — Die an. bed. verbie- 
tet schon an entl. aus ae. forca m. force í. 
‘gabel’ (das selbst < lat. furca) zu 
denken; es gehört eher zu ae. forclas 
pl. ‘riegel’ und as. fercal ‘riegel, ver- 
schluss’ (H. Petersson PBB 33, 1908, 
191), das weiter zu asl. pragu, fiorogú 
‘schwelle’, lit. fiirgas ‘fischerkalm’ 
gestellt wird (Persson SVS 10, 1912, 
475 )- 

In diesem fall hátte das nicht ver- 
wandte furca nur auf die bed. erw. 
zu ‘gabel’ eingewirkt. Aber die 


bootstange hatte wohl auch am 
unterende eine gabelförmige vor- 
richtung. Zusammenhang mit dem 
homonym forca ist also von vom- 
herein nicht ausgeschlossen. 

form n. ‘form, weise, art; bild’; nisl. 
norw. schw. dá. form. — < mnd. forme 

< lat. forma. 

formel m. ‘falkenart' (anorw. DN). — 

< afrz. formel < lat. formalis. 

formera schw. V. ‘formen, bilden’ 

(chr. Schr.). — < mnd. formSren < lat. 
formare. 

fom adj. ‘alt, heidnisch’ (< germ. 
*furna-), nisl. norw. schw. dá. forn, 
fár. fornur. — > ne. ON. wie Forncett 
(ált. Fornesseta Ekwall 176 zu PN. 
Forni) und Foremark (ált. Fornewer- 
che). — ae. as. ahd. forn ‘ehemals’, 
gehört zu abl. got. fairns ‘vorjáhrig’, 
fairneis ‘alt’, ae. fyrn, ahd. firni ‘alt’, 
as. fernun gire ‘im vorigen jahre’. — 
vgl. fjarri, Forni, fyrnd und 
Fyrnir. 

fóm f. ‘sendung; opfer’ (< germ. 
*fðrini), nisl. fórn ‘opfer’, nnorw. 
fðrn 'gabe; ladung’; eig. das den 
göttem zugeschickte’ eher als ‘das 
zum opfer mitgebrachte’. — vgl. fara 
und fœra. 

foraeskja f.'vorzeit, heidentum’ von forn 
gebildet (mit suff. -iskjð), wie lik- 
neskja, menneshja, nominale abstrakt- 
bildung zu adj. wie himneskr, gotneskr. 
Die lautgesetzl. form ist fyrnska, 
aber umgebildet nach dem beispiel von 
wörtern wie gotneskr zum zweisilb. 
stamm gotan, weshalb hier auch der 
umlaut fehlt (A. M. Sturtevant MPh 
26, 1929, 150-2). Diese bildung trat 
in diesem worte zuerst auf und der 
gegensatz zum cbristentum beweist 
schon, dass es eine ziemlich spáte 
bildung ist. 

Foral m. BN. und PN., auch Odinsname, 
eig. 'der alte'. — > ae. Forna, Forne .— 
vgl. forn. 

Fomjótr m. 'name eines riesen’. Un- 
sichere etymologie. 

Trennt man forn-jótr so gelangt 
man zu einer bed. ‘alter Jtite’ 
(Rask SA 1, 78 und Grimm D. 
Myth 1, 220) oder besser noch 
‘Urwesen’ (Hellquist ANF 19, 
Í903, 134-40); trennt man aber 
for-njótr, so kann man den namen 
deuten als ‘vorbesitzer’ (Uhland 
Schr. 6, 22) oder ansprechender 
als ‘vemichter’ (F. Jónsson APhS 
9, 1934, 3°°) > trennt man schliess- 
lich als fot’n-njótr, dann könnte er 
bedeuten ‘opfergeniesser’ (Noreen, 
Fschr. S. Bugge 1892, 219; wenig 



forr 


139 


fram 


wahrscheinlich fiir einen riesen!). 
Endlich hat A. Kock IF io, 1899, 
103 als grundform *forn-þjótr 
etwa ‘alter heuler’ angenommen. 
forradj. ‘eilig, hastig’ (< germ. *furha-), 
nnorw. för ‘eilig’. — gr. 7 tpóxa ‘sofort’. 
— Mit gutt. suff. gebildet zu for 2. 
fors I auch foss m. 'wasserfall’ (< germ. 
*fursa-), nisl. fors, far. forsur, nnorw. 
foss, fors, aschw. dá. fors. — > me. 
fors (Sundén GHÁ 26, 1920 Nr 2, 141), 
ne. dial. force (Thorson 61); > orkn. 
schott. fors (Flom 42); > mnd. forsch', 
> lpN. hgrrsa, lpS. fuorrs (Qvigstad 
195). — ai. pars ‘besprengen, nass 
werden’, prsat ‘tropfen’, toch. AB 
pars-, pras- ‘begiessen, benetzen’, asl. 
prachú ‘staub’, lit. pufslas ‘schaum- 
speichel’, lett. pfrsla, parsla ‘ílocke von 
asche oder schnee’ (IEW 823). — vgl. 
fyrsa. 

Die idg. wzl *per-s hat vielleicht 
nebenform *prés vgl. frœsa, dazu 
erweiterungen *p(e)reu und zwar 
mit determ. dental vgl. frauö 
,, ,, s vgl. frýsa. 

— 2 oder forz n. ‘gewalt, zorn, iibermut’, 
wie mnd. fors ‘stark, ubermutig’, mnl. 
fortse i. ‘kraft, gewalt’, mittelbar oder 
unmittelbar < afrz. force. 

forsetl 1 n. ‘name eines Asen’, eig. ‘der 
vorsitzer im ding’, vgl. afr. Fosite (s. 
de Vries, Altg. Rel. gesch. II § 518). 
Anders, aber wenig ansprechend < 
*furh-setan, etwa ‘menschensetzer' zu 
fjgr (s. Loewenthal PBB 45, 1920, 255). 

— 2 m. ‘habicht’, eig. ‘nachsteller’, vgl. 
sitja fyrir ‘im hinterhalt liegen’. 

forurtir fpl. ‘vorwand, begriindung’. — 
got. frawaurhts, ae. forwyrht, as. far- 
wurht ‘siinde’; eig. h-bildung zum Zw. 
got. frawaurkjan ‘siinde begehen’, as. 
farwirkian ‘sich versiindigen’, ahd. 
firwirken 'verderben sichversiindigen’, 
mnl. verwerken ‘verwirken, verderben’. 
Dber die bed. entw. 'schuld’ > ‘grund, 
vorwand’ und die volksetym. umge- 
staltung zu forátta s. T. Johannisson, 
Part. Komp 1939, 181 und I. Lind- 
quist MASO 3, 1941, 139. 
forysta, forosta f. ‘fiihrerschaft, auf- 
sicht’, entstanden aus forvista, vgl. 
for 2 und vist 1. 
forz vgl. fors 2. 
foss vgl. fors 1. 

fóstr n. ‘erziehung, unterhalt’ (< germ. 
*föð-pra), nisl. fóstur, fár. fostur, 
nnorw. schw. dá. foster. — ae. fðstor 
‘unterhalt, nahrung', as. mnd. fðster 
‘futter’. — vgl. fóðr 1. 
fótr m. ‘fuss’, nisl. fár. fótur, nnorw. schw. 
fot, ndá. fod. — got. fðtus, ae. afr. as,- 
fðt, ahd. fuoz. — lat. pés, pidis, gr. 7tou<;, 


xoSóc, ai. pSd, arm. otn ‘fuss’; daneben 
auch vokal. stamm: lat. peda' fuss- 
spur’, gr. tcíSov ‘grund, boden’, ai. 
padam ‘schritt, ort’, asl. podú ‘boden’, 
lit. pedá ‘fusstapfe’. — vgl. fata 2, 
fet, fitja, fitjungr, fceta und fœttr. 
fox n. ‘betrug’, vgl. nisl. fox ‘hexe’, 
wahrsch. < ae. fox ‘betriiger’ (s. Björk- 
man, Fschr. A Noreen 1904, 168). Áuch 
die namen des tieres áschw. fux ‘fuchs’ 
(nscbw. fux, ndá. fuks ‘rotes pferd') 
stammen aus dem westgerm. vgl. ae. 
fox, ahd. fuhs, mnd. mnl. vos (Palander 
44). — vgl. fóa und fiir das s-suffix 
bersi. 

frá práp. ‘von, ab’ (< germ. *fram), nisl. 
fár. frá, nnorw. fraa, nschw. frdn, dial. 
frd, adá. fran, fra. — > me. frá, frg, 
ne. fro (in to and fro, Björkman 100); > 
shetl. frae, fro. — vgl. fram. 
Fraðmarr m. PN. (edd.), daneben 
Fróðmarr, vgl. fróðr 1 und mcerr. 
frakka f., frakki m. ‘wurfspiess’, run. 
norw. f[r]qknA, g. pl. (Eggjum c. 700, 
Krause Nr 54), fár. frakki. Vielleicht 
< ae. franca ‘speer’, eig. ‘die fránkische 
waffe’ (Falk NVA 1914 Nr. 6, 75). 

Dasverháltniszu demVN.derFran- 
ken ist aber unsicher. Petersson 
IF 24, 1909, 39 betrachtet franka- 
eigentlich als waffenname, und 
stellt es zu as. fercal ‘riegel, ver- 
schluss’ und forkr. Geht man aber 
von dem VN. aus, so kánn diese 
gedeutet werden als nhd. mnl. 
frank ‘frei, unerschrocken’; vgl. 
auch nnorw. frak, frakk ‘gut’, 
nschw. dial. frak, frakk ‘gross, 
wichtig’, ndá. dial. frag ‘gross,- 
stark, klug’ und weiter shetl. 
frag(g) ‘klug, wertvoll’, ne. dial. 
frack ‘aktiv, fertig’; vgl. frekr. 
Der PN. Frakki gehört zu anorw. 
frakkr (DN) ‘mutig’.—Nimmt man 
asl. prqíú f. (< *prong) ‘stammen- 
de, stiptes’ hinzu, dann gelangt man 
zur wzl *per-g: *pr-eg mit der 
bed. ‘einhegen, hegung’, weshalb 
J. Trier PBB 67, 1944, 116 den 
volksnamen auf den ‘mannring' 
der freien stammesgenossen be- 
zieht; das wort fiir 'speer’ wáre 
also aus dem gegabelten pfahl des 
zaunes (vgl. forkr) herzuleiten, 
wáhrend das adj. frakkr ‘die eigen- 
schaft der freigeborenen volks- 
genossen’ bezeichnet hátte. 
fram aöv 'vorwárts’ . nisl. fár. norw. 
*• schw. adá. fram. — got. as. ahd. fram, 

ae. afr. fram, from ‘von.her, weiter, 

fort’, vgl. auch práfix got. fra-, ahd. 
/*>-, nhd. ver-. — gr. 71QÓ9.0C vorderster. 
fuhrer’, umbr. prómom a.dv. ‘pnmum'jju 




frankar 


140 


fregna 


i_ a t. p vn - ‘ vr>r fttr ' fr r re n - ‘vor*- &i. wa- 

‘ vor. vorwarts*. av. ira-. hli- ‘vorwarts. 
fört', a,ir rn. W T~)i> irtpr w-rl 

igf prw v on •per vel. fjarrt und weítér~ 
frá, fremd, fremja, fremr, Freyja, 
Freyr, frum und frgmuðr. — 
Dazu weiter frama schw. V. ‘fördem, 
ausfuhren’, nisl. frama. — ae. framian 
‘niitzen, vorwartskommen’, afr. framia, 
as. gi-framðn ‘ausfiihren'. — framan 
adv. ‘vom, vorwárts’. — framarr 
'weiter vom'; spáter; mehr’. — frami 
m. ‘vorteil, ruhm; tapferkeit', nisl. 
fár. frami. — framr adj. ‘tapfer; vor- 
ziiglich’, nisl. framur, aschw. framber 
(daneben freember, also alter t-stamm, 
s. Noreen, Gramm. § 424 Anm. 2). — 
ae. fram ‘kráftig, kiihn, stark', afr. 
fram ‘niitzlich'; daneben abl. got. 
fruma, ae. afr. forma, as. formo ‘erster’ 
und as. ahd. fruma, afr. froma, mnl. 
vrome ‘niitzen'. 

frankar, frakkar mpl. ‘Franken, Fran- 
zosen’ < as. Franco oder ae. Franca. — 
vgl. frakka. 

fránn adj. ‘funkelnd; scharf, mutig’; 
alssubst. ‘schlange’ (<germ. *frahana), 
nnorw. fraanen ‘rotwángig’, fár. freenur 
'glánzend’, frcenottur ‘gefleckt, scheckig’, 
vgl. shetl. fronet (< *fránóttr) 'kuh 
mit schwarzen flecken auf einem weis- 
sen kopf’. vgl. dazu auch fár. freenaror- 
mur, nnorw. dial. franarormen ‘schlange 
mit gelben flecken’. — Man braucht 
nicht zwei homonymen anzunehme 
denn die bed. entw. kann sein ‘hell- 
gefleckt, buntscbeckig’ > glánzend > 
blank geschliffen > scharf (Flom 
JEGPh 35, 1936, 299-329). — vgl. 
freena. 

Die etymologie ist unsicher, wohl 
am ehesten zur idg. wzl *pereR 
'bunt’, die auch m fjgrsungr 
vorliegt (Blankenstein IF 23, 1909, 

1 33). Weniger ansprechend zu frár 
(Flom JEGPh 25, 1926, 299 ff.). 
frár adj. ‘hurtig, schnell’ {< *frawR 
< *frawaR); aaneben auch frór (vgl. 
dazu Pipping SNF 12 Nr 1, 10), nisl. 
frár, fár. fróur ‘froh', mn. schw. fra- 
warSOaR (Mojbro c. 400; s. zumwort). 
— afr. frð, as. fraho, frS, frð, mnl. vro, 
ahd. frao, frö ‘frob’, vgl. ahd. frouwen, 
frewen, mnl. vrouwen ‘sich freuen’. — 
ai. pravatS ‘springt auf, eilt', mss. 
pryg ‘spmng, satz', prygati ‘hupfen’ 
(IEW 845); aiso bed. entw. ‘schnell, 
eilig' > ‘froh’ (vgl. glaðr). — vgl. 
frygO. Dazu Odinsname Fráríor 
‘der hurtige reiter'. 
frassi m. BN. vgl. fress. 
frata schw. V. ‘furzen* (nur Ls. 32), vgl. 
mhd. varzen. — vgl. freta. I 


frauð n. ‘schaum', nisl. frauO, nnorw. 
fraud, frau, vgl. auch aschw. fredha. 
nschw. dial. frö. — ae. afreoöan 'scháu- 
men’. — ai. prothati ‘pmstet, schnaubt’, 
,av. fraöthat-aspa ‘mit schnaubenden 
rossen' (die idg. wzl *preu-th ist erw. 
der wzl *per, vgl. fors). — vgl. 
frauðr, frauki, freyða, froða, 
froskr und fróði. 

frauðr m. ‘frosch’, norw. dial. fraud, frau, 
nschw. dial. fröd, frö, fröa, ndá. jre. — 
Möglich eig. ‘das tier mit der schleimi- 
gen haut' und dann zu frauð (s. 
E. Lidén SVS Uppsala 6, 1897, 85, 
und Falk MM 1923, 65-6). 
frauki m. ‘frosch’. — Vielleicht > me. 
froke, ne. dial. frock (Björkman 76, falls 
nicht aus *fruþkan neben ae. frogga 
<*fruþgan). 

Weil frauki neben frauðr steht, 
hat man als grundform *frauð-ki 
angenommen, eine bildung wie 
maöhr \ die bed. wáre also etwa 
’das schleimig’e tier’ (Sturtevant 
MPh 26, 1929, 473). — Andrerseits 
sind die wgerm. wörter zu beach- 
ten: ae. forsc, mnd. vorsch, mnl. 
vorsc, ahd. frosc, die zwar ebenfalls 
auf eine grundform *fruðska- 
zuruckgehen können, die man 
aber gewöhnlich zu russ. prýgat’ 
‘springen’ stellt; der name ‘sprin- 
ger’ wáre fur den frosch sehr 
geeignet (so Uhlenbeck PBB 22, 
1897, 197, und IEW 846). Redu- 
ziert man diese wörter auf eine 
idg. wzl *pru, so kann man auch 
frauði dazu rechner.. Es scheint 
aber wenig angebracht frauðr von 
frauO zu trennen, aber ebensowenig 
kann man so áhnliche namen wie 
frauðr, frauki und frnsc fiir das- 
selbe tier auf zwei verschiedene 
wzln zuruckfiihren. Dann verdient 
die erklárung als ‘das schleiraige 
tier’ wohl den vorzug (vgl. mnl. 
sleicke, ‘schnecke', zu slirn)* — 
Die verbindung mit ai. plavaga 
‘frosch’ (Scheftelowitz IF 33, 1913. 
140) scheitert daran, dass hier 
altes l und nicht r vorliegt. 
frawaraðaRm. sg. run. schw. PN. (Moj- 
bro c. 400, Krause Nr 66). — Gewöhnlich 
erklárt aus frár und ráðr, unter 
hinweis auf ahd. Frorát (v. Friesen 
UUÁ 1924, Nr 4, 87). Dagegen auch 
als frawiaraðaR gedeutet = an. 
Freyráðr, unter hinweis auf wgerm. 
PN. Frawirat, Frewirat (E. Noreen 
ANF 60, 1945, 149). 
fregna st. V. ‘fragen, erfahren’ (prát. 
frá <*frah), daneben auch schw. V.; 
nisl. fár. fregna, aschw. frághna, adá. 



freista 


141 


frest 


fregne; daneben nnorw. nschw. dial. 
frega. — got. fraihnan, ae. frignan, as. 
nur prát. fragn, frugnun, alid. fregnan ; 
eine germ. neubildung zum prát. frah 
(Marstrander NTS 2, 1929, 103-6); 
daneben das schw. V. as. frágön, ahd. 
frágln und mit sAo-suffix ahd. forscön. 

— lat. precor 'bitte’, procus ‘freier', gr. 
Oeo-Jtpórroc ‘wahrsager’, ai. prasna- 
'frage’; mit sfto-suffix; lat. poscit 
(<*porR-sk-), ai. prcchati ‘fragt, for- 
dert, lit. períu ‘freie’ (vgl. dazu weiter 
J. Trier, Lehm 1951,62). — vgl. fritt, 
frcegð und freegr. 

freista schw. V. ‘versuchen’, nisl. freista, 
fár. freista, froysta, nnorw. freista, 
nschw. fresta, ndá. friste. — > me. 
fraisten, frasten ‘erproben, fragen’ 
(Björkman 42); > orkn. frist, shetl. 
frist, frest ‘versuchen’; lpN. freistot 
(Qvigstad 155). — Abl. von germ. 
*fraista-, vgl. ahd. freista ‘gefahr’, got. 
fraistubni ‘versuchung', wieder <-erw. 
zu as. frlsa, afr. frlse, mnl. vrese, ahd. 
freisa ‘gefahr’, vgl. got. fraisan ‘ver- 
suchen’, ae. frásian ‘priifen, versuchen', 
as. frésön, mnl. vresen ‘in gefahr brin- 
gen’, ahd. freisðn 'versuchen’. 

Etymologie fraglich. Möglich mit 
práf. fra- zusammengesetzt; der 
2. teil -eisa ds. wie an. eisa (Brug- 
mann, Grundr. I*. 925) oder zu 
ai. esati ‘sucht’ (Hoffmann répai; 
s. 38). Weniger wahrsch. zu lat. 
ex-perior 'versuchen’, gr. jttipácú. 
(S. Bugge PBB 24, 1899, 435-6). 
Vgl, Feist, Got. Wb. 162-163. 
freka f. ‘kampflust', pl. 'harte forderung’; 

auch flussname. — vgl. frekr. 
freki m. ‘wolf; feuer; schiff’ (poet.), eig. 
'der gierige’. — ae. freca ‘held, krieger’. 

— vgl. frekr. 

freknóttr adj. ‘gesprenkelt’, nisl. frek- 
nóttur, aschw. frceknotter; daneben nisl. 
frekna, nnorw. dial. frekna, auch pl. 
fraknór, fruknor, nschw. fráknar, ndá. 
fregne ‘sommersprossen’. — > me. 
fraken, freken (Björkman 239), > ne. 
dial. frecken ‘sommersprosse' (Thorson 
62). — fri. friakan ‘sommersprossen'. — 
Wohl s-lose nebenform zu sprekla, 
vgl. auch spark und sprek. 
frekr adj. ‘gierig; hart, streng’, nisl. fár. 
frekur, nnorw. frek, nschw. dial. frák. 
—- > finn. perkkaan 'gefrássig sein’ 
(Karsten GFL 253, bestritten von 
Wiklund IF 38, 1917, 113). — got. 
faihu-friks ‘geldgierig', ae. frec (< 
*freka) und freec (< *fraka), mnl. vrec, 
ahd. freh ‘gierig'. — Zum iibrigens 
ebenso isolierten abret. rogedou (pl.) 
‘orgiis’, kymr. rhewydd ‘geilheit’ (Lane, 
Lang. 9, 1933. 258), oder zu gr. 


OTrapyácd ‘schwelle, strotze’, lett. spirgt 
‘frisch werden’ (Torp, Fschr. Unger 
183-5). — v gL frakka, freka, freki, 
frœkinn, fraekn und spreskr. 

frelsa schw.V. ‘befreien’ (<ált. *fré- 
(h)elsa < germ. *frihalsian, s. Noreen, 
Gramm. § 295 Anm. 3), nisl. fár. norw. 
frelsa, nschw. frálsa. — vgl .frjdls .— 
Dazu frelsi n. 'freiheit, befreiung', nisl. 
frelsi, fár. frcelsi, aschw. frálse, run. dá. 
frialsi (Horning c. 100; Jacobsen- 
Moltke Nr 58). — afr. frihelse, ahd. 
frihalsi, mhd. vrihelse. — frelsingi m. 
‘freier mann’, s. fiir den. ausgang 
-gengi. 

fremja schw. V. ‘fördern, ausfUhren’, vgl., 
dazu germ. framea ‘speer', das Krause, 
Fschr. Hirt 2, 1936, 585-9 als ‘die 
vorwártsdringende' erklárt; nisl. fár. 
norw. fremfa, nschw. frámja, ndá. 
fremme. — ae. framian, fremman, afr. 
frem(m)a, as. fremrhian, mnl. vremen, 
fremen, ahd. fremman. — vgl. framr. — 
Dazufremdf. ‘förderung, vorteil, ruhm’ 
(< germ. *jramiþð), nisl. fremd, vgl. 
nnorw. fremde 'förderung’ und shetl. 
fremd ‘landspitze, tabuwort fiir fisch- 

kopf' (Jakobsen 189). - fremi f. in 

siðfremi 'sittsamkeit’, ae. fremu ‘nutzen, 
wohltat'/ afr. freme. 

fremr adv. komp. ‘spáter, weiter’. —got. 
framis. — vgl. fram. 

frenja 1 f. ‘kuh' (poet.), nisl. frenja; eig. 
‘die brullende’, vgl. frenja 2. 

— 2 schw. V. ‘briilíen’, nisl. frenja 
‘heulen’; vielleicht lautmaiend wie 
grenja. 

frenka, frœnka f. ‘geliebte’ (norw. DN) 
< freendkona. 

frer n. vgl. frgr. 

-fre8kr adj. in Zs. úfreskr ‘hellsehe- 
risch’ (vg). dort). 

fress m. ‘kater, bár’, nisl. fress, fár. 
fressur, nnorw. dial. fross, nschw. dial. 
fress ‘kater’; vgl. auch nnorw. fjellfras, 
fjellfross ‘vielfrass’. — eig. ‘das fau- 
chende tier’. — vgl. frassi und frœs. 

frest n. 'frist, abgegrenzte zeit, aufschub', 
nisl. frestur, fár. nnorw. frest, nschw. 
dá. frist. — > me. frest, frist (Bjork- 
man 184); > shetl. frest, frist. — ae. 
first, frist, afr. as. ahd. frist, mnl. vrist, 
mnd. ferst. 

Etymologie unsicher; 1. < idg. 
*pres-sthá, zu einer idg. wzl *p 9 res, 
erw. von *per, vgl. fjarri; dann 
also zu ai. puras ‘voran, vom’, 
gr. irpéo-pu<; ‘alt’, ai. puro-gavd 
‘im alter vorangehend (WP 2, 34). 
— 2. zu nhd. first ‘firstbaum, 
zaun’ (< idg. *per-sthá), so J. 
Trier, Nachr. Ges. Wiss. Göttingen 
NF 3 Nr 4, 1940, 128-9); (zur bed. 



freta 


142 iriHr 


entw.: kreis > zeit vgl. þing 
neben got. þeihs). — 3. zu friðr 
(Heinertz, Wortstud. 2, 1927, 2). 

frpta st. V. 'furzen’, daneben schnache 
nebenform frata (s. Noreen, Gramm. 

§ 497 Anm. 1), nisl. freta, nnorw. frata, 
nschw. fjarta, dial. frata, ndá. fjerte. — 
ae. feortan, mnd. verten, mnl. verten, 
vorten, ahd. ferzan. — gr. icípíto, 
7 cép$oii.ai ‘furze’, 7 cop$f) ‘furz’, ai. 
pardatl, lit. pérdlu, pirsti ‘furzen’, 
pifdis ‘furz’, alb. pjerth ‘furze’, pordhe 
‘furz’ (IEW 819). — vgl. fertill und 
furtr. — Dazu fretr m. ‘furz’, nisl. fár. 
fretur, aschw. ficsrter. — mnd. mnl. 
vort, ahd. firz, furz. 

frétt f. ‘fragen, erforschung; nachricht’ 

(< umórd. *friht-), nisl. frjett, aschw. 
frát. — > shetl. frett ‘wahrsagen, 
aberglaube’, orkn. frootery ‘aberglaube’ 
(Marwick 47); > schott. fret, freit 
(Henderson 72). — ae. freht, friht 
‘weissagung’ (nach Meissner, ZdV. f. 
Volksk. 27, 1917, 3 eher lehnwort, 
aufgenommen in einer zeit, als der 
guttural noch erhalten war). — vgl. 
fregna. — Dazu frétta schw. V. 
'erfahren, befragen’, nisl. frjetta, fár. 
frœtta, nnorw. fretta, nschw. dial. fretta, 
ndá. fritte. 

freyða schw. V. ‘scháumen’, nisl. freyða, 
fár. froyða, nnorw. freyda. — vgl. 
frauð. 

Freyja f. ‘herrin, frau’; name einer göttin’, 
fár. frúgv, ‘herrin’, nschw. Freja, Fröja. 
— ahd. frouwa, as. frúa, mnl. vrouwe 
‘herrin, frau’. — vgl. Freyr und frú. 

freykja f. ‘spuk’ (nur Grett 32, v.l. zu 
flyka): vielleicht zu russ. prygati ‘hup- 
fen, springen’ prygnutl 'einen sprung 
machen' (Holthausen PBB 66, 1942, 
270). — vgl. frir und fraukr. 

Freyr m. ‘name eines gottes’ (< um. 
*fra\tjaR), run. schw. fraui (d. sg. 
Sparlösa c. 800; v. Friesen, Sparlösa- 
stenen 1940, 70-2); mn. dá. frohila 
(fiir *fröjila: br. v. Danim Nr 99, 
Krause Nr 27); aschw. Frö. — Der 
name bedeutet eig. 'herr’: got. frauja, 
ae. friega, as. fröiö, neben as. frla, as. 
frðho, fr&ha, afr. frá (vgl. nnl. ON. 
Franeker = an. Freysakr), ahd. frö 
‘herr’, dazu mnl. vrone ‘herr’ (grund- 
form *fra\ta-). — Am besten zu erkláren 
als j<o-abl zur idg. wzl *pro (vgl. 
fjarri und fram), wie ai. pravana- 
‘vorwárts geneigt’’ púrva- ‘erster’, púr- 
vya- ‘der vordere’, asl. prúvú ‘erster’, 
pravú ‘recht, richtig’, auch gr. 7 cp<öpa 
'vorderteil des schiffes’. 

Ganz anders Marstrander NTS 3, 
1929, 123-4, der an grundform i 
*fra-aujan denkt (wie ai. pra- , 


avati ‘schutzen, behiiten’, dann 
Zs. von fra und auja. Die bed. 
etwa ‘der fiirst als götthche inkar- 
nation’. Eine andere deutung gibt 
G. van Langenhove, Ling. Stud. 2, 
1939, 58-9: ‘der die lebenskraft 
besitzt oder verleiht’, vgl. auch 
brúðr. (Vgl. auch de Vries TNTL 
51, 1932, 120 u. 192 ff.). Oft ge- 
braucht in PN., selten als 2. teil: 
Hléfreyr, Jófreyr, háufiger als 
1. teil: Freybjgrn, Freydis, Frey- 
garðr, Freygerðr, Freygeirr, Frey- 
steinn, Freyviðr, besonders schw. 
s. Wessén ÚUÁ 1927 Nr 3, 75. Aus 
dem wgerm.: Fraomarius (Schön- 
feld 92), langob. Fraupert, ae. 
Freal&f, Freawine, fránk. Frawi- 
bald, bayr. Frowini (Naumann 87). 
fria schw. V. ‘befreien’, nisl. /Wa'schonen’, 
fár. fria, friggja, nnorw. aschw. fria, 
adá. fri ‘befreien’. — Wohl eher ein- 
heimisches wort .als < mnd. vrien 
‘freien’. — vgl. frji. 

Friaut f. ‘fingierter frauenname’ (Hyndl. 
t3). gewöhnlich, auch metri causa, als 
verderbt betrachtet. (J. Kuhn APhS 
22, 1952, denkt an ostnordisch; vgl. 
triphthong in Gotland). 
friða schw. V. ‘friedlich machen, ver- 
söhnen’, nisl. fár. friða. — got. gafriþön 
‘versöhnen’, und mit der bed. ‘schiit- 
zen’ ae. friðian, afr. frethia, ferdia, as. 
friðon, mnl. vreden, verden, ahd. gefri- 
don. — dw-verbum gebildet zum u- 
stamm friðr. 

friða 1 f. kosename fiir namen wie 
Arnfriðr, Asfriðr u.a. 

— 2 schw. V. 'schmiicken’, nisl. friða 
‘schiitzen, beruhigen’, fár. friðka 
‘schmiicken’. — got. freidjan 'schonen’, 
as. fridðn ‘schiitzen, bewahren’, ahd. 
vriten ‘hegen’. — vgl. friðr. 
friðgin npl., ‘eltern und kinder’ eig. 
‘liebespaar’, mit dem suffix -gin (vgl. 
feðgin) zu friðr gebildet. 
friðiil m. ‘geliebter’, nisl. friðill. — ahd. 
fridel, mhd. mnd. vridel ‘geliebter, 
gatte’. — asl. prijateli ‘freund, lieben- 
der’. — Dazu weibiich friðia, friila 
‘geliebte, kebse’, nisl. fár. frilla, nnorw. 
frilla, frigla, aschw. friþla, frilla, nschw. 
frilla, adá. fridle, ndá. frille ; vgl. ahd. 
fridila. —• vgl. frjd. 
fríðr m. ‘friede, schutz’, nisl. fár. friður, 
nnorw. fred, nschw. frid, fred, ndá. 
fred. — ae. frið, frioðu, afr. fretho, as. 
friðu, freðo, mnl. vrede, verde, ahd. 
fridu, frido: got. nur in PN. wie 
Friþareiks. — vgl. frjá und úfreskr. 
Oft als 1. teií von PN. wie 
Friðgerðr, Friðgeirr, Friðleifr, Frið- 
þjófr, vgl. Friðmundr neben burg. 



friör 


143 


Fróði 


Fredemund, ahd. Fridamunt und 
aus dem siidgerm. entlehnt Frit- 
rekr neben got. Friþareiks, ahd. 
Fridrich, Frithuric. Auch kurz- 
form Friör, wie ogot. Freda, wand. 
langob. Fridus. — Besonders als 
2. teil, wo -fritr mit -freðr, -retr 
wechselt, vgí. Hallfretr, Sigfratr; 
daneben wgerm. Herminafridus, 
Bertefredus, ae. Eanfrith. 
f r ift r aH j ‘hiib sch.: fried lich. sicher’, ei g. 
‘geschpnt’ (vgl. myth. Fritr ‘weibliche 
gottheit’) nisl. far. fritur, nnorw. dial. 
aschw. frid. — ae. frii- nur in frithen- 
gest ‘stattlicher hengst’. — y. pritas 
J hefriedigt , li^ h , Yfirg^g*' — vgl. frjá. 
~~ Oft als 2. teil von f. PN. wie 
Arnfritr, Asfritr (auch Astritr), 
Eyfriör, Gutritr, Holmfritr, Ingi- 
ritr, Jófritr, Reginfritr, Sigritr, 
Þuritr ; eig. < fritiöR substantiv- 
bildung zu fritr. 

Friggf. ‘nameeiner göttin’.eig. ‘geliebte’, 
aschw. Frigg. — ae. Frig, as. Fri, ahd. 
Frija, vgl. as. fri, ae. freo 'frau’. — ai. 
priyá ‘ehegattin, geliebte’. — vgl. 
frjádagr und frja. 
frii m. ‘geliebter, gatte’ (nur Hym 9), 
vielleicht unrichtige lesart (s. Gering, 
Komm. 1, 261). 
frilla vgl. fritla. 

Frísir mpl. ‘Friesen’, nisl. Frisir, aschw. 
Frisdr. — lat. Frisii, gr. í>puji.oí; 
ae. Frisan, Frésan, afr. Frisa, Frlsa, 
mnl. Friesen, Vresen, Vriesen, ahd. 
Frieson. 

Etymologie unsicher. Gedeutet als 
‘die kraushaarigen’ zu afr. frisle, 
frisle 'kraushaar’, oder als ‘die 
ersten', vgl. lat. primus ‘der erste’, 
oder als ‘die tapfern’ zu freista 
(A. Erdmann SVS Uppsala I Nr 1, 
1890, 83-86 und Sverdrup,- Fschr. 
Falk 1927, 326). 

frjá schw. V. ‘lieben’, nisl. frjá, far. 
friggja, nnorw. schw. fria, ndá. fri. — 
got. frijðn 'lieben, werben’, ae. fréon, 
freogan, frigan, afr. fria, friaia, as. 
friohan, friehan, mnd. vrien, vrigen, 
mnl. vrien, vrijen. — ai. priyáyatl 
'befreundet sich', asl. prijajq ‘stehe 
hei’; weiter ai. prináti ‘erfreut’, priyatl 
‘liebt’, asl. préjq ‘gunstig sein’ (IEW 
8 44)- — vgl. fria, frita, friða, 
fritill, fritr, fritr, Frigg, frilla, 
frjáls und frœndi. 
frjádagr m. 'freitag’, nisl. frjádagur, fár. 
friggjadagur, nnorw. schw. dá. fredag. 
— < afr. friadei neben fri(g)en- 

dei, ae. frigedceg, ahd. friatag, uber- 
setzung von lat. dies Veneris. — > 
finn. perjantai, lpN. bærjadak (Thom- 
sen 2, 2o6;Setálá FUF 13, 1913. 4 2 4Í- 


frjáls adj. ‘frei’, nisl. frjáls, fár. fralsur, 
nnorw. dá. frels, aschw. frcels, frals, 
zusammengezogen <*fri-hals. — got. 
freihals, ae. friðls, afr. frihals ‘freiheit’, 
ahd. frihals ‘freier mann’. Zum ersten 
teil vgl. got. freis, ae. frlo, fri, as. ahd. 
fri ‘frei, los’, eig. ‘am frieden téil- 
habend’. — ai. priyá- ‘iieb, erwtinscht’, 
kymr. rhydd ‘frei’ (IEW 844). —vgl. 
frelsa und frjá. 

Zu bemerken ist dieselbe bed. 
entw. ‘lieb’ > ‘frei’ im kelt. und 
germ.; die ‘freien’, sind also eig. 
‘die freunde, diestammesgenossen v ; 
also eine gemeinsame getm. kelt. 
neuerung (s. Porzig, Gliederung 
d. idg. Spr. 1954, 119). 
frjár, frjór adj. ‘fruchtbar’. — vgl. frœr. 
frjó n. ‘same, kom’. — vgl. frœ. 
frjósa st. V. ‘frieren’ auch ‘gefrieren’ (in 
dieser bed. aus *ga-freosan), nisl. 
frjósa, nnorw. frjosa, nschw. frysa, 
ndá. fryse. — ae. frlosan, mnd. vrisen, 
mnl. vriesen, vresen, ahd. friosan; vgl. 
got. frius ‘kálte’. — lat. pruina 
(< *prus\tiná) ‘reif’, pruna ‘gluhende 
kohle’, prurire ‘jucken’, ai. prusvá ‘eis, 
reif’, prusnoti ‘spritzen’, alb. prúí 

‘brennende kohlen’, idg. wzl *prejf-s 
‘ein stechendes gefuhl hervorrufen’ 
(IEW 846). — vgl. frost, frysta und 
frer. 

frjóva vgl. frœva. 

fró f. ‘hilfe, erleichterung’, nisl. fró. — 
> me. frö (Björkman 240, aber 

unsicher weil etymologie dunkel ist). 

— Möglich < mnd. vrö. Falls aus 
grundform *fröwa- wohl zu frár. 

Oder mit Holthausen, Wb. 73 zu gr. 
Tcpaúc, Jrpaío? ‘sanft’ ? — Dazu fróa 
schw. V. ‘helfen’, nisl. fróa und frói 
m. ‘hilfe’. 

froða f. ‘schaum’ ( < um. *fruðön), nisl. 
fár. froða, nnorw. froda ‘schaum’, nschw. 
dial. frudo ‘wellenschaum’, ndá. fraade 
‘schaum’. — > me. froþe, ne. froth 
(Björkman 162); > shetl. fro, frod. — 
vgl. frauð. 

Fróði m, PN. vgl. ae. Froda, mhd. Fruote. 
Statt der frtiheren deutung 'der kluge’ 
(zu fróðr) erklárt man den namen 
jetzt als ‘von körperkraft erfiillt’ (s. 
E. A. Kock NN § 1780), vgl. nschw. 
dial. frode ‘feist’, zu aschw. froda i. und 
frod n. ‘tippigkeit’, nschw. dial. froda 
‘fett werden’, nschw. frodig ‘tippig’, 
frodlem ‘phalíus’ (A. Noreen, Ynglin- 
gatal s. 213); vgl. mhd. vruotic, vrúetic 
‘tippig wachsend, ‘kráftig' (also eig. der 
name einer phallischen gottheit ? s. N. 
Lid NVA 1928, 174). — Idg. wzl *preu, 
tt-erw. zu *per ‘spruhen, schnauben'. — 
vgl. fraut, fróðr 2, frón und frces. 



fróör 


144 


frýnn 


fróðr 1 adj. ‘klug, weise’, nisl. far. 
fróöur, nnorw. frod, aschw. froper. — 
got. frðþs, ae. as. afr. frðd, mnl. vroet, 
ahd. frðt, fruot ; hochstufe zu got. fraþi 
‘verstand’, fraþjan ‘denken, erkennen, 
verstehen’, ahd. frad ‘tiichtig’. — lit. 
prantú, f>rásti ‘gewohnt werden’, prðtas 
‘verstand’, lett. práts 'wille, verstand, 
sinn’, prúotu 'verstehen’, apr. pr&tin 
akk. ‘rat’ (IEW 845). — vgl. weiter 
Fraðmarr, frœða, frœði und 
úfreskr. 

Selten zur bildung von PN. ge- 
braucht: Fróðbjprn, Fróðmar. Da- 
neben in got. Frodoarius, lang. 
Frðdipert, fránk. Frðdbertus, Frðt- 
mar. — Nach Vasmer, Sitz.ber. 
A. W. Berlin 1931, 657 soll russ. 
ON. Vruda < an. flussname 
Fróðá. 

— 2 adj. ‘fruchtbar’ (Háv. 141). — vgl. 
fró ði. 

Frómundr m. PN., iiber Schweden 
< ahd. Frodomund, Frotmund. 

frón n. ‘land, boden, erde’ (poet.) nnw. 
ON. Fron. Nur unsichere etymologien. 

1. < urnord. *frðþna (wie gretn 1 
und Heinir), also ‘das iippige, 
feiste’, vgl. fróði. — 2. zu ahd. 
frohn und gr. 7tp<óv ‘spitze, berg- 
gipfel’ (A. Jóhannesson, Fschr. 
E. Amórsson 1940, 1-8), also zur 
sippe von fjarri. — 3. zu lat. 
pr&tum 'wiese’, mir. r&th ‘erdwand'. 
(Holthausen, Wb. 73). — 4. zu 
frjór 'fruchtbar’ und zwar aus 
erw. bildung zur idg. wzl *sper 
'sáen’. 

frór adj. vgl. frár. 

froskr m. ‘frosch’, nisl. froskur, nnorw. 
ndá. frosk. — > ne. dial. frosk (Thorson 
62). — ae. forsc, frosc, mnd. mnl. vorsch, 
ahd. frosk. — Wohl aus *fruþska, also 
'das schleimige tier’ (Marstrander, 
Mindeskr. S. Bugge 1908, 242): vgl. 
frauð und fuðryskill. Dagegen nach 
W. Porzig IF 45, 1927, 165 aus idg. 
wzl *prusko zur wzl *preu ‘springen’ 
(vgl. freykja). 

frost n. 'frost’, nisl. fár. nnorw. schw. dá. 
frost. — ae. afr. frost, forst, as. ahd. 
frost, mnd. mnl. vorst. — vgl. frjósa, 
frysta und frer. 

Frosta 1 f. ‘distriktsname in Nordnor- 
wegen’, abgeleitet von urnord. *frosta- 
‘bergriicken’ (M. Olsen MM 1919, 9-14), j 
vgl. mnd. mnl. vorst 'first, dachspitze', | 
abl. neben ae. first, fyrst, mnd. verst, 
ahd. first. —- ai. prstham ‘riicken, 
bergspitze’. 

— 2 schw. V. 'frieren’. — vgl. frysta. 

frotta schw. V. 'grinsen’ (mit vorge- 

schobener oberlippe), nisl. frotta, 


nnorw. frutta, nschw. frunten. — Viel- 
leicht < urnord. *frunta < *frumta 
etwa 'nach vome bringen’, vgl. frum-. 
frouva, frova f. ‘frau’ < mnd. vrouwe. 
frú, frúa f. 'frau, eheweib’, nisl. frú, 
fár. frúgv, frúa, nnorw. fru, frua, fruge, 
aschw. frú, frú(u)a, frúgha, nschw. fru, 
ndá. frue. — > shetl. fru; > finn. 
rouva ‘frau' (Setálá FUF 13, 1913, 441); 
lpN. ruvva, frtivva (Qvigstad 155). — 
< as. frúa ‘frau’. — vgl. freyja. 
fruktr, fryktr m. ‘frucht’, fár. nnorw. 
schw. frukt, ndá. frugt. — < mnd. 
vrucht < lat. fructus. 
frum- práf. ‘zuerst, urspriinglich* (zB. 
frumburðr ‘erstgeborener’, frumtign 
‘höchste ehre’), nisl. fár. frum-, nnorw. 
frum ‘ausgezeichnet’. — got. fruma 
ae. afr. forma, as. formo ‘der erste'; 
daneben as. ahd. fruma, mnl. vrome 
‘nutzen, vorteil’, mnd. vrome ‘tiichtig, 
tapfer, fromm’, mnl. vroom ‘fromm’. 
— Dazu frums- in frumsarbrauð n. 
‘brot vom ersten korn’. — vgl. fram 
und frotta. 

frygð f. ‘ freude, herrlichkeit’ (spát be- 
zeugt), nisl. frygð, nnorw. dial. frygd, 
nschw. frðjd, ndá. fryd. — < mnd. 
vrðchde, mnl. vreuchde (das wieder zur 
sippe von frár gehört). 

Die erklárung aus germ. *frugiþo 

< *fruwiþo nebenform zu *fra- 
wiþo, vgl. ahd. frawida ‘freude’ 
(so FT 278 und Karsten GFL 32) 
ist mit hinsicht auf das spáte 
auftreten des wortes abzulehnen. 

frýja schw. V. ‘vorwiirfe machen, tadeln’, 
nisl. frýja, fár. frýggja 'abraten, ver- 
bieten’, nnorw. frya ‘vorwiirfe machen’, 
nschw. dial. fry ‘zur schlágerei auf- 
reizen’. — > me. friggen, frie ‘belástem’, 
frllðs ‘ohne vorwurf' (Björkman 117, 
210). 

Wohi zu got. frawrðhjan ‘verdách- 
tigen' (dann frýja statt *frœja, s. 
Noreen, Gramm. § 68), also zu der 
sippe von róg. —- Nach FT 273 

< germ. *friwian ‘jemandem den 
mangel an etwas vorwerfen’, zu 
germ. *fri- ‘frei’, vgl. got. freis, 
as. afr. as. ahd. fri und lat. privus 
‘ermangelnd, abgesondert’; nicht 
wahrscheinlich, weil dieses wort 
gerade im skand. nicht belegt ist. 
— J óhannesson, Wb. 546 zur idg. 
wzl *prei, erw. von *per (vgl. 
fjarri); sehr problematisch. 

frykta schw. V. ‘befrachten’ < mnd. 
vrucht neben vracht ‘fracht, last’ 
(Fischer 29-30). 
fryktr vgl. fruktr. 

frýnn adj. ‘freundlich’; nur in Zs. úfrýnn 
‘unfreundlich’, frýnligr 'freundlich'. 



frysa 


145 


íuð 


Falls aus umord. *friuniR kann 
es zur sippe von freyr gehören; 
fur die bedeutungsentw. vgl. nhd. 
frðhlich. Oder auch zu frár und 
frygð. 

frysa, frusa schw. V. ‘schnauben' (von 
pferden), nisl. frysa; vgl. nnorw. frusa 
‘schnauben’, nschw. frusa ‘spritzen’, 
nisl. frussa ‘speien, spritzen’, nschw. 
frusta ‘schnauben’, nisl. frasa ‘spriihen’. 

— > shetl. fross, frosj ‘scháumen’. — 
vgl. mnd. prústen, nní. proesten ‘prus- 
ten, niesen’. — ai. prusrioti ‘spritzt, 
benetzt’, asl. prys{k)nqti 'spritzen’, lett. 
( s)praustát 'spritzen, prusten’ (IEW 
809). — vgi. fors. 

frysta schw. V. ‘vor kálte steif werden’; 

abgeleitet von frost. 
frse n. auch frjó ‘same, korn’ (< an. 
*fraiwu-), nisl. frjó, fár, fra, nnorw. 
dial. frœ, frjó, fre, nschw. frð. ndá. 
fre (s. fiir die formen v. Friesen SVS 
Uppsala 7, 1901 Nr. 2, 35-7 und H. 
Pipping SNF 8, 1917 Nr 1, 67-8). — 

> shetl. fro, fre; vgl. orkn. frothe 
'neugeborenes kind’ (Marwick 48); 

> me. fri ‘saat, nachkomme, fischro- 
gen’, ne. fry ‘fischrogen’. — got. 
fraiw ‘same’. — Die germ. wzl *fraiw- 
íst wohl eine s-lose nebenform zu idg. 
*sproiwo-, erw. zu *sper ‘streuen, 
sáen’, vgl. gr. aneípo ‘streue, sáe’, 
anípp.a ‘same', anopá, onópos ‘das sáen, 
die saat’ (s. weiter Feist, Got. Wb. 163). 

— vgl. frœr, frœva und spreena. 
frægr adj. 'beriihmt’ (< germ. *frégjaz), 

nisl. fár. frcegur, nnorw. frceg, aschw. 
frcegher, ádá freeghcer. — ae. ge-freege, 
as. gifrági ‘beriihmt’ eig. ‘nach dem 
gefragt wird’; vgl. ahd. frága, afr. 
frége, mnd. mnl. vráge. — vgl. fregna. 
— Dazu frægð f. ‘nachricht, lob, ruhm’ 
(< germ. *frlgiþö), nisl. freegð, fár. 
nnorw. frcegd, aschw. freeghþ, nschw. 
frejd, adá. freegdh. — frægja schw. V. 
‘lobén, preisen’, nisl. freegja. 
fræna f. ‘kiihnheit’. — vgl. fránn. 
frændi m. ‘verwandter, freund’, nisl. fár. 
freendi, nnorw. frende, nschw. fránde, 
ndá. freende. — > shetl. frend, friend; 
schott. frend ‘verwandter’ (Flom 42). 

— got. frijðnds, ae. freond, afr. friðnd, 
friúnd, as. friund, mnl. vrient, ahd. 
friunt. — Part. prás. zu frjá. 

fræningr m. ‘schlange; speer’ (poet.), 
nnorw. dial. frœning ‘schlange’, vgl. 
far. frcenar-ormr. — abl. von fránn. 
frænka f. ‘gelicbte’ (norw. DN) < 
freendkona. 

frær adj. auch frjár, frjór ‘íruchtbar 
(< urn. *freewR < *germ. fraiwaz, 
(vgl. H. Pipping GHÁ 11, 1905 Nr 3, 
35-6 iiber dic wechsclformen), nisl. 


frjór, nnorw. dial. freev, frey, fre, 
nschw. dial. frö. — vgl. free und freeva. 
frses f. ‘zischen, blasen’ (nur Fm 19); 
vgl. nnorw. freese, nschw. frása ‘zischen’, 
daneben; nnorw. frasa ‘spruhen, spru- 
deln’, nschw. frasa 'knistem’, weiter 
nnorw. frasla, frasta ‘knistern’, fresa 
‘sprudeln, schnauben'. — gr. icpfjðo, 
Tcí(jL7tp7)(zt ‘brennen’, russ. préju, pretí 
‘schwitzen, kochen', asl. para 'dampf, 
rauch’, apr. pore ‘warmer dampf’. Zur 
idg. wzl *per-, pri- ‘spriihen, schnau- 
ben' (vgl. fors), daneben mit «-erw. 
*preu- (und zwar mit dental vgl. 
frauð und Fróði, mit s vgl. frysa; 
(s. IEW 809). — vgl. fress. 
fræva schw. V., auch fræa, frjóa, 
frjóva ‘bliihen, befruchten, fruchtbar 
machen’, nisl. freeva, fár. freea, nnorw. 
dial. frceva 'befruchten’. — vgl. free. 
-freðr als 2. teil von PN. wie Geirfreðr, 
Hallfreðr, Herfreðr, Þorfraðr; entstan- 
den aus -friðr (A. Janzén NK 7, 1947, 
103). Nach konsonanten auch neben- 
form -reðr. 

frer, frer n. ‘frost’ (< germ. *fruza-), 
nisl. frer ‘frost im boden’. — Daneben 
abl. got. frius ‘frost’. — vgl. frjósa. 
frœða schw. V. ‘klug machen’, nisl. 
freeða. — ae. gefredan ‘fiihlen, merken’, 
mnl. vroeden, ahd. fruoten 'belehren’, 
mhd, vrðden 'klug machen’. — vgl. 
fróðr. — Dazu frœði f. n. ‘wissen- 
schaft, kunde; zauberformel, lied', nisl. 
frceði, fár. freði. — ahd. fruoti, mnl. 
vroede 'klugheit’. 

frœkn adj. ‘kiihn, mutig’, nisl. freehn, 
fár. frehnur, nnorw. freken, aschw. 
frekn, adá frekcen BN. — ae. frlcne, 
frcbcne ‘mutig, gefáhrlich, wild’, as. 
frðkni, frékni ‘frech’, ahd. fruohhan 
‘kiihn, verwegen'. —- abl. zu frekr. 
— Daneben frœkinn adj. ‘kiihn’, 
freehinn, nnorw. freken. 
frœsva schw. V. ‘regieren’, vibersetzung 
von lat. dominari (nur in Heil. m. s.); 
steht unter dem verdacht, fehlschrei- 
bung zu sein. 

frpmuðr m. ‘beförderer’ (poet.), abgel. 
von frama. 

fú- in fúgjarn ‘leicht vermodernd’, vgl. 
fúi. 

fúa f. ‘fuchs’, vgl. fóa. 
fuð- ‘vulva’ in Zss. wie fuðflogi ‘mann, 
der seiner verlobten entflieht’ und 
fuðryskill 'fischart’; nisl. fuð, nnorw. 
fud, fu, aschw. run. fuþ (Högstena 12. 
Jht s. H. Jungner FV 31, 1936, 300), 
nschw. fod, fo. — > ne. ON. Fouldray 
(1327: Fotherey < Fuðarey, s. Ekwall 
182); unsicher ob ne. dial. fud ‘podex. 
cunnus’ aus dem skand. entlehnt oder 
urspr. engl. ist; wohl am ehesten 


10 



fugl 


146 


fúna 


letzteres (s. Ekwall MASO3, 1941,37). 

— mnd. vut, nnl. -vot (in hondsvot 
'schurke'), mhd. fotze, futze. — lat. 
putidus ‘stinkend, faui’, puteo 'stinke', 
ai. putau ‘nates', púti- ‘stinkend' (van 
Helten ZdW 10, 1908, 195, IEW 849). 

— vgl. fúi. — Dázu fuðrysklll m. 
‘fischart’ (cottus scorpius ?), nisl. fuð- 
ryskill ‘icelus bicornis', nnorw. frusk, 
feerrosk (<*fuðrusk) neben demin. 
furuskjoll. Vielleicht aus *fuð-fryskill ; 
der z. teil dann demin. zu froskr 
(FT 2, 410). 

fugl m. 'vogel’, nisi. fugl, fár. fuglur, run. 
norw. fokl (Eggjum c. 700, Krause 
Nr. 54), nnorw. fugl, nschw. fdgel, ndá. 
fugl. — > ne. ON. Foulney (1537: 
Fowley, Ekwall 177); > shetl. fugle- 
(Jakobsen 193). — got. fugls, ae. 
fugol, fugel, as. fugal, afr. fugel, ahd. 
fugal, fogal. — vgl. fóarn und fygla. 
Etymologie unsicher. Die erklá- 
rung als dissimilation aus *flugla- 
(und dann zu fljúga. s. Bezzen- 
berger ZdW 7, 1883, 78) ist nicht 
befriedigend. — Eher zu lit. 
paúkítis ‘vogel', pukas ‘daune, 
feder’, und dann wohl zu fjúka, 
wáhrend sehr wenig ansprechend 
Jóhannesson, Wb. 564 es zu der 
sippe von fár 2 stellt. 
fugutr vgl. fóguti. 

fúi m. ‘fáulnis’, nisl. fúi. — vgl. daneben 
ae. fyne (< *funi) 'feuchtigkeit, 
morast’, fynig ‘feucht’, ne. finew 
‘modern’, nnl. vuns ‘muffig’ (Holthau- 
sen IF 25, 1909, 149, wenn diese nicht 
zur sippe von fen gehören, s. J. Trier, 
Lehm 1951, 27-28). — lat. pús ‘eiter’, 
gr. itOov, jtuó? ‘eiter’, jtöap ‘biestmilch’, 
ai. púyati 'wird faul, stinkt', av. 
puyeiti ‘fault’, lit. púvú, púti ‘faulen’, 
air. othar (< *putro-) ‘kranker’, arm. 
hu ‘eitriges blut’, toch. B popok 
‘eiterung’ (v. Windekens 98). — vgl. 
fauskr, feyja, feyra, fuð, fúki, 
fúll, fúlna, fúna und fýla. — Dazu 
fúlnn adj. ‘verfault’, nisl. fúinn, fár. 
fúgvin, vgl. orkn. fuiany. 
fúki m. ‘gestank’, nisl. fúki ‘gestank, 
fauler seetang’. — abgel. von fúi. 
fulga f. ‘kostgeíd, bestreitung des unter- 
halts; viehfutter', nisl. fulga ‘kost- 
geld’, nnorw. folga ‘altenteil’; vgl. 
shetl. folgju, fulgju ‘pension, jahrgeld’ 
(Jakobsen 182). —Gehört mit gramm. 
wechsel zu fela (also in der bed. 
‘einem etwas iibergeben, anvertrauen’). 
full n. 'becher’. — ae. full ‘ds.’. — Die 
erklárung 'gefullter becher’ (zweifelnd 
Torp, Sprachschatz 235) zu fullr ist 
abzuíehnen; eher zu asl. polú ‘schöpf- 
gefáss’, lat. pelvis, gr. jctXXf;, jttXÍ? 


‘becken’, jreXíxj], jréXif; ‘becher’, jtéXXa 
'milcheimer’, ai. pári ‘milcheimer’, pála- 
‘almosentopf’, páliká 'kochtopf’, pala- 
‘hohlmass', pálavi ‘geschirr’ (Holt- 
hausen IF 25, 1909, 152). 

Diese wortgruppe kann man stel- 
len zur idg. wzl *pel ‘einzáunen, 
flechten’; vgl. J. Trier, Lehm 1951, 
29, der aber offen lásst, ób man in 
diesem fall noch ai) die uralte 
technik des mit einem geflecht 
hergestellten tongefásses denken 
darf; gr. jcj)Xo<; ‘lehm’, jngXóo) 
‘mit lehm beschmieren’, jtXáoou 
‘kneten’ deuten darauf hin, dass 
man einfach von der töpferarbeit 
ausgehen darf. 

fúll adj. 'faul, stinkend’, nisl. fúll, fár. 
fúlur, nnorw. fúl ‘ranzig, geil, böse’, 
nschw. ful ‘fauí’, ndá. ful ‘hásslich’. — 
got. fúls ‘faul, stinkend’, ae. afr. ahd. 
fúl ‘faul, unrein’, mnd. vúl, mnl. vuul, 
vuyl- ‘schmutzig’, — lit. púliai pl. 
‘eiter’, piaúlai pl. 'faules holz'. l-e rw. 
zu der in fúi vorliegenden wurzel. — 
vgl. fýla. —- Dazu fúimár m. ‘sturm- 
vogel’, fulmarus glacialis' (poet.), nisl. 
fúlmár, eig. ‘hássliche, stinkende möwe’. 

— > schott. fulmair, falmair ‘sturm- 
vogel’ (Henderson 124-6). — fúlna 
schw. V. ‘faulen, stinken', nisl. fúlna, 
nschw. fulna. — Fúlnir m. ‘name 
eines sklaven’ (Rig 12) eig. ‘der 
stinkende’. 

fullr adj. ‘voll' (< germ. *fulnaz ), nisl. 
fár. fullur, nnorw. schw. full, nda. fuld. 

— got. fulls, ae. as. ful, afr. full, foll, 
mnl. vol, ahd. fol. — ai. -prnui, asl. 
■ blúnú. lit. ■bilnas air. lán ‘voU '. nebeir 
ai, púrna. prána. lat. plenus. Eig. part. 
bimung zur idg. wzl *pet, *pll 'voIIT 
jBllen’, vg l. lat. plére, gr. jcL(XJtXj]|xt, a±~ 
brnámi. pibarmi 'flillen'. ht. vilú 
‘giesse’ air linaim ‘fiille'. arm. li 'voll’ 

(itw 799). — vgl. fjgi 2, folk, Fulla, 
fullna und fylla. — Dazu fullna 
schw. V. ‘voll, vollstándig werden’, 
nisl. nnorw. fullna. 

fullting n. ‘hiilfe’. Dieses nur isl. belegte 
wort erinnert formal an ae. fultum 
‘hiilfe’, das aus fulteam entstanden ist. 
Ist es vielleicht, unter einfluss der 
endung -ing aus *fullteng entstanden, 
also ‘was fest zusammengeschlossen 
ist’? — vgl. tengja. 

Wenig ansprechend Jóhannesson, 
Wb. 482 zu einer idg. wzl *dengh, 
vgl. ai. daghnoti ‘erreicht’, air. 
daingen ‘fest, hart’. Dann wáre 
dieses aisl. wort das einzige germ. 
beispiel dieser wortsippe. 

fúna schw. V. ‘verwesen, veríaulen’, nisl. 
fár. fúna. — vgl. fúi. 



fundera 


147 


fylgja 


fundera schw. V. ‘stiften, griinden' (chr. 

Schr.) < mnd. fundlren < lat. fundire. 
fundr m. ‘das finden; fund; begegnung' 
(selten fyndr, s.Noreen, Gramm. §392); 
nisl. fár. fundur, nnorw. schw. dá. 
fund', vgl. shetl. funder. — mnd. mhd. 
vunt, mnl. vont ‘fund’. — vgl. finna. 
fundra schw. V. 'trödeln, lauern' (poet., 
s. E. A. Kock NN § 2260); nisl. norw. 
schw. dial. fundra ‘lauem, erschleichen'; 
abgeleitet von *funda, vgl. áschw. 
funda ‘ausfindig machen, nachdenken’, 
nschw. dial. funna ‘ahnen, nachsinnen’. 
— vgl. finna. 

funi m. ‘feuer’ (m. stattn. unter einfluss 
von eldr), nisl. funi. — > shetl. fona 
‘tabuwort’, daneben fenna, finna, fenni, 
finni; > schott. fuin ‘backen' (Hender- 
son 114). —- got. fðn ‘feuer’ und mit 
A-suffix: me. fonke, mnd. vunke, mnl. 
vonke, ahd. funko ‘funke’ (IEW 828). 
— Daneben fýrr, das auf alte hetero- 
klytische dekl. hinweist (s. E. Schwarz 
122-3). — vgl. fen. 

funtr m. ‘taufstein', nnorw. schw. funt, 
ndá. font. — Entweder < afr. font, 
funt oder < ae. font < lat. fontem 
acc. zu fons ‘quelle’. 

fnra. fúra f. 'föhre ’, schiff (poe t.i <^ 
germ. *furhðn; nisl. fár. fura, nnorw. 
furU, fura, nschw. fura, ndá. fyr. — 
> mnd. vuren (s. Brattegard NTS 7, 
1934, 279); > nnl. vuren-hout ‘norwe- 
gisches fichtenholz’. — ae. furh, as. 
furie, ahd. foraha ‘föhre’ neben ahd, 
fereh-eih, langob. fereha 'aesculus’ (nach 
Hoops, Waldb. 118 soll die urspr. bed. 
’eiche’ gewesen sein; áhnliche bed. 
verschiebung wie bei bók). — gr. 
Iluppalov ‘berg auf Lesbos' , pazÉali 
’ti cus íniectoria '. Nehen dem o-stamfti 
ka nnte das id g. aucE" emen M-stafnnr - 
(sakrale bedTs^ Specht KZ 64, 1937, Ió) _ 
v gl. lat. quercus ‘eiche’ ideshalb wohl 
bed.pntw. iiber ‘baum’ > ‘föhre’) 
(IEW 822); vgl. f jQrgyn. — vgl. auch 
fjQrr 1 und fýri 1. 

Dagegen verwirft Loewe PBB 60, 
1936, 160-163 die verbindung mit 
quercus und verbindet damit gr. 
7 répxi) ‘fisch mit stachelflossen’, 
also zur wzl *perk ’spitz, stachlig’, 
also eig. ‘nadelholz’. 
fúrast schw. V. ‘verschlissen werden’, 
vgl. nnorw. fura ‘reiben, stossen, 
eilen. — Weiter keine entsprechungen. 
furöa f. ‘vorbedeutung, wunder’, nisl. 
furða, nnorw. furda. — Dazu auch 
furða schw. V. ‘vorbedeuten, sich 
wundern’. — Nimmt man als grund- 
bed. etwa 'vorbote’ an, so kann es aus 
*for-riððn ‘der voran reitet’ entstanden 
seín (Torp, Ordb. 140), vgl. ríða 1. 


fórr m. ‘feuer; schlange’ (poet.), neben 
gewöhnlich fýrr. — > shetl. furin 
‘tabuwort fiir feuer’. — vgl. f ýri 2. 
furtr m. ‘furz’ (nur als Bn. iiberliefert), 
nisl. furtur ‘tölpel, grobian’, nnorw. 
furt ‘furz; anfall von ubler laune; wer 
leicht beleidigt ist’. — mnd. mnl. vort, 
mhd. vurz. — Daneben mit metathesis 
fretr. 

fúss adj. ‘bereit, entschlossen’ (< germ. 
*funsaz; zu erwarten wáre *fóss, s. 
Noreen, Gramm. § 113 Anm. 1; nach 
Sturtevant SS 18, 1944, 65 unter 
einfluss von fýsa), fár. fúsur, nnorw. 
schw. dial. dá. fus; vgl. nisl. fúss 
'entrustung, zorn’ und shetl. fusom 
'eifrig, arbeitsam’ (Jakobsen 195). — 
ae. fús 'willig, eifrig, schnell’, as. fús 
'bereit’, ahd. funs (got. *funs zu 
erschliessen aus PN. wie span. Alfonso). 
— Falls man annimmt, dass *funsa 

< *funþsa- oder *fundsa entstanden 
ist, kann man an finna anknupfen, 
vgí. ae. fundian, as. fundön ‘streben, 
eilen’. — vgl. aufúsa und fýsa. — 
Auch als 2. glied von PN. wie Gunnfúss, 
Hróðfúss, Sigfúss, Vigfúss; auch 
wgerm. vgl. burg. Sigefunsus, fránk. 
Herifuns und span. Alfonso (< *aþala- 
funsa-). 

fustan n. ‘zeug aus baumwolle’ < me. 
fustane, vgl. span. fustan, afrz. fustaine 

< mlat. fustanum, eig. zeug aus Fustát, 
vorort von Kairo (s. Falk NVA 1919. 
66 ). 

fyðryskill vgl. fuðryskill. 
fygla schw. V. ’vögel fangen’, nisl. fár. 
fygla; ohne umlaut nnorw. fugla, wie 
ae. fuglian, ahd. fogalðn. — Dazu 
fygll f.n. ‘vogelfang’ (norw. DN) und 
in Zss. gráfygli ‘graugans’. — ja- abl. zu 

fugl- 

-fyl n. ‘fiillen’ (< germ. *fulja-), nisl. fár. 
nnorw. fyl, nschw. föl, ndá. fol. — ahd. 
fuli. — vgl. foli und fylja. — Daneben 
fyla f. ‘junge máhre’. 
fýla f. ‘gestank, unrat; veráchtlicher 
mensch', nisl. fýla ‘gestank’, nnorw. 
fyla ‘geilheit bei tieren, unrat’, vgl. 
nschw. dial. fulas 'briinstig sein (von 
hunden)’. — > me. file ‘schurke’ 
(Björkman 210). — vgl. fúll. 
fyldingr m. ‘fischart’ (þula; var. fylvingr) ; 

abgeleitet von fold. 
fyldlr mpl. ‘bewohner von Vestfold’, 
vgl. mlat. Westfaldingi. 
fylgð f. ‘begleitung, gefolge’ (< germ. 
*fulgiþð), nisl. fylgð, fár. nnorw. fylgd, 
aschw. fylghþ. —■ ae. folgoð ‘gefolge, 
dienst; amt, bezirk; schicksal’, ahd. 
folgida. — vgl. fylgja 2. 
fylgja 1 f. ’begleitung, gefolge; schutz- 
geist’, nisl. fylgja ‘nachgeburt, gespenst’ 



fylgsni 


148 


fyrmuna 


Geht man von dieser bedeutung aus 
(s. de Vries, Altg. Rel. gesch. II § 290), 
so wáre das wort vielleicht mit fela zu 
verbinden, obgleich gerade die bed. 
‘nachgeburt’ auch als das ‘nachfolgen- 
de’ gedeutet werden kann, vgl. nnorw. 
etterferd, nschw. dial. efterfölge (E. 
Lidén GHÁ 40, 1934 Nr 3, 33); dann 
also zu fylgja 2. 

— 2 schw. V. ‘folgen, begieiten’, nisl. fár. 
nnorw. fylgja, nschw. följa, ndá. felge. 

— ae. fylgan, folgian, afr. folgia, fulgia, 
folia, as. folgön, mnl. volgen, ahd. 
folgén. — vgl. fylgð. 

Man hat an die sippe von fela 
ankniipfen wollen; bed. ubergang 
‘bedecken > beschiitzen > in 
jemands gefolge sein’ (Torp, Wort- 
schatz 237); recht unsicher. Da- 
gegen zu einer idg. wzl *pelgh 
‘folgen’, wozu auch kymr. com ól 
‘spur’ und kymr. olaf ‘der letzte’ 
(Fick II, 52). 

fylgsni n. ‘versteck’, nisl. fylgsni, vgl. 
nnorw. dial. fylsnasl 'sich schámen’. — 
Mit hinsicht auf got. fulhsni ‘geheimnis’ 
kann man von der skand. grundform 
*fulhsnjö ausgehen (das *fylsni, *fyl- 
xni ergeben musste), aber unter ein- 
fluss von folginn umgebildet (Sverdrup 
IF 35, 1915, 163); einfacher aber aus 
gramm. wechselform *fulgsnjö. — vgl. 
fela. 

fýling f. ‘sturmvogel’ (þula), vgl. fúlmár. 

fylja f. ‘fiillen’, nisl. norw. fylja, nschw. 
dial. fyllja, föllja, ndá. dial. fylli. — 
> me. fillie, ne. filly (Björkman 184), 
dial. auch ‘schwatzhaftes junges weib’ 
(Flom 40). — Zu diesem wort Zetter- 
holm, Nordiska ordgeogr. studier 1937, 
72-83. — vgl. foli und fyl. 

fylki n. ‘kriegerschar, haufen; distrikt’ 
(< germ. *gafulkja), nisl. fár. fylki, 
nnorw. schw. dá. fylke (nach E. Ek- 
wall UUÁ 1904 Nr 3, 46 ist das wort 
in der bed. ‘schar’ vielleicht aus Zss. 
losgelöst, deren 2. teil -fylki war; diese 
sind aber im an. nicht iiberliefert; 
dagegen ist in der bed. ‘distrikt’ an 
einen . fnf-stamm zu denken nach 
Erdmann ANF 7, 1891, 83). — ae. 
gefylce ‘schar, regiment’. — vgl. folk. 
— Dazu gehören weiter: fyiking f. 
‘heeresabteilung'. fylkir m. 'heeres- 
fiihrer, könig’ (poet.) und fylkja schw. 
V. ‘kriegsvolk ordnen, in schlacht- 
ordnung aufstellen’, nisl. fár. fylhja, 
nschw. fylka. — > ae. fylcian (Björk- 
man 210). 

fyllaschw. V. 'fiillen’ (< germ. *fulljan). 
nisl. fár. norw. schw. fylla, ndá. fylde, 

— got. fulljan, ae. fyllan, afr. fullia, 
follia, fella, as. fullian, mnl. vullen, ahd. 


fullen: daneben ae. fullian, as. fullon, 
mnl. vollen, ahd. fullön. — as. na- 
plúniti ‘fiillen’. — vgl. fullv. 
fylskni, fylsni n. auch tylsn f„ ‘versteck’, 
vgl. fylgsni. 

fylvingr m. ‘nuss, schwert, fisch’ (poet.) 
— zu fQlr (s. E. A. Kock NN §§ 348, 
462). 

tylxni n. vgl. fylgsni. 
fyndr m. 'fund, zusammenkunft’, aschw. 
fynd í., nschw. fynd n„ vgl. shetl. finder 
‘fund’. — afr. find ‘fund, rechterliche 
erkenntnis’, vgl. mnl. vinde f. 'fund, 
list’. — vgl. finna und fundr. 
fyr práp. práf. ‘vor; durch, wegen; trotz; 
fiifVnisI, ty»v-nnorw. fer, fy, fe, nschw. 
för, ndá. fer. — got. faur, ae. for, fore, 
afr. fori, fore, for, as. for, far, fora, 
mnl. vore, voor, veur, ahd. fora (as. ahd. 
auch furi). — l at. prae ‘voran. voraus'. 
la t. prior ‘der frii hf.r e'. gr, ir npnl. (eig' 
dT~sg. wie lat. tra e\ und 7rapá 1 oei, 
nach) gegen’, lit. jrre Dei, an’, apf. 
pret^zu, an, bei’, galí are- {írTAreriWYÍ^ 
cu f^vor de m ffieer e'l. 7t pr~zur idg7 

wzl *i>er . — vgh fiarri und weiter 
fyrir, fyrr und fyrstr. 
fyrðar mpl. ‘mánner’ (daneben auch 
firðar s. H. Pipping, Fschr. Lidén 1912, 
151) aus germ. *ferhwiðöz (s. Olson 
ANF 31, 1915, 23. Dagegen *ferhwðjöz 
s. Sturtevant MPh 26, 1929, 467). Wie 
hglðar zu halir ist fyrðar zu firar gebildet 
(s. Hj. Lindroth NB 6, 1918, 69). — 
vgl. firar, fjQt und fyrvar. 
tyri 1 n. ‘föhrenwald’ (< germ. furhia), 
nnorw. nschw. dial. fyre. — >» manx 
ON. Firmoss (Marstrander NTS 6, 
1932, 278). — vgl. fura. 

— 2 n. ‘feuer’ (pœt.). — vgl. fýrr. 

— 3 f. ‘flussname’ (bei Uppsala); run. 
schw. furi (Högby c. 1000). Die erklá- 
rung fyri < fyrvi zu skand. fir — fjara 
wird von H. Pipping NB 24, 1936, 
66-75 verworfen. Nach I. Modéer NB 
32, 1944, l 7 ó S °U es eine unrichtige 
form im westnordischen fiir schw. 


ferre ‘fjord’ sein. 

fvr ir 1 adv. práo. (letzteres erst seit 
*9em 12. Jht, vglTF. J ónsson, Seks Afh. 
46-47) ‘vor, fiir’, nisl. fyrir. fár. fyri, 
nnorw. fyre, nschw. före, för. — vgl. 


-,^-24?jáfix. In Zss. wie fyrirstanda nach- 
ahmung von mnd. bildungen; dagegen 
in Zss. wie fyrirbjóða, fyrirdjarfa (die 
friiher wie fyrirstanda beurteilt wurden) 


hat das práf. pejorative bed.; es 
können urspr. nordgerm. bildungen 
sein (T. Johannesson, Part. Komp. 
205 ff.). — vgl. for 2. 


tyrmuna schw. V. ‘missgönnen’ < as. 
farmunan, ahd. farmanön ‘geringschát- 



fyroast 


149 


fœgiligr 


zen, verleugnen' (s. W. Mohr ZfdA 76, 
1939 . » 5 *)- 

fyrnast schw. V. ‘alt werden, vergessen 
werden', nisl. fár. fyrnast, nschw. 
fyrnas, förnas vgl. nnorw. fyrne ‘ver- 
trocknetes gras', forne ‘diinne schicht 
asche’. — ahd. firnln ‘alt werden'. — 
vgl. forn. — Weiter fyrnd f. ‘alter, 
vorzeit’ ( < gerjn. * furniþö), nisl. fár. 
fyrnd. — Fyrnir m. ‘riesenname’, 

(< umord. *furniaR). — fyrnska f. 
‘alter, vorzeit’ (< germ. *furn-isk-ðn). 

— vgl. forneskja. 

fyrr adv. ‘friiher, vorher’ (< germ. 
*furiz)\ daneben adj. fyrrl; vgl. nisl. 
fyr, fyrr, fár. nnorw. fyrr, nschw. förr, 
adá. for. — ahd. furiro ‘der friihere, 
vordere’ — Komp.bildung zu fyr. 

fýrr m. ‘feuer’ (poet.) aus germ. *feuraz, 
daneben auch fúrr; nnorw. adá. fyr. 

— ae. fýr, afr. fiúr, fiðr, as. ahd. fiur. 

— umbr. pir, gr. 7c0p, toch. A por 
'feuer’, arm. hur ‘fackel’, air. tír ‘feuer’ 
(s. Brugmann IF 33, 1914, 308-13 und 
Bartholomae PBB 41, 1916, 284), heth. 
pahhur (s. weiter Feist, Got. Wb. 
158-159) — vgl. fyri 2 und funi 
(wechselformen mit n und r aus der 
urspr. heteroklytischen dekl.). 

fyrsa schw. V. ‘scháumen’ (von einem 
wasserfall), nnorw. fyssa neben fossa 
(nisl. nur fossa) ; /-bildung zu fors 1. 

fyrst adv. ‘zuerst’ und fyrstr adj. ‘der 
erste’, nisi. fár. fyrst und fyrstur, 
nnorw. fyrst, nschw. först, ndá. forst. 

— ae. fyrst und fyrsta, afr. ferist, 
ferost, as. ahd. furist und furisto. —- 
Superl.bildung zu fyr. 

fyrva schw. V. ‘ebben; fehlen’ (< germ. 
*ferwjan; nach H. Pipping, Fschr. 
Lidén 1912, 153 wáre *fira zu erwarten, 
also mit anal. erhaltenem w). — vgl. 
fjara. 

fyrvar mpl. ‘mánner’ (< urn. *firwöR 
< germ. *ferhwiöz (s. E. Olson ANF 
3 i. 1915. 22). — vgl. fjgr, fjgrvar 
und fyrðar. 

fysa schw. V. ‘antreiben, aufreizen’ 
(< germ. *funsjan), nisí. fár. fýsa, 
nnorw. fysa ‘geliisten’, ndá. fyse ‘vor- 
wártsstiirzen’. — ae. fýsan ‘forttreiben, 
eilen’, as. fúsian ‘streben, neigen’, nnd. 
fúsen ‘eilen’. — vgl. fúss. —Auch burg. 
PN. Funsja (Gamillscheg RG 3, 118). 

f*ð f. ‘kleine zahl; unfreundliches betra- 
8 en ’ (< germ. *fawiþö. s. H. Pipping, 
Fschr. Lidén 1912, 143); nisl. fœð. — 
vgl. fár 2. 

f*gja schw. V. 'reinigen (des schwertes), 
verehren’ (< urn. *fágjan)\ nisl. norw. 
fœgja, nschw. dial. fagga, fája. — > me. 
fœgen, flgen (Björkman 237), ne. dial. 
fay, fea, fie (Thorson 60). — vgl. fága. 


fækka schw. V. ‘vermindem’, auch 
festka, festta; nisl. fár. feskka; vgl. 
nnorw. feskka í. ‘mann mit geringer 
veranlagung’; die form festka (spáter 
assim. zu feskka) ist mit einem A-suffix, 
dagegen festta (wie smestteisH) mit 
einem /-suffix zum neutr. fitt gebildet. 
Nach Sturtevant MPh 26, 1929, 475 
eher análogiebildung statt *fesr-ka, 
das zum komp. gebildet sein sollte. — 
vgl. fár 2. 

fæla schw. V. ‘verscheuchen’, nisl. norw. 
fesla ‘fiirchten’, nschw. dial. fála, adá. 
fesle ‘erschrecken’. — Dazu fælinn 
‘bange’, nisl. feslinn, nnorw. feslen, 
nschw. dial. fálin und fælt adv. 
‘furchtsam’, nnorw. feslt, adá. fesl. — 
ae. ealfesle ‘verderblich, schrecklich’. — 
vgl. fála. 

fær n. ‘schaf’ (< germ. *fahaz; alsoalter 
es-stamm), fár. fár, nnorw. faar ‘hilf- 
loser sttimper’, aschw. fár, nschw. fdr, 
ndá. faar ‘schaf’. — > ne. dial. far 
(s. Björkman 94: aus ostskand.). — 
Damit verwandt adá. fest, aschw. 
ullafátter ‘zusammengerollte wolle’, vgl. 
ae. feht, fieht ‘schaffeli mit wolle’, afr. 
fecht, mnl. vacht ‘flies’. — lat. pecto 
‘kámme’, gr. néxa ‘rupfe’, Ttéxrea 
‘kámme’, néxo^, nóxot; 'flies, woUe’, 
ht. peSú, piSti ‘pflucke, rupfe’ (IEW 
797). — vgl. fax und fi. 

færa schw. V. ‘schaden’. — ae. fesran 
‘erschrecken’, afr. forfira ‘erschrecken’, 
as. fárön ‘lauem', mnd. viren ‘er- 
schrecken’, mnl. varen, ahd. farin 
‘nachstellen’; vgl. got. flrja ‘aufpasser’. 
— vgl. fár 1. 

Færeyjar fpl. ‘Faröer’, fár. Fsroyar; 
gewöhnUch als ‘Schafsinseln’ gedeutet, 
aber das dtirfte jtingere angleichung 
sein; nach A. W. Bragger NVA 1930 
Nr 3 gehört der name eher zu mir. 
fearann ‘land, gebiet’. 

fæta schw. V. ‘schön tun’. — got. fltjan 
‘schmticken’, ae. festan ‘schmticken’, 
vgl. ae. fest ‘geschlagenes metaU, gold- 
schmuck’, fested ‘geschmtickt, festels 
‘gefáss’, ahd. givázzi ‘ds.’. — lit. p'idas 
‘garbe’, lett. plda 'bund’. — vgl. 
fata 2. 

fætka, fætta schw. V. vgl. feskka . 

fœða schw. V. ‘náhren, erziehen’ (< 
germ. *fððjan), nisl. fesða, fár. feða, 
nnorw. feda, nschw. föda, ndá. fede. — 
got. fodjan, ae. fœdan, fldan, afr. flda, 
as. fðdian, mnl. voeden, ahd. fuottan. — 
vgl. fóðr 1. — Dazu fœða f., fœði 
n. ‘nahrung’. — got. fðdeins und ae. 
fðda. 

fœgiligr adj. ‘angenehm, stattlich’, wohl 
< mnd. mnl. voegelijc ‘passend’, 
weiter zu ae. figan, as. fðgian, mnl. 



voegen, ahd. fuogan ‘fiigen, verbinden’. 

— vgl. fá i und fagr. 

fœla schw. V. 'zum narren halten’, 
aschw. fölas ‘nárrisch sein'. — vgl. 
fól. 

fœraschw. V. 'bringen, fiihren’ (< germ. 
*fðrjan), nisl. fœra, fár. nnorw. fera, 
nschw. föra, ndá. fore. — got. förjan, 
ae. fœran, firan, afr. féra, as. förian, 
mnl. voeren, ahd. fuoran. — Kausat. zu 
fara. — Dazu fœri í. ‘tuchtigkeit’ und 
n. ‘gelegenheit, mittel, gerát’, nisl. 
fœri ‘gelegenheit, vermögen’, fár. feri 
‘fahrzeug; gelegenheit’, nnorw. fere 
‘beschaffenheit des weges; reisegepáck, 
gerát’, nschw. före, ndá. fare ‘zustand 
des weges, werkzeug’. — > me. fere 
‘macht’ (Serjeantsson 83); > lpN. 
fiev'ro 'beförderungsmittel’ (Qvigstad 
151). — afr. fere ‘nutzen, vorteil’, as. 
giföri ‘nutzen', mnl. gevoere 'betragen, 
handelweise’, ahd. gifuori ‘geschickt- 
heit; gewinn; hausrat’. — fœrr adj. 
'reisefertig; fáhig, geeignet’, nisl. fcer, 
fár. forur, nnorw. dial. for ‘fahrbar, 
kráftig’, nschw. för ‘im stande, fáhig’, 
ndá. for ‘stark, korpulent’. — > ae. 
flr 'fáhig zum gehcn, gesund’ (Björk- 
man 237), ne. dial. fere, feerie ‘stark, 
gesund’ (Thorson 88). — ae. fœre, fére 
‘diensttauglich’, gefére ‘fahrbar’, afr. 
fére, ahd. gifuori ‘bequem'. —- ai. 
párya ‘zum ziel fiihrend, niitzlich'. — 
vgl. fara. 

-fœta f. in Zs. háfœta BN. ‘hochfuss’, ja- 
abl. von fótr. — Auch fœttr adj. 'mit 
fiissen versehen’ in Zss. wie einfœttr 
‘einfussig', velfœttr ‘gut zu fuss’. —ae 
-fœted, mnd -vœted. 

fœzla f. ‘nahrung, unterhalt' (< germ. 
*föðisla-), nisl. fœösla, fár. feðsla, 
nnorw. fodsl ‘nahrung’, nschw. dial. 
födsla ‘gebármutter’. -— ae. fcedels, mnl. 
voetsel, ahd. fuotisal ‘nahrung’. — vgl. 
fceða. 

Fqð f. ON., vgl. auch Ftjðvangr (jetzt 
Fivang). Das wort bedeutet eig. 'zaun, 
grenzscheide’ (M. Olsen NVA 1915, 
— got. faþa, mhd. vade, vate 
‘zaun’. — vgl. faðmr, faðir, fóðr 
und feima. 

-fpðr m. in Zss. alfgðr ‘allvater’, aldafpðr 
'menschenvater’, Valfeðr ‘Odinsname’. 

— vgl. faðir. 

fyggur m. ‘nebenform zu fokurr 'pack, 
bundel’. Man wird das wort wohl mit 
bildungen wie bgggr, baggi und pakki 
zusammenstellen mussen; vielleicht 
mit affektivem lautwechsel. 

íognuðr m. vgl. fagnuðr. 

fgkta schw. V. ‘entfliehen’ (nur einmal 
Fm), wohl zu lesen flpkta ; dagegen 
Jóhannesson, Wb. 565 vermutlich fiir 


*fauk-ta, dass er dann weiter zu fjúka 
stellen möchte. 

f 9 l n. ‘diinne schneedecke’, nisl. föl ‘ds.’, 
fár. felv ‘diinne schicht’. — > shetl. 
fiv(e)l, fivla ‘diinne schicht’ (Jakobsen 
161). — Vielleicht zu gr. MnXofoi; ‘die 
netzhaut um die gedárme’, lit. plévi 
‘feine, diinne liaut', russ. plevá 'háut- 
chen’ (IEW 803). — vgl. fjall 2. 

Fqlkvir m. 'name eines pferdes’. Kahle 
vermutet IF 14, 1903, 160 fehlschrei- 
bung fiir *Fglksvir, vgl. Fplski ; es 
kann aber wohl erw. zu fplr sein, also 
‘das falbe pferd’ (A. M. Sturtevant 
MLN 43, 1928, 130); weniger wahr- 
scheinlich zu falki (Holthausen, Wb. 
78). 

f?lr adj. ‘bleich, fahl’ (< germ. *falwaz), 
nisl. fölur, run. schw. faluan (akk. sg. 
m.; Sigtuna-dose c. 1050, v. Friesen 
FV 1912, 6 ff.). — ae. fealu (ne. fallow), 
as. falu, mnl. valuwe, valu, vael, ahd. 
falo ‘fahl, falb’. — lat. palleo (- ll-<-ln -) 
‘blass sein’, asl. plavú ‘weisslich’, lit. 
pálvas ‘blassgelb’, alle zur idg. wzl 
*poluos, neben andere bildungen in 
gr. 7roXió<; ‘grau’, 7teXtó; ‘dunkelfar- 
big’, ai. palita- ‘altersgrau’, arm. alik' 
(pl.) ‘derweisse bart’ (zur wzl *peli). 
Zur bed. variation dieser farbennamen 
s. Persson SVS Uppsala 10, 1912, 32). 
Die idg. wzl *pelu und *peli sind 
erw. zu *pel, vgl. mir. liath ‘grau’, 
lit. pell, Iett. pele, apr. peles ‘maus' 
(IEW 804). — vgl. Falki, Falstr, 
fylvingr. 

Diese wzl *pel ist viell. ident. mit 
*pel ‘flechten, zaun', wenn man, 
wie J. Trier, Lehm 1951, 30 das 
versucht, an den hellen oder 
grauen anstrich der lehmwand 
denkt. — Dann darí man also 
nicht mit Specht, Idg. Dekl. 117 
eine urspr. farbbezeichnung *pel 
annehmen, die neben *bhel (vgl. 
blý) stehen sollte. 

Weiter gehören dazu fqlna schw.V. 
‘verwelken, blass werden’, nisl. fölna, 
fár. felna, nnorw. dial. folna, nschw. 
falna, ndá. falme. — fqlski m. ‘weisse 
leichte asche iiber dem angebrannten 
feuer’, auch ‘rotes pferd’ (s. dazu 
Kahle IF 14, 1903, 160). (< germ. 
*falwiskan), nisl. fðlskvi, nnorw. dial. 
falske, nschw. dial. falske (nschw. 
falaska, ndá. falaske umgebildet nach 
aska). — ahd. falawisca. — fplvan 
f. ‘erbleichen’ — Fplvir m. ‘schwert’ 
(þula), eig. ‘das fahle'. 

-fqn f. in Zs. tálknfgn 'faser im fischbein’, 
nnorw. fin, nschw. dial. fan; vielleicht 
zu fenja ? Oder s-lose nebenform zu 
spánn ? 



151 


gaddr 


f?nn 


fpnn f. ‘schneewehe, fester schneehaufe’ 
(< germ. *faznð), nisl. fðnn. fár. norw. 
fann, fonn, nschw. dial. fann. — > 
orkn. shetl. fann. — ae. fas ‘franse’, 
mnd. mnl. vese ‘spreu, faser’, ahd. faso 
m. fasa f. ‘faser, franse’, fesa f. ‘spreu’. — 
asl. pachati ‘ventilare’, pesúhu ‘sand’; 
zur idg. wzl *pís ‘blasen, wehen’, 
neben *pus in lat. púsula, pustula 
‘blase’, asl. puchati ‘blasen’, lit. pusnis 
‘schneewehe’ (s. Persson UUÁ 1891, 
199; IEW 823 und vgl. ffúka). — 
vgl. fenna 2 und fenni. 
tqr f. 'reise, fahrt’ (< germ. *farð), nisl. 
för, nnorw. for, far, aschw. far. —- 


> lpN. farro, farru ‘gefolge, reisegesell- 
schaft’ (Thomsen 2, 174). — ae. ftsr 
‘fahrt', ahd. far ‘uberfahrt, hafen’. — 
gr. irépo5 ‘furt’. — vgl. fara. — Dazu 
fgrla schw. V. ‘eine arbeit vollbringen 
können’, nisl. förla ds.; nnorw, farlast 
‘sterben’. — fprull adj. 'umherziehend’. 

ÍQSull m. 'band ?' (nur in kenning gljúfra 
fgsuil fur 'schlange’) vgl. nisl. berfðsull 
= berfetill ‘fisch an der angelschnur.’ — 
Vielleicht zu russ. pasmo ‘bindegam’. 
— vgl. auch die unter /p«« genannten 
wörter! 

fQxóttr adj. 'mit máhnen versehen’. — 
vgl. fax. 


G 


gá I f. ‘bellen, spott’ (in Zss. wie goðgá 
‘gotteslásterung’), nisl. gá. — vgl. 
gáli, gauð und geyja. 

— 2 f. 'aufmerksamkeit’, nur in úgá 
mangel an aufmerksamkeit'. — vgl. 
gd 3. 

— 3 schw. V. ‘achtgeben, vorsehen, 
schonen’, nisl. gá, fár. gáa, nnorw. gaa. 
— Dazu shetl. godet, gudet (< gáðr ?) 
‘in einer gewissen stimmung’ ? (Jakob- 
sen 233). 

Die etymologie ist umstritten. Am 
einfachsten aus germ. *gawln, 
schon der me. entl. gawen, gowen 
wegen (Björkman, Fschr. A. 
Noreen 1904, 169 ff.); also zu asl. 
govíti ‘verehren’ (IEW 453); weiter 
zu gaum (Torp, Fschr. Unger 
1896, 186). — Andere erklárungen 
gehen aus von der annahme, dass 
in diesem wort die partikel ga- 
stecken soll; dann aber gibt es 
noch mehrere möglichkeiten: 1. 
< *ga-ahwln, also zu eetla (Noreen, 
Urgerm. Lautl. 25). — 2. < *ga- 
anhén, zu lat. anculus ‘diener, 
knecht’, ancilla ‘magd’ (Wadstein 
IF 5, 1895, 7); wenig ansprechend. 
— 3. zu ae. ge-xewan 'zeigen’, vgl. 
iewan, eowian ‘zeigen, offenbaren’. 
Man sollte erwarten *gaujan, aber 
nach prát. *gauða > gáða konnte 
gá analogische neubilding sein 
(s. Björkman, Fschr. A. Noreen 
1904, 169-72); zu kompliziert. 

4 ‘gehen’ <ostskand. gá, nebenform 
zu ganga. 

&abb 'spott’, nisl. fár. gabb, aschw. gab 
und gabba schw. V. ‘zum narren 
halten’, nisl. fár. aschw. gdbba, adá. 
gabbe. — me. gabben ‘spotten, betriigen’, 
afr. gabbia 'verklagen’, mnl. gabben 


‘possen machen’, mnd. gabben ‘narren’ 
(aus germ. stammt afrz. gab ‘spott', 
nfrz. gaber ‘hánseln’ und nicht umge- 
kehrt! s. Gamillscheg 449). Frequen- 
tative nebenformen: mnl. gabbelen 
‘lachen, schwatzen’ und nnl. ginne- 
gappen neben álter ginnegabben ‘kich- 
ern', daneben nhd. gaffeln ‘lachen, 
schwatzen’, ae. gaffetung ‘spott’. Die 
reiche entw. beweist den germ. charak- 
ter; hinzukommen onomatopoetische 
bildungen (Ehrismann PBB 22, 1897, 
564). Wechselformen sind weiter *gab 
vgl. prát. gafði; s. fiir wechsel bb: 
ð v. Friesen, Mediogem. 36-40 und 
Bloomfield, Fschr. Sievers 1925, 101) 
und *gap (vgl. gapa; s. fur wechsel bb: 
p Heilquist GHÁ 14, 1908 Nr 2, 13). 
Dazu noch mhd. gampel, gimpel ‘mit 
dem man seinen spott treibt’, gampen 
'scherzen’ (Solmsen IF 30, 1912. 7 )- — 
vgl. gambra. 

gadda schw. V. ‘stechen, stacheln’ (spát 
bezeugt). — vgl. eaddr 1. 

gaddan n. ‘kopftucn aus roten pferde- 
haaren, wie auf den Orkaden gebráuch- 
lich’. Deshalb doch wohl < schott. 
gadan, demin. zu gad ‘weidenband, 
brustgurt’ (wiewohl air. gat eine form 
*gatan ergeben wiirde; deshalb abge- 
lehnt von Marstrander NTS 5, 1932, 
276). Die ableitung aus gaddr 1 ist der 
bed. nach wenig befriedigend. 

gaddr 1 m. 'stachel, spitze’ (< germ. 
*gazdaz), nisl. gaddur, nnorw. nschw. 
dial. gadd ‘spitze, stachel', adá. gad 
'stachelstock’, ndá. dial. gad, gaj 
'haken zum fischfang’. — > shetl. 
gadd ‘grosser nagel’; > me. gedd(e), 
ne. dial. gad, ged ‘stachel’ (Björkman 
169); > finn. karta ‘spitze landzunge; 
meerboden von steinen’ (? s. Karsten 



152 


gagn 


gáfti 


FMS 4, 1936, 470). — got. gazds 
‘stachel', as. gard ‘stab, rute’, mnl. 
gaert, nnl. gard, ahd. gart. — lat. hasta 
‘lanze’, mir. gat (< *ghazdh-) ‘weiden- 
rute'. gass (< •ghasto) ‘schössling’, 
tris-gataim ‘durchbohre’ (nur ital. kelt. 
germ.!). — vgl. gadda, gaddan und 
gedda. 

— 2 m. ‘festgetretener schnee’, nisl. far. 
gaddur ‘ds.’, nnorw. gadd ‘festgetretene 
stelle’, nschw. dial. gadd ‘schmaler 
pfad, hasenspur'. — vgl. nebenform 
galdr 1. 

Nach Torp, Wortschatz 132 aus 
grundform *gazda- zur idg. wzl 
*ghas ‘gaffen, sich öffnen'; vgl. 
dazu gr. xepoó? ‘trocken, hart’, 
mit bed. entw. 'sich öffnen’ > 
'vor durre bersten’ > ‘trocken oder 
hart sein’. Dann also weiterbildung 
zu der in gana vorliegenden 
wurzel. Gezwungene erklárung. 
gáði m. ‘spötter' (poet.). — vgl. geyja. 
gáfa f. ‘gabe’ (nur chr. Schr.), nisl. gdfa, 
fár. gáva, nnorw. gaava, nschw. gdva, 
ndá. gave. — Fraglich ob < mnd. gáve 
(Fischer 30; wahrscheinlich weil so 
spát bezeugt, aber andrerseits spricht 
dagegen, dass es so weit verbreitet ist, 
s. Seip, Láneordstudier 1, 1915, 48). — 
vgl. gefa. 

gafði schw. prát. ‘gáhnte’ (v.l. neben 
gapti in Heil. m. spgur) zu nicht iiber- 
liefertem Inf. *gafa neben gapa. 
gafi m. ‘greif, fabeltier' (nur Stjórn) < 
lat. gávia ‘möwe’. 

gafl m.‘ giebelseite’, nisl. gafl, fár. galvur 
‘giebel’, nnorw. gavl, nschw. gavel 
‘querwand’ (s. zum ON.Gaw/eSahlgren, 
NB 27, 1939, 131-141), ndá. gavl ‘teil 
der querwand'; vgl. shetl. gabel, gavel 
‘giebel’. — Daneben abl. ahd. gibil, 
mnd. mnl. gevel, got. gibla ‘giebel’, 
auch gebal, gibilla ‘schádel’ (fiir bed. 
geschichte s. Trier ZfdA 76, 1939, 13- 
44 und ZfdPh 70, 1949. 356 - 7 )- — 
xc?ixXf) ‘kopf, gipfel', maked. faPaXáv 
(Hes.) ‘kopf’, toch. A épál ‘kopf’. 

Idg. wzl *ghebh-l, nach Vendryes 
RC 40, 1923, 436 mit wurzel- 
variation daneben *kep, vgl. 
hefuð und fur einen áhnlichen 
wechsel vgl. hafa und hgnd. 
gaflak n. ‘leichter wurfspiess’, auch 
gaflok < ae. gafeluc ‘wurfspeer’ < 
kymr. gaflach (Falk NVA 1914 Nr 6, 
72) und hieraus ebenfalls mnl. gaveline, 
afrz. gavelot, javelot. 

gaga schw. V. ‘verspotten’, vgl. nisl. 
gagarelegur ‘naseweis’ und vielleicht 
fár. gagga ‘kinderwort fiir laus’. — 
mhd. gágen ‘schnattem’ und frequent. 
bildung mhd. gágern ‘ds.’, ahd. gagizön, 


gackizön ‘schreien’, ánl. gaghelen ‘schnat- 
tera’. — lit. gagú, gagétx ‘schnattern’, 
lett. gágil ‘wie gánse schreien’, russ. 
gogótat' ‘gackem’, gagat’ ‘schnattem’. 

— vgl. gagarr, gagl, gógr und 
gegull. 

gagarr m. ‘hund’ (poet.). — > air. 
gagar, gadar (Marstrander NVA 1915 
Nr 5, 112 und 158); > schott. gadhar 
(Henderson 130). — Wenn das tier 
nach seinem bellen benannt wurde, 
vgl. gaga; dagegen F. Jónsson, Sprog- 
forh. 60 nach steilem stand des schwan- 
zes oder dem ausrecken der beine zu 
gaghals. 

gaghals adj. ‘mit zuriickgebogenem 
kopf’ (nur Grm). Der 1. teil gag- vgl. 
nisl. gagur ‘nach innen gebogen, schief 
gedreht’, nnorw. gag 'riickwártsgebo- 
gen’, nschw. dial. gager ‘uniibenegt', 
zum nisl. gaga ‘den kopf in den nacken 
werfen', nnorw. gaga ‘riickwárts biegen’, 
gaga seg 'das kinn hoch tragen’. —mhd. 
gagen, gageren ‘sich hin und her bewe- 
gen’, nhd. dial. gagen, gagern, gageln 
‘die beine spreizen, unfest stehen’; 
vgl. ae. glagl ‘kiefer’, mnd. gágel, 
glgel 'gaumen, zahníleisch', ne. dial. 
gagtoothed ‘mit hervorstehenden záh- 
nen’. — lit. gögas ‘riicken des pferdes an 
der höchsten stelle’, arm. gog ‘höhlung, 
schoss, bauch’, auch toch. A káts, 
B kátso ‘bauch’ ? (s. v. Windekens 32). 

— vgl. gapa, gjegr « und g&gjust. 

gagl n. ‘kleine gans, schneegans, nisl.' 

gagl, nnorw. gagí, gaul, gogl ‘wilde gans’, 
nschw. dial. gagel ‘kleine gans’. — 
> ne. gaggles ‘reihe von fliegenden 
gánsen '(Björkman 158); schott. gawlin 
‘kleiner seevogel’; > IpN. gavla-íuotja 
‘gánseart’ (Qvigstad 167). — mnl. 
gakelen, nnl. gaggelen ‘schnattem’. — 
lit. gagalas ‘storch’, gaigalas ‘enterich’, 
lett. gaigale ‘möwenart’, apr. gegalis 
‘taucher’, mss. gógol' ‘quákente’. — 
vgl. gaga. 

gaglvior m. ‘bedeutung unbekannt’ (nur 
Vsp. 42): vögelwald ? hahnenbalken ? 
Man hat an urspr. *ga-vagl gedacht 
(s. Detter-Heinzel, Edda 2, 58), also 
zu vagl, oder an ein wort gagl ‘gagel’ 
ankniipfen wollen (A. Kock ANF 27, 
1911, 110), das aber nur im siidgerm. 
bekannt ist (ae. gagel, gagole, mnd. 
mnl. mhd. gagel, zu gr. xáyXa und 
daneben yáXxa?, lat. calcan, chalcan) 
oder gagl zu gag-hals gestellt und 
gaglviðr als ‘der hohe baum’ gedeutet 
(Strömbáck SSUF 1927, 23-33). Uber 
unsichere vermutungen kommt man 
nicht hinaus. 

gagn n. ‘vorteil, hausgerát’ (< germ. 
•gagana), nisl. fár. nnorw. schw. gagn, 



gakaR 


153 


gaU 


ndá. gavn. — > me. gagkenn, gawin 
(Björkman 112); > lpN. gav(d)ne 

‘nutzen’ (Qvigstad 167). — Das wort 
ist dasselbe wie gagn 'gegen, durch’, 
also eig. 'das zusammentreffen mit, 
passen zu’, vgl. ae. geagn- gean-, ahd. 
gagan ‘gegen, wieder’. — Dazu gagna 
schw. V. 'niitzen’. — vgl. gegn 2 und 
gggn. 

Wadsteins deutung (IF 5, 1895, 12) 
aus *ga-hagna zu hagna, hagr 
ist abzulehnen, wie auch die 
meinung von Lewy PBB 32, 1907, 
140, der es mit gegn 1 verbinden 
will. 

gakaR um. run. (br. Nr 19, Skáne 1, 
Jacobsen-Moltke Sp. 541-3); gewöhn- 
lich als íehlschreibung fUr gaukaR 
(vgl. gaukr) betrachtet, aber keines- 
wegs sicher; es kann auch eine magische 
formel ohne bestimmte bed. sein. 
gala st. V. ‘singen, schreien; zauberfor- 
meln hersagen’ (s. I. Lindquist, Galdrar 
s. 4-5); norw. run. g[a\landi ‘schreiend’ 
(Eggjum c. 700, Krause Nr 54). nisl. 
fár. norw. schw. gala, ndá. gale ; vgl. 
auch Part. galinn 'verzaubert, behext’, 
nnorw. schw. galen, ndá. gal. — ae. 
ahd. galan ‘singen’, mnl. galen ‘lármen’, 
ahd. bigalan ‘verhexen’; vgl. mhd. gal 
‘ton, gesang’, ae. nihte-gcde, geele, as. 
ahd. nahti-gala ‘nachtigall’. —• vgl. 
gjalla und galdr 2. — Dazu Galarr 
m. ‘name eines zwerges’. 
galdr 1 m., auch gaid n. ’festgetretener 
■schnee’, nnorw. gald ‘harter boden, 
felspfad’, nschw. dial. gadd ‘schmaler 
weg’. — > ne. galt, gault ‘lehm, 
mergel’; > shetl. gall, gald ‘hart’. 

Man hat metathesis < *gaðl < 
*gazðl angenommen (A. Noreen, 
Gramm. § 313), und dann zu gaddr 
2 gestellt.—Geht man aus von einer 
bed. ‘harte, kahle stelle’ wie 
.nnorw. und die engl.-shetl. entl. 
nahe legen, so kann man an geldr 
anknupfen, das auf eine idg. wzl 
*ghel ‘abschálen' zunickgeht. 
Denkt man an den hellfarbigen 
riss in einem abgeschálten stamm, 
so kann man die bed. ‘schmaler 
weg’ und ‘festgetretene fuszspur 
im schnee' leicht erkláren. 

2 m. ‘zauberlied', nisl. fár. galdur, 
nnorw. aschw. galder. — > orkn. 
galder ‘starker wind’, golder ‘plötzliches 
lautes reden; windstoss’ (Marwick 50 
u -. 58); > shetl. galder, golder ‘heulender 
wind; lármendes reden’ (Jakobsen 
J98 u. 236). — ae. gealdor, ahd. galtar 
‘zauberlied’; vgl. auch ahd. galstar 
’zauber’ und ae. galstre ’hexe’. — vgl. 
gala und gjalla. 


galeið f. ‘galeere', nisl. galeiða, aschw. 
galeidha, adá. galeid — < mnd. 

galeide < mlat. galeida, vgl. mgr. 
yocXata, ngr. yot>ia. 

galgi m. ‘galgen’, nisl. fár. gálgi, nnorw. 
schw. dá. galge. — got. galga ’pfahl, 
kreuz’, ae. gealga (ne. gallows), afr. 
galga, as. ahd. galgo, mnl. galge ‘galgen’. 
Grundbed. ‘stange’. — lit. iálgas, 
ialgá ‘lange, diinne stange’, lett. ialga 
‘lange rute’, arm. jalk ‘stange, zweig’ 
(IEW 411). — vgl. gelgja. 
gali m. in Zss. magrgali ‘hagerer mensch’, 
árgali ‘der fruhsinger, der hahn’, auch 
fagrgali, vilgali ‘schönklingende worte’. 
— vgl. gala. 

gáli m. BN., dazu gálaskapr ‘ausgelassene 
fröhlichkeit’, gáíasamligr 'ausgelassen'; 
nisl. gáli 'ubermutige person; possen- 
reisser’, nnorw. gaale ‘tor, einfalts- 
pinsel’. 

Von nordgerm. standpunkt aus 
kann man an die sippe von gá 1 
und gár ankniipfen (Torp, Wb. 
150), also der schreihals. Aber es 
scheint unrichtig das wort von ae. 
gil, as. gll, ahd. geil ‘fröhlich, 
unverschámt’ zu trennen; vgl. got. 
gailjan 'erfreucn'; vgl. gil. Fur 
den wechsel d: ai vgl. auch grápa 
neben greip (Sturtevant MLN 41, 
1926, 371). 

galkn n. ‘fabeltier’. Nach Bugge ANO 
1895, 123-138 < *gand-likan, und also 
zu gandr. ; eine befremdende zusam- 
menziehung der durchsichtigen zu- 
sammensetzung. Es kommt nur in den 
Zss. finngalkn und hreingalkn vor. 
Eher ein fremdwort (aus dem kelti- 
schen ? s. Jóhannesson.-Suff. 75). 
gall n. 'galle, bitteres getránk, gift’, nisl. 
fár. norw. gall, nschw. galla, galle, ndá. 
galde. — ae. gealla, as. ahd. galla, mnl. 
galle. — lat. fel (g. fellis) ‘galle’, also 
italisch *ghel-n neben germ. *ghol-n; 
weiter zu helvus ‘honiggelb’, gr. x^°?> 
XoXÝ; ‘galle, zom’, x^o>pó; 'gríingelb, 
frisch’, ai. hari 'blond, gelb’, hiranya 
‘gold’, av. zdra ‘galle’, asl. zelenú 
'griin’, zlato ‘gold’, lit. ialias ‘griin’, 
lett. zal’i 'griin’, zilts ‘gold’, apr. 
saligan ‘griin’, air. gel ‘weiss’. Neben 
der idg. wzl *§hel ‘glánzen; gelb, griin’, 
ist auch *ghel anzunehmen, vgl. lit. 
geltas ‘gelb’, (IEW 429). — vgl. gull 
und gulr. 

Die idg. wzl *ghel ist im skand. 
stark vertreten und zwar als *ghié 
vgl. glámr 

mit erw. dental vgl. glaðr 1 und 
giata, glit 



galli 


154 


mit erw. labial vgl. glap 
„ „ n „ glanni 

„ „ s „ gler 

als *ghleý „ gljd 

„ *ghk]f- „ gleggr. 

Die wzl *ghel, ‘leuchtend, glanz' 
bedeutet viell. urspr. 'abschálen, 
abgescháltes holz’, vgl. glaör. 
Aber weiter konnte aus einer bed. 
‘glanz’, die von 'ruhm, lob’, leicht 
entstehen, weshalb H. Schwarz, 
Fschr. J. Trier ( 1954 ) 439-449. 
damit verbindet die gruppe von 
gjalla. 

galU m. ‘fehler, schaden’, nisl. galli, 
aschw. dá. galle ‘fehler, schaden, 
schmerz’.. — ae. gealla ‘reibwunde’, 
mnd. galle ‘wunde hautstelle’, nnd. 
galle ‘unfruchtbare stelle im acker', ánl. 
gaele, nnl. gal ‘hautkrankheit’, mhd. 
galle 'geschwulst’. — lit. lalá 'schaden, 
elend’, lctt. zalba ‘schaden, verletzung’. 
Dazu noch air. galar ‘krankheit, kum- 
mer’ (Zupitza, Gutt. 201). 
gallr adj. ‘hell tönend’ (Vsp. 46), vgl. 
aschw. gall ‘schrei, lárm’, nschw. gall- 
skrika ‘laut schreien’. — vgl. gjallr. 
— Dazu Gallópnlr ‘name fiir adler’ 
(poet.), eig. ‘der lármer’ (zusammen- 
gesetzt mit ópnir, vgl. óp). 
galmr m. ‘schwert’ (þula), auch PN., 
eig. ‘der helltönende’, schw. dial. galma 
‘schreien’. — as. mnl. ahd. galm 
‘klang, widerhall’. — vgl. gala und 
gjalla, weiter Aurgelmir, Bergel- 
mir, Hvergelmir, Gelmingr und 
gylmir. 

galpin m. BN.; nisl. galapin ‘fröhlicher 
bursche’ < schott. galopin ‘diener' 
< frz. galopin: nach der bed. von 
galinn beeinflusst (S. Bugge ANO 
1895, 127). 

galtl, galtr m. ‘eber', nisl. fár. galti, 
nnorw. galte. — > shetl. galti, golti, 
orkn. gat. — vgl. gpltr. 
gamall adj. ‘alt’ auch PN„ nisl. gamall, 
fár. gamal(ur), nnorw. gamal, nschw. 
gammal, ndá. gammel, vgl. shetl. 
gamrnel (Jakobsen 200). — ae. gamol, 
mnl. gamel, ahd. gamal- ‘alt’; dazu ae. 
gamelian, mnd. gamelen ‘alt werden’, 
as. gigamalðd ‘betagt, bejahrt’. — vgl. 
gemlingr. 

Erklárung ist unsicher: 1. abl. 
von germ. *gam (< idg. *ghðm 
neben *ghiöm, vgl. gr. 
‘schnee’), zu gdi und gymbr. — 
Oder Zs. mit práfix ga-, und zwar 
2. < *ga-máll < germ. *ga-milaz 
‘bezeitet’ zu mdl 1 (Kluge KZ 26, 
1883, 70), oder 3. < *ga-hamall 
‘verstiimmelt, kraftlos’ zu hamla 
(Wadstein IF 5, 1895, 12 i un ' 


gambra 


möglich fiir wgerm. formen). — 
4. < *gam-ala indem *gam- (mit 
der bed. ‘essen, náhren, gedeihen’) 
auch in gamban, gambra una 
wgerm. PN. Gambara vorliegen 
sollte (Rooth, Altg. Wortstud. 50). 
— 5. zu lat. humilis 'niedrig’, gr. 
ópaXó; neben xOapaXé;; also aus 
*ghom-ali 'gleich mit der erde ge- 
wachsen’; so Szemerényi, Word 8, 
1952, 50, der das wort also mit ala 
verbindet, vgl. auchseine erklárung 
fiir aðal ; zum I. glied vgl. gumi. 
gaman n. ‘freude; spass; wollust’, nisl. 
fár. nnorw. gaman, nschw. gamman, 
ndá. gammen. — ae. gamen, afr. game, 
gome f„ as. ahd. gaman ‘freude, unter- 
haltung, spiel’, mnl. game ‘streich, 
spott’. — Weiter gehören dazu adá. 
gammel, mhd. gamel ‘scherz’, nhd. dial. 
gammel 'wollust’, und nnorw. dial. 
gams ‘ausgelassener scherz’, nisl. gems 
‘anstössiges betragen’, nnorw. dial. 
gamast ‘sich freuen, spassen’; vgl. 
gamðir, gamna, gemsa und gumsa. 
Weitere ankniipfungen unsicher. 
Vielleicht grundbedeutung ‘hiip- 
fen, springen’ (Wiedemann BB 27, 
1902, 202) und dann kaum zu lat. 
fumus 'rauch’, gr. ðúfjto? 'gemuts- 
wallung, geist’, ahd. toum ‘dampf’ 
(WP 1, 678); andere dagegen zu 
gr. á 0 e|i( 3 oöea ‘ausgelassen’ (IEW 
490). — Mit práf. ga- aus *ga-am 
zu lat. amare (Wadstein IF 5, 1895, 
8; unmöglich). — Zu der unter 
gamall erwáhnten wzl *gam 
‘ernáhren, essen, sich freuen’ 
(Rooth, Altg. Wortstud. 42). 
gamban- in Zss. gambansumbl ‘feier- 
liches gelage’, gambanreiði ‘grosser 
zom’, gambanteinn ‘zauberrute’. 

Erklárung unsicher. Ansprechend 
< *ga-amban (zu gmbun), eig. 
partiz. zu dem in afl und afli 
vorliegenden stamm *ab (v. Ha- 
mel Nph 17, 1932, 136-43 und 
2 34 - 9 ) • — Dagegen wenig ein- 
leuchtend zu einer wzl *gam 
‘ernáhren, essen', also wie gamall 
und gaman (Rootb, Altg. Wort- 
stud. 45). — Unmöglich < *gand- 
band (A. Kock ANF 27, 1911, 
114-21). -— Man muss wohl von 
einer magisch-religiösen bedeu- 
tung ausgehen. 

gambr m. ‘greif’ (spát bezeugt). — vgl. 
gammr. 

gambra schw. V. ‘sich briisten, prahlen', 
nisl. gambra. — vgl. gimbing. 

Möglich mit nasal-infigierung zu 
gabb, oder erw. des in gana 
vorliegenden stammes; in heiden 



155 


gandr 


gamðir 


íállen also zur selben wzl. — Unter 
hinweis auí germ. VN. Sugambri 
und ahd. gambar ‘kráítig’ vielleicht 
zu gamban- (Holthausen, Wb. 79 
u. 362). — Die lautáhnlichkeit mit 
gr. xojijnjpói; ‘groszsprecherisch’ ist 
wohl zufállig, wiewohl fiir das 
verháltnis *ghombh : *komp vgl. 
gafl und hafa\ 

gamðir m. ‘falke’ (poet.). Mit hinsicht 
auf die bed.entw. von gladr 2 kann 
man an zusammenhang mit gaman 
denken (Falk, Fschr. Sievers 1925, 
246), etwa < *gaman-þér ~t (Holthau- 
sen, Wb. 79). Daneben steht aber 
hamöir (was Wadstein IF 5, 1895, 13 
naturlich an eine entw. < *ga-hamðir 
denken macht; wenig wahrscheinlich). 

gamli m. ‘adler’ (nur Akv.). Kann 
einfach 'der alte’ bedeuten, also zu 
gamall. — vgl. gemlir. 

gammi 1 m. ‘lappenhiitte, erdhiitte’, nisl. 
gammi, nnorw. ndá. gamme ‘ds.’, nschw. 
dial. gamrne ‘krippe’, ndá. dial. gam{me) 
‘verschlag in einem viehstall’. — > 
finn. hamano ‘berghöhle, grotte’ (Kar- 
sten FMS 4, 1936, 463, mit bewahrter 
endung der «-dekl.), daneben komma- 
na, kommano ‘lappenhutte’ und kommio 
‘zelt, waldhutte’ (Wiklund IF 38, 
1917, 102, der vermischung von gammi 
und skemma annimmt); > lpN. gammi 
‘erd- oder torfhiitte' (Wiklund SVS 
Uppsala 24, 1927, Nr. 16, 59-60). — 
nhd. schweiz. gammeli ‘kleine vieh- 
hiitte, vorstall’. — arm. gom ‘schafstall’ 
(Lidén, Armen. Stud. 1906, 14). 

Anders Torp, Fschr. Unger 1896, 
185, der das wort zu der sippe 
von gumi ‘stellt’; vgl. lat. humus, 
gr. xötí>v, also urspr. ‘erdhiitte’ 
(nicht wahrscheinlich). 

2 m. 'tonleiter’ < afrz. gamme < gr. 
gamma. 

gammr, gambr m. ‘greif’, nisl. fár. 
gammur, nnorw. gamber, nschw. gam(m), 
adá. gam. — Zusammenhángend mit 
oder eher mittelbar entlehnt < mhd. 
gampilún, gabilun ‘drachenartiges tier’ 
< roman. vgl. span. gavilan ‘sperber’, 
prov. gavanh 'raubvogel’. 

gamna schw. V. ‘erfreuen’, nisl. gamna. 

— ae. gamnian. — vgl. gaman. 

&an n. ‘gáhnen, schrei, lárm', nisl. gan 
‘hervorsturzen, gewalt’, fár. ganir 
‘hautfalten im kuhmund’, nnorw. gan 
n., nschw. gan f. ‘schlund, rachen’, 
nschw. gan n. 'kiemen, kopf und ein- 
geweide kleiner fische’. — > ne. dial. 
schott. gane ‘mund, rachen' (Flom 43). 

— gr. x<&vo< ‘das gáhnen’. — Zu gana 
schw. V. ‘gáhnen, gaffen, glotzen’, 
nisl. gana ‘unvorsichtig vorwárts- 


sturzen’. fár. gana 'aufwárts glotzen’, 
nnorw. gana 'den hals ausrecken’, 
nschw. dial. gana ‘gaffen’. — > orkn. 
gan, shetl. gon ‘anstieren'. — ae. 
ganian, mnd. jSnen ‘gáhnen’. — gr. 
Xacívco ‘gáhnen, sich öfínen’. — vgl. 
gansi, ganti, genja, genta, ggn- 
suðr und fur weitere verwandten 
gapa. 

gandr m. ‘zauberstab; zauberei; wolf’; in 
Zss. hrótgandr ‘feuer', jgrmungandr 
‘wéltschlangc', Vdnargandr ‘Fenrir’; 
norw. run. ungandiR ‘gegen zauberei 
gefeit’ (Nordhuglen c. 400, Krause 
Nr 45), vgl. den latinisiörten PN. 
Ongendus; fár. gandur ‘zauberei’, 
nnorw. dial. gand ‘dunner stock; 
zauberei der Lappen'; nschw. dial. 
gánder ‘zweig’. — > shetl. gander ‘heu- 
lender wind, lautes gerede, plötzliches 
schwáchegefiihl’; > lpN. gaijija 'lap- 
pische zauberei’ (Qvigstad 164). — vgl. 
gálkn, Ggndlir und ggndull. — 
Dazu gandreiðf. ‘zauberritt’, woneben 
auch *gandferð anzunehmen, vgl. 
nnorw. gandferd, orkn. gamfer (Mar 
wick 51), shetl. ganfer ‘unheilverkiin 
dende lufterscheinung’ (Jakobsen 205). 
— Gandvík f. ‘das Weisse Meer’, durch 
volksetym. anlehnung an gandr < finn. 
Kantalahti (E. Lidén BB 21, 1896, 
” 5 )- 

Fiir die erklárung des wortes gandr 
hat man zwei ansatzpunkte: ent- 
weder den begriff des magischen 
gegenstandes und dessen wirkung, 
oder die bed. ‘stock’, besonders als 
bezauberter stock. 1. Verwandt 
erscheinen Ganna ‘name einer 
semnonischen seherin’ (Schönfeld 
102) und die unter ginn 2 behan- 
delte wortsippe (de’ Vries APhS 5, 
1930, 51-63). Abzulehnen verbin- 
dung mit ir. gand ‘knapp, sparsam, 
klein’, falls eigentlich ‘verhext' 
(Marstrander NTS 3, 1929, 110-1, 
dessen binweis auf ai. Gandharva 
lautlich unmöglich ist). — 2. zu 
air. geind 'keil’, lit. geniú ‘áste ab’, 
lett. dzenis ‘holzstíick am pfluge’, 
asl. £{lo 'stachel’, zur idg. wzl 
*gthen ‘schlagen' vgl. gunnr 
(Lidén BB 21, 1895, 98, N. Lid. 
Fschr. Falk 1927, 331-9; dagegen 
Uhlenbeck PBB 22, 1897, 543 weil 
die bildung mit dA-suffix unerhört 
ist mit instrumentalbedeutung und 
der labiovelar nicht stimmt; auch 
Marstrander z. a, s. 110 und Lane 
JEGPh 35, 1936, 28). — Altere 
unbefriedigende deutungen: < *ga- 
andaR ‘mit atem oder geist begabt’ 
(S. Bugge ANO 1895, 132) und 



ganga 


156 


garðr 


< *ga-wandaR zu vgnir (Wad- 
stein IF 5, 1895, 3 «>)- 
ganga red. V. ‘ gehen', nisl. fár. norw. 
ganga, nschw. ginga, adá. gange. — 
> shetl. gonga und geng (Jakobsen 
205). — got. gaggan, ae. as. ahd. 
gangan, afr. ganga, gonga. — ai. jaHeha 
‘unterhein’. jamha- 'schritt’.'gr. xs ýSvrj 
‘schntt; stelie zwiscben aen scnenkein , ' 
li fnm gtt l. - feltgt t se ftfélten ’r h Hesms~ 
Jsdwitt^r^vgl. gangr, gdtt, gengi ~ 
gewgrTmd ggngull. 

Por zig , Gliederung d. idg. Spr, 
(1954} 147 betrachtet dieses wort 
als riickbi ldung zu ger m. *gan eian. 
ygT~aer~^gft^aii~ mhri gengin ‘anf 

etwas jpsgrfie n’, das igLlit_fengfú 

gangarl, ^áíígvarirn. 'pferd\'wohl bber 
wgerm. (ae. ganger 'schnelles pferd’) 
lehniibertragung aus lat. ambulator oder 
gradarius (Westergárd-Nielsen 139). 
Gangleri m. ‘Odinsname' (nur Grm.); 
gewöhnlich aufgefasst als gang-leri ‘der 
wegemiide ‘(Gering, Edda-komm. 1, 
211), obgleich das suffix -leri sonst 
nur in Zss. mit herabsetzender be- 
deutung vorkommt. 

gangr m. ‘gang’, nisl. fár. gangur, nnorw. 
dá. gang, nschw. ging. — > shetl. 
gang, geng. — got. gagg. n. ‘weg, strasse’, 
ae. as. ahd. gang, afr. gong, ‘gang’. — 
vgl. ganga, gengi und Zss. árangr 
und einangr. 

gansi m. BN., eig. ‘gaffer’, mit s-suffix 
(vgl. bersi) zu gana. 
gantí m. ‘narr, tor’ (nur Rémund. s.) 

< *ganatja, mit f-suffix zu gana. 
gapa schw. V. ‘das maul aufsperren, 
schreien’, nisl. fár. norw. schw. gapa, 
ndá. gabe ‘gaffen, stieren’. — > ne. 
gafe, me. gapen; > shetl. gáb ‘ge- 
schwátzig sein’. — ae. ofergapian 
‘vergessen, vemachlássigen’, mnd. mnl. 
gapen, mhd. gaffen ‘gáhnen’. — Dazu 
gap n.‘öffnung; schrei, ruf; törichtes 
benehmen’, nisl. fár. norw. schw. gap, 
ndá. gab; vgl. shetl. gab ‘öffnung’. — 
gapi m. PN. ‘gaffer’; nisl. gapi ‘magi- 
sches zeichen’ (vgl. gapaldur, angurgapi, 
veðurgapi ‘namen fiir zauberstabe’). — 
Gapþroanir, Odinsname (þula), dessen 
1. teil wohl zu gapi ‘zauberzeichen’ 
gehört, wáhrend þrosnir (nach Falk 
NVA 1924 Nr 10, 11 aus *-þrosknir) 
zu þroskast gehört, oder mit F. 
Jónsson LP 171 zu nisl. þrusk ‘lárm’. 
— gapuxi m. ‘narr, tor’ (Vatnsd. s.), 
nisl. gapuxi. — > orkn. gappis (Mar- 
wick 51); shetl. gapos (Jakobsen 202). 
vgl. fiir den 2. teil oxi. 

Die nur germ. bezeugte sippe 


gehört zu der idg. wzl *ghé: *gh» 
‘gáhnen’; dazu mehrere erweiter- 
ungen: 

mit dental vgl. gaddr 2 

„ laþial ,, gabba, gafði, 

gopi, Gepul 
,, guttural ,, gaghals 

*|héi- „ gji 

*ghéy- „ geyja. 

gár n.‘spott, liige’, nisl. gár ‘spott’; vgl. 
nnorw. gaare ‘narr’. —Wohl < germ. 
*gawara-, vgl. gá 1 und geyja. 

Garðaríki, álter auch Garðar ‘name des 
Wikingerreiches in Russland’. Gewöhn- 
lich zu garðr ‘hof, festung’; der áltere 
name Garðar war vielleicht eine zu- 
sammenfassende bezeichnung der rus- 
sischen grady oder ‘stádte’ (Braun, 
Fschr. Mogk 1924, 195). 

Garðarr m. PN. mit suffix -arr von 
garðr gebildet (vielleicht aus ostskand. 
entlehnt). 

gardekors n. ‘kurzes- jackenartiges klei- 
dungstiick’ (norw. DN); aschw. garth- 
kors, vardhekors. — < afrz. gardecorps 
< mlat. gardecorsium (Falk NVA 
1919 , 173 )- 

Garði m. PN. und BN.; schwache form 
zu Garðr. 

gardian m. ‘vorsteher eines Minoriten- 
klosters’ (norw. DN) < mnd. vgl. 
mnl. gardiaen < ital. guardiano (Kahle, 
Acta germ. I, 4, 1890, 36). 

garðr 1 m. 'zaun, hof, garten’, nisl. fár. 
garður, nnorw. gar{d), nschw. gird, ndá. 
gaard. — > me. garth, gerth (Björkman 
150), ne. dial. garth (Thorson 27); > 
manx Garth ON. (Marstrander NTS 6, 
1932, 157); >. norm. -gard in ON. 
(Jakobsen DSt. 1911, 81); > frz. gord 
‘einrichtung zum fischfang bestehend 
aus einer doppelten pfáhlenreihe’ 
(Nyrop, Fschr. F. Jónsson 1928, 450-4); 
> air. garda (Craigie ANF 10, 1894, 
156); > kymr. gardd ‘garten’ (Miihi- 
hausen, Fschr. Windisch 321); > finn. 
kartano, liv. kSrand, karn ‘hof, hof- 
platz’ (Thomsen 2, 183; nach Karsten 
GFL 1915, 127 und FMS 4, 1936, 470 
eher aus n-stamm, der vorliegt in got. 
garda ‘viehhof’, afr. garda, as. gardo, 
ahd. garto 'garten’); > lpN. gard{d)e 
(Thomsen 2, 182); > asl. gradú ‘stadt, 
burg, garten’, ht. gafdas ‘einzáunung’ 
(Stender-Petersen 255-61; falls nicht 
urverwandt, vgl. gerð 2). — got. 
gards ‘haus, familie’, ae. geard (ne. 
yard), as. gard ‘zaun, wohnung’, and. 
gart ‘kreis’. — vgl. gerð 2. 

— 2 m. PN„ bes. norw., vgl. adá. Garth; 
dazu Zss. Finngarðr, Freygarðr, Grjót- 
garðr; der 2. teil bedeutet wohl ‘be- 
schiitzer'. — vgl. gerð 2. 



gargan 


157 


gat 


gargan n. ‘schlange’ (þula); nisl. gargan 
‘verstimmtes musikinstrument’, im 
allgemeinen ‘etwas schlechtes’ zu garga 
‘mit heiserer stimme schreien, ver- 
stimmt sein’. 

S. Bugge ANO 1875, 227 und 
Jóhannesson, Suff. 18 stellen es zu 
air. garg 'rauh, wild’, das weiter 
zu gr. Yopyó; ‘furchterregend, 
grausig’, gehört, aber nicht wahr- 
scheinlich; eher zu garpr. Dass 
die schlange nach einem laut 
benannt wurde, steht nicht ver- 
einzelt da, vgl. japr. 
garland n. ‘hauptschmuck, diadem’ 
(spát bezeugt) < afrz. garlande ‘kranz’, 
wohl durch nd. vermittelung (vgi. mnl. 
garlande). 

garmr m.‘hund’; bes. der ‘höllenhund’ 
(poet.), nisl. garmur ‘elender mensch’, 
fár. garmur ‘hund’; vgl. nnorw. dial. 
garma 'briillen’, nschw. gorma ‘schreien, 
lármen’. — ae. gierman ‘briillen’. — 
vgl. garpr. 

garn n. ‘garn, faden’, nisl. fár. norw. 
,r,hw. dá. garn, vgl. shetl. gon(n). Die 
urspr. bed. war 'schnur von dármen’ 
(vgl. gprn). — > me. garn (Björkman 
150) —• ae. gearn (ne. yarn), mnd. garn, 
mnl. garn, garen, ahd. garn. — lit. 
zarná, lett. zarna ‘darm’, alb. zofé 
‘eingeweide’; und weiter lat. hernia 
‘darmbruch’. hira ‘leerdarm', pl. ‘ein- 
geweide’, haruspex ‘eingeweideschauer’, 
gr. 'darm, darmsaite’, ai. hira- 

‘band', hirá ‘ader’ (IEW 443). 
garpr m. ‘tiichtiger mann’, auch PN. und 
BN. (besonders ‘Deutscher’), nisl. fár. 
garpur, ‘tiichtiger kerl', nnorw. dial. 
garp, aschw. garper ‘prahlerische per- 
son’. — Als bezeichnung fiir Deutsche 
> finn. Karppi (Karsten, IF 26, 1909, 
242). — vgl. nnorw. dial. garpa 

'prahlen, lármen’, nschw. dial. garpa 
'schwatzen, prahlen, schelten’, ndá. 
garpe 'schreien’ (wie ein rabe); mit 
anderem suffix nnorw. dial. garta 
‘plaudern, grunzen’, garma ‘briillen’. — 
ae. gierran ‘krachen, knarren, schwat- 
zen’, nhd. girren, mhd. auch garren, 
gurren ‘schnattem, schwatzen’. — 
Idg. wzl *gher fiir schallworte: ai. 
gharghara- 'rasselnd; geláchter’, ghur- 
ghura- ‘gurgelnder íaut’, lat. hirrire 
‘winseln’, asl. gúrkati ‘girren'. — vgl. 
gargan, garmr, garta, gerpir, 
greppr und gurpr ; daneben auch 
karp. 

ftárr m. ‘schwertname' (þula). Nach Falk 
NVA 1914 Nr 6, 50 identisch mit gár 
unter hinweis auf nisl. gára ‘zerreissen’. 
Dagegen Torp, Wb. 150 zu nisl. 
gára, gári ‘streifen, furche’, nnorw. 


gaar ‘streifen’, gaara ‘ader im 
gestein’, gaare ‘jahrring in báu- 
men’, nschw. dial. gdra ‘furche, 
jahrring’, ndá. gaare ‘jahrring’ 
(diese gehören zu gr. x°P&í ‘tanz- 
platz, chortanz’, und urspr. bed. 
etwa 'kreis’); also nach der form 
benannt. — Holthausen, Wb. 80 
wieder zu asl. zorja ‘glanz’, zarja 
‘strahl’, also zu grár (der form 
wegen nicht ansprechend’). 
garta schw. V. 'kratzen’. — vgl. garpr 
und ggrtra. 

gárungr m. ‘narr’. — vgl. gár. 
gás 1 f. 'gans’, run. norw. a(n)sugas 
(Myklebostad 5. Jht; so Marstrander 
NTS 3, 1929, 208; aber sehr fraglich), 
nisl. fár. gás, nnorw. dá. gaas, nschw. 
gds. — > lpN. gössa ‘wildgans’ 

(Wiklund MO 5, 1911, 247); > asl. 
*gasi, vgl. russ. gus’, poln. ges' ‘gans’ 
(Stender Petersen 305; aber wohl aus 
dem urgerm.). — ae. as. mnd. gös, 
mnl. ahd. gans; got. *gansus (zu er- 
schliessen aus sp. ganso). — lat. anser 
(< *hanser), gr. xfjv, ai. hamsa-, air. 
geiss 'schwan’, lit. zqsii, lett. zúoss, apr. 
sansy ‘gans’ (IEW 412; das idg. wort 
*ghans ist bis ins chinesische (n)gan 
gewandert, s. Conrady, Ber. sáchs. 
AW 75, 1925, 13-15). — vgl. gassi und 
gceslingr. 

— 2 f. 'cunnus’, wohl eig. ‘das klaffende’ 
und dann zu gana und gapa. 
gasi m. BN., nnorw. gase ‘tor’, vgl. 
nnorw. gasa 'lossturzen’, schwed. gasa 
'gaffen’. — vgl. gassi. 

Gási m. PN., schwache form zu gás 1. 
gassi m. ‘unbesonnener’ (< germ. *gans- 
san), nisl. gassi ‘gánserich’, fár. gassi 
‘holzkeule’, nnorw. gasse, ndá. gasse, 
nschw. dial. gdse ‘ganserich’. — Mit 
s-suffix (vgl. bersi) gebildet von gás 1; 
vgl. auch gessa. 

Gastropnir, Gastrofnir m. ‘name eines 
walles’ (Fj. 12). Der 1. teil wird 

f ewöhnlich als ‘gast' erklárt. Detter- 
ieinzel, Edda 2, 642 beziehen -stropnir 
zu norw. strupa, strjupa ‘klemmen, knei- 
fen’ und nchmen also grundform *gast- 
stropnir an. Dagegen geht Bugge ANF 
10, 1894, 39 von gast-rofnir aus, und 
erklárt gast (wie nnorw.) als 'geist, 
spuk’. In beiden fállen befriedigt die 
deutung nicht fur einen lehmwall. 
Víelleicht steht gast neben der gramm. 
wechselform *gazd in gaddr 'harter 
boden’ ? 

gat n. 'loch’, nisl. fár. norw. gat. 'loch, 
falz’, vgl. shetl. gad. — ae. geat (ne. 
gate) ‘tor’, afr. gat, jet, as. mnl. gat 
'loch’. — Wenig wahrscheinlich zu gr. 
Xf^co, ai. hádati, alb. dhjis ‘scheissen’. 



158 


Gaupi 


gát 


arm. jet 'schwanz’, obgleich nnd. nnl. 
gat aucli ‘podex' bedeutet (Holthausen 
PBB n, 1886, 553). — vgl. gata. 

gát n. ‘speise’ (poet.), eig. 'was man 
bekommt’; nnorw. gaat ‘aufmerksam- 
keit’, vgl. nschw. godta sig, ndá. godte 
sig ‘sich gutlich tun’. — Hochstufiger 
abl. zu geta; vgl. mungdt. 

gata f. ‘pfad, gasse’, nisl. gata, far. gata, 
geta, nnorw. gata, gota, nschw. gata, 
ndá. gade. — > me. gate, ne. dial. gait, 
gate ‘gang’ (Björkman 151); > shetl. 
goda, geda nur in ON. (Jakobsen 232); 

> lett. gatwa ‘weg zwischen zwei 
hofzáunen'. — got. gatwð, mnd. gate, 
ahd. gazza ‘gasse, pfad’.Wáre die got. 
form auch fiir das ngerm. anzunehmen, 
so wiirde man *gQtva erwarten (s. 
Noreen, Gramm. § 84). — Dunkles 
wort; zusammenhang mit gat ist 
fraglich. 

gáta f. ‘rátsel, vermutung', nisl. fár. gáta, 
nnorw. gaata, nschw. gáta, ndá. gaade. 

— > shetl. godek ‘rátsel’, orkn. gaadie 
‘spiel mit schattenbiidern’ (Marwick 
50). — russ. zagadka ‘rátsel’ zu asl. 
gadati ‘raten’. — vgl. geta. 

gátinn adj. ‘aufmerksam' (norw. DN). 

— vgl. gát und geta. 

gátt f . ‘tiiröffnung, turrahmen’ ( < germ, 
*ganhti ) , nisl. fár. gátt ‘tiir’, nnörwT 
“ gaatt Talz, fuge im rahmen’, nschw. 
dial. gát ‘faiz’; — > shetl. goit(i), gott(i) 
u.a. (Jakobsen 245); > finn. kahta 
‘offen' (fraglich, s. Karsten GRM 6, 
1914, 77).— got. gáhls ‘das gehen’, nur 
in Zss. wié~ framgáKtS ‘Tnnschritt’; 
daneben ae. -giht ‘gang’, mhd. giht 
‘gang, reise’ (< germ. *genhti). — vgl. 
eanga und geetti. 

gauð T. ‘das bellen, schimpfen’ (spát 
bezeugt), nisl. gauð, nnorw. gau. — 
ae. glað ‘torheit, spott’, mhd. götide 
‘jubel’. — vgl. gá 1 und geyja. 

gaukr m. ‘kuckuck’, auch PN. und BN. 
nisl. gaukur, fár. geykur, nnorw. gauk, 
nschw. gök, ndá. geg. — > orkn. gowk, 
gok ‘kuckuck’, gokk ‘tor’ (Marwick 58); 

> shetl. gok ‘tropf’, gek ‘schneemann’; 

> me. gowke, gðke, ne. dial. gowk, 
gawk ‘kuckuck’ (Björkman 69), auch 
‘tropf, narr’ (Flom 44). — ae. geac, 
afr. gák ahd. gouh ‘kuckuck’, mnd. 
gðk, mnl. gooc, mhd. gouch ‘narr, 
tropf’. — vgl. gakaR. 

Dazu lit. geguzi, lett. dzeguze, apr. 
geguse. (Meillet MSL 12, 1903, 
213-5), zu einer idg. wzl *ghug, 
daneben *ghuk in ai. ghuka- ‘eule’; 
beide erw. zu *ghu neben *gu, wie 
in gr. foóí ‘das schreien’, lit. gauti 
kreischen’, ir. guth ‘stimme’; dane- 
ben mit anderem anlaut *ku ín 


gr. xcoxiko ‘wehklagen, xóxxu^, lat. 
cucúlus, ai. kðkilas ‘kuckuck’. 
Also schallnachahmende bildun- 
gen (Suolahti 5). — Deshalb 

besser nicht zu geyja zu stellen. 
wie das von Grienberger Sitz. ber. 
AW Wien 142,1900 Nr 8, 95 tat. — 
Unwahrscheinlich aus *ga-auka, 
etwa ‘der mit den eigenen kindern 
aufwachsende oder mitemáhrte’ 
(soUhlenbeck ANF 15, 1898, 151-3 
und PBB 33, 1908, 183 unterhin- 
weis auf ai. parapusta-, parabhrta-). 
gauia schw. V. ’heulen, schreien’, nisi. 
norw. gaula, fár. geyla. — > me. 
goulen, gaulen, gawlen, ne. dial. gowl 
(Björkman 69); > shetl. gjol ‘schreien’, 
gel ‘wehen, heulen’, vgl. golbrel ‘lautes 
biöken der kiihe’; > orkn. gowl 
‘plötzlicher ausruf’. — vgl. gá 1, geyja, 
gol, gola 3, gylðir und gyljaðr. 
gaum f. gaumr m. ‘aufmerksamkeit’, 
nisl. gaumur, fár. geymi, geymur, 
nnorw. gaum. — > me. gðm, ne. dial. 
gaum, gome (Björkman 70); > shetl. 
gum ‘geist, stimmung’. — ae. gieme 
‘sorge’, afr. gáme ‘fiirsorge’, as. gðma 
‘bewirtung, aufmerksamkeit’, mnl. 
goom ‘aufmerksamkeit’, ahd. gouma 
‘aufmerksamkeit, schmaus’, vgl. abl. 
nisl. guma að ‘achten auf’, ae. ofer- 
gumian, as. fargumðn, mnl. vergomen 
‘versáumen’. — vgl. geyma und 
geymsla. 

Gehört wohl zur sippe von gá 3 
(s. O. Ramtoft GHÁ 56, 1950 
Nr 3, 263-5). Weniger einleuch- 
tend aus *ga-auma, zu asl. umú 
‘wahmehmung, verstand’ (K. F. 
Johansson PBB 25, 1900, 228). — 
Uber die bed. entw. des wortes, 
dcis auch ‘nahrung’ bedeuten kann, 
s. E. Rooth, Altgerm. Wortstud. 
1926, der von einer urspr. bed. 
‘emáhren’ > ‘sorgen fiir, acht- 
geben auf, wahmehmen’ ausgehen 
möchte; vgl. aber die wichtigen 
einwánde von F. Slotty, IF 46, 
1928, 366-372. 

gaupaf. ‘luchs’ (nur Alex. s.), nisl. norw. 
gaupa, nschw. dial. göpa. — > IpN. 
gaupa (Qvigstad 167). — ae. earngíap 
‘edelfalke’, das wohl weiter zu géopan 
‘verschlingen’ gehört (v. Kralik, Gött. 
gel. Anz. 176, 1914, 158-60). Also 

labial erw. zur idg. wzl *gheu ‘gáhnen, 
klaffen’; vgl. gómr und gaupn. 
Gaupi m. ‘name eines seekönigs’ (þula). 
Kann zu der sjppe von gau pa gehören, 
aber auch zu asl. gúbnqti, gybati 
‘biegen’, gybúkú ‘biegsam’ (wozu Uh- 
lenbeck PBB 26, 1901, 569 auch 

gaupa stellt). 



gaupn 


159 


gedda 


gaupn f. ‘hohlehand’ (< germ. * gaupanð), 
nisl. gaupn, far. geykn, nnorw. gaupn, 
dial. gaukn, gaufn, nschw. göpen, 
ngutn. gaukn 'hohle hand’, ada. geben, 
gjeven, gjœvn ‘handvoll’.. — > orkn. 
guppen, shetl. gjopm, gjopen, gop(e)n; 

> me. goupines (Björkman 70}, ne. 
dial. goxvpen (Thorsen 30). — Daneben 
auch norw. dial. gaupa, ndá. dial. 
gjeve. — ahd. goufana, mhd. goufen, 
gouf ‘hohle hand’, vgl. auch mnd. 
gepse, gespe, göpse, nhd. gápse, nnl. 
gaps ‘die beiden hánde voll’ (diese 
also < *gapsðn, *gipsðn). — lit. 
íiúpsnis neben íuksmu ‘handvoll’, wie 
lett. íupsnis neben luksnis 'bund, 
biindel’ (Fraenkel IF 55, 1937, 8l )- 
Dagegen geht Torp, Wortschatz 137 aus 
von einer wzl *gub, *gup ‘sich biicken, 
krumm sein’, vgl. gumpr und weiter 
gaupa, geyf>na, vgl. aberauch geyja. 

gaurr m. ‘erbármlicher mensch, lump’, 
nisl. gaurr ‘stange, grobe nagel, tölpel’ 
(und gaurast 'mit miihe arbeiten’), fár. 
geyrur ‘tangstengel mit bláttern’, vgl. 
nnorw. gaura ‘zu hoch wachsen’. — 

> me. gauren ‘anstieren’ (Björkman 
189); ne. dial. goury ‘dumm, tölpel- 
haft’ (Björkman 81). — Mit hinsicht 
auf die oft bezeugte entw. ‘stange, 
pflock’ > ‘bursche, man’ (vgl. drengr, 
knapi) wohl zu norw. dial. gorre 
'kleiner knabe’, schw. dial. garre, 
gurre, gosse, zur idg. wzl *gher ‘kurz, 
klein’ (A. Jóhannesson KZ 67, 1942, 
221); weniger einleuchtend zu got. 
gaurs ‘betriibt’, ai. ghðra- ‘furchtbar, 
grausam’ (IEW 453). 

gauss m. BN., wohl ‘schwátzer’, nnorw. 
gausa ‘strömen, hastig reden’. — vgl. 
geysa und gjósa. 

gauta schw. V. ‘schwátzen, prahlen’, 
nisl. gauta ‘schwátzen', nnorw. dial. 
gauta 'prahlen’. Daneben abl. nnorw. 
gut, nschw. dial. gutt ‘bursche, knabe’. 

— nhd. dial. gauzen, gáuzen ‘bellen, 
schelten’, ánl. guiten ‘bellen’, vgl. nnl. 
guit 'spitzbube, spassmacher'. — vgl. 
geyja und geytlan. 

Gauti^Gautr m. ‘mann aus G ötlan d*; 
'manrTjpöet ;); auch Odfrísname, nscHw. 
göt, gote, dah. suff. in PN. auf -got, - gut 
(H. Andersen NB 24, 1936, 88). vgl. 
manx run. Kautr PN. (Marstrander 
NTS 6, 1932, 286). — ae . Geat ‘Götter- . 
uarp g^^ Geatas^ ‘y^lksnairic 1 : got. 

‘G öttemame’ t s. Wessén, Studier 18-21), 
langob. Gausus PN.: lat. gr, gen n. 
rgiirnl — Gauti ~ (Schönfeld 103), Gauti- 
go< 4 -béi-J o r d t m as. — Diedgut.iing des 
name ns Gautar als di6~t >éi»rrthppr dac- 
■dandes am Gautelfr (A. Noreen FV 15, 


1920, 44 Hj. Lindroth NB 2, 75) 4 §t. 
nicht wahrscheinlich wegen d gs__ahL 
VW, Gotar, vg l . auch eotn ar 7 Unter 
I mknuplung an e fSTa hat man den 
namen als ‘zeugungskráítigen' deuten' 
wollen, was áuch wemg betnoí'ígí 
~Anders wieder H. Kuhn, Fschr. Trier 
1954, 417-433. — Dazu gauzkr ‘mann 
aus Gautland’. 

In PN. oft gebraucht . Nicht nur 
öautr selbst, sondern auch in 
Zss., wie Gautrekr, Gaulviðr, Gaut- 
VQr oder A Igautr, Asgautr, Eygautr, 
Holmgautr, Siggautr, Þórgautr, 
Végautr (A. Janzén NF 7, 1947, 
72). Ausserhalb Skandinaviens got. 
Gauterit (= Gautarlþs), fránk. 
Gauzharius, ae. Wulfgeat, Geatfleda 
(Naumann 38). — Gautstafr m. 
‘pferdename’, sonst aber bes. in 
Schweden PN. mit der bed. ‘stiitze 
des Gotenvolkes’ (v. Friesen NB 
8, 1920, 63-78). 

geð n. ‘bewusstsein, sinn, verstand, 
iiberlegung’, nisl. geð, nnorw. gjed, 
nschw. dial. ge(d), ndá. dial. gied, vgl. 
orkn. gee (Marwick 52). — Dazu 
geðlauss ‘ohne iiberlegung’ (> ne. 
dial. gedless ‘gedankenlos’, Thorson 28). 
— ahd. getilðs ‘ziigellos, mutwillig’. — 
-geði f. in Zs. punngeði ‘leichtsinn’ und 
n. in hraðgeði ‘jáhzom’, -geðr adj. in 
harðgeðr ‘hartsinnig’, stórgeðr ‘mutig’ 
u.a., geðjast schw. V. ‘gern haben’. 
Etymologie unsicher. Gewöhnlich 
zu gr. TroÖf), 716605 ‘verlangen, 
sehnsucht’, 7 to 0 eai ’ersehne, ver- 
lange’ (schon Falk, Fschr. Bugge 
1889,14-15), av. jaiðyemi ‘ichbitte’ 
lit. gedduju ‘sich sehnen’, gedu, 
gedéti ‘sich sehnen, trauera’, air. 
guidim ‘bitte’, also zu einer idg. 
wzl *gghedh (Meillet MSL 14, 
1906-8, 373). Befriedigt nicht, 
weil das germ. wort keinen labio- 
velar voraussetzt (so Uhlenbeck 
PBB 22, 1897, 544, der zweifelnd 
an eóðr ankniipft und Harding, 
Sprákvet. probl. 1, 1937 . 4 der gr. 
Xarioi ‘wiinsche’ vergleicht). An- 
ders, aber wenig iiberzeugend zu 
ahd. gigat ’passend’, afr. gadia 
‘verbinden’, as. gigado ‘genosse’ 
(Wood JEGPh 13, 1914, 501 und 
Lane JÉGPh 35, 1936, 23). 
gedda f. ‘hecht’, nisl. gedda, nnorw. 
gjedda, nschw. g ádda, ndá. gjedde. — 
> shetl. geddek, giddek ‘ammodytes 
tobianus’; > me. gedd(e), ne. dial. ged 
(Björkman 169); > mir. geadús (Craigie 
ANF 10, 1894, 163); > lpN. kaito. — 
Die lp. form weist auf eme mögliche 
gruncfform *gaiðiððn, das zu langob 




gefa 


160 


geiga 


gaida i. ‘speer’, ae. gSd i. 'stachel, 
spitze’ gehört (Lidén FUF n, 1911, 
135-8), zur idg. wzl *§hei 'antreiben, 
schleudern’, vgl. ai. hinoti, hinvati 
‘antreiben’, hiti- ‘geschoss’, av. zaéni- 
‘rege, eifrig’. 

Die friihere erklarung < *gazdiðn, 
also zu gaddr (A. Noreen, Fschr. 
Bugge 1892, 196; Schulze, Kl. 

Schr. 504) ist mit hinsicht auf 
das lp. lehnwort unmöglich. Fiir 
beide gilt zur erklarung der bedeu- 
tung ein hinweis auf frz. broche, 
brochet (vgl. auch hár 1). 
gefa st. V. ‘geben; erlauben, bestimmen', 
nisl. gefa, far. geva, nnorw. giva, run. 
schw. 3 P.S. prát. gAf (Stentoften 
c. 620, Krause Nr 51), nschw. giva, 
run. dá. 1 P.S. prás. gibu (Br 57 aus 
Seeland c. 550, Krause Nr 36), ndá. 
give. — got. giban, ae. giefan, afr. jeva, 
as. geban, ahd. geban. — lit. góbti 
'einhiillen’, góbtis ‘streben’, gabenú 
‘schaffe hin’, air. gaibim ‘nehme, er- 
greife’, gabál ‘das nehmen’. Falls 
hierher auch gehören sollte lat. habeo 
‘ich habe’ (IEW. 408), gab es neben- 
einander die idg. wzl *ghabh oder 
*ghap und *kap (vgl. hefja). Besteht 
dieser zusammenhang zu recht, so 
wáre das germ. V. wohl eine neuschöp- 
fung zu einer urspr. wzl *gaf : *gðf 
(vgl. lat. capio: cepi); das sind aber 
nur unsichere vermutungen. — vgl. 
gáfa, gafl, gipt, gipta, gjafi, Gjúki, 
eÍ 9 t. g<*fa. gœfr und gQfugr. 
gefja f. ‘speer’ (þuia). Möglich wáre eine 
(ironisch gemeinte ?) ableitung von 
gefa, odernur schreibfehler fiir glefja ? 
Gefjon f.‘name einer Göttin’. —-> finn. 
kapiot ‘brautgaben’, vgl. auch finn. 
kave ‘edel, vorziiglich’, estn. kabe 
‘rein, zierlich’; 'frau’ (Karsten GFL 
27-30, Fragen 86-92; dagegen aber 
bedenken Wiklund IF 38, 1917, 107). 
— Westgerm. lat. Gabiae ‘die gebenden', 
oder ‘die sehr reichen', Dea Garman- 
gabis (> lit. Mater-gabia, Polen-gabia 
'Göttinnennamen'). — Am besten zu 
gefa zu stellen (s. Sturtevant SS 24, 
1952, 166); aber man hat *gatii- auch 
< *ga-ati ableiten wollen, wie lat. 
Copia < *co-opia und dann zu afl 1 
(Karsten FMS 4, 1936, 480-4). Abzu- 
lehnen verbindung mit ae. geofen, 
gifen, as. geban 'meer’ (so J. Grimm, 
D. Myth 1, 198, W. Muller ZfdA 1, 
1841, 95 und Zachrisson NB 14, 1926, 
61). — vgl. Gefn. 

Sturtevant, Scand. Stud. 24, 1952, 
166, betrachtet Gefjon als eine 
fem. abstrakt-bildung zum stamm 
*gefj- (also nom. sg. Gef, gen. 


Gefjar), aus germ. *gabjð, mit der 
bed. ‘mildtátigkeit, gedeihen'. 

Gefn f. ‘beiname von Freyja’, im dá. 
auch flussname (vgl. ON. wie Gentofte, 
ált. Giafnatofte und Gevninge, s. A. 
Olrik DSt 1910, 26; aber Hj. Lindroth 
NB 5, 1917, 24-5). Eig. ‘geberin’. — 
vgl. Gefjon. 

gegn 1 adj. ‘gerade, recht; angemessen. 
tiichtig’ (< germ. *gagina), nisl. gegn, 
nnorw. gjegn, nschw. gen, gin, adá. 
gjen. •— > me. gein, gain 'vorteil, 
nutzen’, ne. gainly ‘anmutig, geschickt' 
(Björkman 151). — ae. gegn ‘gerade, 
recht’. Neben *gagina auch *gagana, 
vgl. me. (on)gain, ne. again. — Vermu- 
tungsweise zu ai. jaghána ‘hinterbacke, 
schamgegend', gr. xoxtúvi) ‘stelle zwi- 
schen den schenkeln' (Lewy PBB 32, 
1906, 140) und dann also zu ganga 
(wenig iiberzeugend). — vgl. auch 
gagn und gegfn 2. — Dazu gegna 
schw. V. ‘passen zu, geeignet sein; 
geziemen', nisl. fár. gegna, nnorw. 
gjegna ‘passen, geeignet sein’, nschw. 
dial. gena ‘treffen, widerlegen’, ndá. 
gjenne ’zuriicktreiben, fortjagen'; — 
ae. giegnan ‘wenden, treiben’, gegegnian 
'begegnen, treffen’, ahd. gaganen, gege- 
nen ‘begegnen’. 

— 2 práp. adv. ‘entgegen, zuwider’, nisl. 
gegn, fár. ( í)gegn, aschw. gen. — > me. 
gein, gain, ne. dial. gain 'nahe’ (Thor- 
son 26). — ae. gegn, afr. jén, as. ahd. 
egin, mnl. gegen, jegen. — Daneben 
gegn, vgl. ae. ongegn, ongéan, as. 
angegin, ahd. ingagin 'entgegen’; mit 
anderer práp. ae. tðgegnes, as. tegegnes, 
mnl. tejegen, tegen. —Weiter (í' gegnum 
nnorw. gjenom, nschw. genom, ndá. 
gjennem ‘durch’, vgl. ae. gegnum 'ganz 
zu ende’. -— vg!. gegn 1 und gogn. 

Gegnir m. PN. eig. ‘besorger’. — vgl. 
gagn. 

geifla schw. V. ‘schmatzen, kauen; 
murmeln’ (Bisk. s). (< germ. *gaibalðn), 
nisl. geifla 'den mund verziehen, die 
lippen bewegen’, nnorw. dial. geivla 
‘hin- und herschlendern’, nschw. dial. 
gáivla, gevla 'slecht kauen, stammeln’. 
— > shetl. gev(e)l, gef(e)l 'laut kauen’ 
(Jakobsen 209). — ne. gibe 'spotten’ 
(vgl. ae. gegáf ‘possen’, s. Holthausen 
IF 48, 1930, 263), nhd. dial. geiben 
‘gáhnen, begierig sein’, nnl. gijbelen 
'kichern’. — vgl. gifr. 

geiga schw. V. ‘seitwárts abweichen’, 
nisl. geiga, nnorw. dial. geiga ‘hin und 
her schwanken’, diai. geigla, geigra, 
geina 'schief gehen’, giga, gigla, gigra 
‘lose stehn, wackeln’ — vgl. das jan- 
Zw. ae. for-gíBgan ‘abweichen, iiber- 
schreiten' (vgl. gágol 'ausgelassen. 



geil 


161 


geirr 


schweifend’), afr. géia ‘busse zahlen’, 
nhd. geigen 'sich hin- und herbewegen’. 
Mit nasal-infix: ahd. gingo ‘verlangen’, 
gingén 'verlangen’. — lit. ziogauti 
'gáhnen’, ziogas ‘heuschrecke’ (IEW 
421), also erw. zur idg. wzl *ghéj, vgl. 
gjá und gigja, gjegr. — Dazu: geigr 
m. 'schade, verletzung’, auch BN., nisl. 
geigur ‘angst, gefahr’. — Geigaðr. m. 
(latinisiert Gegathus) ‘heldenname’ und 
Geiguðr 'Odinsname' eig. 'der am 
galgen baumelnde’ (Falk NVA 1924 
Nr 10, 12). 

geil f. ‘lángliche kluft, hohlweg’, nisl. fár. 
geil 'hohlweg’, nnorw. geil 'weg mit 
einem zaun an beiden seiten'. — > ne. 
dial. gale ‘stelle zwischen zwei hiigeln' 
(Thorson 26) und ON. wie Scategill, 
Galefield (Mawer 29). — vgl. nisl. geila 
‘trennen’, ae. gælan (< •gailjan) 
‘hindern, zögern’, mnd. gilen 'begehren, 
betteln’. — Erw. der idg. wzl *ghéi 
‘klaffen, gáhnen'; vgl. gjá und gil 1. 
geiligr adj. ‘schön, tiichtig’ (spát be- 
zeugt), vgl. gœiligr. 
geimi m. ‘meer’ (poet.), nisl. geimr 
‘grosser leerer raum’. — Erw. der idg. 
wzl *ghéi ‘klaffen, gáhnen’, vgl. gjá 
und gima. 

Man hat versucht dazu auch ae. 
geofon, gifen, as. geban ‘meer’, zu 
stellen, indem man von einer 
grundform *gimina ausgeht, und 
auf das verháltnis ae. heofon zu 
got. himins hinweist (Kluge KZ 
26, 1883, 87 und IF 4, 1894, 311). 
Zum verháltnis m: f s. noch F. 
Specht KZ 69, 1951, 134, der noch 
auf an. kleima neben ahd. klebén 
hinweist. Mit r-formans gehört 
wohl dazu ae. gársecg ‘meer’. 
geipa schw. V. ‘schwátzen’, nisl. fár. 
geipa ‘ds’, nnorw. geipa auch ‘offen 
stehen lassen’, (daneben dial. geipla 
'scherzen’), nschw. dial. gépa ‘spotten, 
schwátzen’, ndá. gjepe ‘grinsen’; dane- 
ben abl. nschw. gipa ‘den mund ver- 
ziehen’, mungipa ‘mundwinkel’ und 
mit schwundstufe nnorw. dial. gipa 
‘nach luft schnappen’, nschw. dial. 
gippa ‘spalte, riss’. — nnd. mnl. gipen, 
nnl. gijpen, as. gipðn ‘nach atem 
schnappen’; ae. gipian ‘jappen, gáh- 
nen’; vgl. noch nhd. geifeln ‘spöttisch 
lachen’, nnd. gibeln, gibbeln 'ds.’, ne. 
gibe, jibe ‘spotten’. — Erw. der idg. 
wzl *ghéi, vgl. gjá und geispa, gibbr 
und gipr. —Dazu geip n. und geipla 
f. ‘geschwátz’. 

Geirdriful f. ‘walkiirenname’, eig. ‘speer- 
schleuderin’; vgl. geirr und driful. 
geirfalki m. ‘jagdfalke, falco gyrofalco’ 
(norw. DN), so genannt nach den 


schaftstrichen auf dem blendendweis- 
sen gefieder. — > mhd. gerualch, 
greiffalk, mnl. geervalke; > frz. gerfaut, 
prov. girfalc, sp. gerifalte, it. gerfalco. 

— vgl. geirr und falki. — Dazu noch 
andere tiemamen wie geirfugl m. 
‘jagdfalke; alk’ und geirhvalr m. 
‘walart’. 

geiri 1 m. ‘keiiförmiger zeugstreifen an der 
kleidung’, vgl. Zs. setgeiri ‘dreieckiges 
stiick in einer mánnerhose’, ijisl. fár. 
geiri, nnorw. geire ‘keil, dreieckiger 
streifen’, nschw. dial. gere, ndá. dial. 
geere (vgl. ndá. gjcere ‘schrág schneiden’). 

— > ne. dial. gair ’dreieckiges land- 
stiick’ (Thorson 26); > orkn. geir(o) 
'eckiges landstiick’ (Jakobsen, Fsch. 
Feilberg 1911, 345). — ae. gára ‘ecke, 
spitze, vorgebirge’, afr. gára, mnl. gere, 
ahd. géro ‘keilförmiges stiick’ (aus 
fránk. *géro auch frz. giron ‘dreieckiges 
zeugstiick s. Gamillscheg 470). — vgl. 
geirr. 

— 2 m. ‘feuer’ (þula). Kann bedeuten 
‘das leuchtende’ (vgl. lit. gaisas ‘licht- 
glanz’), oder ‘das gierige’, vgl. nisl. 
girugr, also zur sippe von gjá (Jóhan- 
nesson, Wb 302 vergleicht ansprechend 
gr. 'riss’). 

geirlaukr m. ‘eine lauchart’ (nur Gðr I, 
17), nisl. geirlaukur. — ae. gárléac, ne. 
garlic ‘knoblauch’. — vgl. geirr und 
laukr. 

Geirlpðnir m. ‘Odinsname’ und ‘habicht’, 
eig. der zum speerkampf einladende’ 
(Falk NVA 1924 Nr 10, 12). — vgl. 
geirr und Igð. 

geirr m. ‘ger, speer’ (< germ. * gaizaz), 
nisl. nnorw. geir. — > finn. keihás, 
karel, olon. keihás, weps. keih ‘speer’ 
(< germ. grundform, vgl. Thomsen 2, 
185; Karsten GFL 151, FMS 4, 1936, 
487); junge entlehnung finn. kaira 
‘keil, bohrer’ (Thomsen 2, 179; Karsten 
FMS 4, 1936, 458). — ae. gár, afr. as. 
ahd. gér, mnl. geer. vgl. burg. *gaisus 
in PN. (Gamilischeg, Rom. Germ. 3, 
1x9). — Friiher als entlehnt aus: lat- 
gall. gaesum, gr. yaioov, 'schwerer 
eisemer wurfspiess’ betrachtet; eher 
umgekehrt, denn fiir germ. urspmng 
zeugt den germ. VN. Gaesatae. — gr. 
Xaio? ‘hirtenstab’, ai. hésa- ‘geschoss', 
air. gae ‘speer’ (IEW 4x0). — vgl. 
geirr, geisl, geisli und nafarr. 

Das wort geirr wurde auch als PN. 
gebraucht, vgl. aisl. norw. Geirr, 
run. schw. Kair, ahd. Ger. Sehr 
oft in Zss. und zwar als x. glied in 
Geirfinnr, (> ae. Garfin), Geir- 
mundr (ahd. Gérmund, ae. Gár- 
mund), Geirvgr; das nur norw. 
Geirþrúðr < ahd. Geretrudis, weiter 


11 



Geirglnir 


162 


gelda 


Geirlaug, Geirreðr, Geirþjófr ; vgl. 
got. Gaisareiks, fránk. Gisulfus und 
Gairbertus. —Als 2. glied in zahl- 
reichen namen wie AÍmgeirr, Arn- 
geirr, Auðgeirr, Bengeirr, Fastgeirr, 
Freygeirr, Friðgeirr, Hjalmgeirr, 
Holmgeirr {run. schw. hulmkaiR), 
Hrafngeirr, Hróðgeirr, Jóðgeirr, 
Jógeirr, Þorgeirr. Dagegen Jat- 
geirr < ae. Eadgar ; vgi. quad. 
Ariogaisus, wandal. Höhageis. — 
In infortis-position wurde -geirr 
zu -arr geschwácht, vgl. A xarr 
und Hróarr. 

Geirglnir n. 'Odinsname’, auch ‘bock' 
(þula). Nach Falk NVA 1924 Nr 10, 13 
aus *GeirQnlir entstanden und dann 
zur Walkiirenname Geirqnul gehörend, 
dessen 2. teil mit nisl. ana 'vorwárts- 
sturzen’ zu verbinden ist. Aber s. 
auch das selbstándig auftretende wort 
Qlnir. 

geisa schw. V. 'rasen, stiirmen’, nisl. 
geisa 'rasen’, fár. geisa 'stark branden, 
strahlen’, nnorw. geisa 'dampfen, aus- 
diinsten’. — < *ga-aison {Wadstein 
IF 5, 1895, 12; Neckel ANF 43, 1927, 

365). vg 1 - eisa 2 - 

geiskafullr adj. ‘vol schrecken’ (nur HH 
II), zu einem nicht iiberlieferten, aber 
nisl. belegten wort geiski ‘schrecken.’ 
—- got. usgaisjan ‘erschrecken’, usgeis- 
nan ‘sich entsetzen’. vgl. ae. gcestan in 
’schrecken versetzen.’ — av. zaéía- 
‘schauderhaft’, zöiSnu- ‘schaudernd’; 
mit d-erw: ai. hédas ‘árger, zorn’, 
hédati ‘árgert’ (hierzu vielleicht auch 
das wgerm. wort fiir 'geist'; ae. gast, 
gast, afr. jést, gást, as. gést 'atem, seele’, 
ahd. geist; IEW 427). 

geisl m. ‘stab’, nisl. geisl ‘stab, strahl’, 
nnorw. geisl, nschw. gtssel ‘peitsche, 
geissel’, adá gis(s)el ‘strahl’. — > finn. 
kaisla, kaihla, kaisila, kaihila, estn. 
kaizel 'schilfrohr’ (Karsten GFL 148, 
Setálá FUF 13, 1913, 373; -hl- < -zl-, 
also mit finn. stufenwechsel). — gelsla 
schw. V. ‘strahlen, erhellen’ und geisli 
m. ‘stab, strahl’, nisl. geisli ‘ds.’, fár. 
geisli ‘riickenwirbel, strahi’, nnorw. 
geisle ‘strahl’. — ahd. geisila, keisala, 
mhd. mnd. geisel, mnl. gesele ‘geissel’, 
langob. gisil ‘pfeilschaft’. — air. gial- 
laim ‘peitschen’. — vgl. geirr und 
gisli 2. 

Es ist unnötig zwei wörter geisli zu 
unterscheiden und zwar 1. 'stab’ 
und 2. ‘strahl’ und dann das 
zweite zu lit. gaisas ‘lichtglanz’ 
(unterhinweisauf geiri) zustellen; 
der iibergang 'stab’ > ‘strahl’ ist 
auch sonst bezeugt, vgl. ne beam 
und nhd. strahl. 


geispa schw. V. ‘gáhnen’, nisl. fár. 
geispa, nnorw. geispa, gjespe, nschw. 
gáspa, ndá. gispe. — ne. gasp ‘keuchen’ 
(< *gSspian). — Entweder p-erw. zu 
geisa oder metathesis von *gaipson 
zu geipa. 

geit f. ‘ziege’, nisl. fár. norw. geit, nschw. 
get, ndá. gjed. — > me. gayte (Björk- 
man 42 und ON. •Gatesgill (1273; 
Geytescales) und Gateford (1166; Gaite- 
ford) (Ekwall 184); > lpN. gajcca 
(Thomsen 2, 179, dessen form auf altes 
s-suffix der fem. kons. stámme hin- 
weist, s. Wiklund MO 5, 1911, 247). — 
got. gaits, ae. gat, as. gét, mnl. geit, 
ahd. mhd. geiz (Palander 115-7). — 
Iat. haedus, sabin. faedus ‘ziegenbock’ 
(beispiel fiir germ.-ital. spracheinheit, 
vgl. Krahe, Sprache und Vorzeit 76). 

— vgl. geitill, geitungr und kið. 

geitill 1 m. ‘harte stelle in einer weichen 

steinart’, auch in Zss. harðgeitill, hé- 
geitill ‘leichter quarz’, nnorw. geitel 
‘harte stelle im gestein’, geisle ‘hártere 
áder im gestein’; vgl. shetl. getel 
‘quarz’. — Diminutív zu geit. 

— 2 ‘name eines seekönigs’, auch Geitir, 
viell, ‘der in ziegenfell gekleidete’ oder 
‘der sich wie eine ziege gebárdende’; 
vgl. nnorw. geila 'sich wie eine ziege 
gebárden’. 

geitla f. ‘riesin’ (poet.) vgl. geit. 

geitungr m. 'vogel’ (pœt.) auch BN.; 
dagegen nisl. geitungr ‘wespe’, so nach 
den fuhlhörnern benannt; vgl. geit. 

gelda 1 st. V. vgl. gjalda. 

— 2 schw. V. ‘entmannen’ ( < germ. 
*galdian), nisl. fár. gelda, nnorw. 
gjelda, nschw. gálla, ndá. gilde. — > 
me. gelden 'kastriert, gelde ‘unfrucht- 
bar’, ne. geld ‘verschneiden’ (Björkman 
240); > lpN. galddit, kaldet ‘kastrieren’ 
(Thomsen 2, 180). — mm. gelten, nhd. 
gelzen. — geldingr m. ‘kastriertes 
tier’, nisl. geldingur, nnorw. gjelding, 
gjeldung. — > shetl. geldin; > lpN. 
gSldok (Qvigstad 160). — altflám. 
*geldingas (fiir úberl. geldindas) akk. 
pl. 'kastrierte tiere’; nnl. gelling, nhd. 
gellinghanf ‘mánnlicbe hanfpflanze’. 

— geldr adj. ‘unfruchtbar, nicht 
milchgebend' (< germ. *galdia), nisl. 
fár. geldur, nnorw. gjeld, aschw. galder 
(weist auf stamm *galdu- hin, s. 
Noreen. Gramm, § 424 Anm 2); nschw. 
gall, gáll, ndá. gold. — > ne. dial. 
geld (Thorson 28); > lpN. galdda ‘un- 
fruchtbar, verschnitten’ (Qvigstad 160). 

— ae. gielde, mnd. mnl. gelde, ahd. galt. 
— Nach M. Olsen IF 38, 1917-20, 168 
hierher auch phryg. TáXXot ‘die ver- 
schnittenen diener der Kybele’. — vgl. 
gjalding, gQltr und viell. galdr 1. 



gelgja. 


163 


gera 


Das wort ist nicht mit Jóhannes- 
son, Wb. 385 zu idg. *ghel ‘schnei- 
den’ zu stellen (unter hinweis auf 
ai. hala 'pflug', arm. jlem ‘furche, 
pfliige’), sondem zu idg. *ghel 
‘abschálen'; H. Schwarz, Fschr. 
J. Tner 1954, 448-449 weist 

darauf hin, dass die kastrierung 
dazu diente, das wachstum der 
tiere zu fördern, und vergleicht 
lat. glíscere 'fettwerden’. Fur wei- 
tere verwandte vgl. glaðr. 
gelgja f. ‘stange, pfahl’ auch ‘fessel des 
Feurirwolfes’, nisl. gelgja ‘wangenbein 
eines fisches, hagere person’, nnorw. 
gjelgje, gjeje ‘stange úber dem herd 
zur befestigung des kesselhakens’. — 
vgl. galgi. 

gella schw. V. 'schreien, kreischen’, nisl. 
fár. gella, nnorw. gjella, aschw. geslla 
(vgl. aschw. Gelandri, name eines der 
wasserfálle im Dnjepr, s. A. Kock 
IF 10, 1899, 106). — vgl. gjalla. — 
Dazu GelUr m. PN., auch ‘ochs, 
schwert’ (poet.), eig. ‘der schreiende’. 
(vgl. kymr. ON. Gelliswick, Charles ON. 
rel. with Wales 1934, s - I4 1 )- 
gelmingr m. ‘schwert’ (þula). — vgl. 
galmr. 

gelta schw. V. ‘beilen, schreien’ (poet.) 
(< germ. *galatjan), nisl. gelta ; vgl. 
ndá. dial. giœlte ‘eindringlich bitten’. 
— ahd. gelzðn ‘aufschreien’, mhd. 
ergeltzen ‘singen (der vögel)’. — Wohl 
dental-erw. zu gjalla, vgl. gjglta und 
gQltr\ aber nach Lidén MASO 1, 1937, 
54 < *galptjan, also weiterbildung zu 
gjalp. 

gemla f. ‘einjáhriges schaf’ (poet.) und 
gemlingr m. ‘einjáhriger widder’, nisl. 
gemla, nisl. fár. gemltngur; vgl. noch 
nnorw. schw. dial. gimber, ndá. gimmer- 
lam ‘einjáhriges weibliches lamm’, 
nschw. dial. gemmer ‘mutterlamm’. — 
gr. xí[iapo; ‘ziegenbock, einjáhrige 
ziege’, x l I iai P a ‘ziege’, vgl. ai. hima 
‘kálte, frost’, himá 'winter’, av. zgmaka 
‘wintersturm’, toch. B faiyye ‘vieh’ 
(v. Windekens 127). — vgl. gói, 

gumarr, gymbr und gamall. 
éemlir m. ‘adler, habicht’ (poet.), auch 
PN. (bewahrt in norw. ON. wi eGjemme- 
stad, Gjemlestad, s. A. Janzén NK 7, 
! 947 , 25), eig. ‘einjáhriger vogel’ (Falk, 
Fschr. Sievers 1925, 240). vgl. gemla 
und gamli. 

Dnwahrscheinlich Wadsteins er- 
klárung IF 5, 1895, 13 < ga- 
hamal eig. ‘verstummler’, vgl. 
hamall. 

gemsa schw. V. ‘ausgelassen sein’, nisl. 
gemsa ‘spotten, ausgelassen sein’; vgl. 
nnorw. gamsa ‘scherzen’, nnorw. schw. 


dial. gams ‘leichtsinnige rede’. — vgl. 
gaman und gumsa. — Gemslnn m. 
‘schiffsname'; wohl weil das schiff 
plötzlich in die wellen untertaucht 
(M. Olsen MM 1931, 42). — Gemsir 
m. BN. eig. ‘spassmacher’. 

gengi n. ‘begleitung, gefolge, hilfe’, nisl. 
gengi, fár. geingi, nnorw. gjenge, aschw. 
adá. gcenge. Wohl < *ga-gangja und 
dann áhnlicher art wie die Zss. eptir- 
gengi ‘unterstútzung’, umgengi ‘zwi- 
schenkunft’ (E. Ekwall UUA 1904 
Nr 3, 47). —- > me. genge ‘haushalt, 
dienerschaft’. — as. gigengi ‘reihen- 
folge’, vgl. got. fauragaggi ‘verwaltung, 
haushaltung’. — Geschwácht zu -ingi 
in Zss. armingi, aumingi, bandingi, 
foringi, hamingja, heiðingi, lausingi. 

— gengr adj. ‘gangbar, geláufig', nisl. 
gengur, aschw. gesnger. Daneben mit 
s-erw.: aschw. gesngse, nschw. gángs, 
ndá. gesngs und norw. gjengsen, nschw. 
dial. gángsen ’durchgángig’. — ae. 
genge ‘passend, geeignet’, afr. gendze, 
mnl. genge, ginge, gange, ahd. gengi 
‘gangbar, gebráuchlich’. —vgl. ganga. 

genja f. ‘axt’ (þula), vgl. schiffsname 
Brandagenia ‘das schiff mit gáhnendem 
brandr’. — vgl. gana. 

genta f. ‘mádchen’ (< germ. *gantjðn), 
fár. genta, nnorw. gjente, jente, wohl aus 
ostskand., vgl. nschw. dial. gánta; 
daneben schw. dial. gant m. ‘tölpel’. — 
Gehört zu nisl. nnorw. gant 'scherz’, 
nnorw. gantast, nschw. dial. ganta, 
gantas, gantra ‘scherzen’. Wohl t- 
bildung zu gana. 

gera schw. V. ‘machen, tun, bereiten’ 
(< urgerm. *garwian); zahlreiche 
nebenformen: gerva, gtrra, gerva, gjgra 
und gjgrva, noch nicht endgultig geklárt 
(s. A. Kock UB 242-7, v. Friesen, 
Nysvenska Studier 14, 1934, 123-164 
und H. Andersen AphS 18, 1945-8, 
315-324). Die formen mit e statt 0 
werden aus infortis-position erklárt 
(Boer, Gramm. § 104; aber anders H. 
Pipping, Fschr. Lidén 1912, 145), 

wáhrend gjorva < *gerwan (mit ana- 
logisch wiederhergestelltem w, s. Pip- 
ping. Inl. 127) erklárt werden kann. 

— nisl. gera, gjera, fár. gera, nnorw. 
gjera, nschw. göra, ndá. gjere (run. dá. 
kaurua, kirua, s. Jacobsen-Moltke Sp. 
659-60). — > me. geren, garen, ne. dial. 
gar (Björkman 151); > shetl. gera. — 
ae. gearwian gierwan ‘zubereiten, ko- 
chen’, as. gerwian, garuwian, gir(i)wian, 
ahd. garawen ‘fertig machen, zuberei- 
ten’, mhd. gerwen auch ‘gerben, beklei- 
den’. — vgl. gerð 1 u. 3, gerr, gersta, 
gervi, gor und gQrr. 

Etymologie unsicher. Die vielfach 



gerö 


164 


gersemi 


angenommene erklárung aus *ga- 
arwa- zu Qrr (Kauffmann PBB 
20, 1895, 53 ° und Hellquist 323) 
ist wenig ansprechend. Geht man 
von der freihch unsicheren ver- 
mutung aus, dass die grundbed. 
etwa ‘kochen’ war, so sind zu 
vergleichen: ai. haras n. ‘glut’, 
ghrlná- m. ‘glut, hitze’, av. garsma- 
‘heiss', arm. jer ‘wárme, schönes 
wetter’, gr. 6ep|x6; ‘warm’. Öépo? 
n. ‘sommerhitze, emte’, lat. formus 
‘warm’, air. fo-geir 'erwármt’, 
gorn ‘feuer’, lit. gáras ‘dampf, 
heftiges verlangen’, lett. gars 
‘dampf, geist, seele’, asl. gorití, 
gorétí ‘brennen' (fiir das fruher 
hierzu gebrachte wort varmr, s. 
dort). Aber wie soll man dann 
wieder germ. g fiir idg. ggh erklá- 
ren ? Die grundform garwjan weist 
auf sekund. bildung zum adj. 
*garwa (vgl. gerr), die ws. im 
wgerm. stattfand und sich nach 
Skand. ausbreitete, und zwar als 
die Goten, die das Zw. nicht ken- 
nen, schon fortgezogen waren (s. 
de Vries, Fschr. v. d. Wijer 1944, 
M 4 - 7 )- 

gerð 1 f. auch gerd, gjprð ‘herrichtung, 
ausfiihrung' (< germ. *garwiþð ); nisl. 
gerð, gjörð, fár. gerð, nnorw. gjerd, nschw. 
gárd, ndá. gcerd. — > shetl. gjord 
'einkiinfte, geschenk’ (Jakobsen 216); 
> lpN. gcerrda, ícerrda ‘art, weise’ 
(Qvigstad 185). — ahd. garawida 'her- 
richtung, vorbereitung’. — vgl. gera 
und orð 2. 

— 2 f. 'umfriedigung, einhegung; giirtel’ 
(daneben auch gjerð). — nisl. gjðrð, 
nnorw. nschw. ndá. gjord. — > me. 
gerth, garth, ne. girth (Björkman 152). 

— got. gairda ‘gurtel'; daneben abl. 
mhd. gurt, mnd. gorde. — Idg. stehen 
in der bed. ‘flechten, winden; umzáu- 
nen, umgiirten’ nebeneinander die 
wzln *gherdh, vgl. ai. grha- ‘haus, 
wohnung’, av. gtreda ‘höhle’, alb. garth 
'hecke’, asl. gradú 'burg, stadt, garten’, 
lit. gafdas ‘pferch’, gardis 'gitter’ (und 
mit anderem dental-auslaut: lat. hortus 
‘eingeschlossener hof’, gr. xópros "g e_ 
hege’, air. gort ‘seges’) und *gherdh, 
vgl. lit. iafdis ‘umzáunter weideplatz’, 
íardas ‘stangengeriist (zum trocknen 
des getreides)’, apr. sardis ‘zaun’. 
(IEW 444). — vgl. garðr, gerða, 
gerði, girði, gje*ð, gyrða und 
gyrðill. 

— 3 f. ‘bierhefe’, nisl. gerð 'ds.’, nnorw. 
gjerd ‘gáren, reifwerden’, nschw. dial. 
gál ‘gáren', adá. gierd, ndá. gjcer ‘gáren’. 

— mnd. gere 'gárung, misthaufe. 


schmutz’, gare ’auf dem felde ausge- 
streuter diinger’, geren 'gáren’, afr. 
iere, nnl. ier, gier ‘kuhjauche'. — 
Vielleicht zur idg. wzl *g*her ‘warm 
sein’, vgl. aber gera. 

— 4 f. 'gerte, stab’, nur in kenningar fiir 
‘schwert’, wie beðgerð, fetilgerð (s. E. A. 
Kock NN § 108) spáte entlehnung 
< mnd. gerde ‘gerte’. 

geröa 1 f. auch gjarða ‘frauengiirtel’ 
(poet.), nisl. gerðar fpl.— vgl. gerð 2. 

— 2 auch girða schw. V. ‘einhegen, 
umzáunen', nisl. girða, fár. gerða, 
nnorw. gjerda, nschw. gárda, ndá. 
gjcerde. — vgl. gerð 2. —Dazu: gerði 
n. ‘umzáuntes landstiick', nisl. gerði, 
nnorw. gjerde, nschw. gárde, ndá. 
gjcerde. — > ne. ON. Gardham (1303 
Gerthum, d.pl., Ekwall 183); > hebrid. 
gearraidh ‘weideland’ (Henderson 117); 
> shetl. gerdi. 

Gerðr f. ‘dienerin von Freyja, auch PN. 
Der mythol. name wurde von M. 
Olsen MM 1909, 22 zu garðr gestellt 
und als ‘göttíiche vertreterin des 
umzáunten ackers’ aufgefasst (vgl. 
gerð 2). Dagegen fiihrt Sahlgren 
NB 16, 1928, 6-7 an, dass ein Götter- 
name nie ein PN. sein kann und 
schon deshalb Gerðr nicht ein alter 
name einer göttin gewesen sein kann; 
er denkt deshalb an kurzform von 
namen auf -gerðr. Nach A. Janzén 
NK 7, 1947, 46 könnte der name Gerðr 
zu Garðr gebildet sein. 

Nicht selten als 2. glied von í. PN. 
wie Asgerðr, Bauggerðr, Freygerðr, 
Fr